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Gelegenheitstexte und Varia: Übersicht

Veröffentlichungen und Texte: Index

   
   

 

     
   

Veröffentlichungen und Texte

Gelegenheitstexte und Varia

Kriminalromane: Persönliche Favoriten

Literaturliste

Kapitel 1: Der klassische Detektivroman

Kapitel 2: Der angelsächsische Universitätsroman

Kapitel 3: Der Kriminalroman der »schwarzen Serie«

Kapitel 4: Der regionale Realismus

Kapitel 5: Die Außenseiter

Schreiben und lesen...

In meiner Schulzeit waren Kriminalromane noch

die "Schmuddelkinder" der Literatur. Mein Vater

las sie oft (vor allem Edgar Wallace und Agatha

Christie, die roten Goldmann-Krimis), aber er

versteckte sie immer in Zeitungspapier (als

guter Waldorf-Lehrer war er hier in einer

"moralischen Zwickmühle". Heute wird immer

deutlicher, dass Kriminalromane mit der

wichtigste Beitrag des 20. Jahrhunderts zur

Literaturgeschichte und zum Lesen eines breiten

Publikums waren. Über meine Favoriten habe ich

nachfolgend einige Notizen zusammen gestellt:

Literaturliste

Spektakuläre »Kriminalfälle« sind mit die ersten überlieferten literarischen topoi, sieht man einmal von den mythischen und religiösen Schriften ab, bei denen Verrat, Brudermord und das ganze Spektrum menschlicher Bosheit und Verfehlungen breiten Raum einnimmt als Anlass und Motiv göttlichen Handelns und religiösen Aufrufs zur Umkehr. Ohne diesen religiösen Hintergrund sind so die biblischen Schriften ebenso wie babylonische Keilschriftüberlieferungen anachronistisch heute als »Literatur« zu lesen – und zu genießen. Kriminalromane sind daher vom sujet her nichts Neues. »Schuld und Sühne« sind die klassischen Gegenstände der Literatur bis heute. Doch im 19. Jahrhundert bildet sich vor dem Hintergrund der zivilisierten bürgerlichen Gesellschaft vor allem in Großbritannien eine formalisiertere literarische Form der Detektivgeschichte heraus, die sehr bald vor allem in den USA aufgegriffen und gesellschaftstypisch weiter entwickelt wurde – wobei einige short stories von Edgar Allan Poe in den USA zu den direkten inhaltlichen und formalen Vorläufern diesen Literaturgattung gehören.

Die umfangreiche literaturwissenschaftliche und gesellschaftswissenschaftliche Literatur über die sozialen Grundlagen der Kriminalerzählung z.B. in der bürgerlichen Klassengesellschaft, über die besonderen gesellschaftlichen Rezeptionsmuster des »Krimis«, der in einer unübersichtlich gewordenen Gesellschaft individualisierte Ansätze zur Wiederherstellung von Norm und Ordnung anbietet, der bestimmte Sensationsbedürfnisse der Leser- und beim TV-Krimi Zuschauerschaft befriedigen kann, soll hier nicht weiter wiedergegeben und kritisiert werden.

Die abwertende und abschätzige Kategorisierung der Kriminalromane in Deutschland wäre einer eigenen gesellschaftswissenschaftlichen Untersuchung Wert, die auch politisch funktionalisierte und aktualisierte Nationalstereotypen, in extremer Form in der Zeit des Nationalsozialismus, mit thematisiert und diese entdifferenzierte Ablehnung auf ein spezifisch deutsches, aus der romantisch-idealistischen Tradition herrührendes Gesellschafts- und Literaturverständnis zurückführt, in dem Literatur Erbauungs- und Affirmationsfunktionen zugeschrieben werden und die Gesellschaft vor allem als Feld von Harmonisierungs- und damit Tabuisierungs- und Unterdrückungsstrategien gesehen wird.

So kann eine bewusste positiv-kritische Rezeption der internationalen Kriminalromanliteratur in Deutschland durchaus eine aufklärerische, distanzierend-rationale Bedeutung erhalten. Doch jenseits solchen legitimatorischen Überbaus sollte hier festgehalten werden, dass in der unübersehbaren Fülle der Kriminalromanliteratur mit allen ihren Qualitätsunterschieden – wie dies auch für andere literarische Gattungen gleichermaßen gilt – für die moderne Literatur ein erheblicher Anteil der besten in unserem Jahrhundert geschriebenen Werke – Romane und Kurzgeschichten – zu finden sind, ohne die der literarische Reichtum der Gegenwart gar nicht angemessen eingeschätzt werden kann.

Im Folgenden möchte ich einen ganz subjektiven Einstieg in die Lektüre guter Kriminalromanliteratur geben, die gerade durch ihre subjektive Auswahl, die keinen stringenten Kriterien folgt, sicherlich anfechtbar ist, Lücken aufweist und für andere Leser und Leserinnen vielleicht als nicht so überragend eingeschätzte Werke mit einschließt. Aber ich denke, dass man genau so, zuwendung- und wagnisvoll sich auf Literatur einlassen sollte, mit dem Mut zur Begeisterung und zur vielleicht auch einmal ungerechten Ablehnung und Abwertung.

Ich unterscheide dabei ohne eigene Präferenzen verschiedene Kategorien von Kriminalromanen, die regional und zeitlich jeweils Gruppen bilden: »Klassische« Detektivromane in der Tradition von Sherlock Holmes, in denen in einem festen gesellschaftlichen Rahmen der Einzelne durch Kombination und Wissen die Ordnung wiederherstellt, in dem er das Rätsel löst. Klassiker dieser Gattung sind allseits bekannt und werden hier nicht mehr eigens aufgeführt. Zu ihnen gehören neben Conan Doyle vor allem die »Grand Old Dames« der englischen Kriminalliteratur Agatha Christie, Dorothy Sayers und P.D. James . Hier sollte vielleicht noch erwähnt werden, dass ich Sayers’ Roman »Der Glocken Schlag« für einen der besten Kriminalromane überhaupt halte, dessen kunstvolle Faktur, die kapitelweise den alten kunstvollen englischen Glockengeläutregeln folgt, ein reines intellektuelles Vergnügen darstellen. Diese Form wird bis heute immer wieder aufgegriffen und ist zu einer literarischen Form geworden, die sich von aktuellen gesellschaftlichen Milieus abgekoppelt hat und vor allem mit literaturgeschichtlichen Bezügen brilliert [Kapitel 1].

Über den eigentlichen Kriminalroman hinaus geht hier eine, nicht weiter dokumentierte, aber ebenfalls spannende Literaturgattung der historischen Kriminalromane, die sich vor allem auf die explizit intellektualistischen Romane von Umberto Eco zurückführen lassen. Hier wäre eine eigene empfehlende Literaturliste angebracht. Eine Gattung sollte aber in unserer Literaturliste sehr wohl vertreten sein, zumindest in ihrer Abart als Kriminalroman: der angelsächsische Universitätsroman. Anspielungsreichtum, Ironie und Witz, Präsenz literaturgeschichtlicher Bezüge zeigen ein intellektuelles Klima, das nur in der sozial abgeschlossenen Welt des angelsächsischen Campus entstehen konnte. Schon Dorothy Sayers hat großartige Romane aus diesem Milieu geschrieben. [Kapitel 2].

Das pessimistische Gegenstück zu dieser Tradition der englischen Detektivgeschichte entwickelt sich in den USA seit der Zeit der Weltwirtschaftskrise die Tradition des Privatdetektivs als »einsamen Wolf« in einer grausamen, kalten und korrupten urbanen Welt, die letztlich nicht zu heilen ist, in der es schon ein Erfolg ist, zu überleben und den eigenen Anstand bewahrt zu haben. Die Identifikationspotentiale und die affektive Potenz dieser oft lakonischen Erzählungen ist gewaltig. Sie begründen eine eigene Literaturrichtung, die exemplarisch für das 20. Jahrhundert ist. In meiner Liste führe ich die verehrten Klassiker wie Chandler und Hammet nicht mehr auf, sie gehören zur »ewigen Bestenliste«, und beschränke mich auf heutige Autoren [Kapitel 3].

Sicher ist es kein Zufall, dass als Gegenstück zum universalisierenden Anspruch einer Weltliteratur heute verstärkt wieder der Regionalismus eine wachsende Rolle spielt. Wenn dies nicht nur sprachlich verstanden wird, liegt hier eine äußerst fruchtbare Wurzel für eine Literatur, die verstärkt die Konkretheit des Ortes der Handlung und das konkrete soziale Milieu mit einbezieht oder sogar zum Handlungsmittelpunkt und thematischen Agens macht. Abgesehen davon, dass für Leserinnen und Leser dadurch gesteigertes Interesse, vielleicht durchaus im Rahmen einer gewissen Exotikmotivation, erreicht wird, stellt diese Konkretheit die anspruchsvollen Romane dieser Kategorie auch in die jeweiligen innergesellschaftlichen Diskurse hinein; die Romane werden politisch, auch wenn sie vordergründig keine politische Motivation tragen. Sie helfen zu einer klareren gesellschaftlichen Orientierung. Dabei sind durchaus Überschneidungen mit und Anknüpfungen an die Gattungen des Kriminalromans der letzten Kategorien zu verzeichnen: Hauptcharakteristikum dieser regional-konkreten Werke ist selbstverständlich ihre inhaltliche und Formale Vielfalt. Besonders spannend wird es, wenn in Romanen z.B. von Vásquez Montalbán Barcelona oder von Ignacio Taibo II Mexico City als urbane Milieus selbst Handlungsträger und Thema geworden sind. Es ist daher durchaus kein Zufall, wenn dieses Kapitel das längste in meiner Literaturliste geworden ist [Kapitel 4].

Ein eigenes Abschlusskapitel bilden dann Romane, die sich nicht widerstandslos in die vorherigen Kapitel einordnen lassen, weil sie besondere Erzählmotive in den Vordergrund stellen oder soziale Segmente thematisieren, durchaus auch mit dem Anspruch, hier zu vermitteln und zu lehren. Dazu gehören die Romane um den Rabbi Small, in denen viel von jüdischem Denken und Selbstverständnis mitgeteilt wird, oder die Romane aus dem Milieu der Pferderennen und des Turfs des ehemaligen Jockeys Dick Francis [Kapitel 5].

Zur Sortierung und den bibliographischen Angaben ist anzumerken, dass die Romane erfahrungsgemäß mit wechselnden Titeln recht häufig den Verlag wechseln. In der folgenden Liste wurde versucht, an Hand der Angaben im Impressum Originaltitel und Erscheinungs- oder Copyright-Jahr anzugeben. Ob dies auch das Jahr der Erstausgabe war, ist nicht immer ohne weiteres ersichtlich, tiefer gehende bibliographische Recherche wurde nicht getrieben. Als Erscheinungsjahr der deutschen Ausgabe wurde das Jahr des ersten Drucks der mir jeweils vorliegenden Ausgabe angegeben. Ob dieses mit den angegebenen Taschebuch-Reihennummern immer übereinstimmt, ist ebenfalls nicht sicher. Geordnet wurden die Bücher eines Autors in der Regel nach dem angegeben Erscheinungsjahr der fremdsprachigen Originalausgabe. Ein Anspruch auf Vollständigkeit der jeweiligen Reihen ist nicht erhoben worden: ich nehme das auf, was mir gerade besonders gefallen hat.

Kapitel 1: Der klassische Detektivroman

Es gibt literarische Kriminalromane, die spielen zwar in der Gegenwart, sind aber in einer literarischen Welt angesiedelt, in der die Muster der klassischen englischen Kriminalerzählungen z.B. der »drei großen Damen des Kriminalromanes« wieder aufzuerstehen scheinen, in der das erzählerische Vergnügen den Anspruch an Aktualität und Zeitgemäßheit völlig zurückdrängt. Eine solche großartige und seltsame völlig eigene englische Kriminalwelt vor allem auch im dörflichen und ländlichen Bereich angesiedelt, legt die amerikanische Autorin Martha Grimes seit den achtziger Jahren mit ihren Inspektor Jury - Romanen vor. Ein reines, spannendes Lesevergnügen, mit der Martha Grimes zur vierten »Grand Old Lady of Crime« avanciert. Intelligente Handlung(-sverwicklungen), viele literarische Anspielungen und ein profundes Sachwissen in den Bereichen, in denen die Handlung spielt, erweisen die literarische Qualität der Bücher.

Grimes, Martha, 1987: Inspektor Jury schläft außer Haus. Reinbek bei Hamburg, rororo 5947 {The Man With a Load of Mischief. 1981}.

Grimes, Martha, 1988: Inspektor Jury sucht den Kennington-Smaragd. Reinbek bei Hamburg, rororo 12161 {The Anodyne Necklace. 1983}.

Grimes, Martha, 1988: Inspektor Jury küßt die Muse. Reinbek bei Hamburg, rororo 12176 {The Dirty Duck. 1984}.

Grimes, Martha, 1992: Inspektor Jury lichtet den Nebel. Reinbek bei Hamburg, rororo 13580 {Help the Poor Struggler. 1985}.

Eigentlich sollte R. Austin Freeman als klassischer Autor aus der ersten Jahrhunderthälfte nicht mehr hier zu erwähnen sein, doch ist er gegenüber den anderen »Klassikern« recht unbekannt geblieben. Daher hier noch einmal der ausdrückliche Hinweis auf eine der ersten Romanfolgen, die einen Gerichtsmediziner, Dr. Thorndyke, und damit das naturwissenschaftliche Untersuchen von Indizien zur Überführung eines Täters in den Mittelpunkt stellt.

Freeman, R. Austin, 1972: Der rote Daumenabdruck. München, Heyne 1499 {The Red Thumb Mark. 1907}.

Freeman, R. Austin, 1976: Der Tote im Teich. München, Heyne 1753 {The D’Arblay Mystery. 1926}.

Freeman, R. Austin, 1976: Das Geheimnis der Juwelen. München, Heyne 1708 {The Penrose Mystery. 1036}.

Baynard Kendrick schuf in den vierziger Jahren eine klassische Gestalt der Detektiv-Literatur, den blinden Duncan Maclain, der mit nahezu unglaublichen Sinnesleistungen, Wissen und Kombinationsfähigkeit seine Blindheit ausgleicht und daher »im Dunkeln sehen kann«, was die gesuchten Verbrecher dann sehr hilflos Aussehen läßt. Eine spannende und originellen, von Handlung und Psychologie her aber sehr traditionelle Reihe guter Kriminalromane.

Kendrick, Baynard, 1976: Der pfeifende Henker. München, Heyne 1766 {The Whistling Hangman. 1937}.

Im klassischen Sinne mysteriös, etwas gruselig, spannend, aber sonst harmlos...

Kendrick, Baynard, 1973: Der Trick des binden Mannes. München, Heyne 1549 {Blind Man’s Bluff. 1943}.

Kendrick, Baynard, 1976: Außer Kontrolle. München, Heyne 1704 {Out of Control. 1945}.

Englische Motive, die eine tiefschürfende Kenntnis des britischen Rechtssystems erkennen lassen, klassische Kriminalsituationen, wie die der eingeschlossenen Gruppe der Verdächtigen, Scharfsinn und Kombinationsgabe und Respekt vor den gesellschaftlichen Traditionen und Konventionen machen die Kriminalromane von Cyril Hare zu Kabinettstücken britischer Gesellschaftsliteratur. Der Autor schrieb unter Pseudonym. 1958 verstorben, war Gordon Clark Richter, und er entwickelte luzides psychologisches Einfühlungsvermögen und, in ihrer jeweiligen gesellschaftlichen Position glaubwürdige Porträts aus der britischen Gesellschaft der Jahrhundertmitte.

Hare, Cyril, 1964: Mord – made in England. Reinbek bei Hamburg, rororo 2041 {An English Murder}.

Ruth Rendell, nicht nur durch ihre Kriminalromane um den Detective Chief Inspector Reginald Wexford bekannt, schreibt in profunder Einfühlung über »psychische Abgründe«, bei denen, in leicht ironischer Perspektive, vor allem auch feministische Sichtweisen eine wichtige Rolle spielen. Der Inspektor ist das Gegenteil des allwissenden und erfolgreichen Detektivs und geht in einem letzten Werk dieser Serie auch psychisch an seinem Beruf zugrunde. Die Autorin gehört zu den wichtigsten englischen Romanschriftstellerinnen der Gegenwart.

Rendell, Ruth, 1987: Mord ist ein schweres Erbe. Reinbek bei Hamburg, rororo 2789 {A New Lease of Death. 1969}.

Rendell, Ruth, 1988: Die Tote im falschen Grab. Reinbek bei Hamburg, rororo 2874 {Murder Being Once Done. 1972}.

Rendell, Ruth, 1986: See der Dunkelheit. Reinbek bei Hamburg, rororo 2974 {The Lake of Darkness. 1980}

Rendell, Ruth, 1984: Durch das Tor zum Himmlischen Frieden. Reinbek bei Hamburg, rororo 2684 {The Speaker of Mandarin. 1983}.

Inspector Wexford auf Urlaubsreise durch China. Die kriminalistischen Fernwirkungen zeigen sich jedoch erst wieder daheim in Kingsmarkham...

Rendell, Ruth, 1986: Die Grausamkeit der Raben. Reinbek bei Hamburg, rororo 2741 {The Unkindness of Ravens. 1985}.

Ein besonders dichter und fesselnder Roman, der explizit feministische Perspektiven einbezieht.

Die Kriminalromane um Detective Chief Inspector E. Morse von Colin Dexter spielen in Oxford. In der Tradition des klassischen englischen Detektiv-Romans stehen, geben sie ein einfühlsames Bild der Dependenzen zwischen sozialen Konflikten und traditionellen Normen und den individuellen Lebensentwürfen und Leidenserfahrungen, ohne dabei vordergründig zu psychologisieren. Literarisch sauber gearbeitet und spannend.

Dexter, Colin, 1985: Der letzte Bus nach Woodstock. Reinbek bei Hamburg, rororo 2718 {Last Bus to Woodstock. 1975}.

Dexter, Colin, 1986: Eine Messe für all die Toten. Reinbek bei Hamburg, rororo 2764 {Service of all the Dead. 1979}.

Dexter, Colin, 1986: Die Toten von Jericho. Reinbek bei Hamburg, rororo 2782 {The Dead of Jericho. 1981}.

Dexter, Colin, 1988: Hüte dich vor Maskeraden. Reinbek bei Hamburg, rororo 2805 {The Secret of Annexe 3. 1987}.

Aus Dänemark kommen einige Kriminalromane von Poul Ørum, bei denen die kriminalistische Aufklärung durch Kriminalassistent Jonas Mørck den klassischen Detektivregeln folgt, bei denen das Interesse des Autors jedoch mehr auf den psychologischen und sozialen Hintergründen der Tat liegt, die einen großen Teil des Umfangs der Romane einnehmen.

Ørum, Poul, 1985: Nach Einbruch der Dunkelheit. Reinbek bei Hamburg, rororo 2724 {Hejmkomst til Drab. 1970}.

Ørum, Poul, 1981: Stumme Zeugen. Reinbek bei Hamburg, rororo 2576 {Tavse Vidner. 1976}.

Auch die Romane von Nicolas Freeling, die eher Polizei- als Detektivromane sind, lassen sich schwer einordnen, könnten ebenso in die Kategorie der regionalen Romane als auch der Außenseiter fallen. Hauptperson ist der Inspektor der Kriminalpolizei Amsterdam – diese Stadt scheint literarisch ein besonders gutes Pflaster für Kiminalhandlungen zu sein, was wohl auch an der dichten Atmosphäre und der multiethnischen Bevölkerung der Metropole und ihren weltläufigen Verbindungen liegen mag – van der Valk. Doch nachdem er im Dienst umgekommen ist, führt der Autor mit einem gewissen zeitlichen Abstand die Romanserie fort, bei der nun van der Valks Witwe Arlette in Straßburg als Soziologin ebenfalls wieder in soziale Konflikte und Kriminalfälle verwickelt wird. In einer späteren Romanserie tritt der französische Kriminalbeamte Henri Castang als Hauptperson auf in Romanen, die noch dunkler, politischer und psychologisch tiefgründiger sind. Die Romane des weltläufigen Autors – geboren in London, aufgewachsen in Frankreich, Studium der Literaturgeschichte in Dublin, lange Jahre Aufenthalt in den Niederlanden und dann wieder Rückkehr nach Frankreich – beginnen in der Form klassischer, oft sogar etwas routiniert wirkender Kriminalerzählungen, werden aber im Laufe der Zeit literarisch ambitionierter und auch im Gesellschaftsbild differenzierter. Immer aber interessiert er sich für die Existenz der Außenseiter und Randständigen; lebendige und glaubwürdiger Charakterschilderungen paaren sich mit detaillierter Ortskenntnis und einem sauberen, stilistisch ansprechenden Handlungsaufbau.

Freeling, Nicolas, 1973: Liebe in Amsterdam. Frankfurt am Main/Berlin, Ullstein 1564 {Love in Amsterdam. 1962}.

Freeling, Nicolas, 1974: Van der Valk und der Schmuggler. Frankfurt am Main/Berlin, Ullstein 1588 {Gun Before Butter. 1963}.

Freeling, Nicolas, 1974: Van der Valk und der tote Maler. Frankfurt am Main/Berlin, Ullstein 1622 {Criminal Conversation. 1965}.

Freeling, Nicolas, 1980: Inspektor van der Valks Witwe. München, Goldmann 4897 {The Widow. 1979}.

Freeling, Nicolas, 1982: Ein verdammtes Ding nach dem anderen. München, Goldmann 5225 {One Damn Thing After Another. 1981}.

Freeling, Nicolas, 1981: Castangs Stadt. München, Goldmann 5221 {Castang’s City. 1980}.

Freeling, Nicolas, 1982: Wolfsnacht. München, Goldmann 5231 {Wolfsnight. 1982}.

Freeling, Nicolas, 1984: Keine Schuld an ihrem Tod. München, Goldmann 5257 {No Part in Your Death. 1984}.

Kapitel 2: Der angelsächsische Universitätsroman

Nicholas Blake, Pseudonym für den Lyriker Cecil Day Lewis, schreibt typische englische, »sophisticated« Universitätsromane aus dem Verleger-, Schriftsteller- und Literaturwissenschaftler-Milieu um den Privatdetektiv Nigel Strangeaways. Besonders gelungen sind die Charakterskizzen der oft recht exzentrischen und psychisch unter Druck stehenden Personen der Romane, wobei die Nebenfiguren genauso aufmerksam und sorgfältig gestaltet werden wie die Hauptfiguren.

Blake, Nicholas, 1962: Schluß des Kapitels. Reinbek bei Hamburg, rororo 2842 {End of Chapter}.

Blake, Nicholas, o.J.: Tat auf Tat. München, Goldmann 3159 {There’s Trouble Brewing}.

Blake, Nicholas, 1981: Der Morgen nach dem Tod. München, Goldmann 5217 {The Morning After Death. 1966}.

Wohl der beste Roman von Blake, bei dem Strangeaways als Gast des amerikanischen Cabot-Colleges tief in die akademischen Rivalitäten und Intrigen hineingezogen wird und in dem gleichermaßen ein Hohelied auf die alte amerikanische Ostküstenliteratur, Emily Dickinson etc., vorgelegt wird.

Der britische Komponist und Organist Montgomery schrieb 1944 bis 1953 und noch einmal seit 1977 unter dem Pseudonym Edmund Crispin mehrere hochliterarische, ironisch gebrochene und sich der Literaturgeschichte bewusster Kriminalromane, in der der Hobbydetektiv Gervase Fen, Literaturwissenschaftler in Oxford, sich allein für die Aufklärung mysteriöser Mordfälle interessiert, und seine Freunde von der Kriminalpolizei vorwiegend literarische Interessen haben. Handlung und die dichte und anspielungsreiche, oft selbstbezüglich verschiedene Bedeutungsebenen nutzende Faktur sind »very sophisticated«. Anspielungen zwischen Crispin und Blake durch bestimmte Namen und Handlungsschlenker weisen auf die Freundschaft dieser beiden Autoren aus Oxford hin.

Crispin, Edmund, 1976: Mord vor der Premiere. München, Heyne 1720 {The Case of the Gilded Fly. 1944}.

Crispin, Edmund, 1983: Schwanengesang. München, Goldmann 5238 {Swan Song. 1947}.

Crispin, Edmund, 1984: Der Pfarrer und sein Poltergeist. München, Goldmann 5248 {Buried for Pleasurde. 1948}.

Crispin, Edmund, 1983: Giftbriefe. München, Goldmann 5245 {The Long Divorce. 1951}.

Crispin, Edmund, 1980: Der Mond bricht durch die Wolken. München, Goldmann 5205 {The Glimpses of the Moon. 1977}.

Crispin, Edmund, 1982: Seht das Motiv und nicht die Tat. München, Goldmann 5226 {Holy Disorders. 1977}.

Kapitel 3: Der Kriminalroman der »schwarzen Serie«

Detroit ist eine harte, unbarmherzige Stadt, die der Niedergang der amerikanischen Automobilindustrie zu einem sozialen Brennpunkt und zu einer Stadt des Verbrechens gemacht hat. Ganz in der Tradition der »schwarzen Tradition« des amerikanischen Kriminalromans, den Chandler und Hammet in Los Angeles spielen lassen und wo der ehrliche und unbestechliche Detective als Rad Guy gegen den Sumpf von Korruption und Bedrohung steht – zeitgeschichtlich und in Hinblick auf die zivilisatorische Entwicklung des amerikanischen Alltagsbewusstseins und des schwarzen Gesellschaftsbildes als Gegenstück zum »American Dream« ein hochinteressantes Phänomen! –, hat in den siebziger und achtziger Jahren Loren D. Estleman eine Reihe von sehr harten, realistischen und im Kern psychologisch »schwarzen« Kriminalromane aus der zusammenbrechenden Metropole Detroit geschrieben. Sein Detektiv Maos Walker löst seine Fälle weniger intellektuell als durch Unbestechlichkeit, Härte und Überlebensfähigkeit. Sorgfältig konstruierte Handlung und harter, »amerikanischer«, manchmal auch schwer erträglicher (literarischer) Realismus kennzeichnen die Qualität dieser Bücher.

Estleman, Loren D., 1984: Detroit Blues. Frankfurt am Main/Berlin, Ullstein 10256 {Motor City Blues. 1980}.

Estleman, Loren D., 1985: Die Straßen von Detroit. Frankfurt am Main/Berlin, Ullstein 10338 {The Glas Highway. 1983}.

K. C. Constantine siedelt seine psychologisch und sozial sauber und spannend konstruierten Polizeiromane um den Kleinstadt-Polizeichef Mario Balzic in der kleinen Bergwerksstadt »Rocksburg« in Pennsylvania an. Ort und handelnde Personen sind so liebevoll und realistisch geschildert, dass seit Erscheinen dieser Romane, deren Autor unter Pseudonym schreibt, darüber gerätselt wird, in wie weit ein bestimmter Ort nachgezeichnet wird. Für die Leserinnen und Leser ist jedoch das Typische dieses Kleinstadtlebens, in dem wie in einem Mikrokomos alle menschlichen Konflikte und Tragödien auftauchen und vom Autor verständlich gemacht werden, wichtiger. Doch ist das Gesellschaftsbild, bei dem Brutalitäten einer weniger zentrale Rolle spielen wie bei Estleman, pessimistisch und durchaus in der Tradition der dunklen Kriminalromane.

Constantine, K. C., 1987: Eine abgekartete Sache. Reinbek bei Hamburg, rororo 2817 {A Fix Like This. 1975}.

Constantine, K. C., 1984: Tomaten von unten. München, Goldmann 5250 {The Man who Likede Slow Tomatoes. 1982}.

Constantine, K. C., 1988: Eine schöne Bescherung. Reinbek bei Hamburg, rororo 2811 {Upon Some Midnights Clear. 1985}.

Constantine, K. C., 1989: Joeys Ende. Reinbek bei Hamburg, rororo 2918 {Joey’s Case. 1988}.

Schwarz und gewalttätig ist vor allem das Leben in den schwarzen Ghettos der amerikanischen Großstädte. Drogen und Gangs sind der tägliche Umgang der beiden Polizisten Grave Digger Jones und Coffin Ed Johnson, die mit dem Gesetz der Straße, weniger aber mit den offiziellen Gesetzen in den Straßen von Harlem leben. Die Romane von Chester Himes schildern das Leben und Sterben am untersten Ende der gesellschaftlichen Hierarchie mit zynischem Witz und makabrem Humor, der nicht leicht verdaulich ist. Politische Konsequenzen müssen Andere daraus ziehen...

Himes, Chester, 1988: Die Geldmacher von Harlem. Reinbek bei Hamburg, rororo 2859 {The Five-Cornered Square/For Love of Imabelle. 1959/1965}.

Himes, Chester, 1986: Fenstersturz in Harlem. Reinbek bei Hamburg, rororo 2746 {The Crazy Kill. 1959}.

Himes, Chester, 1976: Harlem dreht durch. Reinbek bei Hamburg, rororo 2388 {All Shot Up. 1960}.

Himes, Chester, 1968: Lauf, Nigger, lauf! Reinbek bei Hamburg, rororo 2490 {Run Man Run. 1966}.

Meinen Vorlieben entsprechend finden sich in dieser Liste kaum ausgesprochene »Psychokrimis«. Doch ein äußerst spannender Roman von Robert Marasco, der auch literarisch strengen Qualitätsanforderungen genügt und letztlich dann doch eine Auflösung in der klassischen Weise der Detektivromane findet, soll hier seinen Platz finden:

Marasco, Robert, 1981: Verbotene Fragen. München, Goldmann 5223 {Parlor Games. 1979}.

Kapitel 4: Der regionale Realismus

Léo Malet schrieb in den fünfziger Jahren eine Serie von Kriminalromanen um den Außenseiter-Privatdetektiv Nestor Burma, deren Bände je in einem anderen Arrondissement von Paris spielen und in lebendiger Weise urbanen Geist, Stadtbild und vor allem die jeweilige soziale Struktur dieses Viertels aufscheinen lassen. Im Anhang der Bände befindet sich jeweils ein Nachgang des Übersetzers Peter Stephan durch das Viertel in der Mitte der achtziger Jahre. Auch Stadtpläne sind jeweils beigefügt.

Malet, Léo, 1996: Tödliche Pralinen. Reinbek bei Hamburg, rororo 12968 {Nestor Burma et le monstre. 1946}.

Malet, Léo, 1991: Bilder bluten nicht. Reinbek bei Hamburg, rororo 12592 {Les Nouveaux Mystères de Paris: 1. Arrondissement. Le Soleil naît derrière le Louvre. 1956}.

Malet, Léo, 1991: Wie steht mir Tod? Reinbek bei Hamburg, rororo 12891 {Les Nouveaux Mystères de Paris: 10. Arrondissement. 1956}

Malet, Léo, 1994: Das Stille Gold der alten Dame. Reinbek bei Hamburg, rororo 12920 {Les Nouveaux Mystères de Paris: 16. Arrondissement. 1956}.

Malet, Léo, 1993: Ein Clochard mit schlechten Karten. Reinbek bei Hamburg, rororo 12919 {Les Nouveaux Mystères de Paris: 15. Arrondissement. 1957}.

Manuel Vázquez Montalbán ist einer der bekanntesten katalanischen Schriftsteller, in dessen Kriminalromanserie um den Privatdetektiv José »Pepe« Carvalho eigentlich die Stadt Barcelona die Hauptrolle spielt. Carvalho lebt die wechselvolle Geschichte Spaniens in ironisch-pessimistischer Distanz. Als republikanischer Kämpfer gegen das Franco-Regime, später CIA-Agent in den USA, dann später Privatdetektiv mit tiefstem Mißtrauen gegen die Reichen und Mächtigen, mit grundsätzlicher Ablehnung politischen Engagements, obwohl alle seine Fälle in der korrupten Gesellschaft des heutigen nachfrancistischen Spaniens im Kern durch und durch politisch sind. Er lebt mit seinen Freunden, dem Ex-Zellengenossen und heutigem Faktotum und Koch – das Essen und die richtige spanische und katalanische Küche, dazu die richtigen Weine, nehmen einen großen Raum in den Romanen ein – Biscuter, seiner Freundin, dem auch älter werdenden Edelcallgirl Charo und dem vor allem gutem Essen zugewandten Anwalt Fuster sowie vielen Originalen von den Ramblas in eine trübe Zukunft hinein. Er heizt seinen Kamin täglich an mit einem Buch, das er danach auswählt, wieviel es ihm früher einmal bedeutet hat: Philosophen, Klassiker, Gesellschaftstheoretiker...

Vázquez Montalbán, Manuel, 1984: Carvalho und der tote Manager. Reinbek bei Hamburg, rororo 2680 {La soledad del manager. 1977}.

Vázquez Montalbán, Manuel, 1985: Tahiti liegt bei Barcelona. Reinbek bei Hamburg, rororo 2698 {Los mares del Sur. 1979}.

Meiner Meinung nach der Beste Roman von Vázquez Montalbán, in dem die sozialen Zwänge und die Korruption in der Klassengesellschaft konfrontiert werden mit persönlichen Ausstiegsträumen und -versuchen, die, natürlich, gewalttätig Scheitern müssen...

Vázquez Montalbán, Manuel, 1985: Carvalho und der Mord im Zentralkomitee. Reinbek bei Hamburg, rororo 2717 {Asesinato en el Comité Central. 1981}.

Vázquez Montalbán, Manuel, 1987: Die Vögel von Bangkok. Reinbek bei Hamburg, rororo 2772 {Los pájaros de Bangkok. 1983}.

Vázquez Montalbán, Manuel, 1989: Zur Wahrheit durch Mord. Drei Carvalho-Stories. Reinbek bei Hamburg, rororo 2930 {Historias de política ficción. 1987}.

Vázquez Montalbán, Manuel, 1994: Krieg um Olymia. Reinbek bei Hamburg, rororo 3166 {Sabotaje olímpico. 1993}.

Bisher letzter Carvalho-Roman: Furiose ironische Apotheose des Olympia-Wahns, in dem zwischen Wahn und Wirklichkeit, zwischen Psychose und science fiction durchaus nicht mehr zu unterscheiden ist...

In Mexico City ist alles möglich... Im Jahre 2020 wohl die größte Stadtagglomeration der Welt, versinkt diese Stadt auch heute schon in einen unabsehbaren Strudel ökologischer Katastrophen, sozialer Kleinkriege, Kriminalität... aber es ist letztlich die Stadt selbst, die leidet, lebt, überlebt... und in ihr der »irisch-baskisch-mexikanische« Privatdetektiv Héctor Belascoarán Shayne, einer »guten Familie« von Schmugglern, Bürgerlichen, Gewerkschaftlern etc. entflohen, mit einem zerlumpten Zahnarzt, einem Abwasseringenieur, einem Polsterer Zimmer und Büro im Tageszeitenschichtbetrieb gemeinsam nutzend, eher erfolglos, ironisch... immer auf der Jagd nach den Mythen und Wahnideen dieser Stadt und dieser Gesellschaft. Auch Zapata findet er, na: vielleicht, vielleicht war es es ja auch nicht... Und in dem vorletzten Roman kommt er in den Strudel mafiös-plitischer Kämpfe und wird erschossen, um Jahre später dann doch wieder überlebt zu haben. Paco Ignacio Taibo II ist einer der bekanntesten mexikanischen Autoren und Fernsehjournalisten.

Ignacio Taibo II, Paco, 1981: Die Zeit der Mörder. München, Goldmann 5222 {D¯ as de Combate. 1976}.

Ignacio Taibo II, Paco, 1982: Eine leichte Sache. München, Goldmann 5229 {Cosa Facil. 1977}.

Dieser Roman taucht tief in die Mythen Mexicos ein. Belascoarán Shayne soll einen Erpressungs- und Entführungsfall im Filmmilieu aufklären, einen Mord in einer bestreikten Fabrik und dann dem Gerücht nachgehen, dass Emiliano Zapata, 1919 erschossener Revolutionsheld, doch noch leben solle... Dass er diese Aufträge äußerlich und innerlich nicht unbeschadet übersteht, ist zu erwarten.

Ignacio Taibo II, Paco, 1984: Das nimmt kein gutes Ende. München, Goldmann {No Habra Final Feliz. 1981}.

Korruption, Politik und Gewalt nehmen überhand. Belascoarán Shayne geht darin unter.

Ignacio Taibo II, Paco, 1991: Comeback für einen Toten. Reinbek bei Hamburg, rororo 3019 {Regreso a la misma ciudad y Abo la Iluvia. 1989}.

Die Kriminalromane um den kleinen, unscheinbaren, von seinen Vorgesetzten immer wieder ausgenutzten und geduckten Inspector Ghote des englischen Autors H.R.F. Keating spielen in Bombay. Dieser Stadt-Moloch mit seinen Gegensätzen zwischen den Superreichen und Supergangstern, den Berühmten und Korrupten der Filmstadt »Bollywood« und den Massen der Armen, Obdachlosen, Kleinganoven und Taschendieben ist das Leben von Ghote und der Inhalt dieser atmosphärisch dichten, detailreichen und spannenden Roman von hohem Rang.

Keating, H.R.F., 1975: Inspector Ghote reist 1. Klasse. Reinbek bei Hamburg, rororo 2545 {Inspector Ghote goes by Train. 1971}.

Keating, H.R.F., 1975: Geben Sie’s auf, Inspector Ghote! Reinbek bei Hamburg, rororo 2343 {Inspector Ghote Trusts The Heart. 1972}.

Keating, H.R.F., 1976: Inspector Ghote sucht die undichte Stelle. Reinbek bei Hamburg, rororo 2378 {Bats Fly Up for Inspector Ghote. 1974}.

Keating, H.R.F., 1978: Inspector Ghote geht zum Film. Reinbek bei Hamburg, rororo 2460 {Filmi, Filmi, Inspector Ghote. 1976}.

Keating, H.R.F., 1982: Tod einer hochgestellten Persönlichkeit. Reinbek bei Hamburg, rororo 2583 {The Murder of the Maharaja. 1980}.

Keating, H.R.F., 1983: Inspector Ghote und der Guru in L.A. Reinbek bei Hamburg, rororo 2620 {Go West, Inspector Ghote. 1981}.

Exotisch wirken die Romane aus dem australischen outback von Arthur W. Upfield (geb. 1888) um den kleinen Inspektor Napoleon Bonaparte, genannt »Bony«, der als halber origines über Fähigkeiten in der Wildnis verfügt, die über das Spurenlesen in merkwürdig, scheinbar (?) irrationale Bereiche hinausgehen und seine angelsächsischen Kollegen immer wieder verblüffen. Darüber hinaus wird in diesen Romanen aber die Härte des Lebens in den inneraustralischen Wüsten uns Steppen, die sozialen und rassischen Vorurteile gegenüber den origines sehr deutlich und nachvollziehbar beschrieben: eigentlich eine bessere Werbung für Interesse an Australien, als es alle touristischen Prospekte vermitteln können. Man sollte sich jedoch hüten, die nach diesen Romanen gedrehten Fernsehfilme für adäquate Umsetzungen zu nehmen.

Upfield, Arthur W., 1989: Der Kopf im Netz. München, Goldmann 167 {The Mystery of Swordfish Reef. 1943}.

Upfield, Arthur W., 1985: Der sterbende See. München, Goldmann 6209 {Death of a Lake. 1954}.

Der wohl atmosphärisch dichteste und literarisch geschlossenste Roman dieser Serie.

Upfield, Arthur W., 1984: Ein glücklicher Zufall. München, Goldmann 1044 {The Sands of Windee. 1958}.

Upfield, Arthur W., 1978: Bony kauft eine Frau. München, Goldmann 4781 {Boyen Buys a Woman. 1958}.

Upfield, Arthur W., 1963: Fremde sind unerwünscht. München, Goldmann 1230 {Bony and the Kelly Gang. 1960}.

Was wissen wir über Hongkong – in der Zeit als Kronkolonie –, über chinesische Mythen und Aberglauben, über die chinesische Unterwelt, über korrupte Polizisten, und schließlich über den Taifun, der eine ganze Stadt lahm legen kann? Hier spielen William Marshalls Romane über das Revier Yellowthread. Mit viel Lokalkolorit und spannender, oft auch brutaler Handlung wird hier eine für uns exotische Welt als hart, dunkel und gewalttätig entlarvt – abseits aller idyllischer Touristenträume von Hongkong und China.

Marshall, William, 1982: Die Katze frißt den Schmetterling. München, Goldmann 5234 {Perfect End. 1981}.

Kapitel 5: Die Außenseiter

Janwillem van de Wetering, 1931 in Rotterdam geboren, ist ein Sonderfall unter den heutigen Krimalromanautoren, der Bücher von hohem literarischen Anspuch schreibt, in dem sozialer Realismus, differenzierte Beobachtungen des sozialen und des landschaftlichen und städtischen Milieus in seiner oft zeitlich weit zurückreichenden Fundierung verbunden wird mit einer an meditativen Erfahrungen des Zen-Buddhismus geschulten Weltsicht. Zentrale Figur ist der Commissaris von der Amsterdamer Kriminalpolizei, ein sehr alter und lebenserfahrener Mann, der von Rheuma geplagt wird und eine weise Distanz zur Welt entwickelt. Im Laufe der Romanreihe vermittelt sich von dieser Haltung immer mehr auf den Adjutant Grijpstra, der vom Leben und der Familie immer wieder enttäuscht wird, und den jüngeren tatkräftigen und spontanen Kollegen Brigadier de Gier.

Wetering, Janwillem van de, 1977: Outsider in Amsterdam. Reinbek bei Hamburg, rororo 2414 {Outsider in Amsterdam. 1975}.

Wetering, Janwillem van de, 1986: Der Tote am Deich. Reinbek bei Hamburg, rororo 2451 {The Corpse on the Dike. 1976}.

Wetering, Janwillem van de, 1978: Tod eines Straßenhändlers. Reinbek bei Hamburg, rororo 2464 {Death of a Hawker. 1977}.

Wetering, Janwillem van de, 1979: Ticket nach Tokio. Reinbek bei Hamburg, rororo 2483 {The Japanese Corpse. 1977}.

Wetering, Janwillem van de, 1983: Der Commissaris fährt zur Kur. Reinbek bei Hamburg, rororo 2653 {Streetbird. 1983}.

Wetering, Janwillem van de, 1986: Rattenfang. Reinbek bei Hamburg, rororo 2744 {De Ratelrat. 1984}.

Wetering, Janwillem van de, 1987: Der Feind aus alten Tagen. Reinbek bei Hamburg, rororo 2797 {De zaak Ijsbreker. 1985}.

Weltruhm haben schon die Kriminalromane von Harry Kemelman um den Rabbi David Small aus der jüdischen Gemeinde der amerikanischen Kleinstadt Barnard’s Crossing erfahren, doch dürfen sie in der Liste meiner »Lieblingsromane« keinenfalls fehlen. Doch zähle ich hier nur einige der in einem ersten Zyklus von sieben Romanen nach Wochentagen benannten Bücher auf; die folgenden sind genauso lesenswert, wenn Rabbi Small profunde Menschenkenntnis, von jeglicher äußerer Ablenkung und Rücksichtnahme freien Distanz und Nüchternheit und mit ausdrücklich talmudisch geschulter Intelligenz hinter den Kriminalfällen die Menschen, ihre Verstrickungen und Nöte erkennt und über die Aufklärung des »Falles« hinaus die soziale Ordnung und den Frieden in der Gemeinde wieder herstellen kann. Daß dabei noch einiges vermittelt werden kann an jüdischen Glaubensvorstellungen, religiösen Überzeugungen und Richtungskämpfen, aber auch von den Selbstverständlichkeiten des Alltags, ist vom Verfasser ausdrücklich gewollt und in sehr sympathischer Weise verwirklicht worden. In gewisser Weise, nicht nur durch die lebendige Schilderung der kleinbürgerlichen und kleinstädtischen Ostküstengesellschaft der USA, sondern auch durch die aufscheinenden Werthaltungen, Motive und Ordnungsvorstellungen sind diese Romane aber auch sehr amerikanisch im positiven Sinne für den gespannten Leser. Und gut geschrieben sind sie allemal!

Kemelman, Harry, 1966: Am Freitag schlief der Rabbi lang. Reinbek bei Hamburg, rororo 2090 {Friday the Rabbi slept late. 1964}.

Kemelman, Harry, 1967: Am Samstag aß der Rabbi nichts. Reinbek bei Hamburg, rororo 2125 {Saturday the Rabbi Went Hungry. 1966}.

Kemelman, Harry, 1973: Am Sonntag blieb der Rabbi weg. Reinbek bei Hamburg, rororo 2291 {Sunday the Rabbi Stayed Home. 1970}.

Kemelman, Harry, 1974: Am Montag flog der Rabbi ab. Reinbek bei Hamburg, rororo 2304 {Monday the Rabbi Took off. 1972}.

Kemelman, Harry, 1975: Am Dienstag sah der Rabbi rot. Reinbek bei Hamburg, rororo 2346 {Tuesday The Rabbi Saw Red. 1973}.

Kemelman, Harry, 1977: Am Mittwoch wird der Rabbi naß. Reinbek bei Hamburg, rororo 2430 {Wednesday The Rabbi Gott Wet. 1976}.

Kemelman, Harry, 1985: Eines Tages geht der Rabbi. Reinbek bei Hamburg, rororo 2720 {Someday the Rabbi Will Leave. 1985}.

Kemelman, Harry, 1988: Ein Kreuz für den Rabbi. Reinbek bei Hamburg, rororo 2860 {One Fine Day the Rabbi Bought a Cross. 1987}.

Kemelman, Harry, 1969: Quiz mit Kemelman. Kriminalstories. Reinbek bei Hamburg, rororo 2175 {The Nine Mile Walk. 1967}.

Wenn Pferde lesen könnten, würde Dick Francis wohl nur für sie schreiben... Thriller aus der Welt des Pferdesports zeigen die Menschen wie sie sind: brutal, korrupt, macht- und geldgierig. Sie bleiben charakterlich oft etwas schemenhaft. Dagegen sind die Jockeys – Dick Francis war früher selbst aktiv –, wenn sie sich um ihre Pferde kümmern und für die sorgen, einfühlsam und detailliert beschrieben; aber die eigentlichen Hauptpersonen sind die Pferde, denen die Liebe des Autors gilt. Seine profunde Kenntnis dieser in sich recht abgeschlossenen Welt des Pferdesports und der Pferdzucht in England verhilft ihm zu spannenden, detailreichen und glaubwürdigen Handlungen, die gerade durch ihre thematische Beschränkung aber auch durch sorgfältigen Aufbau und sauberen Stil literarische Qualität erlangen. Man muss kein Reiter sein, um an diesen Büchern Gefallen zu finden.

Francis, Dick, 1974: Grand-Prix für Mord. München, Goldmann 3269 {Blood Sport. 1967}.

Francis, Dick, 1977: Die ganze Palette des Todes. Frankfurt am Main/Berlin, Ullstein 1830 {In the Frame. 1976}.

   
   

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