Persönliche Homepage von Gerhard Voigt

Home Was gibt's Neues? Inhalt Begrüßung Biographie UNESCO-Club Reisen Türkei Skandinavien Osteuropa Ungarn Naher Osten Iran In memoriam Schule und Politik Publikationen Soziologie Deutschland Staatsgesellschaft Globalisierung Artist's page Ronnenberg Weblinks Impressum

http://www.voigt-bismarckschule.de

 

Zur Seitennavigation
 Inhalt
Dokument Information

   
   

 

     
   

Lothar Nettelmann / Gerhard Voigt:

Mythen: Reflexionen und Beispiele

»Wie unterschiedlich das von Depression über Neugierde, Sensationslust und Panik bis zu Chauvinismus und offener Begeisterung reichende Spektrum der Reaktionen auf den Krieg tatsächlich war, hat nun der amerika­ni­sche Historiker Jeffrey Verhey in seiner kürzlich auf deutsch veröffentlichten Arbeit dargelegt (Der „Geist von 1914“ und die Erfindung der Volksgemeinschaft, Hamburg 2000). Seine Studie verdeutlicht darüber hinaus den konstruierten Charakter der vielbeschworenen nationalen Volksgemeinschaft, mit der im Zeichen des Krieges alle gesellschaftlichen Kräfte ihre politischen Ziele zu legitimieren versuchten und damit erst einen nationalen Mythos schufen, der nach der Niederlage eine besonders fatale Geschichtsmächtigkeit entwickeln konnte.« [Wolfgang Kruse[1]]

Dem Bewusstsein fällt es schwer, den Wandlungen und Verstrickungen der Realität, der gesellschaftlichen Realität, zu folgen. Gerne flüchtet es sich in künstliche Realitäten, in Schein, Illusion, Ideologie und Mythos. Doch die Realität holt das Bewusstsein ein. Bewusstseinskrisen sind Existenzkrisen für den Menschen, kollektive Bewusstseinsdeformationen stellen das Fortbestehen der Gesellschaft in Frage.[2]

»Sie tun das, weil sie hoffen, dadurch die Säkularisierung der Kultur aufhalten zu können, die „Gottesfurcht“ zu bewahren und der künftigen Zivilisation die Argumente für eine optimistische Sicht der Welt zu entziehen.

Auf einer anderen, eher philososphisch-abstrakten Ebene kann man den­selben Konflikt auch lesen als Illustration der These, daß Kultur prinzipiell offen und mobil sein muß. Wie die Illustration, die Übersetzung und die Para­phrase ist auch die Parodie eine Umcodierung, die die Sprache der Kultur bereichert, ihr neue Zeichen zuführt und die Bedeutung der vorhandenen erweitert. Unveränderlichkeit des Verhältnisses von Signifikanten und Signifikaten führt zum Tod der Kultur«.

[Elena Kostjukovic: Der unbegrenzte Zeichenprozeß als Grundlage der Kultur]

Der Begriff „Mythos“ wird bestimmt von einer eigentümlichen Unbestimmtheit und manchmal auch – Willkürlichkeit. Damit entspricht er den Inhalten von Mythen, deren Hauptcharakteristiken ihre Ambiguität und Interpretierbarkeit sind – und damit auch ihre Funktionalisierbarkeit. Mythen können Versuche der Sinngebung von (gesellschaftlichen) Realitäten sein, aber gleichermaßen Konstrukte der gesellschaftlichen Stabilisierung wie der Herrschaftssicherung. Zu diesem letzten Punkt gehören vor allem die neueren „Nationalmythen“[3], die von Herrschaftsseite her – oft in Anlehnung älterer mythischer Überlieferungen – konzipiert und durchgesetzt wurden, wie z.B. der „Bismarckmythos“ Ende des 19. Jahrhunderts.

»Zuweilen reichen die mythologischen Geschichtserzählungen, die die Nationalhistoriographien für schiere wissenschaftliche Wahrheit hielten (mindestens als solche ausgaben), weit zurück; bis zu Hermann dem Cherusker, der erst seit 1810 vom unkultivierten Barbaren zum „Volks“-Helden mutierte, oder zu jenem Vercingetorix, den sich die Franzosen einverleibten, seit sie sich als Gallier wiederentdeckten, was ihnen zu Zeiten der Valois oder Bourbonen gewiß nicht eingefallen wäre.«[4]

»Besonders kurios in dieser Liste ist der „Lombardische Bund“ von 1176, den die oberitalienischen Städte mit dem „Schwur von Pontida“ (ein großes Wandbild, das ihn zeigt, hängt heute im Ratssaal von Siena und ist derzeit in der Ausstellung zu betrachten) gegen den deutschen Kaiser schlossen. Im 19. Jahrhundert wurde er zum Symbol für die erhoffte Einheit und in unseren neunziger Jahren zum Signal neuer Spaltung: Umberto Bossi, der Führer der „Lega Nord“, ließ ihn seine Anhänger schwören: gegen den Nationalstaat Italien und das räuberische Rom.«[5]

Wenn der Unterricht mit diesen Vorstellungswelten konfrontiert wird, wenn „Mythen“ zu Unterrichtsgegenständen werden – was in den Wertfächern überwiegend der Fall ist und in den Fächern Geschichte und Politik immer wieder aufscheint – sind besondere Nachdenklichkeiten, sind Reflexionsbereitschaft und Distanzierungsfähigkeit notwendig, um die Mehrdeutigkeiten und Funktionen der „Mythen“ zu klären, ohne dabei – was nicht möglich sein wird – eindeutige Erklärungen anzubieten.

So stehen im Folgenden didaktische Reflexionen neben inhaltlichen Beispielen, die ein „Nachdenken über…“ provozieren sollen. Dabei stehen Beispiele aus der Religionsgeschichte im Vordergrund, da diese im Unterricht am häufigsten angesprochen werden, weil sie eine unübersehbar alte Überlieferungstradition umfassen und weil sie – Jahrhunderte als buchstäbliche Wahrheit geglaubt – tief im kulturellen Bewusstsein der eigenen Gesellschaft verankert sind. Als Beispiele werden der Mythos der Sintflut und der Mythos des Sinai eingehender dargestellt und in Frage gestellt – im wortwörtlichen Sinne.

Werte und Normen – Ideologie und Überbau

Vorbemerkung

Eine immer wieder von Schülern gestellte Frage ist: „Gibt es einen Gott?“ bzw. „Woher kommen die Legenden, Erzählungen aus der Bibel? Wer hat sie sich ausgedacht, sie erfunden, geschrieben?“ Es ist immer die Frage nach dem Warum!

  • Keinesfalls soll im Folgenden der eigene individuellen Glauben in Frage gestellt, kollektive Glaubensinhalte und Lehren als solche hinterfragt, kritisiert oder gar diskreditiert werden.

  • Der Glaube bleibt jedem Menschen als sein ureigenes Individualrecht und ist zugleich ein garantiertes Gruppenrecht.

  • Unser Ziel ist es, Distanz aufzubauen, die Fähigkeit zur Distanzbildung zu erzeugen. Die individuelle Glau­bensüberzeugung ist nicht anzugreifen, sie ist nicht in Frage zu stellen, sondern zu schützen und zu verteidigen!

  • Die Verfasser möchten nicht verschweigen, dass sie dem Prinzip von Glauben durchaus positiv gegenüber stehen und die Wirkung von Religionen für Menschen in vielen Bereichen wertschätzen.

  • Ihrer protestantischen Prägung zufolge legen sie individuellen wie kollektiven Glaubensbekundungen wie nach außen gerichtete und sichtbare Rituale eine grundsätzliche Zurückhaltung auf.

Im Folgenden sollen deshalb zur Herausarbeitung der Ebenen ausschließlich wissenschaftliche Kriterien gelten.

Ein Beispiel für einen Alttestamentarischen Mythos, die Sintflut Erzählung, soll den Einstieg in die Denkanstöße zur Auseinandersetzung mit „klassischen Mythen“ bilden.

Nachdenken über…

…die Sintflut, die Sinn-Suche und die „ewige Frage: wozu?“

Der Begriff „Sintflut“

»Die Sintflut wird in den mythologischen Erzählungen verschiedener Kulturen als eine göttlich veranlasste Flutkatastrophe beschrieben, die die Vernichtung der Zivilisation zum Ziel hatte. Als Gründe für die Sintflut nennen die historischen Quellen zumeist Verfehlungen der Menschheit. Die bekanntesten Berichte sind im 1. Buch Mose der Bibel, im Gilgamesch-Epos und im Atra’asis-Epos überliefert… Das deutsche Wort „Sintflut“ ging aus mittelhochdeutsch „sin(t)vluot“, althochdeutsch „sin(t)fluot“ hervor, das so viel wie „immerwährende Überschwemmung“ bedeutet, es hat also nichts mit dem Wort „Sünde“ zu tun. Die germanische Vorsilbe „sin“ bedeutet „immerwährend, andauernd, umfassend“ und wurde seit dem 13. Jahrhundert volksetymologisch zu „Sünd-“ umgedeutet. Im Englischen heißt Sintflut „The (Great) Flood“ oder − nach dem französischen Wort − „Deluge“. Französisch heißt es „déluge“, spanisch „diluvio“ und italienisch „diluvio universale“. Das hebräische Wort für Sintflut, „mabul“, bedeutet Vermischung oder Vermengung und steht im Zusammenhang mit „Babel“ und der babylonischen Sprachverwirrung (Gen 11,1-9)« (aus Wikipedia).

Die Suche nach der „objektiven Wahrheit“

Seit langer Zeit bemühen sich Historiker, Theologen oder „Bibelforscher“ herauszufinden, auf welche „objektive Flutkatastrophe“ sich die Sintflut-Überlieferung bezieht. Verwirrend ist dabei die Vielzahl der Flutmythen in verschiedenen Kulturen und die Vielzahl möglicher Flutkatastrophen, die die Historiker und Geologen heranziehen können.

Wenn wir darüber nachdenken… sollten wir es mit einem Perspektivwechsel versuchen. Wenn uns die Frage nach der „objektiven Wahrheit“ nicht mehr in erster Linie interessiert, sondern der Sinn des Mythos in den Vordergrund gestellt wird, kann eine Vielzahl existenzbedrohender Flutkatastrophen zur Mythenbildung beigetragen haben.

Hier wird festzustellen sein, dass die Überlieferung in der Zeit vor der Schriftkultur sich auf orale, narrativ geformte „Erzählungen“ beschränken lässt. Wert für die narrative Tradition hat nicht die Darstellung „historischer Fakten“, sondern die Erklärung des Sinns von Erfahrungen, die sich im gegenwärtigen Alltagsleben spiegeln, die als existenz­bedrohend erfahren werden. Eine „abstrakte Sicht“ im Sinne unserer heutigen Wissenschaft war damals noch nicht möglich und auch gesellschaftlich nicht gefordert.

Auch heute überlagert der Rückfall in vorwissenschaftliche Denkkategorien die Reaktion auf emotional erlebte persönliche Katastrophen, wie Mord, plötzliche Unglücksfälle, Naturkatastrophen wie den Tsunami, wenn die Frage in den Mittelpunkt gestellt wird: Warum muss das mir passieren, welchen Sinn hat diese unvorstellbare Katastrophe, wer lässt diese Schrecken zu?

Daher rückt in der biblischen Erzählung nicht der Tatbestand der Flut an sich, sondern der Gedanke eines „strafenden Gottes“, der auf die Sünden und Verbrechen der Menschheit reagiert, in den Mittelpunkt – indem er auch auf Erfahrungen des Alltags und der familiären Erinnerung zurückgreift, indem die Angst vor der alles ertränkenden Flut aufgegriffen wird. Dass dieses Motiv auch für unterschiedliche Raum- und Zeitbezüge Gültigkeit erlangt, dürfte die Suche nach der „einen realen Wahrheit“ ins Absurde rücken.

Die Größe der berichteten mythischen Katastrophe sagt in einer Zeit nichts aus, in der „die Welt“ dasjenige war, was der Einzelne selbst erfahren konnte – vielleicht dasjenige, was sich in seinem eigenen Horizont befindet. Alles Weitere sind narrative Überlieferungen, deren Wert ihre Tauglichkeit zur Sinnvermittlung darstellt…

Der Anachronismus der modernen „Bibelforschung“

In der Gegenwart treffen nun unvereinbare Denkstile aufeinander. Der gläubige Mensch vertraut auf die biblische Überlieferung des „Wahren Wortes“ – sei es Christ, Jude oder Muslim –, aber der moderne Zugang zu den Schriften übersieht deren Sinn und Darstellungsansatz völlig und er sucht nach der „historischen Wahrheit“ der Überlieferung.

Besonders seltsam sind die Bemühungen der Suche nach den Überresten der „Arche Noah“. Sie soll auf dem Ararat am Ende der Sintflut gelandet sein (die physikalische Unsinnigkeit einer Flutwelle von 5000 m Höhe einmal als „Glaubens­realität“ außer acht gelassen) – wobei einerseits die Zuordnung zum heutigen Berg Ararat völlig strittig ist – wie kommt dieser in eine Überlieferung aus der südmesopotamischen bis auf Sumer zurückreichenden Kultur? – und andererseits auf unterschiedliche Überlieferungen in den einzelnen Religionen zurückgeführt wird. Befassen wir uns auch hier einmal mit lexikalischen Einträgen:

»Der Berg Ararat, auch Großer Ararat (aus dem Hebräischen, entstanden aus assyrisch Urartu und kurdisch Çiyayê Agirî / Shaxi Ararat, türkisch Büyük Ağrı Dağı, armenisch Մասիս / Masis oder Արարատ / Ararat), ist ein ruhender Vulkan im Ararathochland in Ostanatolien nahe der Grenze zu Armenien und dem Iran. Er ist mit 5.137 Metern über dem Meeresspiegel der höchste Berg auf dem Gebiet der Türkei. Der kurdische Name, Çiyayê Agirî, bedeutet „der feurige Berg“ (agir = Feuer, çiya = Berg). Der kleinere Nachbarberg, der Kleine Ararat (türk. Küçük Ağrı Dağı), ist 3896 Meter hoch. Im Jahre 2004 wurden beide Araratberge Teil eines Nationalparkes… Im Gebirge Ararat soll nach der Sintflut die Arche Noah gestrandet sein (Gen 08,04 EU[6]). Die Vulgata spricht hierbei von den montes Armeniae, also den „Bergen Armeniens“, während es in der Nova Vulgata in montes Ararat, „Berge von Ararat“, geändert wurde. Anerkannte wissenschaftliche Belege für diesen Bericht fehlen allerdings. Der Koran gibt den Cudi Dağı als Landeplatz an.« [Aus Wikipedia. Ararat.]

»Der Cudi Dağı ist mit 2.114 m der höchste Berg in der türkischen Provinz Şırnak. Er hat vier Gipfel… Theodor Nöldeke nahm 1898 an, daß der ursprüngliche Name des Berges Kardu (von Gordiene) gewesen sei.[7] Er könnte auch mit dem in frühen syrischen erwähnten Qardū,[8] dem Land, in dem Noahs Arche landete, identisch sein. Mehrere Forscher haben den Cudi als Landeplatz der Arche Noah in Betracht gezogen, namentlich David Rohl, Bill Crouse, Charles Willis und Timo Roller[9]« [Aus Wikipedia. Cudi Dağı.]

Nur noch mit leichter Ironie kann man heute die „ernsthafte Suche“ nach Überresten der Arche Noah betrachten, die immer mal wieder in die Schlagzeilen gerät.[10]

»Welch Geistes Kind sind diese fundamentalistischen Bibelgläubigen, die unbeirrt am Berg Ararat nach der Arche suchen? Unmittelbar vor dem Aufbruch zu einer eigenen Reise in die Türkei reizt mich dieser Artikel doch dazu, den Unfug einmal ernst zu nehmen und an einige, bei Archäologen und Orientalisten unstrittige Sachverhalte zu erinnern (damit nicht ein neuer Noah-Massentourismus diese großartige Landschaft „überschwemmt“):

Der Ararat an der nordöstlichen Grenze der Türkei hat mit dem biblischen Berg Ararat, der in den alten Schriften zwar ähnlich lautet, aber erst in einer später unverstandenen Textüberlieferung dem nun nur noch bekannten Ararat sprachlich angeglichen wurde, nichts zu tun. Der biblische Ort, der nicht mehr widerspruchsfrei zu lokalisieren ist, liegt im Zweistromland und ist sicherlich einer der Hügelzüge, die auch bei katastrophalen Überschwemmungen trocken blieb. Der türkische Berg Ararat hat seinen Namen von dem altorientalischen Reich Urartu, das in anderem zeitlichen Kontext zwar auch im Alten Testament erwähnt wird, niemals aber in der Namensform Ararat.

Und im Übrigen: muss Bibelglauben auch bedeuten, den Sintflut Text so zu verstehen, dass es auf einmal auf der Erde Wassermassen gab, die die Erdoberfläche in einer Mächtigkeit von 5000 m überdeckten und dann wieder spurlos verschwanden?

An solchen Absurditäten sollte auch echte Gläubigkeit nicht hängen (vor allem, da die Originalüberlieferungen etwas ganz anderes meinen). Die Sintflut Überlieferung, von ihrem viel bedeutsameren ethischen Aussagewert einmal abgesehen, bezieht ihren Realitätsgehalt aus einer oder mehreren katastrophalen Überflutungen, die das Zweistromland tatsächlich kannte. Dass andererseits am türkischen Ararat Artefakte zu finden sind, ist bei einem so alten Kulturland nicht verwunderlich – eher, wenn man nichts Derartiges fände. Was aber immer gefunden wird: die „Arche Noah“ kann es nicht sein.«

[Leserbrief Frankfurter Rundschau – Noah Ararat 20.10.89[11]].

Sinn-Suche

Es gehört zu den anthropologischen Grundtatsachen, dass der Mensch nach dem Sinn fragt für das, was er erlebt, erduldet und erleidet. Vor der Entwicklung abstrakter, auf Kausalitätsbeziehungen abhebender Denkstile, war die Erklärung der Realität der Versuch einer Antwort nach dem Sinn des Erfahrenen. Es ist dabei folgerichtig, dass

  • Sinn in der Annahme eines sinngebenden Verursachers,

  • in der Annahme der Beseeltheit aller Realität – dem Animismus – und

  • in der Annahme, dass das Erlebte und Erlittene auf die eigene Person sinnvoll gerichtet ist – als Lohn oder Strafe – gesucht und gefunden wird.

Die Erklärung durch „Naturgesetze“, Zufall und Wahrscheinlichkeit und vom Menschen unabhängige Kausalität setzt ein neues Distanzierungsvermögen voraus, das die Realität als äußere Entität begreift, die nicht auf die Befindlichkeiten der Person bezogen ist. Das setzt einige Schritte der Kulturentwicklung, anfänglich auch eines Zivilisationsprozesses voraus, deren wichtigste sind:

  • Entwicklung der schriftlichen Überlieferung.

  • Professionalisierung des Denkens mit dem Übergang von der Theologie zur Philosophie.

  • Fortschritte in der „Beherrschung der Natur“ durch Technik und Entwicklung einer Naturwissenschaft.

Es ist hier nicht der Ort, die grundlegenden gesellschaftlichen Umwälzungen seit der klassischen Antike nachzu­zeich­nen, die diese Entwicklung möglich machte. Zurückzugreifen ist aber vielleicht auf das Aperçu nach einem Nietzsche-Zitat, das sich unter anderem im Aphorismus 125 der Fröhlichen Wissenschaft findet: „Gott ist tot“. Wie kann das aber interpretiert werden? Zum einen postuliert es die ersichtliche Unmöglichkeit des Postulats der „Letztbegründung“ in einer wissenschaftlichen Philosophie – wobei „Gott“ für die unfassbare „Letztbegründung“, das „Absolutum“, steht – und zum anderen die neue Aufgabe der Philosophie, Sinn und Werte nach eigenen Maßstäben zu entwickeln: „Alle Wissenschaften haben nunmehr der Zukunfts-Aufgabe der Philosophen vorzuarbeiten: diese Aufgabe dahin verstanden, dass der Philosoph das Problem vom Werthe zu lösen hat, dass er die Rangordnung der Werthe zu bestimmen hat“ [Nietzsche: Zur Genealogie der Moral[12]].

Letztlich ist dies eine unlösbare Aufgabe, und in diese „Unlösbarkeit“ hinein stößt auch heute der Anspruch der Religionen, das Bedürfnis nach Sinn-Suche beim einzelnen Menschen zu befriedigen, so auch ethische und moralische Hilfe und Wegweisung zu leisten.

Aus der Unauflösbarkeit dieses Widerspruchs ergibt sich die Philosophie des Rechtshistorikers und Psychoanalytikers Pierre Legendre.

»In der christlichen Ordnung der Welt ist der Vater der Ursprung der Dinge und damit der Ursprung der Gesetze. Diese biblische Fiktion können wir nur durch aktualisierte, durch variierte Fiktionen ersetzen. Das Volk, so lautet unsere heutige Fiktion, ist der Ursprung unserer Gesetze und autorisiert unsere Rechtssprüche. Wir glauben an das Volk, es ist unvermeidlich, aber strukturell ist dies das gleiche wie der Glaube an Gott.

Man könnte natürlich auch fragen: Warum muß ausgerechnet der Glaube diesen Ursprung bezeichnen und ver­walten? Antwort: Es gibt nichts anderes. Wo das Rätsel regiert, dort verwaltet der Glaube. Und merk­würdiger­weise ist der Glaube eben jene Kraft, die der anderen Kraft, die die Welt regiert, antwortet: der Macht. Eine Macht ist eine Unternehmung, die Schriften hervorbringt, heißt es in einer lapidaren Definition Legendres. Für die Wahrheit des Parallelenaxioms würde niemand in den Krieg ziehen. Nur der Glaube geleitet uns in den Krieg und in den Tod. Und gerade das ist nach wie vor die Funktion der Institution, die schreibt und sich einen dogmatischen Grund gibt: den Menschen ins Leben und in den Tod zu geleiten.«

[Manfred Schneider]

Beenden wir unsere Überlegungen – ohne greifbares Ergebnis, aber mit Herausarbeitung der Widersprüche und Rätsel – mit einem Gedicht von Gottfried Benn[13]:

Durch so viele Formen geschritten,

durch Ich und Wir und Du,

doch alles blieb erlitten

durch die ewige Frage: wozu?

Dies ist eine Kinderfrage.

Die wurde erst spät bewußt.

Es gibt nur eines: ertrage

– ob Sinn, ob Sucht, ob Sage –

dein fernbestimmtes: Du mußt.

Ob Rosen, ob Schnee, ob Meere,

was alles erblühte, verblich,

es gibt nur zwei Dinge, die Leere

und das gezeichnete Ich.

Die Genese von Völkern und Symbolsystemen

Im Ursprung gab es Gentes, Stammesidentitäten aus denen sich die Identitäten von Völkern entwickelten, nachdem sich diese vergrößert, d.h. die Menschen vermehrt hatten, sowie auch durch Vereinnahmung unterworfener oder ange­schlossener Volksgruppen. Es stellt sich die Frage nach dem Volk (z.B. der Juden), nach Gemeinschaften.

Die Überklammerung erfolgte in vielen Fällen durch vergegenständlichende Symbolgestalten, die als Götter verstanden und bezeichnet wurden. Es konnten auch sog. „heilige Tiere“ oder Phantasiegestalten sein, die oftmals aus der über­höhten Phantasie aus Tiergestalten erwuchsen: feuerspeiender Drache, fliegender Drache, Phönix, fliegende Schlange, weißer Hirsch oder weißer Adler etc., also Phantasiegestalten, die oftmals zusammengesetzten Wahrnehmungen, Beobachtungen oder sog. Erscheinungen (Träumen) entstammten. Alle hatten die Funktion einer Überklammerung einer kleineren oder größer werdenden Gruppe, einer Figuration.

Wenn man in die schriftlose Vorzeit zurückgeht, trifft man auf die Kultur der Höhlenzeichnungen, z.B. in Lascaux[14]. Es war eine Kultur der Jäger. Die Bilder an den Höhlenwänden machen deutlich:

  • die Jäger identifizierten sich mit dem gejagten Wild,

  • die Jäger empfanden Furcht (und Ehrfurcht) vor dem gejagten Wild,

  • die Jäger versuchten mit ihren Bildern das Wild zu bannen und das getötete Wild – dessen Seele im Sinne des Animismus als real wirkend verstanden wurde – zu besänftigen.

Wandmalerei aus Lascaux

Dabei bildeten sich Identifikationsmythen heraus, indem bestimmte Tierarten als überlegen und doch der Gruppe zugehörig wahrgenommen wurden: sie wurden die Symboltiere – d.h. später: die Götter – des Stammes. Im Übergang zu späteren Formen des Monotheismus wandelte sich diese Gottgleichheit eines bestimmten Tieres in ein Tabu – ein Tier, dessen Verzehr und Verwendung verboten wurde. So ging es wohl im Nahen Osten mit dem – unzweifelhaft schon früh als besonders klug und „menschenähnlich“ beobachteten – Schwein. Es ist also anzunehmen, dass das spätere Schweinefleischverbot im Judentum und Islam religiöse Gründe aus der Vorzeit hatte und keinesfalls – im Sinne einer späteren Rationalisierung – hygienische oder gesundheitliche Risiken eine Rolle spielten.

Man anerkannte die jeweiligen Götter der benachbarten Gruppierung, mit der man sich oftmals in Konkurrenz befand; im Kampf wurde daraus der Feind. Bekannt sind Freund/Feind-Bilder; der Gast, der zugleich der potentielle bzw. vermutete Feind ist. Man vergleiche: Gastfreundschaft, Gastrecht als die gegenseitige Akzeptanz der Regel, dass ein Kampf an diesem Tage, in dieser Nacht unterbleibt; das Waffenablegen vor dem Haus, das Grüßen mit der offen gezeigten Hand, der sog. Waffenhand, u.v.a.m. Ein Beispiel dafür aus dem Nahen Osten ist das Friedensgebot beim Besuch heiliger Stätten, z.B. für die vorislamische wie islamische Welt vom Heiligtum in Mekka, das auf gewisse Zeiträume, die für die Pilgerfahrt (Hadj)[15] vorgesehen sind, ausgedehnt wird. Das zeigt aber auch, dass ein Gebot wie „Du sollst nicht töten“ aus den „Zehn Geboten“ des Alten Testaments nicht die universale Bedeutung hat, die ihm heute oft theologisch zugesprochen wird, sondern das Friedensgebot für die Stammesmitglieder untereinander beinhaltete.

Man anerkannte zugleich die negativen Symbolgestalten der anderen und damit auch deren Tabu-Funktionen, z.B. das Verbot, Schweinefleisch zu essen. Es entstanden Methoden und Machtmittel zur Gruppen-Definition und -Abgrenzung. Kennzeichnend ist, dass derartige Regeln, Verbote, Tabus etc. logisch nicht ableitbar sind. Vermutlich entstammen sie bereits vorzeitlicher Praxis, den Vorstellungswelten der frühen Menschen, ihrem Denken und Handeln.

Es entwickelten sich positive Regeln (man soll, man muss) und andererseits negative Regeln (man darf dieses und jenes nicht tun). Also Gebote und Verbote! Klarer formuliert: »Man« hat alles dieses getan, es ist nur nicht mehr nachweisbar, wer es vollbracht hat und wann in welchen Zeitabläufen es geschehen ist. Ein Theologe benutzte gern als Kommentar zur Genese der Zehn Gebote: „Sie sind nicht einfach vom Himmel gefallen.“[16]

In den innergesellschaftlichen Machtkämpfen also innerhalb verdichteter Gesellschaften, wie auch zwischen den jeweils benachbarten, in unserem Kulturkreis, dessen Ursprung im Vorderen Orient liegt, entwickelte sich die Überhöhung von Gottheiten, bis zum Einen, die eine Abstraktion ins Transzendente darstellte. Über den Zusammenhang dieses Prozesses mit der Entwicklung und Wandlung der Lebensformen – beim Judentum der Rückkehr zur nomadischen Lebensform nach dem „Auszug aus Ägypten[17] – werden wir noch später berichten.

Methode und Gestaltungsprozess war wahrscheinlich die Zusammenführung von Weltlicher und Göttlicher Macht im Ägypten der Pharaos. Vermeintlich war es Tut-Ench-Amun, der sich als erster als den Alleinigen Gott definierte und damit die Religiöse und Weltliche Macht in seiner Person zusammenführte, diese auch beanspruchte und damit eine in sich geschlossene Herrschaft ausübte. Zum Vergleich: Der Kaiser in Japan war Gott und Kaiser bis 1945. Die erzwungene Ablegung der Gotteseigenschaft war eine Bedingung der Siegermächte.

Vermutlich haben die Juden dieses Bild nach ihrer Ausreise/Auswanderung aus Ägypten übernommen, die als „Flucht aus Ägypten“ mythisiert und mythologisiert wurde. Man kann den Beginn der Herausbildung der Eingott-Vorstellung ca. drei Tausend Jahre zurückdatieren. Dieser Übergang war zweifellos ein hoher qualitativer Entwicklungssprung in diesen Gesellschaften.[18] Er entsprang Legitimierungsansätzen der eigenen jetzt wieder neu unabhängig ausgeübten Herrschaft, Versuchen zu Plausibilitäten. Es galt, nicht Erklärbares den Menschen plausibel zu machen, es ihnen schein­bar zu erklären und verständlich zu machen. Man benötigte Scheinerklärungen zur Rechtfertigung in der gegebenen Situation. Der hier Verwendete Begriff „Scheinerklärungen“ ist jedoch problematisch, da er unsere eigenen „Erklärun­gen“ der Natur und Gesellschaft für Realität postuliert, obwohl auch unser eigenes Denken nur augenblicklicher Stand einer geistigen Entwicklung ist und weiterhin mythische Elemente unser Alltagsbewusstsein – aber auch die angeblich „objektive Wissenschaftlichkeit“ – bestimmt.

»Heute kettet sich das Leben an die Wissenschaft, weil die Wissenschaft eine Religion ist. Wie der große amerikanische Rechtshistoriker Harold J. Bennann in seinem Buch von 1983 The Formation of the Western Legal Tradition dargestellt hat, liegt der Ursprung der westlichen Rechtstraditionen in der Revolution Papst Gregors VII. (1073-1085). Die wichtigste, bis heute wirksame Reform im Gefolge Papst Gregors bildete die erste systematische Darstellung der römisch-christlichen Rechtstradition durch den Bologneser Mönch Gratian um 1140: das Corpus iuris canonici. Sowohl die Methode als auch die materiellen Grundsätze dieses Buches blieben in der Rechtstradition des Westens erhalten.

Doch damit nicht genug. Die Methodik der neuzeitlichen Wissenschaften, einschließlich der Naturwissenschaften, entstammt dieser juristischen Revolution. Es war der Jurist Robert Grosseteste, der im Übergang vom 12. zum 13. Jahrhundert das methodische Instrumentarium der Rechtswissenschaft auch auf Naturphänomene anwandte. Sein Schüler Roger Bacon prägte den Begriff „Naturgesetz“. Was unsere Schulweisheit noch träumt und was die Naturwissenschaft wieder zu den Akten legt – die Natur von Gesetzen regiert zu denken –: das ist nach wie vor das juristische Unbewußte der Wissenschaft. Und unser gesamtes kulturelles System trägt ein solches Unbewußtes in sich.« [Thesen nach Pierre Legendre von Manfred Schneider.[19]]

Man definierte das Ausbrechen aus der ägyptischen Herrschaft als Stärke des Eigenen Gottes – der aber erst in diesem historischen Prozess zum Alleinigen Gott wird. Dieses hatte eine Legitimierungsfunktion für die sich neu etablierten Machteliten im Volk Israel, die wiederum ihre Herrschaft über die intellektuellen Eliten stabilisierten, die ihrerseits sich immer mehr zu religiösen Eliten umbildeten, um es in der modernen Sprache zu sagen. Die Herausbildung der Priesterkaste in ihrer Mehrfachfunktion erfolgte langsam in Entwicklungsschüben.

In dieser Phase einer Bildung eines Herrschaftsgebietes mit sich ständig erhöhendem Organisationsgrad bildete sich zeitlich parallel die Vorstellung des Alleinigen Gottes heraus.

Als Wesentlich erscheint dabei: Die ursprüngliche Definition des Judentums war: Jude ist, wer eine jüdische Mutter hat. Diese bis heute gültige Definition, ist zweifellos eine biologische (biologistische). Sie wurde überlagert durch die zunehmend wirksam werdende religiöse Definition: der Glaube an den gleichen Gott, aus dem der Alleinige Gott (aller Menschen) erwuchs. Die Definition des „jüdisch Seins“ wurde also nicht ersetzt, sondern durch Überformung ergänzt.

»An dieser dogmatischen Lösung eines Dilemmas zeigt sich, wie Legendre betont, daß die juristische Normierung (der „zureichende Grund“) der Fortpflanzung in unmittelbarem Bezug zu den Regeln der philosophischen Logik steht. Der „zureichende Grund“, definiert Leibniz in der Monadologie, erklärt eine Tatsache oder Aussage für wahr, ohne daß uns der Grund wirklich bekannt wäre. Denn unsere Rationalität setzt allenthalben ein Verhältnis von Ursache und Wirkung. Die Welt besteht überhaupt nur aus Dingen und Sachverhalten, die eine causa haben. Wer ist aber der Einrichter der causa, was ist die causa des Prinzips der Kausalität? Hier endet die Dekonstruktion. Aber hier setzt die Arbeit der Juristen ein. Allein an der Position des Vaters beginnt und endet die Ratio. Der absolute Vater ist der Ursprung seiner selbst. Ein Ding ohne Ursache zu denken, das wäre sonst der Gegensatz von ratio, nämlich Demenz. Hand in Hand definieren Juristen, Theologen und Philosophen, was Wahnsinn ist, nachdem sie definiert haben, was Vernunft ist.

In der christlichen Ordnung der Welt ist der Vater der Ursprung der Dinge und damit der Ursprung der Gesetze. Diese biblische Fiktion können wir nur durch aktualisierte, durch variierte Fiktionen ersetzen. Das Volk, so lautet unsere heutige Fiktion, ist der Ursprung unserer Gesetze und autorisiert unsere Rechtssprüche. Wir glauben an das Volk, es ist unvermeidlich, aber strukturell ist dies das gleiche wie der Glaube an Gott.« [Thesen nach Pierre Legendre von Manfred Schneider.[20]]

So entsteht nicht nur beim Judentum, sondern in vielen Gruppen des frühen Nahen Ostens ein doppelter Bestimmungsgrund: für das Alltagsleben ist die strikte Rollenverteilung nach Geschlechtern verbindlich – wie sie den Rollenerfahrungen der Nichtstaatsgesellschaften zwischen „Kampf“ und „Jagd“ auf männlicher Seite und Haus­haltsführung („Herrschaft im Haus“) und Nachkommenschaft der weiblichen Seite – entsprach. In der späteren türkischen Gesellschaft entwickelt sich daraus ein kompliziertes Geflecht aufeinander bezogener Vorstellungen von „Ehre“, wie sie von Elçin Kürşat dargestellt wird:

»Männliche Ehre hat stets mit Demonstration, Kampf und Wettbewerb, vor allem mit der Reputation und dem Ruhm eines Mannes zu tun, der fähig ist, seinen Haushalt, seinen Besitz und seine Frauen gegen die Übergriffe anderer Männer zu schützen. Das Normensystem beinhaltet eine scharfe Rollentrennung; „männliche“ und „weib­liche“ Ehre sind völlig verschieden. Für Frauen baut es auf Keuschheit, sexuelle Reinheit, Zurück­gezogenheit, Gehor­samkeit und Unterlegenheit der Frau gegenüber dem Mann auf. Aber für den Mann gilt ein Normensystem von Kampfesmut, Kampfbereitschaft, Tapferkeit, Geistesgegenwart und selbstbewusstem Auftreten. In allen Krieger­gesellschaften, bzw. noch nicht befriedeten Gesellschaften, waren und sind Frauen den Männern unterlegen. Die Verrechtlichung und die langsame Emanzipation der Frauen setzte in der Geschichte den Macht­verlust der Kriegerschicht gegenüber dem Zentralsaat und die Pazifizierung der Gesellschaft voraus (Elias 1976, Bd. 2, S. 88-120).[21] Erst nach der staatlich durchgesetzten Befriedung, Entwaffnung und somit einer relativen Herabsetzung des Gefahrenniveaus im Zusammenleben der Menschen sind Bedingungen für die geschlecht­liche Gleichberechtigung entstanden. Der Schlüsselbegriff des Ehrenkodex für den Mann ist „Virilität“, für die Frau „Virginität“, also Jungfräulichkeit, die die Fähigkeit des Mannes symbolisiert, Frauen der Familie zu schüt­zen. Der Mann muss als Hüter seiner „geheiligsten Objekte“, d.h. des Hauses, der Frauen und des Gewehrs (Bourdieu 1972, S. 34), stets in der Lage sein, die Herausforderungen des Rivalen anzunehmen und sie mit den eigenen Kräften zu neutralisieren. Der „Ehrenmann“ muss also im Alltag ständig „in Form“ sein. Die Tücken der „Honor and Shame Society“ erlauben keine Entspannung (Peristiany 1965, S. 14).[22] Die Ehre der Frauen der eigenen Gruppe – in erster Linie der eigenen Familie und Verwandtschaft – muss stets bewacht und kontrolliert werden, denn die Frauen sind physisch und moralisch schwach. Da die Ehre des Mannes von der Ehre der weiblichen Familienangehörigen abhängt, werden Frauen als potentielle Gefahrenquelle und mit Misstrauen angesehen. Bei der z.B. arbeitsbedingten Abwesenheit der Männer üben in Ausnahmefällen auch die älteren weiblichen Familien­angehörigen die Kontrolle aus, deren Ehre nicht mehr verletzbar ist, weil sie aus dem kulturell definierten, geschlechtlich aktiven Lebensalter heraus gekommen sind. Diese Überwachungs- und Schutzfunktion der Männer legitimiert und begründet die männliche Autorität. Eine Frau, die sich in mediterranen Gesellschaften allzu oft in der Öffentlichkeit zeigt oder die durch demonstratives Verhalten auffällt, wirkt stets suspekt. In den traditionellen Agrargesellschaften des Mittelmeerraumes kann für Frauen bereits die außerhäusliche Arbeit, wie etwa die Tätigkeit in der Landwirtschaft, einen Ehrverlust bedeuten. So berichtet Davis, dass die Einwohner Pisticcis (Lukanien) bei der Tabakernte in der Regel fremde eingewanderte Arbeitskräfte einsetzen, um die Ehrbarkeit der eigenen Frauen nicht in Gefahr zu bringen (Davis 1973, S. 106[23]).«[24]

Auf der anderen Seite steht aber das die Stammesidentität sichernde matrilineare Prinzip, das die Zugehörigkeit zum „Volk Israel“ und die Erbregelungen bestimmt.

Wir sehen, dass biologische Unterscheidungskriterien für unsere Beispiele eine entscheidende Rolle spielen, sollten uns aber klar machen, dass diese seinerzeit nicht als „biologisch“, sondern als sozial bzw. ethisch-religiös verstanden worden sind. Neben die geschlechtsspezifische Rollenverteilung tritt bei vielen Stämmen im Nahen Osten die Abstam­mungs­regelung, die oft „matrilinear“ – nach dem Rechts- und Erfahrungssatz „Mater semper certa est“ – ausgestaltet ist und damit eine größere Sicherheit im Zusammenhalt des Stammes- und Familienzusammenhalts bot.

»Das lateinische Rechtssprichwort Mater semper certa est (die Mutter ist immer sicher) bezieht sich auf die Mutter im Rechtssinne. Mutter des Kindes ist die Frau, die es geboren hat… Der lateinische Rechtsspruch aber geht weiter. Nach der früher einfachen Aussage über die Person der Mutter kommt das eigentliche Rechts­problem, nämlich die Feststellung des Vaters. Eigentlich gilt ja: „pater semper incertus est“ – der Vater ist immer ungewiss, denn für den Vater gibt es kein mit dem Austritt der Leibesfrucht aus dem Mutterleib gleichwertiges äußeres Beweiszeichen seiner Vaterschaft. Es bleibt immer die Möglichkeit, dass jemand anders als der Ehemann der wahre Vater ist. Um einer solchen Rechtsunsicherheit vorzubeugen, heißt es: „pater est, quem nuptiae demonstrant“ – Vater ist, wer durch die Heirat als solcher erwiesen ist. Das bedeutet: In Ansehung der während einer bestehenden Ehe erzeugten Kinder gilt der Ehemann der Mutter als Vater der Kinder, solange die Vater­schaft des Ehemanns nicht erfolgreich vor Gericht durch eine Vaterschaftsanfechtungsklage (früher: Ehelich­keitsanfechtungsklage) angefochten wurde.« [Wikipedia. Mater semper certa est.]

Traditionelles Matriarchalisches Recht – wie in der Abstammungsregel bei den Juden, jedoch nicht unbedingt im „öffentlichen Alltag“, der durchaus patriarchalische Züge trägt[25] – steht nach wie vor in Konkurrenz zur überlagernden, religiös-mythisch abgeleiteten Gruppen- bzw. Volksdefinition. Beide stehen im Abwehrkampf zu dem Anspruch des Staates, die Volkszugehörigkeit modern zu definieren. Es gibt bis heute in Israel kein über eine Verfassung definiertes Staatsbürgerschaftsrecht. Moderne Israeli trennen zwischen ihrer Zugehörigkeit zum Staat und der Religion, zumal wenn sie sich als Religionslose verstehen, andere Angehörige orthodoxer Gruppen bestehen auf dem archaischen Recht. Die traditionellen Zugehörigkeitskriterien bestehen in heutiger Auffassung in biologischen Zugehörigkeitsbezügen. Die Relativierung durch die Eigenwahrnehmung in der frühen Zeit wurde schon angesprochen. So wäre eine Beschreibung als „biologistische Kategorie“ nicht sachgerecht. Erst in der Entstehung der Staatsgesellschaft[26] entwickeln sich bewusste biologische Kriterien zur Außenabgrenzung der entstehenden „Nationen“. Der dabei gesuchte Bezug zu einer „Tradition“ der jüdisch-christlichen Volkskategorie ist wohl als legitimatorischer Mythos anzusprechen. Doch verstärkt dieses Traditionskonstrukt die Wirksamkeit biologistischen Denkens. Wir wissen, welche Bedeutung und bösen Folgewirkungen der Biologismus im 19. Jahrhundert und danach hatte. Am Beispiel der Juden in Europa kann man die Entwicklung verdeutlichen.

In der Neuzeit erfolgte über die Duldung der Juden deren Einordnung als Untertanen die der Pflicht zu Abgaben bzw. Steuern unterlagen. Als spätere Folge ergab sich die Einbeziehung in die Staatsbürgerschaft wie die Zugehörigkeit zur jeweiligen Nation. Letzteres geschah oftmals um den Preis der Aufgabe der religiösen jüdischen Identität und die Übernahme der neuen christlichen. Zumeist geschah diese Taufe aus strukturellem, wenn nicht gar physischem Zwang heraus, ein Überlebensmechanismus schlechthin.[27] Die neue Überklammerung schloss nicht aus eine verzögerte, verhinderte Ausgrenzung aus der Volkszugehörigkeit der jeweiligen Mehrheitsgesellschaften bis hin zu Diskriminierungen als in vielen europäischen Gesellschaften nachweisbares Phänomen. Bis heute tut sich auch die Gesellschaft der in Israel lebenden Menschen [der Israelis, der Juden?] schwer, zu einer modernen einheitlichen Definition zu kommen.

Die Anhänger des (vermutlich hingerichteten[28]) Wanderpredigers und Heilers, Jesus von Nazareth, des Gesalbten (Christos), wie sie ihn nannten, der in einer alten jüdischen Tradition der Prediger und Propheten stand, definierten sich selbst nach diesem und fühlten sich als Christen. Inwieweit letztere eine von „außen“ kommende Bezeichnung ist (den herrschenden Römern oder Nachbarvölkern, bzw. deren Völkern. in die sie nach dem Jahre 70 u. Z. hinein diffundiert sind), mag schwer zu klären sein, ist aber auch nachrangig.

Die frühen Christen verstanden sich eine lange Zeit noch als jüdische Gruppe / Gemeinschaft, aus der nach und nach eine eigenständige religiöse Sekte wurde. Gleichzeitig überlagerte die Definition der Glaubenszugehörigkeit diese Gruppe und bildete die entscheidende Klammer, der Glaube bestimmte die Zugehörigkeit zur eigenen Gruppe. Aufgrund ihres Missionierungsgebotes [„gehet hin und lehret…“] wurde die jetzt neue Überzeugungs- bzw. Bekenntnisreligion zur neuen entscheidenden Klammer von immer mehr Menschen. Das Mutterrecht verschwand bei dieser Gruppe parallel zur Zu- bzw. Unterordnung im Römischen Reich. Dort waren sie wesentlich als Arbeitskräfte und Steuer- bzw. Tributzahlende interessant. Sie waren bald keine Juden mehr, nur noch Christen, im Römischen Reich lebende Menschen minderen Rechts.[29] Die Menschen, die sich als Juden verstanden, definierten sich weiterhin über das Mutterrecht einerseits und die Anerkennung der Thora andererseits.[30] Symbol sind die Thorarollen, die als heilig verstanden werden. Die weltlichen Regeln der Juden sind zunächst mündlich überliefert worden und in der Diaspora aufgeschrieben worden. Sie sind im Talmud enthalten.

Die aus ihrem Lande, ihren Wohngebieten, den Lebensbereichen vertriebenen Juden, die in den nördlichen, südlichen und östlichen Mittelmeerraum wanderten, in die heutigen arabisch überformten Regionen, blieb die traditionale mutterrechtliche Definition und zunehmend entwickelte sich die religiöse. In diesem Zusammenhang erhöhte und verfestigte sich die Bedeutungswirkung des Eingottes. Der Monotheismus bekam die gleiche hohe Bedeutung, nunmehr für Juden und Christen, die sich als ehemalige Brüder bzw. Volksangehörige[31] recht feindlich gegenüber standen.

Aber dieses ist ein eigenes spezielles Kapitel. Wesentlich bleibt aber: es handelt sich nach wie vor um den identischen Einen Gott.

Auf der Basis der Facetten der jüdisch-christlichen Kultur, wobei das überwiegend Gemeinsame und weniger das noch Verbindende des Trennenden zu betrachten ist, entwickelte Mohammed – vermutlich zusammen mit seinem Team anderer befreundeter Schriftkundiger – die Neuformulierung der Geistesgeschichte der damaligen Zeit, den Koran. Dieser stellt nicht nur eine neue Zusammenstellung der bisherigen Mythen, Erzählungen, Legenden der jüdischen und christlichen Kultur als Basis und Bezugsgröße dar. Man hat jetzt, im siebenten Jahrhundert. u. Z. das in zwei bis drei Tausend Jahren herausgebildete alte Regelsystem des jüdisch-phönizischen Kulturraumes in Ergänzung zu dem von Christen entwickelten, neu diskutiert und ergänzend definiert. Insofern ist der Koran ein für das siebente Jhdt. modernes gesellschaftliches Regelwerk. Er umschließt also ein moderneres religiöses Symbolsystem und zugleich ein weltliches Normensystem.[32]

Als wesentliche Basis bleiben der Monotheismus und die jeweilige Definition als Bekenntnisreligion verbunden mit dem Missionierungsgebot.[33] Dass letzteres zugleich eine Legitimierungsfunktion darstellt für die Eroberung benach­barter Territorien und damit die Ausdehnung des eigenen Herrschaftsgebietes, ist ein anderes Phänomen, damit aber untrennbar verbunden.[34]

Die Tatsache, dass die Gottesdefinition (Allah) nicht von vornherein, bzw. nur im Ursprung, als identisch mit der jüdisch-christlichen angesehen wird, hat seinen Ursprung wesentlich in der Funktion zur Ausgrenzung, Abgrenzung und damit zur Legitimierung des eigenen Herrschaftsbereiches über eine neue Religion. Wenngleich dieses vor allem für die frühe Eroberungsphase islamischer Herrscher galt. Später wäre es zur Feinbildproduktion nicht mehr nötig geworden, hat aber seine Wirkungsmächtigkeit bis heute erhalten. Im Zusammenhang mit der Feindbildproduktion steht dessen zentrales Bild der als ungläubig bezeichnete und damit herab gestufte Feind, der zu bekämpfen und zu bekehren ist, in der Regel mit physischer und auch psychischer Gewalt.

Angesichts der erheblichen Gemeinsamkeiten, resultierend aus den identischen kulturell-gesellschaftlichen Wurzeln, der Konkurrenten und sich gegenseitig bekämpfenden, resultiert die Notwendigkeit bzw. der Zwang zur Abgrenzung. Hierzu dient die Symbolebene auf der Regeln geschaffen werden: Formen des Gebetes, der Gesänge, der Gottesdienste.

Für den Islam bedeutete das z.B. Postulierung und Verhängung des Bilderverbotes.[35] Manche, insbesondere kleinere Religionsgruppen verhängen Verbote zur Ausübung gemeinsamer religiöser Praxis. Man verbot gemeinsame Gebete und Gesänge und gar das Betreten anderer Gotteshäuser. So soll es Juden und Zeugen Jehovas verboten sein, christliche Kirchen zu betreten. Die Ökumene hat in diesem Zusammenhang viel Positives und Entspannendes bewirkt. Für Christen unterschiedlicher Konfessionen ist das Betreten und der gemeinsame Gottesdienst kein Problem mehr, abgesehen von Vorbehalten der katholischen Kirche z.B. beim Abendmahl.

Man entwickelte eigene Rituale und Bestimmungen in der Kleiderordnung: Die Beschneidung von Jungen im Islam, übernommen von den Juden, oder das Kopftuch für muslimische Frauen.[36]

Man grenzte sich über Erkennungszeichen gegenüber anderen ab. Dazu gehört z.B. das Läuten von Glocken bei Christen und das zum Gebet rufen bei Muslimen. Es wird heute zumeist als Tradition wahrgenommen, hat aber eine Disziplinierungsfunktion: Man sieht, wer in das Gotteshaus, die Kirche, die Moschee geht, wer also die Regeln befolgt – und wer nicht! Eine wirkungsvolle gesellschaftliche Kontrollmöglichkeit für Klerus und Obrigkeit.

Die Entstehung des Monotheismus ist eng verbunden mit der Ethnogenese des „jüdischen Volkes“, wie sie in mythischer Form bei Mose im Alten Testament dargestellt wird. Schlüsseltext dazu ist die Erzählung über die „vierzig Jahre dauernde Wanderung“ der „Kinder Israel“ durch die Wüste Sinai nach ihrem „Auszug aus Ägypten“.

  1. When Israel was in Egypt’s land: Let my people go, Oppress’d so hard they could not stand, Let my People go. Go down, Moses, Way down in Egypt land, Tell old Pharaoh, Let my people go.

  2. Thus saith the Lord bold Moses said: Let my people go, If not I’ll smite your firstborn dead. Let my People go. Go down, Moses,…

  3. No more shall they in bondage toil. Let my people go, Let them come out with Egypt’s spoil! Let my People go. Go down, Moses,…

  4. O let us all from bondage flee. Let my people go, And let us all in Christ be free. Let my People go. Go down, Moses,…

Der Moses-Mythos gehört zu den grundlegenden Bildern und Vorstellungen der Glaubenswelt der monotheistischen (abrahamitischen) Religionen und tritt in immer neuer Form in die Gegenwart. Im Spiritual „When Israel was in Egypt’s land“ zeigt sich eine Verwendung als Symbol der Hoffnung der Beendigung der Sklaverei in Nordamerika… In unserem nächsten Beispiel zum „Nachdenken über…“ einen Mythos wählen wir daher die Erzählung über die Wanderung der „Kinder Israel“ durch die Wüste des Sinai, in dem sich die divergierenden Aspekte der Rolle eines Mythos besonders deutlich herausarbeiten lassen.

Nachdenken über…

…den Sinai, die vierzig Jahre und die Ethnogenese eines Volkes

Eine Fahrt über den Sinai

»Samstag, 18. Juli: Aqaba’: Beschaffung der Fährtickets, gegen Abend Einschiffung auf der „Mekka I“ nach Nuweiba {Ägyptische Grenze}; Nuweiba: Zollabfertigung bis in den frühen Morgen. Sonntag, 19. Juli: Morgenrast an der Straße hinter Nuweiba. Fahrt durch den Sinai; Katharinenkloster; Feiran; Abu Rudeis. Übernachtung bei Abu Rudeis am Golf von Suez im Gelände. Montag, 20. Juli: Abu Rudeis, Suez-Kanal, Ismailia, Zagzig, Tanta, Alexandria. Behelfscampingplatz in Abukir«[37].

Ja, tatsächlich – die Fahrt über den Sinai, von Jordanien kommend, dauerte – mit unseren vier VW-Bussen und zwanzig Teilnehmerinnen und Teilnehmern nur einen Tag. Doch wir waren am Mosesberg, dem Djebel Musa, haben das Katharinenkloster gesehen – das leider an diesem Tag nicht für Touristen zu besichtigen war – und sahen Wüsten, schroffe Berge und grüne Dattelpalmoasen – und ab und zu ausgebrannte Panzer neben der Straße: Der letzte Krieg zwischen Israel und den arabischen Ländern war noch nicht allzu lange her. Das beängstigendste Kriegsrelikt wurde uns aber erst bewusst nach unserer Übernachtung bei Abu Rudeis – im fahlen Licht der beleuchteten Ölraffinerie in einem Steppengelände am Bergfuß, etwas abgeschirmt vom Blick von der Straße durch einen Dünenwall –, als wir bei der Abfahrt hinter uns die (in der Dunkelheit übersehenen) Warnschilder entdeckten: Vorsicht, Minengelände, Lebensgefahr!

Die „Heilige Zahl Vierzig“

Seit alters her werden bestimmten Zahlen mythologische und religiöse Bedeutungen zugewiesen. In vielen Fällen sind bestimmte Erfahrungsgrundlagen einsichtig, wenn auch nicht unbedingt beweisbar. Es ist hier nicht der Ort, die grundlegenden „Heiligen Zahlen“ Eins, Zwei, Drei, Sieben, Zehn und Zwölf, die auch heute noch Zeiträume gliedern und im Bewusstsein verankert sind, näher zu erörtern, denn es geht hier um die Zahl Vierzig, die im Alten Testament die Vierzig Jahre des Weges durch die Wüste Sinai der Israeliten bezeichnet.

»Vierzig ist die Symbolzahl der Prüfung, Bewährung, Initiation bzw. für den Tod. Als die verzehnfachte Vier repräsentierte sie Vollkommenheit. Der Ursprung des Vierzig-Tage-Rhythmus lässt sich in Babylonien suchen, wo eine Verbindung des vierzigtägigen Verschwindens des Sternbildes der Plejaden hinter der Sonne mit Regen, Unwetter und Gefahren beobachtet wurde. Bei der Wiederkehr der Plejaden wurde als Zeichen der Freude ein Bündel aus vierzig Schilfrohren verbrannt«. [Aus Wikipedia. Vierzig.]

Ob diese Erklärung zutreffend ist, sei dahingestellt. In der Bibel treten vierzig Tage und vierzig Jahre noch mehrfach auf. Wikipedia stellt folgende Fälle in einer ersten Übersicht zusammen:

»Vierzig Tage ist im Alten Testament die Zeit der Sintflut, des Aufenthaltes des Mose auf dem Sinai, die Zeit in der Ezechiel Israels Fehlverhalten Einhalt gebietet, des Verbergens des Elija, sowie der Prüfung für Ninive unter Jona.

Vierzig Jahre wanderten die Hebräer durch die Wüste, lebten sie unter der Herrschaft der Philister, währte jeweils die Herrschaft der Könige David und Salomo, und das 2. Buch Mose enthält vierzig Kapitel.

Im Neuen Testament lehrte der auferstandene Christus vierzig Tage lang seine Jünger über das Reich Gottes und wurde dann in den Himmel auf den Platz „zur Rechten Gottes“ erhoben (Christi Himmelfahrt). Im Christentum währt daher die Freudenzeit von Ostern bis Himmelfahrt vierzig Tage. Das vierzigtägige Fasten Jesu hat außerdem Bedeutung für die Spanne der Fastenzeit vor Ostern bzw. Weihnachten (Advent).«

Zu erwähnen sei hier auch, dass viele Tempel der Antike vierzig Säulen hatten, so z. B. in Persien, Baalbek, bei Ezechiel oder den Kelten. Einen ambivalenten Umgang mit diesem Bauschema kann man in Persien in der Zeit der Safawiden in ihrer damaligen Hauptstadt Esfahan bewundern, im Gartenhaus Chehel Sotun.

Chehel Sotun-Palast in Isfahan. Foto: Voigt, 1970[38]

»Seit frühester Zeit ist in Persien mit der Anlage von Gärten die Vorstellung des Paradieses verbunden.[39] Die weitläufigen, schön gegliederten Gartenanlagen veranschaulichen zugleich die Herrschermacht des Königtums. Die Einzelgebäude in den verschiedenen Gärten bilden jeweils den Hauptakzent; auf sie sind die Wasserläufe, Bassins und die Bepflanzung ausgerichtet. Der erste Garten, den wir betreten, ist nach seinem Hauptgebäude Chehel Sotun-Garten benannt und in seiner Gestaltung exemplarisch. Drei Alleen hochgewachsener Platanen beschatten die Wege des beinahe quadratischen Parks und betonen zusammen mit dem Verlauf der Wasserbecken die Achse der Palastausrichtung von Westen nach Osten…

Das Dach der Terrassenhalle an der Stirnseite des Gebäudes wird von einer dreifachen Reihe achtkantiger Holzsäulen getragen. Der Name Chehel Sotun bedeutet Vierzig-Säulen-Palast.

Mit der Zahl 40 wird in der persischen Sprache eine unbestimmte Vielheit bezeichnet. In Wirklichkeit ruht das Vor­dach mit der wunderbar bemalten Kassettendecke auf 18 vollen Säulen. Zählt man die zwei Eingangssäulen zum angrenzenden Thronsaal dazu und blickt aus Distanz über das grosszügige Wasserbecken auf den Palast, entsteht ein prachtvoller Eindruck. Durch die Spiegelung des Wasser sind jetzt tatsächlich insgesamt 40 Säulen zu sehen…

Datum der Bauvollendung zur Zeit Schah Abbas II ist das Jahr 1647. Durch einen kleinen Brand nötig gewordene Instandstellungsarbeiten erfolgten unter Schah Sultan Huseins um 1706.« .“ (aus torba 2/99.)

Bezeichnend ist in dieser Darstellung die Betonung der Doppeldeutigkeit des symbolischen Bauschemas, einmal als „Vorstellung des Paradieses“ und zum anderen – in weltlicher Bedeutung – als Verkörperung der „Herrschermacht des Königtums“. Dabei ist es schwierig zu unterscheiden, ob sich solche „Mehrdeutigkeit“ aus kultureller Selbstver­ständlichkeit entwickelt, oder ob symbolische Bedeutungen bewusst für Machtzwecke funktionalisiert werden.

Dies ist Anlass zu einer grundsätzlichen Überlegung. Die Bedeutung von Mythologemen ist evident und bis in die heutige Zeit wirksam. Dennoch ist immer eine Gegenströmung zu beobachten, die sich im Laufe der Entwicklung der „Hochkulturen“, das heißt auch der monotheistischen Religionen, immer mehr verstärkt. Es ist die Mehrdeutigkeit, die Ambiguität der Bedeutungsinhalte und der Verwendung der mythologischen Symbolsprache. Gerade in letzter Zeit ist das für die Geschichte des Islam – bei der man sub species der heutigen islamistischen Rigorosität eigentlich kaum an das Topos der „Ambiguität“ denkt – untersucht worden, mit dem Ergebnis, dass in den Hochzeiten der islamischen Kultur die Ambiguität eine bedeutende Rolle gespielt hat.[40]

Zurück zum Chehel Sotun-Palast in Isfahan. „Ernsthafte“ Interpretationen weisen auf die umgangssprachliche Verwendung des Zahlwortes „Vierzig“ im Farsi hin im Sinne von „ungezählt, viel“; näher liegt aber hier eine unterströmige ironische Brechung des Palast-Namens. Bleiben wir in der Persischen Kultur, sehen wir, dass nicht nur beim Begriff „Vierzig“ die Ambiguität durchscheint, sondern dass das kulturelle Selbstverständnis seit jeher gegen­läufige Interpretationen kennt, so z.B. in der Bedeutung des „Hussein-Mythos“, der eine zentrale Rolle im shiitischen Selbstverständnis einnimmt, als „Hoseyn als Vermittler“ – „Hoseyn als Vorbild“[41] oder in dem derzeitigen Auf­einanderprallen antagonistischer Kulturkonzeptionen – der „biophilen Kultur“ der Demonstranten und der jungen Generation gegen die „nekrophile Kultur“ der heutigen Herrschaftsklasse in Iran.[42]

Fassen wir die Ergebnisse bis hierhin in Thesen zusammen:

  • Mythen sind symbolische Zeichensysteme.[43]

  • Symbolische Zeichensysteme entziehen sich einer eindeutigen („beweisfähigen“) Deutung.

  • Mythische Aussagen sind gekennzeichnet durch ihre Ambiguität.

  • Mythen dienen gesellschaftlichen Bedürfnissen – vor allem im Sinne der Stabilität der „Überlebensgruppe“ und des inneren Zusammenhalts des Gesellschaftsverbandes.

  • Mythen sind – in nicht eindeutig bestimmter Hinsicht – funktionalisierbar.

  • Mythen dienen dem Machterhalt und können für diesen konstruiert werden (im Sinne einer propagandistischen Aufgabe; vgl. weiter unten: Legitimationsmythen).

Vierzig Jahr wandert das Volk der Israeliten unter der Führung von Moses durch die Wüste des Sinai. Es ist an der Zeit, sich die Bedeutung dieser Darstellung – die so fernab jeder Realerfahrung auch im Altertum war – genauer anzuschauen. Der Sinai war seit vorgeschichtlicher Zeit Durchgangsraum für Volksstämme, Nomaden und kriegerische Expeditionen. Besonders bekannt wurde der Feldzug des ägyptischen Pharaos Ramses II., der – erfolglos – das Hethiterreich erobern wollte und dabei in wenigen Tagen den Sinai, der zum ägyptischen Herrschaftsbereich gehörte, durchquerte. Am Rande sei hier auf ein frühes Beispiel propagandistischer Umdeutung der Geschichte aufmerksam gemacht: die Inschriften auf Ramses-Statuen, die der Pharao nach dem missglückten Abenteuer aufstellen ließ, und in denen er „den heldenhaften Mut“ seiner Armee in leuchtenden Farben schilderte… (sodass ein unbeteiligter Leser glauben musste, die Ägypter hätten gesiegt).

»Die Herrscher Ägyptens, Babyloniens und Assyriens betrachteten den hethitischen Großkönig weitgehend als gleichrangigen Partner, mit dem sie diplomatische Kontakte und Handelsbeziehungen unterhielten aber auch Kriege führten. Ein Beispiel für dieses Spiel der Mächte ist die Schlacht bei Kadesch (1274 v. Chr.)[44] und der nachfolgende Friedensvertrag zwischen Ramses II. und Hattušili III. Hierbei handelt es sich um den ältesten bekannten Friedensvertrag der Welt, von dem – als ein Symbol für den Frieden – eine Kopie im UNO-Gebäude in New York City zu sehen ist.« (Aus Wikipedia, Hethiter.)

Die Volkwerdung der Juden

»Das Anwachsen der Söhne Israels zu einem zusammenhängenden Volksstamme ist unter ungewöhnlichen Umständen erfolgt, und ihre Anfänge glichen nur wenig denen anderer Völker. Sonst waren die Völker, wenigstens die der alten Welt, sobald sie ihre Vereinzelung aufgegeben und sich zusammengeschlossen und gruppiert hatten, mit dem Boden ihres Wachstums eng verknüpft und fühlten sich eins mit ihm. Aus ihm schöpften sie meistens ihre Vorstellungen, ihre Sprachen und ihre Götter. Die Berge, die Flüsse, die Luft, das Klima, die Veränderungen darin bildeten nicht bloß ihren Charakter, sondern auch ihre Geistesrichtung und ihre Götterlehre. Sie liebten den Boden, auf dem sie zu einem einheitlichen Ganzen zusammengewachsen waren, wie einen Teil ihres Selbst, verteidigten ihn gegen Angriffe und fühlten eine tiefe Wunde, wenn sie ihn verlassen mußten. Nicht so das israelitische Volk. Sein Ursprung entstand in einer fremden Umgebung, und es konnte kaum auf diesem andern Boden Wurzel fassen. So dunkel auch dieser Ursprung ist, so ist doch so viel gewiß, daß einer seiner Stammgründer infolge einer Hungersnot im Lande Kanaan mit seiner Familie und seinen Herden nach Ägypten wanderte, sei es auf Verwendung eines seiner Söhne, Joseph, der als Sklave dahin verkauft wurde und eine hohe Stellung am Hofe eines der ägyptischen Könige eingenommen hatte, sei es, weil die Ägypter einen Widerwillen gegen Schafhirten empfanden und sie nicht in ihrer nächsten Nähe dulden mochten, sie aber nicht entbehren konnten und es daher gern sahen, wenn Hirtenstämme sich in ihrer Nähe ansiedelten. Den eingewanderten Söhnen Israels wurde das von Ägyptern wenig bevölkerte Land Gosen [45] oder Land Raamses als Wohnplatz eingeräumt. Es lag am östlichen Nilarme zwischen diesem und der großen Sandwüste im Osten. Hier waren weite Weideplätze für ihre Herden, und da die Gegend noch wenig bewohnt war, so konnten sie weit und breit nomadisieren. Auch andere Stämme sprachverwandten Ursprungs mit den Söhnen Israels, semitische Stämme, siedelten sich hier an; der Landstrich wurde daher als das ägyptische Arabien angesehen. Nach und nach nahmen die Israeliten, je größer ihre Zahl wurde, eine seßhafte Lebensart an, verlegten sich auf Ackerbau, gruben Kanäle vom östlichen Nilarme, bewässerten damit ihre Felder und lernten von den Ägyptern Handwerke und wohl auch die in diesem Lande heimischen Künste.«

Quelle: Heinrich Graetz: Geschichte der Juden. Bd. 1 S. 9-10[46]

Diese Darstellung der Frühzeit des „jüdischen Volkes“ von Heinrich Graetz zeigt in einem traditionellen, noch an der Quelle des Alten Testaments orientierten Zugehensweise, dennoch einige wichtige und interpretationsfähige Charak­te­ris­tiken, die als Thesen zu einer weiteren Diskussion einmal zusammengestellt werden sollen:

  • In dieser Frühzeit der Geschichte ist es noch nicht sinnvoll, von „Völkern“ zu sprechen. Es standen sich familial gebundene Gruppen und zentralisierte Reiche gegenüber, wobei letztere – Ägypten, Altorientalische Reiche, Iran in dem von uns beschriebenen geographischen Raum – als eine kulturelle Weiterentwicklung im Zusammenhang mit der „zweiten landwirtschaftlichen Revolution“[47] stehen, die Wittfogel [48] als „hydraulische Kulturen“ beschreibt, während die familialen Vergesellschaftungen noch zum großen Teil der nomadischen Lebensform anhängen und, um mit Norbert Elias zu sprechen, als „Überlebenseinheiten“ im Kampf gegen die Umwelt und die Stammesnachbarn existieren.

  • Die Aussage, dass diese frühen Vergesellschaftungen „mit dem Boden ihres Wachstums eng verknüpft“ seien und sich „eins mit ihm“ fühlten, dürfte eher die Ausnahme gewesen sein, auch wenn sich im Laufe der genannten „zweiten landwirtschaftlichen Revolution“ Ansätze dieser kulturellen „Sesshaftigkeit“ vor allem im Zweistromland und in Ägypten feststellen lassen. Doch wichtiger waren die Machtprozesse, die sich auf eine abgeschlossene Kaste des „Priester-Königtums“ konzentrierte, die ihre Sonderstellung in einer strengen Endogamie bis hin zur zwangsweisen Geschwisterehe sicherten. Die mythologisch-religiöse Beschreibung dieser Prozesse divergiert dabei sehr stark, indem die familial-nomadischen Gruppen eher allgemeine, abstraktere, genealogisch verankerte Gottesvorstellungen entwickelten, die dann in einer einleuchtenden Folge zum Monotheismus im Sinne eines „Volksgottes“ führten, während sich die Gottesvorstellungen der Reiche auf eine Materialisation von Gottesbildern und Gebets- und Ritus-Stätten hin entwickelten.

  • In den alten Großreichen wie Ägypten differenzierte sich die Bevölkerung in einerseits seit alters her sesshafte Gruppen – Clans, Familien –, die die Basis für die Herrschaftskaste waren, und die randständigen – zuge­wan­derten, halbnomadischen oder eroberten – Gruppen, die letztlich wie die „eigentliche Reichsbevölkerung“ in Sklaverei-ähnlichen Abhängigkeits- und Dienstverhältnissen standen und durch Fronarbeit der Herr­schafts­kaste zugeordnet waren. Einen Ausweg für diese randständigen Bevölkerungsgruppen, vor allem im eroberten Grenzbereich zu den Wüstengebieten des Nahen Ostens, war weniger der offene Widerstand als der „Auszug aus Ägypten“ in die nicht-sesshafte Lebensform.

So wird auch der alttestamentarische „Auszug aus Ägypten“ der „Kinder Israels“ verständlich als Flucht vor der Fron in Ägypten – und die Rückkehr in eine nomadische Lebensform in der Wüste, deren Dauer unabsehbar war und daher mit dem symbolischen Zahlwort der „vierzig Jahre“ umschrieben wurde.

Diese Perspektivlosigkeit, die für Gruppen zwischen Sesshaftigkeit und Wanderweidewirtschaft besonders deutlich wahrgenommen wurde, erhielt eine mythologische Sinngebung in der Erinnerung an die Urheimat.

»Nach der Thora, den fünf Büchern Mose, beginnt die Geschichte des jüdischen Volkes mit dem Bund, den Gott mit Abraham schließt (Gen 12 LUT[49]). Die jüdische Tradition sieht Abraham als den Begründer des Monotheismus, des Glaubens an einen einzigen, unsichtbaren Gott. Diesen Bund setzt Gott mit Abrahams Sohn Isaak und dessen Sohn Jakob fort, der seit dem Ringkampf am östlichen Ufer des Flusses Jabbok (Gen 32 LUT) Jisrael genannt wurde. Jakob hatte zwölf Söhne, die als Stammväter der Zwölf Stämme Israels (Israeliten) gelten. Diese ziehen von Kanaan, dem heutigen Palästina bzw. Israel nach Ägypten, wo ihre Nachfahren vom Pharao versklavt werden. Aus dieser Sklaverei werden die von Mosche (Moses) angeführten Hebräer durch Gott befreit, der ihnen am Berg Sinai die, schriftliche und mündliche, Thora offenbart. Obwohl das jüdische Volk an dieser Aufgabe häufig scheitert, was die späteren Propheten immer wieder beklagen, bleibt der Bund mit Gott ungebrochen.« (Wikipedia „Judentum“.)

»Als Urväter der Juden gelten Abraham, Isaak und Jakob, die westsemitische Nomadenstämme anführten, die irgendwo zwischen dem Mittelmeer und Mesopotamien lebten. Historische Belege für ihre Existenz gibt es keine. Wenn, dann lebten sie wahrscheinlich während der Zeit der Sesshaftwerdung der Nomaden zu Beginn der Bronzezeit, also zwischen 1900 und 1500 v. Chr. … Als eigentlicher Begründer des heutigen Judentums gilt Esra (um 440 v. Chr.). Esra war in der Zeit des Babylonischen Exils Hohepriester und durfte mit seinem verschleppten israelischen Volk, das aus vermutlich etwa 20.000 Menschen bestand, auf Erlass des Perserkönigs Artaxerxes I. zurück nach Jerusalem. Dort ordnete er Tempeldienst und Priestertum neu und ließ Ehen von Juden mit heid­nischen Frauen scheiden. Die religiöse Identität ist seitdem für das Judentum von ähnlicher Bedeutung wie die der Herkunft.« (Wikipedia „Juden“.)

Bezeichnend ist in diesen kurzen Textausschnitten das Hervortreten der machtpolitischen Dichotomie zwischen sesshaften Völkern und Nomaden, die die Geschichte des Nahen Ostens immer wieder bestimmt hat und zu Wande­rungs­bewegungen, Machtverschiebungen und Kriegen geführt hat. Interessant ist es, dass in der klassischen arabischen Wissenschaft dieser Aspekt schon erörtert und zur Erklärung geschichtlicher Prozesse herangezogen wurde. Das wich­tigste Werk – und gleichzeitig der Beginn einer arabischen Soziologie – stammt von Ibn Chaldun.[50]

»Seine Lehre von der Zivilisation und der Kultur ilm al-umran / ‏علم العمران‎ / ʿilmu ʾl-ʿumrān umfasst ausführliche Diskussionen des Verhältnisses von ländlich-beduinischem und städtisch-sesshaftem Leben, das einen für ihn zentralen sozialen Konflikt liefert. In diesem Zusammenhang und mit Hilfe des Konzepts der ‘aṣabiyya erklärt er sowohl in der islamischen als auch in der nicht-islamischen Geschichte den Aufstieg und Fall von Zivilisationen, wobei auch die Religion und der Glaube die Wirkung der ‘aṣabiyya ergänzen und flankieren kann, wie zum Beispiel während der Herrschaft der Kalifen. Die Beduinen als Bewohner der ländlichen Regionen haben eine starke ‘aṣabiyya und sind fester im Glauben, während die Bewohner der Städte im Verlauf mehrerer Generationen immer dekadenter und korrupter werden, ihre ‘aṣabiyya also an Kraft verliert. Nach einer Spanne von mehreren Generationen ist die auf der ‘aṣabiyya gründende Macht der städtischen Dynastie derart geschrumpft, dass sie Opfer eines aggressiven Stammes vom Land und mit stärkerer ‘aṣabiyya wird, der nach Eroberung und teilweiser Zerstörung der Städte eine neue Dynastie stellt.«[51]

Ibn Chaldun interessiert vor allem die Erklärung der Geschichtsprozesse und die Erörterung der Legitimität der Staatsmacht, die er auf den arabischen Begriff der Asabiyya / ‏عصبيّة‎ / ‘aṣabiyya zurückführt.[52]

»Die Übersetzung dieses Begriffs stellt sich schwierig dar, die Bedeutungen reichen von „Stammes­zuge­hörigkeitsgefühl“, „Blutsbande“ und „Sippensolidarität“ bis zu „Gruppengefühl“ und Formen von Solidarität, die sich nicht allein auf Blutsverwandtschaft begründen (z.B. Klientelverhältnisse).«[53]

In der ‘aṣabiyya sieht Ibn Chaldun die Grundlagen der weltlichen Macht (mulk).[54]

Materialien zur Bezeichnung des „jüdischen Volkes“

Die Vielzahl der oft etymologisch kaum abzuleitenden Begriffe in der Bibel wie in anderen alten Quellen lässt es sinnvoll erscheinen, einen Blick auf diese Begriffe, ihre Bedeutung und Verwendung zu lenken:

Zur Bezeichnung „Juden“

»Die deutsche Bezeichnung „Juden“ geht über den lateinischen Ausdruck judaeus, dann den griechischen Ausdruck ioudaios und aramäische und persische Entsprechungen zurück auf das hebräische Wort yehudi. Dieses bezeichnete zunächst die Angehörigen des Stammes Juda und die dessen Territorium Bewohnenden. Unter der Herrschaft Davids in Hebron wurde dieses Gebiet „Königreich Juda“ genannt (2 Sam 5,3 [55]LUT). Unter Rehabeam wurde dieses Königreich aufgespalten. Das südlichere Teilgebiet wurde Juda genannt, das nördlichere Teilgebiet Israel. Der Ausdruck „Judäer“ wurde wiederum sowohl für Stammesangehörige wie auch sonstige Bewohner gebraucht, so etwa auch für die Angehörigen des Stammes Benjamin (1 Kön 12,16–21 [56]LUT). Das Nordreich, Israel, bestand nur bis 722 v. Chr. Danach wurde yehudi und dessen Entsprechungen insbesondere im Persischen unterschiedslos gebraucht, auch als Bezeichnung für die Angehörigen einer spezifischen Religion (mityahadim, vgl. Est 8,17 [57]LUT); religiöse, politische und nationale Aspekte sind terminologisch nicht differenzierbar[58] Dieser Sprachgebrauch ist – manifest u. a. auch später in neutestamentlichen Texten – vorwiegend Fremdbezeichnung; als Selbstbezeichnung überwiegt yisrael, und zwar vermutlich, um die nationale Identität durch Erinnerung der Frühgeschichte zu stabilisieren.[59]« (Wikipedia „Judentum“.)

Zur Bezeichnung „Hebräer“

»Der Ausdruck kommt in der Bibel 33 Mal vor. In Gen 14,13 EU wird Abraham so genannt. Sonst verwenden fast immer Fremde das Wort gegenüber Israeliten oder diese gegenüber Fremden. Mit der Fremdbezeichnung wird immer eine Geringschätzung oder Verachtung, mit der Eigenbezeichnung Demut ausgedrückt.[60]

Häufig taucht der Begriff in der Josephgeschichte.., der Überlieferung vom Auszug aus Ägypten.. und den Kämpfen mit den Philistern auf. In [Jeremia] ist „Hebräer“ ein Attribut von ‏עֶבֶד„Arbeiter, Sklaven“. Nicht gesichert ist das Vorkommen des Wortes in Jona 1,9, dessen griechische Version der Septuaginta „Knecht Jahwes“ (‏עֶבֶד יהוה‎) liest…

Weder die Etymologie noch die genaue Bedeutung des Ausdrucks in der Bibel sind gesichert. Einige Lexika bringen das Wort mit dem Namen des Stammvaters Eber (‏עֵבֶר‎, Gen 10,24-25 EU; 11,14-17 EU), der in der Wendung „die Söhne Ebers“ (‏בְּנֵי־עֵבֶר‎, Gen 10,21 EU) eine ethnische Zugehörigkeit andeutet, in Verbindung.[61]

Für einige vermutlich nachexilische Belegstellen (Gen 14,13 EU; Jona 1,9 EU und vielleicht Dtn 15,12 EU) wurde eine Verwendung von „Hebräer“ als Synonym für „Israelit“ angenommen.[62] Für Ex 21,2 EU, Jer 21,2 EU und vielleicht Dtn 15,12 EU beziehen manche Exegeten das Wort auf Sklaven auf Zeit oder Schuldensklaven, das ihren Rechtsstatus ausdrückt.[63]

Viele Exegeten und Altorientalisten nehmen einen Zusammenhang zwischen der biblischen Konsonantenfolge HBR und dem Wort ‘Apiru / Ḫabiru an, auch wenn sie eine direkte Ableitung für unwahrscheinlich halten. Als ‘Apiru (akkadisch) oder ‘pr(w) (ägyptisch) bezeichneten einige Texte der späten Bronzezeit aus Amarna, Ugarit, Kanaan und Ägypten verschiedene Menschengruppen, die außerhalb der Gesellschaftsordnung standen und sich aus Not in Abhängigkeitsverhältnisse als Söldner oder Arbeiter begeben oder ein Leben als Banditen führten.[64] Vorwiegend gilt der Ausdruck als abwertende Bezeichnung eines gesellschaftlichen Status.

Viele Bibelhistoriker nehmen an, dass ‘Apiru-Elemente im Zuge der archäologisch nicht belegbaren Landnahme Kanaans in das spätere Israel aufgegangen sind. Einige halten es für möglich, dass allmählich eine Verschiebung zur ethnischen Bedeutung stattfand: So könne die Verwendung des Worts „Hebräer“ im Buch Exodus (z.B. Ex 2,11.13 EU) eine Erinnerung daran bewahren, dass die Vorfahren Israels als ‘Apiru galten. Ronald De Vaux interpretierte beide Ausdrucke ‘Apiru und „Hebräer“ als ethnische Bezeichnung für Gruppen, die von der Wüste ins Kulturland vorgedrungen waren.[65]« (Wikipedia „Hebräer“.)

Zur Bezeichnung „Israel“

»Die älteste Quelle für das Wort „Israel“ ist die ägyptische Merenptah-Stele (heute im Ägyptischen Museum in Kairo). Sie beschreibt einen Feldzug gegen ein Volk Israel im Lande Kanaan und wird auf das Jahr 1211 v. Chr. datiert.

Die Volksetymologie des Alten Testaments deutet „Israel“ als „Gottesstreiter“ (Gen 32,29 EU). Jakob bekam diesen neuen Namen, nachdem er mit einem geheimnisvollen Gegner gerungen hatte. Seine Nachkommen wurden als die „Kinder Israels“, „Israeliten“ oder kurz „Israel“ bezeichnet.

Der Name entspricht einer weit verbreiteten semitischen Namensform, die ein Verb im Imperfekt und das theophore Element אֵל (Gott) als Subjekt enthält. Das verbale Element wird in dieser Deutung als von der semitischen Wurzel שרה „streiten, kämpfen“ abgeleitet angesehen. Möglich ist allerdings auch eine Ableitung von der Wurzel שרר „herrschen“. Das hebräische Imperfekt kann im Deutschen mit dem Präsens oder der Wunschform wiedergegeben werden, so dass sich als mögliche Übersetzungen ergeben: „Gott streitet (für uns)“ oder „Gott möge (für uns) streiten“ und „Gott herrscht“ oder „Gott möge herrschen“. Antonius der Große übersetzte in seinem dritten Brief den Namen Israel mit „Verstand, der Gott sieht“.« (Wikipedia „Israel“.)

Sozialstruktur und Rituale der orientalischen Gesellschaft

Der Zusammenhalt einer Gruppe ist von einer bestimmten Größe an abhängig von einer regelmäßigen Vergegen­wärtigung der mythischen und religiösen Grundlagen der Gruppenidentität; dazu bedarf es der Riten, die den Alltag unterbrechen und die Gemeinschaft zusammenführen. Dazu gehören die „Heiligung“ eines Wochentages (Freitag im Islam, Sabbat im Judentum, Sonntag im Christentum) und die regelmäßigen religiösen Feiern. Als besonderes Beispiel seien hier die ‘Ašura-Rituale in Iran, vor allem in Širaz, angeführt: Es handelt sich um jährliche „Kampffeste“ zur Vergegenwärtigung des Martyriums von Hussein in Kerbela, das traditionell mit „Selbstgeißelungen“[66] junger Männer auf den Prozessionen begangen wird, hier aber ausgeformt wurde zum Kampf der Stadtviertel untereinander. Die kämpfenden jungen Männer zeigen eine Todesverachtung, die aber dem Ziel des Märtyrerschicksals geschuldet ist: Den Siegt trägt das Stadtviertel davon, welches die meisten Verletzten – im kaum je eintretenden Falle auch Todesopfer – zu feiern hat (was letztlich die unmittelbaren körperlichen Gefahren doch in Grenzen hält). Sozialpsychologisch ist dieser Ritus äußerst interessant, da er den Alltag von Aggressionen und Diskriminierungen frei hält, die ihren Ausbruch und ihre Neutralisation in den ‘Ašura-Ritualen finden. Dazu ist es wichtig zu wissen, dass sich die Stadtviertel in islamischen Städten relativ separat aus der Ansiedlung von Familienclans oder religiösen Gruppen heraus entwickelt haben und in vielen Fällen untereinander durch Mauern und nachts geschlossene Tore abtrennen.

Das führt zu einer Thematisierung des sozialen Aufbaus der orientalischen Gesellschaften, denen traditionell die äußere Sicherheit einer „Staatsgesellschaft“ fehlt. Kippenberg (1981: 223)[67] gibt, der Literatur folgend, am Beispiel der Konstituierung eines ›Kollegiums‹ zur Vorbereitung der ‘Ašura-Rituale, in das selbstverständlich nur die traditionellen nicht-staatlichen sozialen Institutionen einbezogen werden, einen aufschlussreichen Überblick über die Sozialbeziehungen der traditionellen iranischen Dorfgesellschaft, die sich von der modernen westlichen Staats­gesellschaft ebenso absetzen lässt – auch wenn zu berücksichtigen ist, dass in ländlichen und binnenperipheren Regionen (›Dorfgemeinschaften‹) der ›westlichen‹ Industrieländer durchaus auch heute noch vergleichbare interne Loyalitätsstrukturen und Staatsferne zu beobachten sind –, wie trotz einiger struktureller Ähnlichkeiten von der europäischen mittelalterlichen Feudalgesellschaft, gerade weil in Iran eine Machthierarchie bis in die Staatsspitzen, wie sie das mitteleuropäische Lehenswesen zumindest tendenziell impliziert, prinzipiell fehlt; als über den örtlichen Bereich hinaus reichende soziale Klammer tritt hier die umma muhamadja auf, die nicht nur eine religiöse Vorstellung, sondern eine konkret handlungsbestimmende soziale Loyalitätsbestimmung darstellt. Kippenberg bezieht sich dabei auf eine Arbeit von E. Neubauer (1972: 259 f.)[68], der, wie im folgenden Zitat ausgeführt, drei Möglichkeiten der Bildung solcher Kollegien erwähnt:

  1. „die Zugehörigkeit zu einer Moschee und damit zu einer bestimmten Nachbarschaftsgruppe;

  2. die religiöse Gefolgschaft (taqlid), zu der jeder ši‘itische Laie einem Mojtahed (einem Geistlichen, der in religiösen Fällen eine Entscheidung treffen kann) gegenüber verpflichtet ist und die durch Akhunds bzw. Mollas vermittelt wird (s. Algar: 1969, 1-25; Lambton: 1964; Ende: 1980[69]);

  3. die Zugehörigkeit zu einer Klientelgruppe.

  4. Zu diesen drei Elementen, die die Organisation der Aufzüge bestimmen, kommen dann noch die Verwandt­schaft, die viel zu selbstverständlich ist, als dass sie besonders betont werden müsste, und schließlich

  5. die Handwerkskorporationen, die wohl vor allem die Masse der Teilnehmer gestellt haben.“

Kippenberg erläutert in einer Anmerkung dazu:

»Zur Unterscheidung der Freitagsmoschee der Stadt und der kleinen Moschee, die für einen Teil der Bevölkerung oder des Stadtteils reserviert ist, siehe Grabar (1969)[70]«. – »Aus allen diesen Angaben geht unzweifelhaft hervor, dass die Prozessionszüge sich nicht auf Grund einer Summe individueller Entscheidungen, sondern nach vorgeprägten Loyalitäten bilden. Sie leben aus dem, was H. Alavi (1973) [71] die ‚primordial loyalties‘ genannt hat: angestammte, von unten aufgebaute Loyalitäten, die von Prinzipien der lokalen Zugehörigkeit, der Handwerkskorporation, der religiösen Gefolgschaft und der Klientele bestimmt werden. Dieser Sachverhalt ist für das Verständnis der Straßenkämpfe von größter Wichtigkeit. Denn wenn die Prozessionszüge identisch sind mit sozialen Gruppen, dann ist die rituelle Organisation der Durchschlag einer gesellschaftlichen Ordnung – einer Ordnung, die die Individuen nicht horizontal nach gemeinsamer Klassenlage organisiert, sondern vertikal nach segmentären Koalitionen (Alavi: 1973; Wolf: 1966, 81-95[72]Kippenberg (1981: 224).[73]

Die Zehn Gebote

(nach Martin Luthers Kleinem Katechismus)

Bei der Zählung der Gebote gibt es im Judentum und in den christlichen Kirchen unterschiedliche Traditionen. Die hier wiedergegebene Fassung folgt der lutherischen und römisch-katholischen Tradition. Eine andere Zählung ergibt sich dort, wo das Bilderverbot – „Du sollst dir kein Bildnis machen“ – als zweites Gebot aufgeführt wird, so in der anglikanischen, reformierten und orthodoxen Tradition.[74] Dort werden dann „neuntes“ und „zehntes“ Gebot als ein Gebot verstanden.

Das erste Gebot

Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.

Das zweite Gebot

Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht mißbrauchen.

Das dritte Gebot

Du sollst den Feiertag heiligen.

Das vierte Gebot

Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren.

Das fünfte Gebot

Du sollst nicht töten.

Das sechste Gebot

Du sollst nicht ehebrechen.

Das siebte Gebot

Du sollst nicht stehlen.

Das achte Gebot

Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.

Das neunte Gebot

Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus.

Das zehnte Gebot

Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib, Knecht, Magd, Vieh noch alles, was dein Nächster hat.

Zwei Zielrichtungen werden in den Zehn Geboten erkennbar: Zum einen die Sicherung des gemeinsamen Glaubens und seiner Riten (Gebote 1 bis 3), womit die übergeordnete Machthierarchie, die auf den Einen Gott zurück geführt wird, gesichert werden kann; zum anderen die Regelung des familiären Zusammenlebens, wobei alle konflikterzeugenden Verhaltensweisen, die zu einem Zerfall der „Überlebenseinheit“ des Stammes führen könnten, sanktioniert werden. In diesem Kontext gibt es wieder zwei Schwerpunkte: die Sexualmoral und die Eigentumssicherung; beides hoch emotionalisierte Bereiche, die zu tödlichen Konflikten – Blutrache, Ehrenmorde etc. – führen können.

In einer nomadischen Lebensform ist diese Schwerpunktsetzung nicht nur verständlich sondern notwendig, da institutionelle Garanten von „Recht und Ordnung“ fehlen. In unserem Beispiel zeigt sich hier der Übergang von einem Leben unter der Herrschaft der ägyptischen weltlichen wie religiösen Autoritäten zur notwendigen Verfestigung der stammesbezogenen Binnenstrukturen, die mit einer gewissen Konsequenz zur Herausbildung eines monotheistischen Weltbildes führen, in dem die ägyptische Vielzahl von Göttern und Götterbildern abgelöst wird durch die Verabsolutierung eines Stammesgottes (Jahwe, Jehova)[75].

Dieser „Eine Gott“ ist zunächst aber kein „universaler Schöpfungsgott“, sondern der „Gott der Juden“; daraus erklärt sich auch, dass in der jüdischen Tradition ein ausdrückliches Missionierungsgebot vollständig fehlt, dass sogar der Übertritt zur jüdischen Religion erschwert wird. Erst die sich vom Judentum abspaltenden Religionen Christentum und Islam benötigten eine neue Gottesvorstellung und eine neue gesellschaftliche Basis für ihren Zusammenhalt. Dieses realisierte sich in einer Verallgemeinerung ihrer monotheistischen Gottesvorstellung zum „Gott der ganzen Welt“, wobei es nur eine Frage der Zeit sei, bis die gesamte Menschheit dieser religiösen Grundüberzeugung folgen wird.[76]

Die Rückführung der Zehn Gebote als Letztbegründung ethischen Verhaltens, ihr Bezug auf den Einen Gott selbst, wird durch den mythischen Aufenthalt Mose auf dem Berg Sinai hergestellt – der vierzig (!) Tage gedauert hat. Die Tafeln mit den Zehn Geboten werden in der „Bundeslade“ aufbewahrt und damit der Profanität entzogen Sie sind das überall auf den Wegen der nomadischen Wanderung mitgeführte „Allerheiligste“, das eine feste Gebetsstätte, einen Tempel, wie er von Ägypten her gewöhnt war, überflüssig machte und überall das Zentrum des Glaubens versinnbildlichte. Schwierig wird dies nach der Rückkehr zur Sesshaftigkeit mit Reichsbildung und Hauptstadt Jerusalem, die die Errichtung eines Tempels notwendig machte, in dessen Zentrum die „Bundeslade“ – als Symbol für den „Bund mit dem Einen Gott“ – gestellt und von weltlichen Verrichtungen abgeschottet wurde, was dann auch zur ersten sozialen Stratigraphie führte, indem sich die Kohanim als Priesterkaste etablierten und die Leviten eine hervorgehobene Sonderrolle im Ritus einnahmen.[77]

Das goldene Kalb

Nur am Rande sei noch ein Aspekt der Mose-Erzählung erwähnt. In der Erzählung wird in symbolischer Form der Konflikt um divergierende Religions- und Gottesvorstellungen dargestellt. Das beinhaltet die Aussage, dass sich die monotheistische Vorstellung von dem „Einen Gott“ nicht ohne Probleme und Widerstände hat entwickeln können, wie ja überhaupt die alttestamentarische Darstellung des Auszuges aus Ägypten und der Wanderschaft durch die Wüste des Sinai durchzogen ist mit einem Durchsetzungsprozess der neuen Gottesvorstellung gegenüber den herkömmlichen Religionsriten aus Ägypten. Dass dieser Konflikt bis heute aufgegriffen werden kann, zeigt eine Satire von Kishon: „Und Moses sprach zu Goldstein.“[78]

„Als aber das Volk sah, daß Mose ausblieb und nicht wieder von dem Berge zurückkam, sammelte es sich gegen Aaron und sprach zu ihm: Auf, mach uns einen Gott, der vor uns hergehe! Denn wir wissen nicht, was diesem Mann Mose widerfahren ist, der uns aus Ägyptenland geführt hat. Aaron sprach zu ihnen: Reißet ab die goldenen Ohrringe an den Ohren eurer Frauen, eurer Söhne und eurer Töchter und bringt sie zu mir. Da riß alles Volk sich die goldenen Ohrringe von den Ohren und brachte sie zu Aaron. Und er nahm sie von ihren Händen und bildete das Gold in einer Form und machte ein gegossenes Kalb. Und sie sprachen: Das ist dein Gott, Israel, der dich aus Ägyptenland geführt hat!“ – 2. Mose 32,1–4

Dieses „goldene Kalb“ hat einen mehrdeutigen Bedeutungshintergrund. Zum einen ist die Erzählung in 2. Mose 32 eindeutig eine „religiöse Machtprobe“ zwischen den Anhängern der ägyptischen Religion und den Vertretern einer neuen Vorstellung von dem „Einen Gott“, der – wie wir schon gesehen haben – mit der Rückkehr zur nomadischen Lebensform an Bedeutung gewonnen hat.

Doch zeigen althistorische Überlegungen, dass die Erzählung vom „goldenen Kalb“ weniger die reale Situation der „Kinder Israel“ in der Sinaiwüste trifft, als einen längerfristigen Glaubenskonflikt andeutet. Für König Jerobeam I. war die bildliche Darstellung Gottes als Stier durchaus auf den „Gott der Israeliten“ bezogen als Ruhmes- und Stärke-Symbol, doch er traf auf die rigorosere Gottesvorstellung, die eine bildliche – als auch symbolische – Darstellung Gottes ausschloss und die sich letztlich durchsetzte.

»Der fiktive Charakter und der historische Bezug der Erzählung
Nach 1Kön 12,28-30 hat König Jerobeam I. in Bethel und Dan je ein „Goldenes Kalb“ aufstellen lassen. Die Erzählung vom „Goldenen Kalb“ Aarons in Ex 32 kann kaum auf ein historisches Ereignis zurückgehen, das eine Menschengruppe, die später in Israel aufgegangen ist, in der Sinaiwüste erlebt hat. Hätte es ein solches Ereignis nämlich gegeben, hätte Jerobeam es nicht wagen können, erneut Stierbilder aufzustellen oder auch nur stehen zu lassen. Die Übereinstimmungen zwischen Ex 32 und 1Kön 12 legen vielmehr die Vermutung nahe, dass sich die Erzählung von Ex 32 von Anfang an auf die Stierbilder Jerobeams bezogen hat. In beiden Texten werden nämlich Stierbilder errichtet und mit den Worten vorgestellt: „Das sind deine Götter, Israel, die dich aus dem Land Ägypten heraufgeführt haben“ (Ex 32,4; 1Kön 12,28). Ex 32 zielt demnach darauf, die Tat Jerobeams als Abfall von Jahwe zu brandmarken. Damit bietet die Erzählung eine Ätiologie des Untergangs des Nordreichs (722 v. Chr.) Dieses musste wegen seiner Stierbilder untergehen, hatte sich doch schon in der Wüste gezeigt, dass Stierbildverehrer dem göttlichen Gericht anheimfallen. Die Erzählung kann folglich erst nach dem Untergang geschrieben worden sein. Sie hat jedoch eine Vorgeschichte«. [Klaus Koenen: Goldenes Kalb
[79]]

Dass sich die Bezeichnung „Kalb“ durchsetzte, scheint wohl eine pejorative Herabsetzung des Gottesbildes eines „Stieres“. Der Stier ist eine häufige symbolische Verkörperung von Kraft und Virilität; in unserem Zusammenhang ist aber der ägyptische Apis-Kult Grundlage der Konflikte im Volk der Israeliten.

»Apis (altägyptisch Hep; koptisch-sahidisch Hape; koptisch-bohairisch Hapi[80]; aramäisch ḥpy, חפי) war der griechische Name des heiligen Stieres von Memphis, der als Verkörperung des Gottes Ptah verehrt wurde… Ursprünglich war der Apis-Stier ein Symbol für die Fruchtbarkeit. Er wurde seit der Ersten Dynastie im Tempel des Ptah in Memphis verehrt. Später fungierte der Apis-Stier als „Herold“ des Ptah und wurde dessen „herrliche Seele“, die auf der Erde in der Gestalt des Stieres erscheint. Der Apis-Stier wurde auch als Orakel angesehen.« [Wikipedia. Apis (Ägyptische Mythologie).]

Dies fügt unseren Einsichten über die Probleme der Bedeutungsbestimmung von Symbolwelten und Mythen noch einen weiteren wichtigen Aspekt hinzu:

  • Mythen können eine polemische und ironische (Neben-) Bedeutung haben und bestätigen damit ihre Funktion als funktionalisierbares Propagandainstrument im Sinne der Herrschenden.

Legitimationsideologien

Die übergreifende Frage ist, inwieweit Legitimationsideologien bestehende Gesellschaften „nur“ überformen oder auch definieren.

Es ist davon auszugehen, dass alle derartige Ideologien die gleich Funktion haben: Herrschaftsbereiche zu definieren, sie abzugrenzen, die dort lebenden Menschen z.B. als Untertanen zu disziplinieren, und dieses in der milden Form des Erzeugens von Gemeinsamkeitsgefühlen, auch der mit erheblichen physischen und psychischen Machtmitteln und Indoktrinationspraktiken.

Dieses gilt bezüglich der Alleingottdefinition für alle Figurationen, zunächst am historisch gut bekannten Beispiel des Volkes Israel, Alleingottdefinition und Gemeinschaftsideologien für Christentum und Islam.

Beispiele aus dem Altertum, d.h. aus Völkern / Figurationen, deren Mythenbildung für den jüdischen Kulturraum als Wurzeln angesehen werden kann, sind – in Stichworten – Aramäer, Babylonier, Hetiter, Phönizier, Perser, etc.... ; soweit bekannt oder hinreichend vermutbar und Mythenbildung ableitbar ist. Hier sei noch einmal auf die „Zweite Landwirtschaftliche Revolution“[81] mit der Entstehung der „Hydraulischen Kulturen“ (nach Wittfogel)[82] verwiesen, in der zur Anlage großer Irrigationsprojekte vor allem in Mesopotamien eine über den kleinen Clan hinausgehende gesell­schaftliche Organisation und Arbeitsteilung notwendig wurde, die zur Herausbildung zentralistischer Herrschafts­strukturen im Sinne des Priesterkönigtums führte, die mit Legitimationsmythen gesichert wurden.

Eine besondere Bedeutung haben die Altorientalischen Schöpfungsmythen, die als eine der Quellen der alttestamentarischen Schöpfungsgeschichte in der Genesis anzusprechen sind. Eine der ältesten – historisch nicht mehr einzuordnenden – Schöpfungsmythen ist die Enūma eliš.

»Enūma eliš (Enuma elisch) wird der babylonische Schöpfungs-Mythos genannt, dessen ca. 1000 Zeilen in Keilschrift auf sieben Tontafeln niedergeschrieben wurden. Das Gedicht ist in Abschriften vom 9. bis 2. Jahrhundert v. Chr. fast vollständig erhalten. Der genaue Zeitpunkt der Entstehung ist unklar und Einschätzungen gehen in dieser Frage weit auseinander.[83] Übersetzt bedeutet Enūma eliš „Als oben [der Himmel noch nicht genannt war]“. Es ist der Name, nach dem Beginn des babylonischen Weltschöpfungsmythos und Lehrgedichts… Als Babylon innerhalb der Städte des Zweistromlandes eine Vormachtstellung einnahm, gewann die Stadtgottheit Marduk innerhalb des akkadischen Pantheons an Bedeutung. Dies wurde verdeutlicht, indem Marduk in den Weltschöpfungsmythos eingebunden wurde. Das Werk diente nach einigen Interpretationen fortan zur ideologischen Untermauerung des babylonischen Herrschaftsanspruches.[84] Während der Feierlichkeiten beim babylonischen Akitu-Fest wurden Verse aus dem Enūma eliš rezitiert, die teilweise schon in älteren Werken der mesopotamischen Literatur (Gilgamesch-Epos) enthalten sind « [Wikipedia. Enūma eliš.]

Hier wird das Gilgamesch-Epos erwähnt, das wohl die erste schriftlich überlieferte „Erzählung“ der Welt ist und in mehreren deutschen Übersetzungen vorliegt.[85] In der historischen Textanalyse des alten Testamentes spielen die vorisraelischen Quellen der Genesis eine bedeutende Rolle:

»Gerade die Erzählungen des Buches Bereşit, welches ja die Geschichte vor Israel zum Inhalt hat, enthält Erzählungen aus dem Zweistromland (Sumer, Akkad und Bablylon); die Erwähnung des Eufrat und Tigris als Flüsse des Paradieses (Gen 2,15) oder des Ararat, wo Noahs Arche aufsetzte (Gen 8,4) weist dort hin. Da Abraham nach Aussage des Buches aus Ur am Eufrat kam, ist dies auch im Kontext der jüdischen Tradition durchaus schlüssig.

Durch die Gewohnheit der alten Kulturen des Zweistomlandes, Epen in Stein zu meißeln (Keilschrift) und die inzwischen sehr fruchtbaren Bemühungen der Wissenschaft, diese Texte zu entziffern und zu übersetzen, sind uns heute sehr viele dieser Epen bekannt. Eine offensichtliche Parallele wurde bald nach der Erschließung der Keilschrift entdeckt: die Sintfluterzählung folgt über weite Strecken und in etlichen Details einer alten Tradition, die unter den verschiedenen Völkern des Zweistromlandes überliefert wurde. Die älteste zusammenhängend überlieferte Erzählung ist das Atra’asis-Epos der Akkader, die bekannteste die über tausend Jahre jüngere fast gleichlautende Passage aus dem Gilgamesch-Epos der Babylonier. Weit weniger offensichtlich, aber noch spürbar sind die Parallelen zur Paradieserzählung zum Dilmun[86]-Epos. Andere Erzählungen des Buches Bereşit hingegen, weichen derart weit von allen uns bekannten Entsprechungen der Mesopotamischen Tradition ab, dass der Unterschied offensichtlich und jede Parallele äußerst spekulativ ist.« [Wikipedia. 1. Buch Mose.]

Die unübersehbare Vielzahl der altorientalischen und altbiblischen Mythen kann so nur am exemplarischen Beispiel aufgezeigt werden. Eine umfassendere Gesamtdarstellung verbietet sich hier offensichtlich. So soll das Thema Mythen weiter in die Gegenwart hinein verfolgt werden.

Es ist davon auszugehen, dass weltliche Glaubenslehren, vor allem die im 19. Jahrhundert im Zusammenhang mit sozialen Bewegungen entstandenen politischen Ideologien, so z.B. Sozialismus, Anarchismus, Kommunismus in ihren Spielarten und Varianten, als Legitimationsmythen die Funktion von Religionen in den tradierten Beispielen über­nommen haben.

Es stellt sich in diesem Zusammenhang die Frage, inwieweit Modelle oder beschreibende Darstellungsversuche in oder über Gesellschaften wirklich existierende Entitäten, Formationen oder Figurationen, wie sie mit Elias[87] benannt werden, abbilden: Geläufige Begriffe dafür sind Gemeinde, Gemeinschaft (u.a. die Umma im Arabischen), oder aus den moderneren Gesellschaftswissenschaften Klasse, Schicht und Gruppe als Nachfolge des Stände-Begriffes.

Kernfrage ist also: Sind die ideologischen Begriffe wie Gemeinschaft, Umma oder Klasse Beschreibungs- wie Definitions­kriterien, die dann auf die Glaubensrichtungen, die Religionen wie Ideologien des jüdisch/christlichen Kultur­kreises und des Sozialismus – jeweils gleichermaßen zutreffen?

Wenn entsprechende Überzeugungen vorliegen, dann ist eine Glaubensrealität, bzw. eine geglaubte Realität zu konzedieren. Diese liegt in zurückliegenden Zeitepochen bis in die Gegenwart durchaus vor.

Der Marx’sche Klassenbegriff trennt in die „Klasse an sich“ und die „Klasse für sich“. Auf ersteres kann der Klassen-Begriff vor allem in der Früh- sowie der Hochphase der Industriegesellschaften angewandt werden. Man kann konzedieren, dass das Industrieproletariat eine Arbeiterklasse darstellte. In den sich selbst als realsozialistisch definierten Gesellschaften, den früher kommunistisch regierten Ländern, dann aber nicht mehr. Der Klassenbegriff hatte nur mehr eine ideologische, d.h. machtspezifische Funktion. Auch diese Gesellschaften Osteuropas unterlagen spezifischen modernen Entwicklungen und tendierten zu Differenzierungen. Auf die damalige Kompliziertheit der neuen Definitionen von Herrschaftsideologien soll aber nicht eingegangen werden.

Das Proletariat als „Klasse für sich“ ist eine deskriptive an gesellschaftlichen Zielen orientierte – also machtspezifische Aussage der marxistischen Philosophie und Ideologie und entspricht damit methodisch den Glaubenslehren der Religionen.

Menschen verfügen generell über Mehrfachidentitäten. Je nach Grad von Erziehung, Beeinflussung, Indoktrination, Manipulation etc. kann ein Mensch sein Selbst verstehen. Ein Mensch des 20. Jahrhunderts. konnte sich verstehen als Christ, Moslem oder Jude – und zwar jeweils verschiedener Zuordnung, Konfession, also einer aus gesellschaftlichen Entwicklungen resultierenden Spielarten oder auch den im 19. und 20. Jahrhundert entstandenen neuen Glaubens­gruppen.[88] Zugleich konnte eine Selbstdefinition auf Grund regionaler, sprachlicher oder auf die eigene Abstammung bezogene Zuordnung erfolgen. Die Sozialpsychologie untersucht dieses Problem mit der Fragestellung nach der Ent­stehung von „Selbstkonzepten und -identifikationen“, gegenwärtig auch unter Einbeziehung der Prämissen des „Sozia­len Interaktionismus.“[89]

In Umfragen ordneten sich z.B. im neu entstandenen polnischen Staatsgebiet die Mehrheit der Befragten als Christen ein; kleinere Anteile fielen bei diesen Befragungen 1922 auf die Zuordnung als: Pole, Ukrainer, Weißrusse, Deutscher, Litauer oder als Tatar.

Menschen des 20. Jahrhunderts. waren denn auch, Kommunisten, Konservative, Liberale, Sozialisten, Gewerkschaftler. Für manche galt die Zugehörigkeit zu Sportverein, Feuerwehr, Betrieb, Berufsgruppe als gleich- oder gar höherrangige Gruppen-Zugehörigkeitsdefinition gegenüber den genannten anderen. Die Ableitungen und Begründungen für die Zuordnungen stellen wiederum ein anderes Problem dar.

Nachdenken über…

…Legitimationsmythen im frühen Christentum

Heilige Drei Könige

          Glosse:[90]

»Das Jahr geht zu Ende und das Drei-Königs-Fest steht bevor; das sollte mir Anlass sein, noch einmal auf Ihren kurzweiligen Artikel zu einer astronomischen Interpretation der Reise der Drei Heiligen Könige zurück zu kommen.[91] Viele kluge astronomische und astrologische Gedanken und Datierungsversuche sind durch die Drei-Königs-Geschichte provoziert und zu Datierungsversuchen von Christi Geburt genutzt worden. Ihre Ausführungen dazu sind aufschlussreich und überzeugend...

...wenn da nicht einfach der Entstehungshintergrund dieser Legende ausgeblendet worden wäre. Die Drei-Königs-Geschichte gehört zu den jüngeren Hinzufügungen zur in den Evangelien kompilierten Geburtsgeschichte Jesu und dürfte etwa im dritten Jahrhundert n.Chr. entstanden sein. Sicherlich gehört sie nicht zum Traditionsbestand der jüdisch-urchristlichen Gemeinde in Jerusalem, der allein authentische Übermittlungen zuzugestehen sind. Ob ältere, der Zeit durchaus angemessene astrologische Überlieferungen in diese Geschichte eingeflossen sind, lässt sich wohl nicht feststellen. Für Datierungsversuche sind diese sicherlich zu schwach.

Schon der Inhalt der Drei-Königs-Legende ist bezeichnend. Wer die Palastanlagen in Perse­polis kennt, wird die die Treppen begleitenden Flachreliefs der „Gabenbringer“ bewundert haben, die detailgetreu Kleidung und Tributopfer der Abgesandten aller Regionen des Perserreiches dar­stellen. Sowohl im Altpersischen Reich wie in Zeit der Sassaniden war dieses jährliche Tributopfer nicht nur materielle Steuer sondern hoch ritualisierte Unterwerfungs-Symbolik, die für den Zusammenhalt des Reiches eine große Bedeutung hatte.

Wenn nun drei „Magi“, wie die eigentliche Bezeichnung der „Könige“ lautet, dem Jesuskind „huldigen“, ist dies eine zur damaligen Zeit leicht verständliche Unterwerfungsgeste der Persischen Zarathustra-Religion unter das Christentum und seinen „göttlichen Herrscher“. Waren doch die „Magi“, von denen sich auch der Begriff der Magie und der Magier herleitet, die religiöse Herrscherkaste des Sassanidenreiches, die unter dem religiös sich legitimierenden Großkönig die religiösen Grundlagen des Reiches zu sichern hatten.

Die Drei-Königs-Legende ist also ein typischer Legitimationsmythos, der den östlichen Machtrivalen des christlich werdenden Römischen Reiches, nämlich das Perserreich der Parther und Sassaniden (seit 225), zur Unterwerfung aufforderte. Diese religiöse Propaganda ist damals durchaus richtig verstanden worden. Dass daraus ein innerchristlicher Glaubenstatbestand geworden ist, zeigt, wie sehr sich jede soziale Gruppe, also auch das Christentum, Überlegenheitslegenden zur Sicherung der eigenen Identität zu Nutze macht.«

Gerhard Voigt

Die „Via Dolorosa“

»Die Via Dolorosa (lat. Der schmerzhafte Weg, Leidensweg) (arabisch ‏طريق الآلام‎ tariq al-alam) ist eine Straße in Jerusalem. Sie führt durch die Altstadt vom Löwentor (oder Stephanstor) zur Grabeskirche, die an jenem Ort steht, wo Jesus ins Grab gelegt worden sein soll. Die Straße ist heute im östlichen Teil eine Altstadtstraße (Löwentorstraße), während der westliche Teil durch verwinkelte Gässchen zwischen den alten Häusern führt, teilweise mit Bogengängen überdeckt, teilweise durch Treppen unterbrochen. Dazwischen führt die Route über die Al-Wad-Straße, die vom Damaskustor zum Dungtor (Klagemauer) führt… Nach der Überlieferung ist die Via Dolorosa jene Straße, die zur Zeit des Todes von Jesus vom Amtssitz des römischen Statthalters Pontius Pilatus zur Hinrichtungsstätte am Hügel Golgota führte. Allerdings sind diese Orte historisch nicht eindeutig bestimmbar. Diesen Weg musste Jesus vor seiner Kreuzigung zurücklegen, wobei er auf einem Großteil der Strecke das Kreuz selbst tragen musste. Daher ist die Straße heute als Kreuzweg ausgestaltet. Von den 14 Stationen des Kreuzweges befinden sich aber nur acht auf der Via Dolorosa selbst. Die neunte befindet sich auf dem Dach der Grabeskirche, die letzten fünf darin. Da sich sowohl der Straßenverlauf als auch das Niveau der Stadt über die letzten 2000 Jahre stark verändert haben, muss dieser Weg mehr als Verbindung von Gedenkstätten als eine Wanderung in Jesu Fußstapfen gesehen werden.« [Wikipedia: Via Dolorosa.]

Die Zeit der Festigung des Christentums im abgespaltenen Ostrom (Byzanz) war eine Zeit, in der die Suche nach materiellen Symbolen für die Glaubenswahrheiten in den Vordergrund trat. Das Christentum war nicht philosophisch-theologisch gegründet, sondern setzte sich durch mit der Festigung der Herrschaftsmacht des oströmischen Kaisers. Machtpolitisch stand das Oströmische Reich in Konkurrenz mit dem Sassanidenreich in Persien[92]; an den Grenzen gab es immer wieder militärische Konflikte, doch waren die regionalen Machtpotentiale in etwa gleich, so dass ein umfassender Feldzug nicht in Frage kam. So versuchte Byzanz seine Machtansprüche durch die religiöse Deslegitimierung des Sassanidenreiches durchzusetzen. Dieser Prozess der Christianisierung kristallisierte und personalisierte sich vor allem um Kaiserin Helena (Mutter Konstantins des Großen), von der wohl anzunehmen ist, dass sie ein sehr emotionales Religionsverständnis mit mystischen Zügen vertrat, das sich in praktischem Verhalten äußerte – das aber wohl zu gut in die propagandistischen Ziele des oströmischen Kaisers passte, die durch einen Funktionali­sierung der Religion zu erreichen versucht wurde.

»Als Helena schon über 70 Jahre alt war, soll sie im Traum den göttlichen Befehl erhalten haben, nach Palästina zu reisen, die Heiligen Stätten zu finden und würdig auszugestalten. Wohl 326 unternahm sie ihre Wallfahrt nach Jerusalem, um „die Fußspuren des Erlösers ... zu verehren”, wie der Zeitgenosse Eusebius berichtete. Die Suche nach dem Grab Jesu war schließlich von Erfolg gekrönt dazu fand man auch Melchisedeks Felsengruft und drei gut erhaltene Kreuze, die mehr als 300 Jahre alt gewesen sein könnten. Bischof Makarios I. von Jerusalem bezeugte die „Kreuzauffindung” Auch Cyrill von Jerusalem bezeugte das wahre Kreuz und das Heilige Grab. Die Kirche über dem Garten Getsemani habe Helena als 79-jährige bei ihrer Wallfahrt gegründet.«[93]

Auf Grund intuitiver „Erkenntnisse“ legte Helena auch den Verlauf der Via Dolorosa fest, wobei heute meist übersehen wird, dass im Verlaufe der Baugeschichte Jerusalems der Weg immer wieder modifiziert wurde und die „Stationen“ des Leidensweges neu bestimmt wurden. Insbesondere die letzten Stationen auf dem Dach der Grabeskirche und im Kirchengebäude selbst setzten die endgültige Bauform der Kirche voraus.

»Der Bau der ersten Grabeskirche begann im Jahre 326 n.d.Z. auf Initiative Kaiser Konstantins. Die Kirche wurde an der Stätte eines römischen Tempels und Heiligtums aus dem 2. Jahrhundert errichtet, die einer lokalen Tradition zufolge über dem Orte standen, an dem Jesus gekreuzigt und begraben worden war. Nach der Zerstörung der römischen Gebäude wurde hier eine Reihe von Felsengräbern gefunden. Eines der Gräber identifizierte man als das Grab des Joseph von Arimathäa. Das Grundgestein um dieses Grab wurde abgetragen, so daß ein von der Umgebung isolierter, freistehender Felsen mit der Grabkammer im Inneren übrigblieb (an der Stelle des heutigen Grabpavillons). Nur wenig ist von dem ursprünglichen byzantinischen Bau erhalten, der 614 n.d.Z. von den Persern geplündert und niedergebrannt worden war. Dem teilweisen Wiederaufbau unter dem Patriarchen Modestos folgte eine Beschädigung der Kirche durch ein Erdbeben im Jahre 808 und die Zerstörung auf Befehl des Fatamidenkalifen al-Hakim 1009. Ein Teil des Bauwerks wurde 1048 unter dem byzantinischen Kaiser Konstantin Monomachus wiederaufgebaut, doch die meisten Trakte der heutigen Grabeskirche sind das Ergebnis des Wiederaufbaus unter den Kreuzfahrern im 12. Jahrhundert sowie späterer Renovierungsarbeiten (die jüngsten Restaurations- und Konservierungsarbeiten begannen 1959 und sind bis heute nicht abgeschlossen). Die heutige Kirche umfaßt die Hälfte des Areals der ursprünglichen byzantinischen Kirche, und nur die Grabrotunde entspricht annähernd in Form und Anlage dem Original aus dem 4. Jahrhundert«.[94]

Es ist also unbestreitbar, dass die Via Dolorosa nicht mit den Maßstäben der „historischen Realität“ gemessen werden kann, sondern eine Glaubensentität darstellt, die in den Gläubigen selbst verankert ist.

  • Materielle Glaubensentitäten sind Versinnbildlichungen von Glaubensinhalten- vor allem für diejenigen, deren Denken nicht abstrakten Argumentationsmustern folgt, sondern sich in Bildern ausdrückt.

  • Glaubenssymbole existieren daher außerhalb der Fragestellung nach historischer Realität; sie bergen ihre „Wahrheit“ in sich selbst.

  • Dies verbindet sie mit dem alten Reliquienkult, bei dem am Rande eine Überlegung mitgeteilt werden sollte, die aus Kreisen von Kirchenhistorikern stammt: dass, wenn man einmal die Volumina aller Kreuzesreliquien in der ganzen Welt addiert, ein ganzer Wald dafür abgeholzt werden musste..

  • Die Bedeutung der Glaubenssymbole in der Gegenwart liegt in ihrer sozialen Funktion, indem sie Gläubige in gemeinsamen Ritus zusammenführen und ein Bewusstsein von Gemeinsamkeit und Solidarität hervorrufen können – somit nach innen in der Gruppe friedenstiftend wirken…

Mythenbildung

Im Folgenden sollen Beispiele für Mythenbildung und ihre machtspezifische, also Herrschaft ausbildende und Herrschaft stabilisierende Funktion gegeben werden. Es kann sich nur um einige charakteristische Beispiele handeln.

  • „Die Flucht aus Ägypten“: Das sich teilende Meer, das beim Zurückfließen die Feinde vernichtet, ist eine der zentralen Legenden der jüdischen Mythologie. Es soll damit die Besonderheit für spätere Epochen der Geschichte des Jüdischen Volkes herausgehoben werden: das auserwählte Volk, das sich selbst als solches definiert hat.[95] Es stellt damit eine Legimitätsbasis dar für Taten als Erober­ungen von Gebieten und Unterjochung anderer Völker. Ihr Gott ist der mächtigste.

  • In diesem Zusammenhang ist der Mythos vom „gelobten Land, wo Milch und Honig fließt“ in das der Gott der Juden das Volk Israel geführt hat, also die Inbesitznahme einer agrarisch wertvollen Region. [Man Vergleiche die Legitimierungen z.B. in den USA von „Gods own country“, die Populari­sierung in dem Song: „It’s my land, it’s your Land, it’s our land...“, das bis heute in den Vereinigten Staaten inbrünstig gesungen wird. Der durch europäische Einwanderer begangene Genozid an der indigenen Bevölkerung wird dabei immer noch weitgehend verdrängt. Die Aus­bil­dung des christ­lichen Fundamentalismus im sog. Bible-Belt steht in diesem Zusammenhang.] Es handelt sich um die klassische Legitimation für die Eroberung eines fremden Territoriums. Dazu benötigte man den eigenen Gott, der dieses über seine eigene Unanfechtbarkeit legitimiert. Gottes Entscheidungen werden akzeptiert und niemals in Frage gestellt, auch wenn sie Leiden verursachen und nicht nachvollziehbar sind und schon gar nicht erklärbar. Charakteristisch ist die nicht notwendige Erklär­barkeit, wesentlich ist die unangefochtene Akzeptanz.

  • Wesentlich ist auch der Mythos des Moses, der „vom Berge Sinai herabstieg und die Gesetzestafeln mit­brachte, die er dann zerschlug.“ Eine zentrale Legende und Lehre für den frühen Verdichtungsprozess einer Ethnie die sich ein Regelsystem erschafft. Von einer physischen Existenz eines Moses, einer historischen Figur, ist dabei nicht auszugehen.

  • Die Legende von Adam[96] und Eva entspricht vermutlich den Mythenbildungen anderer Völker in allen Regionen der Erde, jeweils in unterschiedlichen Varianten und Kontexten.

  • Abraham gilt in der jüdisch-christlichen-Mythologie als historische Figur. Mohammed hat diesen Mythos bei der Abfassung des Koran übernommen. Bekanntlich spricht man deshalb von den abrahamitischen Religionen. Es soll hier nicht die Frage gestellt werden, ob Abraham eine historisch existierende Person war.

  • Inwieweit die Legende von Wasser, das dem Fels in der Wüste entspringt, eine gesellschaftspolitisch tiefergehende Bedeutung zuzumessen ist, mag strittig sein. Die Legende ist aber typisch für aride Regionen, für Steinwüsten. Sie verkörpert und funktionalisiert das Sehnen nach dem unabdingbaren Lebenselixier, dem Wasser. Die Verbindung zur Macht des eigenen Gottes ist dabei erheblich und notwendig.

  • Ein zentraler Mythos ist der „Steinwurf des David im Kampfe gegen den Goliath.“ Möglicherweise soll es Mut machen und anspornen im Kampfe gegenüber zahlenmäßig überlegenen Gegnern. Und immer ist der eigene Gott im Spiel.

Die immerwährende, aber nicht wissenschaftlich einhellig beantwortbare Frage bleibt bis heute: „Sind die Juden ein Volk?“ Volk ist grundsätzlich als mythischer Begriff zu verstehen und nicht als eigenständige und geschlossene Entität. Es besteht nur der Versuch, es über den Methodenbegriff der Ethnifizierung zu bestimmen, verbunden mit moderneren Vorstellungen der nation building.

Mythen, Symbole und Tabus

Der Begriff „Mythos“ als analytische Kategorie ist neueren Datums und setzt kulturell die Verschriftlichung der Überlieferung und gesellschaftlich die Organisation in Staatsverbänden voraus. Erst als sich eine kritische Auseinandersetzung mit den überlieferten Traditionen entwickelte, wurde der „Mythos“ zu einer distinktiven Bezeichnung und bezeichnete nicht mehr allgemein verbindliche religiöse Überlieferungen, deren Wahrheitsgehalt nicht in Zweifel gezogen wurde. Historisch ist das ein langer, vielfach unterbrochener Prozess, der in der antiken griechischen Philosophie ihren ersten grundlegenden Ansatz seit Herausbildung der schriftlichen Niederlegung älterer Überlieferungen durch Homer fand.[97]

Im Verlauf der Geschichte ändert sich auch die Form der Überlieferung von der narrativen Kultur hin zur schriftlichen Kultur. Wo zunächst die Verschriftlichung noch ein Aufzeichnen und Kompilieren erzählter Überlieferungen war, entwickeln sich neue Beziehungen zur Tradition. Im 19. Jahrhundert – im Zusammenhang mit der Entstehung der modernen Staatsgesellschaft und in der Erkenntnis ihrer Defizite an originären Traditionen – entwickelt sich eine Form der Sammlung und schriftlichen Fixierungen der vorhandenen Reste narrativer Traditionen. Bekanntestes Beispiel sind die Märchensammlungen der Brüder Grimm. Die Problematik dieser neuen Zuwendung zur erzählten Überlieferung liegt nun darin, dass die These von der „uralten Herkunft“ der Märchen in vielen Fällen auf Irrtümern basiert und dass sich in der Sammlung durchaus schon nacherzählte junge literarische Märchen und „Wandermärchen“ mit z.T. internationalem Hintergrund befinden.

Interessant ist es, den unterschiedlichen Bedeutungen narrativer und mythologischer Überlieferung in verschiedenen Kulturen nachzugehen, was in unserem Kontext nicht mehr ausführlich geschehen kann. Doch prägen unterschiedliche Haltungen zur Mythologie das Alltagsleben in hohem Maße, machen aber die Penetration der „westlichen Moderne“ zu einem ganz eigenem Problem. Hier sei nur ein kurzer Hinweis auf V.S. Naipaul und seine Studie über die afrikanischen Länder, die er auf einer Reise kennen gelernt hat, notiert:

»Wenn man an die traditionelle afrikanische Religion glaubte, war man in der Defensive. Es gab keine Doktrin, an die man sich halten konnte; es gab nur ein Gefühl der Richtigkeit der überlieferten Sitten und Gebräuche, der Heiligkeit des heimischen Bodens. (…) Die Doktrin des Islam und des Christentums, beides Weltreligionen, hatte ein philosophisches Fundament und konnte ausgelegt werden. Die traditionelle afrikanische Religion kannte keine Doktrin; sie brachte sich am besten über Rituale und Dinge zum Ausdruck.«[98]

Aus den Überlegungen geht hervor, dass der – umfassende – Bedeutungsgehalt der Narration im historischen Wandel herabgestuft wird und sich „Partikularisiert“. Waren Mythen im Altertum zumindest im Ansatz der Versuch, umfas­sende „Welterklärungen“ zu vermitteln und ein Grundgerüst gesellschaftlicher „Sinnverständnisse“ zu kodifizieren, geht mit der Verschriftlichung der Überlieferung eine Differenzierung in regionaler und sozialer Hinsicht einher, die zunehmend eine bewusste Funktionalisierung im Sinne des Macherhalts ermöglichte, wie wir es schon beim Stichwort der „Legitimationsmythen“ gesehen haben.

Für die heutige Zeit hat der Mythos als umfassendes „Sinngebilde“ ausgedehnt und wird durch eine Vielzahl narrativer wie schriftlicher Kommunikationsformen im Rahmen der „Politischen Kultur“ ersetzt, über die im Folgenden einige kurze Überlegungen angefügt werden sollen.

  • Damit ist es aber auch verständlich, warum wir die grundsätzlichen Überlegungen zum Mythos an Hand biblischer Geschichten entwickelt haben, und wie diese in der späteren Geschichte einem Bedeutungs- und Funktionswandel erfahren haben, wobei die ausführlicher dargestellten „Legitimationsmythen“ eine bedeutsame Rolle spielen. Es wird aber auch verständlich, warum neuzeitliche Versuche, Mythen zu konstruieren, kaum je einen umfassenden Erfolg gehabt haben, wie es z.B. der „Bismarckmythos“ oder der „Mythos der freien Marktwirtschaft“ zeigen. In der gegenwärtigen Epoche wurden Mythen durch Ideologien ersetzt, wobei der Charakter als „Glaubensinhalte“ jedoch weiterhin bestehen blieb.

Sagen, Fabeln…

Sind Märchen im 19. Jahrhundert zu einer Literaturform geworden, deren Sinnverständnis bezeichnet werden kann durch die „Moral von der Geschichtʼ“ – über die sich dann Wilhelm Busch in seinen „Comics“ lustig macht – bleiben auf einer niedrigeren Ebene Sagen und Legenden noch lange Teil der lokalen Überlieferung und sind an bestimmte Orte gebunden und werden so zum Forschungsobjekt für Volkskundler.[99]

Eine haltbare Tradition der Realitätsdeutung existiert in diesen Überlieferungsformen jedoch nicht mehr. Auch dort, wo sie noch bekannt sind, werden sie distanziert wahrgenommen und oft ironisiert. Ihre „Haltbarkeit“ zeigt jedoch die durchaus vorhandene Ambivalenz der Sinnvermittlung, die die Sagen und Legenden heute oft zum Gegenstand von literarischen Werken macht (wie überhaupt die narrative und schriftliche Tradition ein Grundmaterial der Literatur ist – auch wenn man die Klassiker von Shakespeare bis Goethe und Schiller betrachtet).[100]

Fabeln wurden dann zu einer legitimen literarischen Kategorie, die sich der Allegorie[101] wie des gesellschaftlichen Symbolrepertoires bediente.[102] Sehr alt und bis ins Altertum zurückreichend ist das Stilmittel, mit Tierfiguren mensch­liche Eigenschaften und Verfehlungen im übertragenen Sinne darzustellen und zu kritisieren. In den wenigsten Fällen gehören Fabeln aber zu den originär narrativen Volksüberlieferungen.

Es entstehen auch heute noch mündliche – und vielfach geglaubte – Volksmythen und Legenden, deren typische Erzählform ist: „Ein Freund von mir hat von einem guten Bekannten erzählt bekommen, was einem Freund von ihm tat­sächlich zugestoßen ist…“. Die Sammlungen von Rolf-Wilhelm Brednich wurden Bestseller und haben heute – um wieder ein irrationales „Bild“ zu bemühen – „Kultstatus“.[103]

Als Ergebnis dieser kurzen Überlegungen möchte ich festhalten:

  • Auch heute besteht unsere Realitätswahrnehmung nicht aus überprüften und überprüfbaren „Tatsachen“ sondern ist Ergebnis eines innergesellschaftlichen Kommunika­tionsprozesses, eines Diskurses über die Realität, dessen – im Zeitverlauf sich wandelndes – Ergebnis als „Wahrheit“ verstanden und geglaubt wird. Die Gesamtheit dieser Diskurse bedeutet dann die „Politische Kultur“ einer Gesellschaft.

…Symbole, Bilder

Mit der Veränderung der Tradierung von Aussagen über die Realität, die vorher getrennt war in mündliche und schriftliche Überlieferung, durch das Aufkommen der Bildüberlieferung – Illustrationen, Fotos, Film, Fernsehen, Computer – verändert sich auch der kommunikative Inhalt der Politischen Kultur. Nicht textgebundene Überlieferungen treten stärker in den Vordergrund und konstituieren unser „Bild von der Realität“.

Zu unterscheiden sind dabei nonverbale Sinnüberlieferungen im Alltagsverhalten, wie sie die Soziologie des „Symbolischen Interaktionismus“ untersucht[104] und aus der in unserem Zusammenhang nur Alltagsrituale z.B. der Höflichkeit – Hände geben, Umgang mit dem anderen Geschlecht, Tischsitten – interessieren, die auch eine zentrale Rolle bei der Entwicklung der Zivilisation spielen, die Norbert Elias wohl als erster umfassend dargestellt hat[105], von der eindrucksvollen Form der Bildüberlieferung.

Simon Benne führt in bezeichnender Weise aus Anlass einer Ausstellung im Historischen Museum Hannover zum Thema „Bilder im Kopf – Ikonen der Zeitgeschichte“ aus:

»Es gibt mehr davon, als man glaubt. Der entführte Hanns Martin Schleyer. Joschka Fischer in Turnschuhen. Josef Ackermann mit Victory-Fingern. Willy Brandts Kniefall. Der tödlich getroffene Benno Ohnesorg. All diese Fotos sind Schlüsselbilder. Ankerpunkte unserer kollektiven Erinnerung.

Sie ragen heraus aus der Flut der Bilder. Sie pointieren ein komplexes Geschehen und verdichten eine Epoche auf einen Augenblick. Und es gibt kaum ein historisches Ereignis von Rang, zu dem es nicht eine solche Ikone gäbe. Eine Ikone ist ja nicht nur ein bloßes Abbild, sondern eine Art Gedächtnisbild, das semiotisch die Stelle des Originals einnimmt. Sie steht nicht nur für irgendetwas, sondern in ihr ist praktisch etwas aufgehoben. Ein ganz eigener Geist. Im Historischen Museum geht es in der sehenswerten Ausstellung „Bilder im Kopf“ jetzt um genau solche Aufnahmen. Die Schau, konzipiert vom Bonner Haus der Geschichte, fragt danach, wie ein Foto zur Ikone wird.

Dazu muss ein Bild natürlich erst einmal fotografisch gut sein. Dramatisch, emotional, mit eingängiger Bildsprache. Doch das sind nur notwendige, keine hinreichenden Bedingungen. Jemand muss das Bild erschaffen – und jemand muss dafür sorgen, dass es massenhaft verbreitet wird, wenn es zur Ikone werden soll. „Ikonen sind vor allem Konstrukte“, sagt Kurator Jürgen Reiche. „Sie bilden nicht Wirklichkeit ab, sondern konstruierte Wirklichkeit.“ Mehr noch: Sie konstruieren selbst Wirklichkeit, denn sie prägen ja unser Bild von der Realität. Da sind zum Beispiel die Flaggen. Flaggen über Flaggen sind auf Fotos in der Ausstellung zu sehen, und jede soll eine klare Botschaft unters Volk bringen. Amundsens norwegische Flagge 1911 am Südpol.

Die sowjetische Flagge 1945 über dem Berliner Reichstag. Die amerikanische Flagge auf der Pazifikinsel Iwo Jima und auf dem Mond. Lauter gestellte Fotos, absichtsvoll verbreitet von interessierter Seite. Teils werden mit solchen Bildern Schlachten geschlagen. Im Sommer 1961 gelang Peter Leibing – sonst auf Springreiten spezialisiert – der Schnappschuss des DDR-Bereitschaftspolizisten, der über den Stacheldraht in die Freiheit springt. Ein Mann, der für einen Sekundenbruchteil über der Systemgrenze schwebt. Ein Mann in einer Situation, in der es nur Entweder-oder gibt. Das Bild entlarvte die Propaganda vom „antifaschistischen Schutzwall“ als Märchen. Am Tag darauf verbreiteten DDR-Propagandisten Fotos von „Kampfgruppen der Arbeiterklasse“, sympathischen jungen Männern, die Seit an Seit vorm Brandenburger Tor stehen. Eine im Wortsinne menschliche Mauer. Der US-Fotograf Henry Ries machte 1948 seine berühmte Aufnahme eines „Rosinenbombers“. Kinder zeigt sie.

Viele Kinder. Junge Menschen. Die Zukunft ist Fleisch geworden. Sie stehen auf Trümmerbergen – und von oben schwebt wie ein Heilsengel das Flugzeug der Alliierten ein, die nicht mehr Besatzer, sondern Freunde sind. Das Bild funktionierte, die Botschaft kam an. Anders als bei dem Foto vom gefangenen Schleyer, das die RAF triumphal verbreitete. Dieses sollte den mächtigen Arbeitgeberpräsidenten dem Hohn der werktätigen Massen preisgeben. Stattdessen weckte es Mitleid. Und das Bild des verängstigten Jungen aus dem Warschauer Getto von 1943 stammt eigentlich aus einem Bericht der SS, die ihr effizientes Vorgehen dokumentieren wollte. Stattdessen illustrierte es in Schulbüchern seit den Sechzigern die Unschuld der Verfolgten – und die Gnadenlosigkeit ihrer Peiniger. Nicht jede Ikone wird als Ikone geplant, nicht immer ist die Wirkung eines Bildes berechenbar. Von einem „Pictural Turn“ spricht Kurator Reiche für die sechziger Jahre, einem „Bilderumschwung“.«[106]

   

Die Welt besteht aus Bildern, die in unseren Köpfen zu Realitätsdeutungen werden, eingebunden in kulturelle Selbstverständnisse und gesellschaftliche Diskurse und Erfahrungen:

»Erstens: Mehr als sieben Milliarden Menschen beleben den Planeten. Zweitens: Jeder von ihnen ist ein Hort von Geschichten. Drittens: Sehen wir Menschen aus Fotografien, ersinnt ihnen unser kopfinnerer Erzähler Geschichten. So ergeht es einem auch beim Betrachten der Ausstellung(sfortsetzung) „More than Seven Billion Stories“«[107]

Familienbilder

Kennzeichen unserer heutigen Politischen Kultur ist ihre Indifferenz und Uneinheitlichkeit. Sie wird weniger durch nennbare verbindliche Inhalte – wie früher durch geschlossene religiöse Systeme und Mythen – bestimmt, als durch die Auswahl der wahrgenommenen Entitäten, ihre Blickverengungen und Wertbeladenheiten, die nur in den seltensten Fällen bewusst wahrgenommen werden und damit doch wieder Grundstrukturen der Politischen Kultur folgen – sie sind damit sozio-kulturelle und nicht individuelle Phänomene, auch wenn die „Individualisierungszumutung“ allgegenwärtig ist.[108] Dabei verschränken sich die verschiedenen Ebenen der Kulturwahrnehmung, so dass die bewusste „kulturelle“ Deutung der Realität – und der gesellschaftlichen Prozesse – in ambivalente Kontexte zu kulturellen „Massen­phänomenen“ treten:

»… Alexander Kluge habe das über Opern gesagt – „ich glaube, Schlager können das auch sein“. Und dann schwärmt der gebürtige Ostberliner vom „Schlager aller Schlager“, Roy Blacks „Ganz in Weiß“: „Das ist der Schlager auf seine Essenz gebracht.“ Den ersten „Kollateralschlager“ entdeckte er bei der Recherche für einen Videoschnipselabend – die Jacob Sisters 1973 in Teheran: „In kurzen Röcken vor der Schah-Familie – vor dem Machthaber, der mit CIA-Hilfe ein gewähltes Regime wegputschte und eine alle Traditionen leugnende Modernisierung betrieb: Autobahnen, Alkohol, kurze Röcke.“

Dieser Zusammenprall der Kulturen, der knapp 30 Jahre später in New York die Türme explodieren ließ: am Schlager sei er abzulesen gewesen. Weshalb ein Buch von Kuttner den Titel „Die Geburt des radikalen Islamismus aus dem Hüftspeck des deutschen Schlagers“ trägt. So liest er Schlager und Historie parallel: „Die Große Koalition steht an in den 60ern, die SPD will in die Regierung – und Wencke Myhre singt warnend an die CDU: „Beiß nicht gleich in jeden Apfel, er könnte giftig sein.?“ Und unsere Finanzwelt heute? Hat das Hazy-Osterwald-Sextett Anfang der 60er vorweggeahnt: „Gehʼn Sie mit der Konjunktur: Holen Sie sich Ihre Kohlen/ wie der Krupp von Bohlen/ aus dem großen Weltgeschäft!“ Auch philosophisch habe der Schlager viel zu bieten: Juliane Werdings „Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst“ könne man auch „als postmoderne Antwort auf Descartesʼ „Ich denke, also bin ich“ lesen. Das, schmunzelt er, sei „diese alte Heiner-Müller-These: Der Text ist klüger als der Autor.“« [109]

Welche Anforderungen an diese „Politische Kultur“ stellt nun der Einzelne, wenn ihm keine umfassenden Mythen zur Realitätsbewältigung mehr zur Verfügung stehen? Er sucht ein Lebenskonzept, das den einzelnen – vor allem auch emotionalen und wertbezogenen – Erfahrungen einer Zusammenhalt und eine verlässliche Struktur gibt: Er sucht einen „Code“ für sein Leben.

You who are on the road

Must have a code that you can live by

And so become yourself

Because the past is just a good bye.[110]

Es ist zu überlegen, in welchem Lebensbereich sich diese kulturellen Ambivalenzen und Widersprüche am deutlichsten herausarbeiten lassen, wo die emotionale Aufladung und der ethisch-normative Subtext einen gesellschaftlichen Diskurs prägen. Eines dieser Beispiele dürfte die Familie sein, bei der traditionelle Familienbilder heutigen gesellschaftlichen Normen und Zielen gegenüberstehen.

Eine zentrale Funktion in allen Mythen nehmen Begriffe aus dem familialen Bereich ein: Mutter/Vater, Tochter/Sohn und Bruder/Schwester. In größerer Distanz folgen Ohm oder Schwager, und in weiterem weltlichen Kontext Gevatter und Genosse.

Relativ einfach einzuordnen ist der Begriff der Mutter. Im Gegensatz zum Vater ist die Mutter in archaischen Gesellschaften eindeutig zu erkennen und zu bestimmen. Nahe liegend ist deshalb, dass die Zugehörigkeit zum Jude Sein mutterrechtlich abgeleitet wird. Die Verwendung des Vater-Begriffes ist geistig, symbolisch und damit im Kern mythisch abgeleitet und als solches zu verstehen, im moderneren Sinne dann rechtlich.

Dieses resultiert vermutlich aus Zeiten, in der der biologische Akt der Zeugung wohl als Sexualakt und auch bezüglich der Folgen bekannt war, aber weniger der Bestimmung und Ableitung, gar des Nachweises der Vaterschaft diente.

Familie als soziale Institution vs. biologistische Familienmythen[111]

Offen an die Oberfläche der Diskussion trat das in der Auseinandersetzung um die „Babyklappe“ und die „anonymen Geburten“. Ironisch pointiert dies Astrid Hölscher in einem Kommentar „Babys Welten“:

»In der besten aller Welten braucht kein Mensch Babyklappen. Da sind Familien heil, freuen sich Eltern (beide) wie wild auf den Nachwuchs, den sie nach der Geburt treulich und zärtlich umhegen. Auf dass ihm kein Leid geschehe und er fröhlich lebe bis ins hohe Alter, bevor er von dannen scheide im Kreise seiner vier Generationen von Lieben. In der besten aller Welten hat der Ethikrat Recht. In der realen Welt aber kriegen Teenager Babys, verstecken Schwangere ihren Bauch vor Familie und Freunden, gebären sie ihr Kind auf dem Bahnhofsklo. In dieser Welt der Verzweiflung tötet eine Mutter ihr Neugeborenes, heißt die Alternative zur Babyklappe nicht betreute, vertrauliche Adoption, sondern Mülltonne. Da braucht keine einen Ethikrat aus einer heilen Parallelwelt.«[112]

Aktuelle Anstöße zu gesellschaftlichen Problemen und Kontroversen können auch Anstoß zu grundsätzlicheren Überle­gungen zu den ethischen und rechtlichen Normen unserer Gesellschaft sein. Einen solchen Anstoß provoziert am 26. November 2009 der Deutsche Ethikrat mit seiner Stellungnahme „Das Problem der anonymen Kindesabgabe“[113].

Die öffentliche Resonanz war groß. Die meist kritischen Kommentare betonten, dass die Stellungnahme „Seltsam rigo­ros“ sei.[114] Michael B. Berger charakterisiert den Ansatz des Ethikrates folgendermaßen:

»Die umfangreiche Stellungnahme enthält manchen guten Detailvorschlag. Aber sie bezweifelt grundsätzlich, dass Frauen, die ihr Kind in einer Babyklappe abgeben, sich in einer dramatischen Konfliktlage befinden – denn schließlich sei die Geburt überstanden und gebe es ja noch die Möglichkeit der Adoption. So eine Argumentation befremdet. Sie ist seltsam rigoros.«[115]

Dem stellt der Kommentator die Position von Margot Käßmann, Landesbischöfin von Hannover und Ratsvorsitzende der EKD gegenüber: „Als Ultima Ratio, als wirklich aller letzte Möglichkeit, sehen Kirchenvertreter wie Margot Käßmann die Babyklappe. Jedes gerettete Kind rechtfertige die Existenz der Babyklappe, für die es keine klare gesetzliche Grundlage gibt – bis auf den ethischen Notstand.“ Die ethische Seite, Leben zu retten, ist sinnvoller Weise das Zentrum verschiedener Kommentare.[116].

Mit dieser kurzen Zusammenstellung einiger Kommentare, denen weitgehend zuzustimmen ist, wird einmal ein Grund­widerspruch unserer öffentlichen Diskurse deutlich, nämlich die antagonistische Fundamentierung durch Ableitung von Wertungen und Handlungsleitungen aus dogmatisch-rechtlichen Legitimationshierarchien, und demgegenüber dem Be­zug auf den „pragmatischen Nutzen“ für „offensichtliche Wertorientierungen“, deren Legitimation im Rahmen der Dis­kursebenen der gegenwärtigen Politischen Kultur nicht anzweifelbar ist. Zu diesen „Selbstverständlichkeiten“ gehört die These von der Universalität der Menschenrechte und des Schutzes des menschlichen Lebens, den wir auch gar nicht anzweifeln können. Philosophisch ist dieser Antagonismus der modernen Selbstverständnisse nur rechtshistorisch zu begreifen, wie es Pierre Legendre dargelegt hat.[117] Es wird sich im Weiteren zeigen, dass gerade dieser Ansatz von Legendre für das in Frage stehende Thema besonders aufschlussreich sein kann.

Erstaunlich ist, dass das zentrale Argument des Ethikrates gegen die Babyklappen, das Recht des Kindes auf Kenntnis seiner Herkunft ist. Damit ist die Positionierung des ethisch-normativen Ausgangspunktes des Ethikrates im Sinne des eben skizzierten Antagonismus deutlich. Dies müsste aber grundsätzlich in Frage gestellt werden, da Herkunft im Sinne der entwickelten Identität des Menschen keine biologische Dimension ist, sondern im Sinne der sozialen Institution der Familie eine soziale Dimension.

Gewiss haben Kinder das Recht, ihre Herkunft zu erfahren. Das Recht und ein starkes Bedürfnis; ganze Soap-Serien im Privatfernsehen künden von der Suche Halbwüchsiger nach ihren Eltern.«[118] Es ist festzuhalten, dass dieses „Bedürfnis“, seine biologische Herkunft kennen zu müssen, selbst gesellschaftlich induziert ist und einem biologis­tischen Weltverständnis entspringt. Es gibt keine natürliches Wissen um biologische Eltern-Kind-Beziehungen[119] Insofern ist die Frage nach der biologischen Herkunft ein gesellschaftlicher Mythos, der aber durchaus reale gesell­schaftliche Relevanz und Sprengkraft besitzt. Das naturwissenschaftliche Weltbild, das diesem Mythos zu Grunde liegt, ist selbst ein „Glaube an die Wissenschaft“. Manfred Schneider fasst in diesem Zusammenhang Thesen von Pierre Legendre zusammen.[120]

Insofern ist die rechtliche Festlegung, dass der Mensch ein Recht auf Kenntnis seiner biologischen Abstammung hätte, äußerst fragwürdig und folgt dem biologistischen Mythos. Dazu der Ethikrat: „Die Angebote anonymer Kindesabgabe sind allerdings ethisch und rechtlich sehr problematisch, insbesondere weil sie das Recht des Kindes auf Kenntnis seiner Herkunft und auf Beziehung zu seinen Eltern verletzen.“[121] Eine Abkehr von der biologistischen Perspektive wäre es, wenn auch im normativen Bereich sich die Festlegung durchsetzen würde, dass „Eltern“ die „sozialen Eltern“ sind, in deren Familie das Kind – hier wohl zunächst das Baby in den ersten entscheidenden Jahren – aufwächst, wobei die Vorstellung, dass ein Mensch im Laufe seines Lebens mehrere Eltern haben kann gar nicht so utopisch ist.

Diese Argumentation wird problematischer und differenzierter, wenn es nicht mehr um die „Anonymität“ der Herkunft geht, sondern wenn soziale und individuelle Erfahrungen dem Kind deutlich machen, nicht von den „sozialen Eltern“ abzustammen. Das kann durch „Gerüchte“ und „Verspottungen“[122] in der unmittelbaren sozialen Umgebung geschehen, durch das plötzliche Auftauchen eines „leiblichen Vaters“ wie durch das eigene körperliche Aussehen, das eine biologische Abstammung von den Eltern zweifelhaft erscheinen lässt und „Fremdheitserfahrungen“ induziert.[123] Hier wird die Frage des Kindes nach der „biologischen Abstammung“ verständlich und wohl auch sinnvoll und es bedarf eines sensiblen Umgangs mit diesen Fragen, die nicht mehr einfach negiert werden können. Das sind aber andere Beispiele als die Fälle, die in der Diskussion um die „anonymen Geburten“ im Mittelpunkt stehen, erst recht in den Fällen, in denen Kinder in einer existierenden Familie „außerehelich gezeugt“ worden sind. Hier gilt sicher unsere Auffassung, dass es kein unabdingbares Recht auf Wissen über die eigene biologische Herkunft gibt, sondern die „soziale Familie“ entscheidend ist.

Davon abgesehen ist auch das pragmatische Argument wichtig, dass eine sehr große Zahl von Menschen ohne es zu wissen und ohne davon Schaden zu tragen keine gesicherte Kenntnis ihrer biologischen Herkunft haben – voreheliche, außerehelich Zeugung, verschwiegene Adoption etc. – Das Argument der Wichtigkeit der genetischen Herkunft ist ein biologistischer Mythos, der im Laufe der Neuzeit an die Stelle des „göttlichen Willens“ der Geburt getreten ist. Es ist also durchaus nicht sinnwidrig, wenn die evangelische Hannoversche Landeskirche positiv zur Babyklappe steht und selbst eine betreibt; die relativiert damit den biologistischen Mythos von der „Herkunft des Menschen“.[124]

Sexualität, Geschlecht und Machtprozesse

Sexualakte dienten den Männern der Triebbefriedigung, zur Machtabgrenzung und Einflusssicherung. Sie haben Wurzeln, die früheren Instinkten zu Grunde liegen. So hat es denn auch lange Phasen von Zivilisierungsprozessen bedurft, bis das Gewalt anwenden gegenüber Frauen geahndet wurde, wenngleich auch in Kriegen der jüngsten Zeit derartige Gewalttaten bekannt geworden sind. In der Regel geschah es zur Demütigung von Menschen zur psychischen Herabstufung von Menschengruppen. Da waren der Jugoslawien-Krieg und die Kriege in Afrika. Zuletzt sind die Beispiele aus Libyen und Syrien zu benennen.

Das Vater-Bild, das des Patriarchen, ist geistig zu verstehen, im heutigen Sinne als Vor- und Leitbild. Auch das des Innehabenden von Macht und Weisungs-, Verfügungs- wie Befehlsgewalt, Richtlinien- und Entscheidungskompetenz  sowie richterliche Befugnis. Insofern hat die Vater/Sohn-Beziehung im Wesentlichen eine nichtbiologische Bedeutung und Funktion.

Die Begriffe Bruder und Schwester gehen dagegen über die biologische Verwandtschaft als Kinder der gleichen Mutter hinaus. Ihre Bedeutung liegt in einer nahen Gefühlsbeziehung sowie in einer symbolbezogenen, also auf Symbole bezogenen Beziehung. Und Religionen sind Symbolsysteme!

Beispiele finden wir mehrfach, aber immer in Beziehungen von Machtgleichen, bzw. auf Menschen, die sich auf gleicher Hierarchie-Ebene befinden. Beispiele sind Mönche (Klosterbrüder) und Nonnen (Schwestern), Christen unter­einander, insbesondere jene, die in der Tradition der frühen Christenheit stehen. Im weiteren Sinne bei Blutsbrüdern als Kampfgenossen.

Der/die in der Hierarchie Höhere wird mit Vater/Mutter im religiösen Sinne angeredet. In der katholischen Tradition bis hin zum Oberhaupt, das als Heiliger Vater apostrophiert wird. Im laizistischen Sinne gibt es dann die Anrede Herr, deren Charakter als hierarchische Einordnung zur Höflichkeitsformel verblasst ist.

Bleiben wir beim Vaterbild. Die Mutter des Jesus, Maria, ist körperlich bestimmbar. Sein biologischer Erzeuger (wenn er es denn auch tatsächlich war), also Joseph, ist ebenso als Vater benannt. Er wird aber in der Christlichen Mythologie in den Hintergrund, wenn nicht gar an den Rand gedrängt.

In der Christlichen Lehre und ihren Glaubensvorstellungen erscheint und dominiert die geistige Vater/Sohn-Beziehung. Jesus als Sohn von Gottvater. Es wäre zu prüfen, wann, in welchem Kontext und in welcher Bibel-Übersetzung die Vokabel Gottvater verwendet wird.

Gott, der Stammesgott der Juden, der Israeliten und Hebräer, der in einem ca. Tausend Jahre langen Prozess als zum alleinigen Gott wurde, sich die Glaubensvorstellung als einzigen geglaubten Gott herauskristallisierte, wurde in der Zusammen­führung des geistigen Vaters und im Mythos als geglaubten biologischen Erzeugers zu einer Entität. Dieses gilt als ein zentraler Glaubensgrundsatz des Christentums.

Ähnlich verhält es sich vermutlich mit der Glaubensüberzeugung betreffs der Auferstehung. Aus der geistig-mythischen wird in Verknüpfung mit der biologisch-körperlichen – vermutlich in der Zeitspanne des ersten und zweiten nach­christlichen Jahrhunderts entstanden, also bis zur Abfassung der vier Bücher, die die Evangelien darstellen – eine als Entität, als eine geglaubte Realität der Auferstehung.

Mit ihr scheint ein Endpunkt des Entwicklungsprozesses von Mythen und Glaubensvorstellungen nach Jahrtausenden erreicht worden zu sein.

Körperlicher Auferstehungsglaube und körperliche Himmelfahrt sind in vielen Kulturkreisen nachzuweisen und gehen auf die Materialisation archaischer Glaubensvorstellungen zurück. Sie sind in asiatischen Religionen unter dem Aspekt der Reinkarnation[125], also der Wiedergeburt bzw. Wiederfleischwerdung bekannt.

»Der Begriff Reinkarnation [’re’nkarna’tsi’o’n] (lateinisch ‚Wiederfleischwerdung‘ oder ‚Wiederverkörperung‘), auch Palingenese (altgriechisch, aus πάλιν, pálin ‚wiederum‘, ‚abermals‘ und γένεσις, génesis ‚Erzeugung‘, ‚Geburt‘) bezeichnet Vorstellungen der Art, dass eine (zumeist nur menschliche) Seele oder fortbestehende mentale Prozesse (so oft im Buddhismus verstanden) sich nach dem Tod – der „Exkarnation“ – erneut in anderen empfindenden Wesen manifestieren. Vergleichbare Konzepte werden etwa auch als Metempsychose, Trans­migration, Seelenwanderung oder Wiedergeburt bezeichnet. „Außerkörperliche Erfahrungen“ werden oft in Zusammenhang mit dem Begriff Reinkarnation gebracht. In einigen, aber keineswegs in allen Reinkarnations­lehren ist auch die Karmalehre integriert«. [Wikipedia. Reinkarnation.]

  • Der Kerngedanke ist also: Die Sohn/Vater Beziehung sowie die entsprechenden auf familiale Zusammenhänge und das sie benennende Vokabular sind Gefühlsbeziehungen, geistige Beziehungen und daraus resultierende Sinngebungen. Sie sind Kernbestand lange existierender und immer wieder neu empfundener, gedachter und auch bewusst weiter entwickelter Mythen.

Die Kreuzigung Jesu

Der Opfermythos, seine Funktionalisierung und Instrumentalisierung.

Die Kreuzigung Jesu stellt ein Symbol und Beispiel dar für alle Menschen, die jemals gedemütigt, gequält oder zu Tode gebracht wurden. Zumeist gelten und galten sie dabei als unschuldig!

Alle kennzeichnet gemeinsam, dass sie oftmals den Mut hatten, den Mächtigen unbequeme Fragen zu stellen, ihnen deutliche Wahrheiten zu sagen, diese Untaten nicht zu verschweigen, sich zu weigern, angeordnetes Unrecht zu tun oder entsprechende Befehle auszuführen. Sie folgten ihrem Gewissen, waren klüger als ihre Neider und wurden Opfer von deren Missgunst.

Es handelt sich also um eine Palette, gar um Abgründe menschlicher Tiefen, die zu begangenem Unrecht an Menschen wurden und die dadurch zu Opfern wurden.

Der Opfermythos selbst ist von Beginn des Menschseins bekannt, wurde mündlich transponiert, dann schriftlich festgehalten. Dies geschah zu Beginn der Abfassung der Thora, des AT. In einer analytischen Betrachtung stehen sich hier unterschiedliche Bedeutungsdimensionen gegenüber. Auf der einen Seite beruft sich die moderne Biologie und Anthropologie auf eine arteigene Tötungshemmung, die allen Menschen immanent sein soll und Parallelen in der Tierwelt aufweist.[126] Dass dies nicht uneingeschränkt gilt, zeigen die tödlichen Kämpfe um Ranghierarchien in der eigenen Gruppe und die Abwehr von um die Lebensgrundlage konkurrierenden Fremdgruppen sowohl bei Tieren als auch beim Menschen. Grundlage in der menschlichen Gesellschaft ist nach Norbert Elias [127] die „Überlebensgruppe“. Nach Auffassung der Anthropologie setzt diese die Fähigkeit der Kognition voraus.[128] Zentraler Satz bei Markowitsch / Welzer, 2005 ist: „Gerade darum sind menschliche Überlebensgemeinschaften prinzipiell kommunikative Gemein­schaften, denn Kooperation setzt natürlich Kommunikation voraus. [Hervorhebung G.V.]

Mit dem kommunikativen Element verbindet sich dann die „Sinn-Suche“ für den Erhalt der „Überlebensgemeinschaft“, die in ethischen Normen und religiös-mythischen Bezügen gefunden werden. Diese ethisch-religiöse Normierung ist in hohem Grade ambivalent, weil die – ohnehin mehrdeutige – biologische „Tötungshemmung“ mit der Forderung nach dem Bestand der „Überlebensgemeinschaft“ in Konkurrenz steht. Aus diesem Dilemma versucht die urzeitliche Gesellschaft (Gruppe, Clan) zu entkommen durch eine bedingungslose Unterordnung unter die „Gottheit“, mit der ein „do ut des“-Vertrag[129] geschlossen wird. Bezeichnend ist die Einschätzung: „Es wurde den Göttern geopfert und gehuldigt, weil man eine Gegengabe bzw. einen Gegendienst erwartete. Dies ist eine archaische Denkstruktur, die wahrscheinlich jedem Opferritual zugrunde liegt“ [nach Wikipedia]. Die höchste Form der Opfergabe ist dann die Hingabe des eigenen Lebens oder das eines anderen Menschen. Daher sind Menschenopfer in fast allen urzeitlichen Gesellschaften nachgewiesen.[130]

Hervorzuheben ist, dass sich Menschenopfer immer auch als Herrschaftsinstrument erwiesen haben, indem die „absolute Herrschaft“ Gottes oder der Götter übergingen auf Priester, Priesterkönige oder dynastische Herrscher – z.B. die Pharaonen in Ägypten oder die dem Gott „Işuşinak“ („Gott von Susa“) untergeordneten Priesterkönige des Reiches Elam. Mit der Entwicklung der monotheistischen Religion des Judentums wurden diese Menschenopfer vor der abstrak­te­ren ethischen Codierung der „göttlichen Gebote“ (im Kern der „Zehn Gebote“ Mose) obsolet und dysfunktional und wurden, da das Bedürfnis nach Opfern im Sinne der „do ut des“-Vorstellungen weiterhin vorhanden war, auf Tieropfer übertragen. In der letzten mythischen Form fand das ihren Ausdruck im „Sündenbock“, der einmal jährlich „mit den Sünden des Volkes“ beladen und in die Wüste geschickt wurde.

In der Mythologie des Alten Testaments findet sich die Schlüsselrolle in der Figur des Abraham,[131] der Stammvater der Juden und „Bezugsvater“ von Christen und Muslimen. Er begab sich in Befolgung göttlichen Gebots zur Opferung eines Kindes – seines Sohnes. Doch greift ihm Gott durch seinen Engel in die erhobene Hand und gebietet das Auswechseln des Kindes durch ein Opfertier. Dies geht in seiner Bedeutung über die personalisierte Erzählung hinaus und wird damit zum Verbot des Menschenopfers in der jüdischen Religion. Der sinnstiftende und zugleich in die Zukunft weisende Gott unterbindet die Tötung. Er schafft dafür die Grundlage für die Sicherstellung des inneren Friedens der Gentes, der Stämme, des Volkes.

Damit überwindet in diesem Akt das Tötungsverbot die archaische Opferpflicht. Doch bleibt Art und Umfang der ethisch gebotenen Tötungshemmung in der weiteren Geschichte umstritten und – wie Kritiker sagen – unbefolgt. Sie ist aber zugleich ein Symbol für vernünftiges menschliches Handeln, auch geleitet und legitimiert durch religiöse Gedankenführung. Bezogen auf die Gegenwart und die Friedenspolitik setzt sich Peter Reinhart Gleichmann in seinem Aufsatz Sind Menschen in der Lage, das gegenseitige Töten abzuschaffen?“[132] mit Hemmnissen und Chancen der Durchsetzung einer universalisierten Tötungshemmung auseinander.

Wie fügt sich das Christentum in den geschilderten Prozess ein? Für die in den ersten Jahrhunderten sich stetig vergrößernde Anhängerschar, die sich auf den gekreuzigten Jesus beruft und in ihrem Handeln bezieht, und sich nach ihm, dem Gesalbten (Christos) als Christen bezeichnet, ist der genannte Vorgang ein zentrales Identifikationsmuster: das unschuldige Opfer, das den Tod erleiden musste.

Dieser Kontext wird zum Mythos durch die Verknüpfung mit dem Opfergedanken für die Menschheit: Christus, das Lamm Gottes. Im weltlichen Sinne drängt sich zum Vergleich die Parallele auf zum Helden, der dieses geworden ist durch sein Sterben (manchmal) für die gute Sache, für den König, das Volk etc., der gestorben bzw. gefallen ist, sei es durch den Kampf oder eine Unrechts- bzw. Gewalttat.

In den frühen nachchristlichen Jahrhunderten zu zentralen Glaubensinhalten geworden, erfolgt somit eine Instrumentali­sierung, eines zurückliegenden Tötungsaktes. sowie weiterer Glaubensereignisse, die später zum Anlass für Feiertage wurden: Karfreitag, Ostern, Himmelfahrt, Pfingsten – als Sinnstiftung für eine Menschengruppe, die sich über eine gemeinsame Glaubensüberzeugung definiert und nicht (mehr) über Herkunft und Abstammung.

Das historisch belegte Ereignis wird durch Verknüpfung übergeleitet in die Bildung neuer Mythen in Anknüpfung an bisher bestehende. Eine tragische und für die europäische Geschichte unheilvolle Instrumentalisierung erfolgt durch Diskreditierung und Verfolgung der Bevölkerungsteile der ursprünglichen Bezugsgruppe (Juden), durch das neu etablierte (katholische) Christentum. Man mag es auch sehen in Bezug auf die zur Amtskirche – gar Staatskirche – gewordene Organisation mit ihren neuen Zentren, insbesondere Rom.

Es geschah in Verbindung mit politischer Macht und ihren sozialen Auseinandersetzungen sowie in Verdrängungs­mechanismen. Neid und Missgunst sind dabei die Antriebe des Verhaltens von Europäern, die mit Begriffen wie: Pogrome, Judenverfolgung und zuletzt dem Holocaust in Scham zu beschreiben sind.

Es handelt sich dabei nicht um religiöse Verblendung. Dieses stellt keine analytische Kategorie dar sondern ein Beschreibungsmerkmal mit deutlicher Aussagekraft.

Umso erfreulicher ist, dass das positive Element des Christentums, die Nächstenliebe und vergleichbar im Islam die Toleranz[133] zunehmend an Bedeutung gewonnen haben. Im modernen Ansatz sollte man auch das Denken und die Praxis der Ökumene anführen. Und nicht zu vergessen: Die genannten Prinzipien sind bereits im Judentum vorhanden und über die Thora präsent. Sie sind damit in den Schriftzeugnissen der Römischen wie der Byzantinischen Kirche, also im Alten Testament, zu finden.

Der aus dem (kirchlichen) Antijudaismus entstandene Antisemitismus der Europäer sowie der Antizionismus und die Israelfeindlichkeit seien ausgeblendet.

Nachsatz: Ein dem Nobelpreisträger Werner Heisenberg zugeschriebenes Zitat: „Wer aus dem Glase der Naturwissenschaften trinkt, der wird Atheist. Wer dann zum Boden des Glases kommt, der gelangt zu Gott. 

Anmerkungen

[1]        Kruse, Wolfgang, 2000: Mythen und Mentalitäten. Im Rückblick viel Neues: Der Erste Weltkrieg in erfahrungsgeschicht­licher Perspektive. Frankfurter Rundschau 2000 (online). Dokument erstellt am 18.12.2000 um 21:09:52 Uhr Erschei­nungs­datum 12.12.2000

[2]        Interkulturelles Lernen. Eine Antwort der Didaktik der Gesellschaftswissenschaften auf den Realitätsverlust der politischen Kultur Mitteleuropas. Herausgegeben von Gerhard Voigt. UNESCO-Club für die UNESCO-Schule am Maschsee, Bismarckschule Hannover, e.V. 1993 – Neuauflage 2002.

[3]        Schmidt-Sinns, Dieter, Red., 1989: Völker und Nationen im Spiegel der Medien, Bonn. – Schmücker, Reinhold / Hering, Rainer, 1994: Über Patriotismus, Nationalpatriotismus und die Suche nach Identität als Ausweg aus Unübersichtlichkeiten. Rechtsphilosophische Hefte, Juni 1994. – Wiegenstein, Roland H.: Konstruktionen der Erinnerung. „Mythen der Nationen“ beschäftigen eine Ausstellung im Deutschen Historischen Museum. Frankfurter Rundschau, Nr. 70, Dienstag, 24. März 1998, S. 8. Feuilleton.

[4]         Wiegenstein, a.a.O.

[5]         Ibid.

[6]         = „Einheitsübersetzung“ der evangelischen und katholischen Kirche

[7]        Theodor Nöldeke, Kardu und Kurden. Beiträge zur Alten Geschichte und Geographie (Festschrift für H. Kiepert, D. Reimer Berlin 1898), 77

[8]        G. R. Driver, The dispersion of the Kurds in Ancient Times. Journal of the Royal Asiatic Society of Great Britain and Ireland 4, 1921, 563

[10]      Vgl. dazu z.B. die Web-Site „Noahs Berg: Wo die Arche wirklich landete“ von Timo Roller.
http://www.morija.de/noahs-berg/html/index.html

[11]      Leserbrief Frankfurter Rundschau (Gerhard Voigt  / Verband der Politiklehrer). Noah Ararat 20.10.89. Ein großer Lacherfolg: Über die Suche nach der Arche Noah [Veröffentlicht in politik unterricht aktuell, Heft 1/2003: 35-46

[12]       Friedrich Nietzsche: Werke und Briefe: Erste Abhandlung: »Gut und Böse«, »Gut und Schlecht«. Zur Genealogie der Moral. Friedrich Nietzsche: Werke, S. 7285 (vgl. Nietzsche-W Bd. 2, S. 798.  C. Hanser Verlag) - http://www.digitale-bibliothek.de/band31.htm

[13]       Gottried Benn. Sämtliche Gedichte, Stuttgart,1998, S. 320

[14]      Ministère de la Culture et de la Communication: Lascaux. http://www.lascaux.culture.fr/index.php?fichier=00.xml#

[15]      »Der Haddsch (arabisch ‏حج‎, DMG Ḥaǧǧ) ist die islamische Pilgerfahrt nach Mekka. Er ist die fünfte Säule von den fünf Säulen des Islam und findet jährlich während des Monats Dhu l-hiddscha statt. Die große Pilgerfahrt, der Haddsch, kann nur während bestimmter Tage im Jahr (8.–12. Dhu l-Hiddscha) durchgeführt werden; die kleine Pilgerfahrt, ‘Umra genannt, kann zu jeder beliebigen Zeit erfolgen.« [Wikipedia. Hadsch.]

[16]      Es gibt keinen logischen Grund der Zuordnung zu zehn Abschnitten. Es hätten genauso dreizehn oder vierzehn sein können. Vermutlich wurde die Anzahl zehn benutzt, die als mythische Zahl von den Phöniziern übernommen worden war.

[17]      Eli Erich Lasch: Der Auszug aus Ägypten (Paraschat Bo). Exodus, Kapitel 10-13. („Let there be Freedom – The Bible Unveiled“. Logos Publication, 1989), http://www.hagalil.com/judentum/torah/torah-heute/mizraim.htm

[18]      » Johann Jakob Bachofen sieht Dionysos als einen Gott aus der Zeit des Hetairismus vor der Einführung von Herrschafts­struk­turen und Ehe an und schreibt ihn den vorgriechischen mutterrechtlichen Pelasgern zu. Nach dem Triumph des Vater­rechts lebte die pelasgische Religion in den Mysterienkulten weiter.« [Wikipedia. Dionysos.]  Als Pelasger (griechisch Pelasgoi Πελασγοί) wurde in der Antike eine der ältesten Bevölkerungen Griechenlands bezeichnet. Unabhängig davon, ob es tatsächlich je ein Volk oder Völker dieses Namens gab, benutzt die moderne Forschung Pelasger als Bezeichnung für prähistorische nicht-griechischsprachige Gruppen auf der südlichen Balkanhalbinsel.

[19]      Manfred Schneider: „Es genügt nicht, Menschenfleisch herzustellen“. Ein Porträt des Rechtshistorikers und Psycho­analy­ti­kers Pierre Legendre. Frankfurter Rundschau, Nr. 229, Freitag, 2. Oktober 1998, S. ZB 3. Feuilleton.]

[20]      ibid.

[21]      Elias, Norbert, 1990 (1976): Über den Prozeß der Zivilisation. Soziogenetische und psychogenetische Untersuchungen. [15. Aufl.; Erstausgabe 1936; Neuausgabe 1969; 1. Aufl. der Taschenbuchausgabe 1976]. Frankfurt am Main.

[22]      Peristany, J. G., 1965: Honour and Shame. The Values of Mediterranian Society, London.

[23]      Davis, J. H. (1973). Group decision and social interaction: A theory of social decision schemes. Psychological Review, 80, 97-125.

[24]      Kürşat, Prof. Dr. Elçin, 2002: Zur Verpflichtung der Ehre. Druckausgabe: politik unterricht aktuell 1/2002 [ISSN 0945-1544] Hannover, 2002 [ISBN 3-9807714-3-1] „Tod, Haß und Ehre - Zur gesellschaftlichen Funktion mörderischer Selbstkonzepte“. Internetausgabe: http://www.tuerkei-didaktik.de/Publikationen/Zur_Verpflichtung_der_Ehre.htm

[25]       Vgl. die augenblicklichen Auseinandersetzungen (2012) zwischen den „Ultraorthodoxen“ in Israel und einer säkularisierten Gesellschaft, die sich vor allem auf die Rolle der Frau in der Öffentlichkeit bezieht. In dem Artikel vom 14. Januar 2012, Ultraorthodoxe in Israel: Eine Frau kämpft gegen religiöse Fundamentalisten (über Judith Rotem) von Manuela Pfohl wird dargestellt: »Zeichen des Respekts und ein Schutz vor Belästigungen sei das, behaupten die Ultraorthodoxen. Judith Rotem widerspricht. „Es ist lediglich der Versuch der Männer, ihre Macht über die Frauen zu sichern.“ Dass sich die religiösen Eiferer so vehement der Moderne widersetzen, sei der Angst geschuldet, etwas von der für sie sehr bequemen Rollen­ver­tei­lung zu verlieren, wenn Frauen sich ihrer Stärke bewusst würden. „Vielleicht ist es ja eine Art vorbeugende Kriegslist, die Frauen an der kurzen Leine zu halten“, meint die 19-fache Großmutter augenzwinkernd.« http://www.stern.de/panorama/ultraorthodoxe-in-israel-eine-frau-kaempft-gegen-religioese-fundamentalisten-1771685.html

[26]       Voigt, Gerhard: Zur Begriffsbestimmung von ‚Staat‘ und ‚Staatsgesellschaft. Anmerkungen zur begrifflichen Differenzie­rung. in: Voigt, Gerhard, Herausgeber: »Staatsgesellschaft« : Historisch-sozialwissenschaftliche Beiträge zur Diskussion von Entwicklungen, Problemen und Perspektiven. Hannover (Schriftenreihe des UNESCO-Clubs für die UNESCO-Schule am Maschsee, Bismarckschule Hannover, e.V., Materialien zur Didaktik der Interkulturellen Bildung Heft 1). 2. verbesserte Auflage. – Internetausgabe: http://www.voigt-bismarckschule.de/Staatsgesellschaft/begriff.htm

[27]      Gut bekannt sind aus der europäischen „christlichen Geschichte“ viele unrühmliche Beispiele für die Nichtanerkennung der Wahrhaftigkeit beim Übertritt zum jeweils neuen Glauben verbunden mit Unterstellungen der Praxis früherer Glaubens­rituale, die wiederum zur Rechtfertigung und zum Anlass genommen wurden zur Verfolgung und Unterdrückung.

[28]      Historiker urteilen zur Lebensgeschichte Jesu, „es gäbe keinen vernünftigen Grund, an seiner Existenz und seinem gewalt­samen Tod zu zweifeln“, auch wenn die Sicherheit eines „historischen Beweises“ nicht gegeben ist. Die vorhandenen Quellen lassen aber einen Gegenbeweis nicht zu.

[29]      Theologen sprechen heute z.B. bei der Auslegung des Paulusbriefes an die Epheser von einer damals multikulturellen Gesellschaft und in dieser von den Judenchristen und den Heidenchristen, an die sich Paulus wendet.

[30]       Die Thora wird von den Christlichen Kirchen als Altes Testament bezeichnet.

[31]       Der Begriff Volksgenossen ist ein Nazi-Terminus und gehört damit in das „Wörterbuch des Unmenschen“.

[32]       Dies erschwert für viele Muslime den Schritt in moderne Rechtssysteme. Insbesondere einfache religiöse Menschen verstehen es nicht. Sie vermögen es nicht eine Jahrhunderte lange Entwicklung in der westlichen Welt nachzuvollziehen.

[33]       Ein Theologe soll einmal auf die Frage: „Gibt es einen Gott?“ seinen Schülern geantwortet haben: „Ja, ich weiß es. Aber ich sage es euch nicht!“

[34]       Die Ausbreitung des Islam ist ein vielschichtiger historischer Prozess. Eine große Rolle spielte dabei die Krise des Christen­tums, das vor allem im byzantinischen Reich unter einer „Versteinerung“ seiner Dogmatik und Herrschafts­hierarchie litt, in dem vor allem die Randgebiete in keiner Weise mehr in haltbare Loyalitätsbezüge mehr eingebunden waren und das „Angebot“ der neuen Religion, des Islam, mit Freude annahmen. Viele der „Feldzüge“ der Araber waren keineswegs kriegerische Auseinandersetzungen, sondern wurden getragen von einer Vielzahl von Konvertiten.

[35]       Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass sich deshalb eine umfangreiche Kunst in den islamischen Ländern entwickelt hat. Inwieweit die Ornamentik Wurzeln in indischen oder persischen Kulturen hat, kann hier nicht erörtert werden.

[36]      In der durch die Reformen Atatürks laizistischen Türkei ist das Kopftuch tragen für Frauen und der Fez für Männer ver­boten. Es handelt sich eine bis heute um strittige und sehr kontrovers diskutierte und praktizierte Regeln, die Funktiona­li­sierung und Instrumentalisierung unterliegen. Zur aktuellen „Kopftuchdiskussion“ unter türkischen Migran­tinnen vgl. Nettelmann, Lothar,  2003: Lösung: Toleranz ? –  Stichworte zum Thema »Das Kopftuch als Symbol«. politik unterricht aktuell, Heft 1/2003: 1-10 "Interkulturelle Konflikte"

[37]      Gerhard Voigt, Hg.: Tradition oder Umbruch. Erlebnisse im Nahen Osten. Bericht über die Orientreise 25.6.-4.8.1987.

[39]      Eine tiefgründige und kenntnisreiche, reich bebilderte und mit Bauplänen versehene Darstellung der „symbolischen Architektur“ in Esfahan bietet Henri Stierlin: Isfahan. Spiegel des Paradieses. Atlantis Verlag, Zürich und Freiburg i. Br., 1976 (Editions Sigma, Genf). Besonders aufschlussreich ist das Vorwort von Henry Corbin (Ecole pratique des Hautes Etudes, Sorbonne, Paris, und Honorarprofessor an der Universität Teheran): „Städte als Sinnbilder“.

[40]      Dieser neue Blick auf die Geschichte des Islam wird ausführlich erörtert bei: Thomas Bauer: „Die Kultur der Ambiguität. Eine andere Geschichte des Islams“. Verlag der Weltreligionen im Insel Verlag. Eine lesenswerte Rezension dazu findet sich unter: Claudia Ott: Kultur der Mehrdeutigkeiten. Neues Buch eröffnet einen anderen Blick auf den Islam, in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung, 02.01.2012 – online.

[41]      Mary E. Hooglund: Hoseyn als Vermittler – Hoseyn als Vorbild. Anpassung und Revolution im iranischen Dorf. Religion und Politik im Iran. mardom nameh – Jahrbuch zur Geschichte und Gesellschaft des Mittleren Ostens. Hrsg. v. Berliner Institut für vergleichende Sozialforschung, Kurt Greusing. Frankfurt am Main 1981 (Syndikat), S. 257-276].

[42]       Dawud Gholamasad: Irans neuer Umbruch. Von der Liebe zum Toten zur Liebe zum Leben. Hannover 2010 (Ecce-Verlag).

[43]      Kostjukovic, Elena, 1982: Der unbegrenzte Zeichenprozeß als Grundlage der Kultur. Zitiert nach: Kostjukovic, Elena, 1987: [Warum Gott nicht lacht...] Der unbegrenzte Zeichenprozeß als Grundlage der Kultur (1982). In: Kroeber, Burkhart (Hrsg.), Zeichen in Umberto Ecos Roman „Der Name der Rose“. München 1987 (Hanser).

[44]      » Die Schlacht bei Qadeš (auch: Kadesch) zwischen den Ägyptern und den Hethitern fand im fünften Regierungsjahr des Pharaos Ramses II., 1274 v. Chr. bei der Festung Qadeš am Fluss Orontes (im westlichen Syrien, nahe der heutigen syrisch-libanesischen Grenze) statt… Der Verlauf der Schlacht ist sowohl durch ägyptische als auch hethitische Quellen dokumen­tiert. Allerdings ist der Feldzug Ramses II., der zur Schlacht bei Qadeš führte, fast ausschließlich aus Sicht der beteiligten Ägypter bekannt. So wird der Ausgang der Schlacht in den ägyptischen Quellen als Sieg dargestellt: Der König, der von seinen Truppen verlassen worden war, konnte mit Hilfe des Gottes Amun den Sieg erringen. Drei Versionen über die Dar­stellung der Ereignisse befinden sich in den Tempeln von Karnak, Luxor, zwei im Ramesseum und weitere in seinen Tempeln von Abu Simbel, Abydos und Derr. Zudem sind Schilderungen auf Papyri erhalten, so dass es insgesamt 13 Versionen gibt.« [Wikipedia. Schlacht bei Qadeš.]

[45]      Über die Lage des Landes Gosen s. Ebers a.a.O. S. 448 f. [Georg Ebers: »Durch Gosen zum Sinaï« (Leipzig 1872).] Es scheint, daß der gelehrte Ägyptologe zu viel bewiesen hat. Seine Entzifferung mancher Städtenamen im Lande Gosen ist nicht überzeugend. In der ägyptischen Sprache soll der Name von Gosen Kesem oder Kosem gelautet haben, das. S. 505 [Vgl. den Artikel »Gosen« bei Riehm-Bäthgen 1449 f.{Riehm / Bäthgen, Handwörterbuch des biblischen Altertums. II, 2 vols., Bielefeld, 1893-94}] (Anm. Heinrich Graetz).

[46]      Heinrich Graetz: Geschichte der Juden. (GesJud Bd. 1 S. 9-10 = Geschichte der Juden von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart. Aus den Quellen neu bearbeitet von Dr. H. Graetz, Erster Band: Geschichte der Israeliten von ihren Uranfängen (um 1500) bis zum Tode des Königs Salomo (um 977 vorchristl. Zeit), Bearbeitet von Dr. M. Brann, Zweite verbesserte und ergänzte Auflage, Leipzig: Oskar Leiner, [1908]). [Erster Zeitraum: 1. Kapitel. Die Vorgeschichte. Geschichte der Juden, S. 237-239. http://www.digitale-bibliothek.de/band44.htm ]

[47]      Gerhard Voigt: Kultursprünge in den Wüsten des „Fruchtbaren Halbmondes“. Die Wüstenlandschaft provoziert eine Frage: Warum entstand unsere Kultur gerade hier und nicht in den fruchtbareren, klimatisch weniger extremen Breiten? Aus: Gerhard Voigt: Tradition oder Umbruch? Erlebnisse im Nahen Osten. Schriftenreihe des UNESCO-Clubs für die UNESCO-Schule am Maschsee, Bismarckschule Hannover, e.V., Hannover 1988, S. 89 f.

[48]      Wittfogel, K.A.: Die Theorie der orientalischen Gesellschaft. In: Zeitschrift für Sozialforschung, Hg. im Auftrag des Instituts für Sozialforschung von Max Horkheimer. Jahrgang VII/1938, S. 90-122 [Libraire Felix Alcan, Paris] {reprographischer Nachdruck: München 1970 [Kösel] und München 1990 [dtv]}.

[49]      „Lutherbibel“. »Schon 1977 beschloss der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland die Rücknahme radikaler Textveränderungen der letzten Revisionsstufe des Neuen Testaments (betroffen waren ca. 120 Textstellen). Die traditionellere Textgestalt wurde 1984 zum Gebrauch angenommen, war überaus erfolgreich und beendete die langjährige Krise um die Lutherrevision.« [Wikipedia. Lutherbibel.]

[50]      Ibn Chaldun (arabisch ‏ابن خلدونIbn Chaldūn, mit vollem Namen ‏ولي الدين عبد الرحمن ابن محمد بن محمد بن أبي بكر محمد بن الحسنWalī ad-Dīn ‘Abd ar-Raḥmān ibn Muḥammad ibn Muḥammad ibn Abī Bakr Muḥammad ibn al-Ḥasan; * 27. Mai 1332 in Tunis; † 17. März 1406 in Kairo) war ein islamischer Historiker und Politiker. Zu Beginn seines monu­men­talen Werkes al-Muqaddima nennt er sich kurz: Abd ar-Rahman ibn Muhammad ibn Chaldun al-Hadrami ‏عبد الرحمن بن محمد بن خلدون الحضرمي‎ / ‘Abd ar-Raḥmān b. Muḥammad b.Ḫaldūn al-Ḥaḍramī. Nach islamischem Kalender fallen die Geburts- und Sterbedaten auf den 1. Ramadān 732 bzw. 25. Ramadān 808. Ibn Chalduns Betrachtungsweise von gesellschaftlichen und sozialen Konflikten macht ihn zu einem der Vorläufer einer soziologischen Denkweise. (Wikipedia „Ibn Chaldun“.)

[51]      Ibid.

[52]      Mohammad R. Salama: Islam, Orientalism and Intellectual History. Modernity and the Politics of Excluusion since Ibn Khaldun. London 2011 (I.B. Tauris & Co. Ltd)

[53]       Ibid.

[54]      Ibn Khaldun: Die Muqaddima: Betrachtungen zur Weltgeschichte. Übertragen und mit einer Einführung von Alma Giese unter Mitwirkung von Wolfhart Heinrichs. Beck, München 2011.

[55]      Luther-Bibel 1984, 2.Samuel5: »3 Und es kamen alle Ältesten in Israel zum König nach Hebron. Und der König David schloss mit ihnen einen Bund in Hebron vor dem HERRN, und sie salbten David zum König über Israel.«
(http://www.bibleserver.com)

[56]      Luther-Bibel 1984, 1.Könige12:
»16 Als aber ganz Israel sah, dass der König sie nicht hören wollte, gab das Volk dem König Antwort und sprach: Was haben wir Teil an David oder Erbe am Sohn Isais? Auf zu deinen Hütten, Israel! So sorge nun du für dein Haus, David! - Da ging Israel heim,
17 sodass Rehabeam nur über die Israeliten regierte, die in den Städten Judas wohnten.
18 Und als der König Rehabeam den Fronvogt Adoniram hinsandte, warf ihn ganz Israel mit Steinen zu Tode. Aber der König Rehabeam stieg eilends auf einen Wagen und floh nach Jerusalem.
19 Also fiel Israel ab vom Hause David bis auf diesen Tag. Jerobeam wird König über die zehn Stämme. Seine Abgötterei...
20 Als nun ganz Israel hörte, dass Jerobeam zurückgekommen war, sandten sie hin und ließen ihn rufen zu der Gemeinde und machten ihn zum König über ganz Israel; niemand folgte dem Hause David als der Stamm Juda allein.
21 Und als Rehabeam nach Jerusalem kam, sammelte er das ganze Haus Juda und den Stamm Benjamin, hundertachtzigtausend streitbare Männer, um gegen das Haus Israel zu kämpfen und das Königtum an Rehabeam, den Sohn Salomos, zurückzubringen.« (http://www.bibleserver.com]

[57]      Luther-Bibel 1984: Esther8:
»17 Und in allen Ländern und Städten, an welchen Ort auch immer des Königs Wort und Gesetz gelangte, da war Freude und Wonne unter den Juden, Gastmahl und Festtag; und viele aus den Völkern im Lande wurden Juden; denn die Furcht vor den Juden war über sie gekommen.«
(http://www.bibleserver.com)

[58]      Vgl. hierzu und zum vorhergehenden Y. M. Grintz: Art. Jew, Semantics, in: Encyclopaedia Judaica, 2. Auflage, Bd. 11, S. 253 f.

[59]       Grintz, 253

[60]      Werner H. Schmidt, 1983: Exodus, Sinai und Mose. Erwägungen zu Ex 1-19 und 24. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1983, 1990, 1995, S. 29f.

[61]      z.B. dtv-Brockhaus-Lexikon (1982): Hebräer. Bd. 8, Mannheim 1988.

[62]      H. Donner, Geschichte des Volkes Israel, 1, S. 80ff

[63]      so Niels P. Lemche, The „Hebrew Slave“, in: Vetus Testamentum, 25, 1975, S. 129–144 (zitiert in H. Donner, Geschichte des Volkes Israel, 1, S. 81).

[64]      Manfred Weippert, Die Landnahme der israelitischen Stämme in der neueren wissenschaftlichen Diskussion, FRLANT 92, Göttingen: 1967 (zitiert in W. H. Schmidt, Exodus..., S. 29).

[65]      Ronald De Vaux, Histoire ancienne d'Israël, I, Paris: 1971, S. 106–112; 205–208 (zit. in W. H. Schmidt, Exodus..., S. 30)

[66]      Die Geißelung ist auch anderen Religionen nicht fremd. Im Christentum ist auf die mittelalterlichen Flagellanten zu verweisen: »Die Flagellanten oder Geißler waren eine christliche Laienbewegung im 13. und 14. Jahrhundert. Ihr Name geht auf das lateinische Wort flagellum (Geißel oder Peitsche) zurück. Zu den religiösen Praktiken ihrer Anhänger gehörte die öffentliche Selbstgeißelung, um auf diese Weise Buße zu tun und sich von begangenen Sünden zu reinigen«. [Wikipedia. Flagellanten.] – Ähnliche Bedeutung haben in der Moderne die „Selbstbezichtigungen“ in öffentlichen Schauprozessen z.B. im Stalinismus.

[67]      Kippenberg, Hans G., 1981: Jeder Tag ’Ashura, jedes Grab Kerbala. Zur Ritualisierung der Straßen­kämpfe im Iran. In: Greussing Kurt, 1981: Religion und Politik im Iran. mardom nameh– Jahrbuch zur Geschichte und Gesell­schaft des Mittleren Ostens. Hrsg. v. Berliner Institut für vergleichende So­zial­forschung (Syndikat). Frankfurt am Main. S. 217-256.

[68]      Neubauer, E., 1972: Muharram-Bräuche im heutigen Persien, in: Der Islam 49. S. 249-272.

[69]      Algar, H., 1969: Religion and State in Iran 1785-1906. Berkeley. – Lambton, A.K.S., 1964: A Reconsideration of the Position of the Maqa’ al-Taqlid and the Religious In­sti­tu­tion, in: Studia Islamica 20. S. 115-135. – Ende, Werner, 1980: Der schi’itische Islam als politische Kraft, in: Esters, G. / Lang­kau, J., Hg., 1980: Iran in der Krise. Bonn. S. 19-35.

[70]      Grabar, O., 1969: The Architecture of the Middle Eastern City from Past to Present: The Case of the Mosque, in: Lapidus, I., Hg., 1969: Middle Eastern Cities: A Symposium on Ancient, Islamic and Contemporary Middle Eastern Urbanism. Berkeley. S. 26-42.

[71]      Alavi, H., 1973: Peasant Classes and Primordial Loyalties, in: Journal of Peasant Studies, Volume 1, Issue 1, 23-60

[72]      Alavi, a.a.O. – Wolf, E., 1966: Peasants. Englewood Cliffs.

[73]      Kippenberg, a.a.O. – Textabschnitt aus einer unveröffentlichten Arbeit von Gerhard Voigt.

[74]       »Der Byzantinische Bilderstreit war eine Zeit der leidenschaftlichen theologischen Debatte in der damaligen orthodox-katholischen Kirche und dem byzantinischen Kaiserhaus während des 8. und 9. Jahrhunderts, in der es um den richtigen Gebrauch und die Verehrung von Ikonen ging. Die beiden Parteien wurden als Ikonoklasten (Ikonenzerstörer) und Ikonodulen (Ikonenverehrer) bezeichnet. Über die Gründe, die zum byzantinischen Bilderstreit führten, wird bis heute gestritten, wobei Thesen von islamischem Einfluss über das zweite Gebot bis hin zu persönlichen Motiven byzantinischer Kaiser diskutiert werden. Jede Bewertung des Bilderstreits wird grundsätzlich durch den Umstand erschwert, dass die Schriften bilderfeindlicher Autoren nach dem Sieg der Ikonodulen von diesen vernichtet wurden, so dass uns als Quellen fast nur Darstellungen letzterer erhalten sind. Die moderne Forschung hat daher auch viele Urteile der älteren Forschung revidiert.« [Wikipedia. Byzantinischer Bilderstreit.]

[75]      »JHWH (hebräisch ‏יהוה‎, außerhalb des Judentums ausgeschrieben als Jahwe oder Jehovah; im internationalen Sprach­gebrauch häufig YHWH) ist der Eigenname Gottes im Tanach, der Hebräischen Bibel. Er steht für den gnädigen Befreier und gerechten Bundespartner des erwählten Volkes Israel, der für Judentum und Christentum zugleich Schöpfer, Richter und Erlöser der ganzen Welt ist. So stellt ihn das erste der Zehn Gebote vor (Ex 20,2-3 OT, übersetzt nach Ex 20,2-3 ELB): אנכי יהוה אלהיך אשר הוצאתיך מארץ מצרים מבית עבדים׃ לא יהיה־לך אלהים אחרים על־פני׃ „Ich bin JHWH, dein Gott, der ich dich aus dem Land Ägypten, aus dem Sklavenhaus, herausgeführt habe. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.“« [Wikipedia. JHWH.]

[76]      »Der islamische Begriff Umma (‏أمة‎, DMG Umma, ‚Gemeinschaft‘), manchmal auch Ummah, bezeichnet als Fremdwort in westlichen Sprachen die religiöse Gemeinschaft aller Muslime, eigentlich korrekter auf arabisch al-Umma al-islamiyya / ‏الأمة الإسلامية‎ / al-Umma al-islāmīya, im modernen Arabisch aber auch die Nation und andere (als solche aufgefasste) „Gemeinschaften“. Das religiöse Konzept der Umma steht in Konkurrenz zum in Europa entwickelten weltlichen Konzept der „Nation“, so beispielsweise bei der „arabischen Nation“ (al-Umma al-arabiyya / ‏الأمة العربية‎ / al-Umma al-’arabīya)… Seine Verwendung im Koran ist geknüpft an ethnische oder religiöse Gemeinschaften, wie Juden, Christen und Muslime. Später etablierte sich die Bezeichnung für die Anhänger, die Mohammed in Medina um sich versammelte, die sich nicht durch Stammesbeziehungen und Verwandtschaft (asabiyya) definierte, sondern durch ihre gemeinsame Religion. Lange verstand man darunter im Wesentlichen die Glaubensgemeinschaft der Muslime, seit dem 19. Jahrhundert auch die Nation im modernen Sinne. Seit 1967 mit der Niederlage im Sechstagekrieg und dem Beginn des Zusammenbruchs des arabischen Nationalismus gewinnt das religiöse Konzept wieder eindeutig die Oberhand. Im Hebräischen dient das Wort Umma (אמה) als Selbstbezeichnung der sephardischen Juden seit ihrer Vertreibung aus Spanien im Jahre 1492. Im Gegensatz zur Umma, welche die Gemeinschaft in den Vordergrund stellt, bezeichnet der Begriff Dar ul-Islam (arab: „Das Haus des Islam {des Friedens}“) das Gebiet, in dem die Muslime die Herrschaft innehaben, im Gegensatz zum Dar ul-Harb (arab: „Das Haus des Krieges“)..« [Wikipedia. Umma. – Hervorhebung G.V.]

[77]      »Für die Leviten, die bis heute als eigene Gruppe im religiösen Judentum existieren, gilt eine Reihe besonderer Gesetze und Vorschriften, von denen aber nur wenige während der derzeitigen Abwesenheit eines Tempels anwendbar sind; so haben sie bei der Lesung der Torah Vortritt vor anderen Juden. Sie tragen heute oft (aber nicht immer) den Nachnamen Levi oder Levy bzw. Halevi oder Halevy. Der Vorname Levi ist dagegen unter allen Juden recht verbreitet und deutet nicht auf eine Zugehörigkeit zu den Leviten hin. Im Tempel waren die Leviten unter anderem für die Einhaltung der Regeln im 3. Buch Mose zuständig, das daher auf Lateinisch Leviticus genannt wird. Der direkte Dienst am Altar wurde nur von einer Unter­gruppe der Leviten, den Kohanim, ausgeübt; diese gelten als direkte Nachfahren Aarons, der selbst Levit war. Mit dem Aus­druck „Leviten“ sind heute meist nur die gemeint, die keine Kohanim sind. Auf die Zugehörigkeit zu den Kohanim weisen die Familiennamen Kohen, Kohn, Kahn, Kahane, Katz, Kagan, Kogan, Cohn, Cohen, Cahn o.ä. hin. Die Kohanim haben bei der Torah-Lesung wiederum Vorrang vor den anderen Leviten, sie sprechen einen besonderen Segen in der Synagoge, und für sie gelten besondere Ehe- und Reinheitsvorschriften. So dürfen sie nach religiösem Recht, das in Israel auch als staatliches Recht anwendbar ist, beispielsweise keine Nichtjüdin, Konvertitin oder geschiedene Frau, sondern nur eine jüdisch geborene Jungfrau heiraten. Levitentum ist in männlicher Linie erblich und kann weder abgelegt noch erwor­ben werden; insbesondere gehören Konvertiten grundsätzlich nicht zu diesen Gruppen. Das Amt eines Rabbiners ist davon ganz und gar getrennt, es ist nicht erblich und kann von jedem Juden, der die entsprechende Ausbildung und Weihe empfan­gen hat, ausgeübt werden. Im Liberalen Judentum ist die Unterscheidung zwischen Priestern, Leviten, und sonstigen Juden heute aufgegeben worden.« [Wikipedia. Leviten.]

[78]      Kishon, Ephraim, 1965: Und Moses sprach zu Goldstein. – Eine Satire aus Israel. – Aus: Ephraim Kishon: Arche Noah, Touristenklasse. Neue Satiren aus Israel. Reinbek, rororo 756, S. 34-36.

[79]      Koenen, Klaus: Goldenes Kalb (Sept. 2006). www.wibilex.de – das wissenschaftliche Bibellexikon im Internet. http://www.bibelwissenschaft.de/nc/wibilex/das-bibellexikon/details/quelle/WIBI/zeichen/g/referenz/19820/cache/664204383efcb36b4c9a1c826776570e/#h3

[80]      Erman, Adolf, Grapow, Hermann: Wörterbuch der ägyptischen Sprache, Band III, S. 70, Nr. 1-4.

[81]      Gerhard Voigt: Kultursprünge in den Wüsten des „Fruchtbaren Halbmondes“. Die Wüstenlandschaft provoziert eine Frage: Warum entstand unsere Kultur gerade hier und nicht in den fruchtbareren, klimatisch weniger extremen Breiten? Aus: Gerhard Voigt: Tradition oder Umbruch? Erlebnisse im Nahen Osten. Schriftenreihe des UNESCO-Clubs für die UNESCO-Schule am Maschsee, Bismarckschule Hannover, e.V., Hannover 1988, S. 89 f.

[82]      Wittfogel, K.A.: Die Theorie der orientalischen Gesellschaft. In: Zeitschrift für Sozialforschung, Hg. im Auftrag des Instituts für Sozialforschung von Max Horkheimer. Jahrgang VII/1938, S. 90-122 [Libraire Felix Alcan, Paris] {reprographischer Nachdruck: München 1970 [Kösel] und München 1990 [dtv]}.

[83]      Illerhaus, F.: Marduks Kampf gegen das Chaosungeheuer Tiamat. Darstellungen des babylonischen Schöpfungsmythos und die Vielfalt der Deutungen. München. 2011. S. 5.

[84]       vgl. Khoury, A. T. u. Girschek, G., Das religiöse Wissen der Menschheit. Freiburg 1999, Bd. 1, S. 118-141.

[85]       Stefan Maul: Das Gilgamesch-Epos. (neu übers. u. komm.) Beck, München 2008. – Wolfgang Röllig: Das Gilgamesch-Epos. Reclam, Stuttgart 2009. – Raoul Schrott, Robert Rollinger, Manfred Schretter: Gilgamesh: Epos, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2001. – Hartmut Schmökel: Das Gilgamesch-Epos. (rhythmisch übertragen) Kohlhammer, 9. Aufl., Stuttgart 1999.

[86]       Bibby, Geoffrey, 1973: Dilmun. Die Entdeckung der ältesten Hochkultur. Rowohlt, Reinbek. – Kramer, Samuel Noah, 1964: The Indus Civilization and Dilmun, the Sumerian Paradise Land. Expedition, Bd. 6, Nr. 3, 1964, S 44–52

[87]       Nach: Elias, Norbert. Eine Figuration kann als eine Organisationsform von Menschen in einem begrenzten Regelsystem verstanden werden.

[88]       Man denke an die Mormonen, Bibelforscher (ab 1935 Zeugen Jehovas) und die Scientology-Church der USA sowie die aus asiatischen Religionen abgeleiteten Gruppen.

[89]       MacPartland, Th. S. / Cumming,  John H., 1973: Selbstkonzept, soziale Schicht und psychische Gesundheit.
In: Steinert, Hg., Symbolische Interaktion. Arbeiten zu einer reflexiven Soziologie. Stuttgart 1973 (Klett), S. 175 ff.

[91]      Wieso, weshalb, warum... reisten die Heiligen Drei Könige nach Bethlehem? Hannoversche Allgemeine Zeitung, Nr. 298, 21.12.01, S. 6

[92]      Arash Moghaddam Alvandi: Die Sassaniden. http://www.arash.de/gesch/text/Irangeschi3.htm.

[93]      Das Ökumenische Heiligenlexikon [ http://www.heiligenlexikon.de/ ]. – Sachlichere Informationen bietet Wikipedia: »Nach der Legende veranlasste Helena Grabungen, bei denen unter anderem Reste des Wahren Kreuzes und der Ort des Heiligen Grabes gefunden wurden. Ob die heute bekannten Reliquien tatsächlich zu dem Kreuz Jesu gehörten oder auch nur echt in dem Sinne sind, dass sie überhaupt aus der Zeit um 33 n. Chr. stammen, ist umstritten. Über dem Grab und der Kreuzauffindungsstelle ließen Helena und ihr Sohn Konstantin eine Basilika errichten, die sogenannte Grabeskirche. Auch die Geburtskirche in Bethlehem und die später zerstörte Eleona-Basilika auf dem Ölberg gehen auf Helena zurück. Die hei­li­ge Helena ist auch die Gründerin vieler anderer Kirchenbauten in und um Jerusalem sowie in anderen Orten. Ihr werden auch die Auffindung und Mitnahme der Reliquien der Heiligen Drei Könige zugeschrieben. Zunächst waren die Reliquien im Familienbesitz und wurden später an Bischof Eustorgius verschenkt. Sie kamen dann nach Mailand, bis sie von Kaiser Friedrich Barbarossa nach Köln in den Dom verbracht wurden, wo sie noch heute sind. Die erhaltenen Gewebe zeigen gro­ße Ähnlichkeit mit Vergleichsstücken aus Syrien zur Zeitenwende.« [Wikipedia: Helena (Mutter Konstantins des Großen).]

[94]      Israel Ministry of Foreign Affairs: Jerusalem: Die Grabeskirche. Fokus Israel, 2009. [ http://www.mfa.gov.il/MFADE/MFAArchive/2000_2009/2000/3/Jerusalem-%20Die%20Grabeskirche ]

[95]      Es handelt sich um eine Glaubensvorstellung, die weiterhin in einigen Segmenten des Judentums existiert. Er wurde von den Christen in einer Umformung übernommen und wird vor allem bei einigen Gruppen von Wortgläubigen funktionali­siert.

[96]       Mediziner fragen: „Verfügte Adam über einen Bauchnabel?“

[97]      Vgl. dazu: Esposito, Helena, 2002: Soziales Vergessen. Formen und Medien des Gedächtnisses der Gesellschaft. Mit einem Nachwort von Jan Assmann. suhrkamp taschenbuch Wissenschaft stw 1557, Frankfurt am Main.

[98]      V.S. Naipaul: Afrikanisches Maskenspiel. Einblicke in die Religionen Afrikas. Aus dem Englischen von Anette Grube. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2011. – Rezension dazu: Hartmut Buchholz: Nur eine Welt der Geister und Ahnen. V.S. Naipauls Reisebuch „Afrikanisches Maskenspiel“ bietet Einblicke in die Religionen des Kontinents.  Badische Zeitung. 28. Januar 2012

[99]      Ein Interessanter Ansatz in einem Blog findet sich aktuell im Forum der Gruppe „Wir leben unseren Dialekt – spin.de“. – Vgl. Helmut Fischer: „Erzählen – Schreiben – Deuten. Beiträge zur Erzählforschung“. Münster 2001 – Leander Petzhold: „Einführung in die Sagenforschung“. Konstanz 1999 - Siegfried Neumann: „Geschichte und Geschichten. Studien zu Entstehung und Gehalt historischer Sagen und Anekdoten“. Rostock 2000.

[100]     Eine interessante ironische Brechung finden regionale Sagen in dem Kriminalroman von Volker Klüpfel und Michael Kobre: Erntedank. München / Zürich, 2006 (Pieper 4511), der im bayrischen Allgäu spielt.

[101]     » Die Allegorie (von griechisch αλληγορέω „etwas anders ausdrücken“) ist eine Form indirekter Aussage, bei der eine Sache (Ding, Person, Vorgang) aufgrund von Ähnlichkeits- und/oder Verwandtschaftsbeziehungen als Zeichen einer anderen Sache (Ding, Person, Vorgang, abstrakter Begriff) eingesetzt wird.« [Wikipedia. Allegorie.]

[102]     Vgl. Klaus Doderer: Fabeln. Formen, Figuren, Lehren. München: dtv, 1982 – Die bekanntesten neuzeitlichen Fabeln stammen von Jean de La Fontaine (1621–1695).

[103]     Rolf-Wilhelm Brednich: „Die Spinne in der Yucca-Palme. Sagenhafte Geschichten von heute“. München 1990.

[104]     Steinert, Heinz, ed., 1973: Symbolische Interaktion. Arbeiten zu einer reflexiven Soziologie. Stuttgart (Klett).

[105]     Elias, Norbert, 1990 (1976): Über den Prozeß der Zivilisation. Soziogenetische und psychogenetische Untersuchungen. [15. Aufl.; Erstausgabe 1936; Neuausgabe 1969; 1. Aufl. der Taschenbuchausgabe 1976]. Frankfurt am Main.

[106]     Simon Benne: Bilder, die Geschichte machen. Wenn eine ganze Epoche in einen Augenblick passt: Das Historische Museum Hannover zeigt „Bilder im Kopf – Ikonen der Zeitgeschichte“. 24.01.2012 / Hannoversche Allgemeine Zeitung. Seite 4.

[107]     Im Haus der TUI: Franziska Stünkels gläserne Geschichten. 26.01.2012 / Neue Presse (Hannover). Seite 23

[108]     Kuhlmann, Andreas, 1993: Zivilisation vor dem Zerfall. Verhalten und Entzivilisierung. Verhaltensstandards und gesellschaftliche Erosion. Frankfurter Rundschau, Nr. 219, Dienstag, 21. September 1993. S. 12: Forum Humanwissenschaften. – Ziehe, Thomas, 1991: Formen der Individualisierung. Unspektakuläre Zivilisationsgewinne. Auch Individualisierung kann „kommunitär“ sein. Frankfurter Rundschau, Nr. 269, 19./20.11.91. S. 25.

[109]     Evelyn Beyer: Kraftwerke in Tarnklamotten. Jürgen Kuttner über seine Schauspielhaus-Premiere „Kollateralschlager“ 26.01.2012 / Neue Presse (Hannover). Seite 23

[110]     Teach Your Children. Crosby, Stills, Nash & Young. by Graham Nash.

[111]     Dieser Text beruht auf einer kurzen Facebook-Nachricht des Verfassers an Frankfurter Rundschau-online vom 28.11.2009

[112]     Astrid Hölscher: Kommentar „Babys Welten“. Frankfurter Rundschau vom 29.11.09:

[114]     Kommentar von Michael B. Berger in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung vom 26.11.09 http://haz.de/Nachrichten/Meinung/Uebersicht/Seltsam-rigoros

[115]     ibid.

[116]     In den Medien wir hingewiesen auf das Minderheitenvotum im Ethikrat selbst: „Die Entscheidung des Ethikrats fiel allerdings nicht einstimmig. Sechs Mitglieder gaben ein Minderheitenvotum ab, neben Kirchenvertretern und Theologen auch die Verfassungsrechtlerin Kristiane Weber-Hassemer und der Ex-Ministerpräsident Baden-Württembergs, Erwin Teufel (CDU). ‚Das Zahlenmaterial ist nicht aussagekräftig genug. Im Einzelfall steht der Schutz des Lebens höher‘, sagte Weber-Hassemer“, so Beatrice Henke und Joachim Frank in ihrem Bericht „Anonyme Geburten – Ethikrat will Babyklappen schließen“. Frankfurter Rundschau online 29. November 2009. http://www.fr-online.de/in_und_ausland/politik/aktuell/2105282_Anonyme-Geburten-Ethikrat-will-Babyklappen-schliessen.html

[117]     vgl. Manfred Schneider: „Es genügt nicht, Menschenfleisch herzustellen“ Ein Porträt des Rechtshistorikers und Psychoanalytikers Pierre Legendre. Frankfurter Rundschau, Nr. 229, Freitag, 2. Oktober 1998, S. ZB 3. Feuilleton.

[119]     Die Diskussion um mögliche „Geruchsaffinitäten“ bei Mensch und Tier, sollte hier erst einmal als ephemer ausgeklammert bleiben (vgl. zum Beispiel „Die Vorherrschaft der Biologie“, tof / Ausgabe: Hannoversche Allgemeine Zeitung, Datum: 03.12.2005“), auch da sich dieser Aspekt eher auf eine spätere Partnerwahl als auf die Abstammungsfrage richtet.

[120]     vgl. Manfred Schneider: „Es genügt nicht, Menschenfleisch herzustellen“. a.a.O.

[122]     …wenn z.B. die Mutter als „Hure“ oder „Flittchen“ diffamiert wird.

[123]     Dies tritt gehäuft bei Vergewaltigungsopfern im Zusammenhang mit kriegerischen Ereignissen auf, oder – z.B. in der deutschen Besatzungszeit nach 1945 – der Anwesenheit fremder Soldaten, z.T. mit anderer Hautfarbe.

[124]     Aus: Voigt, Gerhard: Gibt es ein Grundrecht auf Kenntnis der biologischen Abstammung? 3. Dezember 2009 – http://www.politiklehrerverband.org/Aktuell/babyklappe.htm

[125]     Die Glaubensvorstellung besteht darin, dass eine Wiedergeburt der Seele in einem minder- oder höherwertigen Körper erfolgt.

[126]     »1) instinktives Verhalten bei Tieren derselben Art durch Beschwichtigungs- und Demutsgebärden: Wenn Hunde mitein­an­der kämpfen, kehrt der Unterlegene dem Sieger seine ungeschützte Kehle zu, der dann nicht mehr in der Lage scheint, zu­zu­beißen. 2) Die Tötungshemmung dürfte grundsätzlich auch beim Menschen vorhanden und durch Werterziehung stabili­siert sein, wie die Analyse von kriegerischen Kampfhandlungen zeigt: 80 - 85 % aller Soldaten sind (zumindest freiwillig) nicht Willens, auf den Feind zu schießen und ihn zu töten. Doch Töten kann gelernt, die Schießbereitschaft durch Training gesteigert und die Tötungshemmung durch Vorbilder abgeschwächt werden (Aggression, Gewalt, Folter).« http://www.psychology48.com/deu/d/toetungshemmung/toetungshemmung.htm – Vgl. auch Lexikon der Neurowissen­schaft: Aggressionshemmung: Wissenschaft online http://www.wissenschaft-online.de/abo/lexikon/neuro/227

[127]     Elias, Norbert / Scotson, John L., 1993: Etablierte und Außenseiter. Frankfurt am Main. – Elias, Norbert, 1987: Über die Begriffe der Figuration und der sozialen Prozesse. Einführende Bemerkungen. Diskussionsbeiträge IS/TUB 6; Berlin. – Elias, Norbert, 1990 (1976): Über den Prozeß der Zivilisation. Soziogenetische und psychogenetische Untersuchungen. [15. Aufl.; Erstausgabe 1936; Neuausgabe 1969; 1. Aufl. der Taschenbuchausgabe 1976]. Frankfurt am Main.

[128]     »Was immer die Ursache dafür gewesen sein mag, ein zentrales Unterscheidungs-merkmal zwischen Primaten und mensch­lichen Primaten ist jedenfalls in einer fundamentalen Differenz der sozialen Organisation ihrer Überlebensgemeinschaften zu sehen. Während nichtmenschliche Primaten innerhalb ihrer Überlebensgemeinschaft um Nahrungsmittel konkurrieren und ein Sozialsystem entwickelt haben, das durch strikte Hierarchisierung und eine unumstößliche soziale Ordnung die Ernäh­rungs- und Fortpflanzungserfordernisse der Gruppe reguliert, setzen menschliche Überlebensgemeinschaften auf ein völlig anderes Prinzip: auf Kooperation. Kooperation steigert die Potentiale der einzelnen, indem sie Fähigkeiten und Kräfte bündeln, kombinieren, kumulieren kann und damit ihrerseits neue Potentiale zu entfalten in der Lage ist. Gerade darum sind menschliche Überlebensgemeinschaften prinzipiell kommunikative Gemeinschaften, denn Kooperation setzt natürlich Kommunikation voraus [Hervorhebung G.V.]. Darum ist »readyness for communication« (Colwyn Trevarthen) ein zentrales Ausstattungsmerkmal von Neugeborenen. Sie sind in der Lage, ihre Überlebensbedürfnisse zu kommuni­zie­ren, indem sie sie durch Schreien, Mimik und Körperbewegung zum Ausdruck bringen. Sie sind von Anbeginn ihres Lebens in erstaunlichem Maß zu kommunikativen Handlungen in der Lage, was keineswegs gleichbedeutend damit ist, daß sie kommunikative Handlungen von anderen »verstehen« oder gar intersubjektiv operieren könnten. Neugeborene und Säug­linge können eine ganze Menge zum Ausdruck bringen, was aber nicht heißt, daß sie »wüßten«, was sie tun, wenn sie deutlich machen, daß sie gerade Hunger haben oder sich ängstigen oder freuen. Es heißt nur, daß sie von ihrer biologischen Konstitution her in einer Fundamentalen Bezogenheit auf ihre soziale Umwelt existieren und die unablässige Kommuni­ka­tion mit eben dieser Umwelt sie sukzessive mit jenem Vermögen zur reflexiven Kommunikation ausstattet, das es ihnen – etwa ab dem neunten Lebensmonat – tatsachlich erlaubt, in eine intersubjektive Welt einzutreten, in der sie ihre Aufmerk­samkeit und ihre Perspektiven mit denen der anderen teilen können. Die Entstehung dieses reflexiven Vermögens wird nonreflexiv gebahnt, durch asymmetrische Kommunikation und durch Entwicklung von immer besseren Gedächtnis­leis­tun­gen: vom impliziten, unbewußten Erfahrungs- und Körpergedächtnis hin zum expliziten, bewußtseinsfähigen episodi­schen und autobiographischen Gedächtnis.« Markowitsch, Hans J. / Welzer, Harald, 2005: Das autobiographische Gedächt­nis. Hirnorganische Grundlagen und biosoziale Entwicklung. Stuttgart (Klett-Cotta). S. 57-59.

[129]     »do ut des (lateinisch. Ich gebe, damit du gibst.) ist eine Rechtsformel für gegenseitige Verträge sowie ein Grundsatz sozia­len Verhaltens. Vergleichbar ist dieses Prinzip mit quid pro quo (lateinisch. Dieses für das.) sowie mit dem Sprichwort ma­nus manum lavat (lateinisch. Eine Hand wäscht die andere.). Der Begriff aus der römischen Antike bezeichnete ur­sprüng­lich das Verhältnis der Römer zu ihren Göttern. Es wurde den Göttern geopfert und gehuldigt, weil man eine Gegen­gabe bzw. einen Gegendienst erwartete. Dies ist eine archaische Denkstruktur, die wahrscheinlich jedem Opferritual zugrun­de liegt. In der Rechtswissenschaft dient do ut des der Kennzeichnung des Synallagmas zwischen Leistung und Gegen­leistung. Dieses römisch-rechtliche Institut ist im deutschen Recht in § 320 BGB normiert. Bei einem gegenseitigen Vertrag erbringt jeder Vertragspartner seine Leistung nur, weil er die Gegenleistung erhalten will. Prozessual wird nach dem Grundsatz des do ut des eine Verurteilung der Leistung Zug um Zug mit der Gegenleistung ausgesprochen«. [Wikipedia. do ut des].

[130]     »Wenn der jüdische Glaube sich über fremden Götzendienst ereifert, dann geht es dabei auch durchaus um solche un­mensch­liche Weise der Götterverehrung, die – bedenkt man die näheren Umstände von Menschenopfern genauer – sogar viel mit Triebverbrechen gemeinsam haben. Wir müssen uns bewusst machen, dass sich die Menschen für diese Menschen­opfer keinesfalls gern zu Verfügung stellten, jedenfalls nicht junge Menschen, ja dass diese Opfer gerade sie mit Angst und Schrecken erfüllten.  Menschenopfer bedeuten also immer Ängste und Ängste sind immer auch Herrschaftsinstrument… In der Ödipussage wird berichtet, dass Ödipus die Stadt Theben von einem Ungeheuer (der „Sphinx“) befreite, der jedes Jahr (?) drei Jungen und drei Mädchen zum Fraß vorgeworfen werden mussten. Ausdrücklich ist hier von der Angst und dem Schrecken die Rede, worunter die Stadt deswegen leidet, und von der opulenten Belohnung, die sich der „Befreier“ verdienen könnte, er würde nämlich König werden und die Witwe des ermordeten alten Königs zur Frau bekommen...« WWW.BASISRELIGION.DE. Die Theologie mit dem kriminologischen Ansatz.

[131]     »Abraham (hebräisch ‏אַבְרָהָם‎ Avrāhām: „Vater der vielen (Völker)“, im Islam arabisch ‏إبرَاهِيم‎ Ibrāhīm) ist als Stammvater Israels eine zentrale Figur des Tanachs bzw. des Alten Testaments. Genauso gilt er als Stammvater der Araber, von dessen Sohn Ismael der Prophet des Islam, Mohammed, abstammt. Abrahams Geschichte wird im biblischen Buch Genesis bzw. Bereschit (Gen 12–25 EU) erzählt. Danach gehört er zusammen mit seinem Sohn Isaak und seinem Enkel Jakob zu den Erzvätern, aus denen laut biblischer Überlieferung die Zwölf Stämme des Volkes Israel hervorgingen. Neben dem Juden­tum berufen sich auch das Christentum und der Islam auf Abraham als Stammvater. Darum bezeichnet man alle drei auch als abrahamitische Religionen. In der Tora wird im 1. Buch Mose (Buch Genesis, Gen 11,27 EU-Gen 25,10 EU) die Geschich­te Abrahams geschildert. Abraham heißt ursprünglich Abram, hebräisch אַבְרָם, Avrām, mit der Bedeutung „der Vater ist erhaben“ oder „er ist erhaben in Bezug auf seinen Vater“. Der Gott Israels ändert den Namen zu Abraham, was in Gen 17,5 EU als „Vater der Menge an Völkern“ gedeutet wird. Dabei handelt es sich nicht um eine wörtliche Übersetzung, sondern um eine Volksetymologie. [Thomas Hieke, Art. „Abraham“, in: Wibilex. Das wissenschaftliche Bibellexikon im Internet.]« [Wikipedia. Abraham].

[132]     In: Gerhard Voigt (Hrsg.): »Staatsgesellschaft«  Historisch-sozialwissenschaftliche Beiträge zur Diskussion von Entwicklungen, Problemen und Perspektiven (2002). Schriftenreihe des UNESCO-Clubs für die UNESCO-Schule am Maschsee, Bismarckschule Hannover, e.V., Materialien zur Didaktik der Interkulturellen Bildung Heft 1.

[133]     »Salām (arabisch ‏سلام‎, DMG salām ‚Frieden; Wohlbehaltenheit, Unversehrtheit‘) ist eines der arabischen Wörter für Frieden. Gleichzeitig ist es ein üblicher Gruß im arabischen Sprachkontext (vollständig: ‏السلام عليكم‎ as-salāmu ʿalaikum, ‚der Frieden auf euch!, Friede sei mit dir/euch!‘). Der Begriff Salam war ursprünglich rein religiös konnotiert, im Sinne des Friedens mit Gott. Ein weiteres Wort für Frieden im Arabischen ist silm. Beide Begriffe beruhen auf der semitischen Wurzel s-l-m, ebenso wie das hebräische Wort Schalom, das aramäische Wort šalim und der Name der Religion Islam. Šlomo ist die aramäische Entsprechung zu Salam. Namen wie Salomon / Sulaiman, Salīm, Sālim, Sulaim, Sulamith etc. gehen auf dieselbe Wurzel zurück.« [Wikipedia. Salam.]

Inhaltsverzeichnis

Lothar Nettelmann / Gerhard Voigt:

Mythen: Reflexionen und Beispiele

Werte und Normen – Ideologie und Überbau

Vorbemerkung.

Nachdenken über….

…die Sintflut, die Sinn-Suche und die „ewige Frage: wozu?“

Der Begriff „Sintflut“.

Die Suche nach der „objektiven Wahrheit“.

Der Anachronismus der modernen „Bibelforschung“

Sinn-Suche

Die Genese von Völkern und Symbolsystemen

Nachdenken über…

…den Sinai, die vierzig Jahre und die Ethnogenese eines Volkes

Eine Fahrt über den Sinai

Die „Heilige Zahl Vierzig“

Die Volkwerdung der Juden

Materialien zur Bezeichnung des „jüdischen Volkes“

Zur Bezeichnung „Juden“.

Zur Bezeichnung „Hebräer“.

Zur Bezeichnung „Israel“.

Sozialstruktur und Rituale der orientalischen Gesellschaft

Die Zehn Gebote

Das goldene Kalb

Legitimationsideologien

Nachdenken über…

…Legitimationsmythen im frühen Christentum

Heilige Drei Könige

Glosse:

Die „Via Dolorosa“

Mythenbildung.

Mythen, Symbole und Tabus

Sagen, Fabeln….

…Symbole, Bilder

Familienbilder

Familie als soziale Institution vs. biologistische Familienmythen.

Sexualität, Geschlecht und Machtprozesse

Die Kreuzigung Jesu.

Der Opfermythos, seine Funktionalisierung und Instrumentalisierung.

Inhaltsverzeichnis.

Dokument Information

Erstausgabe als Internet-Publikation auf http://www.pu-aktuell.de und http://www.voigt-bismarckschule.de 31.01.2012

Neuausgabe als Sonderheft von Politik Unterricht Aktuell 2012 »Mythen«
in der Internet-Version auf http://www.pu-aktuell.de/pua2012/Mythen.htm 
Verantwortlich für diese Publikation: Gerhard Voigt, OStR i.R. (seit 2009).
Veröffentlicht in politik unterricht aktuell, Sonderheft 2011. Hannover, 2012.
Printausgabe für Bibliotheken
pua ISSN 0945-1544.
Herausgeber: Verband der Politiklehrer e.V., Hannover.
Vorsitzender: Gerhard Voigt, OStR i.R. (seit 2009),
eMail: bismarckschule.voigt@gmx.de,
http://www.voigt-bismarckschule.de.
Internetausgabe http://pu-aktuell.de/pua2012/p012_inx.htm  - 31.01.2012
durchgesehene PDF-Edition 31.01.2012
Parallelveröffentlichung auf http://www.voigt-bismarckschule.de/publikationen/Mythen.htm

   
   

 

Text des Heftes als PDF_Datei

   
   

Verantwortlich für diese Seite

Gerhard Voigt, OStR i.R. - Kontakt vgl. Impressum (vgl. Seitennavigation).

bismarckschule.voigt@gmx.de

Bearbeitungsstand: 25. 07 2005.

Letzte Bearbeitung: 06.01.2011

   
   

 

     
   

top

   

Navigation:

 Der Homepage untergeordnete Seiten:  Was gibt's Neues? ] Inhalt ] Begrüßung ] Biographie ] UNESCO-Club ] Reisen ] Türkei ] Skandinavien ] Osteuropa ] Ungarn ] Naher Osten ] Iran ] In memoriam ] Schule und Politik ] Publikationen ] Soziologie ] Deutschland ] Staatsgesellschaft ] Globalisierung ] Artist's page ] Ronnenberg ] Weblinks ] Impressum ]

Übergeordnete Ebene: Home ] Was gibt's Neues? ] Inhalt ] Begrüßung ] Biographie ] UNESCO-Club ] Reisen ] Türkei ] Skandinavien ] Osteuropa ] Ungarn ] Naher Osten ] Iran ] In memoriam ] Schule und Politik ] Publikationen ] Soziologie ] Deutschland ] Staatsgesellschaft ] Globalisierung ] Artist's page ] Ronnenberg ] Weblinks ] Impressum ]

Übergeordnete Seite: Zurück ] Nach oben ] Weiter ]

Gleiche Ebene und Homepage: Home ] Nach oben ] Literaturverzeichnis ] Kulturvergleich ] [ Mythen ] Thesenpapier Polen ] Natiomalstaatsbildung ] Nationalstereotype ] Stadtgeographie ] Interkulturelle Erziehung ] Staatstheorie: Rousseau ] Freiheit-Gleichheit ] Krisenreflexionen ] Krisenbefunde ] Abschied von der Revolution ] Determinanten der Unterrichtssituation ] Rechtsextremismus ] Gelegenheitstexte und Varia ]

Untergeordnete Ebene:

Web-Fassung: 31.01.2006 / rev. 13.05.2012- Verantwortlich: Gerhard Voigt <bismarckschule.voigt@gmx.de>
Texte aus der der Verbandszeitschrift »politik unterricht aktuell« unter www.pu-aktuell.de
Info über die Verbandstätigkeit unter: http://www.politiklehrerverband.org