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Zwei Mal Großbritannien – und zurück…
Eine Pflichtveranstaltung in der zweiten Hälfte des
Geographiestudiums war die Teilnahme an der „großen Exkursion“, die ins
Ausland führte. Die freiwillige Ungarn-Studienfahrt mit Dr. Achenbach nach
meinem ersten Semester – an der ich wohl als der „dienstjüngste“ Student
teilgenommen hatte, galt natürlich nicht als eine solche „große
Exkursion“, obwohl sie für mich den Einstieg in die eigentliche
geographische Arbeit bedeutete und von der Teilnahme an der
Algerien-Forschungsreise nach dem zweiten Semester, auch mit Dr.
Achenbach, ihre intensive Vertiefung erfahren hatten.
Jetzt, gegen Ende meiner Studienzeit, konnte ich
zwischen zwei Studienfahrtangeboten wählen: Einmal der großen
Alpenexkursion mit Prof. Mensching – die einen sehr guten Ruf wegen ihrer
hohen Anforderungen und wegen ihres wissenschaftlichen Ertrages hatte –
und der Großbritannienexkursion mit Prof. Voppel, der den
wirtschaftsgeographischen Lehrstuhl innehatte. Für mich kam nur letztere
Reise in Frage, da ich als Nicht sportlicher Typ an Gebirgskraxeleien
keinen Gefallen fand und der mich auch wegen meiner Höhenangst und
ständigem schwindelig Werdens nicht in Frage kam. Teilnehmer dieser
Exkursion berichteten aber ganz begeistert über das Gruppenerlebnis auf
der Hütte und am Berg. Prof. Voppel genoss dagegen eher den Ruf eines
bedächtigen und nicht sehr motivierenden Exkursionsleiters, obwohl das in
Aussicht stehende Programm sehr interessant erschien.
Ich selbst ging eigentlich viel zu wenig vorbereitet
und fachlich eingestimmt auf diese Exkursion, da ich während dieses
Halbjahres gerade – unter Vernachlässigung meiner studentische Pflichten –
den Job eines Bundestagsassistenten bei dem SPD Mitglied des Bundestages
Helmut Rohde zur Vorbereitung der Bundestagswahl 1969 angenommen hatte –
auf Empfehlung der lokalen SPD-Prominenz wie Herbert Schmalstieg, später
langjähriger Oberbürgermeister von Hannover, und Gerhard Schröder, den ich
hier wohl nicht extra vorzustellen brauche. Die fachliche Auswertung der
Exkursion erfolgte dabei parallel zur Reise selbst und als Nachbereitung.
Mit dem Bus fuhren wir zunächst nach Belgien, wo wir
für eine Nacht in der Universität
Leuven (Löwen) unterkamen. Die
Katholieke Universiteit Leuven gehört mit ihrem Gründungsdatum von
1425 zu den ältesten Universitäten Deutschlands und wir konnten in der
Kürze unseres Aufenthalts doch einen kleinen Eindruck von den alten
Campusgebäuden und den Räumen für Aufenthalt und Essen erhalten und waren
damit auch eingestimmt auf das Erlebnis des Besuchs der Universität Oxford
einige Tage später.
Am nächsten Tag setzten wir dann mit der Autofähre
von Oostende nach Dover über – wobei unserem Busfahrer das Malheur
passierte, beim rückwärts rangieren mit der Heckscheibe an einen
Stahlbalken des Decks zu stoßen; die Scheibe wurde dann in England
notdürftig mit einer Plastikplane geschlossen und verklebt. Dann musste
sich unser Fahrer recht mühsam an den Linksverkehr gewöhnen – unter
ständigen Zurufen „Links bleiben!“, was beinahe zum Desaster geführt
hätte, als er einen Verkehrskreisel in der falschen Richtung umfahren
wollte. Aber schließlich gewöhnten wir uns an alles und unsere Fahrt ging
ohne weitere Zwischenfälle vonstatten.
Südwestengland
Der geographische Ertrag zielte an diesem ersten Tag
vor allem auf die Naturgeographie in Form der Küstenmorphologie der
Kreideklippen und der Strandschorren, die intensiv erklärt und betrachtet
wurden, vor allem an der Front der „Seven Sisters“ westlich von Dover.
Aber auch die Hafenanlagen wurden thematisiert, vor allem der alte
traditionsreich Marinehafen von
Portsmouth mit
der H.M.S. Victory, die am Victory Gate, HM Naval Base als
Museumsschiff liegt, zu deren Besichtigung aber leider die Zeit nicht
reichte, denn es folgte die Weiterfahrt über Southampton in Richtung
Cardiff.
Eine interessante Zwischenstation war dabei
Salisbury mit seiner imposanten mittelalterlichen Kathedrale, die der
Zeit entsprechend in einem eigenen Camus von Kirchen- und Klostergebäuden
umgeben ist.
Da wir hier eine der ältesten und interessantesten
Siedlungsräume im südlichen England durchqueren, lässt sich ein kurzer
Besuch von Stonehenge und Avebury mit unserer Reiseplanung gut verbinden.
Doch diese altgeschichtlichen keltischen Orte sollen hier nicht weiter
erörtert werden, da eine Unzahl von Informationsmaterialien dafür leicht
greifbar sind, angefangen von den entsprechenden Artikeln bei
Wikipedia.
Cardiff - Südwales
Mit
Cardiff gelangen wir dann zu einem Ursprungsort der industriellen
Entwicklung Englands, die größtenteils von Südwales und vom „black
country“ ausging. Zum Zeitpunkt unserer Exkursion machte Cardiff noch
einen recht herunter gekommenen Eindruck; alte verfallene Fabrik- und
Lagerhallen umgaben einen toten Hafen, aus dem einzelne Stahlgerüste und
Duhnen herausragten. Von Schiffen und Umschlag war nicht mehr viel zu
sehen. Das soll sich in den letzten Jahren wesentlich geändert haben, doch
bei unserem Besuch waren Cardiff wie das südwalisische Kohlerevier auf dem
Tiefpunkt seiner Entwicklung angekommen. Das unterschied die Stadt von
Bristol, das schon damals einen lebendigeren und aktiveren Eindruck
vermittelte, als wir es auf dem Weg nach Wales durchquerten. Bristol war
übrigens in den fünfziger Jahren eine der ersten Partnerstädte Hannovers
und die Bismarckschule hatte eine lange Zeit einen lebendigen Austausch
mit einer Schule in Bristol.
Unsere Fahrt geht dann in das südwalisische
Kohlenrevier mit dem
Rhondda-Tal,
Aberdare,
Pontypridd nach
Merthyr Tydfil. Es ist ein interessanter Eindruck von einem
Altindustrieraum, der nur langsam sich neuen wirtschaftlichen Aktivitäten
öffnet wie die Gewerbeansiedlungen in den südlichen Ausgangsgebieten der
alten Industrietäler. Diese sind tief in den Rand des walisischen Plateaus
eingeschnitten und ermöglichten dadurch durch den Anschnitt der
ausstreichenden Kohleflöze schon in der Anfangszeit der Industrialisierung
den Kohleanbau. Hier fanden sich dann auch die ersten Tiefschächte. Diese
Entwicklung stellte neue Anforderungen an die Infrastruktur zur
Beförderung der Kohle und gab damit den Impuls zur Entwicklung der
Eisenbahn, die das ältere Prinzip der Holzschienen für die kleinen
Holzwagen ersetzte durch eiserne „Hunde“ und später durch den Dampfantrieb
von Lokomotiven. Das wurde auf den Weitertransport zu Tage übertragen und
stellte den Beginn eines Eisenbahnnetzes dar. Die Abraumhalden wurden auf
die Berghänge geschüttet, was nicht ohne Risiko war. Kurz vor unserer
Exkursion rutschte eine solche Halde auf das darunter liegende Dorf ab und
verschüttete die dortige Schule, wobei einige Todesopfer zu beklagen
waren. Tödliche Unglücke begleiteten die Entwicklung des Bergbaus in
Südwales seit Beginn. Eindrucksvoll thematisiert dies ein Song von
Pete Seeger „The
Bells of Rhymney“. Der Text wurde geschrieben von dem Walisischen
Dichter Idris Davies und wurde zuerst 1938 publiziert. Der Inhalt
bezieht sich auf den Fehlschlag des Generalstreiks von 1926 und ein
Unglück in den Kohleminen. Die Texte werden den Glocken von Merthyr,
Rhondda, Blaina, Caerphilly, Neath, Swansea, Newport, Cardiff und Wye
zugeschrieben:
Oh what can you give me?
Say the sad bells of Rhymney.
Is there hope for the future?
Cry the brown bells of Merthyr.
Who made the mine owner?
Say the black bells of Rhondda.
And who robbed the miner?
Cry the grim bells of Blaina.
They will plunder willy-nilly,
Cry the bells of Caerphilly.
They have fangs, they have teeth,
Say the loud bells of Neathe.
Even God is uneasy,
Say the moist bells of Swansea.
They will plunder willy-nilly,
Say the bells of Caerphilly.
Put the vandals in court,
Say the bells of Newport.
All would be well if, if, if,
Cry the green bells of Cardiff.
Why so worried, sisters, why?
Sang the silver bells of Wye.
And what will you give me?
Say the sad bells of Rhymney.
Die Bergarbeitersiedlungen waren noch in ihrer
typischen alten Form erhalten. Ein- bis zweistöckige Ziegel-Reihenhäuser,
deren Eintönigkeit nur durch ihre kleinen Vorgärten und die
unterschiedlichen Farbanstriche der Haustüren aufgelockert wurden. Um
diese Mittagszeit lagen die Straßen völlig menschenleer da; nur ein
einsamer streunender Hund zeihte noch Leben. Und von diesen
Bergarbeitersiedlungen gibt es sehr viele, eher anonym wirkende
Häuserzeilen, oft am Hang des Tales in der Nähe der alten Bergwerke, die
heute nicht mehr betrieben werden. Zur Zeit unserer Exkursion war Südwales
ein wirtschaftliches und soziales Krisengebiet mit einer hohen Zahl von
Arbeitslosen und einer Aussiedlungswelle in die Großstädte Englands.
In Merthyr Tydfil kamen wir dann an dem oberen Ende
des Tales an und kamen hier in eine gänzlich andere Landschaft. Grünland,
Wiesen, Weiden, nur selten unterbrochen von Buschwerk-Gehölzen werden
gegliedert in Form eines großen Mosaiks durch „enclosures“ aus niedrigen
Mäuerchen und Steinwällen aus Bruchsteinen, ganz im Gegensatz zu den
„enclosures“ in Südengland, die aus Hecken bestehen und auf den Prozess
der „enclosures acts“ zurückzuführen sind.
Die Landschaft der walisischen Hochflächen entspricht dem extrem
maritim-atlantischen Klima. Es findet sich kaum Baumbewuchs und die
Grünlandwirtschaft dominiert. Das Gebiet ist äußerst dünn besiedelt, da es
kaum Erwerbs- und Lebensmöglichkeiten für die einheimische Bevölkerung
bietet. Merthyr Tydfil war für uns dann Ruhepause und Einkaufsmöglichkeit,
da sich hier ein veritabler Supermarkt fand. Wir haben uns vor allem mit
Getränken für die Weiterfahrt eingedeckt. Ich lernte hier erstmalig in
Dosen die chininhaltigen Limonaden von Schweppes kennen – aber sicher
nicht zur Malariaprophylaxe – mit denen ich eine ganze Tüte füllte, die
später noch Jahre neben meinem Schreibtisch lag wegen des kunstvollen
Aufdrucks „Merthyr Tydfil“.
Nordwales - Snowdonia
Unsere Exkursion führte uns dann weiter nach Westen
in Richtung auf die Küste zu. Hier verdichtete sich die Vegetation in
Strauch- und Niederwald-Landschaften, was zu einem kuriosen
exkursionstechnischen Problem führte: Prof. Voppel hatte auf der Landkarte
einen Weg parallel zur Küste am Hang ausgemacht, von dem aus wir die
Küstenlandschaft überblicken sollten. Leider war aber das Buschwerk hier
so hoch gewachsen, so dass wir vor uns und hinter uns nur in grünes Laub
blickten. Trotzdem war die Exkursionsleitung hier wenig flexibel und rief
die entsprechenden vorbereiteten Referate auf: Küstenformung, Vegetation
und Siedlungsgeschichte bis hin zu römischen Siedlungsresten… Gesehen
haben wir davon gar nichts.
Weiter ging es bis zu der ländlichen Kleinstadt
Dolgellau. „Dolgellau liegt am Fuße des
Cadair Idris, am Südrand des 1951 gegründeten
Snowdonia-Nationalparks. Münzfunde und andere Relikte zeigen, dass
schon die Römer hier gesiedelt und nach Gold geschürft haben.
Owain Glyndŵr hielt hier 1404 das letzte walisische Parlament. Das
Versammlungshaus wurde abgebrochen und 1885 in
Newtown in einem Park wieder aufgebaut.“ (Wikipedia.)
Der Ort zeigt ein typisches walisisches Ortsbild mit
Häusern aus grauen Steinen, niedrig und recht eintönig. Zu der Zeit, als
wir Dolgellau besuchten, fielen uns insbesondere die Vermittlungsstellen
der Job-Centren auf, die Stellenangebote weit außerhalb von Wales
vorwiesen, sowie Maklerbüros, die zu extrem niedrigen Preisen leerstehende
Häuser in der Umgebung anboten – nach der eher mickrigen Ausstattung der
Läden wohl eher ohne viel Erfolg. In gewisser Weise bestätigte Dolgellau
unseren Eindruck von einer ökonomischen Krisenregion, die ganz Wales
umfasste.
Der – im wörtlichen Sinne – Höhepunkt unserer
Walesreise war dann die Fahrt mit der Bergbahn auf den Mount
Snowdon im Snowdonia-Nationalpark, mit 1.085 Metern Höhe dem höchsten
Berg von Wales. Am Gipfel – der Endstation der Bergbahn – waren wir dann
schon in den Wolken. Gute Sicht hatten wir aber auf der Fahrt auf die
eiszeitlichen Kare und scharfen Grate des Berges. – Auf halber Strecke war
dann die Ausweichstelle, wo sich die Züge begegnen konnten und während
eines längeren Halts Wasser für die alten Dampfloks – übrigens alte
schweizerische Fabrikate – aufnehmen konnten.
Am Fuße des Berges hatten wir dann noch einen Blick
auf das
Caernarfon Castle in dem gleichnamigen Ort (früher Caernarvon),
wo kurz vorher der
Prince of Wales (walisisch Tywysog Cymru [wörtlich ‚Führer von Wales])
seine Insignien erhalten hatte. Der derzeit amtierende, einundzwanzigste
Prince of Wales ist Prinz Charles, der Sohn von Königin Elisabeth II.,
ernannt zum Prince of Wales am 26. Juli 1958 als Neunjähriger, eingesetzt
am 1. Juli 1969 in Caernarfon Castle, Wales.
Die Nacht verbrachten wir dann in der Jugendherberge von
Capel Curig, die mitten in einem Waldstück lag und mit dem Bus nicht
erreicht werden konnte, und von uns einen kleinen Gepäckmarsch über eine
kleinen Holzbrücke und einen Waldweg abverlangte. Das einfache, etwas
zugige Gebäude von unterstem Komfort-Standard reichte aber für eine Nacht,
die einem recht anstrengenden und vielfältigen Exkursionstag folgte.
Liverpool - Manchester
Nächste Station war Liverpool, wo wir uns
insbesondere mit der Hafen- und Verkehrsfunktion beschäftigten. (The
Princess Landing Stage.) Eine kurze Reminiszenz an die Beatles und eine
Freizeitphase zur selbständigen Erkundung der Stadt standen dann auf dem
Programm.
Die nächsten Tage führten uns dann aber ins Zentrum
der Industrialisierung Großbritanniens und in das Black Country.
Ausgangspunkt war Manchester, von wo aus die moderne Textilindustrie ihren
Ursprung nahm. Von Manchester aus wurden auch die ersten Fernstrecken der
Eisenbahn gebaut, was die Verkehrs- und Handelsbedeutung der Stadt schon
zu Beginn des 19. Jahrhunderts illustriert.
„Manchester spielte eine Schlüsselrolle während der
Zeit der Industriellen Revolution. Die zahlreichen Bäche, die in den
Pennines nördlich und östlich der Stadt entsprangen, waren ideal für die
Errichtung von Baumwollspinnereien, die durch Wasserkraft angetrieben
wurden. Die Stadt profitierte außerdem von der Nähe zum Hafen in
Liverpool. Nach der Erfindung der Dampfmaschine waren die
Baumwollspinnereien nicht mehr länger auf die Wasserkraft angewiesen und
in der Folge entstanden noch größere Betriebe in der Stadt selbst sowie in
den umliegenden Dörfern und Städten. Viele Bewohner ländlicher Gegenden
zogen auf der Suche nach Arbeit nach Manchester. Innerhalb weniger
Jahrzehnte stieg die Bevölkerungszahl um ein Vielfaches an und Manchester
wurde zum wichtigsten industriellen Zentrum der Welt. Die Eröffnung des
Bridgewater-Kanals, einem Narrowboat-Kanal, der von den Kohlegruben des
Duke of Bridgewater in Worsley bis nach Manchester führte, stellte einen
Verkehrsweg zur Verfügung, der für den sicheren und preiswerten Transport
von Kohle für die Dampfmaschinen und die Haushaltungen in Manchester
einerseits und andererseits für den Abtransport von Fabrikgütern aus
Manchester sorgen konnte. Das ungebremste Bevölkerungswachstum brachte die
Stadt an die Grenzen der Belastbarkeit. Die meisten Arbeiter wurden zu
Hungerlöhnen angestellt und mussten in erbärmlichen Zuständen leben. So
kam es 1797 als Folge einer Rezession in der Textilindustrie zu Aufständen
und Plünderungen… Die blühende Textilindustrie führte zu einer Expansion
der Stadt und zur Bildung eines breiten Vorortgürtels. Vor allem der Bau
von Eisenbahnen und Kanälen trug zum Wachstum bei. 1829 baute George
Stephenson die erste Eisenbahn von Liverpool nach Manchester (Liverpool
and Manchester Railway). Der Ausbruch des Amerikanischen Bürgerkriegs im
Jahr 1861 hatte eine sofortige Verknappung der Baumwolle zur Folge, was
die Textilindustrie in eine tiefe Krise stürzte. Um die Abhängigkeit vom
Hafen von Liverpool zu verringern, wurden zahlreiche Kanäle gebaut, allen
voran der 1894 eröffnete Manchester Ship Canal. Dadurch wurde Manchester
zur drittgrößten Hafenstadt Großbritanniens, trotz der Entfernung von 64
Kilometern zum Meer. Offiziell nahm Queen Victoria die Freigabe des
Bauwerks für den Schiffsverkehr am 21. Mai 1894 vor, doch war die
künstliche Wasserstraße schon ab dem 1. Januar in Betrieb“ (Wikipedia)
Die geographische Untersuchung Manchesters war
wiederum eine Meisterleistung von Prof. Voppel: Wir stiegen nicht einmal
aus dem Bus aus, sondern parkten hinter dem Bahnhof. Gerade noch der Turm
der Manchester Kathedrale war zu sehen, sonst eigentlich nichts
Bemerkenswertes; aber dennoch wurden hier die treffenden Referate gehalten
mit dem jeweiligen Zusatz: wenn hier nicht der Bahnhof wäre, könnten wir
sehen… Deshalb begnüge ich mich mit einer Beschreibung aus dem Internet,
die nicht unbedingt durch eigene Anschauung gefestigt wird.
Am Rande der
Pennines, dem zentralen Mittelgebirge Nordenglands, kam dann aber noch
meine eigene Blamage hinzu. An einem wenig bemerkenswerten Waldrand – ich
hatte die kommentarlose Fahrt nicht weiter verfolgt – rief mich Prof.
Voppel auf, mein Referat über die Geologie der Pennines zu halten… ???
Hier rächte sich meine mangelnde Vorbereitung der Studienfahrt – ich
berichtete ja schon davon –, denn mir war von dieser Themenvergabe nichts
bekannt. Ich musste mich entschuldigen; zwei andere Studenten, unterstützt
von Prof. Voppel selbst, rackerten sich an Hand der geologischen Karte
dann spontan mit dem Thema ab. Ich habe mir dann erst in London die
geologischen Karten beschafft. Spontan übernahm ich dann zusammen mit
meinem Freund Wilfried Eilers das Thema stadtgeographische Geschichte
Londons. Es blieben dann noch ein paar Tage Zeit, uns an Hand der üblichen
Reiseführer und mit einiger interpretatorischer Chuzpe das Referat
vorzubereiten, dass dann auch einigermaßen erfolgreich verlief.
Iron Bridge
Über
Shrewsbury fuhren wir dann zu einem einmaligen Industriedenkmal, der
Iron Bridge bei
Telford.
Iron Bridge ist die 1779 über den Severn gebaute weltweit erste
Eisenbrücke, von der der Ort seinen Namen ableitet. Um die Brücke bekannt
zu machen, wurde auch das früher Severn Gorge genannte Flusstal umbenannt
in Ironbridge Gorge.
Interessant ist die hohe Bogenkonstruktion aus zusammengesetzten
gusseisernen Streben, die dem Bauwerk einen imposanten Eindruck
hinterlassen. Und dass die Brücke heute noch steht und befahren werden
kann, zeigt die aus noch mangelnder Erfahrung rührende Redundanz der
verwendeten statischen Elemente. Heute ist die Brücke Teil eines
industriegeschichtlichen Museums.
Stoke on Trent
Die nächste Station war dann wieder ein altes
Industriegebiet, das den Übergang von der handwerklichen Tradition ins
Industriezeitalter dokumentiert und eine Reihe bemerkenswerter
Industriedenkmäler aufweist:
Stoke on Trent, in den „Potteries“.
Wie der Name schon sagt, handelt es sich um das Traditionelle Zentrum der
Steingut- und Tonverarbeitung. Wichtige Marken für Geschirr, Teller,
Tassen – auch für den Hof mit den royal Insignien bedruckt – haben ihren
Ursprung in den Potteries.

Stoke-on-Trent: Thomas Cone,
Alma Works, High Street, Longton (http://www.thepotteries.org/potworks_wk/076.htm)
Auch heute noch ragen die Brennöfen für die
Steingutherstellung aus dem Stadtbild, wenn auch heute als
Industriedenkmäler für die Touristen. Dennoch ist es sehr eindrucksvoll,
einen solchen Gewerbebezirk, der sich auf eine einzige Produktionslinie
gründete, in seinem Wandel und seinem heutigen Erscheinungsbild zu
betrachten. Die Potteries sind ein wesentlicher Schritt für die
Industrieentwicklung Nords- und Mittelenglands.
Oxford
So kamen wir zum letzten Abschnitt unserer Reise.
Über Birmingham, wo wir einige allgemeine Informationen über die heutige
industrielle Situation Englands und insbesondere die
wirtschaftsgeographischen Veränderungen des „black countries“ erörterten –
wobei heute auf die danach folgenden tief greifenden Umgestaltungen
hingewiesen werden sollte –, fuhren wir nach Oxford. Die Begegnung mit
dieser alten traditionsreichen und weltberühmten Universität mit ihren
Colleges, die sich über das ganze Innenstadtgebiet erstrecken und in denen
alle Baustile vom Mittelalter bis zum Tudor-Stil in typischer Form
erhalten sind, ermöglicht Einblicke auf die Kulturgeschichte Englands auch
abseits der Industriellen Revolution. Dazu fallen einem dann die
vielfältigen literarischen Dokumente ein, Romane, die das Leben in Oxford
thematisieren, wie z.B. die Kriminalromane von Dorothy Sayers.
Es ist eine ganz eigene akademische Welt, die von den Lebensformen
deutscher Universitäten deutlich abweicht, auch wenn im vergangenen
Jahrhundert nach und nach auch hier über Studenten- und Professorenschaft
die Moderne Einzug gehalten hat.
London
Den Abschluss bildet dann London, eigentlich ein
Thema für eine eigene geographische Exkursion und nicht nur als ein
„Anhängsel“ an eine wirtschaftsgeographische Reise durch Wales und
Mittelengland. Dennoch war auch hier der Aufenthalt interessant. Wir
übernachteten in einer etwas heruntergekommenen Pension in South
Kensington – bei den schon damals hohen Übernachtungspreisen wohl
unvermeidlich –, in der im Schlafraum Ratten treue Mitbewohner waren. Hier
braucht nicht im Einzelnen über die besuchten Stadtviertel von
Westminster, City, Soho u.a. berichtet werden. Wir kamen gerade in einer
Phase in die Stadt, in der ein spekulativer Bauboom für Geschäftshäuser in
der City durch eine Wirtschaftskrise unterbrochen war und viele Hochhäuser
jetzt leer standen und verrammelt und verriegelt waren. Aber hier wäre
eine Fortschreibung der stadtgeographischen Entwicklung bis zu den
heutigen Tagen sicher äußerst interessant, von der Bebauung der
„Docklands“ im ehemaligen Hafengebiet, bis zu der grundlegenden
Umgestaltung der randlichen Gebiete. Am Ufer der Themse hatten wir dann –
im Hintergrund Tower und Tower-Bridge – die Gelegenheit, unser schnell
zusammen geschustertes Referat über London
zu halten, bei dem der „große Brand“ und der Neuaufbau der Innenstadt
unter Christopher Wren
die zentralen Punkte waren.

Planskizze von Christopher Wren zum Wiederaufbau
von London nach dem Großen Brand [Benevolo: Die Geschichte der Stadt.
1983: 766 (Abb. 1119)]
„Eine weitere Netzstruktur legt sich im 19.
Jahrhundert über die Agglomeration London: das Eisenbahn- und
Untergrundbahn-Netz. Straßen und Schienenwege determinieren dann das
weitere städtische Wachstum und ermöglichen die Mobilität der Bevölkerung,
die ein ringförmiges Städtewachstum um das „alte London“ herum entstehen
lässt. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wird der urbane
Problemdruck in London so groß, dass erstmalig eine großräumige Stadt- und
Regionalplanung als notwendig angesehen wird.
Die verbesserte Verkehrsinfrastruktur macht es
möglich, um den verdichteten inneren Siedlungskern einen breiten
Grüngürtel (Green Belt) zu legen, um den herum neue Industriestandorte,
die das Zentrum nicht mehr aufnehmen kann, ebenso wie vor allem seit
Beginn des 20. Jahrhunderts die „New Towns“ als erste Satelliten- und
Wohnstädte geplant und gebaut werden (Rusch, 1969: 99; Benevolo, 1983).
Diese Struktur bestimmt auch heute noch die Agglomeration London, die dann
heute noch über die New Towns hinauswächst und deren
Agglomerationsprobleme, die sich schon in der zweiten Hälfte des 19.
Jahrhunderts bemerkbar machten – Verkehrskollaps, Umweltprobleme, lange
Pendlerwege, Wohnungsknappheit und hohe Grundstückspreise im
Stadtinneren –, auch heute noch nicht nachhaltig gelöst worden sind.

Abb.1 a + b: Wachstum von London: Siedlungsflächen
1830 und 1960 [Benevolo: Die Geschichte der Stadt. 1983: 968 (Abb.
1474-1475).]
Im 20. Jahrhundert löst zunächst New York London als
metropolitanes Weltzentrum ab. Doch heute haben sich die Probleme großer
und größter metropolitaner Verdichtungsräume von den klassischen Zentren
in den Industrieländern längst in die Dritte Welt verlagert, wo ein neuer
Typ von Metropolen als Armutszentren entstanden ist, deren
Bevölkerungszahl und -dichte kaum noch vorstellbar erscheint, so Städte
wie Mexico City, Bombay, Djakarta u.a., mit Einwohnerzahlen zwischen 15
und 20 Millionen. Doch viele der sozialen Probleme wie Elendsviertel,
Slums, Krankheiten, Armutskriminalität und gesellschaftliche
Desintegration sind zwar in größerem Maßstab sichtbar geworden, aber als
gesellschaftliche Probleme nicht neu: London im 19. Jahrhundert war nicht
nur Metropole und Handelszentrum, sondern auch Zentrum der Verelendung
und der sozialen Krisen.“ Aus: Martin Eilers:
London zur Zeit von Sherlock Holmes’. politik unterricht aktuell Heft
1/2004.
Die weitere Reise verlief weitgehend ereignislos.
Eine unvorhergesehene stundenlange Wartezeit ergab sich noch nach der
Überquerung der deutschen Grenze, als die Ölpumpe unseres Busses ihre
Funktion aufgab und den Motorraum mit Öl vollspritzte. Ein Anruf des
Fahrers bei seinem Chef ergab die Anweisung, zu warten, bis eine
Ersatzpumpe gebracht wurde. Und das dauerte! Schließlich gegen Abend kam
dann der Chef selbst mit seinem Mercedes und brachte das Ersatzteil. Es
dauerte dann doch noch längere Zeit, bis der Austausch vollzogen war.
Die müden Studentinnen und Studenten hingen dann auf
ihren Sitzen, recht vermufft und gelangweilt. Aber wir konnten den Lauf
der Dinge nicht beschleunigen. Der Chef des Busunternehmens nahm dann doch
etwas verärgert das Missgeschick unseres Fahrers mit der zertrümmerten
Heckscheibe zur Kenntnis… Und es war dann tief in der Nacht, als wir
schließlich in Hannover ankamen.
۞
Nordirland / Belfast
Nicht allzu lange nach dieser ersten Fahrt nach
Großbritannien, war ich gefordert, noch einmal nach England, Nordirland
und Schottland zu fahren. Kurz nach meinem Staatsexamen und dem Beginn
meiner Referendarszeit 1971 ließ ich mich, ehe noch die Arbeit am
Studienseminar richtig angefangen hatte, für einige Tage beurlauben, um
meinen jüngeren Bruder auf einer Reise nach Nordirland zu begleiten, wo er
einen halbjährigen Auslandsaufenthalt in einer Bildungseinrichtung
angeboten bekommen hatte.
Für ihn war der Flug über London nach Belfast die
erste Flugreise überhaupt. Wir flogen am Sa., 9.10.1971, mit der BA mit Zwischenstopp in
Bremen nach London, wo wir, mit mehrstündigem Aufenthalt, in eine
Turbopropmaschine einer Regionalfluglinie umstiegen. Das Wetter war
angenehm und klar, so dass wir immer wieder die grünen Landschaften unter
uns sehen konnten. Abbildungen dazu finden sich in unserem
Fotoalbum von der
Großbritannienreise 1971
In Belfast wurden wir dann vom Flughafen mit dem Auto
abgeholt – und machten unsere ersten Eindrücke vom durch den Bürgerkrieg
trostlosen Anblick Belfasts, mit ausgebrannten Häusern und Buswracks am
Straßenrand. Mir wurde daher schon sofort eine recht intensive Warnung
vermittelt, mich nicht auf eigene Faust in die Stadt zu begeben.
Die Bildungseinrichtung in Glencraig/Holywood (Camphill
Community Glencraig) liegt östlich außerhalb der urbanen Agglomeration
am Südufer des Belfast-Fjordes. Idyllisch gelegen in grünen Wiesen und in
Feldern nahe einer kleinen dörflichen Siedlung lässt Glencraig nichts
ahnen von den Unruhen und Gefahren des nordirischen Bürgerkrieges, der
damals mit hoher Intensität ausgefochten wurde. Zwei erholsame Tage auch
für mich, in denen sich mein Bruder in der Community einleben konnte. In
der Nähe war das
Ulster Folk & Transport Museum an der Hauptstraße von Belfast nach
Bangor (Road A2), in der Nähe von Holywood. Hier wurde zwar die
Geschichte Nordirlands aus protestantisch-probritischer Sicht dargestellt
(die Bezeichnung „Ulster“ deutet schon darauf hin), aber dennoch finden
sich interessante Exponate zur Siedlungs- und Industriegeschichte und zum
Volkstum der Provinz. Ich erstand hier einen umfangreichern Sammelband von
geographischen Studien über Nordirland, der auch in die
Mentalitätsgeschichte und das Brauchtum hinein ging. Z.B. war es
interessant zu lesen, dass die Unterstützung der schottischen Fußballclubs
bei den Meisterschaften streng nach Konfessionen unterschieden war – und
wohl noch ist.
Aber allzu viel Zeit konnte ich nicht für den
Aufenthalt aufbringen: der Rückfahrttermin stand an. Um die Reise auch für
mich noch besser zu nutzen, wählte ich diesmal als Transportmittel die
Eisenbahn. Am Abreisetag brachte man mich mit dem Auto zum Hauptbahnhof
von Belfast, wo mir zum Abschied noch der dringende Rat gegeben wurde,
kein Gepäckstück, und sei es auch nur eine Plastiktüte, „herrenlos“
herumstehen zu lassen: das würde mit Sicherheit einen sofortigen
Anti-Terror-Einsatz der überall vorhandenen Polizei provozieren…
Glasgow
Mit einem recht altertümlichen Personenzug fuhr ich
dann am Di., 12.10., – entlang der Nordseite des Belfast-Fjordes – nach Larne zur
Abfahrtstelle der Fähren nach Schottland. Von
Larne führt die Strecke nach Stranrear, wo der Zug nach Glasgow
abfährt. Heute finde ich diese Zugverbindung nicht mehr im Fahrplan;
möglicherweise ist sie eingestellt worden. Auch die Fähren landen heute
zum Teil nicht mehr in Stranrear, sondern in einem neuen Fährhafen von
Cairnryan. Einen literarischen Bezug kann man hier noch anfügen, nämlich
den Kriminalroman von Dorothy Sayers „Fünf falsche Fährten“, der in dem
damals noch dichteren Eisenbahnnetz von Galloway mit dem zentralen Ort
Kirkcudbright spielt und in dem der Eisenbahnfahrplan zur Lösung des
Falles beiträgt.[10]
Im Übrigen bleiben meine nachfolgenden Schilderungen von Glasgow doch ein
wenig unkonkret, da meine damaligen Beobachtungen sich an einem alten
Reiseführer orientierten, der im Laufe der letzten Jahrzehnte völlig
überholt wurde. War Glasgow Anfang der siebziger Jahre eine Stadt in der
tiefsten ökonomischen und sozialen Krise, folgte dann eine überraschende
Rekonstruktions- und Aufbauphase bis hin zur Wahl von Glasgow als
europäische Kulturhauptstadt. „1990 wurde Glasgow überraschenderweise die
6. Europäische Kulturhauptstadt (nicht London oder Edinburgh) und erhielt
1999 den Architektur- und Designpreis. 2003 wurde Glasgow Europäische
Sporthauptstadt. Nach dem Strukturwandel von einer eher industriell
geprägten Stadt, hat Glasgow ein modernes Kultur- und Kongresszentrum mit
zahlreichen unterschiedlichen Veranstaltungen. Darunter sind solche wie
der Science-Fiction-World-Con ‚Intersection‘ 1995 und ‚Interaction‘ 2005
mit etwa 4000 Teilnehmern. Tourismus, Sportveranstaltungen und große
Konferenzen prägen das Bild des modernen Glasgow.“ (Aus: Wikipedia:
Glasgow.)
Glasgow spielte während meines Politikstudiums als
Beispiel für die Klassengesellschaft Großbritanniens und die Entwicklung
der Arbeiterbewegung eine Rolle. Die alte Industrie dieses Raumes wurde
vor allem bestimmt von Werften, die zu dieser Zeit, in den sechziger
Jahren, in eine tiefe Krise gerutscht waren, da sie sich mit der
technischen und ökonomischen Entwicklung in anderen Ländern, insbesondere
mit Japan, nicht messen konnten.
Trotzdem waren infolge der starken Gewerkschaften, die Betriebe waren
durchweg „closed shops“, die nur Gewerkschaftsmitglieder einstellen
durften, Rationalisierungen und sogar grundlegende technische
Modernisierungen ausgeschlossen, so dass es immer wieder zu Streiks, damit
aber schließlich immer häufiger zu Betriebsschließungen kam. Dabei machten
sich einige Unterschiede im Klassenkampf der entstehenden Arbeiterbewegung
im Vergleich z.B. zu Deutschland bemerkbar. Von außen betrachtet ist es
ein Unterschied, dass die Anfänge der englischen Arbeiterbewegung sich
tendenziell gegen die industrielle Entwicklung richteten, die mit einer
gewissen Berechtigung als Ursache der sozialen Deklassierung und
Ausbeutung verstanden wurden. So stehen am Anfang die oft extrem
gewalttätigen „Maschinenstürmer“.
„Die Aktionen der Maschinenstürmer fanden vorwiegend
im Textilsektor statt und richteten sich dort gegen neue Maschinen der
Textilherstellung und -bearbeitung. Der Maschinensturm in England, nach
seinem legendären Anführer Ned Ludd auch als Luddismus benannt, war nach
E. P. Thompson auf den Zeitraum 1811 bis 1817 und auf drei Regionen und
Berufsgruppen begrenzt: Tuchscherer (West Riding of Yorkshire),
Baumwollweber (Süd-Lancashire) und Strumpfwirker (Nottingham). Tuchscherer
waren gelernte und privilegierte Arbeiter, während die Weber und
Strumpfwirker Heimarbeiter mit einer langen Handwerkertradition waren.
Alle drei Berufsgruppen erlitten eine Verschlechterung ihres Status durch
den Wegfall von Schutzgesetzgebung (Rauhmaschinenverbot und
Webstuhlbegrenzung) und durch die Konzentration von Webstühlen in den neu
gegründeten Fabriken mit ungelernten und jugendlichen Arbeitern. Auch in
Deutschland konzentrierten sich die Aktionen auf den Textilsektor mit den
Trägergruppen von Tuchscherern, Handwebern und Kattundruckern. An den so
genannten Weberaufständen waren Kleinunternehmer und Handwerker beteiligt,
die die entstehende Konkurrenz bekämpften.“ (Wikipedia „Maschinenstürmer“)
Auch wenn, wie das Zitat belegt, auch in Deutschland
Ansätze wie die Weberaufstände vorzufinden sind, organisieren sich die
Arbeiter hier stärker politisch. Die positive Rezeption des Marxismus und
die darauf aufbauenden gewerkschaftlichen und politischen Organisationen
(Allgemeiner Deutscher Arbeiterverein, ADAV, Sozialdemokratische Partei
Deutschland, SPD) tendieren zur Einheitsgewerkschaft mit einem allgemeinen
Solidaritätsgebot der Arbeiterschaft, während in England wie das Zitat
schon hervorhebt, die sozialen Binnenstrukturen und handwerklichen
Traditionen einen gemeinsamen Kampf immer wieder verhinderten.
In den Werften von Glasgow wurde dieser Trend auf die
Spitze getrieben, als in den sechziger Jahren Berufsgewerkschaften in
unbefristete Streiks gegeneinander traten und so die Produktion lahm
legten. Bekannt war der Streit zwischen der Schweißergewerkschaft und der
Gewerkschaft der „Vorzeichner“, die auf die Metallplatten die Schweißnähte
aufzuzeichnen hatten, eine Arbeit, die mit der Weiterentwicklung der
Schweißtechnologie in einen Arbeitsgang zusammengefasst werden sollte –
natürlich mit Wegfall der Vorzeichner-Jobs. So richtete sich der
Arbeitskampf unmittelbar gegen die technische Entwicklung – genauso wie
die durch Streik für einige Zeit erzwungene Besetzung von
Elektrolokomotiven mit einem zusätzlichen Heizer! – und weniger gegen die
betrieblichen und gesellschaftlichen Hierarchien. Die daraus resultierende
zunehmende Schwächung der Arbeiterbewegung in England führte dann mit
einer gewissen Konsequenz zur Anti-Union-Politik von Margaret
Thatcher.
Für Glasgow stand dann nur wenig Zeit zur Verfügung,
da ich erst spät nachmittags eingetroffen war. Zunächst musste ich mir
eine Übernachtungsmöglichkeit suchen – ich hatte nur eine Aktentasche als
Gepäck bei mir, so dass ich durch einige Straßen laufen konnte –, doch ich
fand zwar einige Hotels in der Nähe des Bahnhofs und auch kleinere Häuser
mit den Schildern „Bed and Breakfast“, doch alles war belegt, so dass ich
nach stundenlangem Herumirren zum Bahnhof zurück ging. Der St.
Enoch-Bahnhof existiert heute nicht mehr. Nur noch ein
Reisezentrum befindet sich in einem historischen Gebäude. Dort war mir
ein Hotel im Bahnhofsgebäude selbst aufgefallen (St. Enoch Hotel, St.
Enoch Square, Glasgow). Der äußere Eindruck,
verrußt und schäbig, wie das ganze Bahnhofsgebäude, war nicht sehr
vertrauenserweckend. Doch die Überraschung war groß, als ich den Eingang
von der Bahnhofshalle her erst einmal durchschritten hatte: Eine
gepflegte, eher luxuriöse „Gründerzeitlobby“ mit livrierten Hoteldienern
und einer riesigen Rezeption – alles ohne Fenster nach außen hin –
beeindruckten mich und ließen mich etwas ratlos nachfragen, ob ich ein
Zimmer haben könnte. Zunächst war dies auch eher abschlägig beschieden.
Ich berichtete, dass ich schon in der ganzen Umgebung nach einem Zimmer
gesucht hätte. Der Vorschlag wurde gemacht, dass ich doch zum
Flughafenhotel herausfahren sollte. Doch ich äußerte meine Bedenken, da
ich am nächsten Morgen in aller Frühe mit dem Zug – mit „british rail“,
denen auch das Hotel gehörte – nach Edinburgh fahren wollte. Das Argument
fand Beachtung und ich wurde gefragt, ob ich mit einem Behelfszimmer
einverstanden wäre, in das mir ein Bett gestellt würde. Natürlich war ich
einverstanden. Noch eine halbe Stunde Wartezeit verbrachte ich in der
Lobby, bis ich auf mein Zimmer geführt wurde. Mir wurde ein Sonderpreis
von 2,50 £ berechnet und ich war gespannt auf den Raum, der auf mich
wartete…
Mir öffnete sich ein großer und hoher Raum mit einer
üppigen Stuckdecke und einem Erker mit hohen Fenstern, die mit dicken
weinroten Samtvorhängen verdeckt waren und in dessen Mitte sich ein großer
Schreibtisch von „Chef-Format“ befand. Der Zimmerpage entschuldigte sich
für das Zimmer, das nur das Schreibzimmer einer größeren Suite sei, zu der
der Durchgang natürlich verschlossen war. Wer übernachtete üblicherweise
in solch einer Luxussuite? – Sanitäreinrichtungen waren natürlich
vorhanden. – Ein späterer Blick hinter die Vorhänge zeigte einen
überraschenden Blick auf die Bahnsteige des Bahnhofs. Doch die Fenster
waren absolut schalldicht, so dass ich die Nacht in himmlischer Ruhe
verbringen konnte. Im Hauptteil des Raumes stand ein fahrbares Bett mit
einem Matratzenlager, das auch der „Prinzessin auf der Erbse“ genüge getan
hätte. Gegenüber stand ein großes, modernes TV-Gerät, das ich dann auch
ausprobierte. Zu meiner Überraschung und Freude zeigte BBC die
Direktübertragung der 2500-Jahr-Feier Irans in Persepolis,
was mir, mit meinen persischen Interessen große Freude bereitete und mir
den geruhsamen Abend versüßte. So wurde ich dann auch mutig und bestellte
mir vom Zimmerservice kalte Getränke. Meine wichtigsten Erinnerungen an
Glasgow sind daher mit der Überraschung, dieses Hotel gefunden zu haben,
verbunden.
Morgens ging ich recht früh zum Frühstück und musste
mich noch eine dreiviertel Stunde gedulden. Die nutzte ich zu einem
kleinen Stadtspaziergang, in dem ich auch durch die alten Straßen
schlenderte und auf alte Kirchengebäude stieß. Einen Blick auf die
Industriegebiete konnte ich nur von ferne werfen, da die Zeit drängt. So
kam ich zum Hotel zurück und nahm ein reichhaltiges Frühstücksbüffet wahr,
mit frisch gepressten Grapefruit- und Orangensäften und mit frischem
Kaffee. So konnte ich mich frisch gestärkt, ausgeschlafen und
unternehmungslustig vom Hotel verabschieden und mich in den Zug nach
Edinburgh begeben.
Edinburgh
Von der Zugfahrt am Mi., 13.10., die recht zügig vonstattenging, ist
nicht viel zu berichten. Die schottischen Landschaften rauschten vorbei
mit Grünland, Wäldern und Seen. Vom Bahnhof in
Edinburgh ging es dann
zunächst wieder auf Hotelsuche. An der Hauptstraße, der Princes Street,
fand sich dann ein recht preiswertes Hotel, das sich über mehrere
nebeneinander stehende Wohnhäuser ausgebreitet hatte, mit dem großartigen
Namen: Clydesdale Commonwealth Hotels Ltd.: Royal British Hotel. So musste ich nach
dem Einchecken „endlose“ Flure entlang gehen, beim Übergang zwischen den
Häusern mit kleinen Treppen unterteilt, da die Niveaus unterschiedlich
waren, um dann ein recht kleines spartanisches Zimmer zu beziehen. Was für
ein Unterschied zum Bahnhofshotel in Glasgow! An unangenehmsten war es,
dass die Gemeinschaftstoiletten sic h am Ende des Ganges befanden, so dass
man sich nachts erst mal etwas überziehen musste.
Die Lage der Unterkunft war aber sehr geeignet für
die nun anstehende Stadterkundung.
Edinburgh wird geteilt durch ein flaches Tal, in dem sich auch der
Bahnhof befindet, das sonst aber als Grünanlage und Park anzusehen ist.
Auf dem Weg zum Castle besuche ich zunächst das
Royal Scotish
Museum (RSM) mit vielfältigen geschichtlichen Abteilungen. Vgl.
dazu wieder einige Bilder in unserem
Fotoalbum von der Großbritannienreise 1971. "Das Royal Museum ist ein
1888 eröffnetes Museum für Naturwissenschaften, Technik und Kunst in der
Chambers Street in
Edinburgh. Das Museum ist Teil der
National Museums of Scotland. Das Gebäude wurde von
Francis Fowke entworfen. 1998 wurde das Royal Museum an das direkt
angrenzende und neu gebaute
Museum of Scotland angegliedert. Beide Museen zusammen bilden das
National Museum of Scotland, das gemeinsam mit dem
National War Museum, dem
National Museum of Costume, dem
National Museum of Rural Life und dem
National Museum of Flight zu den Nationalmuseen in Schottland gehört"
(aus Wikipedia).
Heute beherbergt das Museum auch die
Scottish National Portrait Gallery, ebenfalls einem Zweig des
National Museum of Scotland mit hochrangigen Gemälden britischer oder
besser: schottischer Künstler der klassischen Zeit.
Anschließen steht das
Edinburgh Castle auf dem Programm. Ein besonderer Eindruck wird
vermittelt von den
Royal Scots Dragoon Guards über 300 Jahre Existenz des „Scotland's
only Cavalry Regiment“, das beteiligt war in den Napoleonischen Kriegen,
im Ersten und im Zweiten Weltkrieg. Ruft man die Web-Site der Guards auf,
wird man sofort mit lauter Dudelsack-Marschmusik begrüßt… Das Edinburgh
Castle liegt auf einem Felsen oberhalb der Stadt. Die Befestigungsanlagen
sind massiv und überwältigend und umfassen einen ganzen Komplex von
Burggebäude, Höfen und Verliesen. Wenn man Glück hat, kann man die
Wachablösung der Guards mit Dudelsackmusik bewundern. Ansonsten sind
Ausstellungsräume und natürlich der herrlich Blick über die Stadt
bemerkenswert.
Nach der Burgbesichtigung geht mein Weg über die
berühmte
Royal Mile, auf der alle offiziellen Besuche des Castles vor allem
durch Mitglieder der königlichen Familie paradieren.

1647 Map section showing the
overcrowding on the Royal Mile
An dieser königlichen Meile befindet sich der Kern
der alten schottischen Haupt- und Königsstadt und auch heute noch ist hier
ein lebhaftes Kultur- und Einkaufszentrum, von dem aus man dann wieder
herunter in die neueren Teile der Stadt herabsteigt.
Nach einer ruhigen Nacht im Hotel ging es morgens
wieder zum nahe gelegenen Bahnhof zum Zug nach York, meiner letzten
Besichtigungsstation auf meiner zweiten Großbritannienreise. Die Fahrt
führte durch das Industriegebiet von Newcastle Upon Tyne. Die alte
Bedeutung dieser Stadt kann hier nicht weiter gewürdigt werden und soll
ein Zitat aus einer Stadtbeschreibung genügen: „An der Stelle, an der
heute die Stadt erbaut ist, stand früher Pons Aelii, eine der
römischen Festungen entlang des Hadrianswalles. Nach dem 12.
Jahrhundert, als hier ein normannisches Kastell von etwa 1080 ausgebaut
worden war, entwickelte sich die Gemeinde zu einem wichtigen Kultur- und
Wirtschaftszentrum. Kohle und Wollstoffe wurden bereits im 13. Jahrhundert
von Newcastle aus exportiert, nach dem 16. Jahrhundert wurde Kohle der
Hauptexportartikel. Daher die Redewendung ‚Carry Coals to Newcastle‘
(Kohlen nach Newcastle bringen), die im Englischen die gleiche Bedeutung
hat wie ‚Eulen nach Athen tragen‘ im Deutschen, d.h.: etwas völlig
überflüssiges und unsinniges tun. Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts war
auch der Schiffbau ein wichtiger Industriezweig. Auch die erste Fabrik für
den Bau von Dampflokomotiven überhaupt, gegründet von Robert Stephenson,
befand sich in Newcastle.“
York
York war dann ein „Schmuckstück“ meiner Reise und die letzte Station.
Vom Bahnhof aus fand ich am Do., 14.10., recht schnell eine heimelige
Pension in der Low
Petergate in der Innenstadt, das "Galtres Lodge Hotel. Es war ein umgestaltetes Wohnhaus mit einem
familiären Pensionsbetrieb und mit sauberen, wenn auch kleinen Zimmern.
Aber ich brach dann schnell zu einem Stadtrundgang auf. In York ist man
eingebunden in die vielfältige Stadtgeschichte, die sich heute noch
deutlich und in vielen einzelnen Gebäuden wie dem York Minster, den
kleinen Altstadtgässchen – zu denen auch die beiden „Petergate“ gehören,
deren Namen auf den Schutzpatron der Stadt und des Münsters, St. Peter,
und das entsprechende Tor in der Stadtmauer verweisen – und natürlich, wir
haben es hier angesprochen, die mittelalterliche Stadtbefestigung, auf der
man fast die ganze Stadt umrunden kann – was ich dann nach der
Münsterbesichtigung auch tat.
Der Beginn und erste Höhepunkt meiner Stadterkundung
war das
York Minster, die größte mittelalterliche Kathedrale in England. Neben
der Architektur sind die farbigen Fenster bemerkenswert, die hohen
künstlerischen Wert darstellen. Vgl. dazu wieder die Abbildungen in
unserem
Fotoalbum von der
Großbritannienreise 1971

Das York Minster, größte mittelalterliche Kirche
Großbritanniens, im Frühling. Fotograf: Michael Hanselmann
Mein weiterer Weg führte mich einmal um die Altstadt
herum auf der mittelalterlichen Befestigungsanlage. Bei den Toren musste
ich dann zu ebener Erde über die Straße gehen, doch dann ging es weiter
über mal schmalere, mal breitere Wege auf der Mauer, nach außen hin mit
Zinnen und Mauern „gegen den Feind geschützt“. Es ging auch am
Universitätsgelände vorbei, wo ein Blick auf die alten Universitätsgebäude
Einblicke in ältere Zeiten universitären Lernens gaben, auch wenn die York
Universität heute eine moderne und fortschrittliche Bildungseinrichtung
ist. Zur Stadtbefestigung schreibt
ViaMichelin Reisen: „Die Stadtmauer aus dem 13. Jh. folgt dem
Verlauf der römischen Befestigung im Norden des Münsters. Sie wurde auf
den von den Wikingern zur Verteidigung aufgeschütteten Erdwällen
errichtet. Dort, wo noch einige der Zufahrtsstraßen zur Stadt enden,
durchbrachen die Normannen die befestigten Erdwälle und bauten so genannte
Bars oder befestigte Tore. Vom Bootham Bar verläuft die Mauer um den
Garten des Dekans herum zum Monk Bar und Aldgate. Gehen Sie nach der
Skeldergate Bridge und dem Baile Hill weiter bis zum Micklegate Bar, dem
Tor, durch das der König in York einzog.“

York, Stadtbefestigung

York, Stadtbefestigung
Auf dem folgenden Luftbild kann man die Lage und
Struktur der Altstadt von York mit dem York Minster im Mittelpunkt sehr
gut erkennen:
York. Luftbild mit York Minster.
Aber mein letzter Besuch in York war für mich noch
eine Überraschung, da ich mehr durch Zufall darauf gestoßen worden bin:
Das
National Railway Museum, in dem sich eine Fülle von originale
alten Lokomotiven und anderen technischen Exponaten aus der Geschichte der
Eisenbahn befinden.
York, Railway Museum
Aber auch Bilddokumente zur Geschichte des
Eisenbahnbaus und der technischen Entwicklung der Eisenbahnen finden sich
unter den Exponaten und vervollständigen den Einblick in die
Eisenbahngeschichte.
Das Museum beschreibt sich
selbst folgendermaßen: „Discover over 300 years of
history and over a million wonderful objects. Marvel at iconic
locomotives, watch engineering work in progress in the Workshop, browse
our object-filled Warehouse, or let off steam in the outdoor play area. “
Dass ich mit Begeisterung auf die Führerstände der
alten Lokomotiven kletterte und mir den Arbeitsplatz des Lokführers und
des Heizers ansah, versteht sich von selbst. Eine ganze Reihe alter
Lokomotiven war für eine solche Besichtigung eingerichtet. Dazu kamen dann
immer die Schrifttafeln mit den Erläuterungen zur Technik, zum Bau, der
Konstruktion und des Einsatzes der Schienenfahrzeuge.

Navvies building the
Underground Metropolitan Railway, 1863. Credit: National Railway Museum
Die letzte Überraschung traf mich dann im hintersten
Teil des Museums, als eine junge Dame auf mich zu kam und mich fragte, ob
ich ein paar Minuten für sie zur Verfügung hätte. Das bejahte ich dann
sofort. Die Dame war eine Befragerin des York Tourist Boards, mit einem
umfangreichen Fragebogen, was ich in York besichtigt hätte, wie es mir
gefiel, und was ich Besonderes im York Railway Museum gefunden hatte. Ich
bemühte mich, die teilweise recht komplizierte Ausdrucksweise der Frage
richtig zu verstehen und musste mir einige „lange Vokabeln“ erst einmal
erklären lassen. Ob ich York wieder besuchen würde? Oh ja, sicherlich.
Aber die Zeit hat es anders gewollt. Zuletzt erhielt ich noch ein
besonderes Lob für mein tadelloses Englisch… woran man wieder einmal den
höflichen Menschen erkennt, der vor einer höflichen Übertreibung nicht
zurückschreckt. Aber der Erfolg war, dass es mir „wie Honig“ herunter ging
und ich voller guter Erinnerungen an York am nächsten Tag weiter, nach
Hause, fahren konnte. Am Abend habe ich dann noch im Gemeinschaftsraum mit
den anderen Gästen zusammen ferngesehen, was mir wiederum bewundernde
Blicke einbrachte (auch wenn ich vom Programm eigentlich nichts im
Gedächtnis behielt).
Die Bahnfahrt am Fr., 15.10., war nur kurz, bis nach Hull, zum
Anleger der Fähren nach Rotterdam. Die Fahrt auf der „Norwave“ der
"North Sea Ferries Ltd., Noordzee Veerdiensten" dauerte
dann über die ganze Nacht bis zur Ankunft in Rotterdam, wo ich dann in den
Zug nach Hannover umstieg. Die Nachtfahrt mit der „Norwave“ war nicht sehr
komfortabel, da das Schiff relativ klein war und ein recht stürmisches
Wetter die Nordsee aufwühlte. Ich blieb einen großen Teil der Nacht an
Deck in der frischen Luft, was mich dann im Zug bei der Heimfahrt in müden
Halbschlaf fallen ließ…
Aber die kurze Fahrt von Nordirland über Schottland
nach Ostengland – nachdem ich den Westen und Wales auf unserer
Hochschulexkursion hatten kennen lernen können – war so voller neuer
Eindrücke und Erlebnisse, dass sie für mich unvergesslich geblieben ist.
Erinnert am 20.08.2011
Anmerkungen
Ergebnisberichte finden sich in: Voppel, G., Hrsg.,
1969: England-Exkursion des Geographischen Instituts der Technischen
Universität Hannover, 29.7.-12.8.1969. (Studentische
Teilnehmerberichte.) Hannover (im Typoskript vervielfältigt): 106-109.
-
Programm
der England-Exkursion der TU Hannover
Informationen
nach „The Bells of Rhymney” in
Wikipedia.
Die Hecken sind nur die materiellen Zeugen dieses
Prozesses der Neuparzellierung, die zu einer Konzentration des
Grundbesitzes und damit zum Entstehen einer neuen Schicht landloser
Arbeiter führte, die die Basis der ausgebeuteten
Industriearbeiterschaft wurde. Daneben war ein im Parlament
angesprochenes Motiv für die Pflicht, der Einfriedung mit Hecken in
England das Jagdprivileg der Oberschicht, des Landadels, bei der die
Fuchs- und Fasanenjage im Zentrum standen. – Vgl. dazu: Gerhard Voigt:
Industrialisierung in England und Algerien. Das Vergleichen von
Entwicklungen. Praxis Geographie 11/1986, S. 19-23. – Allgemeine
Informationen:
Stephane Gray: Enclosure. –
Enclosure [Wikipedia]
Informationen aus Wikipedia.
Informationen aus Wikipedia.
Dorothy Sayers: Gaudy Night, Gollancz, 1935 (Aufruhr in
Oxford)
Eilers, Wilfried / Voigt, Gerhard, 1969: Die Londoner
Innenstadt. In: Voppel, G., Hrsg., 1969: England-Exkursion des
Geographischen Instituts der Technischen Universität Hannover,
29.7.-12.8.1969. (Studentische Teilnehmerberichte.) Hannover (im
Typoskript vervielfältigt): 101-105.
Vgl. Benevolo, Leonardo, 1983: Die Geschichte der Stadt.
Frankfurt am Main / New York (Campus Verlag). {orig.: Storia della
città. Roma / Bari, 1975 (Editori Laterza).}
Fünf falsche Fährten von Dorothy L. Sayers.
Originalausgabe erschienen 1931 unter dem Titel The five Red
Herrings, deutsche Ausgabe erstmals 1953 bei Scherz. 329 Seiten.
ISBN-10: 3-499-23469-6, ISBN-13: 978-3-499-23469-9. Übersetzt von Otto
Bayer. Ort & Zeit der Handlung: Großbritannien / Schottland, 1930 -
1949. (Vgl. http://www.krimi-couch.de/krimis/dorothy-l-sayers-fuenf-falsche-faehrten-fuenf-rote-heringe.html
und http://www.faz.net/artikel/C31468/schottland-kirkcudbright-dorothy-l-sayers-fuenf-falsche-faehrten-30258375.html
Vgl hierzu die Studien über die kontinentaleuropäische
Werftindustrie im Vergleich zwischen Deutschland und Polen, wo diese
Ansätze der ökomonomischen Verschiebungen im Rahmen der beginnenden
Globalisierung thematisiert wurden: Marek Dutkowski, Gdynia; Gerhard
Voigt, Hannover: Werftkrise: Krisendynamik und Raumwirksamkeit. Zu den
ökonomischen und wirtschaftsräumlichen Folgen der Werftkrise in der
Bundesrepublik Deutschland und der Volksrepublik Polen. Praxis
Geographie, Jahrgang 22, Heft 4, April 1992: 26-31. – Gerhard Voigt,
Marek Dutkowski: Werften an der polnischen Ostseeküste. Im alten
Schiffbauland Polen verändern sich auch die Werftstandorte.
Sekundarstufen I und II. Geographie Heute, 21. Jahrgang, Heft 178,
März 2000: 12-15.
Interessant wäre hier zu verfolgen, dass heute die Tendenz
zur Zersplitterung der Gewerkschaftsbewegung durch besonders
privilegierte Berufsgruppen an Schlüsselstellungen des
Wirtschaftslebens immer stärker sichtbar wird, wie z:B. bei
Lockführern, Fluglotsen oder den Klinikärzten im Marburger Bund. Es
ist denkbar, dass dies zu einer Verfestigung der Klassengesellschaft
und zur weiteren Entsolidarisierung der Arbeitswelt führt.
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Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen Deutschland“ in
Version 2.0 (abgekürzt „CC-by-sa 2.0/de“) veröffentlicht. 2.0. Den
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http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/de/legalcode .
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British Isles“. Siehe die Seite des Fotografen für
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und ist lizenziert unter der Creative Commons Namensnennung-Weitergabe
unter gleichen Bedingungen-2.0-Lizenz.
Erstpublikation und Internetveröffentlichung von
Gerhard Voigt am 22.08.2011
Inhalt:
Große Exkursion mit dem
Geographischen Institut
Südwestengland
Cardiff - Südwales
Nordwales - Snowdonia
Liverpool - Manchester
Iron Bridge
Stoke on Trent
Oxford
London
…und eine zweite Reise,
diesmal aus familiären Gründen
Nordirland / Belfast
Glasgow
Edinburgh
York
Anmerkungen
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