| |
|

Arbeitsschwerpunkt Naher Osten
Orientfahrt 1987
X.
Ägypten
1. Sinai und Nildelta
Kaum größere Gegensätze auf engem Raum
sind denkbar als die zischen den gebirgigen Wüsten der Sinai-Halbinsel und den
grünen, fruchtbaren Flächen des Nildeltas, die wir nun durchfahren. Doch weiß
der Geograph, daß beide Landschaftsformen Ausprägungen der gleichen
klimatischen Landschaftszone sind, des Trockengürtels, der in Höhe der
Wendekreise, von den alten Seeleuten „Rossbreiten“ genannt, die Erdkugel im
Norden wie im Süden umspannt: Wüsten- und Steppengebiete, von denen wir schon
weiter oben ausgesagt haben, daß sie Ursprungsort der menschlichen Kultur
gewesen sind. In der Niloase Ägyptens stoßen wir nun auf die wohl berühmteste
der uralten Kulturen des alten Orients, auf eine typische „hydraulische
Kultur“, über Jahrtausende abhängig von der jährlichen Nilüberschwemmung,
die die kulturelle Phantasie der alten Ägypter reizte und sie zur Entwicklung
eines der intensivsten Bewässerungsgebiete der frühen Zeit befähigte. Auch
heute noch ist der Nil die „Lebensader“ Ägyptens (wie es die Schulbücher immer
wieder formuliert haben); der Sadd-el-Ali Hochdamm, der den alten
Assuan-Staudamm vor dem „ersten Katarakt“ ersetzt und den Nasser-Stausee bis
weit in den Sudan hinein aufstaut (wertvolle altägyptische Denkmäler wie Abu Simbel
mussten vor den steigenden Fluten gerettet und erlegt werden), ist das
größte technische Modernisierungsprojekt Ägyptens in diesem Jahrhundert.
Daß sich die Erwartungen, die sich an
diesen Bau geknüpft hatten, nicht alle erfüllt haben – Wasserabfluß und
Verdunstung waren nicht richtig berechnet, das Fehlen der jährlichen Überschwemmungen
und der insgesamt verringerte Abfluß führen heute zu ausgedehnten Versalzungen
im Nildelta und im Randbereich der Niloase und zu einer ungehemmteren
Ausbreitung der Bilharziose –, ist eines der großen Probleme des Staates
Ägypten. Die schlimmen sozialen und ökonomischen Auswirkungen wurden uns bei
unserer Reise durch das Nildelta und bei unserem Besuch in Kairo immer
deutlicher vor Augen geführt.
Ägypten ist, mehr als alle anderen von
uns besuchten Regionen, ein Entwicklungsland. Ernährungsprobleme,
Bevölkerungswachstum, mangelnde Infrastruktur in den ländlichen Gebieten, Probleme
der hygienischen Versorgung (Trinkwasser, Abwässer- und Müllbeseitigung,
medizinische Grundversorgung), insgesamt zu geringe eigene agrarische
Nahrungsspielräume und schließlich das fast unlösbare Problem der Magapolis
Kairo sind Kennzeichen einer Situation, die Ägypten mit vielen anderen Ländern
der so genannten „Dritten Welt“ teilt. Doch sollte dieses, sicherlich
realistische Katastrophengemälde nicht den differenzierenden und auf den
Menschen bezogenen Blick versperren. Strukturelle Defizite und Probleme sind
„Metaphänomene“, deren Auswirkungen auf den Alltag erst genauer überprüft
werden müssen – selbstverständlich, ohne sie verharmlosen zu wollen. Ich befürchte
nur immer, daß in der Konzentration auf diese so genannten „Metaphänomene“, die
sich im einzelnen eigentlich nur durch Statistiken oder typisierende,
zusammenfassende Abstraktion der Fülle der realen Erfahrungen erkennen und
verifizieren lassen, der Blick für die Besonderheiten der Schicksale der
einzelnen Menschen, ihre Subjektivität verloren gehen kann. Objektive
Situationsanalyse hat als Kehrseite die Gefahr, den Menschen zum Objekt der
Beurteilung und der Planung zu machen, wobei das Subjekt des Beobachters dazu
neigt, eigene Überlegenheitsvorstellungen zu entwickeln und die personale
würde seiner „Objekte“, ihre eigenen Sinndeutungen und Lebenskonzepte aus dem
Auge zu verlieren.
Das müssen wir uns bei unserem
notwendigerweise flüchtigen Blick auf die ägyptische Armut, die uns durch
Schmutz am Rande der Straßen, durch die Konfrontation mit Bettlern, Kranken und
verstümmelten schmerzhaft bewußt wurde und auf die mit Ablehnung und Distanz zu
reagieren leichter ist, als sie mit Verständnis auffassen zu können, immer
wieder klar machen. Die Probleme, vor die sich Ägypten gestellt sieht, sind,
das sei hier ausdrücklich betont, keine Folgen unfähiger Verwaltungen (die es
natürlich auch gibt und gab) oder gar der „Unfähigkeit“ der Bevölkerung selbst
– wenn man als unfähig nicht die durch äußere Zwangslagen verursachte Verhinderung
von Lösungsperspektiven erstehen will. Es ist hier nicht der Ort, ein
Colloquium über die Verursachung von Unterentwicklung einzuschieben. Dazu
haben wichtige Autoren das wesentliche schon gesagt. Unser Blick soll daher
wieder gelenkt werden auf die eigentliche Erfahrung, auf unsere Erlebnisse, auf
die subjektive Seite unserer ägyptischen Abenteuer.
Ägypten war, so wollten es die
Erwartungen aus der Zeit unserer Reisevorbereitung, vor allem das Erlebnis der
altägyptischen Kultur bei den Pyramiden von Giza, Zakkara und Abusir, den Denkmälern
in Memphis und im Ägyptischen Museum in Kairo. Darüber wird noch zu berichten
sein. Drei andere Erfahrungsschichten wurden aber bei unserem Aufenthalt
bloßgelegt: unter den offensichtlichen Problemen des heutigen Ägyptens, von
denen eingangs berichtet wurde, die zeitgeschichtlich – außenpolitische
Dimension vor allem des Nahostkonfliktes, mit dessen Zeugen wir bei unserer
Durchquerung des Sinai konfrontiert wurden, und, noch eine Schicht darunter –
und im westeuropäischen Bewusstsein oft zu wenig wahrgenommen oder auch
verdrängt – die prägende islamische Kultur dieses Landes, der wir durch die
Besichtigung wichtiger Moscheen in Kairo auf die Spur kommen wollten. Zunächst
aber begeben wir uns auf den Sinai, um die zweite, die zeitgeschichtliche Dimension
erfahren zu können; aber wir werden sehen, daß auch hier die geschichtliche
Tradition viel weiter zurückgreift, das die Wurzeln der Bedeutung des Sinai,
wir Wissen es, bis tief in biblische Zeiten reichen.
Schon die komplizierte Anreise nach
Ägypten ist eine unmittelbare Folge des Nahostkonfliktes, der eine Durchreise
durch Israel von Jordanien aus unmöglich macht. Zar ist von Amman aus ein Besuch
der Heiligen Stätten in Jerusalem mit jordanischen Touristenbussen und, mit
gewissen Einschränkungen, auch mit dem PKW möglich (und von dort aus die von
Jordanien nicht zur Kenntnis genommenen Möglichkeit der Weiterreise auf
eigentlich israelisches Territorium), doch für ausländische LKW, für
Kleinbusse und Motorräder verweigert Israel auf der Jordanbrücke ebenso die
Einreise wie für einen Transit durch Eilat am Roten Meer auf dem – unter
anderen Umständen schon wieder möglichen – Weg von Aqaba’ nach Ägypten. Zum
Zeitpunkt der Redaktion dieses Textes, Winter 1988/89, ist noch anzumerken,
daß dieses labile Gleichgewicht der Beziehungen und Reisemöglichkeiten durch
den Palästinenseraufstand, die Intifada, und durch den staatsrechtlichen
Verzicht Jordaniens auf das Westjordanland gestört worden ist, so daß kaum
absehbar ist, wie in Zukunft Grenzübertritte zischen den Nahoststaaten
praktisch realisiert werden können. Unter diesen Umständen ist es sinnvoll –
auch für diejenigen arabischen Reisenden, z.B. ägyptische Gastarbeiter in Jordanien,
denen der Weg durch Israel nicht möglich oder nicht opportun ist –, daß die
ägyptische Staatsreederei eine Fährverbindung zischen Aqaba’ und der am
mittleren Küstenabschnitt liegenden Fährstelle Nuweiba – von einer Stadt und
einem Hafen kann man hier noch längst nicht sprechen – eingerichtet hat. Die
Buchung der Passage war reichlich umständlich. Bei einem Reisebüro in Aqaba’
hatten wir noch am Abend des Ankunfttages unseren Auftrag erteilt, um am
nächsten Morgen die entsprechenden Fahrzeugpapiere nachzureichen und die Überfahrt
mit noch einzutauschendem Geld zu bezahlen. Doch hier verzögerte sich alles.
Auch die Ausstellung im Reisebüro zog sich träge hin, so daß wir dann am Mittag
erst recht spät zur Zollabfertigung am Fährhafen angelangt sind. Die
Komplikationen dieser Abfertigung sind kaum korrekt wiederzugeben. Mal fehlte
hier noch ein Stempel, mal war dort ein notwendiges Papier spurlos
verschwunden; immer bedeutete es für uns, Hafenpolizei, Zoll und Hafenkapitän
erneut aufzusuchen, zu verhandeln, zu erklären, zu bitten und zu drängen. Und
schließlich waren zwei Busse schon auf dem Schiff, das am frühen Nachmittag abfahren
sollte, als uns die Lademannschaft das Ende der Zufahrt signalisierte; auf
unser Drängen hin vermisste der Lademeister dann bei einem der noch draußen
wartenden beiden Busse wieder ein Papier, und weiter ging es mit der
Bürokratie wie oben geschildert. Die beiden vorgeeilten Busse setzten im
letzten Augenblick noch zurück, und nun fuhr das Schiff ohne uns ab.
Die nächste Fähre wurde gegen Abend
erwartet. Die Zollprobleme waren bald gelöst und die Zeit untätigen Wartens,
teils bei den Bussen auf der großen schattenlosen Abstellfläche vor der Zollhalle,
teils auf den Holzbänken im riesigen, etwas kühleren Warteraum der
Abfertigungshalle, wo sogar etwas Schlaf möglich war, begann. Ein Eisverkäufer
machte gute Geschäfte, ebenso wie die Kühlautomaten für Trinkwasser, ein
kostenloser Service der Hafenbehörde, für erquickende Labsal sorgten. Und
schließlich konnten wir dann auf die „Mekka I“ (registriert, man staune, in
Panama!) fahren, und die Überfahrt in der hereinbrechenden Dunkelheit begann.
Noch ein Blick auf den kleinen Hafen von Aqaba’, auf die arabische Wüstenküste
und das tiefblaue Wasser des Golfes von Aqaba’ und dann fuhren wir nach
Ägypten.
Die hundert Kilometer wären eigentlich
in kurzer Zeit zu bewältigen gewesen, doch ankerten wir noch stundenlang vor
der Anlegestelle in Nuweiba, bis die Grenzpolizei an Bord ihre Passkontrollen
abgeschlossen hatte und wir gegen elf Uhr nachts von Bord kamen. Wenn wir aber
gedacht hatten, daß nun die Zollabfertigung wenigsten beschleunigt wäre,
hatten wir uns getäuscht. Die Schikanen des Zolls – abladen, aufladen – sind
kaum zu beschreiben. Die Fahrzeuge bekamen neue Autokennzeichen. Eine
halbstündige Verhandlung mit dem obersten Polizeioffizier führte nicht zum
Erlass des Zwangsumtausches, der uns als Schülergruppe vom ägyptischen
Generalkonsulat in Hamburg zugesichert worden war (übrigens wurde dieser
Zwangsumtausch nur wenige Monate später generell aufgehoben). Beim Umtausch
kam es in der „Bankschlange“ dann noch zu einer Schlägerei. Diese Grenzabfertigung
mitten in der Nacht war nun sicher kein ermutigender Beginn unseres Ägyptenaufenthalts!
Erst gegen vier Uhr morgens konnten wir das Zollgelände erlassen und dem Sinai
in der einbrechenden Morgendämmerung entgegenfahren. Die erste Nacht auf dem
Sinai war eine kurze Rast im Morgengrauen, dort wo sich die neue
Durchgangsstraße von Nuweiba nach Abu Rudeis im großen Bogen von der Küste
löst und zischen den kahlen Berghängen des Sinaigebirges verschwindet. Zischen
den beiden Fahrbahnen legen wir uns auf unsere Matten und sind bald
eingeschlafen. Straßenverkehr stört uns nicht in diesem abgelegenen und
erlassenen Teil der Welt. Später fährt ein Bus noch einmal zurück in Richtung
Nuweiba, um die notwendige Verpflegung einzukaufen. Obst, Fladenbrot, Eier und
Joghurtbecher sind unsere Ausbeute, also unser tägliches Essen. Groß angekündigt
wird in Nuweiba das neue Touristencamp mit Bungalows und Gärten, Badestrand und
Gaststätten. Doch noch macht die Anlage, etwas abseits der wenigen Hütten des
alten Dorfes Nuweiba einen unvollständigen, erlassenen Eindruck. Wird man
hier wirklich ein neues Touristenzentrum etablieren können? Die Landschaft
hat große Reize für den Liebhaber von Wüsten und malerischen Gebirgsgegenden.
Der Blick von der ansteigende Straße entlang des ocker-, gelb und beigefarbigen
Gebirges, das in der Morgensonne durch tiefbraune Schattenfurchen und rotglühende Felswände gescheckt wird, bleibt wie gebannt hängen auf dem
unvergesslichen Bild des fast weißen Sandstrandes, auf den in sanften Bögen die
leuchtendblaue Wasserfläche des Golfs von Aqaba’ aufläuft; und ganz klein
sehen wir auf der tiefblauen Fläche den einsamen, weiß-blauen Fleck der „Mekka
I“, die immer noch draußen vor Nuweiba an dem weit in den seichten Golf
hinauszeigenden Anleger festgemacht ist.
Die Straße über den Sinai ist neu und
sehr gut zu befahren – eine nachdenklich stimmende Folge der kriegerischen Auseinandersetzungen
zischen Israel und Ägypten in diesem Wüstengebirge. Als Aufmarsch- und
Rückzugsgebiet der Panzer und Truppen beider Seiten, begleitet von rührigen Pionierbataillonen,
die die störenden Felsbarrieren wegsprengten, wurde der Sinai infrastrukturell
erschlossen, so daß nach den Kriegshandlungen die zivilen Straßenbaubehörden
nur noch den gängigen Asphalt aufzutragen, Leitlinien aufzuzeichnen und die
zivilisationsbegleitenden Verkehrsschilder aufzustellen hatten – Warnung vor
Kuren, Kreuzungen, Kamelen und Sand, aber auch mit dem erbot, die Straßen zu
erlassen, da abseits der eingefahrenen Wege noch immer Minen, scharfe Munition
und militärischer Schrott aus jahrelangem Krieg das friedliche Bild der Täler
erheblich stören. Auch Schützengräben und Panzersperren begleiten, wenn auch
heute nicht allzu auffällig, die Straße. Der Sinai – Symbol für den verbissenen
Kampf um die Zukunft des Nahen Ostens, vielleicht auch, nach dem Friedensschluss
zischen Ägypten und Israel, neues Symbol für mögliche Wege aus dem Desaster?
Die Zukunft wird es zeigen. Die Hoffnung auf die Zukunft lässt uns aufs Neue
die Vergangenheit befragen. War doch die Sinaihalbinsel seit altbiblischer
Zeit, seit den Gesetzestafeln, die Moses auf dem Sinaigipfel von Gott empfing,
Schauplatz der religiösen Einkehr, Rückkehr, Offenbarung und Zuflucht.
Das Katharinenkloster auf der Hälfte
unseres Weges über die Halbinsel war an dem Tage unseres Besuches nicht zu
besichtigen. Doch auch von außen war die Klosteranlage, eine grüne Insel im Tal
vor dem Djebel Musa, dem Mosesberg, aus mächtigen Natursteinmauern errichtet,
ein eindrucksvoller Ort; vor allem war die trutzige und doch zurückgezogene
Lage, die Kleinheit zischen den hoch aufragenden kahlen und dunklen Felsmassen
auf beiden Seiten des Klosters, eine bewusste Wahrnehmung Wert. Prägt doch,
verwurzelt in der Erinnerung an biblische Überlieferung, die Einbindung in
diesen weltabgewandten Ort die religiöse Bedeutung des Klosters für die
christlichen Mönche, die sich hier schon sehr früh in der Nachfolge biblischer
Vorbilder in die Wüste zurückgezogen haben. Für Theologen mag dieser Ort noch
eine ganz spezifische Bedeutung und Anziehungskraft haben; für den sonstigen,
etwas für Orte sensibilisierten Reisenden ist vor allem die Einheit von
Gebirgsland und urtümlicher Klosteranlage, von Alltagsabgewandtheit und
unvorstellbar tiefer historischer Rückendung zu den Quellen des Glaubens ein
Eindruck, der in der Erinnerung vielleicht stärkeres Gewicht noch gewinnt als
er beim ersten Besuch ermitteln konnte. Das Kloster ist so auch ein Symbol für
die Begrenztheit, Gefährdung und Oasenhaftigkeit menschlicher Existenz
überhaupt, aus der auszubrechen Ziel und Motiv religiöser Empfindungen und der
Erlösungslehren der Religionen ist.
Dies wird in einer Landschaft
augenfällig, in der menschliche Lebensräume ganz materiell und konkret Oasen
sind. Auf unserer Orientreise haben wir viele Orte besucht, die nach
geographischen Gesichtspunkten Oasen sind. In Syrien haben wir uns über die Lebensbedingungen
in den Trockenräumen Gedanken gemacht. Hier auf dem Sinai treffen wir nun auf
die in unserer Vorstellung klassische Form der Oase, die kleine, quell- und
brunnengespeiste Dattelpalmoase.
In einem idyllischen, schattigen
Palmenhain der für ihre Fruchtbarkeit berühmten Oase Feiran machen wir
Mittagsrast, umgeben von neugierigen Kindern, ehe wir zum Golf von Suez
weiterfahren und in den Sandfeldern, in Sichtweite der Abfackelflammen dieses einzigen
größeren Erdölfeldes von Ägypten, Abu Rudeis, nächtliche Rast finden. Der
nächste Tag, Montag, 20. Juli, führt uns durch den neuen Suezkanaltunnel, der
auf Wegweisern seit Nuweiba avisiert worden war, bei Ismailia in das feuchte,
grüne Ackerland des Nildeltas. Diese plötzliche Umstellung von Wüstenlandschaften
auf das tiefe, satte Grün dieses fruchtbaren und seit Urzeiten dicht
besiedelten Kulturlandes wirkt wie ein Schock. Die Fahrt führt vorbei an
urtümlichen Wasserrädern, die von ständig im Kreis herumtrottenden Rindern in
Bewegung gehalten werden und das Wasser aus dem dichten Netz der Kanäle auf die
Felder heben, vorbei an armseligen, aus Holz und Laub geflochtenen Hütten wie
an alten, langsam zerfallenden Gutshäusern einer ausgestorbenen ländlichen
Oberschicht, vorbei an hohen Taubenschlägen aus Lehm – Taubenfleisch dient in
vielen ägyptischen Gerichten als Delikatesse – und an in den Buschhecken und an
den Kanalböschungen weidenden Ziegen und Schafen.
Reis, Gemüse, Weizen, Obstbäume und
Dattelpalmen fallen uns immer wieder auf. In der Umgebung der größeren
Ortschaften findet eine rege Bautätigkeit statt. Große Wohnblocks aus Betonplatten
sehen wir hier und auch die im ganzen Orient verbreitete Form des
selbstgebauten Einfamilienhauses, das als kubische
Stahlbetonpfeilerkonstruktion begonnen und von einer Betonplatte abgedeckt
wird, und in das die Außen- und Zwischenwände mit gebrannten oder ungebrannten
Ziegeln, jedenfalls immer in Handarbeit mit ortsüblichen Materialien
individuell eingezogen wird. Wächst die Familie oder wird die Einrichtung einer
Werkstatt oder eines Ladengeschäftes geplant, wird das Haus einmal oder
mehrmals in gleicher Konstruktionsweise aufgestockt, wobei die Treppenaufgänge
oft nachträglich an der Außenseite angefügt werden. Diese erweiterungsfähige
Konstruktion, durchaus kein ästhetisch ansprechender Baustil, hat sich bei
der Armut und dem Zwang zur ständigen Improvisation in der Regelung der
eigenen Lebensverhältnisse durchaus bewährt. Da aus der Deckenplatte, in
weiser Voraussicht, die Enden der Stahlgeflechte und -drähte nach oben
herausragen – und so einen Weiterbau leicht ermöglichen –, sehen diese Häuser
immer wie Baustellen oder Ruinen aus.
Auf schmalen Straßen, ein paar Mal auch
etwas desorientiert, überqueren wir die Kanäle und Nebenarme des östlichen
Nildeltas, bis wir auf die Autobahn Kairo – Alexandria, die „Agricultural Road“
stoßen. Die Einfahrt nach Alexandria führt uns entlang einer völlig verkommenen
Bahntrasse durch ärmste Slumviertel in die Innenstadt hinein. Da es Abend wird
suchen wir bald den Weg nach Abukir (Historikern ist dieser Ort bekannt), wo
angeblich in einem besseren Wohnviertel ein annehmbarer Campingplatz sein
soll. Doch das war ein Gerücht. Bei der Anmeldung auf dem Gelände einer
staatlichen Jugendferienkolonie, nach üblichem stundenlangen Warten auf den
zuständigen Direktor werden wir gegen 23 Uhr auf einen Platz etwas außerhalb
begleitet, der sich bei näherem Hinsehen als größerer, baumbestandener
Vorgarten eines Wohnhauses herausstellt, ohne sanitäre Einrichtungen (bis auf
die Mauerecke im anschließenden Ödlandgrundstück) und ohne Waschmöglichkeiten
(bis auf einen Schlauch und eine Abwassertonne an der Seite des Hauses – wo wir
in der Dunkelheit nacheinander „Primitivduschen“ probten). Eine zweite Nacht,
wie wir es ursprünglich geplant hatten, hielt es uns hier nicht. Morgens ließen
wir uns das zuviel gezahlte Geld herausgeben, erledigten unsere Angelegenheiten
in Alexandria und fuhren noch am gleichen Tage nach Kairo weiter.
Unsere Angelegenheiten in Alexandria:
wir wollten uns hier bei den Reisebüros nach Fährmöglichkeiten in Richtung
Piräus oder in die Türkei erkundigen. Wir trafen zwar überall auf höfliche und
freundliche Beratung, doch eine geeignete Passage zu finden, war gar nicht so
leicht und erlangte – hin- und hergeschickt – den Besuch mehrerer recht weit
voneinander entfernter Reisebüros: in der Tasche immer die Schecks und
Wagenpapiere zur Hand. Unsere Fahrzeuge hatten wir auf einem beachten
Parkplatz im Zentrum abgestellt, was bei der drangvollen Enge und der Überfülle
an Fahrzeugen in der Stadt gar nicht so leicht war.
Schließlich fanden wir auch ein
geeignetes und preisgünstiges Angebot auf einem russischen Schiff; doch der für
uns entscheidende Einwand kam zuletzt: bezahlt werden mußte in Devisen, in
Dollar, um genau zu sein. Unser durch Zwangsumtausch überreichliches Guthaben
an ägyptischen Pfunden nützte uns hier überhaupt nichts. Nach kurzer Beratung
verzichteten wir dann auf eine Buchung in der Hoffnung, in Haifa in Israel
noch ein günstigeres Angebot zu finden. Wenn alles schief gehen sollte, würde
eben eine Rückreise wieder nach Alexandria oder gar eine Heimreise auf dem
Landwege notwendig werden – mit der zweiten Garnitur unserer Pässe für Israel,
denn Rückreisevisa hatten wir für Jordanien und Syrien ja vorsichtshalber schon
eintragen lassen. Und unser überschüssiges ägyptisches Geld? Auch wenn die
Versuchung groß war, noch ein paar Luxustage einzulegen – einige
Gaststättenmahlzeiten waren dann auch für die Gruppe möglich –, siegte die
Sparsamkeit und damit die Spekulation auf illegale finanzielle Transaktionen.
Wir hatten ja vorsichtshalber in Nuweiba vergessen, eine Devisenerklärung
abzugeben. Aber davon in einem anderen Kapitel mehr!
2. Bei
den Pyramiden
Dienstag, 21. Juli. Ich glaube, viele
aus unserer Reisegruppe hatten besondere Erwartungen an die Begegnung mit dem
alten Ägypten, mit den Pyramiden von Giza geknüpft. Gibt es doch kaum einen Ort
auf unserer Reise, der als Bild so weit verbreitet, so sehr Allgemeingut in den
Vorstellungen zumindest europäischer Menschen geworden ist. Es ist eine offene
Frage, ob hier das persönliche Erlebnis noch unmittelbarere und weiterführende
Erfahrungen hinzufügen kann, ob das Vorstellungsbild denunziert oder überhöht,
ergänzt oder bestätigt wird. Die Antworten dürften wohl sehr unterschiedlich
ausfallen. Daß durchaus intensive, bleibende Eindrücke ermittelt worden sind,
zeigen die durchweg bemerkenswerten emotionalen Reaktionen unserer
Reisegruppe. Doch zunächst zur ersten Begegnung mit den Pyramiden.
Nachmittags waren wir von Alexandria
losgefahren. Eigentlich wollten wir die direkt nach Giza führende, schnellere
und bequemere „Desert Road“ nehmen, doch im Straßengewirr und bei einer nicht
sehr eindeutigen Wegeführung auf den Ausfallstraßen haben wir uns völlig
verfranzt. Schließlich konnten wir uns über den Weg nicht einigen, es gab
sogar etwas Streit; ich muß gestehen, daß meine Orientierung völlig versagte
und auch, was sonst sehr selten vorkommt, völlig in die Irre ging. Nachdem wir
dann einem anderen Bus die Konvoiführung abgetreten hatten, führte uns dieser
auch auf die „Agricultural Road“, auf der wir schon einen Tag zuvor das letzte
Stück unserer Fahrt von Ismailia her zurückgelegt hatten. Diese Strecke durch
das dicht besiedelte Ackerland des Nildeltas, mit seinen dichten Baumbeständen,
Reis- und Gemüsefeldern, Wasserschöpfwerken an den vielen Kanälen und
Nebenarmen des Nils, aber auch mit armseligen ländlichen Siedlungen und Hütten,
ist sicher für die heutige Situation Ägyptens das typischere Erlebnis.
Der Verkehr auf der Agricultural Road,
die im Prinzip recht gut und autobahnähnlich ausgebaut ist, erscheint uns
chaotisch und zeitweise riskant. Lokaler Personen- und Güterverkehr, zum Teil
auf technisch gerade noch fahrfähigen und oft völlig überladenen Fahrzeugen
mischt sich mit überschnell passierenden Luxuslimousinen auf der Fahrt zischen
den beiden ägyptischen Metropolen und einer endlosen Folge großer Fernlaster,
die heute das Rückgrat des ägyptischen Güterverkehrs bilden. In den Siedlungen
entlang der Straße wuseln dann Fußgänger, Kinder, Lastenträger, alte Menschen
in ständiger Lebensgefahr zischen dem unablässigen Strom der Fahrzeuge. Vor
Kairo erfrischen wir uns noch einmal an einem „Mirinda“-Stand, den kleine
Jungen mit drei Flaschenkästen und einem großen Wassereimer zum Kühlen
improvisiert hatten. Fotos werden gemacht, die hinzueilende Mutter zeigt gestenreich
ihren Stolz über die Englischkenntnisse ihres Sohnes; mit gemeinsamen
Bemühungen wird die Adresse aufgeschrieben, um nach der Reise Fotos nach
Ägypten schicken zu können; Gerhard Stünkel übernimmt dann diese Aufgabe; ob
die Bilder richtig angekommen sind, entzieht sich meiner Kenntnis. Durch das
Gewühl der Metropole Wagen wir uns dann doch nicht ohne Führung, da wir auf der
anderen Nilseite die Ausfallstraße nach Giza finden müssen – nach einer
vollständigen Stadtdurchquerung. Mein Versagen einige Stunden zuvor in
Alexandria mache ich durch den „genialen“ Vorschlag wett, ein Taxi anzuheuern,
das unseren Konvoi durch die Hauptstadt führt. Das funktioniert reibungslos,
und schon bald haben wir die Nilbrücke hinter uns und sind auf der Fahrt nach
Giza.
Der erste Blick auf die Pyramiden
erfolgt dramatisch. Die Straße nach Giza, gleichzeitig Hauptstraße dieser
Stadt und Verbindungsstraße zur „Desert Road“, ist breit und übersichtlich,
über weite Strecken eine Allee mit Baumreihen auch in der Mitte zischen den
Fahrspuren. Nach unseren Reiseführerangaben wollen wir einen empfohlenen
Campingplatz ansteuern, der links an einer der nach Süden führenden Straßen an
einem schnurgeraden Wasserkanal liegen soll. Offensichtlich sind wir zunächst
vorbeigefahren; die Straße biegt, schon als Ausfallstraße vom Zentrum weg
führend, nach rechts, nach Norden, ab. Links hinter den Häuserreihen,
undeutlich noch in der Dämmerung, sehe ich Schatten, die wohl die Pyramiden
sein werden. Minuten später wir dann das Flutlicht eingeschaltet; aber da sind
sie schon wieder hinter den Häusern verschwunden. Wir wenden, nach einer kurzen
Wegenachfrage, und fahren einige hundert Meter zurück. Hier werden wir morgen
dann die Auffahrt zu den Pyramiden hochfahren. Vor einer Straßenkreuzung
müssen wir kurz abbremsen.
Da hören wir hinter uns ein blechernes
Scheppern. Ist mit den uns folgenden Bussen etwas passiert? wir halten und
steigen aus und sehen das Malheur: Stefans Wagen ist auf Tills Campingbus
hinten aufgefahren, die Stoßstangen sind eingedrückt. Erleichterung, daß keine
schweren Schäden oder Verletzungen zu beklagen sind, aber auch Ärger über die unnötigen
Reparaturen, die nun nach unserer Rückkehr noch bevorstehen. Was war denn
geschehen? Wir hören jetzt die ganze Geschichte. Rechts neben uns zwischen den
Häusern leuchten nun die angestrahlten Pyramiden in ganzer Pracht. Und einer
der Mitreisenden in diesem Bus hatte sie nun zum ersten Male entdeckt und
lauthals gerufen „Die Pyramiden“; alles schaut nach rechts, der Fahrer, sein
Name sei hier nicht genannt, ist überrascht und abgelenkt von diesem
großartigen Bild und sieht nicht den Stopp vor der Kreuzung – und schon hat es
geknallt. Künstlerpech!
Nun zum Campingplatz. Die
Wegebeschreibung ist nicht genau genug, den Platz ohne Hilfe zu finden, doch
wir haben ja, als wir das letzte Mal nach dem Wege fragten, einen hilfsbereiten
„Vorreiter“ im PKW gefunden, der uns zu unserem Ziel führte, dem Campingplatz,
der in unserem sonst recht hilfreichen Campingführer als der einzige anständige
Platz Ägyptens gelobt wird (die Informationen scheinen, wie wir schon in
Alexandria feststellen mussten, nicht ganz auf dem neuesten Stand zu sein): ein
dunkles, völlig unbenutztes Wäldchen, eine verkommene Holzhütte am Eingang, dahinter
eine nicht gerade einladende Toilette mit einem Wasserhahn, aber angeblich –
tagsüber – mit Pyramidenblick. Nur mit Mühe können wir eine verschlafene
ältere Frau heraus klopfen, die zwar bestätigt, daß wir hier unsere Zelte
aufschlagen könnten, doch große Anstrengungen, uns dazubehalten, macht sie
nicht.
Da sprang dann unser „Pilot“ ein, der
uns auf einen anderen Platz, nur einen Kilometer weiter, hinwies: mit sauberen
Waschanlagen, Restaurant und viel Leben – privat und gut geführt. Wir sehen
bald, daß dies kein uneigennütziger Hinweis war, sondern daß er selbst der
Besitzer war. Doch war seine Beschreibung durchaus zutreffend, so daß wir
einige angenehme und von der Verpflegung her recht komfortable Tage in Giza
erbringen konnten.
Gemeinsame Abendessen unter romantisch
beleuchtetem Stoffzelt mitten in der Gartenanlage des Campingplatzes,
ägyptische Spezialitäten, Tee und (aus Dosen) Mangosaft, waren für unser vieles
zwangsumgetauschtes ägyptisches Geld eine angenehme Verwendung. Der
Campingplatzbesitzer, der noch für die Zukunft große Hotel- und
Restaurationspläne hatte, war tatsächlich „vom Fach“ und hatte in der Schweiz
seine gastronomische Ausbildung erhalten. Bei vielen lockeren und informationsreichen
Gesprächen über Land und Leute, Wirtschaft und Politik wollte er uns auch dafür
interessieren, ihm von Deutschland aus professionell als Reisveranstalter
Gäste zuzuführen; Tricks und Kniffe, bis hin zur Umgehung von Zoll und Gebühren
für die einreisenden Busse, schlug er uns vor. Daß wir nicht ganz dieselbe
orientalische Schlitzohrigkeit und ökonomische Raffinesse hatten, ist ihm wohl
nicht klar geworden. Aber gute Tips für Israelreisen hatte er – wenn auch
strikt aus palästinensischer Sicht: seine, als Köchin und guter Geist des
Betriebes aktive, äußerst attraktive Ehefrau ist Palästinenserin aus einer Hoteliersfamilie in – wenn ich recht erinnere – Hebron. Andere Verwandte
wurden als mögliche Kontaktpersonen überall in den arabischen
Siedlungsgebieten Israels und in den von Israel besetzten Gebieten des
Westjordanlandes benannt.
Am nächsten Tage konnten wir dann
wirklich zu den Pyramiden fahren. Etwa vierzig Meter über dem grünen Niltal,
durch einen Steilabfall getrennt, liegt die Wüstenplatte, in die sich der Nil
hinein geschnitten hat. Hier wächst kein Baum; nur eine schier endlose
gelbglänzende Sandfläche erstreckt sich bis zum Horizont. Hitze ist das erste
bedrängende Gefühl, wenn man die drei und vier weitgestreckten Kurven der
Zufahrtsstraße hinter sich gebracht hat und auf dem Parkplatz am Fuße der riesigen
Steinbauwerke aus dem Wagen steigt.
Nur wenige Schritte ist es bis zum Rand
der Wüstenplatte, von wo aus der Blick über die Palmenhaine von Giza und, in
der Ferne, das Häusermeer von Kairo streift, dort, wo in der Mitte dieses sich
hier schon auf rund hundert Kilometer ausweitende Tal der Nil fließt und
beginnt, sich zum Delta zu verzweigen. Fast das ganze Tal ist, auch wenn die
hohen Palmen in den Gärten der wohlhabenderen Stadtviertel hier in Giza das
nicht so augenfällig machen, schon städtisches Siedlungsland geworden. Kairo
ist so zu einer der größten und am schnellsten wachsenden städtischen
Metropolen geworden, mit all den anscheinend unlösbaren wirtschaftlichen,
infrastrukturellen und sozialen Problemen, die die Städte der „Dritten Welt“
charakterisieren.
Wenden wir uns um, und blicken wir auf
die Pyramiden. Der altägyptische Zugang und damit die Perspektive, für die sie
gebaut waren, lag woanders: beim nur noch aus spärlichen Überresten rekonstruierbaren
Taltempel, von dem aus der Prozessionsweg, der die leichte Schrägung einer
natürlichen Erosionsrinne im Steilhang nutzt, zum oberen Tempel führt, hinter
dem sich frontal die Pyramide in das dunkle Blau des Himmels erhebt. Dieser
Weg wird bewacht von der Sphinx, an der gerade der Smog der letzten Jahre eine
neue, vielleicht endgültige Phase der Zerstörung eingeleitet hat. Stellt man
sich vor, wie die alten Ägypter, eingebettet in eine religiöse Zeremonie,
diesen Weg zur mit Steinplatten glatt und glänzend überzogenen Pyramide
schritten, so wird uns klar, daß die Pyramide hier, optisch und psychologisch
nicht als massives steinernes Bauwerk erschien, sondern als völlig abstrakte,
maßstabslose dreieckige leuchtende Fläche vor dem dunkelblauen Wüstenhimmel:
immaterielles Zeichen und Symbol.
Über die religiösen Empfindungen und
Erfahrungen der Beteiligten dieser Zeremonie kann man heute wohl wenig
aussagen, doch gerade die Zeichenhaftigkeit, die auch heute noch, verdeckt von
der materiellen Sensation dieser riesigen Bauwerke, eher unbewusst die
Rätselhaftigkeit und Befremdlichkeit bewirken – und damit das Bild der
Pyramiden unauslöschlich einprägen –, macht die heutige Art des Zuganges
unbefriedigend, inadäquat, vielleicht auch enttäuschend.
Ist es doch nicht die bautechnische oder
sportive Sensation, die den Charakter und die Bedeutung der Pyramiden
ausmacht, sondern der uns nur noch fremde religiöse Bedeutungsgehalt. Ich muß gestehen, daß
die tatsächliche Begegnung mit den Pyramiden für mich kaum zusätzliche Erlebnispräsenz,
Erweiterung der Vorstellung oder dieses rätselhafte Affinitätsgefühl beim
direkten materiellen Kontakt mit einem Gebäude oder Gegenstand, der längst in
der Phantasie und Vorstellung mit Bedeutung geladen ist, ermittelte, welche
bei anderen architektonisch-plastischen Sehenswürdigkeiten unserer Reise oft
so überwältigend wirkten. Die Pyramiden sind zu sehr Idee, transzendente Erfahrung,
als daß ihre materielle Repräsentation zusätzliche Aufschlüsse über ihre
Wirkung oder Bedeutung ermitteln könnte. Der einzige Weg wäre die des
meditativen Nachvollzugs der alten religiösen Erlebnisse; doch dies ist für
einen eher unreligiösen Betrachter scher nachzuvollziehen und wird durch den
schlechten Erhaltungszustand noch zusätzlich gehindert.
Der Besuch bei den großen Pyramiden von
Giza sollte daher eher Anlass zur Selbstprüfung sein, zur Reflexion über die
eigene Erlebnisfähigkeit und die Sinngebung der Erfahrungen, die eine solche
Reise bietet. Gerhard Stünkel ist diesen Gedanken im Zusammenhang mit dem
Besuch im Ägyptischen Museum am folgenden Tage nachgegangen und hat darüber
einen kurzen Essay niedergelegt:
„Nofretete
– Tutenchamun. Das ist etwas zum Ansehen und Staunen – und alle Welt tut es.
Was soll man da schreiben? Reiner Systemzwang, den Bildern Kommentare
beizufügen. Jedenfalls will ich nicht beschreiben oder Gelesenes abschreiben.
Es ist kein Paar, aber mit jeweils beispiellosem künstlerischem Rang und
gleicher Repräsentanz für das alte Ägypten sind sie dessen Inbegriff. Hier ist
es mir peinlich, eine wie gute Bekannte die Nofretete auch als Original schon
ist, denn hierher gehört auch die Berliner Skulptur. Dagegen ist es mir zwar
bewußt, nicht aber bedauerlich, daß Tutenchamuns Grabkammer
Museumsbestandteil ist. Ich finde es gut, daß der Totenkult als Schatz und als
Kunst und in der Form von Menschenbildnissen uns erreicht. Und die Konstruktion
des aufwendigen Grabes macht es möglich, sogar Mumie und äußeren Sarg im Grab
zu belassen. Was ich am meisten bestaune, weiß ich nicht, zumal alles zur
Einheit geworden ist: Sinn und Geschichte, Reichtum und Pracht der Materialien,
den Ausdruck, die Pracht und Abstimmung der Farben? Und schließlich denke ich
auch über die Nähe nach, die uns ja wichtig ist. Ich bin sicher, daß mich ein
gutes Video informativer mit dem Ägyptischen Museum und auch mit Tutchenchamun
und Nofretete bekannt gemacht hätte, als der Besuch es tat. Also spekulieren
wir auf ein Mehr, das durch die Gegenwart geschieht. Aber fassen lässt es sich
scher.
Sicher
ist, daß oft die Begegnung mit Großem und Ersehntem banal ist. Es kann
passieren, daß man Schlange stehen muß, daß nur ein Blick auf ein Bauwerk, auf
einen Menschen, auf ein Bild geworfen werden kann, was alles uns trotzdem auch
hinterher die Mühe langer Anwege Wert ist. Tatsächlich sehe ich mir aber z.B.
die Nofretete heute genauer an als vor der Vitrine. Vielleicht ist ja meine Beziehung
zu ihr zu eng, als daß ich mich auf deren Wahrnehmung einlasse, wenn ich durchs
Museum wimmele. Ich gebe zu, daß mich fasziniert, wie mit den
unterschiedlichsten Materialien, Techniken und Formaten schon die ganze
Herrscherfamilie dreitausend Jahre in einem unglaublichen „Fotoalbum“ lebendig
geblieben ist.
Und bei
der Nofretete ist es nicht zu glauben, wie mir in einem Stück braunem Granit
individueller Charme, sinnliche Schönheit begegnen, die ich ja nicht zugeben
mag, wenn meine Reisekumpane mal wieder gegenseitig über Abhaken, Belegfotos
fürs Dagewesensein witzeln. Aber ich weiß, es geht nicht nur mir so –
hoffentlich allen!“
Doch noch einmal zurück zu den
Pyramiden. Die großen Pyramiden stehen ja nicht allein, sie sind Endpunkt einer
religiösen und architektonischen Entwicklung. Nach der, für viele durch Hitze
und lange Wege ermüdenden und beschwerlichen Pyramidenbesichtigung – der Blick
in die engen Gänge der Cheopspyramide brachte für mich keine besonderen
zusätzlichen Eindrücke –, nachdem Karsten alter, unser Sportas, es sich nicht
nehmen ließ, verbotenerweise und vor dem beobachtenden Teleobjektiv meiner
Kamera, die Mykerinospyramide zu besteigen, nachdem beim Polizeirevier an der
Hauptstraße auch die notwendige fremdenpolizeiliche Anmeldung mit viel Geduld
vollzogen war und nachdem der Rest der Gruppe beim Campingplatz abgeladen
worden war, ließ es sich ein unermüdlicher Rest nicht nehmen, noch einmal den
Spuren der alten Ägypter zu folgen mit einer gar nicht so weiten Fahrt in
Richtung Zakkara und Memphis, wo die ältesten Pyramiden der Menschheitsgeschichte
zu finden sind. Auf dem Weg dorthin nahmen wir in einer kleinen Gaststätte an
der Straße noch eine Erfrischung zu uns. Das war darum so erinnernswert, weil
sich die Gasträume in einem alten, hölzernen ägyptischen Bürgerhaus, besser:
bürgerlichen Landhaus, mit Schnitzereien an Türdurchgängen und Fenstern und
mit idyllischem Blick auf eine alte Gartenanlage befanden; doch leider hatte
der Zahn der Zeit und die heutige Armut vieles von dem ursprünglichen Charme
dieses Hauses schon zerstört, wo heute abblätternde Farbe und zerfallende
Wände, modrig werdendes Holz das heutige ländliche Ägypten charakterisieren.
Erste Station war Abusir, eine Gruppe
sehr zerfallener, kleiner Pyramiden, bei denen die Ausgrabungen noch nicht
abgeschlossen sind. Durch den zufälligen Kontakt mit einigen Ausgräbern hatten
einige von uns die Gelegenheit, die Ausgrabungen auch im Inneren der Pyramide
in Augenschein zu nehmen, was, bei der Fülle der gefundenen Reliefs und
Hieroglypheninschriften ein besonders nachhaltiges Erlebnis war. Die
Abenddämmerung brach nun herein. Vor einer roten Sonne glühte nun die
Stufenpyramide von Zakkara auf: ein unvergessliches Bild, gerade, weil im
Vordergrund das dunkle Grün der Palmen einen fast unwirklichen kontrastreichen
Rahmen abgab. Zu besichtigen war das Pyramidengelände zu dieser Abendstunde
nicht mehr.
Schließlich warfen wir noch einen Blick
auf die spärlichen Zeugnisse der ältesten ägyptischen Metropole, auf Memphis,
wo in einem kleinen Museumsgarten noch eine ältere Sphinx zu bewundern war.
Doch damit, unter dichten Palmenhainen entlang eines in Süd-Nord-Richtung
verlaufenden Bewässerungskanals, kam es auch zum Abschluss unserer
altägyptischen Erkundungen und zur Rückkehr in das Ägypten von heute, wo auf
unserem Campingplatz schon ein reichhaltiges Abendessen wartete.
3. Alte
Kultur und heutige Probleme: Die letzten Tage in Ägypten
Die Reise geht nun sichtbar ihrem Ende
zu. Wir denken schon an die bevorstehende Rückfahrt. Die Zeit wird knapp, wenn
wir überlegen, wie viele Ziele und Sehenswürdigkeiten aus unserer Planung noch
nicht erreicht sind. Nach den Misserfolgen in Alexandria ist es uns klar, daß
wir die Fährüberfahrt zurück in Israel, in Haifa, buchen müssen; auch das wird
zeitlich knapp werden. Am meisten schmerzt, daß wir einige weltberühmte
altägyptische Fundstellen wohl nur noch schwerlich erreichen können: das Tal
der Könige, Luxor, Assuan. Es gibt ernsthafte Überlegungen für einen
Eintagesflug nach Luxor, die sich dann jedoch vor allem deshalb zerschlagen,
weil nicht genügend Plätze für die ganze Gruppe zu buchen sind, aber auch, weil
Zeitaufwand und zusätzliche Kosten nur scher in ein vernünftiges Verhältnis zu
bringen sind.
Wir hatten schon in der Vorbereitung der
Reise nach langem Hin- und Herrechnen feststellen müssen, daß sich unser
Ägyptenbesuch aus zeitlichen Gründen auf Kairo und das Nildelta beschränken
müsse, daß die Fahrt nilaufärts nicht unterzubringen sei. Wie es scheint, haben
einige Ägyptenfans in der Gruppe, für die ich viel Verständnis habe, diese
Erkenntnis innerlich nicht ganz akzeptiert und ersucht – auch durch eine,
zeitweilig fast unverständlich erscheinende Hetze in den zuvor durchfahrenen
Ländern –, doch noch einen überraschenden Weg zum Trip nilaufwärts zu finden.
Ganz ohne Schärfe und kontroverse Diskussionen in der Gruppe ging schließlich
diese „Sonderplanung“ doch nicht über die Bühne. Hier war ein energisches Wort
notwendig: Wenn es eine realistische Möglichkeit für ein Sonderprogramm nach
Oberägypten gäbe, sollte es nur dann in Anspruch genommen werden, wenn allen
Interessierten – auch auf Kosten der Gruppenkasse – die Gelegenheit zur Mitreise
geboten würde. Bedenklich für andere war dabei, damit eventuell auf die
Besichtigung von Kairo und Jerusalem zugunsten Altägyptens zu verzichten; ein
Verzicht, der aus meiner Sicht indiskutabel gewesen wäre und aus unserer Reise
zwei „Essentials“ herausgebrochen hätte. Bei Rückfrage im Reisebüro stellte
sich schnell heraus, daß auch für diesen Inlandflug die Bezahlung nicht mit den
reichlich vorhandenen ägyptischen Pfund, sondern nur in Devisen möglich war
und daß ohnehin nicht genügend Plätze kurzfristig zu buchen gewesen wären. So
zerschlug sich dieser Plan.
Wohin aber mit dem überzähligen
ägyptischen Geld? Vorsichtshalber hatten wir ja bei der Einreise die
Devisenerklärung „vergessen“ – was bei der Ausreise zu peinlichen Befragungen
führte, letztlich aber unsere Handlungsfreiheit im Lande selbst erhöhte –; eher
durch Zufall trafen wir bei den Pyramiden einen illegalen Devisenhändler, der
uns ein akzeptables Rücktauschangebot, das unsere Verluste verringern konnte,
machte, auf das wir, bei einem erneuten Kontakt abends nach dem Pyramidenbesuch
– in den engen Gassen des Suqs unterhalb der Pyramiden in Giza, unter Anwendung
einer ganzen Reihe von Sicherheitsvorkehrungen – zurückkamen: Zunächst wurden
hier etwa tausend Mark wieder in Dollar und DM zurückgewechselt; am nächsten
Tag folgte dann noch einmal eine „Rücktauschaktion“ über ca. zweitausend Mark.
So macht staatlicher Devisendirigismus sogar gutwillige und gesetzestreue
Bürger und Touristen zu Gesetzesbrechern und Schwarzhändlern. Und dann der
ärgerliche Clou: nur wenige Tage nach unserer Rückkehr nach Hannover lesen wir,
daß Ägypten auf den Zwangsumtausch verzichtet hat.
Und doch sollten diese gesetzlichen
devisenrechtlichen Bestimmungen nicht nur aus der Sicht des betroffenen
Touristen gesehen werden. Etwas Verständnis dafür bekommt man doch, wenn man
die katastrophale wirtschaftliche Lage und Handelsbilanz Ägyptens und seine
desolaten Währungsverhältnisse betrachtet und einsieht, daß hier ein Land aus
Not jeden Strohhalm ergreift, seine wirtschaftliche Talfahrt aufzuhalten. Es
ist daher eher ein Kalkül, ob Devisenzwangsbewirtschaftung und Zwangsumtausch
bei ohnehin einreisenden Touristen die notwendigen Ausgaben im Lande sichern
oder ob diese Maßnahmen den Touristenstrom stärker bremsen, als es die
zusätzlichen Einnahmen erlauben würden. Der Druck, die Zwangsmaßnahme
aufzuheben, geht ja vor allem von den großen Reiseunternehmen Europas und der
USA aus, die jetzt versprechen, größere Touristenkontingente auch nach Ägypten
zu bringen. Und dabei sind viele Einnahmen des Landes und seiner Unternehmungen
ohnehin fixiert und pauschalisiert, wenn auch ein guter Teil der Gewinne wieder
in die Heimatländer der Touristikbranche zurückfließen.
Donnerstag, 23. Juli. Kairo. Wir mieten
mit Hilfe des Campingplatzbetreibers zwei größere Kleinbusse für unsere
Gruppe, da wir mit unseren eigenen Fahrzeugen nicht durch Kairo fahren wollen
und, insbesondere, die Fahrzeuge nicht irgendwo in der Stadt unbeaufsichtigt
parken möchten. Zunächst steht das islamische Kairo auf unserem Programm. Über
Jahrhunderte war Kairo ein geistiges Zentrum dieser Weltreligion, Sitz
mächtiger Herrscherdynastien – so der Fatimiden und der Mamluken – und ist bis
heute Sitz der für islamische Theologie und Philosophie maßgeblichen Al
Azhar-Uniersität. Mehrere Moscheen und Medresen in Kairo gehören zu den wichtigsten
und interessantesten islamischen Großbauten überhaupt und sind stilbildend
geworden; sie gehören heute zum architektonischen Menschheitserbe. Zwei
dieser Bauten wollen wir eingehender besichtigen.
Zunächst fahren wir, wenn auch nach
einigen Verständigungsproblemen mit den Fahrern, zur berühmten
Sultan-Hasan-Moschee, die eigentlich Medrese und Grabmoschee für Sultan Hasan
in einem ist. Der hohe, massive Bau steht in einem größeren Moschee- und
Palastkomplex vor allem aus mamlukischer Zeit, zu erkennen an den waagerechten
Streifenmustern der Gebäude, ragt aber vom Volumen und der architektonischen
Vollkommenheit aus seiner Umgebung heraus. Die beiden Minarette sind in ihrer
typischen, stark verzierten und grazilen Kairoer Art Wahrzeichen der Stadt
geworden. Eines ist mit 86 Metern Höhe das höchste Minarett der Stadt, die
über vierhundert Minarette zählt. Ursprünglich sollte die Sultan-Hasan-Moschee
vier Minarette erhalten, doch beim Bau, 1356-1362, stürzte das dritte beim Bau
ein und begrub dreihundert Kinder in einem angrenzenden Waisenhaus unter sich.
Aus Trauer über dieses Unglück blieb es dann bei den beiden Minaretten, die wir
heute bewundern dürfen. Durch ein hohes Portal betreten wir einen reich
geschmückten Eingangsraum, wo wir zur Besichtigung des Gebäudes saubere
Riemenschuhe überziehen.
Ein dunkler Weg durch Seitenhallen, von
dem Durchgänge zu Nebenräumen der Moschee abzweigen, führt uns plötzlich in
den lichten, monumentalen Moscheehof, der, von der Grundidee mit den persischen
Moscheen verwandt, aber höher, enger, in seiner architektonischen Präsenz
eindrücklicher wirkend, von vier hohen Liwanen, mit Kuppelkalotten oben
abgeschlossenen Scheintoren oder Bogenkonstruktionen, umgeben ist. Durch den
rückwärtigen Bogen gelangt man zunächst, durch ein erhöhtes Steinpodest vom
Hof, in dem sich natürlich auch der polygone Brunnen für die Waschungen
befindet, getrennt, in die mit Teppichen ausgelegte Gebetshalle, die an der
Rückwand, der Qibla-Seite durch das reich verzierte, große Mihrab abgeschlossen
wird. An der Seite dieser and findet sich aber doch noch ein weiterer
Durchgang, der uns in den Grabraum von Sultan Hasan führt, genauso hoch wie der
Gebetsraum, von einer mächtigen Kuppel überwölbt.
War dieses Gebäude eine Einführung in
architektonische Monumentalität, führte uns unser nächster Weg zu einem Gebäude
lichter Weite und Grazilität, Ruhe und proportionierter Ausgewogenheit: der
ältesten Großmoschee Kairos, der Ibn-Tulûn-Moschee. Kurz nach dem Bau der Kalifenmoschee
von Samarra errichtet von Ahmed Ibn Tulûn in den Jahren 876 bis 879, kopiert
sie diese bis hin zum Spiralbau des Minarett-Turmes. Sie ist von der Fläche
her, die vor allem von dem weiten Hof eingenommen wird, die drittgrößte Moschee
der Welt überhaupt. Ziegelmauerwerk bestimmt Farbe und Faktur der allseitigen
Säulen- und Gebetshallen, gekrönt durch einen umlaufende ornamentalen Zinnenfries.
Vor dem Eingang zur Moschee befindet sich ein Vorhof, der das Bauwerk noch
einmal vor dem Lärm und dem Trubel des städtischen Lebens abschirmt. Durch eine
Seitentür gelangen wir in ein altes Kairoer Bürgerhaus, das, in der ersten
Hälfte dieses Jahrhunderts von einem englischen ägyptophilen Kaufmann gekauft,
sorgfältig restauriert und zur Aufnahme seiner reichen Sammlung
islamisch-ägyptischer Möbel und Kunstgewerbeexponate hergerichtet, später als
Gayer-Anderson-Museum der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde. Hier
erleben wir die Lebensumstände des reichen ägyptischen Kaufmanns, blicken
durch die engen Holzgitter des Harems auf das Leben auf der Straße und können
vom gegen den Blick vom Nachbarhaus sorgfältig abgeschirmten Dach noch viel
weiter in dieses städtische Gewühl hineinschauen. Luxus und Bequemlichkeit,
aber auch verfeinerter Geschmack in Dekor und Wandschmuck zeichnen dieses Leben
aus, das immer nur ein Leben der Oberschicht gewesen ist, aber zum Ideal und
Lebensmaßstab einer hohen arabischen Kultur wurde, in der Reichtum durch
Bildung und Lebensart ergänzt worden ist.
Eine weitere Rundfahrt durch das alte
Kairo führte uns zur Zitadelle, die wir nur en passant zur Kenntnis nehmen –
und wo wir an Verkaufsständen „original handgedruckte“ Reproduktionen altägyptischer
Grabmalereien, annonciert als „Papyri“, erstehen –, und zu den
berühmt-berüchtigten Mamluken- oder Kalifengräbern. Hier, in den
Slumvorstädten zerfallen eine große Anzahl architektonisch äußerst
interessanter Grabbauwerke zischen den provisorischen Lehmbauten einer immer
dichter erdenden Vorstadtbevölkerung. Auf die südlichen Mamlukengräber werfen
wir nur einen Blick im vorbeifahren von der Straße aus. Hier ist die Not und
die Armut so groß, daß es Touristen nicht zu empfehlen ist, auf eigene Faust
hindurch zu streifen. Aber auch Diskretion und Takt sollten das erbieten. Im
Zentrum der nördlichen Kalifengräber – tatsächlich sind es Grabbauten reicher
Kairoer Bürger und Hofbeamten der Mamlukenzeit und Grabmoscheen gelehrter
islamischer Theologen, die hier als Heilige verehrt werden – stehen einige
größere Grabmoscheen, die auch für die Besichtigung eingerichtet sind. Besonders
schön. mit zwei reich verzierten Minaretten und zwei der typischen, steilen,
gerippten Kuppeln ist die Sultan-Barkuk-Moschee, die nicht nur Mausoleum des
tscherkessischen Sultans, sondern auch Klostermoschee des religiösen Ordens,
dem der Sultan angehörte, war. Andere Besucher verirren sich kaum in diese
zerfallende Vorstadt unterhalb der Zitadelle. Tiefer Frieden liegt über dem
Moscheehof, in dem ein kleines Bäumchen durch den Steinboden gebrochen ist und
sein eigenes Leben führt. Am Rande des Hofes übermannt viele von uns der Schlaf
nach einer anstrengenden, an neuen Eindrücken reichen Stadtbesichtigung in
Hitze und staubiger, dreckiger Luft, während ich noch die Umgebung durchstreife
und weitere interessante Grabbauten finde, die alle die steinerne Riffelkuppel
tragen.
Doch ist dies noch nicht das Ende des
Tages. Die Besichtigung des Ägyptischen Museums ist die Krönung unseres
Besuches in Kairo. Es erübrigt sich hier, die Schätze dieses Museums zu beschreiben.
Weiter oben haben die Zeilen von Gerhard Stünkel ja schon erste Reminiszenzen
wecken können. Vieles ist ja, als Objekt der Neugier, uns Besuchern aus den
großen Ausstellungen in Hildesheim und Hannover bekannt. Vor diesem
Hintergrund enttäuscht dann die Ausstellungsform im Ägyptischen Museum,
nachdem wir die didaktisch und ästhetisch überragende Präsentation in den
Sonderausstellungen gewohnt sind. Das Nationalmuseum hier in Kairo ist noch
in erster Linie Magazin der überreichen Funde und Schätze, eine gedrängte
Ansammlung und Dokumentation, wie sie zu Beginn unseres Jahrhunderts in allen
Großstädten üblich war. Auch den Grabfunden Tutenchamuns begegnen wir hier
wieder. Eine Reihe von Photos, nach Zahlung der Fotolizenz, dokumentiert für
uns die verschiedenen Scherpunkte der Sammlung.
۞
Uns ist bewußt, wie vieles wir in dieser
Großstadt nicht haben sehen können. Mich schmerzt vor allem, daß ich keinen
Blick auf die Sammlungen des islamischen Museums habe werfen können. Aber auch
das Innere der Zitadelle oder die Al-Azhar-Moschee hätten einen Besuch gelohnt,
wie auch ein Bummel am Nilufer und eine Überquerung der Nilbrücken zu Fuß
lohnende zusätzliche Erlebnisse gewesen wären. Den großen Bazar wollten wir
noch besichtigen; doch Verständigungsschwierigkeiten mit unserem ägyptischen
Fahrer brachten uns dann plötzlich zu den Suqs von Giza in der Nähe unseres
Campingplatzes.
Alle diese Versäumnisse lassen den
Wunsch nach einer späteren Ägyptenfahrt aufkommen, vielleicht diesmal als
Charterflug und anschließende Rundreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln, vielleicht
mit einer Schiff-Fahrt auf dem Nil? Hercule Poirot lässt grüßen! Organisatorisch
und finanziell, auf drei bis vier Wochen beschränkt und mit Übernachtungen in
low-standard Hotels ließe sich dieser Plan auch mit Schülern realisieren, wie
entsprechende, ebenso „ungeplante“ Unternehmungen in der Türkei bewiesen
haben. Drei Reiseabschnitte würden dann aufeinander folgen: Eine Woche Kairo,
eine Schiff-Fahrt nach Luxor und Assuan mit der Besichtigung des Tals der Könige
und der nubischen Tempel und schließlich eine Busrundfahrt durch das Nildelta,
die in Alexandria endet, von wo aus dann der Rückflug nach Deutschland
angetreten werden kann. Aber ich träume und plane ja schon wieder, ohne daß
ich mir über die Mitreisenden, über den Zeitpunkt und, nicht zuletzt, über die
Finanzierungsmöglichkeiten Gedanken gemacht habe. Daher zurück zum Bericht
über die vergangene Ägyptenreise, zu den Erlebnissen im heutigen Ägypten.
۞
Nach diesem erlebnisreichen Tag in Kairo
kam ja schon wieder der Zeitpunkt der Weiterreise, aus Ägypten in Richtung
Israel. In Gesprächen auf dem Campingplatz wurden wir vor der langen, anstrengenden
Fahrt in das Nachbarland gewarnt. Zwei Tage hätten wir einzuplanen.
Dementsprechend planten wir die Rückfahrt zeitlich großzügig und waren
überrascht, schon am späten Nachmittag in Al Arish kurz vor der israelischen
Grenze angekommen zu sein. Als wir dann noch erfuhren, daß täglich Linienbusse
an einem Tage von Kairo nach Jerusalem fahren, kam uns unsere Vorsicht in der
Zeitplanung doch etwas überflüssig vor. Doch in Anbetracht der Unkenntnis über
Grenzabfertigungsmodalitäten und Öffnungszeiten des Grenzüberganges haben wir
uns dann doch noch zu einer Übernachtung in Ägypten, in Al Arish,
entschlossen.
Diese Rückfahrt fasste uns wie in einem
Hohlspiegel die Fülle der ägyptischen Probleme auf kleinstem Raume zusammen.
Die Fahrt durch Kairo führte noch einmal über die Nilbrücke, wo der Blick auf
den supermodernen Hochhäusern internationaler Firmen und Hotels am
repräsentativen östlichen Nilufer hängen blieb, vorbei am Trubel der
Innenstadt, in der westlich strukturierte Einkaufs- und Citystraßen, mit
soliden Geschäftshäusern aus allen Zeitabschnitten unseres Jahrhunderts, sich
abwechseln mit dunklen, aber von Leben pulsierenden Suqs und traditionellen
Wohnvierteln, die stellenweise noch den ehemaligen Luxus und Reichtum hinter
bröckelnden Fassaden durchschimmern lassen. Vorbei auch noch einmal an den
Slums um die Mamlukengräber herum, in sich schon ein Symbol für ehemalige
Macht und heutigen Zerfall dieser Stadt, der nur an anderer Stelle gestoppt und
aufgefangen werden kann. Dann durch die endlos wirkenden, gesichtslosen
Vorstädte, in denen Wohnbebauung und Gewerbe, Handwerk und Kleinhandel eine
unüberschaubare Melange eingegangen sind, durchzogen nur durch die völlig vom
Verkehr überlasteten Ausfallstraßen, auf denen, wir haben es selbst erlebt, mit
einem Male eine gemächlich dahintrottende Kamelkarawane den Autoverkehr
ungerührt aufhielt.
Kairo, eine Stadt der Extreme,
unübersehbare Bemühungen um Modernisierung und westliche Anpassung, aber auch
unvorstellbares Elend in den Slumgebieten. Insofern ist Kairo schon eine typische
Stadt der „Dritten Welt“, wie viele andere Städte mit ähnlichen Problemen in
Afrika, Asien und Südamerika eine der noch unlösbaren Menschheitsaufgaben, die
über weiter bestehen oder Kollaps einer friedlichen Menschheitszukunft
entscheiden können.
Auch die Weiterfahrt bringt zwiespältige
Eindrücke. Das Ackerland auf der Fahrt bis Ismailia ist fruchtbar, eine
Hoffnung für das volkreiche Ägypten, im Gegensatz zu den öden und versalzenen
Wüstengebieten auf dem Sinai, die wir anschließend durchfahren. Doch Siedlungsdichte
und Bevölkerungswachstum drehen die Problemlagen einfach um. Das fruchtbare
Land des Niltales kann heute kaum noch die Einwohnerschaft ernähren, geschweige
denn genug produzieren, um den Moloch Kairo am Leben zu halten. Die überall
sichtbare Armut auf dem Lande beweist das ebenso wie die fehlende
Infrastruktur, die katastrophale Folgen bei der Entsorgung von Müll und
Fäkalien nach sich zieht, Krankheiten, Seuchen, Unterernährung und geringere
Lebenserwartung; die Lebensverhältnisse am Rande der Wüste sind, bei sehr viel
geringerer Bevölkerungsdichte, weitaus weniger belastet als in den
Kernsiedlungsräumen Ägyptens.
Der Suezkanal, Hoffnung Ägyptens auf
eine moderne industrielle Entwicklung des Landes, durch Industrieareale bei
Ismailia, bei Suez und bei Port Said, die die Devisen zur Modernisierung auch
der großen Problemgebiete einbringen sollen, wird von uns diesmal auf der
Autofähre bei El Kantara überquert mit Blick auf die Großtanker, die,
vielleicht gerade aus dem Krisengebiet des Persischen Golfes kommend, Erdöl
durch das Mittelmeer nach Europa bringen. Die Einbindung in die internationalen
Konfliktlagen, die die Rahmenbedingungen auch für die ägyptischen Entwicklungsperspektiven
bilden, wird hier augenfällig.
Die Landschaften des Sinais kennen wir
schon von unserer Hinfahrt. Doch hier, in Küstennähe, ist das Gelände weniger
gebirgig, dafür treffen wir aber auf äußerst reizvolle Sandlandschaften und
Dünenfelder, unterbrochen von Salzpfannen und austrocknenden Küstenlagunen, an
deren Ufern strahlend weiße Salzausblühungen dem Landschaftsbild einen ganz
besonderen Reiz geben. In Al Arish, wo wir, wie gesagt, früher als angenommen
eintreffen, haben wir zunächst einige Schwierigkeiten, eine Unterkunft zu
finden. Das einzige Zeltareal war längst zu einem festen und völlig verschmutzten
Zelt- und Nissenhüttenslum geworden, in den wir uns kaum einquartierten
konnten. Das andere Extrem war ein hochmodernes Bungalowhotel, das unsere
finanziellen Möglichkeiten weit überstieg. Und sonst? Schon beim
arbeitsteiligen Einkauf von Viktualien ebenso wie bei der mühsamen Suche nach
einer Tankstelle hatten unsere Busse den kleinen Ort nach allen Richtungen hin
mehrfach durchquert und sich dabei auch aus den Augen verloren, was zusätzliche
Suchfahrten nach sich zog. Dann durchquerte unser gesamter Konvoi den Ort
dreimal in der Längserstreckung hin und zurück auf der Suche nach einer
Übernachtungsmöglichkeit: wir sahen es an den neugierigen Blicken, daß wir
langsam zur heutigen Ortssensation wurden; auch der einsame Verkehrspolizist an
der Hauptkreuzung, der die etwas unübersichtliche Lichtzeichenanlage von einem
verglasten Podest aus steuerte, blickte uns suspekten Personen zunehmend
misstrauischer nach. Diese örtliche Sensation sprach sich bald herum, und wir
wurden angesprochen und mit Hilfsangeboten bedacht. Undurchsichtige
Verhandlungen und widersprüchliche Angebote führten aber schließlich doch zu
einem Ergebnis: In drei strandnahen Bungalows unter Palmen konnte sich unsere
Gruppe einquartieren und bei Benutzung der Küchen auch Abendbrot und Frühstück
zubereiten. Die Legalität der Einquartierung schien nicht ganz sicher (wem
sollten wir eigentlich nicht sagen, daß wir die Nacht hier verbrachten?). Wir
haben zudem den erdacht, daß zumindest in dem einen Bungalow eine ganze Familie
gegen ein kleines Trinkgeld kurzerhand ausquartiert worden war zu einer
Zeltübernachtung am Strand, aber die nach unseren Maßstäben geringen Entgelte
und Trinkgelder waren Anreiz genug, uns diese Übernachtungsmöglichkeit zu
beschaffen. Der Abend wurde dann noch etwas durch Darmaffektionen bei einigen
Teilnehmern überschattet, doch ansonsten war die Nacht in „richtigen“ Betten
eine erfreuliche Abwechslung in unserem bisherigen Zeltalltag.
Das Baden im nahen Mittelmeer war nur
noch in der kurzen Zeit bis zur Dämmerung möglich, da das ägyptische Gesetz
Nachtbaden erbietet und die Strände bei Dunkelheit polizeilich gesperrt werden.
Dies wurde durch regelmäßige Patrouillen tatsächlich überprüft. Schmuggel und
Spionageinfiltration sind wohl die Befürchtungen, die die Behörden zu dieser
Maßnahme veranlasst haben. Doch die Verhandlungen und Diskussionen bei unserer
Suche nach Quartier führten auch zu persönlicheren, vertraulicheren
Gesprächen. Als Abschluss dieses Kapitels soll die Schilderung eines solchen
Kontaktes, der anrührende Züge trug, durch Gerhard Stünkel stehen:
„El Arish:
Hierher hat uns ein nicht sehr attraktiver Weg geführt. Nach dem Übersetzen
über den Suezkanal endlose flache Wüste. Gelegentlich weiße Landpartien, wo es
weggetrocknete Lagunen oder Wasserlachen gab. Am Straßenrand bei einer Pause
ein Hund: steif, unverwest, verledert wie die Tiermumien im Ägyptischen
Museum. er sich dort übrigens für Mumien interessiert hatte, war enttäuscht:
Sadat hat viel für den Frieden getan. Was das bedeutet, ist uns in diesen
Wochen sehr bewußt. Aber er hat auch den Toten der Gräber und Pyramiden die
Totenruhe wiedergegeben.
Es gibt
keine Mumie mehr zu besichtigen in Ägypten. Einige waren enttäuscht, aber alle
hatten Respekt vor dieser Geste der Pietät. Ja – und nun die Bilder, die sich
uns auf dem Sinai auftun: Noch müssen wir an den Resten des
„Sechs-Tage-Krieges“ 1967 und der darauf folgenden langdauernden Gefechte am
Suezkanal und auf dem Sinai vorbei: den Bergen von leeren Spritfässern, den
letzten nicht geräumten Panzerwracks.
Denk’ nicht an Idylle bei dem hübschen,
sonnigen Strand gleich neben der Straße: Eine Woche nach unserer Heimkehr wurde
auf dieser „offenen Straße“ der Polizeipräsident des Gazastreifens erschossen,
der einmal von der Grenze in die Stadt gekommen war. Die friedliche Landschaft
täuscht. Der Tourist ist ein harmloser Gast, wenn er die Verwicklungen nicht
berührt. Wir lassen uns gerne mit dem allerorts herzlichen „You’re welcome“
begrüßen, das uns schon als kosmopolitisch erscheinen mag und -nebenbei- uns
vorgaukelt, da könne jemand so etwas wie Englisch.
Dennoch habe ich an diesem Ort ein sehr
schönes Erlebnis mit einem „Touristenpolizisten“. Ein großer Titel für einen
ärmlichen Job! Die Geschichte ist länger, aber das Ende ist, daß ein sehr
fremder Mensch, der traurig ist, allein und für uns sehr hilfreich, wenn er
auch absolut nicht die Wahrheit gesagt hat über die Tricks seiner Quartiersuche
für uns. Dieser kleine Mann also fragt mich, wie ich als Christ so durch
muslimische Gegenden reisen und mit muslimischen Menschen auskommen könne. Ich
stellte die Gegenfrage, wenigstens im zweiten Punkt. Er: „But the Truth?!“
Ich war
ganz platt. Mit meinem Superenglisch habe ich ihm dann die Ringparabel geradebrecht.
Es war gut, daß wir auf einer dunklen Treppe saßen und abseits, denn er war zu
Tränen gerührt. Ich wollte ihm den Text schicken. Er teilte mir aber erst
einmal mit, daß er Englisch allenfalls etwas sprechen könnte. Buchstaben kennt
er nur die arabischen. Schade. Was er noch erzählt hat: El Arish hat zwei
Kirchen. Sie erinnern an die Rast der Heiligen Familie auf der Flucht nach Ägypten
und auf ihrem Rückwege.“
Vgl. dazu
die einfühlsamen und kenntnisreichen Ausführungen von Frank Teichmann, 1978, der sich der Deutung
der Pyramiden als zentraler religiöser Plätze des alten
Ägyptens nicht
nur aus der verkürzenden Perspektive als Begräbnisplätze, sondern in
umfassenderer religiös-kultischer Bedeutung nähert. Seine Ausführungen scheinen
mir sehr hilfreich und einleuchtend.
Inhalt
X.
Ägypten
1. Sinai und Nildelta
2. Bei
den Pyramiden
3. Alte
Kultur und heutige Probleme: Die letzten Tage in Ägypten
Wunsch nach einer späteren Ägyptenfahrt
In Al Arish kurz vor der israelischen Grenze - Résumé
der Probleme
Zu
den übrigen Aufsätzen des Bandes:
-
Vorwort
-
Einleitung
-
Vorbereitungen
-
Résumé
-
Der Aufbruch
-
Türkei
-
„Beim
Hören die Finger in die Ohren gesteckt“
-
Syrien
-
Jordanien
-
Ägypten
-
Israel
-
Verwendete
Literatur
-
Anhang
-
Ein kurzes Reisetagebuch
-
Teilnehmerliste der Orientfahrt
Gerhard Voigt:
Tradition oder Umbruch? Erlebnisse im Nahen Osten. Bericht über eine
Studienreise in die Türkei, nach Syrien, Jordanien, Ägypten und Israel im
Sommer 1987 mit Schülern der Bismarckschule Hannover im Rahmen der Arbeit
einer UNESCO-Projekt-Schule. – Schriftenreihe des UNESCO-Clubs für die
UNESCO-Schule am Maschsee, Bismarckschule Hannover, e.V. [An der Bismarckschule
5 D 30173 Hannover] / Gerhard Voigt. Mit Textbeiträgen von Dirk Fuhlbohm,
Hartmut Grote, Hans A. Gütte, Udo Herges, Gerhard Stünkel und Alexander
Schulze. – Hannover: UNESCO-Club, 1997. Druck der Erstauflage 1988: ISBN
3-930307-00-6
|
|
|