|

Biographische Texte nach dem August 2009
I.
Abschied
38
Jahre im Schuldienst an der Bismarckschule Hannover
II.
so what?
Auseinandersetzung mit dem Alter
in literarischen Zitaten
III.
Zum Beginn des Schulneubaus
Eine Leserbriefkontroverse
III.
Zum Beginn des
Schulneubaus
Eine Leserbriefkontroverse
In der Hannoverschen Allgemeinen zeitung vom
25.09.2009 erschien folgende Notiz:
Bärbel Hilbig:
Gymnasium bekommt Anbau
An der Bismarckschule sah man gestern nur strahlende
Gesichter: Schulleiter Johannes Brockmann, Oberbürgermeister Stephan Weil
und Roland Härtl von der Firma Lindner legten gemeinsam den Grundstein für
den neuen Anbau. Für insgesamt rund 13 Millionen Euro entsteht ein Neubau
mit Verbindung zum denkmalgeschützten Haupthaus des Gymnasiums, das selbst
umfassend saniert wird. Ein Großteil der Summe entfällt mit 8,25 Millionen
Euro auf die Arbeiten am burgähnlichen Altbau von 1911 in Nähe des
Maschsees. Schulleiter Brockmann sparte nicht mit Lob für die Stadt –
obwohl Eltern, Lehrer und Schüler lange für die Sanierung kämpfen mussten.
Bereits 2005 hatte die Stadtverwaltung einen Anbau versprochen, der im
Sommer 2007 bezugsfertig sein sollte. „Mit Amtsantritt von
Oberbürgermeister Weil hat sich der Stellenwert von Bildung und Schule
deutlich erhöht“, sagte Brockmann. Die Spitze gegen den Vorgänger war
nicht zu überhören. Weil hingegen lobte die engagierten Schülervertreter
des Gymnasiums, die sich in so manchem Schulausschuss ins Zeug gelegt
hatten. „Das werden sicher mal gute Politiker.“ Der Neubau ersetzt zwei
marode Pavillons aus den sechziger und siebziger Jahren, die bereits seit
2006 gesperrt waren und in diesen Sommerferien abgerissen wurden. Einige
Klassen mussten deshalb in einer Außenstelle lernen. Ähnliche Pavillons,
mit denen auf die gestiegenen Schülerzahlen reagiert wurde, hatte es an
etlichen Schulen gegeben. Doch das Verfallsdatum dieser Provisorien war
seit Längerem deutlich überschritten, sodass zahlreiche Schülerjahrgänge
in teils modrig riechenden Räumen arbeiteten. In den dreigeschossigen
Neubau, der im Sommer 2010 bezugsfertig sein soll, kommen Mensa,
Cafeteria, zehn Klassen- und zwei Gruppenräume. Im Verbindungstrakt werden
Pausenhalle und Freizeiträume für den Ganztagsbetrieb untergebracht. Die
Sanierung soll 2011 – hundert Jahre nach Fertigstellung des Altbaus –
abgeschlossen sein. Die Stadt hatte das Sanierungsprojekt als
öffentlich-private Partnerschaft ausgeschrieben. Den Zuschlag für
Finanzierung, Planung und Bau bekam die Lindner AG aus Arnstorf in
Niederbayern. Die Stadt bleibt Eigentümer des Gebäudes. Nach
Fertigstellung beginnt die auf 20 Jahre angelegte Ratenzahlung. „Die
Zusammenarbeit mit der Baugesellschaft klappt wirklich gut“, lobte
Matthias Funke, Vorsitzender des Schulelternrats. Die Eltern seien
hochzufrieden mit dem Baubeginn. Aktuell lernen vier Klassen in
Containern, dafür konnte auf die Außenstelle verzichtet werden.

Johannes Brockmann, Stephan Weil und Roland Härtl (v. l.) legen den
Grundstein. [Kunte]
25.09.2009 / HAZ Seite 14 Ressort: HANN
Mit einer gewissen Verärgerung habe ich darauf geantwortet.
Leider ist mein Leserbrief nicht erschienen; ich konnte ihn nur einigen
alten Kolleginnen und Kollegen zur Kenntnis bringen. Er bringt jedenfalls
einiges von meiner eigenen Befindlichkeit gegenüber meiner bisherigen
Arbeitsstätte zum Ausdruck:
Liebe Lokalredaktion! -
Sicherlich bin ich als ehemaliger Lehrer der Bismarckschule
hoch erfreut über den lange ersehnten Beginn der Neubau- und
Renovierungsarbeiten an dieser Schule. Doch bin ich etwas konsterniert
über den Beitrag des Schulleiters Brockmann zum OB Weil: »„Mit Amtsantritt von
Oberbürgermeister Weil hat sich der Stellenwert von Bildung und Schule
deutlich erhöht“, sagte Brockmann. Die Spitze gegen den Vorgänger war
nicht zu überhören.« Sicherlich
ist die überlange Dauer, bis die Pavillons endlich beseitigt werden – als
ich 1971 an die Schule kam, hieß es, dass sie höchstens noch zwei Jahre
halten müssten – ärgerlich und hängt auch mit den verbauten Asbest-Platten
zusammen, aber bei allem berechtigten Dank an OB Weil ist die Spitze gegen
Schmalstieg sowohl ungerecht als auch unfair, weil sie einfach nicht
zutrifft. Diese Spitze geht dabei auch gegen den verstorbenen ehemaligen
Schulleiter Bauermeister, der mit Schmalstieg gut befreundet war. Der
damalige OB hat es der Bismarckschule unter Bauermeister erst ermöglicht,
eine der bekanntesten UNESCO-Projektschulen zu werden, ihr den politisch
schwierigen Weg zur Partnerschaft mit einem Lyzeum in Poznań schon in den
80er-Jahren geebnet und Reformprojekte der Schule, die leider später keine
große Bedeutung mehr hatten, zu unterstützen.[*] Ich
denke, Herr Brockmann hat keine sehr klare Vorstellung davon, was in der
Bismarckschule früher einmal möglich war...
Gerhard Voigt, OStR i.R.
Ronnenberg
* Vgl. meine Internetseite
http://www.polen-didaktik.de/
|