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Lothar Nettelmann / Gerhard Voigt:
Mythen: Reflexionen und Beispiele
»Wie unterschiedlich das von Depression über
Neugierde, Sensationslust und Panik bis zu Chauvinismus und offener
Begeisterung reichende Spektrum der Reaktionen auf den Krieg tatsächlich
war, hat nun der amerikanische Historiker Jeffrey Verhey in
seiner kürzlich auf deutsch veröffentlichten Arbeit dargelegt (Der
„Geist von 1914“ und die Erfindung der Volksgemeinschaft, Hamburg
2000). Seine Studie verdeutlicht darüber hinaus den konstruierten
Charakter der vielbeschworenen nationalen Volksgemeinschaft, mit der im
Zeichen des Krieges alle gesellschaftlichen Kräfte ihre politischen Ziele
zu legitimieren versuchten und damit erst einen nationalen Mythos
schufen, der nach der Niederlage eine besonders fatale
Geschichtsmächtigkeit entwickeln konnte.« [Wolfgang Kruse[1]]
Dem Bewusstsein fällt es schwer, den Wandlungen und
Verstrickungen der Realität, der gesellschaftlichen Realität, zu folgen.
Gerne flüchtet es sich in künstliche Realitäten, in Schein, Illusion,
Ideologie und Mythos. Doch die Realität holt das Bewusstsein ein.
Bewusstseinskrisen sind Existenzkrisen für den Menschen, kollektive
Bewusstseinsdeformationen stellen das Fortbestehen der Gesellschaft in
Frage.[2]
»Sie tun das, weil sie hoffen, dadurch die
Säkularisierung der Kultur aufhalten zu können, die „Gottesfurcht“ zu
bewahren und der künftigen Zivilisation die Argumente für eine
optimistische Sicht der Welt zu entziehen.
Auf einer anderen, eher philososphisch-abstrakten
Ebene kann man denselben Konflikt auch lesen als Illustration der These,
daß Kultur prinzipiell offen und mobil sein muß. Wie die
Illustration, die Übersetzung und die Paraphrase ist auch die Parodie
eine Umcodierung, die die Sprache der Kultur bereichert, ihr neue Zeichen
zuführt und die Bedeutung der vorhandenen erweitert. Unveränderlichkeit
des Verhältnisses von Signifikanten und Signifikaten führt zum Tod der
Kultur«.
[Elena Kostjukovic: Der unbegrenzte
Zeichenprozeß als Grundlage der Kultur]
Der Begriff „Mythos“ wird bestimmt von einer
eigentümlichen Unbestimmtheit und manchmal auch – Willkürlichkeit. Damit
entspricht er den Inhalten von Mythen, deren Hauptcharakteristiken ihre
Ambiguität und Interpretierbarkeit sind – und damit auch ihre
Funktionalisierbarkeit. Mythen können Versuche der Sinngebung von
(gesellschaftlichen) Realitäten sein, aber gleichermaßen Konstrukte der
gesellschaftlichen Stabilisierung wie der Herrschaftssicherung. Zu diesem
letzten Punkt gehören vor allem die neueren „Nationalmythen“[3],
die von Herrschaftsseite her – oft in Anlehnung älterer mythischer
Überlieferungen – konzipiert und durchgesetzt wurden, wie z.B. der
„Bismarckmythos“ Ende des 19. Jahrhunderts.
»Zuweilen reichen die mythologischen
Geschichtserzählungen, die die Nationalhistoriographien für schiere
wissenschaftliche Wahrheit hielten (mindestens als solche ausgaben), weit
zurück; bis zu Hermann dem Cherusker, der erst seit 1810 vom
unkultivierten Barbaren zum „Volks“-Helden mutierte, oder zu jenem
Vercingetorix, den sich die Franzosen einverleibten, seit sie sich als
Gallier wiederentdeckten, was ihnen zu Zeiten der Valois oder Bourbonen
gewiß nicht eingefallen wäre.«[4]
»Besonders kurios in dieser Liste ist der
„Lombardische Bund“ von 1176, den die oberitalienischen Städte mit dem
„Schwur von Pontida“ (ein großes Wandbild, das ihn zeigt, hängt heute im
Ratssaal von Siena und ist derzeit in der Ausstellung zu betrachten) gegen
den deutschen Kaiser schlossen. Im 19. Jahrhundert wurde er zum Symbol für
die erhoffte Einheit und in unseren neunziger Jahren zum Signal neuer
Spaltung: Umberto Bossi, der Führer der „Lega Nord“, ließ ihn seine
Anhänger schwören: gegen den Nationalstaat Italien und das räuberische
Rom.«[5]
Wenn der Unterricht mit diesen Vorstellungswelten
konfrontiert wird, wenn „Mythen“ zu Unterrichtsgegenständen werden – was
in den Wertfächern überwiegend der Fall ist und in den Fächern Geschichte
und Politik immer wieder aufscheint – sind besondere Nachdenklichkeiten,
sind Reflexionsbereitschaft und Distanzierungsfähigkeit notwendig, um die
Mehrdeutigkeiten und Funktionen der „Mythen“ zu klären, ohne dabei – was
nicht möglich sein wird – eindeutige Erklärungen anzubieten.
So stehen im Folgenden didaktische Reflexionen neben
inhaltlichen Beispielen, die ein „Nachdenken über…“ provozieren sollen.
Dabei stehen Beispiele aus der Religionsgeschichte im Vordergrund, da
diese im Unterricht am häufigsten angesprochen werden, weil sie eine
unübersehbar alte Überlieferungstradition umfassen und weil sie –
Jahrhunderte als buchstäbliche Wahrheit geglaubt – tief im kulturellen
Bewusstsein der eigenen Gesellschaft verankert sind. Als Beispiele werden
der Mythos der Sintflut und der Mythos des Sinai eingehender dargestellt
und in Frage gestellt – im wortwörtlichen Sinne.
Werte und Normen – Ideologie und
Überbau
Vorbemerkung
Eine immer wieder von Schülern gestellte Frage ist:
„Gibt es einen Gott?“ bzw. „Woher kommen die Legenden, Erzählungen aus der
Bibel? Wer hat sie sich ausgedacht, sie erfunden, geschrieben?“ Es ist
immer die Frage nach dem Warum!
-
Keinesfalls soll im Folgenden der eigene
individuellen Glauben in Frage gestellt, kollektive Glaubensinhalte und
Lehren als solche hinterfragt, kritisiert oder gar diskreditiert werden.
-
Der Glaube bleibt jedem Menschen als sein ureigenes
Individualrecht und ist zugleich ein garantiertes Gruppenrecht.
-
Unser Ziel ist es, Distanz aufzubauen, die
Fähigkeit zur Distanzbildung zu erzeugen. Die individuelle
Glaubensüberzeugung ist nicht anzugreifen, sie ist nicht in Frage zu
stellen, sondern zu schützen und zu verteidigen!
-
Die Verfasser möchten nicht verschweigen, dass sie
dem Prinzip von Glauben durchaus positiv gegenüber stehen und die
Wirkung von Religionen für Menschen in vielen Bereichen wertschätzen.
-
Ihrer protestantischen Prägung zufolge legen sie
individuellen wie kollektiven Glaubensbekundungen wie nach außen
gerichtete und sichtbare Rituale eine grundsätzliche Zurückhaltung auf.
Im Folgenden sollen deshalb zur Herausarbeitung der
Ebenen ausschließlich wissenschaftliche Kriterien gelten.
Ein Beispiel für einen Alttestamentarischen Mythos,
die Sintflut Erzählung, soll den Einstieg in die Denkanstöße zur
Auseinandersetzung mit „klassischen Mythen“ bilden.
Nachdenken über…
…die Sintflut, die Sinn-Suche
und die „ewige Frage: wozu?“
Der Begriff „Sintflut“
»Die Sintflut wird in den mythologischen Erzählungen
verschiedener Kulturen als eine göttlich veranlasste Flutkatastrophe
beschrieben, die die Vernichtung der Zivilisation zum Ziel hatte. Als
Gründe für die Sintflut nennen die historischen Quellen zumeist
Verfehlungen der Menschheit. Die bekanntesten Berichte sind im 1. Buch
Mose der Bibel, im Gilgamesch-Epos und im Atra’asis-Epos überliefert… Das
deutsche Wort „Sintflut“ ging aus mittelhochdeutsch „sin(t)vluot“,
althochdeutsch „sin(t)fluot“ hervor, das so viel wie „immerwährende
Überschwemmung“ bedeutet, es hat also nichts mit dem Wort „Sünde“ zu tun.
Die germanische Vorsilbe „sin“ bedeutet „immerwährend, andauernd,
umfassend“ und wurde seit dem 13. Jahrhundert volksetymologisch zu „Sünd-“
umgedeutet. Im Englischen heißt Sintflut „The (Great) Flood“ oder − nach
dem französischen Wort − „Deluge“. Französisch heißt es „déluge“, spanisch
„diluvio“ und italienisch „diluvio universale“. Das hebräische Wort für
Sintflut, „mabul“, bedeutet Vermischung oder Vermengung und steht im
Zusammenhang mit „Babel“ und der babylonischen Sprachverwirrung (Gen
11,1-9)« (aus Wikipedia).
Die Suche nach der „objektiven
Wahrheit“
Seit langer Zeit bemühen sich Historiker, Theologen
oder „Bibelforscher“ herauszufinden, auf welche „objektive
Flutkatastrophe“ sich die Sintflut-Überlieferung bezieht. Verwirrend ist
dabei die Vielzahl der Flutmythen in verschiedenen Kulturen und die
Vielzahl möglicher Flutkatastrophen, die die Historiker und Geologen
heranziehen können.
Wenn wir darüber nachdenken… sollten wir es mit einem
Perspektivwechsel versuchen. Wenn uns die Frage nach der „objektiven
Wahrheit“ nicht mehr in erster Linie interessiert, sondern der Sinn des
Mythos in den Vordergrund gestellt wird, kann eine Vielzahl
existenzbedrohender Flutkatastrophen zur Mythenbildung beigetragen haben.
Hier wird festzustellen sein, dass die
Überlieferung in der Zeit vor der Schriftkultur sich auf orale,
narrativ geformte „Erzählungen“ beschränken lässt. Wert für die narrative
Tradition hat nicht die Darstellung „historischer Fakten“, sondern die
Erklärung des Sinns von Erfahrungen, die sich im gegenwärtigen
Alltagsleben spiegeln, die als existenzbedrohend erfahren werden. Eine
„abstrakte Sicht“ im Sinne unserer heutigen Wissenschaft war damals noch
nicht möglich und auch gesellschaftlich nicht gefordert.
Auch heute überlagert der Rückfall in
vorwissenschaftliche Denkkategorien die Reaktion auf emotional erlebte
persönliche Katastrophen, wie Mord, plötzliche Unglücksfälle,
Naturkatastrophen wie den Tsunami, wenn die Frage in den Mittelpunkt
gestellt wird: Warum muss das mir passieren, welchen Sinn hat diese
unvorstellbare Katastrophe, wer lässt diese Schrecken zu?
Daher rückt in der biblischen Erzählung nicht der
Tatbestand der Flut an sich, sondern der Gedanke eines „strafenden
Gottes“, der auf die Sünden und Verbrechen der Menschheit reagiert, in den
Mittelpunkt – indem er auch auf Erfahrungen des Alltags und der familiären
Erinnerung zurückgreift, indem die Angst vor der alles ertränkenden Flut
aufgegriffen wird. Dass dieses Motiv auch für unterschiedliche Raum- und
Zeitbezüge Gültigkeit erlangt, dürfte die Suche nach der „einen realen
Wahrheit“ ins Absurde rücken.
Die Größe der berichteten mythischen Katastrophe sagt
in einer Zeit nichts aus, in der „die Welt“ dasjenige war, was der
Einzelne selbst erfahren konnte – vielleicht dasjenige, was sich in seinem
eigenen Horizont befindet. Alles Weitere sind narrative Überlieferungen,
deren Wert ihre Tauglichkeit zur Sinnvermittlung darstellt…
Der Anachronismus der
modernen „Bibelforschung“
In der Gegenwart treffen nun unvereinbare Denkstile
aufeinander. Der gläubige Mensch vertraut auf die biblische Überlieferung
des „Wahren Wortes“ – sei es Christ, Jude oder Muslim –, aber der moderne
Zugang zu den Schriften übersieht deren Sinn und Darstellungsansatz völlig
und er sucht nach der „historischen Wahrheit“ der Überlieferung.
Besonders seltsam sind die Bemühungen der Suche nach
den Überresten der „Arche Noah“. Sie soll auf dem Ararat am Ende der
Sintflut gelandet sein (die physikalische Unsinnigkeit einer Flutwelle von
5000 m Höhe einmal als „Glaubensrealität“ außer acht gelassen) – wobei
einerseits die Zuordnung zum heutigen Berg Ararat völlig strittig ist –
wie kommt dieser in eine Überlieferung aus der südmesopotamischen bis auf
Sumer zurückreichenden Kultur? – und andererseits auf unterschiedliche
Überlieferungen in den einzelnen Religionen zurückgeführt wird. Befassen
wir uns auch hier einmal mit lexikalischen Einträgen:
»Der Berg Ararat, auch Großer Ararat
(aus dem Hebräischen, entstanden aus assyrisch Urartu und kurdisch
Çiyayê Agirî / Shaxi Ararat, türkisch Büyük Ağrı Dağı,
armenisch
Մասիս
/ Masis oder Արարատ
/ Ararat), ist ein ruhender Vulkan im Ararathochland in
Ostanatolien nahe der Grenze zu Armenien und dem Iran. Er ist mit 5.137
Metern über dem Meeresspiegel der höchste Berg auf dem Gebiet der Türkei.
Der kurdische Name, Çiyayê Agirî, bedeutet „der feurige Berg“ (agir
= Feuer, çiya = Berg). Der kleinere Nachbarberg, der Kleine
Ararat (türk. Küçük Ağrı Dağı), ist 3896 Meter hoch. Im Jahre
2004 wurden beide Araratberge Teil eines Nationalparkes… Im Gebirge Ararat
soll nach der Sintflut die Arche Noah gestrandet sein (Gen 08,04 EU[6]).
Die Vulgata spricht hierbei von den montes Armeniae, also den
„Bergen Armeniens“, während es in der Nova Vulgata in montes Ararat,
„Berge von Ararat“, geändert wurde. Anerkannte wissenschaftliche Belege
für diesen Bericht fehlen allerdings. Der Koran gibt den Cudi Dağı
als Landeplatz an.« [Aus Wikipedia. Ararat.]
»Der Cudi Dağı ist mit 2.114 m der höchste
Berg in der türkischen Provinz Şırnak. Er hat vier Gipfel… Theodor Nöldeke
nahm 1898 an, daß der ursprüngliche Name des Berges Kardu (von Gordiene)
gewesen sei.[7]
Er könnte auch mit dem in frühen syrischen erwähnten Qardū,[8]
dem Land, in dem Noahs Arche landete, identisch sein. Mehrere Forscher
haben den Cudi als Landeplatz der Arche Noah in Betracht gezogen,
namentlich David Rohl, Bill Crouse, Charles Willis
und Timo Roller[9]«
[Aus Wikipedia. Cudi Dağı.]
Nur noch mit leichter Ironie kann man heute die
„ernsthafte Suche“ nach Überresten der Arche Noah betrachten, die immer
mal wieder in die Schlagzeilen gerät.[10]
»Welch
Geistes Kind sind diese fundamentalistischen Bibelgläubigen, die unbeirrt
am Berg Ararat nach der Arche suchen? Unmittelbar vor dem Aufbruch zu
einer eigenen Reise in die Türkei reizt mich dieser Artikel doch dazu, den
Unfug einmal ernst zu nehmen und an einige, bei Archäologen und
Orientalisten unstrittige Sachverhalte zu erinnern (damit nicht ein neuer
Noah-Massentourismus diese großartige Landschaft „überschwemmt“):
Der Ararat
an der nordöstlichen Grenze der Türkei hat mit dem biblischen Berg Ararat,
der in den alten Schriften zwar ähnlich lautet, aber erst in einer später
unverstandenen Textüberlieferung dem nun nur noch bekannten Ararat
sprachlich angeglichen wurde, nichts zu tun. Der biblische Ort, der nicht
mehr widerspruchsfrei zu lokalisieren ist, liegt im Zweistromland und ist
sicherlich einer der Hügelzüge, die auch bei katastrophalen
Überschwemmungen trocken blieb. Der türkische Berg Ararat hat seinen Namen
von dem altorientalischen Reich Urartu, das in anderem zeitlichen Kontext
zwar auch im Alten Testament erwähnt wird, niemals aber in der Namensform
Ararat.
Und im
Übrigen: muss Bibelglauben auch bedeuten, den Sintflut Text so zu
verstehen, dass es auf einmal auf der Erde Wassermassen gab, die die
Erdoberfläche in einer Mächtigkeit von 5000 m überdeckten und dann wieder
spurlos verschwanden?
An solchen
Absurditäten sollte auch echte Gläubigkeit nicht hängen (vor allem, da die
Originalüberlieferungen etwas ganz anderes meinen). Die Sintflut
Überlieferung, von ihrem viel bedeutsameren ethischen Aussagewert einmal
abgesehen, bezieht ihren Realitätsgehalt aus einer oder mehreren
katastrophalen Überflutungen, die das Zweistromland tatsächlich kannte.
Dass andererseits am türkischen Ararat Artefakte zu finden sind, ist bei
einem so alten Kulturland nicht verwunderlich – eher, wenn man nichts
Derartiges fände. Was aber immer gefunden wird: die „Arche Noah“ kann es
nicht sein.«
[Leserbrief Frankfurter Rundschau – Noah Ararat
20.10.89[11]].
Sinn-Suche
Es gehört zu den anthropologischen Grundtatsachen,
dass der Mensch nach dem Sinn fragt für das, was er erlebt, erduldet und
erleidet. Vor der Entwicklung abstrakter, auf Kausalitätsbeziehungen
abhebender Denkstile, war die Erklärung der Realität der Versuch einer
Antwort nach dem Sinn des Erfahrenen. Es ist dabei folgerichtig, dass
-
Sinn in der Annahme eines sinngebenden
Verursachers,
-
in der Annahme der Beseeltheit aller Realität – dem
Animismus – und
-
in der Annahme, dass das Erlebte und Erlittene auf
die eigene Person sinnvoll gerichtet ist – als Lohn oder Strafe –
gesucht und gefunden wird.
Die Erklärung durch „Naturgesetze“, Zufall und
Wahrscheinlichkeit und vom Menschen unabhängige Kausalität setzt ein neues
Distanzierungsvermögen voraus, das die Realität als äußere Entität
begreift, die nicht auf die Befindlichkeiten der Person bezogen ist. Das
setzt einige Schritte der Kulturentwicklung, anfänglich auch eines
Zivilisationsprozesses voraus, deren wichtigste sind:
-
Entwicklung der schriftlichen Überlieferung.
-
Professionalisierung des Denkens mit dem Übergang von der Theologie zur
Philosophie.
-
Fortschritte in der „Beherrschung der Natur“ durch Technik und
Entwicklung einer Naturwissenschaft.
Es ist hier nicht der Ort, die grundlegenden
gesellschaftlichen Umwälzungen seit der klassischen Antike
nachzuzeichnen, die diese Entwicklung möglich machte. Zurückzugreifen
ist aber vielleicht auf das Aperçu nach einem Nietzsche-Zitat, das sich
unter anderem im Aphorismus 125 der Fröhlichen Wissenschaft findet: „Gott
ist tot“. Wie kann das aber interpretiert werden? Zum einen postuliert es
die ersichtliche Unmöglichkeit des Postulats der „Letztbegründung“ in
einer wissenschaftlichen Philosophie – wobei „Gott“ für die unfassbare
„Letztbegründung“, das „Absolutum“, steht – und zum anderen die neue
Aufgabe der Philosophie, Sinn und Werte nach eigenen Maßstäben zu
entwickeln: „Alle Wissenschaften haben nunmehr der Zukunfts-Aufgabe der
Philosophen vorzuarbeiten: diese Aufgabe dahin verstanden, dass der
Philosoph das Problem vom Werthe zu lösen hat, dass er die Rangordnung der
Werthe zu bestimmen hat“ [Nietzsche: Zur Genealogie der Moral[12]].
Letztlich ist dies eine unlösbare Aufgabe, und in
diese „Unlösbarkeit“ hinein stößt auch heute der Anspruch der Religionen,
das Bedürfnis nach Sinn-Suche beim einzelnen Menschen zu befriedigen, so
auch ethische und moralische Hilfe und Wegweisung zu leisten.
Aus der Unauflösbarkeit dieses Widerspruchs ergibt
sich die Philosophie des Rechtshistorikers und Psychoanalytikers Pierre
Legendre.
»In der
christlichen Ordnung der Welt ist der Vater der Ursprung der Dinge und
damit der Ursprung der Gesetze. Diese biblische Fiktion können wir nur
durch aktualisierte, durch variierte Fiktionen ersetzen. Das Volk, so
lautet unsere heutige Fiktion, ist der Ursprung unserer Gesetze und
autorisiert unsere Rechtssprüche. Wir glauben an das Volk, es ist
unvermeidlich, aber strukturell ist dies das gleiche wie der Glaube an
Gott.
Man könnte
natürlich auch fragen: Warum muß ausgerechnet der Glaube diesen Ursprung
bezeichnen und verwalten? Antwort: Es gibt nichts anderes. Wo das Rätsel
regiert, dort verwaltet der Glaube. Und merkwürdigerweise ist der Glaube
eben jene Kraft, die der anderen Kraft, die die Welt regiert, antwortet:
der Macht. Eine Macht ist eine Unternehmung, die Schriften hervorbringt,
heißt es in einer lapidaren Definition Legendres. Für die Wahrheit des
Parallelenaxioms würde niemand in den Krieg ziehen. Nur der Glaube
geleitet uns in den Krieg und in den Tod. Und gerade das ist nach wie vor
die Funktion der Institution, die schreibt und sich einen dogmatischen
Grund gibt: den Menschen ins Leben und in den Tod zu geleiten.«
[Manfred Schneider]
Beenden wir unsere Überlegungen – ohne greifbares
Ergebnis, aber mit Herausarbeitung der Widersprüche und Rätsel – mit einem
Gedicht von Gottfried Benn[13]:
Durch so
viele Formen geschritten,
durch Ich
und Wir und Du,
doch alles
blieb erlitten
durch die ewige Frage: wozu?
Dies ist
eine Kinderfrage.
Die wurde
erst spät bewußt.
Es gibt nur
eines: ertrage
– ob Sinn,
ob Sucht, ob Sage –
dein fernbestimmtes: Du mußt.
Ob Rosen, ob
Schnee, ob Meere,
was alles
erblühte, verblich,
es gibt nur
zwei Dinge, die Leere
und das gezeichnete Ich.
Die Genese von Völkern und
Symbolsystemen
Im Ursprung gab es Gentes, Stammesidentitäten
aus denen sich die Identitäten von Völkern entwickelten, nachdem sich
diese vergrößert, d.h. die Menschen vermehrt hatten, sowie auch durch
Vereinnahmung unterworfener oder angeschlossener Volksgruppen. Es stellt
sich die Frage nach dem Volk (z.B. der Juden), nach
Gemeinschaften.
Die Überklammerung erfolgte in vielen Fällen durch
vergegenständlichende Symbolgestalten, die als Götter verstanden und
bezeichnet wurden. Es konnten auch sog. „heilige Tiere“ oder
Phantasiegestalten sein, die oftmals aus der überhöhten Phantasie aus
Tiergestalten erwuchsen: feuerspeiender Drache,
fliegender Drache, Phönix, fliegende Schlange,
weißer Hirsch oder weißer Adler etc., also Phantasiegestalten,
die oftmals zusammengesetzten Wahrnehmungen, Beobachtungen oder sog.
Erscheinungen (Träumen) entstammten. Alle hatten die Funktion einer
Überklammerung einer kleineren oder größer werdenden Gruppe, einer
Figuration.
Wenn man in die schriftlose Vorzeit
zurückgeht, trifft man auf die Kultur der Höhlenzeichnungen, z.B. in
Lascaux[14].
Es war eine Kultur der Jäger. Die Bilder an den Höhlenwänden machen
deutlich:
-
die
Jäger identifizierten sich mit dem gejagten Wild,
-
die
Jäger empfanden Furcht (und Ehrfurcht) vor dem gejagten Wild,
-
die
Jäger versuchten mit ihren Bildern das Wild zu bannen und
das getötete Wild – dessen Seele im Sinne
des Animismus als real wirkend verstanden wurde – zu besänftigen.

Wandmalerei aus Lascaux
Dabei bildeten sich Identifikationsmythen
heraus, indem bestimmte Tierarten als überlegen und doch der Gruppe
zugehörig wahrgenommen wurden: sie wurden die Symboltiere – d.h.
später: die Götter – des Stammes. Im Übergang zu späteren Formen
des Monotheismus wandelte sich diese Gottgleichheit eines bestimmten
Tieres in ein Tabu – ein Tier, dessen Verzehr und Verwendung verboten
wurde. So ging es wohl im Nahen Osten mit dem – unzweifelhaft schon früh
als besonders klug und „menschenähnlich“ beobachteten – Schwein. Es ist
also anzunehmen, dass das spätere Schweinefleischverbot im Judentum und
Islam religiöse Gründe aus der Vorzeit hatte und keinesfalls – im Sinne
einer späteren Rationalisierung – hygienische oder gesundheitliche Risiken
eine Rolle spielten.
Man anerkannte die jeweiligen Götter der benachbarten
Gruppierung, mit der man sich oftmals in Konkurrenz befand; im
Kampf wurde daraus der Feind. Bekannt sind Freund/Feind-Bilder;
der Gast, der zugleich der potentielle bzw. vermutete Feind
ist. Man vergleiche: Gastfreundschaft, Gastrecht als die
gegenseitige Akzeptanz der Regel, dass ein Kampf an diesem Tage, in dieser
Nacht unterbleibt; das Waffenablegen vor dem Haus, das Grüßen mit der
offen gezeigten Hand, der sog. Waffenhand, u.v.a.m. Ein Beispiel dafür aus
dem Nahen Osten ist das Friedensgebot beim Besuch heiliger Stätten,
z.B. für die vorislamische wie islamische Welt vom Heiligtum in Mekka, das
auf gewisse Zeiträume, die für die Pilgerfahrt (Hadj)[15]
vorgesehen sind, ausgedehnt wird. Das zeigt aber auch, dass ein Gebot wie
„Du sollst nicht töten“ aus den „Zehn Geboten“ des Alten Testaments nicht
die universale Bedeutung hat, die ihm heute oft theologisch zugesprochen
wird, sondern das Friedensgebot für die Stammesmitglieder
untereinander beinhaltete.
Man anerkannte zugleich die negativen Symbolgestalten
der anderen und damit auch deren Tabu-Funktionen, z.B. das Verbot,
Schweinefleisch zu essen. Es entstanden Methoden und Machtmittel
zur Gruppen-Definition und -Abgrenzung. Kennzeichnend ist,
dass derartige Regeln, Verbote, Tabus etc. logisch nicht ableitbar sind.
Vermutlich entstammen sie bereits vorzeitlicher Praxis, den
Vorstellungswelten der frühen Menschen, ihrem Denken und Handeln.
Es entwickelten sich positive Regeln (man soll,
man muss) und andererseits negative Regeln (man darf dieses
und jenes nicht tun). Also Gebote und Verbote! Klarer
formuliert: »Man« hat alles dieses getan, es ist nur nicht mehr
nachweisbar, wer es vollbracht hat und wann in welchen Zeitabläufen es
geschehen ist. Ein Theologe benutzte gern als Kommentar zur Genese der
Zehn Gebote: „Sie sind nicht einfach vom Himmel gefallen.“[16]
In den innergesellschaftlichen Machtkämpfen also
innerhalb verdichteter Gesellschaften, wie auch zwischen den jeweils
benachbarten, in unserem Kulturkreis, dessen Ursprung im Vorderen Orient
liegt, entwickelte sich die Überhöhung von Gottheiten, bis zum Einen, die
eine Abstraktion ins Transzendente darstellte. Über den Zusammenhang
dieses Prozesses mit der Entwicklung und Wandlung der Lebensformen – beim
Judentum der Rückkehr zur nomadischen Lebensform nach dem „Auszug aus
Ägypten“[17]
– werden wir noch später berichten.
Methode und Gestaltungsprozess war wahrscheinlich die
Zusammenführung von Weltlicher und Göttlicher Macht im Ägypten der
Pharaos. Vermeintlich war es Tut-Ench-Amun, der sich als erster als
den Alleinigen Gott definierte und damit die Religiöse und
Weltliche Macht in seiner Person zusammenführte, diese auch beanspruchte
und damit eine in sich geschlossene Herrschaft ausübte. Zum Vergleich: Der
Kaiser in Japan war Gott und Kaiser bis 1945. Die erzwungene Ablegung der
Gotteseigenschaft war eine Bedingung der Siegermächte.
Vermutlich haben die Juden dieses Bild nach ihrer
Ausreise/Auswanderung aus Ägypten übernommen, die als „Flucht aus Ägypten“
mythisiert und mythologisiert wurde. Man kann den Beginn der Herausbildung
der Eingott-Vorstellung ca. drei Tausend Jahre zurückdatieren.
Dieser Übergang war zweifellos ein hoher qualitativer Entwicklungssprung
in diesen Gesellschaften.[18]
Er entsprang Legitimierungsansätzen der eigenen jetzt wieder neu
unabhängig ausgeübten Herrschaft, Versuchen zu Plausibilitäten. Es galt,
nicht Erklärbares den Menschen plausibel zu machen, es ihnen scheinbar zu
erklären und verständlich zu machen. Man benötigte Scheinerklärungen zur
Rechtfertigung in der gegebenen Situation. Der hier Verwendete Begriff
„Scheinerklärungen“ ist jedoch problematisch, da er unsere eigenen
„Erklärungen“ der Natur und Gesellschaft für Realität postuliert, obwohl
auch unser eigenes Denken nur augenblicklicher Stand einer geistigen
Entwicklung ist und weiterhin mythische Elemente unser Alltagsbewusstsein
– aber auch die angeblich „objektive Wissenschaftlichkeit“ – bestimmt.
»Heute kettet sich das Leben an die Wissenschaft,
weil die Wissenschaft eine Religion ist. Wie der große amerikanische
Rechtshistoriker Harold J. Bennann in seinem Buch von 1983 The
Formation of the Western Legal Tradition dargestellt hat, liegt der
Ursprung der westlichen Rechtstraditionen in der Revolution Papst Gregors
VII. (1073-1085). Die wichtigste, bis heute wirksame Reform im Gefolge
Papst Gregors bildete die erste systematische Darstellung der
römisch-christlichen Rechtstradition durch den Bologneser Mönch Gratian um
1140: das Corpus iuris canonici. Sowohl die Methode als auch die
materiellen Grundsätze dieses Buches blieben in der Rechtstradition des
Westens erhalten.
Doch damit nicht genug. Die Methodik der
neuzeitlichen Wissenschaften, einschließlich der Naturwissenschaften,
entstammt dieser juristischen Revolution. Es war der Jurist Robert
Grosseteste, der im Übergang vom 12. zum 13. Jahrhundert das
methodische Instrumentarium der Rechtswissenschaft auch auf Naturphänomene
anwandte. Sein Schüler Roger Bacon prägte den Begriff „Naturgesetz“. Was
unsere Schulweisheit noch träumt und was die Naturwissenschaft wieder zu
den Akten legt – die Natur von Gesetzen regiert zu denken –: das ist nach
wie vor das juristische Unbewußte der Wissenschaft. Und unser gesamtes
kulturelles System trägt ein solches Unbewußtes in sich.« [Thesen nach
Pierre Legendre von Manfred Schneider.[19]]
Man definierte das Ausbrechen aus der ägyptischen
Herrschaft als Stärke des Eigenen Gottes – der aber erst in diesem
historischen Prozess zum Alleinigen Gott wird. Dieses hatte
eine Legitimierungsfunktion für die sich neu etablierten Machteliten im
Volk Israel, die wiederum ihre Herrschaft über die intellektuellen Eliten
stabilisierten, die ihrerseits sich immer mehr zu religiösen Eliten
umbildeten, um es in der modernen Sprache zu sagen. Die Herausbildung der
Priesterkaste in ihrer Mehrfachfunktion erfolgte langsam in
Entwicklungsschüben.
In dieser Phase einer Bildung eines
Herrschaftsgebietes mit sich ständig erhöhendem Organisationsgrad bildete
sich zeitlich parallel die Vorstellung des Alleinigen Gottes heraus.
Als Wesentlich erscheint dabei: Die ursprüngliche
Definition des Judentums war: Jude ist, wer eine jüdische Mutter hat.
Diese bis heute gültige Definition, ist zweifellos eine biologische
(biologistische). Sie wurde überlagert durch die zunehmend wirksam
werdende religiöse Definition: der Glaube an den gleichen Gott, aus dem
der Alleinige Gott (aller Menschen) erwuchs. Die Definition
des „jüdisch Seins“ wurde also nicht ersetzt, sondern durch
Überformung ergänzt.
»An dieser dogmatischen Lösung eines Dilemmas zeigt
sich, wie Legendre betont, daß die juristische Normierung (der
„zureichende Grund“) der Fortpflanzung in unmittelbarem Bezug zu den
Regeln der philosophischen Logik steht. Der „zureichende Grund“, definiert
Leibniz in der Monadologie, erklärt eine Tatsache oder Aussage für wahr,
ohne daß uns der Grund wirklich bekannt wäre. Denn unsere Rationalität
setzt allenthalben ein Verhältnis von Ursache und Wirkung. Die Welt
besteht überhaupt nur aus Dingen und Sachverhalten, die eine causa haben.
Wer ist aber der Einrichter der causa, was ist die causa des Prinzips der
Kausalität? Hier endet die Dekonstruktion. Aber hier setzt die Arbeit der
Juristen ein. Allein an der Position des Vaters beginnt und endet die
Ratio. Der absolute Vater ist der Ursprung seiner selbst. Ein Ding ohne
Ursache zu denken, das wäre sonst der Gegensatz von ratio, nämlich Demenz.
Hand in Hand definieren Juristen, Theologen und Philosophen, was Wahnsinn
ist, nachdem sie definiert haben, was Vernunft ist.
In der christlichen Ordnung der Welt ist der Vater
der Ursprung der Dinge und damit der Ursprung der Gesetze. Diese biblische
Fiktion können wir nur durch aktualisierte, durch variierte Fiktionen
ersetzen. Das Volk, so lautet unsere heutige Fiktion, ist der Ursprung
unserer Gesetze und autorisiert unsere Rechtssprüche. Wir glauben an das
Volk, es ist unvermeidlich, aber strukturell ist dies das gleiche wie der
Glaube an Gott.« [Thesen nach Pierre Legendre von Manfred Schneider.[20]]
So entsteht nicht nur beim Judentum, sondern in
vielen Gruppen des frühen Nahen Ostens ein doppelter Bestimmungsgrund: für
das Alltagsleben ist die strikte Rollenverteilung nach Geschlechtern
verbindlich – wie sie den Rollenerfahrungen der Nichtstaatsgesellschaften
zwischen „Kampf“ und „Jagd“ auf männlicher Seite und Haushaltsführung
(„Herrschaft im Haus“) und Nachkommenschaft der weiblichen Seite –
entsprach. In der späteren türkischen Gesellschaft entwickelt sich daraus
ein kompliziertes Geflecht aufeinander bezogener Vorstellungen von „Ehre“,
wie sie von Elçin Kürşat dargestellt wird:
»Männliche Ehre hat stets mit Demonstration, Kampf
und Wettbewerb, vor allem mit der Reputation und dem Ruhm eines Mannes zu
tun, der fähig ist, seinen Haushalt, seinen Besitz und seine Frauen gegen
die Übergriffe anderer Männer zu schützen. Das Normensystem beinhaltet
eine scharfe Rollentrennung; „männliche“ und „weibliche“ Ehre sind völlig
verschieden. Für Frauen baut es auf Keuschheit, sexuelle Reinheit,
Zurückgezogenheit, Gehorsamkeit und Unterlegenheit der Frau gegenüber
dem Mann auf. Aber für den Mann gilt ein Normensystem von Kampfesmut,
Kampfbereitschaft, Tapferkeit, Geistesgegenwart und selbstbewusstem
Auftreten. In allen Kriegergesellschaften, bzw. noch nicht befriedeten
Gesellschaften, waren und sind Frauen den Männern unterlegen. Die
Verrechtlichung und die langsame Emanzipation der Frauen setzte in der
Geschichte den Machtverlust der Kriegerschicht gegenüber dem Zentralsaat
und die Pazifizierung der Gesellschaft voraus (Elias 1976, Bd. 2,
S. 88-120).[21]
Erst nach der staatlich durchgesetzten Befriedung, Entwaffnung und somit
einer relativen Herabsetzung des Gefahrenniveaus im Zusammenleben der
Menschen sind Bedingungen für die geschlechtliche Gleichberechtigung
entstanden. Der Schlüsselbegriff des Ehrenkodex für den Mann ist
„Virilität“, für die Frau „Virginität“, also Jungfräulichkeit, die die
Fähigkeit des Mannes symbolisiert, Frauen der Familie zu schützen. Der
Mann muss als Hüter seiner „geheiligsten Objekte“, d.h. des Hauses, der
Frauen und des Gewehrs (Bourdieu 1972, S. 34), stets in der Lage
sein, die Herausforderungen des Rivalen anzunehmen und sie mit den eigenen
Kräften zu neutralisieren. Der „Ehrenmann“ muss also im Alltag ständig „in
Form“ sein. Die Tücken der „Honor and Shame Society“ erlauben keine
Entspannung (Peristiany 1965, S. 14).[22]
Die Ehre der Frauen der eigenen Gruppe – in erster Linie der eigenen
Familie und Verwandtschaft – muss stets bewacht und kontrolliert werden,
denn die Frauen sind physisch und moralisch schwach. Da die Ehre des
Mannes von der Ehre der weiblichen Familienangehörigen abhängt, werden
Frauen als potentielle Gefahrenquelle und mit Misstrauen angesehen. Bei
der z.B. arbeitsbedingten Abwesenheit der Männer üben in Ausnahmefällen
auch die älteren weiblichen Familienangehörigen die Kontrolle aus, deren
Ehre nicht mehr verletzbar ist, weil sie aus dem kulturell definierten,
geschlechtlich aktiven Lebensalter heraus gekommen sind. Diese
Überwachungs- und Schutzfunktion der Männer legitimiert und begründet die
männliche Autorität. Eine Frau, die sich in mediterranen Gesellschaften
allzu oft in der Öffentlichkeit zeigt oder die durch demonstratives
Verhalten auffällt, wirkt stets suspekt. In den traditionellen
Agrargesellschaften des Mittelmeerraumes kann für Frauen bereits die
außerhäusliche Arbeit, wie etwa die Tätigkeit in der Landwirtschaft, einen
Ehrverlust bedeuten. So berichtet Davis, dass die Einwohner Pisticcis (Lukanien)
bei der Tabakernte in der Regel fremde eingewanderte Arbeitskräfte
einsetzen, um die Ehrbarkeit der eigenen Frauen nicht in Gefahr zu bringen
(Davis 1973, S. 106[23]).«[24]
Auf der anderen Seite steht aber das die
Stammesidentität sichernde matrilineare Prinzip, das die
Zugehörigkeit zum „Volk Israel“ und die Erbregelungen bestimmt.
Wir sehen, dass biologische Unterscheidungskriterien
für unsere Beispiele eine entscheidende Rolle spielen, sollten uns aber
klar machen, dass diese seinerzeit nicht als „biologisch“, sondern als
sozial bzw. ethisch-religiös verstanden worden sind. Neben die
geschlechtsspezifische Rollenverteilung tritt bei vielen Stämmen im Nahen
Osten die Abstammungsregelung, die oft „matrilinear“ – nach dem
Rechts- und Erfahrungssatz „Mater semper certa est“ – ausgestaltet
ist und damit eine größere Sicherheit im Zusammenhalt des Stammes- und
Familienzusammenhalts bot.
»Das lateinische Rechtssprichwort Mater semper certa
est (die Mutter ist immer sicher) bezieht sich auf die Mutter im
Rechtssinne. Mutter des Kindes ist die Frau, die es geboren hat… Der
lateinische Rechtsspruch aber geht weiter. Nach der früher einfachen
Aussage über die Person der Mutter kommt das eigentliche Rechtsproblem,
nämlich die Feststellung des Vaters. Eigentlich gilt ja: „pater semper
incertus est“ – der Vater ist immer ungewiss, denn für den Vater gibt es
kein mit dem Austritt der Leibesfrucht aus dem Mutterleib gleichwertiges
äußeres Beweiszeichen seiner Vaterschaft. Es bleibt immer die Möglichkeit,
dass jemand anders als der Ehemann der wahre Vater ist. Um einer solchen
Rechtsunsicherheit vorzubeugen, heißt es: „pater est, quem nuptiae
demonstrant“ – Vater ist, wer durch die Heirat als solcher erwiesen ist.
Das bedeutet: In Ansehung der während einer bestehenden Ehe erzeugten
Kinder gilt der Ehemann der Mutter als Vater der Kinder, solange die
Vaterschaft des Ehemanns nicht erfolgreich vor Gericht durch eine
Vaterschaftsanfechtungsklage (früher: Ehelichkeitsanfechtungsklage)
angefochten wurde.« [Wikipedia. Mater semper certa est.]
Traditionelles Matriarchalisches Recht – wie
in der Abstammungsregel bei den Juden, jedoch nicht unbedingt im
„öffentlichen Alltag“, der durchaus patriarchalische Züge trägt[25]
– steht nach wie vor in Konkurrenz zur überlagernden, religiös-mythisch
abgeleiteten Gruppen- bzw. Volksdefinition. Beide stehen im Abwehrkampf zu
dem Anspruch des Staates, die Volkszugehörigkeit modern zu definieren. Es
gibt bis heute in Israel kein über eine Verfassung definiertes
Staatsbürgerschaftsrecht. Moderne Israeli trennen zwischen ihrer
Zugehörigkeit zum Staat und der Religion, zumal wenn sie sich als
Religionslose verstehen, andere Angehörige orthodoxer Gruppen bestehen auf
dem archaischen Recht. Die traditionellen Zugehörigkeitskriterien bestehen
in heutiger Auffassung in biologischen Zugehörigkeitsbezügen. Die
Relativierung durch die Eigenwahrnehmung in der frühen Zeit wurde schon
angesprochen. So wäre eine Beschreibung als „biologistische Kategorie“
nicht sachgerecht. Erst in der Entstehung der Staatsgesellschaft[26]
entwickeln sich bewusste biologische Kriterien zur Außenabgrenzung der
entstehenden „Nationen“. Der dabei gesuchte Bezug zu einer „Tradition“ der
jüdisch-christlichen Volkskategorie ist wohl als legitimatorischer
Mythos anzusprechen. Doch verstärkt dieses Traditionskonstrukt die
Wirksamkeit biologistischen Denkens. Wir wissen, welche Bedeutung und
bösen Folgewirkungen der Biologismus im 19. Jahrhundert und danach hatte.
Am Beispiel der Juden in Europa kann man die Entwicklung verdeutlichen.
In der Neuzeit erfolgte über die Duldung der Juden
deren Einordnung als Untertanen die der Pflicht zu Abgaben bzw.
Steuern unterlagen. Als spätere Folge ergab sich die Einbeziehung in die
Staatsbürgerschaft wie die Zugehörigkeit zur jeweiligen Nation.
Letzteres geschah oftmals um den Preis der Aufgabe der religiösen
jüdischen Identität und die Übernahme der neuen christlichen. Zumeist
geschah diese Taufe aus strukturellem, wenn nicht gar physischem Zwang
heraus, ein Überlebensmechanismus schlechthin.[27]
Die neue Überklammerung schloss nicht aus eine verzögerte, verhinderte
Ausgrenzung aus der Volkszugehörigkeit der jeweiligen
Mehrheitsgesellschaften bis hin zu Diskriminierungen als in vielen
europäischen Gesellschaften nachweisbares Phänomen. Bis heute tut sich
auch die Gesellschaft der in Israel lebenden Menschen [der Israelis, der
Juden?] schwer, zu einer modernen einheitlichen Definition zu kommen.
Die Anhänger des (vermutlich hingerichteten[28])
Wanderpredigers und Heilers, Jesus von Nazareth, des Gesalbten
(Christos), wie sie ihn nannten, der in einer alten jüdischen Tradition
der Prediger und Propheten stand, definierten sich selbst nach diesem und
fühlten sich als Christen. Inwieweit letztere eine von „außen“
kommende Bezeichnung ist (den herrschenden Römern oder Nachbarvölkern,
bzw. deren Völkern. in die sie nach dem Jahre 70 u. Z. hinein diffundiert
sind), mag schwer zu klären sein, ist aber auch nachrangig.
Die frühen Christen verstanden sich eine lange Zeit
noch als jüdische Gruppe / Gemeinschaft, aus der nach und nach eine
eigenständige religiöse Sekte wurde. Gleichzeitig überlagerte
die Definition der Glaubenszugehörigkeit diese Gruppe und bildete die
entscheidende Klammer, der Glaube bestimmte die Zugehörigkeit zur eigenen
Gruppe. Aufgrund ihres Missionierungsgebotes [„gehet hin und lehret…“]
wurde die jetzt neue Überzeugungs- bzw. Bekenntnisreligion zur neuen
entscheidenden Klammer von immer mehr Menschen. Das Mutterrecht
verschwand bei dieser Gruppe parallel zur Zu- bzw. Unterordnung im
Römischen Reich. Dort waren sie wesentlich als Arbeitskräfte und Steuer-
bzw. Tributzahlende interessant. Sie waren bald keine Juden mehr, nur noch
Christen, im Römischen Reich lebende Menschen minderen Rechts.[29]
Die Menschen, die sich als Juden verstanden, definierten sich weiterhin
über das Mutterrecht einerseits und die Anerkennung der Thora
andererseits.[30]
Symbol sind die Thorarollen, die als heilig verstanden werden. Die
weltlichen Regeln der Juden sind zunächst mündlich überliefert worden und
in der Diaspora aufgeschrieben worden. Sie sind im Talmud enthalten.
Die aus ihrem Lande, ihren Wohngebieten, den
Lebensbereichen vertriebenen Juden, die in den nördlichen, südlichen und
östlichen Mittelmeerraum wanderten, in die heutigen arabisch überformten
Regionen, blieb die traditionale mutterrechtliche Definition und zunehmend
entwickelte sich die religiöse. In diesem Zusammenhang erhöhte und
verfestigte sich die Bedeutungswirkung des Eingottes. Der
Monotheismus bekam die gleiche hohe Bedeutung, nunmehr für Juden und
Christen, die sich als ehemalige Brüder bzw. Volksangehörige[31]
recht feindlich gegenüber standen.
Aber dieses ist ein eigenes spezielles Kapitel.
Wesentlich bleibt aber: es handelt sich nach wie vor um den identischen
Einen Gott.
Auf der Basis der Facetten der jüdisch-christlichen
Kultur, wobei das überwiegend Gemeinsame und weniger das noch Verbindende
des Trennenden zu betrachten ist, entwickelte Mohammed – vermutlich
zusammen mit seinem Team anderer befreundeter Schriftkundiger – die
Neuformulierung der Geistesgeschichte der damaligen Zeit, den Koran.
Dieser stellt nicht nur eine neue Zusammenstellung der bisherigen Mythen,
Erzählungen, Legenden der jüdischen und christlichen Kultur als Basis und
Bezugsgröße dar. Man hat jetzt, im siebenten Jahrhundert. u. Z. das in
zwei bis drei Tausend Jahren herausgebildete alte Regelsystem des
jüdisch-phönizischen Kulturraumes in Ergänzung zu dem von Christen
entwickelten, neu diskutiert und ergänzend definiert. Insofern ist der
Koran ein für das siebente Jhdt. modernes gesellschaftliches Regelwerk. Er
umschließt also ein moderneres religiöses Symbolsystem und zugleich ein
weltliches Normensystem.[32]
Als wesentliche Basis bleiben der Monotheismus und
die jeweilige Definition als Bekenntnisreligion verbunden mit dem
Missionierungsgebot.[33]
Dass letzteres zugleich eine Legitimierungsfunktion darstellt für die
Eroberung benachbarter Territorien und damit die Ausdehnung des eigenen
Herrschaftsgebietes, ist ein anderes Phänomen, damit aber untrennbar
verbunden.[34]
Die Tatsache, dass die Gottesdefinition (Allah) nicht
von vornherein, bzw. nur im Ursprung, als identisch mit der
jüdisch-christlichen angesehen wird, hat seinen Ursprung wesentlich in der
Funktion zur Ausgrenzung, Abgrenzung und damit zur Legitimierung des
eigenen Herrschaftsbereiches über eine neue Religion. Wenngleich dieses
vor allem für die frühe Eroberungsphase islamischer Herrscher galt. Später
wäre es zur Feinbildproduktion nicht mehr nötig geworden, hat aber seine
Wirkungsmächtigkeit bis heute erhalten. Im Zusammenhang mit der
Feindbildproduktion steht dessen zentrales Bild der als ungläubig
bezeichnete und damit herab gestufte Feind, der zu bekämpfen und zu
bekehren ist, in der Regel mit physischer und auch psychischer Gewalt.
Angesichts der erheblichen Gemeinsamkeiten,
resultierend aus den identischen kulturell-gesellschaftlichen Wurzeln, der
Konkurrenten und sich gegenseitig bekämpfenden, resultiert die
Notwendigkeit bzw. der Zwang zur Abgrenzung. Hierzu dient die Symbolebene
auf der Regeln geschaffen werden: Formen des Gebetes, der Gesänge, der
Gottesdienste.
Für den Islam bedeutete das z.B. Postulierung und
Verhängung des Bilderverbotes.[35]
Manche, insbesondere kleinere Religionsgruppen verhängen Verbote zur
Ausübung gemeinsamer religiöser Praxis. Man verbot gemeinsame Gebete und
Gesänge und gar das Betreten anderer Gotteshäuser. So soll es Juden und
Zeugen Jehovas verboten sein, christliche Kirchen zu betreten. Die Ökumene
hat in diesem Zusammenhang viel Positives und Entspannendes bewirkt. Für
Christen unterschiedlicher Konfessionen ist das Betreten und der
gemeinsame Gottesdienst kein Problem mehr, abgesehen von Vorbehalten der
katholischen Kirche z.B. beim Abendmahl.
Man entwickelte eigene Rituale und Bestimmungen in
der Kleiderordnung: Die Beschneidung von Jungen im Islam, übernommen von
den Juden, oder das Kopftuch für muslimische Frauen.[36]
Man grenzte sich über Erkennungszeichen gegenüber
anderen ab. Dazu gehört z.B. das Läuten von Glocken bei Christen und das
zum Gebet rufen bei Muslimen. Es wird heute zumeist als Tradition
wahrgenommen, hat aber eine Disziplinierungsfunktion: Man sieht, wer in
das Gotteshaus, die Kirche, die Moschee geht, wer also die Regeln befolgt
– und wer nicht! Eine wirkungsvolle gesellschaftliche Kontrollmöglichkeit
für Klerus und Obrigkeit.
Die Entstehung des Monotheismus ist eng
verbunden mit der Ethnogenese des „jüdischen Volkes“, wie sie in
mythischer Form bei Mose im Alten Testament dargestellt wird.
Schlüsseltext dazu ist die Erzählung über die „vierzig Jahre dauernde
Wanderung“ der „Kinder Israel“ durch die Wüste Sinai nach ihrem „Auszug
aus Ägypten“.
-
When Israel was in Egypt’s land: Let my
people go, Oppress’d so hard they could not stand, Let my People go. Go
down, Moses, Way down in Egypt land, Tell old Pharaoh, Let my people go.
-
Thus saith the Lord bold Moses said: Let
my people go, If not I’ll smite your firstborn dead. Let my People go.
Go down, Moses,…
-
No more shall they in bondage toil. Let my
people go, Let them come out with Egypt’s spoil! Let my People go. Go
down, Moses,…
-
O let us all from
bondage flee. Let my people go, And let us all in Christ be free.
Let my People go. Go down, Moses,…
Der Moses-Mythos gehört zu den grundlegenden Bildern
und Vorstellungen der Glaubenswelt der monotheistischen (abrahamitischen)
Religionen und tritt in immer neuer Form in die Gegenwart. Im Spiritual
„When Israel was in Egypt’s land“ zeigt sich eine Verwendung als
Symbol der Hoffnung der Beendigung der Sklaverei in Nordamerika… In
unserem nächsten Beispiel zum „Nachdenken über…“ einen Mythos
wählen wir daher die Erzählung über die Wanderung der „Kinder Israel“
durch die Wüste des Sinai, in dem sich die divergierenden Aspekte der
Rolle eines Mythos besonders deutlich herausarbeiten lassen.
Nachdenken über…
…den Sinai, die vierzig
Jahre und die Ethnogenese eines Volkes
Eine Fahrt über den Sinai
»Samstag, 18. Juli: Aqaba’: Beschaffung der
Fährtickets, gegen Abend Einschiffung auf der „Mekka I“ nach Nuweiba
{Ägyptische Grenze}; Nuweiba: Zollabfertigung bis in den frühen Morgen.
Sonntag, 19. Juli: Morgenrast an der Straße hinter Nuweiba. Fahrt durch
den Sinai; Katharinenkloster; Feiran; Abu Rudeis. Übernachtung bei Abu
Rudeis am Golf von Suez im Gelände. Montag, 20. Juli: Abu Rudeis,
Suez-Kanal, Ismailia, Zagzig, Tanta, Alexandria. Behelfscampingplatz in
Abukir«[37].
Ja, tatsächlich – die Fahrt über den Sinai, von
Jordanien kommend, dauerte – mit unseren vier VW-Bussen und zwanzig
Teilnehmerinnen und Teilnehmern nur einen Tag. Doch wir waren am
Mosesberg, dem Djebel Musa, haben das Katharinenkloster gesehen – das
leider an diesem Tag nicht für Touristen zu besichtigen war – und sahen
Wüsten, schroffe Berge und grüne Dattelpalmoasen – und ab und zu
ausgebrannte Panzer neben der Straße: Der letzte Krieg zwischen Israel und
den arabischen Ländern war noch nicht allzu lange her. Das beängstigendste
Kriegsrelikt wurde uns aber erst bewusst nach unserer Übernachtung bei Abu
Rudeis – im fahlen Licht der beleuchteten Ölraffinerie in einem
Steppengelände am Bergfuß, etwas abgeschirmt vom Blick von der Straße
durch einen Dünenwall –, als wir bei der Abfahrt hinter uns die (in der
Dunkelheit übersehenen) Warnschilder entdeckten: Vorsicht,
Minengelände, Lebensgefahr!
Die „Heilige Zahl Vierzig“
Seit alters her werden bestimmten Zahlen
mythologische und religiöse Bedeutungen zugewiesen. In vielen Fällen sind
bestimmte Erfahrungsgrundlagen einsichtig, wenn auch nicht unbedingt
beweisbar. Es ist hier nicht der Ort, die grundlegenden „Heiligen Zahlen“
Eins, Zwei, Drei, Sieben, Zehn und
Zwölf, die auch heute noch Zeiträume gliedern und im Bewusstsein
verankert sind, näher zu erörtern, denn es geht hier um die Zahl
Vierzig, die im Alten Testament die Vierzig Jahre des Weges durch die
Wüste Sinai der Israeliten bezeichnet.
»Vierzig ist die Symbolzahl der Prüfung, Bewährung,
Initiation bzw. für den Tod. Als die verzehnfachte Vier repräsentierte sie
Vollkommenheit. Der Ursprung des Vierzig-Tage-Rhythmus lässt sich in
Babylonien suchen, wo eine Verbindung des vierzigtägigen Verschwindens des
Sternbildes der Plejaden hinter der Sonne mit Regen, Unwetter und Gefahren
beobachtet wurde. Bei der Wiederkehr der Plejaden wurde als Zeichen der
Freude ein Bündel aus vierzig Schilfrohren verbrannt«. [Aus
Wikipedia. Vierzig.]
Ob diese Erklärung zutreffend ist, sei dahingestellt.
In der Bibel treten vierzig Tage und vierzig Jahre noch mehrfach auf.
Wikipedia stellt folgende Fälle in einer ersten Übersicht zusammen:
»Vierzig Tage ist im Alten Testament die Zeit
der Sintflut, des Aufenthaltes des Mose auf dem Sinai, die
Zeit in der Ezechiel Israels Fehlverhalten Einhalt gebietet, des
Verbergens des Elija, sowie der Prüfung für Ninive unter Jona.
Vierzig Jahre wanderten die Hebräer durch die Wüste,
lebten sie unter der Herrschaft der Philister, währte jeweils die
Herrschaft der Könige David und Salomo, und das 2. Buch Mose
enthält vierzig Kapitel.
Im Neuen Testament lehrte der auferstandene
Christus vierzig Tage lang seine Jünger über das Reich Gottes und
wurde dann in den Himmel auf den Platz „zur Rechten Gottes“ erhoben
(Christi Himmelfahrt). Im Christentum währt daher die Freudenzeit von
Ostern bis Himmelfahrt vierzig Tage. Das vierzigtägige Fasten Jesu hat
außerdem Bedeutung für die Spanne der Fastenzeit vor Ostern bzw.
Weihnachten (Advent).«
Zu erwähnen sei hier auch, dass viele Tempel der
Antike vierzig Säulen hatten, so z. B. in Persien, Baalbek, bei Ezechiel
oder den Kelten. Einen ambivalenten Umgang mit diesem Bauschema kann man
in Persien in der Zeit der Safawiden in ihrer damaligen Hauptstadt Esfahan
bewundern, im Gartenhaus Chehel Sotun.

Chehel Sotun-Palast in Isfahan. Foto: Voigt, 1970[38]
»Seit frühester Zeit ist in Persien mit der Anlage
von Gärten die Vorstellung des Paradieses verbunden.[39] Die
weitläufigen, schön gegliederten Gartenanlagen veranschaulichen zugleich
die Herrschermacht des Königtums. Die Einzelgebäude in den verschiedenen
Gärten bilden jeweils den Hauptakzent; auf sie sind die Wasserläufe,
Bassins und die Bepflanzung ausgerichtet. Der erste Garten, den wir
betreten, ist nach seinem Hauptgebäude Chehel Sotun-Garten benannt und in
seiner Gestaltung exemplarisch. Drei Alleen hochgewachsener Platanen
beschatten die Wege des beinahe quadratischen Parks und betonen zusammen
mit dem Verlauf der Wasserbecken die Achse der Palastausrichtung von
Westen nach Osten…
Das Dach der Terrassenhalle an der Stirnseite des
Gebäudes wird von einer dreifachen Reihe achtkantiger Holzsäulen
getragen. Der Name Chehel Sotun bedeutet Vierzig-Säulen-Palast.
Mit der Zahl 40 wird in der persischen Sprache eine
unbestimmte Vielheit bezeichnet. In Wirklichkeit ruht das Vordach mit der
wunderbar bemalten Kassettendecke auf 18 vollen Säulen. Zählt man die zwei
Eingangssäulen zum angrenzenden Thronsaal dazu und blickt aus Distanz über
das grosszügige Wasserbecken auf den Palast, entsteht ein prachtvoller
Eindruck. Durch die Spiegelung des Wasser sind jetzt tatsächlich insgesamt
40 Säulen zu sehen…
Datum der Bauvollendung zur Zeit Schah Abbas II ist
das Jahr 1647. Durch einen kleinen Brand nötig gewordene
Instandstellungsarbeiten erfolgten unter Schah Sultan Huseins um 1706.« .“
(aus
torba 2/99.)
Bezeichnend ist in dieser Darstellung die Betonung
der Doppeldeutigkeit des symbolischen Bauschemas, einmal als „Vorstellung
des Paradieses“ und zum anderen – in weltlicher Bedeutung – als
Verkörperung der „Herrschermacht des Königtums“. Dabei ist es schwierig zu
unterscheiden, ob sich solche „Mehrdeutigkeit“ aus kultureller
Selbstverständlichkeit entwickelt, oder ob symbolische Bedeutungen
bewusst für Machtzwecke funktionalisiert werden.
Dies ist Anlass zu einer grundsätzlichen Überlegung.
Die Bedeutung von Mythologemen ist evident und bis in die heutige Zeit
wirksam. Dennoch ist immer eine Gegenströmung zu beobachten, die sich im
Laufe der Entwicklung der „Hochkulturen“, das heißt auch der
monotheistischen Religionen, immer mehr verstärkt. Es ist die
Mehrdeutigkeit, die Ambiguität der Bedeutungsinhalte und der Verwendung
der mythologischen Symbolsprache. Gerade in letzter Zeit ist das für die
Geschichte des Islam – bei der man sub species der heutigen
islamistischen Rigorosität eigentlich kaum an das Topos der „Ambiguität“
denkt – untersucht worden, mit dem Ergebnis, dass in den Hochzeiten der
islamischen Kultur die Ambiguität eine bedeutende Rolle gespielt hat.[40]
Zurück zum Chehel Sotun-Palast in Isfahan.
„Ernsthafte“ Interpretationen weisen auf die umgangssprachliche Verwendung
des Zahlwortes „Vierzig“ im Farsi hin im Sinne von „ungezählt, viel“;
näher liegt aber hier eine unterströmige ironische Brechung des
Palast-Namens. Bleiben wir in der Persischen Kultur, sehen wir, dass nicht
nur beim Begriff „Vierzig“ die Ambiguität durchscheint, sondern dass das
kulturelle Selbstverständnis seit jeher gegenläufige Interpretationen
kennt, so z.B. in der Bedeutung des „Hussein-Mythos“, der eine
zentrale Rolle im shiitischen Selbstverständnis einnimmt, als „Hoseyn
als Vermittler“ – „Hoseyn als Vorbild“[41]
oder in dem derzeitigen Aufeinanderprallen antagonistischer
Kulturkonzeptionen – der „biophilen Kultur“ der Demonstranten und der
jungen Generation gegen die „nekrophile Kultur“ der heutigen
Herrschaftsklasse in Iran.[42]
Fassen wir die Ergebnisse bis hierhin in Thesen
zusammen:
-
Mythen
sind symbolische Zeichensysteme.[43]
-
Symbolische Zeichensysteme entziehen sich einer eindeutigen
(„beweisfähigen“) Deutung.
-
Mythische Aussagen sind gekennzeichnet durch ihre Ambiguität.
-
Mythen
dienen gesellschaftlichen Bedürfnissen – vor allem im Sinne der
Stabilität der „Überlebensgruppe“ und des inneren Zusammenhalts des
Gesellschaftsverbandes.
-
Mythen
sind – in nicht eindeutig bestimmter Hinsicht – funktionalisierbar.
-
Mythen
dienen dem Machterhalt und können für diesen konstruiert werden (im
Sinne einer propagandistischen Aufgabe; vgl. weiter unten:
Legitimationsmythen).
Vierzig Jahr wandert das Volk der Israeliten unter
der Führung von Moses durch die Wüste des Sinai. Es ist an der Zeit, sich
die Bedeutung dieser Darstellung – die so fernab jeder Realerfahrung auch
im Altertum war – genauer anzuschauen. Der Sinai war seit
vorgeschichtlicher Zeit Durchgangsraum für Volksstämme, Nomaden und
kriegerische Expeditionen. Besonders bekannt wurde der Feldzug des
ägyptischen Pharaos Ramses II., der – erfolglos – das
Hethiterreich erobern wollte und dabei in wenigen Tagen den Sinai, der
zum ägyptischen Herrschaftsbereich gehörte, durchquerte. Am Rande sei hier
auf ein frühes Beispiel propagandistischer Umdeutung der Geschichte
aufmerksam gemacht: die Inschriften auf Ramses-Statuen, die der Pharao
nach dem missglückten Abenteuer aufstellen ließ, und in denen er „den
heldenhaften Mut“ seiner Armee in leuchtenden Farben schilderte… (sodass
ein unbeteiligter Leser glauben musste, die Ägypter hätten gesiegt).
»Die Herrscher Ägyptens, Babyloniens und Assyriens
betrachteten den hethitischen Großkönig weitgehend als gleichrangigen
Partner, mit dem sie diplomatische Kontakte und Handelsbeziehungen
unterhielten aber auch Kriege führten. Ein Beispiel für dieses Spiel der
Mächte ist die Schlacht bei Kadesch (1274 v. Chr.)[44]
und der nachfolgende Friedensvertrag zwischen Ramses II. und Hattušili
III. Hierbei handelt es sich um den ältesten bekannten Friedensvertrag der
Welt, von dem – als ein Symbol für den Frieden – eine Kopie im UNO-Gebäude
in New York City zu sehen ist.« (Aus Wikipedia, Hethiter.)
Die Volkwerdung der Juden
»Das
Anwachsen der Söhne Israels zu einem zusammenhängenden Volksstamme ist
unter ungewöhnlichen Umständen erfolgt, und ihre Anfänge glichen nur wenig
denen anderer Völker. Sonst waren die Völker, wenigstens die der alten
Welt, sobald sie ihre Vereinzelung aufgegeben und sich zusammengeschlossen
und gruppiert hatten, mit dem Boden ihres Wachstums eng verknüpft und
fühlten sich eins mit ihm. Aus ihm schöpften sie meistens ihre
Vorstellungen, ihre Sprachen und ihre Götter. Die Berge, die Flüsse, die
Luft, das Klima, die Veränderungen darin bildeten nicht bloß ihren
Charakter, sondern auch ihre Geistesrichtung und ihre Götterlehre. Sie
liebten den Boden, auf dem sie zu einem einheitlichen Ganzen
zusammengewachsen waren, wie einen Teil ihres Selbst, verteidigten ihn
gegen Angriffe und fühlten eine tiefe Wunde, wenn sie ihn verlassen mußten.
Nicht so das israelitische Volk. Sein Ursprung entstand in einer fremden
Umgebung, und es konnte kaum auf diesem andern Boden Wurzel fassen. So
dunkel auch dieser Ursprung ist, so ist doch so viel gewiß, daß einer
seiner Stammgründer infolge einer Hungersnot im Lande Kanaan mit seiner
Familie und seinen Herden nach Ägypten wanderte, sei es auf Verwendung
eines seiner Söhne, Joseph, der als Sklave dahin verkauft wurde und
eine hohe Stellung am Hofe eines der ägyptischen Könige eingenommen hatte,
sei es, weil die Ägypter einen Widerwillen gegen Schafhirten empfanden und
sie nicht in ihrer nächsten Nähe dulden mochten, sie aber nicht entbehren
konnten und es daher gern sahen, wenn Hirtenstämme sich in ihrer Nähe
ansiedelten. Den eingewanderten Söhnen Israels wurde das von Ägyptern
wenig bevölkerte Land Gosen
[45]
oder Land Raamses als Wohnplatz eingeräumt. Es lag am östlichen
Nilarme zwischen diesem und der großen Sandwüste im Osten. Hier waren
weite Weideplätze für ihre Herden, und da die Gegend noch wenig bewohnt
war, so konnten sie weit und breit nomadisieren. Auch andere Stämme
sprachverwandten Ursprungs mit den Söhnen Israels, semitische
Stämme, siedelten sich hier an; der Landstrich wurde daher als das
ägyptische Arabien angesehen. Nach und nach nahmen die Israeliten, je
größer ihre Zahl wurde, eine seßhafte Lebensart an, verlegten sich auf
Ackerbau, gruben Kanäle vom östlichen Nilarme, bewässerten damit ihre
Felder und lernten von den Ägyptern Handwerke und wohl auch die in diesem
Lande heimischen Künste.«
Quelle: Heinrich Graetz: Geschichte der Juden. Bd. 1 S. 9-10[46]
Diese Darstellung der Frühzeit des „jüdischen Volkes“
von Heinrich Graetz zeigt in einem traditionellen, noch an der
Quelle des Alten Testaments orientierten Zugehensweise, dennoch
einige wichtige und interpretationsfähige Charakteristiken, die als
Thesen zu einer weiteren Diskussion einmal zusammengestellt werden sollen:
-
In dieser Frühzeit der Geschichte ist es noch nicht
sinnvoll, von „Völkern“ zu sprechen. Es standen sich familial gebundene
Gruppen und zentralisierte Reiche gegenüber, wobei letztere – Ägypten,
Altorientalische Reiche, Iran in dem von uns beschriebenen
geographischen Raum – als eine kulturelle Weiterentwicklung im
Zusammenhang mit der „zweiten landwirtschaftlichen Revolution“[47]
stehen, die Wittfogel
[48]
als „hydraulische Kulturen“ beschreibt, während die familialen
Vergesellschaftungen noch zum großen Teil der nomadischen Lebensform
anhängen und, um mit Norbert Elias zu sprechen, als
„Überlebenseinheiten“ im Kampf gegen die Umwelt und die Stammesnachbarn
existieren.
-
Die Aussage, dass diese frühen Vergesellschaftungen
„mit dem Boden ihres Wachstums eng verknüpft“ seien und sich „eins mit
ihm“ fühlten, dürfte eher die Ausnahme gewesen sein, auch wenn sich im
Laufe der genannten „zweiten landwirtschaftlichen Revolution“ Ansätze
dieser kulturellen „Sesshaftigkeit“ vor allem im Zweistromland und in
Ägypten feststellen lassen. Doch wichtiger waren die Machtprozesse, die
sich auf eine abgeschlossene Kaste des „Priester-Königtums“
konzentrierte, die ihre Sonderstellung in einer strengen Endogamie bis
hin zur zwangsweisen Geschwisterehe sicherten. Die
mythologisch-religiöse Beschreibung dieser Prozesse divergiert dabei
sehr stark, indem die familial-nomadischen Gruppen eher allgemeine,
abstraktere, genealogisch verankerte Gottesvorstellungen entwickelten,
die dann in einer einleuchtenden Folge zum Monotheismus im Sinne eines
„Volksgottes“ führten, während sich die Gottesvorstellungen der Reiche
auf eine Materialisation von Gottesbildern und Gebets- und Ritus-Stätten
hin entwickelten.
-
In den alten Großreichen wie Ägypten differenzierte
sich die Bevölkerung in einerseits seit alters her sesshafte Gruppen –
Clans, Familien –, die die Basis für die Herrschaftskaste waren, und die
randständigen – zugewanderten, halbnomadischen oder eroberten –
Gruppen, die letztlich wie die „eigentliche Reichsbevölkerung“ in
Sklaverei-ähnlichen Abhängigkeits- und Dienstverhältnissen standen und
durch Fronarbeit der Herrschaftskaste zugeordnet waren. Einen Ausweg
für diese randständigen Bevölkerungsgruppen, vor allem im eroberten
Grenzbereich zu den Wüstengebieten des Nahen Ostens, war weniger der
offene Widerstand als der „Auszug aus Ägypten“ in die nicht-sesshafte
Lebensform.
So wird auch der alttestamentarische „Auszug aus
Ägypten“ der „Kinder Israels“ verständlich als Flucht vor der Fron in
Ägypten – und die Rückkehr in eine nomadische Lebensform in der Wüste,
deren Dauer unabsehbar war und daher mit dem symbolischen Zahlwort der
„vierzig Jahre“ umschrieben wurde.
Diese Perspektivlosigkeit, die für Gruppen zwischen
Sesshaftigkeit und Wanderweidewirtschaft besonders deutlich wahrgenommen
wurde, erhielt eine mythologische Sinngebung in der Erinnerung an die
Urheimat.
»Nach der Thora, den fünf Büchern Mose, beginnt die
Geschichte des jüdischen Volkes mit dem Bund, den Gott mit Abraham
schließt (Gen 12 LUT[49]).
Die jüdische Tradition sieht Abraham als den Begründer des Monotheismus,
des Glaubens an einen einzigen, unsichtbaren Gott. Diesen Bund setzt Gott
mit Abrahams Sohn Isaak und dessen Sohn Jakob fort, der seit dem Ringkampf
am östlichen Ufer des Flusses Jabbok (Gen 32 LUT) Jisrael genannt
wurde. Jakob hatte zwölf Söhne, die als Stammväter der Zwölf Stämme
Israels (Israeliten) gelten. Diese ziehen von Kanaan, dem heutigen
Palästina bzw. Israel nach Ägypten, wo ihre Nachfahren vom Pharao
versklavt werden. Aus dieser Sklaverei werden die von Mosche (Moses)
angeführten Hebräer durch Gott befreit, der ihnen am Berg Sinai die,
schriftliche und mündliche, Thora offenbart. Obwohl das jüdische Volk an
dieser Aufgabe häufig scheitert, was die späteren Propheten immer wieder
beklagen, bleibt der Bund mit Gott ungebrochen.« (Wikipedia
„Judentum“.)
»Als Urväter der Juden gelten Abraham, Isaak und
Jakob, die westsemitische Nomadenstämme anführten, die irgendwo zwischen
dem Mittelmeer und Mesopotamien lebten. Historische Belege für ihre
Existenz gibt es keine. Wenn, dann lebten sie wahrscheinlich während der
Zeit der Sesshaftwerdung der Nomaden zu Beginn der Bronzezeit, also
zwischen 1900 und 1500 v. Chr. … Als eigentlicher Begründer des heutigen
Judentums gilt Esra (um 440 v. Chr.). Esra war in der Zeit des
Babylonischen Exils Hohepriester und durfte mit seinem verschleppten
israelischen Volk, das aus vermutlich etwa 20.000 Menschen bestand, auf
Erlass des Perserkönigs Artaxerxes I. zurück nach Jerusalem. Dort ordnete
er Tempeldienst und Priestertum neu und ließ Ehen von Juden mit
heidnischen Frauen scheiden. Die religiöse Identität ist seitdem für das
Judentum von ähnlicher Bedeutung wie die der Herkunft.« (Wikipedia
„Juden“.)
Bezeichnend ist in diesen kurzen Textausschnitten das
Hervortreten der machtpolitischen Dichotomie zwischen sesshaften Völkern
und Nomaden, die die Geschichte des Nahen Ostens immer wieder bestimmt hat
und zu Wanderungsbewegungen, Machtverschiebungen und Kriegen geführt
hat. Interessant ist es, dass in der klassischen arabischen Wissenschaft
dieser Aspekt schon erörtert und zur Erklärung geschichtlicher Prozesse
herangezogen wurde. Das wichtigste Werk – und gleichzeitig der Beginn
einer arabischen Soziologie – stammt von Ibn Chaldun.[50]
»Seine Lehre von der Zivilisation und der Kultur
ilm al-umran / علم
العمران / ʿilmu ʾl-ʿumrān
umfasst ausführliche Diskussionen des Verhältnisses von
ländlich-beduinischem und städtisch-sesshaftem Leben, das einen für ihn
zentralen sozialen Konflikt liefert. In diesem Zusammenhang und mit Hilfe
des Konzepts der ‘aṣabiyya erklärt er sowohl in der islamischen als auch
in der nicht-islamischen Geschichte den Aufstieg und Fall von
Zivilisationen, wobei auch die Religion und der Glaube die Wirkung der
‘aṣabiyya
ergänzen und flankieren kann, wie zum Beispiel während der Herrschaft der
Kalifen. Die Beduinen als Bewohner der ländlichen Regionen haben eine
starke ‘aṣabiyya
und sind fester im Glauben, während die Bewohner der Städte im Verlauf
mehrerer Generationen immer dekadenter und korrupter werden, ihre
‘aṣabiyya
also an Kraft verliert. Nach einer Spanne von mehreren Generationen ist
die auf der ‘aṣabiyya gründende Macht der städtischen Dynastie derart
geschrumpft, dass sie Opfer eines aggressiven Stammes vom Land und mit
stärkerer ‘aṣabiyya
wird, der nach Eroberung und teilweiser Zerstörung der Städte eine neue
Dynastie stellt.«[51]
Ibn Chaldun interessiert vor allem die
Erklärung der Geschichtsprozesse und die Erörterung der Legitimität
der Staatsmacht, die er auf den arabischen Begriff der
Asabiyya / عصبيّة /
‘aṣabiyya zurückführt.[52]
»Die Übersetzung dieses Begriffs stellt sich
schwierig dar, die Bedeutungen reichen von
„Stammeszugehörigkeitsgefühl“, „Blutsbande“ und „Sippensolidarität“ bis
zu „Gruppengefühl“ und Formen von Solidarität, die sich nicht allein auf
Blutsverwandtschaft begründen (z.B. Klientelverhältnisse).«[53]
In der
‘aṣabiyya sieht Ibn Chaldun die
Grundlagen der weltlichen Macht (mulk).[54]
Materialien zur Bezeichnung des „jüdischen Volkes“
Die Vielzahl der oft etymologisch kaum
abzuleitenden Begriffe in der Bibel wie in anderen alten Quellen lässt
es sinnvoll erscheinen, einen Blick auf diese Begriffe, ihre Bedeutung
und Verwendung zu lenken:
Zur Bezeichnung
„Juden“
»Die deutsche Bezeichnung „Juden“ geht über den
lateinischen Ausdruck judaeus, dann den griechischen Ausdruck
ioudaios und aramäische und persische Entsprechungen zurück auf das
hebräische Wort yehudi. Dieses bezeichnete zunächst die
Angehörigen des Stammes Juda und die dessen Territorium Bewohnenden.
Unter der Herrschaft Davids in Hebron wurde dieses Gebiet „Königreich
Juda“ genannt (2 Sam 5,3
[55]LUT).
Unter Rehabeam wurde dieses Königreich aufgespalten. Das südlichere
Teilgebiet wurde Juda genannt, das nördlichere Teilgebiet Israel. Der
Ausdruck „Judäer“ wurde wiederum sowohl für Stammesangehörige wie auch
sonstige Bewohner gebraucht, so etwa auch für die Angehörigen des
Stammes Benjamin (1 Kön 12,16–21
[56]LUT).
Das Nordreich, Israel, bestand nur bis 722 v. Chr. Danach wurde
yehudi und dessen Entsprechungen insbesondere im Persischen
unterschiedslos gebraucht, auch als Bezeichnung für die Angehörigen
einer spezifischen Religion (mityahadim, vgl. Est 8,17
[57]LUT);
religiöse, politische und nationale Aspekte sind terminologisch nicht
differenzierbar[58]
Dieser Sprachgebrauch ist – manifest u. a. auch später in
neutestamentlichen Texten – vorwiegend Fremdbezeichnung; als
Selbstbezeichnung überwiegt yisrael, und zwar vermutlich, um die
nationale Identität durch Erinnerung der Frühgeschichte zu
stabilisieren.[59]«
(Wikipedia „Judentum“.)
Zur Bezeichnung „Hebräer“
»Der Ausdruck kommt in der Bibel 33 Mal vor. In Gen
14,13 EU wird Abraham so genannt. Sonst verwenden fast immer Fremde das
Wort gegenüber Israeliten oder diese gegenüber Fremden. Mit der
Fremdbezeichnung wird immer eine Geringschätzung oder Verachtung, mit
der Eigenbezeichnung Demut ausgedrückt.[60]
Häufig taucht der Begriff in der
Josephgeschichte.., der Überlieferung vom Auszug aus Ägypten.. und den
Kämpfen mit den Philistern auf. In [Jeremia] ist „Hebräer“ ein Attribut
von עֶבֶד „Arbeiter, Sklaven“.
Nicht gesichert ist das Vorkommen des Wortes in Jona 1,9, dessen
griechische Version der Septuaginta „Knecht Jahwes“ (עֶבֶד
יהוה) liest…
Weder die Etymologie noch die genaue Bedeutung des
Ausdrucks in der Bibel sind gesichert. Einige Lexika bringen das Wort
mit dem Namen des Stammvaters Eber (עֵבֶר,
Gen 10,24-25 EU; 11,14-17 EU), der in der Wendung „die Söhne Ebers“ (בְּנֵי־עֵבֶר,
Gen 10,21 EU) eine ethnische Zugehörigkeit andeutet, in Verbindung.[61]
Für einige vermutlich nachexilische Belegstellen
(Gen 14,13 EU; Jona 1,9 EU und vielleicht Dtn 15,12 EU) wurde eine
Verwendung von „Hebräer“ als Synonym für „Israelit“ angenommen.[62]
Für Ex 21,2 EU, Jer 21,2 EU und vielleicht Dtn 15,12 EU beziehen manche
Exegeten das Wort auf Sklaven auf Zeit oder Schuldensklaven, das ihren
Rechtsstatus ausdrückt.[63]
Viele Exegeten und Altorientalisten nehmen einen
Zusammenhang zwischen der biblischen Konsonantenfolge HBR und dem Wort
‘Apiru /
Ḫabiru an, auch wenn sie eine direkte Ableitung
für unwahrscheinlich halten. Als ‘Apiru (akkadisch) oder
‘pr(w) (ägyptisch) bezeichneten einige Texte der späten Bronzezeit
aus Amarna, Ugarit, Kanaan und Ägypten verschiedene Menschengruppen, die
außerhalb der Gesellschaftsordnung standen und sich aus Not in
Abhängigkeitsverhältnisse als Söldner oder Arbeiter begeben oder ein
Leben als Banditen führten.[64]
Vorwiegend gilt der Ausdruck als abwertende Bezeichnung eines
gesellschaftlichen Status.
Viele Bibelhistoriker nehmen an, dass ‘Apiru-Elemente
im Zuge der archäologisch nicht belegbaren Landnahme Kanaans in das
spätere Israel aufgegangen sind. Einige halten es für möglich, dass
allmählich eine Verschiebung zur ethnischen Bedeutung stattfand: So
könne die Verwendung des Worts „Hebräer“ im Buch Exodus (z.B. Ex 2,11.13
EU) eine Erinnerung daran bewahren, dass die Vorfahren Israels als
‘Apiru galten. Ronald De Vaux interpretierte beide Ausdrucke
‘Apiru und „Hebräer“ als ethnische Bezeichnung für Gruppen, die von
der Wüste ins Kulturland vorgedrungen waren.[65]«
(Wikipedia „Hebräer“.)
Zur Bezeichnung „Israel“
»Die älteste Quelle für das Wort „Israel“ ist die
ägyptische Merenptah-Stele (heute im Ägyptischen Museum in Kairo). Sie
beschreibt einen Feldzug gegen ein Volk Israel im Lande Kanaan und wird
auf das Jahr 1211 v. Chr. datiert.
Die Volksetymologie des Alten Testaments deutet
„Israel“ als „Gottesstreiter“ (Gen 32,29 EU). Jakob bekam diesen neuen
Namen, nachdem er mit einem geheimnisvollen Gegner gerungen hatte. Seine
Nachkommen wurden als die „Kinder Israels“, „Israeliten“ oder kurz
„Israel“ bezeichnet.
Der Name entspricht einer weit verbreiteten
semitischen Namensform, die ein Verb im Imperfekt und das theophore
Element אֵל (Gott) als Subjekt enthält. Das verbale Element wird in
dieser Deutung als von der semitischen Wurzel שרה „streiten, kämpfen“
abgeleitet angesehen. Möglich ist allerdings auch eine Ableitung von der
Wurzel שרר „herrschen“. Das hebräische Imperfekt kann im Deutschen mit
dem Präsens oder der Wunschform wiedergegeben werden, so dass sich als
mögliche Übersetzungen ergeben: „Gott streitet (für uns)“ oder „Gott
möge (für uns) streiten“ und „Gott herrscht“ oder „Gott möge herrschen“.
Antonius der Große übersetzte in seinem dritten Brief den Namen Israel
mit „Verstand, der Gott sieht“.« (Wikipedia „Israel“.)
Sozialstruktur und Rituale
der orientalischen Gesellschaft
Der Zusammenhalt einer Gruppe ist von einer
bestimmten Größe an abhängig von einer regelmäßigen Vergegenwärtigung der
mythischen und religiösen Grundlagen der Gruppenidentität; dazu bedarf es
der Riten, die den Alltag unterbrechen und die Gemeinschaft
zusammenführen. Dazu gehören die „Heiligung“ eines Wochentages (Freitag im
Islam, Sabbat im Judentum, Sonntag im Christentum) und die regelmäßigen
religiösen Feiern. Als besonderes Beispiel seien hier die
‘Ašura-Rituale in Iran, vor allem in Širaz, angeführt: Es handelt sich
um jährliche „Kampffeste“ zur Vergegenwärtigung des Martyriums von
Hussein in Kerbela, das traditionell mit „Selbstgeißelungen“[66]
junger Männer auf den Prozessionen begangen wird, hier aber ausgeformt
wurde zum Kampf der Stadtviertel untereinander. Die kämpfenden jungen
Männer zeigen eine Todesverachtung, die aber dem Ziel des
Märtyrerschicksals geschuldet ist: Den Siegt trägt das Stadtviertel davon,
welches die meisten Verletzten – im kaum je eintretenden Falle auch
Todesopfer – zu feiern hat (was letztlich die unmittelbaren körperlichen
Gefahren doch in Grenzen hält). Sozialpsychologisch ist dieser Ritus
äußerst interessant, da er den Alltag von Aggressionen und
Diskriminierungen frei hält, die ihren Ausbruch und ihre Neutralisation in
den ‘Ašura-Ritualen finden. Dazu ist es wichtig zu wissen, dass
sich die Stadtviertel in islamischen Städten relativ separat aus der
Ansiedlung von Familienclans oder religiösen Gruppen heraus entwickelt
haben und in vielen Fällen untereinander durch Mauern und nachts
geschlossene Tore abtrennen.
Das führt zu einer Thematisierung des sozialen
Aufbaus der orientalischen Gesellschaften, denen traditionell die äußere
Sicherheit einer „Staatsgesellschaft“ fehlt. Kippenberg (1981: 223)[67]
gibt, der Literatur folgend, am Beispiel der Konstituierung eines
›Kollegiums‹ zur Vorbereitung der ‘Ašura-Rituale, in das
selbstverständlich nur die traditionellen nicht-staatlichen sozialen
Institutionen einbezogen werden, einen aufschlussreichen Überblick über
die Sozialbeziehungen der traditionellen iranischen Dorfgesellschaft, die
sich von der modernen westlichen Staatsgesellschaft ebenso absetzen lässt
– auch wenn zu berücksichtigen ist, dass in ländlichen und
binnenperipheren Regionen (›Dorfgemeinschaften‹) der ›westlichen‹
Industrieländer durchaus auch heute noch vergleichbare interne
Loyalitätsstrukturen und Staatsferne zu beobachten sind –, wie trotz
einiger struktureller Ähnlichkeiten von der europäischen mittelalterlichen
Feudalgesellschaft, gerade weil in Iran eine Machthierarchie bis in die
Staatsspitzen, wie sie das mitteleuropäische Lehenswesen zumindest
tendenziell impliziert, prinzipiell fehlt; als über den örtlichen Bereich
hinaus reichende soziale Klammer tritt hier die umma muhamadja auf, die
nicht nur eine religiöse Vorstellung, sondern eine konkret
handlungsbestimmende soziale Loyalitätsbestimmung darstellt. Kippenberg
bezieht sich dabei auf eine Arbeit von E. Neubauer (1972: 259 f.)[68],
der, wie im folgenden Zitat ausgeführt, drei Möglichkeiten der Bildung
solcher Kollegien erwähnt:
-
„die Zugehörigkeit zu einer Moschee und
damit zu einer bestimmten Nachbarschaftsgruppe;
-
die religiöse Gefolgschaft (taqlid), zu
der jeder ši‘itische Laie einem Mojtahed (einem Geistlichen, der in
religiösen Fällen eine Entscheidung treffen kann) gegenüber verpflichtet
ist und die durch Akhunds bzw. Mollas vermittelt wird (s. Algar:
1969, 1-25; Lambton: 1964; Ende: 1980[69]);
-
die Zugehörigkeit zu einer Klientelgruppe.
-
Zu diesen drei Elementen, die die
Organisation der Aufzüge bestimmen, kommen dann noch die
Verwandtschaft, die viel zu selbstverständlich ist, als dass sie
besonders betont werden müsste, und schließlich
-
die Handwerkskorporationen, die wohl vor
allem die Masse der Teilnehmer gestellt haben.“
Kippenberg erläutert in einer Anmerkung dazu:
»Zur Unterscheidung der Freitagsmoschee der Stadt und
der kleinen Moschee, die für einen Teil der Bevölkerung oder des
Stadtteils reserviert ist, siehe Grabar (1969)[70]«.
– »Aus allen diesen Angaben geht unzweifelhaft hervor, dass die
Prozessionszüge sich nicht auf Grund einer Summe individueller
Entscheidungen, sondern nach vorgeprägten Loyalitäten bilden. Sie leben
aus dem, was H. Alavi (1973)
[71]
die ‚primordial loyalties‘ genannt hat: angestammte, von unten
aufgebaute Loyalitäten, die von Prinzipien der lokalen Zugehörigkeit, der
Handwerkskorporation, der religiösen Gefolgschaft und der Klientele
bestimmt werden. Dieser Sachverhalt ist für das Verständnis der
Straßenkämpfe von größter Wichtigkeit. Denn wenn die Prozessionszüge
identisch sind mit sozialen Gruppen, dann ist die rituelle Organisation
der Durchschlag einer gesellschaftlichen Ordnung – einer Ordnung, die die
Individuen nicht horizontal nach gemeinsamer Klassenlage organisiert,
sondern vertikal nach segmentären Koalitionen (Alavi: 1973;
Wolf: 1966, 81-95[72])«
Kippenberg (1981: 224).[73]
Die Zehn Gebote
(nach Martin Luthers Kleinem Katechismus)
Bei der Zählung der Gebote gibt es im Judentum und
in den christlichen Kirchen unterschiedliche Traditionen. Die hier
wiedergegebene Fassung folgt der lutherischen und römisch-katholischen
Tradition. Eine andere Zählung ergibt sich dort, wo das Bilderverbot – „Du
sollst dir kein Bildnis machen“ – als zweites Gebot aufgeführt wird, so in
der anglikanischen, reformierten und orthodoxen Tradition.[74]
Dort werden dann „neuntes“ und „zehntes“ Gebot als ein Gebot verstanden.
Das
erste Gebot
Ich bin
der Herr, dein Gott. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.
Das
zweite Gebot
Du sollst
den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht mißbrauchen.
Das
dritte Gebot
Du sollst
den Feiertag heiligen.
Das
vierte Gebot
Du sollst
deinen Vater und deine Mutter ehren.
Das
fünfte Gebot
Du sollst
nicht töten.
Das
sechste Gebot
Du sollst
nicht ehebrechen.
Das
siebte Gebot
Du sollst
nicht stehlen.
Das
achte Gebot
Du sollst
nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.
Das
neunte Gebot
Du sollst
nicht begehren deines Nächsten Haus.
Das
zehnte Gebot
Du sollst
nicht begehren deines Nächsten Weib, Knecht, Magd, Vieh noch alles, was
dein Nächster hat.
Zwei Zielrichtungen werden in den Zehn Geboten
erkennbar: Zum einen die Sicherung des gemeinsamen Glaubens und seiner
Riten (Gebote 1 bis 3), womit die übergeordnete Machthierarchie, die auf
den Einen Gott zurück geführt wird, gesichert werden kann; zum anderen die
Regelung des familiären Zusammenlebens, wobei alle konflikterzeugenden
Verhaltensweisen, die zu einem Zerfall der „Überlebenseinheit“ des Stammes
führen könnten, sanktioniert werden. In diesem Kontext gibt es wieder zwei
Schwerpunkte: die Sexualmoral und die Eigentumssicherung; beides hoch
emotionalisierte Bereiche, die zu tödlichen Konflikten – Blutrache,
Ehrenmorde etc. – führen können.
In einer nomadischen Lebensform ist diese
Schwerpunktsetzung nicht nur verständlich sondern notwendig, da
institutionelle Garanten von „Recht und Ordnung“ fehlen. In unserem
Beispiel zeigt sich hier der Übergang von einem Leben unter der Herrschaft
der ägyptischen weltlichen wie religiösen Autoritäten zur notwendigen
Verfestigung der stammesbezogenen Binnenstrukturen, die mit einer gewissen
Konsequenz zur Herausbildung eines monotheistischen Weltbildes führen, in
dem die ägyptische Vielzahl von Göttern und Götterbildern abgelöst wird
durch die Verabsolutierung eines Stammesgottes (Jahwe, Jehova)[75].
Dieser „Eine Gott“ ist zunächst aber kein
„universaler Schöpfungsgott“, sondern der „Gott der Juden“; daraus erklärt
sich auch, dass in der jüdischen Tradition ein ausdrückliches
Missionierungsgebot vollständig fehlt, dass sogar der Übertritt zur
jüdischen Religion erschwert wird. Erst die sich vom Judentum abspaltenden
Religionen Christentum und Islam benötigten eine neue Gottesvorstellung
und eine neue gesellschaftliche Basis für ihren Zusammenhalt. Dieses
realisierte sich in einer Verallgemeinerung ihrer monotheistischen
Gottesvorstellung zum „Gott der ganzen Welt“, wobei es nur eine Frage der
Zeit sei, bis die gesamte Menschheit dieser religiösen Grundüberzeugung
folgen wird.[76]
Die Rückführung der Zehn Gebote als Letztbegründung
ethischen Verhaltens, ihr Bezug auf den Einen Gott selbst, wird durch den
mythischen Aufenthalt Mose auf dem Berg Sinai hergestellt – der vierzig
(!) Tage gedauert hat. Die Tafeln mit den Zehn Geboten werden in der
„Bundeslade“ aufbewahrt und damit der Profanität entzogen Sie sind das
überall auf den Wegen der nomadischen Wanderung mitgeführte
„Allerheiligste“, das eine feste Gebetsstätte, einen Tempel, wie er von
Ägypten her gewöhnt war, überflüssig machte und überall das Zentrum des
Glaubens versinnbildlichte. Schwierig wird dies nach der Rückkehr zur
Sesshaftigkeit mit Reichsbildung und Hauptstadt Jerusalem, die die
Errichtung eines Tempels notwendig machte, in dessen Zentrum die
„Bundeslade“ – als Symbol für den „Bund mit dem Einen Gott“ – gestellt und
von weltlichen Verrichtungen abgeschottet wurde, was dann auch zur ersten
sozialen Stratigraphie führte, indem sich die Kohanim als Priesterkaste
etablierten und die Leviten eine hervorgehobene Sonderrolle im Ritus
einnahmen.[77]
Das goldene Kalb
Nur am Rande sei noch ein Aspekt der Mose-Erzählung
erwähnt. In der Erzählung wird in symbolischer Form der Konflikt um
divergierende Religions- und Gottesvorstellungen dargestellt. Das
beinhaltet die Aussage, dass sich die monotheistische Vorstellung von dem
„Einen Gott“ nicht ohne Probleme und Widerstände hat entwickeln können,
wie ja überhaupt die alttestamentarische Darstellung des Auszuges aus
Ägypten und der Wanderschaft durch die Wüste des Sinai durchzogen ist mit
einem Durchsetzungsprozess der neuen Gottesvorstellung gegenüber den
herkömmlichen Religionsriten aus Ägypten. Dass dieser Konflikt bis heute
aufgegriffen werden kann, zeigt eine Satire von Kishon: „Und Moses
sprach zu Goldstein.“[78]
„Als aber das Volk sah, daß Mose ausblieb und nicht
wieder von dem Berge zurückkam, sammelte es sich gegen Aaron und sprach zu
ihm: Auf, mach uns einen Gott, der vor uns hergehe! Denn wir wissen nicht,
was diesem Mann Mose widerfahren ist, der uns aus Ägyptenland geführt hat.
Aaron sprach zu ihnen: Reißet ab die goldenen Ohrringe an den Ohren eurer
Frauen, eurer Söhne und eurer Töchter und bringt sie zu mir. Da riß alles
Volk sich die goldenen Ohrringe von den Ohren und brachte sie zu Aaron.
Und er nahm sie von ihren Händen und bildete das Gold in einer Form und
machte ein gegossenes Kalb. Und sie sprachen: Das ist dein Gott, Israel,
der dich aus Ägyptenland geführt hat!“ –
2. Mose 32,1–4
Dieses „goldene Kalb“ hat einen mehrdeutigen
Bedeutungshintergrund. Zum einen ist die Erzählung in 2. Mose 32 eindeutig
eine „religiöse Machtprobe“ zwischen den Anhängern der ägyptischen
Religion und den Vertretern einer neuen Vorstellung von dem „Einen Gott“,
der – wie wir schon gesehen haben – mit der Rückkehr zur nomadischen
Lebensform an Bedeutung gewonnen hat.
Doch zeigen althistorische Überlegungen, dass die
Erzählung vom „goldenen Kalb“ weniger die reale Situation der „Kinder
Israel“ in der Sinaiwüste trifft, als einen längerfristigen
Glaubenskonflikt andeutet. Für König Jerobeam I. war die bildliche
Darstellung Gottes als Stier durchaus auf den „Gott der Israeliten“
bezogen als Ruhmes- und Stärke-Symbol, doch er traf auf die rigorosere
Gottesvorstellung, die eine bildliche – als auch symbolische – Darstellung
Gottes ausschloss und die sich letztlich durchsetzte.
»Der fiktive Charakter und der historische Bezug der
Erzählung
Nach 1Kön 12,28-30 hat König Jerobeam I. in Bethel und Dan je ein
„Goldenes Kalb“ aufstellen lassen. Die Erzählung vom „Goldenen Kalb“
Aarons in Ex 32 kann kaum auf ein historisches Ereignis zurückgehen, das
eine Menschengruppe, die später in Israel aufgegangen ist, in der
Sinaiwüste erlebt hat. Hätte es ein solches Ereignis nämlich gegeben,
hätte Jerobeam es nicht wagen können, erneut Stierbilder aufzustellen oder
auch nur stehen zu lassen. Die Übereinstimmungen zwischen Ex 32 und 1Kön
12 legen vielmehr die Vermutung nahe, dass sich die Erzählung von Ex 32
von Anfang an auf die Stierbilder Jerobeams bezogen hat. In beiden Texten
werden nämlich Stierbilder errichtet und mit den Worten vorgestellt: „Das
sind deine Götter, Israel, die dich aus dem Land Ägypten heraufgeführt
haben“ (Ex 32,4; 1Kön 12,28). Ex 32 zielt demnach darauf, die Tat
Jerobeams als Abfall von Jahwe zu brandmarken. Damit bietet die Erzählung
eine Ätiologie des Untergangs des Nordreichs (722 v. Chr.) Dieses musste
wegen seiner Stierbilder untergehen, hatte sich doch schon in der Wüste
gezeigt, dass Stierbildverehrer dem göttlichen Gericht anheimfallen. Die
Erzählung kann folglich erst nach dem Untergang geschrieben worden sein.
Sie hat jedoch eine Vorgeschichte«. [Klaus Koenen: Goldenes Kalb[79]]
Dass sich die Bezeichnung „Kalb“ durchsetzte, scheint
wohl eine pejorative Herabsetzung des Gottesbildes eines „Stieres“.
Der Stier ist eine häufige symbolische Verkörperung von Kraft und
Virilität; in unserem Zusammenhang ist aber der ägyptische Apis-Kult
Grundlage der Konflikte im Volk der Israeliten.
»Apis (altägyptisch Hep; koptisch-sahidisch Hape;
koptisch-bohairisch Hapi[80];
aramäisch ḥpy, חפי)
war der griechische Name des heiligen Stieres von Memphis, der als
Verkörperung des Gottes Ptah verehrt wurde… Ursprünglich war der
Apis-Stier ein Symbol für die Fruchtbarkeit. Er wurde seit der Ersten
Dynastie im Tempel des Ptah in Memphis verehrt. Später fungierte der
Apis-Stier als „Herold“ des Ptah und wurde dessen „herrliche Seele“, die
auf der Erde in der Gestalt des Stieres erscheint. Der Apis-Stier wurde
auch als Orakel angesehen.« [Wikipedia. Apis (Ägyptische Mythologie).]
Dies fügt unseren Einsichten über die Probleme der
Bedeutungsbestimmung von Symbolwelten und Mythen noch einen weiteren
wichtigen Aspekt hinzu:
Legitimationsideologien
Die übergreifende Frage ist, inwieweit
Legitimationsideologien bestehende Gesellschaften „nur“ überformen
oder auch definieren.
Es ist davon auszugehen, dass alle derartige
Ideologien die gleich Funktion haben: Herrschaftsbereiche zu definieren,
sie abzugrenzen, die dort lebenden Menschen z.B. als Untertanen zu
disziplinieren, und dieses in der milden Form des Erzeugens von
Gemeinsamkeitsgefühlen, auch der mit erheblichen physischen und
psychischen Machtmitteln und Indoktrinationspraktiken.
Dieses gilt bezüglich der Alleingottdefinition
für alle Figurationen, zunächst am historisch gut bekannten
Beispiel des Volkes Israel, Alleingottdefinition und
Gemeinschaftsideologien für Christentum und Islam.
Beispiele aus dem Altertum, d.h. aus Völkern /
Figurationen, deren Mythenbildung für den jüdischen Kulturraum als Wurzeln
angesehen werden kann, sind – in Stichworten – Aramäer,
Babylonier, Hetiter, Phönizier, Perser, etc.... ; soweit
bekannt oder hinreichend vermutbar und Mythenbildung ableitbar ist. Hier
sei noch einmal auf die „Zweite Landwirtschaftliche Revolution“[81]
mit der Entstehung der „Hydraulischen Kulturen“ (nach Wittfogel)[82]
verwiesen, in der zur Anlage großer Irrigationsprojekte vor allem in
Mesopotamien eine über den kleinen Clan hinausgehende gesellschaftliche
Organisation und Arbeitsteilung notwendig wurde, die zur Herausbildung
zentralistischer Herrschaftsstrukturen im Sinne des Priesterkönigtums
führte, die mit Legitimationsmythen gesichert wurden.
Eine besondere Bedeutung haben die
Altorientalischen Schöpfungsmythen, die als eine der Quellen der
alttestamentarischen Schöpfungsgeschichte in der Genesis
anzusprechen sind. Eine der ältesten – historisch nicht mehr
einzuordnenden – Schöpfungsmythen ist die Enūma eliš.
»Enūma eliš (Enuma elisch) wird der
babylonische Schöpfungs-Mythos genannt, dessen ca. 1000 Zeilen in
Keilschrift auf sieben Tontafeln niedergeschrieben wurden. Das Gedicht ist
in Abschriften vom 9. bis 2. Jahrhundert v. Chr. fast vollständig
erhalten. Der genaue Zeitpunkt der Entstehung ist unklar und
Einschätzungen gehen in dieser Frage weit auseinander.[83]
Übersetzt bedeutet Enūma eliš „Als oben [der Himmel noch nicht genannt
war]“. Es ist der Name, nach dem Beginn des babylonischen
Weltschöpfungsmythos und Lehrgedichts… Als Babylon innerhalb der Städte
des Zweistromlandes eine Vormachtstellung einnahm, gewann die
Stadtgottheit Marduk innerhalb des akkadischen Pantheons an Bedeutung.
Dies wurde verdeutlicht, indem Marduk in den Weltschöpfungsmythos
eingebunden wurde. Das Werk diente nach einigen Interpretationen fortan
zur ideologischen Untermauerung des babylonischen Herrschaftsanspruches.[84]
Während der Feierlichkeiten beim babylonischen Akitu-Fest wurden Verse
aus dem Enūma eliš rezitiert, die teilweise schon in älteren Werken der
mesopotamischen Literatur (Gilgamesch-Epos) enthalten sind «
[Wikipedia. Enūma eliš.]
Hier wird das Gilgamesch-Epos erwähnt, das wohl die
erste schriftlich überlieferte „Erzählung“ der Welt ist und in mehreren
deutschen Übersetzungen vorliegt.[85]
In der historischen Textanalyse des alten Testamentes spielen die
vorisraelischen Quellen der Genesis eine bedeutende Rolle:
»Gerade die
Erzählungen des Buches Bereşit, welches ja die Geschichte vor Israel zum
Inhalt hat, enthält Erzählungen aus dem Zweistromland (Sumer, Akkad und
Bablylon); die Erwähnung des Eufrat und Tigris als Flüsse des Paradieses
(Gen 2,15) oder des Ararat, wo Noahs Arche aufsetzte (Gen 8,4) weist dort
hin. Da Abraham nach Aussage des Buches aus Ur am Eufrat kam, ist dies
auch im Kontext der jüdischen Tradition durchaus schlüssig.
Durch
die Gewohnheit der alten Kulturen des Zweistomlandes, Epen in Stein zu
meißeln (Keilschrift) und die inzwischen sehr fruchtbaren Bemühungen der
Wissenschaft, diese Texte zu entziffern und zu übersetzen, sind uns heute
sehr viele dieser Epen bekannt. Eine offensichtliche Parallele wurde bald
nach der Erschließung der Keilschrift entdeckt: die Sintfluterzählung
folgt über weite Strecken und in etlichen Details einer alten Tradition,
die unter den verschiedenen Völkern des Zweistromlandes überliefert wurde.
Die älteste zusammenhängend überlieferte Erzählung ist das Atra’asis-Epos
der Akkader, die bekannteste die über tausend Jahre jüngere fast
gleichlautende Passage aus dem Gilgamesch-Epos der Babylonier. Weit
weniger offensichtlich, aber noch spürbar sind die Parallelen zur
Paradieserzählung zum Dilmun[86]-Epos.
Andere Erzählungen des Buches Bereşit hingegen, weichen derart weit von
allen uns bekannten Entsprechungen der Mesopotamischen Tradition ab, dass
der Unterschied offensichtlich und jede Parallele äußerst spekulativ ist.«
[Wikipedia. 1. Buch Mose.]
Die unübersehbare Vielzahl der altorientalischen und
altbiblischen Mythen kann so nur am exemplarischen Beispiel aufgezeigt
werden. Eine umfassendere Gesamtdarstellung verbietet sich hier
offensichtlich. So soll das Thema Mythen weiter in die Gegenwart hinein
verfolgt werden.
Es ist davon auszugehen, dass weltliche
Glaubenslehren, vor allem die im 19. Jahrhundert im Zusammenhang mit
sozialen Bewegungen entstandenen politischen Ideologien, so z.B.
Sozialismus, Anarchismus, Kommunismus in ihren Spielarten und Varianten,
als Legitimationsmythen die Funktion von Religionen in den tradierten
Beispielen übernommen haben.
Es stellt sich in diesem Zusammenhang die Frage,
inwieweit Modelle oder beschreibende Darstellungsversuche in oder über
Gesellschaften wirklich existierende Entitäten, Formationen oder
Figurationen, wie sie mit Elias[87]
benannt werden, abbilden: Geläufige Begriffe dafür sind Gemeinde,
Gemeinschaft (u.a. die Umma im Arabischen), oder aus den moderneren
Gesellschaftswissenschaften Klasse, Schicht und Gruppe
als Nachfolge des Stände-Begriffes.
Kernfrage ist also: Sind die ideologischen Begriffe
wie Gemeinschaft, Umma oder Klasse Beschreibungs- wie
Definitionskriterien, die dann auf die Glaubensrichtungen, die Religionen
wie Ideologien des jüdisch/christlichen Kulturkreises und des Sozialismus
– jeweils gleichermaßen zutreffen?
Wenn entsprechende Überzeugungen vorliegen, dann ist
eine Glaubensrealität, bzw. eine geglaubte Realität
zu konzedieren. Diese liegt in zurückliegenden Zeitepochen bis in die
Gegenwart durchaus vor.
Der Marx’sche Klassenbegriff trennt in die
„Klasse an sich“ und die „Klasse für sich“. Auf ersteres kann
der Klassen-Begriff vor allem in der Früh- sowie der Hochphase der
Industriegesellschaften angewandt werden. Man kann konzedieren, dass das
Industrieproletariat eine Arbeiterklasse darstellte. In den sich
selbst als realsozialistisch definierten Gesellschaften, den früher
kommunistisch regierten Ländern, dann aber nicht mehr. Der Klassenbegriff
hatte nur mehr eine ideologische, d.h. machtspezifische Funktion. Auch
diese Gesellschaften Osteuropas unterlagen spezifischen modernen
Entwicklungen und tendierten zu Differenzierungen. Auf die damalige
Kompliziertheit der neuen Definitionen von Herrschaftsideologien soll aber
nicht eingegangen werden.
Das Proletariat als „Klasse für sich“ ist eine
deskriptive an gesellschaftlichen Zielen orientierte – also
machtspezifische Aussage der marxistischen Philosophie und Ideologie und
entspricht damit methodisch den Glaubenslehren der Religionen.
Menschen verfügen generell über Mehrfachidentitäten.
Je nach Grad von Erziehung, Beeinflussung, Indoktrination, Manipulation
etc. kann ein Mensch sein Selbst verstehen. Ein Mensch des 20.
Jahrhunderts. konnte sich verstehen als Christ, Moslem oder Jude – und
zwar jeweils verschiedener Zuordnung, Konfession, also einer aus
gesellschaftlichen Entwicklungen resultierenden Spielarten oder auch den
im 19. und 20. Jahrhundert entstandenen neuen Glaubensgruppen.[88]
Zugleich konnte eine Selbstdefinition auf Grund regionaler,
sprachlicher oder auf die eigene Abstammung bezogene Zuordnung erfolgen.
Die Sozialpsychologie untersucht dieses Problem mit der Fragestellung nach
der Entstehung von „Selbstkonzepten und -identifikationen“,
gegenwärtig auch unter Einbeziehung der Prämissen des „Sozialen
Interaktionismus.“[89]
In Umfragen ordneten sich z.B. im neu entstandenen
polnischen Staatsgebiet die Mehrheit der Befragten als Christen
ein; kleinere Anteile fielen bei diesen Befragungen 1922 auf die Zuordnung
als: Pole, Ukrainer, Weißrusse, Deutscher,
Litauer oder als Tatar.
Menschen des 20. Jahrhunderts. waren denn auch,
Kommunisten, Konservative, Liberale, Sozialisten,
Gewerkschaftler. Für manche galt die Zugehörigkeit zu Sportverein,
Feuerwehr, Betrieb, Berufsgruppe als gleich- oder gar höherrangige
Gruppen-Zugehörigkeitsdefinition gegenüber den genannten anderen. Die
Ableitungen und Begründungen für die Zuordnungen stellen wiederum ein
anderes Problem dar.
Nachdenken über…
…Legitimationsmythen
im frühen Christentum
Heilige Drei Könige
Glosse:[90]
»Das Jahr geht zu Ende und das Drei-Königs-Fest steht
bevor; das sollte mir Anlass sein, noch einmal auf Ihren kurzweiligen
Artikel zu einer astronomischen Interpretation der Reise der Drei Heiligen
Könige zurück zu kommen.[91]
Viele kluge astronomische und astrologische Gedanken und
Datierungsversuche sind durch die Drei-Königs-Geschichte provoziert und zu
Datierungsversuchen von Christi Geburt genutzt worden. Ihre Ausführungen
dazu sind aufschlussreich und überzeugend...
...wenn da nicht einfach der Entstehungshintergrund
dieser Legende ausgeblendet worden wäre. Die Drei-Königs-Geschichte gehört
zu den jüngeren Hinzufügungen zur in den Evangelien kompilierten
Geburtsgeschichte Jesu und dürfte etwa im dritten Jahrhundert n.Chr.
entstanden sein. Sicherlich gehört sie nicht zum Traditionsbestand der
jüdisch-urchristlichen Gemeinde in Jerusalem, der allein authentische
Übermittlungen zuzugestehen sind. Ob ältere, der Zeit durchaus angemessene
astrologische Überlieferungen in diese Geschichte eingeflossen sind, lässt
sich wohl nicht feststellen. Für Datierungsversuche sind diese sicherlich
zu schwach.
Schon der Inhalt der Drei-Königs-Legende ist
bezeichnend. Wer die Palastanlagen in Persepolis kennt, wird die die
Treppen begleitenden Flachreliefs der „Gabenbringer“ bewundert haben, die
detailgetreu Kleidung und Tributopfer der Abgesandten aller Regionen des
Perserreiches darstellen. Sowohl im Altpersischen Reich wie in Zeit der
Sassaniden war dieses jährliche Tributopfer nicht nur materielle Steuer
sondern hoch ritualisierte Unterwerfungs-Symbolik, die für den
Zusammenhalt des Reiches eine große Bedeutung hatte.
Wenn nun drei „Magi“, wie die eigentliche Bezeichnung
der „Könige“ lautet, dem Jesuskind „huldigen“, ist dies eine zur damaligen
Zeit leicht verständliche Unterwerfungsgeste der Persischen
Zarathustra-Religion unter das Christentum und seinen „göttlichen
Herrscher“. Waren doch die „Magi“, von denen sich auch der Begriff der
Magie und der Magier herleitet, die religiöse Herrscherkaste des
Sassanidenreiches, die unter dem religiös sich legitimierenden Großkönig
die religiösen Grundlagen des Reiches zu sichern hatten.
Die Drei-Königs-Legende ist also ein typischer
Legitimationsmythos, der den östlichen Machtrivalen des christlich
werdenden Römischen Reiches, nämlich das Perserreich der Parther und
Sassaniden (seit 225), zur Unterwerfung aufforderte. Diese religiöse
Propaganda ist damals durchaus richtig verstanden worden. Dass daraus ein
innerchristlicher Glaubenstatbestand geworden ist, zeigt, wie sehr sich
jede soziale Gruppe, also auch das Christentum, Überlegenheitslegenden zur
Sicherung der eigenen Identität zu Nutze macht.«
Gerhard Voigt
Die „Via Dolorosa“
»Die Via Dolorosa (lat. Der schmerzhafte Weg,
Leidensweg) (arabisch طريق الآلام tariq al-alam) ist eine Straße in
Jerusalem. Sie führt durch die Altstadt vom Löwentor (oder
Stephanstor) zur Grabeskirche, die an jenem Ort steht, wo Jesus ins
Grab gelegt worden sein soll. Die Straße ist heute im östlichen Teil eine
Altstadtstraße (Löwentorstraße), während der westliche Teil durch
verwinkelte Gässchen zwischen den alten Häusern führt, teilweise mit
Bogengängen überdeckt, teilweise durch Treppen unterbrochen. Dazwischen
führt die Route über die Al-Wad-Straße, die vom Damaskustor zum
Dungtor (Klagemauer) führt… Nach der Überlieferung ist die Via
Dolorosa jene Straße, die zur Zeit des Todes von Jesus vom Amtssitz des
römischen Statthalters Pontius Pilatus zur Hinrichtungsstätte am
Hügel Golgota führte. Allerdings sind diese Orte historisch nicht
eindeutig bestimmbar. Diesen Weg musste Jesus vor seiner Kreuzigung
zurücklegen, wobei er auf einem Großteil der Strecke das Kreuz selbst
tragen musste. Daher ist die Straße heute als Kreuzweg ausgestaltet. Von
den 14 Stationen des Kreuzweges befinden sich aber nur acht auf der Via
Dolorosa selbst. Die neunte befindet sich auf dem Dach der Grabeskirche,
die letzten fünf darin. Da sich sowohl der Straßenverlauf als auch das
Niveau der Stadt über die letzten 2000 Jahre stark verändert haben, muss
dieser Weg mehr als Verbindung von Gedenkstätten als eine Wanderung in
Jesu Fußstapfen gesehen werden.« [Wikipedia: Via Dolorosa.]
Die Zeit der Festigung des Christentums im
abgespaltenen Ostrom (Byzanz) war eine Zeit, in der die Suche nach
materiellen Symbolen für die Glaubenswahrheiten in den Vordergrund trat.
Das Christentum war nicht philosophisch-theologisch gegründet, sondern
setzte sich durch mit der Festigung der Herrschaftsmacht des oströmischen
Kaisers. Machtpolitisch stand das Oströmische Reich in Konkurrenz mit dem
Sassanidenreich in Persien[92];
an den Grenzen gab es immer wieder militärische Konflikte, doch waren die
regionalen Machtpotentiale in etwa gleich, so dass ein umfassender Feldzug
nicht in Frage kam. So versuchte Byzanz seine Machtansprüche durch die
religiöse Deslegitimierung des Sassanidenreiches durchzusetzen. Dieser
Prozess der Christianisierung kristallisierte und personalisierte sich vor
allem um Kaiserin Helena (Mutter Konstantins des Großen), von der
wohl anzunehmen ist, dass sie ein sehr emotionales Religionsverständnis
mit mystischen Zügen vertrat, das sich in praktischem Verhalten äußerte –
das aber wohl zu gut in die propagandistischen Ziele des oströmischen
Kaisers passte, die durch einen Funktionalisierung der Religion zu
erreichen versucht wurde.
»Als Helena schon über 70 Jahre alt war, soll sie im
Traum den göttlichen Befehl erhalten haben, nach Palästina zu reisen, die
Heiligen Stätten zu finden und würdig auszugestalten. Wohl 326 unternahm
sie ihre Wallfahrt nach Jerusalem, um „die Fußspuren des Erlösers ... zu
verehren”, wie der Zeitgenosse Eusebius berichtete. Die Suche nach dem
Grab Jesu war schließlich von Erfolg gekrönt dazu fand man auch
Melchisedeks Felsengruft und drei gut erhaltene Kreuze, die mehr als 300
Jahre alt gewesen sein könnten. Bischof Makarios I. von Jerusalem bezeugte
die „Kreuzauffindung” Auch Cyrill von Jerusalem bezeugte das wahre Kreuz
und das Heilige Grab. Die Kirche über dem Garten Getsemani habe Helena als
79-jährige bei ihrer Wallfahrt gegründet.«[93]
Auf Grund intuitiver „Erkenntnisse“ legte Helena auch
den Verlauf der Via Dolorosa fest, wobei heute meist übersehen wird, dass
im Verlaufe der Baugeschichte Jerusalems der Weg immer wieder modifiziert
wurde und die „Stationen“ des Leidensweges neu bestimmt wurden.
Insbesondere die letzten Stationen auf dem Dach der Grabeskirche und im
Kirchengebäude selbst setzten die endgültige Bauform der Kirche voraus.
»Der Bau der ersten Grabeskirche begann im Jahre 326
n.d.Z. auf Initiative Kaiser Konstantins. Die Kirche wurde an der Stätte
eines römischen Tempels und Heiligtums aus dem 2. Jahrhundert errichtet,
die einer lokalen Tradition zufolge über dem Orte standen, an dem Jesus
gekreuzigt und begraben worden war. Nach der Zerstörung der römischen
Gebäude wurde hier eine Reihe von Felsengräbern gefunden. Eines der Gräber
identifizierte man als das Grab des Joseph von Arimathäa. Das Grundgestein
um dieses Grab wurde abgetragen, so daß ein von der Umgebung isolierter,
freistehender Felsen mit der Grabkammer im Inneren übrigblieb (an der
Stelle des heutigen Grabpavillons). Nur wenig ist von dem ursprünglichen
byzantinischen Bau erhalten, der 614 n.d.Z. von den Persern geplündert und
niedergebrannt worden war. Dem teilweisen Wiederaufbau unter dem
Patriarchen Modestos folgte eine Beschädigung der Kirche durch ein
Erdbeben im Jahre 808 und die Zerstörung auf Befehl des Fatamidenkalifen
al-Hakim 1009. Ein Teil des Bauwerks wurde 1048 unter dem byzantinischen
Kaiser Konstantin Monomachus wiederaufgebaut, doch die meisten Trakte der
heutigen Grabeskirche sind das Ergebnis des Wiederaufbaus unter den
Kreuzfahrern im 12. Jahrhundert sowie späterer Renovierungsarbeiten (die
jüngsten Restaurations- und Konservierungsarbeiten begannen 1959 und sind
bis heute nicht abgeschlossen). Die heutige Kirche umfaßt die Hälfte des
Areals der ursprünglichen byzantinischen Kirche, und nur die Grabrotunde
entspricht annähernd in Form und Anlage dem Original aus dem 4.
Jahrhundert«.[94]
Es ist also unbestreitbar, dass die Via Dolorosa
nicht mit den Maßstäben der „historischen Realität“ gemessen werden kann,
sondern eine Glaubensentität darstellt, die in den Gläubigen selbst
verankert ist.
-
Materielle Glaubensentitäten sind Versinnbildlichungen von
Glaubensinhalten- vor allem für diejenigen, deren Denken nicht
abstrakten Argumentationsmustern folgt, sondern sich in Bildern
ausdrückt.
-
Glaubenssymbole existieren daher außerhalb der Fragestellung nach
historischer Realität; sie bergen ihre „Wahrheit“ in sich selbst.
-
Dies
verbindet sie mit dem alten Reliquienkult, bei dem am Rande eine
Überlegung mitgeteilt werden sollte, die aus Kreisen von
Kirchenhistorikern stammt: dass, wenn man einmal die Volumina aller
Kreuzesreliquien in der ganzen Welt addiert, ein ganzer Wald dafür
abgeholzt werden musste..
-
Die
Bedeutung der Glaubenssymbole in der Gegenwart liegt in ihrer sozialen
Funktion, indem sie Gläubige in gemeinsamen Ritus zusammenführen und ein
Bewusstsein von Gemeinsamkeit und Solidarität hervorrufen können – somit
nach innen in der Gruppe friedenstiftend wirken…
Mythenbildung
Im Folgenden sollen Beispiele für Mythenbildung
und ihre machtspezifische, also Herrschaft ausbildende und Herrschaft
stabilisierende Funktion gegeben werden. Es kann sich nur um einige
charakteristische Beispiele handeln.
-
„Die
Flucht aus Ägypten“: Das sich teilende Meer, das beim Zurückfließen die
Feinde vernichtet, ist eine der zentralen Legenden der jüdischen
Mythologie. Es soll damit die Besonderheit für spätere Epochen der
Geschichte des Jüdischen Volkes herausgehoben werden: das auserwählte
Volk, das sich selbst als solches definiert hat.[95]
Es stellt damit eine Legimitätsbasis dar für Taten als Eroberungen von
Gebieten und Unterjochung anderer Völker. Ihr Gott ist der mächtigste.
-
In
diesem Zusammenhang ist der Mythos vom „gelobten Land, wo Milch und
Honig fließt“ in das der Gott der Juden das Volk
Israel geführt hat, also die Inbesitznahme einer agrarisch
wertvollen Region. [Man Vergleiche die Legitimierungen z.B. in den USA
von „Gods own country“, die Popularisierung in dem Song: „It’s my
land, it’s your Land, it’s our land...“, das bis heute in den
Vereinigten Staaten inbrünstig gesungen wird. Der durch europäische
Einwanderer begangene Genozid an der indigenen Bevölkerung wird dabei
immer noch weitgehend verdrängt. Die Ausbildung des christlichen
Fundamentalismus im sog. Bible-Belt steht in diesem Zusammenhang.] Es
handelt sich um die klassische Legitimation für die Eroberung eines
fremden Territoriums. Dazu benötigte man den eigenen Gott, der dieses
über seine eigene Unanfechtbarkeit legitimiert. Gottes Entscheidungen
werden akzeptiert und niemals in Frage gestellt, auch wenn sie Leiden
verursachen und nicht nachvollziehbar sind und schon gar nicht
erklärbar. Charakteristisch ist die nicht notwendige Erklärbarkeit,
wesentlich ist die unangefochtene Akzeptanz.
-
Wesentlich ist auch der Mythos des Moses, der „vom Berge Sinai
herabstieg und die Gesetzestafeln mitbrachte, die er dann zerschlug.“
Eine zentrale Legende und Lehre für den frühen Verdichtungsprozess einer
Ethnie die sich ein Regelsystem erschafft. Von einer physischen Existenz
eines Moses, einer historischen Figur, ist dabei nicht auszugehen.
-
Die
Legende von Adam[96]
und Eva entspricht vermutlich den Mythenbildungen anderer Völker in
allen Regionen der Erde, jeweils in unterschiedlichen Varianten und
Kontexten.
-
Abraham
gilt in der jüdisch-christlichen-Mythologie als historische Figur.
Mohammed hat diesen Mythos bei der Abfassung des Koran übernommen.
Bekanntlich spricht man deshalb von den abrahamitischen Religionen. Es
soll hier nicht die Frage gestellt werden, ob Abraham eine historisch
existierende Person war.
-
Inwieweit die Legende von Wasser, das dem Fels in der Wüste entspringt,
eine gesellschaftspolitisch tiefergehende Bedeutung zuzumessen ist, mag
strittig sein. Die Legende ist aber typisch für aride Regionen, für
Steinwüsten. Sie verkörpert und funktionalisiert das Sehnen nach dem
unabdingbaren Lebenselixier, dem Wasser. Die Verbindung zur Macht des
eigenen Gottes ist dabei erheblich und notwendig.
-
Ein zentraler Mythos ist der „Steinwurf des David
im Kampfe gegen den Goliath.“ Möglicherweise soll es Mut machen und
anspornen im Kampfe gegenüber zahlenmäßig überlegenen Gegnern. Und immer
ist der eigene Gott im Spiel.
Die immerwährende, aber nicht wissenschaftlich
einhellig beantwortbare Frage bleibt bis heute: „Sind die Juden ein Volk?“
Volk ist grundsätzlich als mythischer Begriff zu verstehen und
nicht als eigenständige und geschlossene Entität. Es besteht nur der
Versuch, es über den Methodenbegriff der Ethnifizierung zu
bestimmen, verbunden mit moderneren Vorstellungen der nation building.
Mythen, Symbole und Tabus
Der Begriff „Mythos“ als analytische Kategorie
ist neueren Datums und setzt kulturell die Verschriftlichung der
Überlieferung und gesellschaftlich die Organisation in Staatsverbänden
voraus. Erst als sich eine kritische Auseinandersetzung mit den
überlieferten Traditionen entwickelte, wurde der „Mythos“ zu einer
distinktiven Bezeichnung und bezeichnete nicht mehr allgemein verbindliche
religiöse Überlieferungen, deren Wahrheitsgehalt nicht in Zweifel gezogen
wurde. Historisch ist das ein langer, vielfach unterbrochener Prozess, der
in der antiken griechischen Philosophie ihren ersten grundlegenden Ansatz
seit Herausbildung der schriftlichen Niederlegung älterer Überlieferungen
durch Homer fand.[97]
Im Verlauf der Geschichte ändert sich auch die Form
der Überlieferung von der narrativen Kultur hin zur schriftlichen Kultur.
Wo zunächst die Verschriftlichung noch ein Aufzeichnen und Kompilieren
erzählter Überlieferungen war, entwickeln sich neue Beziehungen zur
Tradition. Im 19. Jahrhundert – im Zusammenhang mit der Entstehung der
modernen Staatsgesellschaft und in der Erkenntnis ihrer Defizite an
originären Traditionen – entwickelt sich eine Form der Sammlung und
schriftlichen Fixierungen der vorhandenen Reste narrativer Traditionen.
Bekanntestes Beispiel sind die Märchensammlungen der Brüder Grimm. Die
Problematik dieser neuen Zuwendung zur erzählten Überlieferung liegt nun
darin, dass die These von der „uralten Herkunft“ der Märchen in vielen
Fällen auf Irrtümern basiert und dass sich in der Sammlung durchaus schon
nacherzählte junge literarische Märchen und „Wandermärchen“ mit z.T.
internationalem Hintergrund befinden.
Interessant ist es, den unterschiedlichen Bedeutungen
narrativer und mythologischer Überlieferung in verschiedenen Kulturen
nachzugehen, was in unserem Kontext nicht mehr ausführlich geschehen kann.
Doch prägen unterschiedliche Haltungen zur Mythologie das Alltagsleben in
hohem Maße, machen aber die Penetration der „westlichen Moderne“ zu einem
ganz eigenem Problem. Hier sei nur ein kurzer Hinweis auf V.S. Naipaul
und seine Studie über die afrikanischen Länder, die er auf einer Reise
kennen gelernt hat, notiert:
»Wenn man an die traditionelle afrikanische Religion
glaubte, war man in der Defensive. Es gab keine Doktrin, an die man sich
halten konnte; es gab nur ein Gefühl der Richtigkeit der überlieferten
Sitten und Gebräuche, der Heiligkeit des heimischen Bodens. (…) Die
Doktrin des Islam und des Christentums, beides Weltreligionen, hatte ein
philosophisches Fundament und konnte ausgelegt werden. Die traditionelle
afrikanische Religion kannte keine Doktrin; sie brachte sich am besten
über Rituale und Dinge zum Ausdruck.«[98]
Aus den Überlegungen geht hervor, dass der –
umfassende – Bedeutungsgehalt der Narration im historischen Wandel
herabgestuft wird und sich „Partikularisiert“. Waren Mythen im Altertum
zumindest im Ansatz der Versuch, umfassende „Welterklärungen“ zu
vermitteln und ein Grundgerüst gesellschaftlicher „Sinnverständnisse“ zu
kodifizieren, geht mit der Verschriftlichung der Überlieferung eine
Differenzierung in regionaler und sozialer Hinsicht einher, die zunehmend
eine bewusste Funktionalisierung im Sinne des Macherhalts ermöglichte, wie
wir es schon beim Stichwort der „Legitimationsmythen“ gesehen haben.
Für die heutige Zeit hat der Mythos als umfassendes
„Sinngebilde“ ausgedehnt und wird durch eine Vielzahl narrativer wie
schriftlicher Kommunikationsformen im Rahmen der „Politischen Kultur“
ersetzt, über die im Folgenden einige kurze Überlegungen angefügt werden
sollen.
-
Damit ist es aber auch verständlich, warum wir die
grundsätzlichen Überlegungen zum Mythos an Hand biblischer Geschichten
entwickelt haben, und wie diese in der späteren Geschichte einem
Bedeutungs- und Funktionswandel erfahren haben, wobei die ausführlicher
dargestellten „Legitimationsmythen“ eine bedeutsame Rolle spielen. Es
wird aber auch verständlich, warum neuzeitliche Versuche, Mythen zu
konstruieren, kaum je einen umfassenden Erfolg gehabt haben, wie es z.B.
der „Bismarckmythos“ oder der „Mythos der freien Marktwirtschaft“
zeigen. In der gegenwärtigen Epoche wurden Mythen durch Ideologien
ersetzt, wobei der Charakter als „Glaubensinhalte“ jedoch weiterhin
bestehen blieb.
Sagen, Fabeln…
Sind Märchen im 19. Jahrhundert zu einer
Literaturform geworden, deren Sinnverständnis bezeichnet werden kann durch
die „Moral von der Geschichtʼ“ – über die sich dann Wilhelm Busch
in seinen „Comics“ lustig macht – bleiben auf einer niedrigeren
Ebene Sagen und Legenden noch lange Teil der lokalen
Überlieferung und sind an bestimmte Orte gebunden und werden so zum
Forschungsobjekt für Volkskundler.[99]
Eine haltbare Tradition der Realitätsdeutung
existiert in diesen Überlieferungsformen jedoch nicht mehr. Auch dort, wo
sie noch bekannt sind, werden sie distanziert wahrgenommen und oft
ironisiert. Ihre „Haltbarkeit“ zeigt jedoch die durchaus vorhandene
Ambivalenz der Sinnvermittlung, die die Sagen und Legenden heute oft zum
Gegenstand von literarischen Werken macht (wie überhaupt die narrative und
schriftliche Tradition ein Grundmaterial der Literatur ist – auch wenn man
die Klassiker von Shakespeare bis Goethe und Schiller
betrachtet).[100]
Fabeln wurden dann zu einer legitimen
literarischen Kategorie, die sich der Allegorie[101]
wie des gesellschaftlichen Symbolrepertoires bediente.[102]
Sehr alt und bis ins Altertum zurückreichend ist das Stilmittel, mit
Tierfiguren menschliche Eigenschaften und Verfehlungen im übertragenen
Sinne darzustellen und zu kritisieren. In den wenigsten Fällen gehören
Fabeln aber zu den originär narrativen Volksüberlieferungen.
Es entstehen auch heute noch mündliche – und vielfach
geglaubte – Volksmythen und Legenden, deren typische
Erzählform ist: „Ein Freund von mir hat von einem guten Bekannten erzählt
bekommen, was einem Freund von ihm tatsächlich zugestoßen ist…“. Die
Sammlungen von Rolf-Wilhelm Brednich wurden Bestseller und haben
heute – um wieder ein irrationales „Bild“ zu bemühen – „Kultstatus“.[103]
Als Ergebnis dieser kurzen Überlegungen möchte ich
festhalten:
-
Auch heute besteht unsere Realitätswahrnehmung
nicht aus überprüften und überprüfbaren „Tatsachen“ sondern ist Ergebnis
eines innergesellschaftlichen Kommunikationsprozesses, eines
Diskurses über die Realität, dessen – im Zeitverlauf sich wandelndes
– Ergebnis als „Wahrheit“ verstanden und geglaubt wird. Die Gesamtheit
dieser Diskurse bedeutet dann die „Politische Kultur“ einer
Gesellschaft.
…Symbole, Bilder
Mit der Veränderung der Tradierung von Aussagen über
die Realität, die vorher getrennt war in mündliche und schriftliche
Überlieferung, durch das Aufkommen der Bildüberlieferung – Illustrationen,
Fotos, Film, Fernsehen, Computer – verändert sich auch der kommunikative
Inhalt der Politischen Kultur. Nicht textgebundene Überlieferungen treten
stärker in den Vordergrund und konstituieren unser „Bild von der
Realität“.
Zu unterscheiden sind dabei nonverbale
Sinnüberlieferungen im Alltagsverhalten, wie sie die Soziologie des
„Symbolischen Interaktionismus“ untersucht[104]
und aus der in unserem Zusammenhang nur Alltagsrituale z.B. der
Höflichkeit – Hände geben, Umgang mit dem anderen Geschlecht, Tischsitten
– interessieren, die auch eine zentrale Rolle bei der Entwicklung der
Zivilisation spielen, die Norbert Elias wohl als erster umfassend
dargestellt hat[105],
von der eindrucksvollen Form der Bildüberlieferung.
Simon Benne führt in bezeichnender Weise aus
Anlass einer Ausstellung im Historischen Museum Hannover zum Thema
„Bilder im Kopf – Ikonen der Zeitgeschichte“ aus:
»Es gibt mehr davon, als man glaubt. Der entführte
Hanns Martin Schleyer. Joschka Fischer in Turnschuhen. Josef Ackermann mit
Victory-Fingern. Willy Brandts Kniefall. Der tödlich getroffene Benno
Ohnesorg. All diese Fotos sind Schlüsselbilder. Ankerpunkte unserer
kollektiven Erinnerung.
Sie ragen heraus aus der Flut der Bilder. Sie
pointieren ein komplexes Geschehen und verdichten eine Epoche auf einen
Augenblick. Und es gibt kaum ein historisches Ereignis von Rang, zu dem es
nicht eine solche Ikone gäbe. Eine Ikone ist ja nicht nur ein bloßes
Abbild, sondern eine Art Gedächtnisbild, das semiotisch die Stelle des
Originals einnimmt. Sie steht nicht nur für irgendetwas, sondern in ihr
ist praktisch etwas aufgehoben. Ein ganz eigener Geist. Im Historischen
Museum geht es in der sehenswerten Ausstellung „Bilder im Kopf“ jetzt um
genau solche Aufnahmen. Die Schau, konzipiert vom Bonner Haus der
Geschichte, fragt danach, wie ein Foto zur Ikone wird.
Dazu muss ein Bild natürlich erst einmal fotografisch
gut sein. Dramatisch, emotional, mit eingängiger Bildsprache. Doch das
sind nur notwendige, keine hinreichenden Bedingungen. Jemand muss das Bild
erschaffen – und jemand muss dafür sorgen, dass es massenhaft verbreitet
wird, wenn es zur Ikone werden soll. „Ikonen sind vor allem Konstrukte“,
sagt Kurator Jürgen Reiche. „Sie bilden nicht Wirklichkeit ab, sondern
konstruierte Wirklichkeit.“ Mehr noch: Sie konstruieren selbst
Wirklichkeit, denn sie prägen ja unser Bild von der Realität. Da sind zum
Beispiel die Flaggen. Flaggen über Flaggen sind auf Fotos in der
Ausstellung zu sehen, und jede soll eine klare Botschaft unters Volk
bringen. Amundsens norwegische Flagge 1911 am Südpol.
Die sowjetische Flagge 1945 über dem Berliner
Reichstag. Die amerikanische Flagge auf der Pazifikinsel Iwo Jima und auf
dem Mond. Lauter gestellte Fotos, absichtsvoll verbreitet von
interessierter Seite. Teils werden mit solchen Bildern Schlachten
geschlagen. Im Sommer 1961 gelang Peter Leibing – sonst auf Springreiten
spezialisiert – der Schnappschuss des DDR-Bereitschaftspolizisten, der
über den Stacheldraht in die Freiheit springt. Ein Mann, der für einen
Sekundenbruchteil über der Systemgrenze schwebt. Ein Mann in einer
Situation, in der es nur Entweder-oder gibt. Das Bild entlarvte die
Propaganda vom „antifaschistischen Schutzwall“ als Märchen. Am Tag darauf
verbreiteten DDR-Propagandisten Fotos von „Kampfgruppen der
Arbeiterklasse“, sympathischen jungen Männern, die Seit an Seit vorm
Brandenburger Tor stehen. Eine im Wortsinne menschliche Mauer. Der
US-Fotograf Henry Ries machte 1948 seine berühmte Aufnahme eines
„Rosinenbombers“. Kinder zeigt sie.
Viele Kinder. Junge Menschen. Die Zukunft ist Fleisch
geworden. Sie stehen auf Trümmerbergen – und von oben schwebt wie ein
Heilsengel das Flugzeug der Alliierten ein, die nicht mehr Besatzer,
sondern Freunde sind. Das Bild funktionierte, die Botschaft kam an. Anders
als bei dem Foto vom gefangenen Schleyer, das die RAF triumphal
verbreitete. Dieses sollte den mächtigen Arbeitgeberpräsidenten dem Hohn
der werktätigen Massen preisgeben. Stattdessen weckte es Mitleid. Und das
Bild des verängstigten Jungen aus dem Warschauer Getto von 1943 stammt
eigentlich aus einem Bericht der SS, die ihr effizientes Vorgehen
dokumentieren wollte. Stattdessen illustrierte es in Schulbüchern seit den
Sechzigern die Unschuld der Verfolgten – und die Gnadenlosigkeit ihrer
Peiniger. Nicht jede Ikone wird als Ikone geplant, nicht immer ist die
Wirkung eines Bildes berechenbar. Von einem „Pictural Turn“ spricht
Kurator Reiche für die sechziger Jahre, einem „Bilderumschwung“.«[106]
Die Welt besteht aus Bildern, die in unseren Köpfen
zu Realitätsdeutungen werden, eingebunden in kulturelle
Selbstverständnisse und gesellschaftliche Diskurse und Erfahrungen:
»Erstens: Mehr als sieben Milliarden Menschen
beleben den Planeten. Zweitens: Jeder von ihnen ist ein Hort von
Geschichten. Drittens: Sehen wir Menschen aus Fotografien, ersinnt ihnen
unser kopfinnerer Erzähler Geschichten. So ergeht es einem auch beim
Betrachten der Ausstellung(sfortsetzung) „More than Seven Billion Stories“«[107]
Familienbilder
Kennzeichen unserer heutigen Politischen Kultur ist
ihre Indifferenz und Uneinheitlichkeit. Sie wird weniger durch nennbare
verbindliche Inhalte – wie früher durch geschlossene religiöse Systeme und
Mythen – bestimmt, als durch die Auswahl der wahrgenommenen Entitäten,
ihre Blickverengungen und Wertbeladenheiten, die nur in den seltensten
Fällen bewusst wahrgenommen werden und damit doch wieder Grundstrukturen
der Politischen Kultur folgen – sie sind damit sozio-kulturelle und nicht
individuelle Phänomene, auch wenn die „Individualisierungszumutung“
allgegenwärtig ist.[108]
Dabei verschränken sich die verschiedenen Ebenen der Kulturwahrnehmung, so
dass die bewusste „kulturelle“ Deutung der Realität – und der
gesellschaftlichen Prozesse – in ambivalente Kontexte zu kulturellen
„Massenphänomenen“ treten:
»… Alexander Kluge habe das über Opern gesagt – „ich
glaube, Schlager können das auch sein“. Und dann schwärmt der gebürtige
Ostberliner vom „Schlager aller Schlager“, Roy Blacks „Ganz in Weiß“: „Das
ist der Schlager auf seine Essenz gebracht.“ Den ersten „Kollateralschlager“
entdeckte er bei der Recherche für einen Videoschnipselabend – die Jacob
Sisters 1973 in Teheran: „In kurzen Röcken vor der Schah-Familie – vor dem
Machthaber, der mit CIA-Hilfe ein gewähltes Regime wegputschte und eine
alle Traditionen leugnende Modernisierung betrieb: Autobahnen, Alkohol,
kurze Röcke.“
Dieser Zusammenprall der Kulturen, der knapp 30 Jahre
später in New York die Türme explodieren ließ: am Schlager sei er
abzulesen gewesen. Weshalb ein Buch von Kuttner den Titel „Die Geburt des
radikalen Islamismus aus dem Hüftspeck des deutschen Schlagers“ trägt. So
liest er Schlager und Historie parallel: „Die Große Koalition steht an in
den 60ern, die SPD will in die Regierung – und Wencke Myhre singt warnend
an die CDU: „Beiß nicht gleich in jeden Apfel, er könnte giftig sein.?“
Und unsere Finanzwelt heute? Hat das Hazy-Osterwald-Sextett Anfang der
60er vorweggeahnt: „Gehʼn Sie mit der Konjunktur: Holen Sie sich Ihre
Kohlen/ wie der Krupp von Bohlen/ aus dem großen Weltgeschäft!“ Auch
philosophisch habe der Schlager viel zu bieten: Juliane Werdings „Wenn du
denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst“ könne man auch „als
postmoderne Antwort auf Descartesʼ „Ich denke, also bin ich“ lesen. Das,
schmunzelt er, sei „diese alte Heiner-Müller-These: Der Text ist klüger
als der Autor.“«
[109]
Welche Anforderungen an diese „Politische Kultur“
stellt nun der Einzelne, wenn ihm keine umfassenden Mythen zur
Realitätsbewältigung mehr zur Verfügung stehen? Er sucht ein
Lebenskonzept, das den einzelnen – vor allem auch emotionalen und
wertbezogenen – Erfahrungen einer Zusammenhalt und eine verlässliche
Struktur gibt: Er sucht einen „Code“ für sein Leben.
You who are on the road
Must have a code that you can live by
And so become yourself
Because the past is just a good bye.[110]
Es ist zu überlegen, in welchem Lebensbereich sich
diese kulturellen Ambivalenzen und Widersprüche am deutlichsten
herausarbeiten lassen, wo die emotionale Aufladung und der
ethisch-normative Subtext einen gesellschaftlichen Diskurs prägen. Eines
dieser Beispiele dürfte die Familie sein, bei der traditionelle
Familienbilder heutigen gesellschaftlichen Normen und Zielen
gegenüberstehen.
Eine zentrale Funktion in allen Mythen nehmen
Begriffe aus dem familialen Bereich ein: Mutter/Vater, Tochter/Sohn und
Bruder/Schwester. In größerer Distanz folgen Ohm oder Schwager, und in
weiterem weltlichen Kontext Gevatter und Genosse.
Relativ einfach einzuordnen ist der Begriff der
Mutter. Im Gegensatz zum Vater ist die Mutter in archaischen
Gesellschaften eindeutig zu erkennen und zu bestimmen. Nahe liegend ist
deshalb, dass die Zugehörigkeit zum Jude Sein mutterrechtlich
abgeleitet wird. Die Verwendung des Vater-Begriffes ist geistig,
symbolisch und damit im Kern mythisch abgeleitet und als solches zu
verstehen, im moderneren Sinne dann rechtlich.
Dieses resultiert vermutlich aus Zeiten, in der der
biologische Akt der Zeugung wohl als Sexualakt und auch bezüglich der
Folgen bekannt war, aber weniger der Bestimmung und Ableitung, gar des
Nachweises der Vaterschaft diente.
Familie als soziale
Institution vs. biologistische Familienmythen[111]
Offen an die Oberfläche der Diskussion trat das in
der Auseinandersetzung um die „Babyklappe“ und die „anonymen Geburten“.
Ironisch pointiert dies Astrid Hölscher in einem Kommentar
„Babys Welten“:
»In der besten aller Welten braucht kein Mensch
Babyklappen. Da sind Familien heil, freuen sich Eltern (beide) wie wild
auf den Nachwuchs, den sie nach der Geburt treulich und zärtlich umhegen.
Auf dass ihm kein Leid geschehe und er fröhlich lebe bis ins hohe Alter,
bevor er von dannen scheide im Kreise seiner vier Generationen von Lieben.
In der besten aller Welten hat der Ethikrat Recht. In der realen Welt aber
kriegen Teenager Babys, verstecken Schwangere ihren Bauch vor Familie und
Freunden, gebären sie ihr Kind auf dem Bahnhofsklo. In dieser Welt der
Verzweiflung tötet eine Mutter ihr Neugeborenes, heißt die Alternative zur
Babyklappe nicht betreute, vertrauliche Adoption, sondern Mülltonne. Da
braucht keine einen Ethikrat aus einer heilen Parallelwelt.«[112]
Aktuelle Anstöße zu gesellschaftlichen Problemen und
Kontroversen können auch Anstoß zu grundsätzlicheren Überlegungen zu den
ethischen und rechtlichen Normen unserer Gesellschaft sein. Einen solchen
Anstoß provoziert am 26. November 2009 der Deutsche Ethikrat mit seiner
Stellungnahme „Das Problem der anonymen Kindesabgabe“[113].
Die öffentliche Resonanz war groß. Die meist
kritischen Kommentare betonten, dass die Stellungnahme „Seltsam rigoros“
sei.[114]
Michael B. Berger charakterisiert den Ansatz des Ethikrates
folgendermaßen:
»Die umfangreiche Stellungnahme enthält manchen guten
Detailvorschlag. Aber sie bezweifelt grundsätzlich, dass Frauen, die ihr
Kind in einer Babyklappe abgeben, sich in einer dramatischen Konfliktlage
befinden – denn schließlich sei die Geburt überstanden und gebe es ja noch
die Möglichkeit der Adoption. So eine Argumentation befremdet. Sie ist
seltsam rigoros.«[115]
Dem stellt der Kommentator die Position von Margot
Käßmann, Landesbischöfin von Hannover und Ratsvorsitzende der EKD
gegenüber: „Als Ultima Ratio, als wirklich aller letzte Möglichkeit, sehen
Kirchenvertreter wie Margot Käßmann die Babyklappe. Jedes gerettete Kind
rechtfertige die Existenz der Babyklappe, für die es keine klare
gesetzliche Grundlage gibt – bis auf den ethischen Notstand.“ Die ethische
Seite, Leben zu retten, ist sinnvoller Weise das Zentrum verschiedener
Kommentare.[116].
Mit dieser kurzen Zusammenstellung einiger
Kommentare, denen weitgehend zuzustimmen ist, wird einmal ein
Grundwiderspruch unserer öffentlichen Diskurse deutlich, nämlich die
antagonistische Fundamentierung durch Ableitung von Wertungen und
Handlungsleitungen aus dogmatisch-rechtlichen Legitimationshierarchien,
und demgegenüber dem Bezug auf den „pragmatischen Nutzen“ für
„offensichtliche Wertorientierungen“, deren Legitimation im Rahmen der
Diskursebenen der gegenwärtigen Politischen Kultur nicht anzweifelbar
ist. Zu diesen „Selbstverständlichkeiten“ gehört die These von der
Universalität der Menschenrechte und des Schutzes des menschlichen
Lebens, den wir auch gar nicht anzweifeln können.
Philosophisch ist dieser Antagonismus der modernen Selbstverständnisse nur
rechtshistorisch zu begreifen, wie es Pierre Legendre dargelegt hat.[117]
Es wird sich im Weiteren zeigen, dass gerade dieser Ansatz von Legendre
für das in Frage stehende Thema besonders aufschlussreich sein kann.
Erstaunlich ist, dass das zentrale Argument des
Ethikrates gegen die Babyklappen, das Recht des Kindes auf Kenntnis
seiner Herkunft ist. Damit ist die Positionierung des
ethisch-normativen Ausgangspunktes des Ethikrates im Sinne des eben
skizzierten Antagonismus deutlich. Dies müsste aber grundsätzlich in Frage
gestellt werden, da Herkunft im Sinne der entwickelten Identität des
Menschen keine biologische Dimension ist, sondern im Sinne der
sozialen Institution der Familie eine soziale Dimension.
Gewiss haben Kinder das Recht, ihre Herkunft zu
erfahren. Das Recht und ein starkes Bedürfnis; ganze Soap-Serien im
Privatfernsehen künden von der Suche Halbwüchsiger nach ihren Eltern.«[118]
Es ist festzuhalten, dass dieses „Bedürfnis“, seine biologische
Herkunft kennen zu müssen, selbst gesellschaftlich induziert ist und einem
biologistischen Weltverständnis entspringt. Es gibt keine
natürliches Wissen um biologische Eltern-Kind-Beziehungen[119]
Insofern ist die Frage nach der biologischen Herkunft ein
gesellschaftlicher Mythos, der aber durchaus reale gesellschaftliche
Relevanz und Sprengkraft besitzt. Das naturwissenschaftliche Weltbild, das
diesem Mythos zu Grunde liegt, ist selbst ein „Glaube an die
Wissenschaft“. Manfred Schneider fasst in diesem Zusammenhang
Thesen von Pierre Legendre zusammen.[120]
Insofern ist die rechtliche Festlegung, dass der
Mensch ein Recht auf Kenntnis seiner biologischen Abstammung hätte,
äußerst fragwürdig und folgt dem biologistischen Mythos. Dazu der
Ethikrat: „Die Angebote anonymer Kindesabgabe sind allerdings ethisch und
rechtlich sehr problematisch, insbesondere weil sie das Recht des Kindes
auf Kenntnis seiner Herkunft und auf Beziehung zu seinen Eltern
verletzen.“[121]
Eine Abkehr von der biologistischen Perspektive wäre es, wenn auch im
normativen Bereich sich die Festlegung durchsetzen würde, dass „Eltern“
die „sozialen Eltern“ sind, in deren Familie das Kind – hier wohl
zunächst das Baby in den ersten entscheidenden Jahren – aufwächst, wobei
die Vorstellung, dass ein Mensch im Laufe seines Lebens mehrere Eltern
haben kann gar nicht so utopisch ist.
Diese Argumentation wird problematischer und
differenzierter, wenn es nicht mehr um die „Anonymität“ der Herkunft geht,
sondern wenn soziale und individuelle Erfahrungen dem Kind deutlich
machen, nicht von den „sozialen Eltern“ abzustammen. Das kann durch
„Gerüchte“ und „Verspottungen“[122]
in der unmittelbaren sozialen Umgebung geschehen, durch das plötzliche
Auftauchen eines „leiblichen Vaters“ wie durch das eigene körperliche
Aussehen, das eine biologische Abstammung von den Eltern zweifelhaft
erscheinen lässt und „Fremdheitserfahrungen“ induziert.[123]
Hier wird die Frage des Kindes nach der „biologischen Abstammung“
verständlich und wohl auch sinnvoll und es bedarf eines sensiblen Umgangs
mit diesen Fragen, die nicht mehr einfach negiert werden können. Das sind
aber andere Beispiele als die Fälle, die in der Diskussion um die
„anonymen Geburten“ im Mittelpunkt stehen, erst recht in den Fällen, in
denen Kinder in einer existierenden Familie „außerehelich gezeugt“ worden
sind. Hier gilt sicher unsere Auffassung, dass es kein unabdingbares
Recht auf Wissen über die eigene biologische Herkunft gibt, sondern die
„soziale Familie“ entscheidend ist.
Davon abgesehen ist auch das pragmatische Argument
wichtig, dass eine sehr große Zahl von Menschen ohne es zu wissen und
ohne davon Schaden zu tragen keine gesicherte Kenntnis ihrer
biologischen Herkunft haben – voreheliche, außerehelich Zeugung,
verschwiegene Adoption etc. – Das Argument der Wichtigkeit der genetischen
Herkunft ist ein biologistischer Mythos, der im Laufe der Neuzeit an die
Stelle des „göttlichen Willens“ der Geburt getreten ist. Es ist also
durchaus nicht sinnwidrig, wenn die evangelische Hannoversche Landeskirche
positiv zur Babyklappe steht und selbst eine betreibt; die relativiert
damit den biologistischen Mythos von der „Herkunft des Menschen“.[124]
Sexualität, Geschlecht und
Machtprozesse
Sexualakte dienten den Männern der Triebbefriedigung,
zur Machtabgrenzung und Einflusssicherung. Sie haben Wurzeln, die früheren
Instinkten zu Grunde liegen. So hat es denn auch lange Phasen von
Zivilisierungsprozessen bedurft, bis das Gewalt anwenden gegenüber Frauen
geahndet wurde, wenngleich auch in Kriegen der jüngsten Zeit derartige
Gewalttaten bekannt geworden sind. In der Regel geschah es zur Demütigung
von Menschen zur psychischen Herabstufung von Menschengruppen. Da waren
der Jugoslawien-Krieg und die Kriege in Afrika. Zuletzt sind die Beispiele
aus Libyen und Syrien zu benennen.
Das Vater-Bild, das des Patriarchen, ist geistig zu
verstehen, im heutigen Sinne als Vor- und Leitbild. Auch das des
Innehabenden von Macht und Weisungs-, Verfügungs- wie Befehlsgewalt,
Richtlinien- und Entscheidungskompetenz sowie richterliche Befugnis.
Insofern hat die Vater/Sohn-Beziehung im Wesentlichen eine
nichtbiologische Bedeutung und Funktion.
Die Begriffe Bruder und Schwester gehen dagegen über
die biologische Verwandtschaft als Kinder der gleichen Mutter hinaus. Ihre
Bedeutung liegt in einer nahen Gefühlsbeziehung sowie in einer
symbolbezogenen, also auf Symbole bezogenen Beziehung. Und Religionen sind
Symbolsysteme!
Beispiele finden wir mehrfach, aber immer in
Beziehungen von Machtgleichen, bzw. auf Menschen, die sich auf gleicher
Hierarchie-Ebene befinden. Beispiele sind Mönche (Klosterbrüder) und
Nonnen (Schwestern), Christen untereinander, insbesondere jene, die in
der Tradition der frühen Christenheit stehen. Im weiteren Sinne bei
Blutsbrüdern als Kampfgenossen.
Der/die in der Hierarchie Höhere wird mit
Vater/Mutter im religiösen Sinne angeredet. In der katholischen Tradition
bis hin zum Oberhaupt, das als Heiliger Vater apostrophiert wird.
Im laizistischen Sinne gibt es dann die Anrede Herr, deren Charakter als
hierarchische Einordnung zur Höflichkeitsformel verblasst ist.
Bleiben wir beim Vaterbild. Die Mutter des Jesus,
Maria, ist körperlich bestimmbar. Sein biologischer Erzeuger (wenn er es
denn auch tatsächlich war), also Joseph, ist ebenso als Vater benannt. Er
wird aber in der Christlichen Mythologie in den Hintergrund, wenn nicht
gar an den Rand gedrängt.
In der Christlichen Lehre und ihren
Glaubensvorstellungen erscheint und dominiert die geistige
Vater/Sohn-Beziehung. Jesus als Sohn von Gottvater. Es wäre zu
prüfen, wann, in welchem Kontext und in welcher Bibel-Übersetzung die
Vokabel Gottvater verwendet wird.
Gott, der Stammesgott der Juden, der Israeliten und
Hebräer, der in einem ca. Tausend Jahre langen Prozess als zum alleinigen
Gott wurde, sich die Glaubensvorstellung als einzigen geglaubten Gott
herauskristallisierte, wurde in der Zusammenführung des geistigen Vaters
und im Mythos als geglaubten biologischen Erzeugers zu einer Entität.
Dieses gilt als ein zentraler Glaubensgrundsatz des Christentums.
Ähnlich verhält es sich vermutlich mit der
Glaubensüberzeugung betreffs der Auferstehung. Aus der geistig-mythischen
wird in Verknüpfung mit der biologisch-körperlichen – vermutlich in der
Zeitspanne des ersten und zweiten nachchristlichen Jahrhunderts
entstanden, also bis zur Abfassung der vier Bücher, die die Evangelien
darstellen – eine als Entität, als eine geglaubte Realität der
Auferstehung.
Mit ihr scheint ein Endpunkt des
Entwicklungsprozesses von Mythen und Glaubensvorstellungen nach
Jahrtausenden erreicht worden zu sein.
Körperlicher Auferstehungsglaube und
körperliche Himmelfahrt sind in vielen Kulturkreisen nachzuweisen und
gehen auf die Materialisation archaischer Glaubensvorstellungen zurück.
Sie sind in asiatischen Religionen unter dem Aspekt der Reinkarnation[125],
also der Wiedergeburt bzw. Wiederfleischwerdung bekannt.
»Der Begriff Reinkarnation
[’re’nkarna’tsi’o’n]
(lateinisch ‚Wiederfleischwerdung‘ oder ‚Wiederverkörperung‘), auch
Palingenese (altgriechisch, aus πάλιν, pálin ‚wiederum‘, ‚abermals‘
und γένεσις, génesis ‚Erzeugung‘, ‚Geburt‘) bezeichnet Vorstellungen der
Art, dass eine (zumeist nur menschliche) Seele oder fortbestehende mentale
Prozesse (so oft im Buddhismus verstanden) sich nach dem Tod – der „Exkarnation“
– erneut in anderen empfindenden Wesen manifestieren. Vergleichbare
Konzepte werden etwa auch als Metempsychose, Transmigration,
Seelenwanderung oder Wiedergeburt bezeichnet. „Außerkörperliche
Erfahrungen“ werden oft in Zusammenhang mit dem Begriff Reinkarnation
gebracht. In einigen, aber keineswegs in allen Reinkarnationslehren ist
auch die Karmalehre integriert«. [Wikipedia. Reinkarnation.]
-
Der Kerngedanke ist also: Die Sohn/Vater
Beziehung sowie die entsprechenden auf familiale Zusammenhänge und das
sie benennende Vokabular sind Gefühlsbeziehungen, geistige Beziehungen
und daraus resultierende Sinngebungen. Sie sind Kernbestand lange
existierender und immer wieder neu empfundener, gedachter und auch
bewusst weiter entwickelter Mythen.
Die Kreuzigung Jesu
Der Opfermythos,
seine Funktionalisierung und Instrumentalisierung.
Die Kreuzigung Jesu stellt ein Symbol und
Beispiel dar für alle Menschen, die jemals gedemütigt, gequält oder zu
Tode gebracht wurden. Zumeist gelten und galten sie dabei als unschuldig!
Alle kennzeichnet gemeinsam, dass sie oftmals den Mut
hatten, den Mächtigen unbequeme Fragen zu stellen, ihnen deutliche
Wahrheiten zu sagen, diese Untaten nicht zu verschweigen, sich zu weigern,
angeordnetes Unrecht zu tun oder entsprechende Befehle auszuführen. Sie
folgten ihrem Gewissen, waren klüger als ihre Neider und wurden Opfer von
deren Missgunst.
Es handelt sich also um eine Palette, gar um Abgründe
menschlicher Tiefen, die zu begangenem Unrecht an Menschen wurden und die
dadurch zu Opfern wurden.
Der Opfermythos selbst ist von Beginn des
Menschseins bekannt, wurde mündlich transponiert, dann schriftlich
festgehalten. Dies geschah zu Beginn der Abfassung der Thora, des AT. In
einer analytischen Betrachtung stehen sich hier unterschiedliche
Bedeutungsdimensionen gegenüber. Auf der einen Seite beruft sich die
moderne Biologie und Anthropologie auf eine arteigene Tötungshemmung,
die allen Menschen immanent sein soll und Parallelen in der Tierwelt
aufweist.[126]
Dass dies nicht uneingeschränkt gilt, zeigen die tödlichen Kämpfe um
Ranghierarchien in der eigenen Gruppe und die Abwehr von um die
Lebensgrundlage konkurrierenden Fremdgruppen sowohl bei Tieren als auch
beim Menschen. Grundlage in der menschlichen Gesellschaft ist nach Norbert
Elias
[127] die
„Überlebensgruppe“. Nach Auffassung der Anthropologie setzt diese die
Fähigkeit der Kognition voraus.[128]
Zentraler Satz bei Markowitsch / Welzer, 2005 ist:
„Gerade darum sind menschliche Überlebensgemeinschaften prinzipiell
kommunikative Gemeinschaften, denn Kooperation setzt natürlich
Kommunikation voraus.“ [Hervorhebung G.V.]
Mit dem kommunikativen Element verbindet sich dann
die „Sinn-Suche“ für den Erhalt der „Überlebensgemeinschaft“, die in
ethischen Normen und religiös-mythischen Bezügen gefunden werden. Diese
ethisch-religiöse Normierung ist in hohem Grade ambivalent, weil die –
ohnehin mehrdeutige – biologische „Tötungshemmung“ mit der Forderung nach
dem Bestand der „Überlebensgemeinschaft“ in Konkurrenz steht. Aus diesem
Dilemma versucht die urzeitliche Gesellschaft (Gruppe, Clan) zu entkommen
durch eine bedingungslose Unterordnung unter die „Gottheit“, mit der ein
„do ut des“-Vertrag[129]
geschlossen wird. Bezeichnend ist die Einschätzung: „Es wurde den Göttern
geopfert und gehuldigt, weil man eine Gegengabe bzw. einen Gegendienst
erwartete. Dies ist eine archaische Denkstruktur, die wahrscheinlich jedem
Opferritual zugrunde liegt“ [nach Wikipedia]. Die höchste Form der
Opfergabe ist dann die Hingabe des eigenen Lebens oder das eines anderen
Menschen. Daher sind Menschenopfer in fast allen urzeitlichen
Gesellschaften nachgewiesen.[130]
Hervorzuheben ist, dass sich Menschenopfer immer auch
als Herrschaftsinstrument erwiesen haben, indem die „absolute Herrschaft“
Gottes oder der Götter übergingen auf Priester, Priesterkönige oder
dynastische Herrscher – z.B. die Pharaonen in Ägypten oder die dem
Gott „Işuşinak“ („Gott von Susa“) untergeordneten Priesterkönige
des Reiches Elam. Mit der Entwicklung der monotheistischen Religion
des Judentums wurden diese Menschenopfer vor der abstrakteren
ethischen Codierung der „göttlichen Gebote“ (im Kern der „Zehn
Gebote“ Mose) obsolet und dysfunktional und wurden, da das Bedürfnis nach
Opfern im Sinne der „do ut des“-Vorstellungen weiterhin vorhanden
war, auf Tieropfer übertragen. In der letzten mythischen Form fand das
ihren Ausdruck im „Sündenbock“, der einmal jährlich „mit den Sünden des
Volkes“ beladen und in die Wüste geschickt wurde.
In der Mythologie des Alten Testaments findet sich
die Schlüsselrolle in der Figur des Abraham,[131]
der Stammvater der Juden und „Bezugsvater“ von Christen und Muslimen. Er
begab sich in Befolgung göttlichen Gebots zur Opferung eines Kindes –
seines Sohnes. Doch greift ihm Gott durch seinen Engel in die erhobene
Hand und gebietet das Auswechseln des Kindes durch ein Opfertier. Dies
geht in seiner Bedeutung über die personalisierte Erzählung hinaus und
wird damit zum Verbot des Menschenopfers in der jüdischen Religion. Der
sinnstiftende und zugleich in die Zukunft weisende Gott unterbindet die
Tötung. Er schafft dafür die Grundlage für die Sicherstellung des inneren
Friedens der Gentes, der Stämme, des Volkes.
Damit überwindet in diesem Akt das Tötungsverbot die
archaische Opferpflicht. Doch bleibt Art und Umfang der ethisch
gebotenen Tötungshemmung in der weiteren Geschichte umstritten und –
wie Kritiker sagen – unbefolgt. Sie ist aber zugleich ein Symbol für
vernünftiges menschliches Handeln, auch geleitet und legitimiert durch
religiöse Gedankenführung. Bezogen auf die Gegenwart und die
Friedenspolitik setzt sich Peter Reinhart Gleichmann in seinem
Aufsatz „Sind
Menschen in der Lage, das gegenseitige Töten abzuschaffen?“[132]
mit Hemmnissen und Chancen der Durchsetzung einer universalisierten
Tötungshemmung auseinander.
Wie fügt sich das Christentum in den geschilderten
Prozess ein? Für die in den ersten Jahrhunderten sich stetig vergrößernde
Anhängerschar, die sich auf den gekreuzigten Jesus beruft und in ihrem
Handeln bezieht, und sich nach ihm, dem Gesalbten (Christos)
als Christen bezeichnet, ist der genannte Vorgang ein zentrales
Identifikationsmuster: das unschuldige Opfer, das den Tod erleiden
musste.
Dieser Kontext wird zum Mythos durch die Verknüpfung
mit dem Opfergedanken für die Menschheit: Christus, das Lamm Gottes.
Im weltlichen Sinne drängt sich zum Vergleich die Parallele auf zum
Helden, der dieses geworden ist durch sein Sterben (manchmal) für die
gute Sache, für den König, das Volk etc., der gestorben bzw. gefallen ist,
sei es durch den Kampf oder eine Unrechts- bzw. Gewalttat.
In den frühen nachchristlichen Jahrhunderten zu
zentralen Glaubensinhalten geworden, erfolgt somit eine
Instrumentalisierung, eines zurückliegenden Tötungsaktes. sowie weiterer
Glaubensereignisse, die später zum Anlass für Feiertage wurden:
Karfreitag, Ostern, Himmelfahrt, Pfingsten – als Sinnstiftung für eine
Menschengruppe, die sich über eine gemeinsame Glaubensüberzeugung
definiert und nicht (mehr) über Herkunft und Abstammung.
Das historisch belegte Ereignis wird durch
Verknüpfung übergeleitet in die Bildung neuer Mythen in Anknüpfung an
bisher bestehende. Eine tragische und für die europäische Geschichte
unheilvolle Instrumentalisierung erfolgt durch Diskreditierung und
Verfolgung der Bevölkerungsteile der ursprünglichen Bezugsgruppe (Juden),
durch das neu etablierte (katholische) Christentum. Man mag es auch sehen
in Bezug auf die zur Amtskirche – gar Staatskirche – gewordene
Organisation mit ihren neuen Zentren, insbesondere Rom.
Es geschah in Verbindung mit politischer Macht und
ihren sozialen Auseinandersetzungen sowie in Verdrängungsmechanismen.
Neid und Missgunst sind dabei die Antriebe des Verhaltens von Europäern,
die mit Begriffen wie: Pogrome, Judenverfolgung und zuletzt dem Holocaust
in Scham zu beschreiben sind.
Es handelt sich dabei nicht um religiöse
Verblendung. Dieses stellt keine analytische Kategorie dar sondern ein
Beschreibungsmerkmal mit deutlicher Aussagekraft.
Umso erfreulicher ist, dass das positive Element des
Christentums, die Nächstenliebe und vergleichbar im Islam die
Toleranz[133]
zunehmend an Bedeutung gewonnen haben. Im modernen Ansatz sollte man auch
das Denken und die Praxis der Ökumene anführen. Und nicht zu vergessen:
Die genannten Prinzipien sind bereits im Judentum vorhanden und über die
Thora präsent. Sie sind damit in den Schriftzeugnissen der Römischen wie
der Byzantinischen Kirche, also im Alten Testament, zu finden.
Der aus dem (kirchlichen) Antijudaismus
entstandene Antisemitismus der Europäer sowie der Antizionismus
und die Israelfeindlichkeit seien ausgeblendet.
Nachsatz: Ein dem Nobelpreisträger Werner Heisenberg
zugeschriebenes Zitat: „Wer aus dem Glase der Naturwissenschaften trinkt,
der wird Atheist. Wer dann zum Boden des Glases kommt, der gelangt zu
Gott.
[1]
Kruse, Wolfgang, 2000: Mythen und Mentalitäten. Im
Rückblick viel Neues: Der Erste Weltkrieg in erfahrungsgeschichtlicher
Perspektive. Frankfurter Rundschau 2000 (online). Dokument erstellt
am 18.12.2000 um 21:09:52 Uhr Erscheinungsdatum 12.12.2000
[2]
Interkulturelles Lernen. Eine Antwort der Didaktik der
Gesellschaftswissenschaften auf den Realitätsverlust der politischen
Kultur Mitteleuropas. Herausgegeben von Gerhard Voigt.
UNESCO-Club für die UNESCO-Schule am Maschsee, Bismarckschule Hannover,
e.V. 1993 – Neuauflage 2002.
[3]
Schmidt-Sinns, Dieter, Red., 1989: Völker und Nationen
im Spiegel der Medien, Bonn. – Schmücker, Reinhold /
Hering, Rainer, 1994: Über Patriotismus, Nationalpatriotismus und
die Suche nach Identität als Ausweg aus Unübersichtlichkeiten.
Rechtsphilosophische Hefte, Juni 1994. – Wiegenstein, Roland H.:
Konstruktionen der Erinnerung. „Mythen der Nationen“ beschäftigen
eine Ausstellung im Deutschen Historischen Museum. Frankfurter
Rundschau, Nr. 70, Dienstag, 24. März 1998, S. 8. Feuilleton.
[6]
= „Einheitsübersetzung“ der evangelischen und katholischen
Kirche
[7]
Theodor Nöldeke, Kardu und Kurden. Beiträge zur Alten
Geschichte und Geographie (Festschrift für H. Kiepert, D.
Reimer Berlin 1898), 77
[8]
G. R. Driver, The dispersion of the Kurds in Ancient
Times. Journal of the Royal Asiatic Society of Great Britain and
Ireland 4, 1921, 563
[11]
Leserbrief Frankfurter Rundschau (Gerhard Voigt / Verband
der Politiklehrer). Noah Ararat 20.10.89. Ein großer Lacherfolg: Über
die Suche nach der Arche Noah [Veröffentlicht in politik
unterricht aktuell, Heft 1/2003: 35-46
[12]
Friedrich Nietzsche: Werke und Briefe: Erste Abhandlung:
»Gut und Böse«, »Gut und Schlecht«. Zur Genealogie der Moral.
Friedrich Nietzsche: Werke, S. 7285 (vgl. Nietzsche-W Bd.
2, S. 798. C. Hanser Verlag) - http://www.digitale-bibliothek.de/band31.htm
[13]
Gottried Benn. Sämtliche Gedichte, Stuttgart,1998,
S. 320
[15]
»Der Haddsch (arabisch حج, DMG Ḥaǧǧ) ist die islamische
Pilgerfahrt nach Mekka. Er ist die fünfte Säule von den fünf Säulen des
Islam und findet jährlich während des Monats Dhu l-hiddscha statt. Die
große Pilgerfahrt, der Haddsch, kann nur während bestimmter Tage im Jahr
(8.–12. Dhu l-Hiddscha) durchgeführt werden; die kleine Pilgerfahrt,
‘Umra genannt, kann zu jeder beliebigen Zeit erfolgen.« [Wikipedia.
Hadsch.]
[16]
Es gibt keinen logischen Grund der Zuordnung zu zehn Abschnitten.
Es hätten genauso dreizehn oder vierzehn sein können. Vermutlich wurde
die Anzahl zehn benutzt, die als mythische Zahl von den Phöniziern
übernommen worden war.
[18]
» Johann Jakob Bachofen sieht Dionysos als einen Gott aus der Zeit
des Hetairismus vor der Einführung von Herrschaftsstrukturen und Ehe
an und schreibt ihn den vorgriechischen mutterrechtlichen Pelasgern zu.
Nach dem Triumph des Vaterrechts lebte die pelasgische Religion in den
Mysterienkulten weiter.« [Wikipedia. Dionysos.] Als
Pelasger (griechisch Pelasgoi Πελασγοί) wurde in der Antike eine der
ältesten Bevölkerungen Griechenlands bezeichnet. Unabhängig davon, ob es
tatsächlich je ein Volk oder Völker dieses Namens gab, benutzt die
moderne Forschung Pelasger als Bezeichnung für prähistorische
nicht-griechischsprachige Gruppen auf der südlichen Balkanhalbinsel.
[19]
Manfred Schneider: „Es genügt nicht, Menschenfleisch
herzustellen“. Ein Porträt des Rechtshistorikers und
Psychoanalytikers Pierre Legendre. Frankfurter Rundschau, Nr.
229, Freitag, 2. Oktober 1998, S. ZB 3. Feuilleton.]
[21]
Elias, Norbert, 1990 (1976): Über den Prozeß der
Zivilisation. Soziogenetische und psychogenetische Untersuchungen. [15.
Aufl.; Erstausgabe 1936; Neuausgabe 1969; 1. Aufl. der
Taschenbuchausgabe 1976]. Frankfurt am Main.
[22]
Peristany, J. G., 1965: Honour and Shame. The Values of
Mediterranian Society, London.
[23]
Davis, J. H. (1973). Group decision and social
interaction: A theory of social decision schemes.
Psychological Review, 80, 97-125.
[25]
Vgl. die augenblicklichen Auseinandersetzungen (2012) zwischen den
„Ultraorthodoxen“ in Israel und einer säkularisierten Gesellschaft, die
sich vor allem auf die Rolle der Frau in der Öffentlichkeit bezieht. In
dem Artikel vom 14. Januar 2012, Ultraorthodoxe in Israel: Eine Frau
kämpft gegen religiöse Fundamentalisten (über Judith Rotem) von Manuela
Pfohl wird dargestellt: »Zeichen des Respekts und ein Schutz vor
Belästigungen sei das, behaupten die Ultraorthodoxen. Judith Rotem
widerspricht. „Es ist lediglich der Versuch der Männer, ihre Macht über
die Frauen zu sichern.“ Dass sich die religiösen Eiferer so vehement der
Moderne widersetzen, sei der Angst geschuldet, etwas von der für sie
sehr bequemen Rollenverteilung zu verlieren, wenn Frauen sich ihrer
Stärke bewusst würden. „Vielleicht ist es ja eine Art vorbeugende
Kriegslist, die Frauen an der kurzen Leine zu halten“, meint die
19-fache Großmutter augenzwinkernd.«
http://www.stern.de/panorama/ultraorthodoxe-in-israel-eine-frau-kaempft-gegen-religioese-fundamentalisten-1771685.html
[26]
Voigt, Gerhard: Zur Begriffsbestimmung von ‚Staat‘ und
‚Staatsgesellschaft. Anmerkungen zur begrifflichen Differenzierung.
in: Voigt, Gerhard, Herausgeber: »Staatsgesellschaft« :
Historisch-sozialwissenschaftliche Beiträge zur Diskussion von
Entwicklungen, Problemen und Perspektiven. Hannover (Schriftenreihe
des UNESCO-Clubs für die UNESCO-Schule am Maschsee, Bismarckschule
Hannover, e.V., Materialien zur Didaktik der Interkulturellen Bildung
Heft 1). 2. verbesserte Auflage. – Internetausgabe:
http://www.voigt-bismarckschule.de/Staatsgesellschaft/begriff.htm
[27]
Gut bekannt sind aus der europäischen „christlichen Geschichte“
viele unrühmliche Beispiele für die Nichtanerkennung der Wahrhaftigkeit
beim Übertritt zum jeweils neuen Glauben verbunden mit Unterstellungen
der Praxis früherer Glaubensrituale, die wiederum zur Rechtfertigung
und zum Anlass genommen wurden zur Verfolgung und Unterdrückung.
[28]
Historiker urteilen zur Lebensgeschichte Jesu, „es gäbe keinen
vernünftigen Grund, an seiner Existenz und seinem gewaltsamen Tod zu
zweifeln“, auch wenn die Sicherheit eines „historischen Beweises“ nicht
gegeben ist. Die vorhandenen Quellen lassen aber einen Gegenbeweis nicht
zu.
[29]
Theologen sprechen heute z.B. bei der Auslegung des Paulusbriefes
an die Epheser von einer damals multikulturellen Gesellschaft und in
dieser von den Judenchristen und den Heidenchristen, an
die sich Paulus wendet.
[30]
Die Thora wird von den Christlichen Kirchen als Altes
Testament bezeichnet.
[31]
Der Begriff Volksgenossen ist ein Nazi-Terminus und gehört
damit in das „Wörterbuch des Unmenschen“.
[32]
Dies erschwert für viele Muslime den Schritt in moderne
Rechtssysteme. Insbesondere einfache religiöse Menschen verstehen es
nicht. Sie vermögen es nicht eine Jahrhunderte lange Entwicklung in der
westlichen Welt nachzuvollziehen.
[33]
Ein Theologe soll einmal auf die Frage: „Gibt es einen Gott?“
seinen Schülern geantwortet haben: „Ja, ich weiß es. Aber ich sage es
euch nicht!“
[34]
Die Ausbreitung des Islam ist ein vielschichtiger historischer
Prozess. Eine große Rolle spielte dabei die Krise des Christentums, das
vor allem im byzantinischen Reich unter einer „Versteinerung“ seiner
Dogmatik und Herrschaftshierarchie litt, in dem vor allem die
Randgebiete in keiner Weise mehr in haltbare Loyalitätsbezüge mehr
eingebunden waren und das „Angebot“ der neuen Religion, des Islam, mit
Freude annahmen. Viele der „Feldzüge“ der Araber waren keineswegs
kriegerische Auseinandersetzungen, sondern wurden getragen von einer
Vielzahl von Konvertiten.
[35]
Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass sich deshalb eine
umfangreiche Kunst in den islamischen Ländern entwickelt hat. Inwieweit
die Ornamentik Wurzeln in indischen oder persischen Kulturen hat, kann
hier nicht erörtert werden.
[36]
In der durch die Reformen Atatürks laizistischen Türkei ist
das Kopftuch tragen für Frauen und der Fez für Männer verboten. Es
handelt sich eine bis heute um strittige und sehr kontrovers diskutierte
und praktizierte Regeln, die Funktionalisierung und
Instrumentalisierung unterliegen. Zur aktuellen „Kopftuchdiskussion“
unter türkischen Migrantinnen vgl. Nettelmann, Lothar, 2003:
Lösung: Toleranz ? – Stichworte zum Thema »Das Kopftuch als Symbol«.
politik unterricht aktuell, Heft 1/2003: 1-10 "Interkulturelle
Konflikte"
[39]
Eine tiefgründige und kenntnisreiche, reich bebilderte und mit
Bauplänen versehene Darstellung der „symbolischen Architektur“ in
Esfahan bietet Henri Stierlin: Isfahan. Spiegel des Paradieses.
Atlantis Verlag, Zürich und Freiburg i. Br., 1976 (Editions Sigma,
Genf). Besonders aufschlussreich ist das Vorwort von Henry Corbin
(Ecole pratique des Hautes Etudes, Sorbonne, Paris, und Honorarprofessor
an der Universität Teheran): „Städte als Sinnbilder“.
[40]
Dieser neue Blick auf die Geschichte des Islam wird ausführlich
erörtert bei: Thomas Bauer: „Die Kultur der Ambiguität. Eine andere
Geschichte des Islams“. Verlag der Weltreligionen im Insel Verlag.
Eine lesenswerte Rezension dazu findet sich unter: Claudia Ott:
Kultur der Mehrdeutigkeiten. Neues Buch eröffnet einen anderen Blick
auf den Islam, in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung, 02.01.2012 –
online.
[41]
Mary E. Hooglund: Hoseyn als Vermittler – Hoseyn als Vorbild.
Anpassung und Revolution im iranischen Dorf. Religion und Politik im
Iran. mardom nameh – Jahrbuch zur Geschichte und Gesellschaft des
Mittleren Ostens. Hrsg. v. Berliner Institut für vergleichende
Sozialforschung, Kurt Greusing. Frankfurt am Main 1981 (Syndikat), S.
257-276].
[42]
Dawud Gholamasad: Irans neuer Umbruch. Von der Liebe zum
Toten zur Liebe zum Leben. Hannover 2010 (Ecce-Verlag).
[43]
Kostjukovic, Elena, 1982: Der unbegrenzte Zeichenprozeß
als Grundlage der Kultur. Zitiert nach: Kostjukovic, Elena,
1987: [Warum Gott nicht lacht...] Der unbegrenzte Zeichenprozeß als
Grundlage der Kultur (1982). In: Kroeber, Burkhart (Hrsg.),
Zeichen in Umberto Ecos Roman „Der Name der Rose“. München 1987 (Hanser).
[44]
» Die Schlacht bei Qadeš (auch: Kadesch) zwischen den Ägyptern und
den Hethitern fand im fünften Regierungsjahr des Pharaos Ramses II.,
1274 v. Chr. bei der Festung Qadeš am Fluss Orontes (im westlichen
Syrien, nahe der heutigen syrisch-libanesischen Grenze) statt… Der
Verlauf der Schlacht ist sowohl durch ägyptische als auch hethitische
Quellen dokumentiert. Allerdings ist der Feldzug Ramses II., der zur
Schlacht bei Qadeš führte, fast ausschließlich aus Sicht der beteiligten
Ägypter bekannt. So wird der Ausgang der Schlacht in den ägyptischen
Quellen als Sieg dargestellt: Der König, der von seinen Truppen
verlassen worden war, konnte mit Hilfe des Gottes Amun den Sieg
erringen. Drei Versionen über die Darstellung der Ereignisse befinden
sich in den Tempeln von Karnak, Luxor, zwei im Ramesseum und weitere in
seinen Tempeln von Abu Simbel, Abydos und Derr. Zudem sind Schilderungen
auf Papyri erhalten, so dass es insgesamt 13 Versionen gibt.«
[Wikipedia. Schlacht bei Qadeš.]
[45]
Über die Lage des Landes Gosen s. Ebers a.a.O. S. 448 f.
[Georg Ebers: »Durch Gosen zum Sinaï« (Leipzig 1872).] Es
scheint, daß der gelehrte Ägyptologe zu viel bewiesen hat. Seine
Entzifferung mancher Städtenamen im Lande Gosen ist nicht überzeugend.
In der ägyptischen Sprache soll der Name von Gosen Kesem oder Kosem
gelautet haben, das. S. 505 [Vgl. den Artikel »Gosen« bei
Riehm-Bäthgen 1449 f.{Riehm / Bäthgen, Handwörterbuch des
biblischen Altertums. II, 2 vols., Bielefeld, 1893-94}] (Anm.
Heinrich Graetz).
[46]
Heinrich Graetz: Geschichte der Juden. (GesJud Bd. 1
S. 9-10 = Geschichte der Juden von den ältesten Zeiten bis auf die
Gegenwart. Aus den Quellen neu bearbeitet von Dr. H. Graetz, Erster
Band: Geschichte der Israeliten von ihren Uranfängen (um 1500) bis zum
Tode des Königs Salomo (um 977 vorchristl. Zeit), Bearbeitet von Dr. M.
Brann, Zweite verbesserte und ergänzte Auflage, Leipzig: Oskar Leiner,
[1908]). [Erster Zeitraum: 1. Kapitel. Die Vorgeschichte. Geschichte der
Juden, S. 237-239. http://www.digitale-bibliothek.de/band44.htm ]
[47]
Gerhard Voigt:
Kultursprünge in den Wüsten des „Fruchtbaren Halbmondes“. Die
Wüstenlandschaft provoziert eine Frage: Warum entstand unsere Kultur
gerade hier und nicht in den fruchtbareren, klimatisch weniger extremen
Breiten? Aus: Gerhard Voigt:
Tradition oder Umbruch? Erlebnisse im Nahen Osten.
Schriftenreihe des UNESCO-Clubs für die UNESCO-Schule am Maschsee,
Bismarckschule Hannover, e.V., Hannover 1988, S. 89 f.
[48]
Wittfogel, K.A.: Die Theorie der orientalischen
Gesellschaft. In: Zeitschrift für Sozialforschung, Hg. im Auftrag
des Instituts für Sozialforschung von Max Horkheimer. Jahrgang VII/1938,
S. 90-122 [Libraire Felix Alcan, Paris] {reprographischer Nachdruck:
München 1970 [Kösel] und München 1990 [dtv]}.
[49]
„Lutherbibel“. »Schon 1977 beschloss der Rat der Evangelischen
Kirche in Deutschland die Rücknahme radikaler Textveränderungen der
letzten Revisionsstufe des Neuen Testaments (betroffen waren ca. 120
Textstellen). Die traditionellere Textgestalt wurde 1984 zum Gebrauch
angenommen, war überaus erfolgreich und beendete die langjährige Krise
um die Lutherrevision.« [Wikipedia. Lutherbibel.]
[50]
Ibn Chaldun (arabisch ابن خلدون
Ibn Chaldūn, mit vollem Namen ولي
الدين عبد الرحمن ابن محمد بن محمد بن أبي بكر محمد بن الحسن
Walī ad-Dīn ‘Abd ar-Raḥmān ibn Muḥammad ibn Muḥammad ibn Abī Bakr
Muḥammad ibn al-Ḥasan; * 27. Mai 1332 in
Tunis; † 17. März 1406 in Kairo) war ein islamischer Historiker und
Politiker. Zu Beginn seines monumentalen Werkes al-Muqaddima
nennt er sich kurz: Abd
ar-Rahman ibn Muhammad ibn Chaldun al-Hadrami عبد
الرحمن بن محمد بن خلدون الحضرمي / ‘Abd ar-Raḥmān b. Muḥammad
b.Ḫaldūn al-Ḥaḍramī. Nach islamischem
Kalender fallen die Geburts- und Sterbedaten auf den 1. Ramadān 732 bzw.
25. Ramadān 808. Ibn Chalduns Betrachtungsweise von gesellschaftlichen
und sozialen Konflikten macht ihn zu einem der Vorläufer einer
soziologischen Denkweise. (Wikipedia „Ibn Chaldun“.)
[52]
Mohammad R. Salama: Islam, Orientalism and Intellectual
History. Modernity and the Politics of Excluusion since Ibn Khaldun.
London 2011 (I.B. Tauris & Co. Ltd)
[54]
Ibn Khaldun: Die Muqaddima: Betrachtungen zur Weltgeschichte.
Übertragen und mit einer Einführung von Alma Giese unter Mitwirkung von
Wolfhart Heinrichs. Beck, München 2011.
[55]
Luther-Bibel 1984, 2.Samuel5: »3 Und es kamen alle Ältesten
in Israel zum König nach Hebron. Und der König David schloss mit ihnen
einen Bund in Hebron vor dem HERRN, und sie salbten David zum König über
Israel.«
(http://www.bibleserver.com)
[56]
Luther-Bibel 1984, 1.Könige12:
»16 Als aber ganz Israel sah, dass der König sie nicht hören
wollte, gab das Volk dem König Antwort und sprach: Was haben wir Teil an
David oder Erbe am Sohn Isais? Auf zu deinen Hütten, Israel! So sorge
nun du für dein Haus, David! - Da ging Israel heim,
17 sodass Rehabeam nur über die Israeliten regierte, die in
den Städten Judas wohnten.
18 Und als der König Rehabeam den Fronvogt Adoniram hinsandte,
warf ihn ganz Israel mit Steinen zu Tode. Aber der König Rehabeam stieg
eilends auf einen Wagen und floh nach Jerusalem.
19 Also fiel Israel ab vom Hause David bis auf diesen Tag.
Jerobeam wird König über die zehn Stämme. Seine Abgötterei...
20 Als nun ganz Israel hörte, dass Jerobeam zurückgekommen
war, sandten sie hin und ließen ihn rufen zu der Gemeinde und machten
ihn zum König über ganz Israel; niemand folgte dem Hause David als der
Stamm Juda allein.
21 Und als Rehabeam nach Jerusalem kam, sammelte er das ganze
Haus Juda und den Stamm Benjamin, hundertachtzigtausend streitbare
Männer, um gegen das Haus Israel zu kämpfen und das Königtum an Rehabeam,
den Sohn Salomos, zurückzubringen.« (http://www.bibleserver.com]
[57]
Luther-Bibel 1984: Esther8:
»17 Und in allen Ländern und Städten, an welchen Ort auch
immer des Königs Wort und Gesetz gelangte, da war Freude und Wonne unter
den Juden, Gastmahl und Festtag; und viele aus den Völkern im Lande
wurden Juden; denn die Furcht vor den Juden war über sie gekommen.«
(http://www.bibleserver.com)
[58]
Vgl. hierzu und zum vorhergehenden Y. M. Grintz: Art.
Jew, Semantics, in:
Encyclopaedia Judaica, 2. Auflage, Bd. 11, S. 253 f.
[60]
Werner H. Schmidt, 1983: Exodus, Sinai und Mose.
Erwägungen zu Ex 1-19 und 24. Wissenschaftliche Buchgesellschaft,
Darmstadt 1983, 1990, 1995, S. 29f.
[61]
z.B. dtv-Brockhaus-Lexikon (1982): Hebräer. Bd. 8, Mannheim 1988.
[62]
H. Donner, Geschichte des Volkes Israel, 1, S. 80ff
[63]
so Niels P. Lemche, The „Hebrew Slave“, in: Vetus
Testamentum, 25, 1975, S. 129–144 (zitiert in H. Donner, Geschichte des
Volkes Israel, 1, S. 81).
[64]
Manfred Weippert, Die Landnahme der israelitischen Stämme
in der neueren wissenschaftlichen Diskussion, FRLANT 92, Göttingen:
1967 (zitiert in W. H. Schmidt, Exodus..., S. 29).
[65]
Ronald De Vaux, Histoire ancienne d'Israël, I, Paris:
1971, S. 106–112; 205–208 (zit. in W. H. Schmidt, Exodus...,
S. 30)
[66]
Die Geißelung ist auch anderen Religionen nicht fremd. Im
Christentum ist auf die mittelalterlichen Flagellanten zu verweisen:
»Die Flagellanten oder Geißler waren eine christliche Laienbewegung im
13. und 14. Jahrhundert. Ihr Name geht auf das lateinische Wort
flagellum (Geißel oder Peitsche) zurück. Zu den religiösen Praktiken
ihrer Anhänger gehörte die öffentliche Selbstgeißelung, um auf diese
Weise Buße zu tun und sich von begangenen Sünden zu reinigen«.
[Wikipedia. Flagellanten.] – Ähnliche Bedeutung haben in der Moderne
die „Selbstbezichtigungen“ in öffentlichen Schauprozessen z.B. im
Stalinismus.
[67]
Kippenberg, Hans G., 1981: Jeder Tag ’Ashura, jedes Grab
Kerbala. Zur Ritualisierung der Straßenkämpfe im Iran. In:
Greussing Kurt, 1981: Religion und Politik im Iran. mardom
nameh– Jahrbuch zur Geschichte und Gesellschaft des Mittleren Ostens.
Hrsg. v. Berliner Institut für vergleichende Sozialforschung
(Syndikat). Frankfurt am Main. S. 217-256.
[68]
Neubauer, E., 1972: Muharram-Bräuche im heutigen Persien,
in: Der Islam 49. S. 249-272.
[69]
Algar, H., 1969: Religion and State in Iran 1785-1906.
Berkeley. – Lambton,
A.K.S., 1964: A Reconsideration of the Position of the Maqa’
al-Taqlid and the Religious Institution, in: Studia Islamica 20.
S. 115-135. – Ende, Werner, 1980: Der schi’itische
Islam als politische Kraft, in: Esters, G. / Langkau,
J., Hg., 1980: Iran in der Krise. Bonn.
S. 19-35.
[70]
Grabar,
O., 1969: The Architecture of the Middle Eastern City from Past to
Present: The Case of the Mosque, in: Lapidus, I., Hg., 1969:
Middle Eastern Cities: A Symposium on Ancient, Islamic and
Contemporary Middle Eastern Urbanism. Berkeley. S. 26-42.
[71]
Alavi,
H., 1973: Peasant Classes and Primordial Loyalties, in: Journal
of Peasant Studies, Volume 1, Issue 1, 23-60
[72]
Alavi, a.a.O. – Wolf, E., 1966: Peasants.
Englewood Cliffs.
[73]
Kippenberg, a.a.O. – Textabschnitt aus einer
unveröffentlichten Arbeit von Gerhard Voigt.
[74]
»Der Byzantinische Bilderstreit war eine Zeit der
leidenschaftlichen theologischen Debatte in der damaligen
orthodox-katholischen Kirche und dem byzantinischen Kaiserhaus während
des 8. und 9. Jahrhunderts, in der es um den richtigen Gebrauch und die
Verehrung von Ikonen ging. Die beiden Parteien wurden als Ikonoklasten
(Ikonenzerstörer) und Ikonodulen (Ikonenverehrer) bezeichnet. Über die
Gründe, die zum byzantinischen Bilderstreit führten, wird bis heute
gestritten, wobei Thesen von islamischem Einfluss über das zweite Gebot
bis hin zu persönlichen Motiven byzantinischer Kaiser diskutiert werden.
Jede Bewertung des Bilderstreits wird grundsätzlich durch den Umstand
erschwert, dass die Schriften bilderfeindlicher Autoren nach dem Sieg
der Ikonodulen von diesen vernichtet wurden, so dass uns als Quellen
fast nur Darstellungen letzterer erhalten sind. Die moderne Forschung
hat daher auch viele Urteile der älteren Forschung revidiert.«
[Wikipedia. Byzantinischer Bilderstreit.]
[75]
»JHWH (hebräisch יהוה, außerhalb des Judentums ausgeschrieben als
Jahwe oder Jehovah; im internationalen Sprachgebrauch häufig YHWH) ist
der Eigenname Gottes im Tanach, der Hebräischen Bibel. Er steht für den
gnädigen Befreier und gerechten Bundespartner des erwählten Volkes
Israel, der für Judentum und Christentum zugleich Schöpfer, Richter und
Erlöser der ganzen Welt ist. So stellt ihn das erste der Zehn Gebote vor
(Ex 20,2-3 OT, übersetzt nach Ex 20,2-3 ELB): אנכי יהוה אלהיך אשר
הוצאתיך מארץ מצרים מבית עבדים׃ לא יהיה־לך אלהים אחרים על־פני׃ „Ich bin
JHWH, dein Gott, der ich dich aus dem Land Ägypten, aus dem Sklavenhaus,
herausgeführt habe. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.“«
[Wikipedia. JHWH.]
[76]
»Der islamische Begriff Umma (أمة, DMG Umma, ‚Gemeinschaft‘),
manchmal auch Ummah, bezeichnet als Fremdwort in westlichen Sprachen die
religiöse Gemeinschaft aller Muslime, eigentlich korrekter auf arabisch
al-Umma al-islamiyya / الأمة الإسلامية / al-Umma al-islāmīya, im
modernen Arabisch aber auch die Nation und andere (als solche
aufgefasste) „Gemeinschaften“. Das religiöse Konzept der Umma steht in
Konkurrenz zum in Europa entwickelten weltlichen Konzept der „Nation“,
so beispielsweise bei der „arabischen Nation“ (al-Umma al-arabiyya /
الأمة العربية / al-Umma al-’arabīya)… Seine Verwendung im Koran ist
geknüpft an ethnische oder religiöse Gemeinschaften, wie Juden, Christen
und Muslime. Später etablierte sich die Bezeichnung für die Anhänger,
die Mohammed in Medina um sich versammelte, die sich nicht durch
Stammesbeziehungen und Verwandtschaft (asabiyya) definierte, sondern
durch ihre gemeinsame Religion. Lange verstand man darunter im
Wesentlichen die Glaubensgemeinschaft der Muslime, seit dem 19.
Jahrhundert auch die Nation im modernen Sinne. Seit 1967 mit der
Niederlage im Sechstagekrieg und dem Beginn des Zusammenbruchs des
arabischen Nationalismus gewinnt das religiöse Konzept wieder eindeutig
die Oberhand. Im Hebräischen dient das Wort Umma (אמה) als
Selbstbezeichnung der sephardischen Juden seit ihrer Vertreibung aus
Spanien im Jahre 1492. Im Gegensatz zur Umma, welche die Gemeinschaft in
den Vordergrund stellt, bezeichnet der Begriff Dar ul-Islam (arab:
„Das Haus des Islam {des Friedens}“) das Gebiet, in dem die Muslime die
Herrschaft innehaben, im Gegensatz zum Dar ul-Harb (arab: „Das Haus des
Krieges“)..« [Wikipedia. Umma. – Hervorhebung G.V.]
[77]
»Für die Leviten, die bis heute als eigene Gruppe im religiösen
Judentum existieren, gilt eine Reihe besonderer Gesetze und
Vorschriften, von denen aber nur wenige während der derzeitigen
Abwesenheit eines Tempels anwendbar sind; so haben sie bei der Lesung
der Torah Vortritt vor anderen Juden. Sie tragen heute oft (aber nicht
immer) den Nachnamen Levi oder Levy bzw. Halevi oder Halevy. Der Vorname
Levi ist dagegen unter allen Juden recht verbreitet und deutet nicht auf
eine Zugehörigkeit zu den Leviten hin. Im Tempel waren die Leviten unter
anderem für die Einhaltung der Regeln im 3. Buch Mose zuständig, das
daher auf Lateinisch Leviticus genannt wird. Der direkte Dienst am Altar
wurde nur von einer Untergruppe der Leviten, den Kohanim, ausgeübt;
diese gelten als direkte Nachfahren Aarons, der selbst Levit war. Mit
dem Ausdruck „Leviten“ sind heute meist nur die gemeint, die keine
Kohanim sind. Auf die Zugehörigkeit zu den Kohanim weisen die
Familiennamen Kohen, Kohn, Kahn, Kahane, Katz, Kagan, Kogan, Cohn,
Cohen, Cahn o.ä. hin. Die Kohanim haben bei der Torah-Lesung wiederum
Vorrang vor den anderen Leviten, sie sprechen einen besonderen Segen in
der Synagoge, und für sie gelten besondere Ehe- und
Reinheitsvorschriften. So dürfen sie nach religiösem Recht, das in
Israel auch als staatliches Recht anwendbar ist, beispielsweise keine
Nichtjüdin, Konvertitin oder geschiedene Frau, sondern nur eine jüdisch
geborene Jungfrau heiraten. Levitentum ist in männlicher Linie erblich
und kann weder abgelegt noch erworben werden; insbesondere gehören
Konvertiten grundsätzlich nicht zu diesen Gruppen. Das Amt eines
Rabbiners ist davon ganz und gar getrennt, es ist nicht erblich und kann
von jedem Juden, der die entsprechende Ausbildung und Weihe empfangen
hat, ausgeübt werden. Im Liberalen Judentum ist die Unterscheidung
zwischen Priestern, Leviten, und sonstigen Juden heute aufgegeben
worden.« [Wikipedia. Leviten.]
[78]
Kishon, Ephraim, 1965: Und Moses sprach zu Goldstein.
– Eine Satire aus Israel. – Aus: Ephraim Kishon: Arche Noah,
Touristenklasse. Neue Satiren aus Israel. Reinbek, rororo 756, S. 34-36.
[80]
Erman, Adolf, Grapow, Hermann: Wörterbuch der
ägyptischen Sprache, Band III, S. 70, Nr. 1-4.
[81]
Gerhard Voigt:
Kultursprünge in den Wüsten des „Fruchtbaren Halbmondes“. Die
Wüstenlandschaft provoziert eine Frage: Warum entstand unsere Kultur
gerade hier und nicht in den fruchtbareren, klimatisch weniger extremen
Breiten? Aus: Gerhard Voigt:
Tradition oder Umbruch? Erlebnisse im Nahen Osten.
Schriftenreihe des UNESCO-Clubs für die UNESCO-Schule am Maschsee,
Bismarckschule Hannover, e.V., Hannover 1988, S. 89 f.
[82]
Wittfogel, K.A.: Die Theorie der orientalischen
Gesellschaft. In: Zeitschrift für Sozialforschung, Hg. im Auftrag des
Instituts für Sozialforschung von Max Horkheimer. Jahrgang VII/1938, S.
90-122 [Libraire Felix Alcan, Paris] {reprographischer Nachdruck:
München 1970 [Kösel] und München 1990 [dtv]}.
[83]
Illerhaus, F.: Marduks Kampf gegen das Chaosungeheuer
Tiamat. Darstellungen des babylonischen Schöpfungsmythos und die
Vielfalt der Deutungen. München. 2011. S. 5.
[84]
vgl. Khoury, A. T. u. Girschek, G., Das religiöse
Wissen der Menschheit. Freiburg 1999, Bd. 1, S. 118-141.
[85]
Stefan Maul: Das Gilgamesch-Epos. (neu übers. u. komm.)
Beck, München 2008. – Wolfgang Röllig: Das Gilgamesch-Epos.
Reclam, Stuttgart 2009. – Raoul Schrott, Robert Rollinger,
Manfred Schretter: Gilgamesh: Epos, Wissenschaftliche
Buchgesellschaft, Darmstadt 2001. – Hartmut Schmökel: Das
Gilgamesch-Epos. (rhythmisch übertragen) Kohlhammer, 9. Aufl., Stuttgart
1999.
[86]
Bibby, Geoffrey, 1973: Dilmun. Die Entdeckung der
ältesten Hochkultur. Rowohlt, Reinbek. –
Kramer, Samuel Noah, 1964: The Indus Civilization and Dilmun, the
Sumerian Paradise Land. Expedition, Bd. 6, Nr. 3, 1964, S 44–52
[87]
Nach: Elias, Norbert. Eine Figuration kann als eine
Organisationsform von Menschen in einem begrenzten Regelsystem
verstanden werden.
[88]
Man denke an die Mormonen, Bibelforscher (ab 1935 Zeugen Jehovas)
und die Scientology-Church der USA sowie die aus asiatischen Religionen
abgeleiteten Gruppen.
[89]
MacPartland, Th. S. / Cumming, John H., 1973:
Selbstkonzept, soziale Schicht und psychische Gesundheit.
In: Steinert, Hg., Symbolische Interaktion. Arbeiten zu einer
reflexiven Soziologie. Stuttgart 1973 (Klett), S. 175 ff.
[91]
Wieso, weshalb, warum... reisten die Heiligen Drei Könige nach
Bethlehem? Hannoversche Allgemeine Zeitung, Nr. 298, 21.12.01, S. 6
[92]
Arash Moghaddam Alvandi: Die Sassaniden. http://www.arash.de/gesch/text/Irangeschi3.htm.
[93]
Das Ökumenische Heiligenlexikon [
http://www.heiligenlexikon.de/ ]. – Sachlichere Informationen bietet
Wikipedia: »Nach der Legende veranlasste Helena Grabungen, bei
denen unter anderem Reste des Wahren Kreuzes und der Ort des Heiligen
Grabes gefunden wurden. Ob die heute bekannten Reliquien tatsächlich zu
dem Kreuz Jesu gehörten oder auch nur echt in dem Sinne sind, dass sie
überhaupt aus der Zeit um 33 n. Chr. stammen, ist umstritten. Über dem
Grab und der Kreuzauffindungsstelle ließen Helena und ihr Sohn
Konstantin eine Basilika errichten, die sogenannte Grabeskirche. Auch
die Geburtskirche in Bethlehem und die später zerstörte Eleona-Basilika
auf dem Ölberg gehen auf Helena zurück. Die heilige Helena ist auch
die Gründerin vieler anderer Kirchenbauten in und um Jerusalem sowie in
anderen Orten. Ihr werden auch die Auffindung und Mitnahme der Reliquien
der Heiligen Drei Könige zugeschrieben. Zunächst waren die Reliquien im
Familienbesitz und wurden später an Bischof Eustorgius verschenkt. Sie
kamen dann nach Mailand, bis sie von Kaiser Friedrich Barbarossa nach
Köln in den Dom verbracht wurden, wo sie noch heute sind. Die erhaltenen
Gewebe zeigen große Ähnlichkeit mit Vergleichsstücken aus Syrien zur
Zeitenwende.« [Wikipedia: Helena (Mutter Konstantins des Großen).]
[94]
Israel Ministry of Foreign Affairs: Jerusalem: Die Grabeskirche.
Fokus Israel, 2009. [ http://www.mfa.gov.il/MFADE/MFAArchive/2000_2009/2000/3/Jerusalem-%20Die%20Grabeskirche
]
[95]
Es handelt sich um eine Glaubensvorstellung, die weiterhin in
einigen Segmenten des Judentums existiert. Er wurde von den Christen in
einer Umformung übernommen und wird vor allem bei einigen Gruppen von
Wortgläubigen funktionalisiert.
[96]
Mediziner fragen: „Verfügte Adam über einen Bauchnabel?“
[97]
Vgl. dazu: Esposito, Helena, 2002: Soziales Vergessen.
Formen und Medien des Gedächtnisses der Gesellschaft. Mit einem
Nachwort von Jan Assmann. suhrkamp taschenbuch Wissenschaft stw
1557, Frankfurt am Main.
[98]
V.S. Naipaul: Afrikanisches Maskenspiel. Einblicke in die
Religionen Afrikas. Aus dem Englischen von Anette Grube. S. Fischer
Verlag, Frankfurt am Main 2011. – Rezension dazu: Hartmut Buchholz:
Nur eine Welt der Geister und Ahnen. V.S. Naipauls Reisebuch
„Afrikanisches Maskenspiel“ bietet Einblicke in die Religionen des
Kontinents. Badische Zeitung. 28. Januar 2012
[99]
Ein Interessanter Ansatz in einem Blog findet sich aktuell im
Forum der Gruppe „Wir leben unseren Dialekt – spin.de“. –
Vgl. Helmut Fischer: „Erzählen – Schreiben – Deuten. Beiträge
zur Erzählforschung“. Münster 2001 – Leander Petzhold:
„Einführung in die Sagenforschung“. Konstanz 1999 - Siegfried
Neumann: „Geschichte und Geschichten. Studien zu Entstehung und
Gehalt historischer Sagen und Anekdoten“. Rostock 2000.
[100]
Eine interessante ironische Brechung finden regionale Sagen in dem
Kriminalroman von Volker Klüpfel und Michael Kobre:
Erntedank. München / Zürich, 2006 (Pieper 4511), der im bayrischen
Allgäu spielt.
[101]
» Die Allegorie (von griechisch αλληγορέω „etwas anders ausdrücken“)
ist eine Form indirekter Aussage, bei der eine Sache (Ding, Person,
Vorgang) aufgrund von Ähnlichkeits- und/oder Verwandtschaftsbeziehungen
als Zeichen einer anderen Sache (Ding, Person, Vorgang, abstrakter
Begriff) eingesetzt wird.« [Wikipedia. Allegorie.]
[102]
Vgl. Klaus Doderer: Fabeln. Formen, Figuren, Lehren.
München: dtv, 1982 – Die bekanntesten neuzeitlichen Fabeln stammen von
Jean de La Fontaine (1621–1695).
[103]
Rolf-Wilhelm Brednich: „Die Spinne in der Yucca-Palme.
Sagenhafte Geschichten von heute“. München 1990.
[104]
Steinert, Heinz, ed., 1973: Symbolische Interaktion.
Arbeiten zu einer reflexiven Soziologie. Stuttgart (Klett).
[105]
Elias, Norbert, 1990 (1976): Über den Prozeß der
Zivilisation. Soziogenetische und psychogenetische Untersuchungen.
[15. Aufl.; Erstausgabe 1936; Neuausgabe 1969; 1. Aufl. der
Taschenbuchausgabe 1976]. Frankfurt am Main.
[106]
Simon Benne: Bilder, die Geschichte machen. Wenn eine
ganze Epoche in einen Augenblick passt: Das Historische Museum
Hannover zeigt „Bilder im Kopf – Ikonen der Zeitgeschichte“. 24.01.2012
/ Hannoversche Allgemeine Zeitung. Seite 4.
[107]
Im Haus der TUI: Franziska Stünkels gläserne Geschichten.
26.01.2012 / Neue Presse (Hannover). Seite 23
[108]
Kuhlmann, Andreas, 1993: Zivilisation vor dem Zerfall.
Verhalten und Entzivilisierung. Verhaltensstandards und
gesellschaftliche Erosion. Frankfurter Rundschau, Nr. 219, Dienstag,
21. September 1993. S. 12: Forum Humanwissenschaften. – Ziehe, Thomas,
1991: Formen der Individualisierung. Unspektakuläre
Zivilisationsgewinne. Auch Individualisierung kann „kommunitär“ sein.
Frankfurter Rundschau, Nr. 269, 19./20.11.91. S. 25.
[109]
Evelyn Beyer: Kraftwerke in Tarnklamotten. Jürgen Kuttner
über seine Schauspielhaus-Premiere „Kollateralschlager“ 26.01.2012 /
Neue Presse (Hannover). Seite 23
[110]
Teach Your Children. Crosby, Stills, Nash & Young. by
Graham Nash.
[111]
Dieser Text beruht auf einer kurzen Facebook-Nachricht des
Verfassers an Frankfurter Rundschau-online vom 28.11.2009
[112]
Astrid Hölscher: Kommentar „Babys Welten“. Frankfurter
Rundschau vom 29.11.09:
[116]
In den Medien wir hingewiesen auf das Minderheitenvotum im Ethikrat
selbst: „Die Entscheidung des Ethikrats fiel allerdings nicht
einstimmig. Sechs Mitglieder gaben ein Minderheitenvotum ab, neben
Kirchenvertretern und Theologen auch die Verfassungsrechtlerin Kristiane
Weber-Hassemer und der Ex-Ministerpräsident Baden-Württembergs,
Erwin Teufel (CDU). ‚Das Zahlenmaterial ist nicht aussagekräftig
genug. Im Einzelfall steht der Schutz des Lebens höher‘, sagte
Weber-Hassemer“, so Beatrice Henke und Joachim Frank in
ihrem Bericht „Anonyme Geburten – Ethikrat will Babyklappen
schließen“. Frankfurter Rundschau online 29. November 2009.
http://www.fr-online.de/in_und_ausland/politik/aktuell/2105282_Anonyme-Geburten-Ethikrat-will-Babyklappen-schliessen.html
[117]
vgl. Manfred Schneider: „Es genügt nicht, Menschenfleisch
herzustellen“ Ein Porträt des Rechtshistorikers und Psychoanalytikers
Pierre Legendre. Frankfurter Rundschau, Nr. 229, Freitag, 2. Oktober
1998, S. ZB 3. Feuilleton.
[119]
Die Diskussion um mögliche „Geruchsaffinitäten“ bei Mensch und Tier,
sollte hier erst einmal als ephemer ausgeklammert bleiben (vgl. zum
Beispiel „Die Vorherrschaft der Biologie“, tof / Ausgabe:
Hannoversche Allgemeine Zeitung, Datum: 03.12.2005“), auch da sich
dieser Aspekt eher auf eine spätere Partnerwahl als auf die
Abstammungsfrage richtet.
[120]
vgl. Manfred Schneider: „Es genügt nicht, Menschenfleisch
herzustellen“. a.a.O.
[122]
…wenn z.B. die Mutter als „Hure“ oder „Flittchen“ diffamiert wird.
[123]
Dies tritt gehäuft bei Vergewaltigungsopfern im Zusammenhang mit
kriegerischen Ereignissen auf, oder – z.B. in der deutschen
Besatzungszeit nach 1945 – der Anwesenheit fremder Soldaten, z.T. mit
anderer Hautfarbe.
[125]
Die Glaubensvorstellung besteht darin, dass eine Wiedergeburt der
Seele in einem minder- oder höherwertigen Körper erfolgt.
[126]
»1) instinktives Verhalten bei Tieren derselben Art durch
Beschwichtigungs- und Demutsgebärden: Wenn Hunde miteinander kämpfen,
kehrt der Unterlegene dem Sieger seine ungeschützte Kehle zu, der dann
nicht mehr in der Lage scheint, zuzubeißen. 2) Die Tötungshemmung
dürfte grundsätzlich auch beim Menschen vorhanden und durch
Werterziehung stabilisiert sein, wie die Analyse von kriegerischen
Kampfhandlungen zeigt: 80 - 85 % aller Soldaten sind (zumindest
freiwillig) nicht Willens, auf den Feind zu schießen und ihn zu töten.
Doch Töten kann gelernt, die Schießbereitschaft durch Training
gesteigert und die Tötungshemmung durch Vorbilder abgeschwächt werden
(Aggression, Gewalt, Folter).«
http://www.psychology48.com/deu/d/toetungshemmung/toetungshemmung.htm
– Vgl. auch Lexikon der Neurowissenschaft: Aggressionshemmung:
Wissenschaft online
http://www.wissenschaft-online.de/abo/lexikon/neuro/227
[127]
Elias, Norbert / Scotson, John L., 1993: Etablierte
und Außenseiter. Frankfurt am Main. – Elias, Norbert, 1987:
Über die Begriffe der Figuration und der sozialen Prozesse.
Einführende Bemerkungen. Diskussionsbeiträge IS/TUB 6; Berlin. –
Elias, Norbert, 1990 (1976): Über den Prozeß der Zivilisation.
Soziogenetische und psychogenetische Untersuchungen. [15. Aufl.;
Erstausgabe 1936; Neuausgabe 1969; 1. Aufl. der Taschenbuchausgabe
1976]. Frankfurt am Main.
[128]
»Was immer die Ursache dafür gewesen sein mag, ein zentrales
Unterscheidungs-merkmal zwischen Primaten und menschlichen Primaten ist
jedenfalls in einer fundamentalen Differenz der sozialen Organisation
ihrer Überlebensgemeinschaften zu sehen. Während nichtmenschliche
Primaten innerhalb ihrer Überlebensgemeinschaft um Nahrungsmittel
konkurrieren und ein Sozialsystem entwickelt haben, das durch strikte
Hierarchisierung und eine unumstößliche soziale Ordnung die Ernährungs-
und Fortpflanzungserfordernisse der Gruppe reguliert, setzen menschliche
Überlebensgemeinschaften auf ein völlig anderes Prinzip: auf
Kooperation. Kooperation steigert die Potentiale der einzelnen, indem
sie Fähigkeiten und Kräfte bündeln, kombinieren, kumulieren kann und
damit ihrerseits neue Potentiale zu entfalten in der Lage ist.
Gerade darum sind menschliche Überlebensgemeinschaften prinzipiell
kommunikative Gemeinschaften, denn Kooperation setzt natürlich
Kommunikation voraus [Hervorhebung G.V.]. Darum ist »readyness
for communication« (Colwyn Trevarthen) ein zentrales Ausstattungsmerkmal
von Neugeborenen. Sie sind in der Lage, ihre Überlebensbedürfnisse zu
kommunizieren, indem sie sie durch Schreien, Mimik und Körperbewegung
zum Ausdruck bringen. Sie sind von Anbeginn ihres Lebens in
erstaunlichem Maß zu kommunikativen Handlungen in der Lage, was
keineswegs gleichbedeutend damit ist, daß sie kommunikative Handlungen
von anderen »verstehen« oder gar intersubjektiv operieren könnten.
Neugeborene und Säuglinge können eine ganze Menge zum Ausdruck bringen,
was aber nicht heißt, daß sie »wüßten«, was sie tun, wenn sie deutlich
machen, daß sie gerade Hunger haben oder sich ängstigen oder freuen. Es
heißt nur, daß sie von ihrer biologischen Konstitution her in einer
Fundamentalen Bezogenheit auf ihre soziale Umwelt existieren und die
unablässige Kommunikation mit eben dieser Umwelt sie sukzessive mit
jenem Vermögen zur reflexiven Kommunikation ausstattet, das es ihnen –
etwa ab dem neunten Lebensmonat – tatsachlich erlaubt, in eine
intersubjektive Welt einzutreten, in der sie ihre Aufmerksamkeit und
ihre Perspektiven mit denen der anderen teilen können. Die Entstehung
dieses reflexiven Vermögens wird nonreflexiv gebahnt, durch
asymmetrische Kommunikation und durch Entwicklung von immer besseren
Gedächtnisleistungen: vom impliziten, unbewußten Erfahrungs- und
Körpergedächtnis hin zum expliziten, bewußtseinsfähigen episodischen
und autobiographischen Gedächtnis.« Markowitsch, Hans J. /
Welzer, Harald, 2005: Das autobiographische Gedächtnis.
Hirnorganische Grundlagen und biosoziale Entwicklung. Stuttgart
(Klett-Cotta). S. 57-59.
[129]
»do ut des (lateinisch. Ich gebe, damit du gibst.) ist eine
Rechtsformel für gegenseitige Verträge sowie ein Grundsatz sozialen
Verhaltens. Vergleichbar ist dieses Prinzip mit quid pro quo
(lateinisch. Dieses für das.) sowie mit dem Sprichwort manus manum
lavat (lateinisch. Eine Hand wäscht die andere.). Der Begriff aus der
römischen Antike bezeichnete ursprünglich das Verhältnis der Römer zu
ihren Göttern. Es wurde den Göttern geopfert und gehuldigt, weil man
eine Gegengabe bzw. einen Gegendienst erwartete. Dies ist eine
archaische Denkstruktur, die wahrscheinlich jedem Opferritual zugrunde
liegt. In der Rechtswissenschaft dient do ut des der Kennzeichnung des
Synallagmas zwischen Leistung und Gegenleistung. Dieses
römisch-rechtliche Institut ist im deutschen Recht in § 320 BGB
normiert. Bei einem gegenseitigen Vertrag erbringt jeder Vertragspartner
seine Leistung nur, weil er die Gegenleistung erhalten will. Prozessual
wird nach dem Grundsatz des do ut des eine Verurteilung der Leistung Zug
um Zug mit der Gegenleistung ausgesprochen«. [Wikipedia. do ut des].
[130]
»Wenn der jüdische Glaube sich über fremden Götzendienst ereifert,
dann geht es dabei auch durchaus um solche unmenschliche Weise der
Götterverehrung, die – bedenkt man die näheren Umstände von
Menschenopfern genauer – sogar viel mit Triebverbrechen gemeinsam haben.
Wir müssen uns bewusst machen, dass sich die Menschen für diese
Menschenopfer keinesfalls gern zu Verfügung stellten, jedenfalls nicht
junge Menschen, ja dass diese Opfer gerade sie mit Angst und Schrecken
erfüllten. Menschenopfer bedeuten also immer Ängste und Ängste sind
immer auch Herrschaftsinstrument… In der Ödipussage wird berichtet, dass
Ödipus die Stadt Theben von einem Ungeheuer (der „Sphinx“) befreite, der
jedes Jahr (?) drei Jungen und drei Mädchen zum Fraß vorgeworfen werden
mussten. Ausdrücklich ist hier von der Angst und dem Schrecken die Rede,
worunter die Stadt deswegen leidet, und von der opulenten Belohnung, die
sich der „Befreier“ verdienen könnte, er würde nämlich König werden und
die Witwe des ermordeten alten Königs zur Frau bekommen...«
WWW.BASISRELIGION.DE. Die Theologie mit dem kriminologischen
Ansatz.
[131]
»Abraham (hebräisch אַבְרָהָם Avrāhām: „Vater der vielen
(Völker)“, im Islam arabisch إبرَاهِيم Ibrāhīm) ist als Stammvater
Israels eine zentrale Figur des Tanachs bzw. des Alten Testaments.
Genauso gilt er als Stammvater der Araber, von dessen Sohn Ismael der
Prophet des Islam, Mohammed, abstammt. Abrahams Geschichte wird im
biblischen Buch Genesis bzw. Bereschit (Gen 12–25 EU) erzählt. Danach
gehört er zusammen mit seinem Sohn Isaak und seinem Enkel Jakob zu den
Erzvätern, aus denen laut biblischer Überlieferung die Zwölf Stämme des
Volkes Israel hervorgingen. Neben dem Judentum berufen sich auch das
Christentum und der Islam auf Abraham als Stammvater. Darum bezeichnet
man alle drei auch als abrahamitische Religionen. In der Tora wird im 1.
Buch Mose (Buch Genesis, Gen 11,27 EU-Gen 25,10 EU) die Geschichte
Abrahams geschildert. Abraham heißt ursprünglich Abram, hebräisch
אַבְרָם, Avrām, mit der Bedeutung „der Vater ist erhaben“ oder „er ist
erhaben in Bezug auf seinen Vater“. Der Gott Israels ändert den Namen zu
Abraham, was in Gen 17,5 EU als „Vater der Menge an Völkern“ gedeutet
wird. Dabei handelt es sich nicht um eine wörtliche Übersetzung, sondern
um eine Volksetymologie. [Thomas Hieke, Art. „Abraham“, in: Wibilex. Das
wissenschaftliche Bibellexikon im Internet.]« [Wikipedia. Abraham].
[132]
In: Gerhard Voigt (Hrsg.): »Staatsgesellschaft«
Historisch-sozialwissenschaftliche Beiträge zur Diskussion von
Entwicklungen, Problemen und Perspektiven (2002). Schriftenreihe
des UNESCO-Clubs für die UNESCO-Schule am Maschsee, Bismarckschule
Hannover, e.V., Materialien zur Didaktik der Interkulturellen Bildung
Heft 1.
[133]
»Salām (arabisch سلام, DMG salām ‚Frieden; Wohlbehaltenheit,
Unversehrtheit‘) ist eines der arabischen Wörter für Frieden.
Gleichzeitig ist es ein üblicher Gruß im arabischen Sprachkontext
(vollständig: السلام عليكم as-salāmu ʿalaikum, ‚der Frieden auf
euch!, Friede sei mit dir/euch!‘). Der Begriff Salam war ursprünglich
rein religiös konnotiert, im Sinne des Friedens mit Gott. Ein weiteres
Wort für Frieden im Arabischen ist silm. Beide Begriffe beruhen auf
der semitischen Wurzel s-l-m, ebenso wie das hebräische Wort Schalom,
das aramäische Wort šalim und der Name der Religion Islam. Šlomo ist
die aramäische Entsprechung zu Salam. Namen wie Salomon / Sulaiman,
Salīm, Sālim, Sulaim, Sulamith etc. gehen auf dieselbe Wurzel zurück.«
[Wikipedia. Salam.]
Inhaltsverzeichnis
Lothar
Nettelmann / Gerhard Voigt:
Mythen: Reflexionen und Beispiele
Werte und
Normen – Ideologie und Überbau
Vorbemerkung.
Nachdenken über….
…die Sintflut, die Sinn-Suche und die „ewige Frage: wozu?“
Der
Begriff „Sintflut“.
Die
Suche nach der „objektiven Wahrheit“.
Der Anachronismus der modernen „Bibelforschung“
Sinn-Suche
Die Genese
von Völkern und Symbolsystemen
Nachdenken über…
…den
Sinai, die vierzig Jahre und die Ethnogenese eines Volkes
Eine Fahrt
über den Sinai
Die
„Heilige Zahl Vierzig“
Die
Volkwerdung der Juden
Materialien zur Bezeichnung des „jüdischen Volkes“
Zur Bezeichnung „Juden“.
Zur
Bezeichnung „Hebräer“.
Zur
Bezeichnung „Israel“.
Sozialstruktur und Rituale der orientalischen Gesellschaft
Die Zehn
Gebote
Das goldene
Kalb
Legitimationsideologien
Nachdenken über…
…Legitimationsmythen im frühen Christentum
Heilige Drei Könige
Glosse:
Die „Via
Dolorosa“
Mythenbildung.
Mythen,
Symbole und Tabus
Sagen,
Fabeln….
…Symbole,
Bilder
Familienbilder
Familie als soziale Institution vs. biologistische Familienmythen.
Sexualität, Geschlecht und Machtprozesse
Die
Kreuzigung Jesu.
Der Opfermythos,
seine Funktionalisierung und Instrumentalisierung.
Inhaltsverzeichnis.
Dokument
Information
Erstausgabe
als Internet-Publikation auf
http://www.pu-aktuell.de und
http://www.voigt-bismarckschule.de
31.01.2012
Neuausgabe als Sonderheft
von Politik Unterricht Aktuell 2012 »Mythen«
in der Internet-Version auf
http://www.pu-aktuell.de/pua2012/Mythen.htm
Verantwortlich für diese Publikation: Gerhard Voigt, OStR i.R. (seit
2009).
Veröffentlicht in politik unterricht aktuell, Sonderheft 2011. Hannover,
2012.
Printausgabe für Bibliotheken –
pua ISSN 0945-1544.
Herausgeber: Verband der Politiklehrer e.V., Hannover.
Vorsitzender: Gerhard Voigt, OStR i.R. (seit 2009),
eMail:
bismarckschule.voigt@gmx.de,
http://www.voigt-bismarckschule.de.
Internetausgabe
http://pu-aktuell.de/pua2012/p012_inx.htm - 31.01.2012
durchgesehene PDF-Edition 31.01.2012
Parallelveröffentlichung auf
http://www.voigt-bismarckschule.de/publikationen/Mythen.htm |
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