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Veröffentlichungen und Texte

Didaktische Studien

Umwertung von Räumen

1.       »Umwertungsprozesse« im Schulbuch

2.       Tragfähigkeit des Inwertsetzungsbegriffs

           In der Schule

3.       Unterrichtsbeispiele

3.1.    Beispiel Ruhrgebiet

3.2.    Beispiel Harzrand

4.       Zusammenfassung

5.       Literaturhinweise

5.1.    Untersuchte Unterrichtswerke

5.1.1. kritisierte Schulbücher

5.1.2. Im Sinne sozialwissenschaftlicher Fundierung

5.2.    Didaktische Literatur

5.3.    In den Unterrichtsbeispielen angeführte Literatur

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1. »Umwertungsprozesse« im Schulbuch

In den gängigen Schulbüchern tritt die Darstellung von Inwertsetzungsprozessen, wie die Darstellung von Prozessen überhaupt, stark in den Hintergrund. Im Lehrbuch Terra/Geographie 7/8 (Klett) befassen sich nur drei der zwölf Kapitel ausdrücklich mit Prozessen; die übrigen – vom Ansatz und der Bezeich­nung her – mit Zustandsbeschreibungen (z. B. »Das Naturgesetz der Klimazonen und Höhenstufen«, »Hunger und Armut in Entwicklungsländern«).

Es soll im folgenden beschrieben werden, daß die­ses statisch‑strukturelle, an sozialwissenschaftlichen Grundkategorien vorbeizielende Fachverständnis auch für diejenigen Abschnitte gilt, die sich aus­drücklich mit Prozessen beschäftigen.

Beispiele aus Schulbüchern und ihre Kritik:

In dem schon genannten Terra/Geographie 7/8 zielt der erste Abschnitt »Menschen verändern ihre Lebensräume« ausdrücklich auf Umwertungsprozesse, während der Abschnitt »Die Erde verändert sich« allein physisch‑geographische Abläufe dar­stellt und das Kapitel »Eingriffe in den Naturhaus­halt« naturgeographische Folgen von Eingriffen auf­zeigt, ohne die gesellschaftlichen Voraussetzungen und Folgen mit einzubeziehen.

Einige Einzelheiten zum genannten »Umwer­tungskapitel«: Der erste Unterabschnitt »Vom Bau­erndorf zum Fremdenverkehrsort« führt die Ent­wicklung des Suldentals zum Fremdenverkehrszen­trum auf vorhandene oder zusätzlich errichtete »At­traktionen« für den Touristen zurück (»Notiere ... die wichtigsten natürlichen Voraussetzungen und ... die wichtigsten zusätzlichen Einrichtungen«). Der »Wert« des Suldentals für den Tourismus wird als ein Attribut seiner Ausstattung verstanden.

Im nächsten Unterabschnitt »Bochum‑Queren­burg: Ein Stadtteil verändert sein Gesicht« wird ein Luftbildvergleich gefordert, der den Bau der Ruhr­-Universität erkennen läßt. Zusätzliche Strukturda­ten – bis auf die Einwohnerzahlen – werden nicht gegeben, so daß die Beantwortung der Fragen (... »warum es zu den Veränderungen gekommen ist und wer davon Vorteile oder Nachteile hat«) der freien Spekulation oder den zusätzlichen Informa­tionen des Lehrers überlassen bleibt.

Ähnlich problematisch ist auch der Abschnitt »Bratsk – Ein Beispiel für die Erschließung Sibi­riens«. Daß es richtig ist, Sibirien zu erschließen, wird als selbstverständlich angesehen. Das Interesse des Schulbuchtextes gilt der »lebendigen Darstel­lung« der Hindernisse und Schwierigkeiten, die sich dieser Erschließung entgegenstellen und den techni­schen Möglichkeiten, die Erschließung dann doch durchzuführen. Wenn der Abschnitt doch Gründe für die Inwertsetzungsprozesse erkennen läßt, dann nur durch den immanenten Hinweis auf vorhandene Rohstoffe.

Auch für weitere Abschnitte zum Thema »Verän­derungen des Lebensraumes« gilt, daß die Ursachen für dargestellte Umwertungs‑ und Inwertsetzungs­prozesse entweder gar nicht erwähnt oder in natürli­chen oder technischen Ausstattungscharakteristika der Beispielräume gesucht werden.

Daß dies Ergebnis kein Einzelfall ist, zeigt ein Blick z. B. in die Neue Geographie 5/6 (Bagel), in der sich auch nur ein Abschnitt (»Der Mensch verändert die Landschaften der Erde«) und einige kurze Un­terabschnitte (so z.B. »Die Wolga: Umgestaltung eines Flusses«) mit Veränderungsprozessen befas­sen; hier wird sogar noch deutlicher – wohl als alters­stufenspezifische Darstellung verstanden! –, daß vorrangig technische Vorgänge Interesse finden (Braunkohlenabbau, Moorkultivierung) (Þ Ökolo­gie, Þ technisches Wissen im Geographieunterricht).

Die Kritik an dem von den Schulbuchautoren gewählten Ansatz läßt sich in folgenden Punkten zu. sammenfassen:

  1. Umwertungs‑ und Inwertsetzungsprozesse werden als technische Umgestaltungsvorhaben ver. standen; der »Wert« gilt als Attribut des Raumes (vgl. Suldental, s. o.).

  2. Der Erfolg wird an der faktischen Durchführung des Projekts gemessen, Misserfolge werden auf technische Mängel zurückgeführt (»Das geschei­terte Erdnußprojekt«: Terra/Geographie 7/8, S. 16‑17).

  3. Die Frage nach den Folgen wird als spekulative Leerformel gestellt (s. o., Beispiel Bochum/Ruhr­Universität), die Antwort aber nicht bei den dazu­gehörenden gesellschaftlichen Prozessen gesucht; es bleibt nur eine physiognomisch‑intuitive Beant­wortungsebene, die rationale Kritik nicht be­gründet.

  4. Das gesamte Thema »Umwertungsvorgänge« wird kurzschlüssig‑heterogen aufgesplittert (durchschnittliche Darstellungslänge 2V2 Seiten, davon 373 Fotos und Graphiken), eine Interpreta­tion im Zusammenhang erscheint aus dem spärli­chen Material heraus nicht möglich zu sein, eine intensivere Analyse der Fälle wird nicht durchge­führt oder gefordert.

  5. Die Gesellschaft tritt wenn überhaupt in Gestalt einzeln handelnden Protagonisten (Individuen/Gruppen) auf, deren Motivation und gesellschaft­liche Herkunft nicht untersucht wird; klassen‑ und schichtenspezifische Inwertsetzungsansprüche werden nicht aufgegriffen.

  6. Umwertungsprozesse werden generell nicht als Ausdruck von Veränderungen innerhalb einer Gesellschaft, sondern als »Strukturveränderun­gen des Raumes« verstanden.

2. Tragfähigkeit des Inwertsetzungsbegriffs In der Schule

Die Kritik an der Darstellung von Veränderungsprozessen im Schulbuch zeigt, daß von dieser Seite her eine sachgerechte Bearbeitung von Inwertsetzungen und von Umwertungen von Räumen nur sehr be­grenzt möglich ist. Folgende inhaltliche Überlegungen führen zu der Forderung, zusätzlich zu den eingeführten Lehrbüchern weitere Materialien Medien) und Themenbeispiele (® Schulbücher, ergänzende Unterrichtsmaterialien) heranzu­ziehen.

Inwertsetzungsprozesse werden von der Seite der Fachdidaktik der Geographie oft als ein Kernstück des Lernzielkanons verstanden (Birkenhauer 1975 u. a.). Doch steht auch hier im Mittelpunkt des Interesses die Raumstruktur (Haubrich 1977, S. 185: »Allgemeine Geographie als Vermittlerin von Struktureinsicht«, dazu auch S. 190f.; noch deutlicher faßt dies Bauer 1976, S. 109, in Anlehnung an Neef, Wöhlke, Bobek und Schmithüsen zusammen!), nur in wenigen Arbeiten wird die »Wertzu­reibung« als gesellschaftliche Kategorie verstan­n (Boesler 1974; vgl. Hessische Rahmenrichtlinien Gesellschaftslehre Sekundarstufe I. Arbeitsschwer­punkt Geographie, 1973, S. 43ff., Filipp 1978, 5. 15f., und Jüngst 1978, S. 52ff.).

In diesem Sinne könnten Inwertsetzungsprozesse zum einen als volkswirtschaftliche Probleme ver­standen werden (an einem Detailproblem kann das auch im Unterricht verdeutlicht werden: Anbau­grenzen, die früher oft allein als naturgeographisch determiniert verstanden wurden, z. B. bei Jäger 1936, verschieben sich bei veränderter Absatzsitua­tion, wie es Ibrahim und Mensching 1978 (u. a.) für den Sudan nachweisen, oder bei Substitution der einheimischen Produktion durch Nahrungsmittel­einfuhren und Anbauumstellung auf Exportgüter, wie es Ooi Jinbee 1959 für die Gummiplantagen­wirtschaft in Malaya nachweist). Zum anderen kann das Inwertsetzungsproblem zurückgeführt werden – und das ist für den Geographieunterricht wichtiger – auf einen gesellschaftlichen Wertbegriff (Ge­brauchswert, Bedürfnissituation, gesellschaftlicher Nutzen); dann ist aber nicht mehr die Darstellung der Strukturveränderungen in einem Raum Selbst­zweck, sondern Untersuchungsobjekt ist dann der Zusammenhang von gesellschaftlicher Entwicklung und räumlicher Veränderung.

Inwertsetzungs‑ und Umwertungsprozesse sind al­so Folgen gesellschaftlicher Veränderungen. Wird der Begriff »Umwertung von Räumen« in diesem Sinne verstanden, öffnet er den Zugang zur (histo­risch‑) geographischen Gesellschaftsanalyse, da er einen Kernbegriff der Sozialwissenschaften (»gesell­schaftlicher Wert«, Bewertung durch die Gesell­schaft/gesellschaftliche Gruppen) in den Unterricht einbringt, der sich konkret für einen empirischen Zugriff eignet. Dies leistet jedoch der in den Schul­büchern gewählte kurzschrittige und die gesell­schaftliche Dimension ausklammernde Ansatz nicht, so daß eine Arbeit allein am Schulbuch nicht hinreichend sein kann. Filipp (1975) zeigt in seinen Unterrichtsbeispielen zum »historisch‑politischen Zusammenhang« der Geographie brauchbare Alter­nativen zur Schulbucharbeit.

3. Unterrichtsbeispiele

An zwei Beispielen soll modellhaft aufgezeigt wer­den, wie das Thema »Umwertung von Räumen« mit gesellschaftsanalytischen Fragestellungen verbun­den werden kann (weitere Beispiele ® Stadt/Land, ® sozialgeographische Probleme im Unterricht, City).

3.1. Beispiel Ruhrgebiet

Traditionelles Beispiel eines Umwertungsprozesses in der Phase der Industrialisierung ist das Ruhrge­biet (Huhnt 1966, S. 38ff ; Geschichts‑Schulbücher: Menschen in ihrer Zeit, Bd. 3 (Klett), S, 130ff., 160ff., Zeiten und Menschen, Bd. 3 (Schöningh), S, 128ff., 136ff ; – Sozialkundebücher, z. T. ohne ausdrücklichen Bezug auf den Beispielraum: Sozial­kunde (Klett), S. 138f.; Fischer, Gesellschaft und Politik, ab S. 160; nur aus dem letztgenannten Werk lassen sich Ansätze, wie im folgenden gefordert, ableiten!). In den geographischen Schulbüchern werden für die Industrialisierungsprozesse im Ruhr­gebiet vornehmlich drei Erklärungsansätze herange­zogen: Rohstoffvorkommen (Terra/Geographie 5/6, S. 134), »industrielle Revolution« und technischer Fortschritt (Neue Geographie 516, S. 53ff.) sowie Siedlungsverdichtung, die als nahezu autonomer Prozeß beschrieben wird (Terra/Geographie 5/6, S. 160, dass. 718, S. 10 – das oben aufgeführte Beispiel Bochum –, Neue Geographie 5/6, S. 74ff ). Ausge­spart bleibt auch hier die Darstellung der gesell­schaftlichen Situation mit ihren sozial und ökono­misch sehr unterschiedlichen Folgen, die die Indu­strialisierung erst hervorgerufen und möglich ge­macht hat, und die Erörterung der politischen Situa­tion vor, während und nach der Phase der Industria­lisierung. Ein historisch‑geographischer Einstieg wird anders, als es die Schulbücher vorzeichnen, interdisziplinär vorgehen und historische und sozial­kundliche Erklärungsansätze in die geographische Analyse einbeziehen müssen. Das wird dadurch er­schwert, daß auch in den schon genannten Schulbü­chern dieser Fächer die politische Dimension des gesellschaftlichen Prozesses oft ausgespart wird ‑Politik erscheint isoliert davon als politische Theorie oder zumindest am Rande in der Darstellung der »sozialen Frage«; auch hier wird die Industrialisie­rung als ein autonomer Prozeß verstanden, dessen gesellschaftliche Ursachen, Bedingungen und Fol­gen nicht freigelegt werden. Die Mängel der Geo­graphiebücher können deshalb z. B. nicht durch das Hinzuziehen der Geschichtsbücher ausgeglichen werden, ergänzende Literatur wird notwendig.

Die gesellschaftlichen Bedingungen, die den Indu­strialisierungsprozeß einleiteten und die technischen Innovationen begründeten, können vielleicht ideal­typisch am Beispiel Englands erörtert werden (Grundlage dazu könnte Hobsbawn 1969 sein oder das Entwicklungsschema in Voigt/Fuchs/Eilers 1977), um die Prozesse dann in historischer Sicht auf das Ruhrgebiet zu übertragen. Wichtig ist dabei vor allem, daß die technischen Innovationen nicht, wie z. B. auch in Menschen in ihrer Zeit, als autonome Leistungen einzelner Erfinder und damit als eher zufällige Ereignisse dargestellt werden. Die Kennt­nis der politischen und sozialen Situation im Kaiser­reich ist für die Erklärung der industriellen Inwert­setzung des Rhein‑Ruhr‑Raumes wichtiger als eine ins Einzelne gehende Darstellung der natürlichen Ressourcen. Von hier aus kann die Schulbuchdar­stellung im Unterricht selbst in Frage gestellt und erweitert werden. Löst man sich stärker vom Schul­buch, so bieten sich aktuelle Materialien über die heutige Situation des Ruhrgebietes in ausreichender Zahl an, um Umwertungsprozesse langfristig darzu­stellen und aktuell aufzubereiten (Ruhrkonferenz 1979, verschiedene Publikationen des Siedlungsver­bandes Ruhrbezirk; Bronny 1979). Hierbei leistet der Begriff »Umwertung von Räumen« gute Dien­ste, um auch die heutigen ökonomischen Probleme als Phase eines gesellschaftlichen Umwertungspro­zeß verstehen zu können und um hiervon ausgehend grundlegende gesellschafts‑ und wirtschaftswissen­schaftliche Kategorien (‑> wirtschaftswissenschaftli­che Grundbegriffe, gesellschaftliche Schichtung, ‑‑> Segregation, Standortentscheidungen, Agglomera­tionsvorteile etc.) zu erörtern. Deutlich wird dabei aber auch, daß geographische Standardwerke für den Unterricht, wie Dege (1976), hier wichtige so­zioökonomische Probleme aussparen bzw. nicht gründlich behandeln.

3.2. Beispiel Harzrand

Ein weiteres historisch‑geographisches – und daher als Prozeß zeitlich abgeschlossenes – Beispiel, das Modellcharakter trägt, kann im nordwestlichen Harzvorland zwischen Seesen und Goslar gefunden werden. Die historisch dokumentierten und heute im Gelände noch nachweisbaren Raumansprüche zu Beginn der Neuzeit sind in ihrer Ausformung inso­fern interessant, als hier die unterschiedlichen Be­wertungs‑ und Handlungsmuster herrschender so­zialer Klassen/Schichten deutlich werden können, die in ihrer zeitlichen Abfolge den Wandel der Herr­schaftsverhältnisse in Deutschland widerspiegeln. In den Schulbüchern wird dieser Raum nicht eigens angesprochen, es interessiert höchstens der Ober­harz mit seinem Wandel vom Bergbau zum Frem­denverkehr. Das nordwestliche Harzvorland hat je­doch in einer längeren Geschichte viel tiefergreifen­de Umbewertungen erfahren, so daß sich ein Unter­richtsschwerpunkt in diesem Bereich legitimieren läßt. Materialmäßig lassen sich die dortigen Raum­strukturen an Hand von Rippel (1958) gut aufberei­ten. Die unterschiedlichen Zugriffsmöglichkeiten ermöglichen selbständiges, projektorientiertes Ler­nen. Ein paar Stichworte zur inhaltlichen Problema­tik sollen das Beispiel erläutern:

Im Laufe des Mittelalters entstand aus und neben der Subsistenzwirtschaft, vorangetrieben durch stei­gende Bedürfnisse des Adels an Waffen für Kriege und Kreuzzüge und durch – nach orientalischem Vorbild – luxuriöser werdende Lebensansprüche der herrschenden Klasse, das zweifache Bemühen, neue ökonomische Ressourcen zu erschließen, und zwar einmal durch die Förderung des Erzbergbaus, z. B. im Rammelsberg bei Goslar, und zum andern durch Ausbau und Förderung des Fernhandels. Aus den Bergbaustädten entwickelten sich die Ansätze für die spätere materielle Kultur der Manufakturen und der Industrie, aus dem Fernhandel leitete sich die Stellung des aufkommenden Bürgertums ab, indem z. B. ein in Kriegszeiten sich verschuldender Adel bereit war, Handelsprivilegien und Stadtfreiheiten zu gewähren, wodurch u. a. die Stellung der Hanse­städte begründet wurde. In der Übergangszeit exi­stierten daher drei ökonomische Substrukturen rela­tiv unverbunden nebeneinander:

a)     die nonmonetäre Subsistenzwirtschaft in den agrarischen Bereichen des feudalistischen Le­henswesens,

b)     der abhängige, arbeitsteilige Bergbau einschließ­lich der Erzaufbereitung und ‑verarbeitung, der sowohl in Geld als auch in Naturalien vom Berg­herrn finanziert wurde,

c)     der internationale oder zumindest großräumige Fernhandel als reine Geldwirtschaft. Erst im Absolutismus gelingt es, die bürgerliche, vorindustrielle Gesellschaft bis auf Reste der über­kommenen Adelsprivilegien zu etablieren, die diese heterogenen ökonomischen Elemente integriert.

Am Harzrand läßt sich in einer historisch‑geographi­sehen Untersuchung, z. B. an Hand der Ergebnisse von Rippel, die ebenso heterogene Verortung dieser disperaten gesellschaftlichen Elemente belegen – und zwar:

  1. die ländlichen Siedlungen und ihre z.T. auf das Mittelalter, zumindest jedoch auf die Wüstungs­perioden zurückzuführende Feldflur,                              

  2. die davon weitgehend unabhängigen Verhüt­tungsstätten (Rennfeuer) für die Harzer Erze und die dazu gehörenden Meilerstellen im Wald als Kleinformen des Bergbaus und Städte wie Goslar mit dem Erzbergbau im Rammelsberg entspre­chend als Großformen,

  3. das Fernstraßennetz, das sich nicht an den Sied­lungsgegebenheiten orientiert, sondern eigene Knotenpunkte, Stapel‑, Lager‑ und Umschlag­plätze, z. T. im Schutze herrschaftlicher Befesti­tungsanlagen, begründet.

Nur selten waren – wie in Seesen – alle 3 Funktio­nen an einem Ort zu finden. Es entstand deshalb ein weitgehend unverbundenes, nach diesen Funktio­nen getrenntes Siedlungsgebilde (Agrargemeinde/ Ackerbürgerstadt, Wyk, herrschaftliche Burg, erst weiter abseits die Verhüttungsstätte »Pedel«).

4. Zusammenfassung

  1. Die »Umwertung von Räumen« wird in den geo­graphischen Schulbüchern weder als gesellschaft­liches Problemfeld adäquat aufbereitet noch in Themenbeispielen ausreichend berücksichtigt (selbst in solchen, die explizit ein solches Erkennt­nisinteresse nahelegen).

  2. Die Behandlung von Inwertsetzungsprozessen in Schulbüchern zeigt ein immanentes statisch‑unpo­litisches Geselischaftsbild.

  3. Über die »Schulbuchrealität« hinausgehend hat der Begriff »Umwertung von Räumen« ‑ eher vielleicht noch als »Inwertsetzung« ‑ Schlüssel­funktionen zur Integration geographischer, £e­sellschaftsWissenschaftlicher und auch histori­scher Fragestellungen; sein schwerpunktmäßiger Gebrauch im Schulunterricht wird dadurch legiti­miert.

  4. Ein unterrichtsbezogener Umgang mit dem The­ma verlangt daher eine kritische inhaltlich‑metho­dische Infragestellung und Erweiterung der Schul­buchbeispiele.

  5. Besser noch können fächer‑übergreifende Unter­ richtsvorhaben und Projekte ( Þ Pro­jekt­orien­tier­­ter Unterricht) im gesellschaftswissenschaftlichen Bereich geplant und durchgeführt werden, wenn geeignete Beispiele aus dem Nahbereich der je­weiligen Schule gewählt werden.

5. Literaturhinweise

5.1. Untersuchte Unterrichtswerke

5.1.1. kritisierte Schulbücher

(in Klammern: zum Vergleich herangezogene Werke, die nicht eigens im Text vorgestellt wurden)

Terra/Geographie, Ausgabe B, Bände 5/6, 7/8 und 9/10. 1979 (Neubearbeitung), Stuttgart (Klett).

Neue Geographie, Bände 5/6, (7/8 und 9/10). 1971 ff. Düsseldorf (Dagel), Kiel (Hirt), Vieweg (Braun­schweig).

(Dreimal um die Erde. Bände 1, 2 und 3. Auflage 1977. Hannover (Schroedel)).

Schäfer Weltkunde. Paderborn 1976 (Schöningh)).

Zeiten und Menschen. Ausgabe B, Band 3: Das Wer­den der modernen Welt (1648‑1900). 1968, Pa­derborn (Schöningh), Hannover (Schroedel).

Menschen in ihrer Zeit. Band 3: In der Neuzeit. 1971, Stuttgart (Klett).

Sozialkunde. Lehr‑ und Arbeitsbuch zur Politischen Bildung. 1972, Stuttgart (Klett).

5.1.2. Im Sinne sozialwissenschaftlicher Fundierung

Filipp, K. (1975): Geographie im historisch‑politi­scheu Zusammenhang, Neuwied (Luchterhand).

Fischer, K. G. (1979): Gesellschaft und Politik, Stuttgart (5. Aufl.) (J. B. Metzler).

Huhnt, B. (1966): Industrielle Revolution und Indu­striczeitalter. Ein didaktischer Entwurf. Schriftenreihe der Niedersächsischen Landeszentrale für Politische Bildung, Hannover.

Voigt/FuchslEilers (1977): Sozioökologie. Leistungskurs Geographie, in: Handreichungen für den Se­kundarbereich 11, hrsg. vom Niedersächsischen Kultusminister, 4. Folge, Band 1, Hannover.

5.2. Didaktische Literatur

Bauer, L. (1976): Einführung in die Didaktik der Geographie, Darmstadt (Wiss. Buchges.).

Birkenhauer, J. (1975): Die Möglichkeit einer »Plattform« für ein geographisches Schulcurricul­um. Geographische Rundschau Beiheft 1, S. 50 ff .

Boesler, K. ‑A. (1974): Gedanken zum Konzept der politischen Geographie. Die Erde, 105. Jg., Heft 1.

Filipp, K. (1978): Politischer Geographieunterricht. Eine Traditionsauslegung als Beitrag zur Geogra­phiedidaktik, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, B 32/78 v. 12. 8. 1978.

Haubrich, H. (1977): Zur Entwicklung der geogra­phiedidaktischen Lernzieltheorie seit 1968, in: Reinhardt: Die Geographie und ihre Didaktik zwischen Umbruch und Konsolidierung. Frankf. Beiträge zur Didaktik der Geographie Bd. 1. Frankfurt.

Jüngst, P. (1977): Zwischenbilanz der Curriculum-Revision am Beispiel der Hessischen Rahmen­richtlinien Gesellschaftslehre, in: Geographie als politische Bildung. Geographische Hochschul­manuskripte 6. Göttingen.

5.3. In den Unterrichtsbeispielen angeführte Literatur

Bronny, H. M. (1979): Der sozio‑ökonomische Strukturwandel des Ruhrgebietes. Strukturen und Entwicklungsmöglichkeiten des Emscher­Lippe‑Raumes. Vorlage bei der Ruhrkonferenz am 8./9. Mai 1979 in Castrop‑Rauxel.

Dege, W. (1976): Das Ruhrgebiet, Kiel (F. Hirt, Geocolleg).

Hobsbawn, E. J. (1969): Industrie und Ernpire. Bri­tische Wirtschaftsgeschichte seit 1750. Bd. 1 und 2, Frankfurt (edition suhrkamp 315/316).

Jäger, F. (1936): Trockengrenzen in Algerien. Er­gänzungsheft 223 zu Petermanns Mitteilungen.

Menschingl/brahim (1978): Desertification in der Sa­helzone der Republik Sudan. Afrika Spectrum 78, Heft 1.

Ooi‑Jin‑bee (1959): Rural Development in Tropical Areas, with special reference to Malaya. The Journal of Tropical Geography, Vol. 12, Singa­pore and Kuala Lumpur.

Rippel, J. K. (1958): Die Entwicklung der Kultur­landschaft am nordwestlichen Harzrand, Hanno­ver (Niedersächsisches Amt für Landesplanung und Statistik).

Impressum dieser Seite

Aus: Jander, Lothar / Schramke, Wolfgang / Wenzel, Hans-Jürgen, 1982: Metzler Handbuch für den Geographieunterricht (HGU).

Ein Leitfaden für Praxis und Ausbildung

Erschienen im dreihundertsten Jahr der J. B. Metzlerschen Verlagsbuchhandlung Stuttgart

(vergriffen, Textfassung aus dem Manuskript.
Die Textfassung berücksichtigt redaktionelle
Korrekturen und Ergänzungen.)

   
   

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Bearbeitungsstand: 25.12.2008

Letzte Bearbeitung: 06.12.2009

   
   

 

     
   

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