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Gerhard Voigt:
Interkulturelle Erziehung im
Geographieunterricht und in der Politischen Bildung
Die aktuelle Diskussion über Ziele und Möglichkeiten
der interkulturellen Erziehung steht sicherlich im Zusammenhang mit
aktuellen politischen Problemlagen in Deutschland, mit der kritischen
Selbstbefragung nach dem Charakter der „deutschen Gesellschaft“ und ob
Deutschland - niemals in seiner Geschichte gültig als ethnische Einheit
definiert oder abgegrenzt - nicht längst wieder eine Einwanderungsregion,
d.h. auch: eine „multikulturelle Gesellschaft“ geworden ist. Diese Fragen
so zu stellen, bedeutet gleichzeitig auch, sie zu bejahen, wobei die
andere Frage jedoch noch offen bleibt, wie dieser Situation in
Gesellschaft und Politik und damit auch in der Schule, im Unterricht, zu
begegnen ist. Der fragende Blick wendet sich nicht nur an die allgemeine
Pädagogik, die sich mit Antworten noch recht schwer tut, sondern auch an
die Fachdidaktiken gerade derjenigen Fächer, die sich traditionell mit
internationalen Perspektiven, mit weltweiten Problemen ebenso befassen wie
mit der eigenen gesellschaftlichen Situation: den
gesellschaftswissenschaftlichen Fächern Politik, Geschichte und
Geographie. Hier erwartet die Schule schnelle und umsetzbare
Problemdefinitionen und Antworten.
Sehr schnell wird aber deutlich, dass die
traditionelle Fachdidaktik denkbar ungeeignet ist, die in sie gesetzten
Erwartungen zu erfüllen; zu sehr ist gerade die Geographiedidaktik in
ihren Perspektiven sach- und nicht wahrnehmungs- und schülerorientiert,
durch eurozentrische Erkenntnisinteressen und Sachschwerpunkte geprägt und
sowohl in der klassischen Tradition der „deutschen Erdkunde“, die nach dem
Krieg in der BRD fortgeführt wurde, als auch in der DDR-Erdkundedidaktik
[BARTH u.a. 1976] durch Staatsnähe und Orientierung am europäischen
Staats- und Politikbegriff gekennzeichnet.
Die Kritik an den der heutigen konfliktträchtigen
gesellschaftlichen Situation kaum noch angemessenen geographiedidaktischen
Entwürfen ist an anderer Stelle auszuführen und zu diskutieren. Hier soll
zunächst nur auf die radikalen kritischen Positionen von FILIPP [1987]
verwiesen werden und die ebenfalls von FILIPP [Hg., 1988] zu diesem Thema
zusammengestellte Quellensammlung.
Interkulturelle Erziehung muss mehr sein als nur der
Versuch, pädagogische Rezepte im Umgang mit kulturell gemischten
Lerngruppen und im Umgang mit „Ausländern“ zu finden, mehr aber auch als
nur eine - folgenlose - „bildungsbürgerliche Begegnung mit fremden Ländern
und Völkern“, wie sie der westdeutsche Geographieunterricht traditionell
vermittelt. Interkulturelle Erziehung ist aber andererseits auch kein
„Vehikel“ für das politische Interesse an einer multikulturellen
Gesellschaft; damit würde sie zu einem Schlagwort im tagespolitischen
Meinungsabtausch reduziert und wieder einmal dem Vorurteil Vorschub
leisten, die Schule könne eine Agentur der gesellschaftlichen Reformen und
des Fortschrittes sein – eine Überschätzung der Möglichkeiten des
staatlichen Schulsystems, das in den Schulen selbst zu Resignation und
Verbitterung führen muss.
Interkulturelle Erziehung muss daher aus ihren
eigenen Potentialen heraus begründet und erklärt werden. Sehr deutlich
werden die Konsequenzen des Ernstnehmens interkultureller didaktischer
Konzepte in den sich erschließenden Möglichkeiten, auch bewährte und
bekannte Unterrichtsmethoden neu zu begründen, sie in effektivere
Unterrichtszusammenhänge zu setzen und sie nach und nach mit neuen
Inhalten zu füllen. Interkulturelle Erziehung ist somit keine Revolution
des Unterrichts, sondern ein neues Ernstnehmen der pädagogischen
Möglichkeiten in einer sich ändernden gesellschaftlichen Situation!
Doch muss zunächst über die Frage nach dem
pädagogischen Charakter der interkulturellen Erziehung grundsätzlich
nachgedacht werden, und das heißt, der Frage nachzugehen, was
interkulturelle Wahrnehmung und Begegnung überhaupt für die Betroffenen
bedeutet – für ausländische wie für deutsche Schüler. Vielleicht noch
grundsätzlicher: Ist diese Dichotomie „Deutscher / Ausländer“ überhaupt
pädagogisch relevant und sinnvoll oder ist sie nicht selbst Ergebnis von
Erziehung - von Enkulturations- und Akkulturationsprozessen?
Eine Vielzahl von Wahrnehmungs- und
Definitionsprozessen
bestimmt das Verhalten und die gegensätzlichen Einschätzungen zwischen
Einheimischen und „Ausländern“. Dass dieser Unterschied überhaupt als
wahrnehmbar erscheint und als Realität wahrgenommen wird, ist keineswegs
selbstverständlich, wie es dem Alltagsbewusstsein erscheinen mag, sondern
erklärungsbedürftig. Die Dichotomie „Ausländer / Deutscher“, die
Aussonderung und Bestimmung des „Fremden“ ist das Ergebnis eines
gesellschaftlichen Definitionsprozesses. Pass und Staatsangehörigkeit
sagen oft etwas ganz anderes aus als die gesellschaftliche Zuweisung nach
dem „binären Code“
Volkszugehörigkeit: „Deutscher“ oder „Ausländer“.
Wir befassen uns hier nur mit demjenigen Ausschnitt
der Gesellschaft, der in der Schule sichtbar wird, ohne zunächst noch die
konkrete erdkundliche Anwendung im Auge zu haben, die erst als didaktische
Konsequenz aus diesen Ausführungen sichtbar werden wird. Das
Instrumentarium zur Untersuchung der schulischen Prozesse, um die es hier
geht, stellen die Soziologie und die Sozialpsychologie zur Verfügung,
deren Bedeutung für die allgemeine Pädagogik neben den
individualpsychologischen Begründungszusammenhängen in der BRD lange
unterschätzt wurde.
Die Einordnung der Schülerinnen und Schüler in eine
Kategorie „Ausländer“ erfolgt zunächst schon in der Lehrererwartung, wenn
er zum ersten Mal vor die Klasse tritt, und diese Einordnung bestimmt dann
in gewisser Weise sein Verhalten gegenüber dieser Schülerin bzw. diesem
Schüler, aber auch gegenüber der übrigen Lerngruppe, die er nicht als
„Ausländer“ klassifiziert hat. Dieses Lehrerverhalten muss nun keineswegs
benachteiligend oder abweisend sein, es kann im Gegenteil pädagogisch
fördernd und sympathiegetragen sein - es ist auf jeden Fall auch
unterscheidend und damit im Wortsinne „diskriminierend“. Welche
Erwartungen drücken sich im Lehrerverhalten üblicherweise aus?
Lehrererwartung ist fast immer Problemerwartung und steht in der
Defizitperspektive: beim Schüler „Defizite“ zu erkennen und als
pädagogische Aufgabe zu verstehen ist schließlich das berufliche
Selbstverständnis der Lehrerschaft, Selbstverständnis der Pädagogik
überhaupt. Die grundsätzliche Überlegung, Schüler nicht als „defizitäre
Wesen“ wahrzunehmen, und die eigene Rolle damit als „minder defizitär“
abzuheben, wirft Fragen auf, die schulische Erziehung in der Konsequenz
fragwürdig machen kann und in dieser Perspektive hier nicht diskutiert
werden soll.
Doch sind Überlegungen in dieser Richtung für die interkulturelle
Erziehung von großer Bedeutung.
Lehrer nehmen die vermuteten Defizite in der
kulturellen Symbolik der Schüler, in Sprache, Ausdrucksform, Gestik und
Alltagsreaktionen (Anpassung oder Widerstand gegenüber Alltagsroutinen)
wahr. Von grundsätzlicher Bedeutung ist jedoch, dass bei „deutschen“
Schülern gleichartige Abweichungen in der kulturellen Symbolik eher als
Ausdruck von (positiv oder negativ beurteilter) Individualität,
schlimmstenfalls als Verhaltensstörung, beim „ausländischen“ Schüler aber
als gruppentypischer Defizit oder kulturelle Fremdartigkeit verstanden
werden. Dabei werden individuelle Abweichungen im Alltagsverhalten, die
der stereotypen Erwartung des Lehrers gegenüber Ausländern bzw. bestimmter
Gruppen von Ausländern entsprechen, überdeutlich wahrgenommen und bewusst
registriert – auch als pädagogisches Problem oder gar als Schulhemmnis
definiert –, entsprechende Abweichungen bei „deutschen Schülern“ aber
individualisiert oder psychologisiert. Dass dabei oft ganz heterogene
Schülergruppen zu einer Gruppe „Ausländer“ in der Defiziterwartung
zusammengefasst und summarische Rezepte zur „Ausländerpädagogik“ gemacht
werden, die angeblich für alle gleichartige Gültigkeit haben sollen (nur,
natürlich, für die deutschen Schüler nicht, auch wenn sie konkrete
schulische Probleme haben), zeigt den Vorurteilscharakter der
Lehrerwahrnehmung.
Wie wirkt sich die Lehrererwartung auf die soziale
Situation der Lerngruppe und auf die herausdefinierte Teilgruppe der
Ausländer aus? Die Lehrererwartungen werden in der Regel nicht verbal
vermittelt, sondern werden als Teil der nonverbalen Kommunikation im
Alltagsverhalten ausgedrückt. Aufmerksamkeit gegenüber den erwarteten
Fehlern und Defiziten äußert sich in häufigerer (pädagogisch durchaus
positiv motivierter) kritischer Zurückweisung und in der Verstärkung der
Gruppenaufmerksamkeit gegen diese als Unterscheidungsmerkmale verwendeten
„Verhaltensabweichungen“. Auch im pädagogisch bewusst fördernden
Unterricht wird der Gruppe der „Ausländer“ solange eine diskriminierende
Sonderrolle zugewiesen, als die grundsätzliche Dichotomie „Deutscher /
Ausländer“ nicht aufgehoben wird. Damit werden, kaum merkbar und bewusst,
die als kulturellen Symbole der Ausländergruppe herausdefinierten
Verhaltensformen zum Mittel gerade dieser Gruppe selbst, ihre Identität
und ihren Selbstwert gegenüber der Diskriminierungserfahrung zu behaupten:
Ausländer nehmen so diese kategoriale Zuschreibung an und verstärken damit
häufig, bewusst oder unbewusst, die unterscheidenden und abgrenzenden
Verhaltensweisen; sie übernehmen die Fremddefinition als Selbstdefinition:
sie werden damit erst zu „Ausländern“.
Diese Übernahme ist ein Prozess der „self-fulfilling
prophecy“,
den die Sozialpsychologie auch in anderen Bereichen des Unterrichtes, z.B.
in den Bedingungen für den Unterrichtserfolg der Schüler und für die
Intelligenzentwicklung mehrfach gründlich untersucht hat.
Betroffene Schüler übernehmen die Fremddefinitionen
in Bezug auf Gruppenzuordnung, Intelligenzniveau, Verhaltensdefizite und
-probleme als Selbstdefinition und bauen darauf ihr eigenes biographisches
Selbstkonzept auf, indem sie ihre gesellschaftlichen Erwartungen, Chancen,
Freiräume und Zwänge aus den Fremddefinitionen ableiten, mit denen sie
konfrontiert werden. Indem sie dieses Bild ihrer gesellschaftlichen
Realität akzeptieren, wird es zur erfahrbaren Realität, die sich selbst
bestätigt und verfestigt. Erst dadurch entsteht erst die Gruppe der
„Ausländer“ als gesellschaftlich wahrnehmbare Realität und erst dann
können die gesellschaftlich erwarteten Probleme zu tatsächlichen Problemen
werden.
Die grundsätzliche Frage der interkulturellen
Erziehung ist es nun, ob Schule und Unterricht diese Prozesse der
„self-fulfilling prophecy“ („Ausländer machen“) einfach akzeptieren wollen
und können, oder ob zu mindestens im gesellschaftlichen Teilsystem Schule
versucht werden kann, diesen Prozess selbst als das Problem zu verstehen,
zu versuchen, die Teufelskreise der gesellschaftlichen Desintegration
aufzubrechen und gemeinsame Lernkonzepte für die Schülerschaft ohne
strukturelle oder manifeste Diskriminierungen zu finden. Das Ziel dieser
interkulturellen Erziehung ist es, die Kontingenz alternativer
Gesellschaftsvorstellungen und darauf aufbauender Lernsituationen zu
erweisen.
Schule ist keine gesellschaftsferne Idylle; alle
gesellschaftlichen Problemdefinitionen und -zuschreibungen wirken in die
Schule hinein und sind in der Schule wirksam. In einem knappen Exkurs soll
mit dem Erklärungskonzept der Politischen Kultur deutlich gemacht werden,
dass auch Lehrerverhalten nicht beliebig ist und nicht willkürlich
verändert werden kann.
Jede Wahrnehmung und Realitätsdeutung ist in ein
intersubjektives Kommunikationssystem der zivilisatorischen Standards
einer Gesellschaft einbezogen. Politische Kultur bedeutet nun diese
Gesamtheit der Werte, Sinndeutungen und Situationsdefinitionen, die
sicheres gesellschaftliches Verhalten, Alltagsorientierungen und
Orientierungswissen des Einzelnen ausmachen. Politische Kultur ist
distinktiv, das heißt: sie grenzt ein, macht Freund und Feind
identifizierbar, signalisiert Verlässlichkeit und Angstfreiheit in einer
unbekannten Situation.
Zivilisatorische Standards sind im
Zivilisationsprozess vermittelte gesellschaftliche Erfahrungen; dem
Einzelnen werden sie vermittelt im Prozess der Enkulturation. Ihr immer
aufs Neue sich bestätigender biographischer Erfolg festigt und bestätigt
die gesellschaftliche Realität stärker als die tatsächliche materielle
Ausstattung der Gesellschaft.
Die Doppelfunktion der Politischen Kultur - notwendige
Identifikationsmuster für den Alltag in der Gesellschaft bereitzustellen
und gleichzeitig Distinktion, Abwehr und Ausgrenzung des „Fremden“ als dem
„Bedrohlichen“ zu bewirken - ist damit zentrales Problem der
interkulturellen Erziehung und berührt auch die eigene biographische
Konzeption und Selbstsicherheit der Lehrer.
Die Politische Kultur stellt so die Muster, nach
denen die Unterscheidungs- und Ausgrenzungsprozesse gegenüber der Gruppe
der „Ausländer“ in der Gesamtgruppe der Schüler verlaufen; sie ist die
Grundlage der gesellschaftlichen Stigmatisierung.
Es ist sinnvoll, nach den besonderen Inhalten der
Politischen Kultur in Deutschland oder auch in Mitteleuropa zu fragen, um
erkennen zu können, ob diese Politische Kultur unausweichliches Schicksal
oder selbst gestaltbar und veränderbar ist. Äußerlich gehören im
interkulturellen Vergleich zu den Besonderheiten der mitteleuropäischen
Politischen Kultur, der sich auch die ehemalige DDR nicht hat entziehen
können, ein besonders hohes und emotional besetztes Maß
Aggressionsbereitschaft gegenüber dem Fremden, die damit gekennzeichnete
Verbreitung autoritärer wie auch autoritär-narzistischer Charakterformen
und die hohe Akzeptanz staatlicher und institutionalisierter
Herrschaftsausübung.
Das Grundmuster gesellschaftlicher Erfahrungen in
Deutschland ist die Dichotomie von „Oben“ und „Unten“, von Macht und
Machtlosigkeit, von Autonomie und Ausgeliefertsein. Nur in diesem Kontext
wird die merkwürdige ideologische Verbiegung des „Grundwertes Freiheit“
als Recht auf antigesellschaftliches Verhalten („Freie Fahrt für freie
Bürger“, ADAC) und die gleichzeitige Abwehr von Freundlichkeit,
Kompromissbereitschaft und Gemeinsamkeit verständlich. Nach KRIPPENDORFF
ist diese Politische Kultur zurückzuführen bis auf die
spätantik-frühmittelalterliche Gesellschaftsbildungsphase, in der
fränkisch-germanische Kriegerverbände sich ihre Gemeinwesen schufen (bis
zuletzt in der fränkischen Grafschaftsordnung des Römischen Reiches
Deutscher Nation und der darin dominierenden feudalen Ritterkultur) und
den Grundstein legten für die für Westeuropa typische Verbindung von
„Kampfmoral und Staatsraison“.
Ein Gegenbild zu dieser Staats- und
Gesellschaftsgrundlage kann gesehen und entwickelt werden am Beispiel der
polnischen Geschichte und ihrer „nichtetatistischen Vergesellschaftung“
aus den piastischen Freibauerntum heraus und der Entwicklung des
„antistaatlichen Syndroms“ [MECHTENBERG] in Polen: einer anarchistischen
Freiheits- und Widerstandskultur, herausgebildet aus der freibäuerlichen
Wurzel über die Zeit der Adelsrepublik (Szlachta-Gesellschaft), der
Polnischen Teilungen bis hin zu den Verfolgungen und Unterdrückungen im
20.Jahrhundert. Die Einsicht, dass diese Kultur ein Überleben der
Polnischen Nation erst ermöglichte, kann auch in Hinblick auf einen
Unterricht zum Thema Polen neue didaktische Zugänge eröffnen und dem
geographisch-länderkundlichen Thema eine historische und
kulturgeschichtliche Dimension verleihen, die für die kritische Reflexion
über die eigenen deutschen Traditionen wichtig werden kann.
Aber auch Vergleiche der eigenen Politischen Kultur
mit anderen Kulturräumen, wie – besonders aktuell – der
islamisch-arabischen Kultur Vorderasiens und Nordafrikas, wichtige Themen
gerade auch im Geographieunterricht, oder mit anderen kulturellen
Traditionen in der „Dritten Welt“ sind Ansatzpunkte für die
Neuorientierung geographiedidaktischer Konzepte der Länderkunde, die unter
interkultureller Zielbestimmung stärker als bisher interdisziplinär
arbeiten und historische und sozialwissenschaftliche Urteilsperspektiven
mit einbeziehen muss. Wenn dies formal auch Ähnlichkeiten mit didaktischen
Konzepten aus der ehemaligen DDR aufweist, sind doch die inhaltlichen
Zielbestimmungen grundlegend andere; in der DDR-Didaktik war eine recht
simple Rückführung des Gesellschaftlichen auf materielle Strukturen und
wirtschaftliche Gegebenheiten üblich [vgl. BARTH u.a., a.a.O., S. 46 f.,
51-53] und die Dominanz der physischen Geographie war noch deutlicher als
in vergleichbaren Lehrplänen in der BRD. Hier soll gezeigt werden, dass so
strukturierte länderkundliche Zugänge weder einer schülerzentrierten
pädagogischen Konzeption, wie sie gerade in heterogenen Lerngruppen
unabdingbar wird, wo nicht auf normierte Sinnverständnisse und
Realitätswahrnehmungen zurückgegriffen werden kann, noch den
gesellschaftlichen Gegebenheiten in den behandelten Räumen gerecht wird.
Wesentliche Unterrichtspotentiale bleiben so in der traditionellen
Länderkunde ungenutzt.
Lehrer und Schüler sind von den Bedingungen ihrer
Politischen Kultur geprägt. Aufgabe der Lehreraus- und -weiterbildung ist
es, diese Rahmenbedingungen transparent zu machen und Unterrichtsziele und
-konzepte bewusst auf diese Bedingungen einzustellen. Vor allem die
Gefahr, die durch die Bedingungen der Politischen Kultur (Staatsfixierung,
Aggression als Konfliktbewältigungsmuster, aggressive Machtausübung und
Unterwürfigkeit) einem interkulturellen Lernen entgegenstehen, sollte
Anlass der didaktischen und methodischen Reflexion sein. Nur
stichwortartig soll auf Lehrerverhalten eingegangen werden, das diesen
Bedingungen im Sinne einer schülerzentrierten Unterrichtskonzeption
entspricht - und seit der Reformpädagogik in der ersten Hälfte dieses
Jahrhunderts gängiger Maßstab sein sollte, wenn auch die übliche
Unterrichtspraxis nicht selten noch weit davon entfernt ist (aus welchen,
oft zu gut verständlichen Gründen auch immer):
-
Aufbau von Lernsituationen, die selbständige
Aneignung ermöglichen;
-
Vermeiden manipulativer pädagogischer „Tricks“
zugunsten der Offenlegung von Zielen und Unterrichtsstrategien, also der
Glaubwürdigkeit der Lehrerrolle;
-
gemeinsame Gestaltung der Sozialformen des Lernens
mit der Lerngruppe zusammen (narrative Phasen, Gruppenarbeit, Diskussion
und Dialog, Partnerarbeit),
-
Vorrang der ergebnisoffenen, fachübergreifenden
Projektunterrichtsformen;
-
Ergebnis- und nicht Lernzielorientierung (mit dem
Ziel der Anfertigung eines für den Schüler greifbaren „Produktes“ seiner
Arbeit);
-
Sensibilität gegenüber eigenen Verhaltensweisen,
gegen eigene Aggression, dem Ausgeliefertsein gegenüber den abstrakten
schulischen Hierarchien: mit der Folge, in größerem Maße Verständnis für
das Abwehrverhalten der Jugendlichen gegenüber dieser Staatsbezogenheit
und der Erfahrung mit den Mächtigen zu entwickeln, für sie auch Partei
ergreifen zu können!
Letztlich verlangt interkulturelle Erziehung keinen
„neuen Lehrer“, sondern einen Lehrer, der sich seiner eigenen sozialen
Bedingtheiten und seiner institutionalisierten Stellung zunehmend bewusst
wird und in permanenter selbstkritischer Beobachtung Freiheitsspielräume,
Autonomien und Verhaltensalternativen für sich wie für seine Schüler
erkundet und erprobt: gerade auch in Kenntnis der interkulturellen
Alternativen zur eigenen Politischen Kultur, gerade auch im sensiblen
Kontakt mit kulturell heterogenen Lerngruppen, von denen nicht zuletzt der
Lehrer selbst lernen kann.
Interkulturelle Erziehung orientiert sich an der
konkreten Zusammensetzung der Lerngruppe und greift die individuellen
biographischen Hintergründe der Schülerinnen und Schüler auf, unabhängig
von der formalen Staatsangehörigkeit und ohne zusammenfassende Gruppierung
in Kategorien wie „Deutsche“ oder „Ausländer“. Dass dabei die heterogene
Gruppe hilfreicher ist als die von ihrem Erfahrungshintergrund homogene
Klasse oder Leistungsgruppe, mag [vor allem aus der klassischen
gymnasialen Perspektive] zunächst überraschend erscheinen, bewahrheitet
sich aber bei einer konsequenten interkulturellen Orientierung im
Unterricht selbst.
TREUHEIT
setzt in das Zentrum des Unterrichts mit „gemischtkulturellen Lerngruppen“
- ganz im Gegensatz zur traditionell ausgliedernd-fördernden
„Ausländerpädagogik“ - die Kommunikation und die „Metakommunikation“,
d.h.: das Sprechen über das Sprechen!
„Wie rede ich mit dir, wenn du mir als Ausländer
erscheinst? Wie redest du mit mir als Deutschem? Wie reden wir
untereinander in unseren Freundesgruppen? Wie kannst du mich verstehen und
wie verändert sich unsere Sprache, wenn wir uns als Freunde kennen gelernt
haben?“
Dies sind die Grundfragen, die ausdrücklich gestellt
und intensiv beantwortet werden müssen: im direkten Gespräch, im
Gruppengespräch oder, wenn noch Hemmschwellen überwunden werden müssen, im
simulierenden Rollenspiel, das zum direkten Gespräch überleiten soll.
Abstrakter ausgedrückt: die semantischen Voraussetzungen für das
gegenseitige „Verstehen“ sollen erarbeitet werden. Deutschunterricht und
Politikunterricht sind zunächst der Ort dieser Annäherungen. Doch da der
Ansatz des „Kommunikationsunterrichtes“ nicht fachspezifisch eingeengt
ist, erweitert er sich in projektorientiertes Arbeiten, sobald die
materiellen und ideellen Inhalte und Hintergründe der Kommunikation
bewusst einbezogen werden.
Fächerübergreifende Projekte orientieren sich an
kulturwissenschaftlichen Aufgabenstellungen und fordern damit unmittelbar
die Fachbeiträge der Geographie, die damit eine zentrale Rolle neben dem
Politikunterricht spielen kann. Länder, Kulturen und Völker dürfen dann
nicht mehr als „Set“ abstrakter Statistiken und Karten erscheinen, sondern
sie müssen in ihrer gesellschaftlichen und kulturellen Identität
verstanden werden, wobei Anknüpfungspunkte aus den Biographien innerhalb
der Lerngruppe selbst fruchtbar gemacht werden für eine „Innensicht“ des
Unterrichtsgegenstandes.
Polen, Rumänien, Türkei, Vietnam und andere
Bezugsländer lassen sich in vielen Lerngruppen zwanglos als
Unterrichtsgegenstände aus den Erfahrungen der Lerngruppe heraus
entwickeln. Dass sich damit auch die soziale Rolle der betroffenen
Schülerinnen und Schüler verändert, ist notwendiger Bestandteil der
interkulturellen Konzeption. Indem ihre eigene Biographie [ohne jegliche
falsche Intimität!] zur Kompetenz gegenüber dem Unterrichtsgegenstand
beiträgt, demgegenüber aber „deutsche“ Schülerinnen und Schüler die eigene
Defiziterfahrung bewusster erleben, kehren sich Können, Motivierung und
Aktivität fallweise um; ein größeres Maß an Chancengleichheit gegenüber
den schulischen Anforderungen wird so erreicht. Der Lehrer knüpft dabei an
bekannte Unterrichtsstile an: immer schon wurde versucht, gerade bei
jüngeren Schülern privates Erleben [im Elternhaus, im Urlaub etc.] in den
Unterricht gerade auch im Fach Erdkunde mit einzubeziehen. Neu ist hier
nur, dass bewusst das gegenseitige interkulturelle Lernen Ziel dieser
Unterrichtsverfahren wird.
Dieser Ansatz wird dadurch vertieft, dass bei
gemischten Lerngruppen auch die Chance besteht, muttersprachliches
Unterrichts- und Informationsmaterial in den Unterricht einzubeziehen;
durch Übersetzungs-, Zusammenfassungs- und Referat-Aufgaben werden
diejenigen Schülerinnen und Schüler gefordert und herausgefordert, die
diese Sprache verstehen und benutzen. Das Ringen um das Verständnis dieser
Materialien, ihre richtige Einordnung und Wertung [z.B. bei
Zeitungsberichten oder fremden Schulbüchern] ist ein Teil des
Kommunikationsunterrichtes und gleichermaßen Aufgabe der ganzen
Lerngruppe.
Homogenen Lerngruppen ist dieser Zugang zunächst
versperrt. Interkulturelle Lernansätze erscheinen hier nur in der
Vermittlung durch Unterrichtsmedien. Ansätze im europäischen Bereich
können die von den Schülerinnen und Schülern betriebenen Fremdsprachen
sein (Englisch, Russisch, Französisch), was interdisziplinäre
Unterrichtsphasen mit den Kolleginnen und Kollegen aus jenen Fächer auch
für Erdkunde- und Politiklehrer nahelegt.
Der Lehrer ist in diesem Falle stärker gefordert, die
notwendigen Perspektivwechsel auch im Sinne narrativer Unterrichtsphasen
zu forcieren, was einige fachliche Kompetenz verlangt.
Inhaltliche Ansätze für das interkulturelle Lernen,
sowohl in der gemischtkulturellen wie in der homogenen Lerngruppe, sind
vorrangig im Alltagsleben der Völker und Kulturen zu suchen. Die
Zivilisationstheorie [ELIAS] hat deutlich gemacht, dass sich in den
Verhaltensweisen des Alltages, Sprechen, Höflichkeiten, Essen, Wohnen,
Kämpfen, in Feiern, Festen und Ritualen die zivilisatorischen Standards
ausdrücken, die das friedliche Zusammenleben in der Gesellschaft
ermöglichen und dem Einzelnen seinen Platz in der Gesellschaft sichern.
Aus dem Alltag auf die geschichtlichen Erfahrungen, auf Bedrohungen und
Konflikte eines Volkes oder einer Kultur schließen zu lernen, ist eines
der faszinierendsten Projekte der heutigen Sozialwissenschaften.
Der Ansatz interkulturellen Lernens findet sich im
Unterricht selbst, in einer Besinnung auf die Möglichkeiten, die durch die
Lerngruppe, durch die aktuelle Situation und die Kompetenzen und
Interessen des Lehrers vorgegeben sind. Kommunikationsunterricht und
Alltagsorientierung sind hier die Schlüsselbegriffe.
Darüber hinaus lässt sich im Konzept des
interkulturellen Lernens noch mehr entwickeln, was über die einzelne
Unterrichtsstunde hinausgeht. Dazu ist jedoch ein Grundkonsens im
Kollegium und mit der Elternschaft über die Bedeutung eines
Arbeitsschwerpunktes „interkulturelles Lernen“ notwendig und mit Blick auf
die gegenwärtigen Probleme in unserer Gesellschaft sicher auch zu
erreichen.
Ein umfassendes Konzept der interkulturellen
Erziehung haben weltweit die UNESCO-Projekt-Schulen entwickelt, von denen
sich ca. 30 auch in Deutschland befinden.
Dabei sind die Schwerpunkte, an denen sich auch andere Schulen orientieren
können, mit folgenden Stichworten anzureißen, wobei zu den zentralen
Punkten in später folgenden Artikeln noch Weiteres und
Unterrichtspraktischeres ausgeführt werden soll:
-
Projekttage und -wochen zu interkulturellen Themen
(ggf. regionale oder länderkundliche Schwerpunkte; Themen wie z.B.
„Kinder in unserer Stadt“, „Ausländer leben und arbeiten bei uns“,
„Internationale Feste“, „Islam in unserer Welt“, „Kolumbus und die
Folgen“, „Polnische Woche“ u.a.)
-
Internationale Feste und Feiern, z.B. an speziellen
Feiertagen ausländischer Schülergruppen, bei denen sich die Schule auch
nach außen öffnet
-
Dritte Welt Projekte (Übernahme von Patenschaften,
u.U. durch kirchliche Vermittlung, Unterstützung der UNICEF oder der
NGO-Entwicklungsprojekte), Dritte-Welt-Laden-Initiativen in der Schule
(non-profit Verkauf von handwerklichen Produkten, Tee, Kaffee aus
Ländern der Dritten Welt)
-
Auslandsstudienfahrten
-
Schulpartnerschaften mit gegenseitigem Besuch und
Unterrichtsteilnahme (Polen, Türkei etc.) und mit gemeinsamen Projekten
(z.B. Baltic Sea Project der UNESCO)
-
Beteiligung am THIMUN-Projekt [The Hague
International Model United Nations, einer unter der Schirmherrschaft der
UN und der holländischen Königin stehenden „UN-Vollversammlung“ in Den
Haag, wo Schülerdelegationen aus aller Welt in englischer Sprache
„Länderdelegationen“ spielen - jedoch niemals die des eigenen
Herkunftslandes!]
Als Résumé ist jedoch abschließend noch einmal darauf
hinzuweisen, dass die Vielfalt interkultureller Projekte und Begegnungen
in der Schule nicht als Zusatzprogramm aufgesetzt werden darf, sondern das
leitende Unterrichtsprinzip repräsentieren soll, das vom Kollegium und der
Elternschaft getragen wird, letztlich alle Fächer durchziehen soll und
sich immer wieder messen lassen muss an der kritischen Sicht des Problems,
wie Ausländer in unserer Gesellschaft und in unserer Schule erst zu
„Ausländern“ gemacht werden, wie unsere ausgrenzende Politische Kultur die
allgegenwärtigen diskriminierenden Verhaltensmuster bereit stellt [im
Zusammenhang mit dem Thema „Rechtsextremismus in der Schule“ muss das
intensiver erörtert werden],
die ein wahrgenommenes „Ausländerproblem“ erst zu einem politisch
relevanten Konflikt machen. Dem muss interkulturelle Erziehung
grundsätzlich entgegensteuern. Gerade die Geographie kann, wie sich an den
konkreten Unterrichtsvorschlägen schon ablesen ließ, mit wesentlichen
unterrichtlichen Beiträgen und mit ihrer Fähigkeit zum empirischen,
fächerübergreifenden und realitätsnahen Arbeiten an zentraler Stelle in
interkulturelle Lernkonzeptionen eingebunden werden.
Abschließend sei in fünf Punkten noch einmal die
Position des Verfassers zu den Aufgaben der interkulturellen Erziehung in
unseren Schulen in der Form von grundsätzlichen Forderungen
zusammengefasst:
-
Sozial und kulturell unterschiedlich geprägte
Biographien müssen als gleichwertig anerkannt und mit gleichen
gesellschaftlichen Chancen ausgestattet werden.
-
Die Pluralität der Lebensentwürfe muss entsprechend
unseren Verfassungsgrundsätzen einer offenen und pluralistischen
Gesellschaft grundsätzlich und auch in der Schule gesichert bleiben.
-
Interkulturelles Lernen ist als Chance für die
eigene Lebensperspektive und für ein friedliches Leben in Deutschland zu
begreifen.
-
Pauschalisierende Kategorien wie „Ausländer“ etc.
sind in der pädagogischen Diskussion als nicht sachgerecht zu vermeiden.
-
Interkulturelles Lernen macht neugierig, überwindet
Ängste, macht Spaß und bereichert alle Beteiligten.
Der Aufsatz verwendet das Manuskript eines Vortrages,
der bei einem Lehrerfortbildungsseminar der Friedrich-Ebert-Stiftung und
des Landesinstituts für Lehrerfortbildung (LISA) in Sachsen-Anhalt am
16.01.93 in Arendsee/Altm. gehalten wurde.
Anmerkungen
Karlheinz FILIPP: Kritische Didaktik der Geographie. Prolegomena
zur Emanzipation einer Disziplin. Materialien zur
sozialwissenschaftlichen Forschung (MaSoFo) - Band 1. Frankfurt/M
1987. - Karlheinz FILIPP: Materialien zur kritische Didaktik der
Geographie. Materialien zur sozialwissenschaftlichen Forschung
(MaSoFo) - Band 2. Frankfurt/M 1988. - Ludwig BARTH und Wolfgang
SCHLIMME, Autorenkollektiv unter der Leitung von - : Methodik
Geographieunterricht. Berlin (DDR) 1976
Zum soziologischen Begriff der „Situationsdefinition“ vgl. G. FALK
und H. STEINERT, Über den Soziologen als Konstrukteur von
Wirklichkeit. In: STEINERT, Hg., Symbolische Interaktion. Arbeiten zu
einer reflexiven Soziologie. Stuttgart 1973, S. 13-44, H. POPITZ,
Prozesse der Machtbildung, Tübingen 1968, S. 35 ff.
Zur gesellschaftlichen Relevanz „binärer Codes“ vgl. Niklas
LUHMANN, Ökologische Kommunikation, Opladen 1986, S. 75-100
Ivan ILLICH hat diese Frage gestellt und dafür an die Grundlagen
des pädagogischen Selbstverständnisses rührende Antworten gegeben
[Entschulung der Gesellschaft, München 1971]. – Vgl. auch: Hartmut von
HENTIG, Cuernavaca oder: Alternativen zur Schule? Stuttgart/München
1971
Robert K. MERTON, Social Theory and Social Structure, Glencoe,
Ill. 1963. – Die Prozesse der self-fulfilling prophecy sind auch z.B.
im Bereich des Wirtschaftslebens bekannt [„run“, Warenverknappung nach
Hamsterkäufen, Firmenzusammenbrüche durch das Gerücht über drohende
Zahlungsunfähigkeit etc.]
R. ROSENTHAL, L. JACOBSON, Teacher's
Expectancies: Determinants of Pupils' I.Q. Gains. Psychological
Reports, 19, 1966, p. 115-118. - In dieser Untersuchung wird
festgestellt, dass nicht der gemessene Intelligenzquotient, sondern
die Annahmen über diesen I.Q. bei Lehrern und Schülern ausschlaggebend
sind für die tatsächliche weitere Intelligenzentwicklung [d.h.
„falsche“ Annahmen wirken gleichartig wie die Kenntnis des
„richtigen“, gemessenen I.Q.!].
Norbert ELIAS, Über den Prozeß der Zivilisation. Soziogenetische
und psychogenetische Untersuchungen. 2 Bände. Frankfurt/M. 1976
[Original 1936].
E. LIEBOW, Tally's Corner. Boston 1967
Theodor W. ADORNO, u.a., Studien zum autoritären Charakter,
Frankfurt/M. 1973; vgl. auch: Wilfried GOTTSCHALCH, Schülerkrisen.
Entstehungsgeschichten autoritärer Persönlichkeiten. Reinbek 1977. –
ADORNO führt den autoritären Charakter auf die familialen
Sozialisationsbedingungen und diese auf das gesellschaftliche Umfeld
der Familie (patriarchalische, autoritäre Gesellschaft) zurück. Zu
kurz kommt aus heutiger Sicht dabei der Aspekt, dass Ausprägung und
Ausdruck des „ichschwachen, aggressiven autoritären Charakters“
gesellschaftlich vorgezeichneten Verhaltensmustern folgt und damit
durchaus nicht kultur-unabhängig zu beschreiben ist
(Zivilisationsstandards nach ELIAS, Symbolrepertoir der Gesellschaft,
Konfliktlösungsangebote der Gesellschaft).
Ekkehart KRIPPENDORFF, Staat und Krieg. Die historische Logik
politischer Unvernunft. Frankfurt/M. 1985
J. J. SMOLICZ, Verinnerlichte Werte und kulturelle Identität. In:
Volker NITZSCHKE, Hg., Multikulturelle Gesellschaft - multikulturelle
Erziehung? Stuttgart 1983, S. 29-48
Werner TREUHEIT, Hendrik OTTEN, Akkulturation junger Ausländer in
der Bundesrepublik Deutschland. Probleme und Konzepte. Opladen 1986
Gerhard VOIGT, Lothar NETTELMANN, Die Arbeit einer UNESCO-Schule:
z.B. Schulpartnerschaften mit Polen und der Türkei. Oldenburger
Vor-Drucke Heft 98/90, Oldenburg 1990. - dieselben, Hg.:
Internationale Herausforderungen. Die Bismarckschule Hannover stellt
ihre UNESCO-Arbeit vor. Schriftenreihe des UNESCO-Clubs Hannover,
1992. - dieselben, Hg.: Junge Deutsche und Polen begegnen sich.
Schüleraustausch und Studienreisen. Schriftenreihe des UNESCO-Clubs
Hannover, 1990. - VOIGT: Tradition oder Umbruch? Erlebnisse im Nahen
Osten. Schriftenreihe des UNESCO-Clubs Hannover, 1988. - ders.:
Schüleraustausch mit Polen. Politik Unterricht Aktuell 2/92 [Verband
der Politiklehrer, Hannover]
Gerhard VOIGT: Rechtsextremismus und Ausländerinnen und Ausländer im
Unterricht. Ausgewählte Aspekte der Methodik und Didaktik.
Politik-Wissenschaft-Bildung, Heft 12, Hg. von Bernhard CLAUSSEN,
Hamburg 1993
Quelle: Voigt, Gerhard, 1993: Interkulturelle
Erziehung im Geographieunterricht und in der politischen Bildung.
Positionen zu den Aufgaben der interkulturellen Erziehung und politischen
Bildung. In: Zeitschrift für den Erdkundeunterricht 45, Berlin, 6-7/93,
254-259. (Text 14.03.1993) - Durchgesehener Nachdruck und
Internet-Publikation 15.08.2011
Inhalt
1. Einige kritische
Vorbemerkungen zum Stand der Geographiedidaktik
2. Wie wird der „Ausländer“ zum „Ausländer“?
3. Die
Rahmenbedingungen der Politischen Kultur Mitteleuropas
4.
Lehrerverhalten und interkulturelle Erziehungsziele
5. Didaktische Konzepte
6. Interkulturelle
Projekte
Anmerkungen |
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