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1967 / 1981 Studienfahrten nach Nordafrika 1967 und 1981: Index

   
   

 

     
   

Nordafrikareise 1981
mit Schülerinnen und Schülern der Bismarckschule Hannover

Nordafrikafahrt: Tagebuch

Sommer 1981

»Wir werden die Demokratie noch eine ganze Weile lernen müssen. Das fängt an beim Respekt für die Meinung anderer. Eine Demokratie braucht auch Parteien, die wirklich demokratisch funktionieren, anders als die Parteien, die wir heute haben. Als algerischer Bürger würde ich sagen, dass Ruhe einkehren muss, Frieden ist dringend nötig, wenn auch schwierig. Denn ohne Gerechtigkeit wird es keinen Frieden geben. Realistisch gesehen haben wir aber keine unabhängige Justiz in Algerien. Deshalb wird jedes Urteil jeweils nur von einer Seite akzeptiert werden und nicht von der anderen. Eine unabhängige Justiz ist in weiter Ferne. Trotzdem müssen wir anfangen mit dem Frieden und sehen, wie man nach und nach auch Gerechtigkeit herstellen kann. Wir dürfen nicht länger warten.«
Aus einem Interview mit Hamid Skif – algerischer Schriftsteller – im Deutschlandradio Kultur am 22.11.2005.

Der Plan

Meine erste prägende Begegnung mit Nordafrika während der Forschungsreise des Geographischen Instituts der Universität Hannover mit Dr. Achenbach 1967 liegt zum Zeitpunkt, von dem hier berichtet werden soll, nun bald vierzehn Jahre zurück – aber die Sehnsucht nach einer neuen Begegnung mit dieser faszinierenden Region bleibt unvermindert bestehen. Sehr zu meinem Kummer wurde dann die Fahrt mit Schülerinnen und Schülern der Bismarckschule Hannover 1981 in den Maghreb, von der der nachfolgende Reisebericht handelt, bis heute, im Jahr 2012, meine letzte Begegnung mit Nordafrika, auch wenn Gedanken und Erinnerungen daran mich nie verlassen haben. In den letzten beiden Jahren wurde diese Beschäftigung mit dem arabisch en Kulturraum wieder neu belebt durch die Ereignisse in Nordafrika, dem „Arabischen Frühling“ mit all seinen Hoffnungen und Risiken, von denen Hamid Skif in dem vorangestellten Motto berichtet. Aber drehen wir doch die Zeit um etwa dreißig Jahre zurück und erinnern uns an den Beginn der 80er-Jahre.

In der zweiten Jahreshälfte 1980 kam in Oberstufenkursen der Schule das Gespräch wieder einmal auf meine bisherigen Auslandsfahrten nach Algerien – mit der Universität –, nach Iran – für mein Staatsexamen – und noch einmal nach Iran kurz nach Beginn meiner Lehrertätigkeit an der Bismarckschule mit Schülern der Oberstufe. Das Thema Nordafrika wurde dann auch im Erdkunde- und Gemeinschaftskundeunterricht angesprochen und kristallisierte sich nach und nach zum Plan, wieder eine Reise mit Schülerinnen und Schülern in den Maghreb anzubieten.

Schon bald fand sich eine Gruppe von neun Schülern und einer Schülerin zusammen, die ernsthaft an die Vorbereitungen gingen. Vieles blieb aber noch lange unklar, bis hin zur geplanten Route, da wir kaum sichere Auskünfte über Schifffahrtsrouten nach Nordafrika auftreiben konnten. Schnell war klar, dass die Verbbindung von Marseille nach Algier zwar möglich, doch von den Terminen her ungünstig war. Wir nahmen sie dann aber auf unserer Rückfahrt. Von Séte in Südfrankreich und von Alicante in Spanien waren – so wurde es uns dann auch an Ort und Stelle bestätigt – die Schiffsverbindungen nach Algerien eingestellt. So planten wir die Überfahrt von Algeciras nach Marokko. Dies hatte sich nachher auch als günstig bewährt. (Foto Reiseroute.)

Dann ging es um die Fahrzeuge (H H-987. H X-3076). Wir erwarben unheimlich billige alte VW-Busse, d.h. das eine Fahrzeug war zunächst ein geschlossener Kastenwagen, der von Bekannten mit Fenstern versehen wurde. Dass diese eigentlich für VW-Busse gar nicht zugelassen waren, bemerkte die Zulassungsstelle dann nicht. Aber der Lärm war zu hoch – das Fahrzeug war zunächst als LKW zugelassen. Mit einem Auskleben mit Teppichfliesen wurde das Problem behoben und von der Zulassungsstelle mit etwas Bedenken akzeptiert. Auf ein extra Lärmgutachten verzichtete man in Hinblick auf unseren Plan, dass wir mit Beginn der Reise ja nach einem Tag schon Deutschland verlassen würden.

Mit dem neuen Jahr wurden dann auch die offiziellen Fragen akut: Beschaffung der Visa für Algerien, Kalkulation der erwarteten Kosten und Zusammenlegen der Gelder. Alles haben wir dann auch zu unserer Zufriedenheit erledigt. In mehreren Gruppentreffen, z.T. in der Schule, zum anderen Teil bei mir zu Hause wurde dann auch die inhaltliche Vorbereitung intensiviert, indem Informationen über die zu besuchenden Orte gesammelt, touristische Highlights erkundet und möglich alternative Routen diskutiert wurden, denn die zur Verfügung stehende Zeit war – gebunden an die Ferientermine – doch äußerst knapp bemessen.

Doch konnten wir dann schließlich doch ziemlich das Maximum erreichen, was wir geplant hatten: die Durchquerung des Maghrebs in West – Ost – Richtung und die Rückkehr von Tunesien nach Algier mit der Schiffspassage auf der Liberté nach Marseilles.

Hinfahrt durch Frankreich und Spanien

Fr., 03.07.1981. Abfahrt morgens gegen acht Uhr in Laatzen. (Foto Abfahrt) Auf der Autobahn Richtung Köln-Aachen. Keine Probleme, nur „zieht“ der Wagen nicht zufrieden stellend an Steigungen. Ich fahre im „Kastenwagen“ mit Joachim Dallwig, Jürgen Asche, Ulf Riechers und Hans-Jürgen Arndt; die übrigen Teilnehmer – Michael Rietzel, Sascha Eicke, Regina Dudek, Bernd Lange-Cordes, Klaus Papmeyer und Berthold Bürger – fahren im „Bus“. Mehrfache Rast und Fahrerwechsel. Fahrt durch Belgien und Luxemburg auf Nationalstraßen. (Foto Luxemburg.) Die Durchquerung von Luxemburg gestaltet sich durch kilometerlange Staus schwieriger und zeitraubender als eingeplant, so dass wir an diesem Tag nur bis Nancy kamen. Camping im Südwesten der Stadt. (Foto Stau, Foto Campingplatz).

Sa., 04.07.1981. Morgens in Nancy Tanken, auf dem Campingplatz Einkaufen von Campinggas (unsere Flaschen waren merkwürdigerweise leer!) und Brot. Auf der Weiterfahrt Schwierigkeiten mit der Kuppelung beim Kastenwagen. Durch Verstellen des Kuppelungszuges durch Sascha konnte der Schaden behoben werden. (Foto Reparatur, Reparatur unter dem Wagen.)

Das war etwas schwierig, da wir den Wagen auf einer Waldlichtung bei Thionville mit Baumstämmen notdürftig aufbocken mussten, damit Sascha von der Unterseite an den Kuppelungszug heran kommen konnte.

Aber dann ging es flott weiter. Von Dijon nach Lyon fuhren wir auf der Autobahn. Die Campingplätze um Lyon waren uns zu teuer, so dass wir trotz der vorgerückten Zeit gegen halb sieben noch etwas weiter fuhren bis kurz vor Tain-l’Hermitage.

»Tain-l’Hermitage, vor 1920 Tain, ist eine französische Stadt mit 5883 Einwohnern (Stand 1. Januar 2009) im Département Drôme (Region Rhône-Alpes), etwa 80 Kilometer südlich von Lyon an der Rhône gelegen. Der Fluss wird hier von der berühmten Brücke Passerelle Marc Seguin überspannt, die Tain-l’Hermitage mit dem gegenüberliegenden Tournon-sur-Rhône verbindet. Große Bedeutung hat der Weinbau – die Stadt schmückt sich mit dem Namen des berühmten Weinberges Hermitage. Tain-l’Hermitage ist Sitz einer Winzergenossenschaft und mehrerer großer Handelshäuser. Neben dem Hermitage werden auch Crozes-Hermitage und Saint-Joseph erzeugt. Jährliche Weinmesse im Monat Februar. Zentrum des Obstanbaus im Rhônetal. Schokoladenindustrie (Valrhona). Tain-l’Hermitage liegt an der Autobahn A7 zwischen Lyon und Marseille mit einer eigenen Ausfahrt und an der Nationalstraße RN7. Der Ort verfügt über einen Bahnhof an der Bahnstrecke Paris–Marseille sowie eine Anlegestelle der Passagierschifffahrt.« [Wikipedia.]

Wir verbrachten eine ungestörte Nacht auf einem ruhigen, abgelegenen Campingplatz.

So., 05.07.1981. Morgens in der Frühe frisches Brot, Butter und Konfitüre. Dann – da der Sonntagsverkehr minimal ist – auf der Route Nationale nach Süden. Wir sehen die typischen Rhônetal-Landschaften mit viel Weinbau. Bezeichnend sind die die Windschutzhecken gegen den „Mistral“, einem kalten, oft starken Fallwind (Nordföhn) aus nordwestlicher Richtung, der sich im unteren Rhônetal (und darüber hinaus) bemerkbar macht. Bei Orange fahren wir dann auf kleineren Nebenstraßen durch ein landschaftlich reizvolles Gebiet nach Nîmes und dann auf der Route National über Béziers und Perpignan in Richtung spanische Grenze.

An der Grenze kamen wir in ein gehöriges Gewitter mit Regenschauern, die wir vor dem Campen noch durchqueren mussten. (Foto Weiterfahrt im Regen an der spanischen Grenze.) Über Gerona ging es an die Costa Brava, wo der Camping-Rummel schon Touristen-Ghettos schafft. Die Costa Brava (Katalanisch und Spanisch für „wilde Küste“) ist der nordöstlichste Küstenstreifen an der spanischen Mittelmeerküste in der autonomen Region Katalonien. (Foto Arenys de Mar (bei Gerona).) Im Camping „Dorada“ in Malgrat de Mar, einer katalanische Stadt in der Provinz Barcelona im Nordosten Spaniens. Sie liegt in der Comarca Maresme. Zwar sind Campingplätze in Spanien viel zu teuer, aber das „wilde“ Campen – sei es auch mit einem Nickerchen auf dem Parkplatz – ist strikt untersagt und wird von der Guardia Civil (Gendarmerie oder „Bürgergarde“) streng überwacht. An einem der nächsten Tage machten wir abends auf einem LKW-Parkplatz kurze Rast und wurden sofort von der Polizei angesprochen, die uns beobachte, bis wir weiter fuhren zum nächsten Campingplatz an der Küste.

Mo., 06.07.1981. Nach Barcelona fuhren wir über die Küstenstrecke, nachdem wir auf dem Campingplatz kein Frühstück bekommen konnten und dies in Barcelona nachholen wollten. Auf der Küstenstraße kamen wir jedoch in einen langen Stau, so dass wir erst gegen zwölf Uhr in Barcelona ankamen. Am Hauptpostamt haben wir Filme zum Entwickeln und Grußpostkarten eingesteckt. (Fotos Barcelona. Café-Szene. Barcelona, Altstadt.)

Dann ging es in Gruppen auf Streifzüge durch die Stadt, die eigentlich einen längeren Aufenthalt lohnen würde. Ich war im Catalunya-Park und auf der Hafenpromenade. Wir besorgten uns Brot und andere Lebensmittel.

Doch dann entdeckten wir die unangenehme Überraschung des Tages. Bei unserem Kastenwagen war das linke vordere Dreiecksfenster eingeschlagen und der Wagen aufgebrochen, obwohl wir ihn auf der Uferpromenade genau gegenüber einem bewachten Polizeirevier geparkt hatten. Neben anderem war meine Fototasche mit der Spiegelreflexkamera und mein Cassetten Rekorder gestohlen worden. Das brachte den ganzen Zeitplan durcheinander: Zuerst zur Polizei, die sich als unzuständig erklärte; dann zum deutschen Konsulat, wo uns schon der Pförtner einen Zettel mit Übersetzungen für die Diebstahlsanzeige überreichte – wir waren schließlich nicht die Einzigen und Ersten… (Foto Barcelona. Einbruch in unseren Wagen.)

Schließlich ging es zum Kommissariat, wo die Anzeige aufgenommen und sofort in einen schon prall vollen Ordner im Regal abgeheftet wurde. Das etwas unternommen würde, war nicht zu erwarten. Das war um achtzehn Uhr, so dass der halbe Tag verloren war.

Doch ließen wir es uns nicht nehmen, doch noch wie geplant die Antonio-Gaudi-Kathedrale „Sagrada Família“ zu besuchen. Dieser bis heute noch nicht fertig gestellte Sakralbau ist das Hauptwerk des katalanischen Architekten Antonio Gaudi. Antoni Gaudí i Cornet (* 25. Juni 1852 in Reus, möglicherweise in Riudoms; † 10. Juni 1926 in Barcelona), war ein katalanischer Architekt und herausragender Vertreter des Modernisme Català. (Fotos Barcelona. Antonio-Gaudi-Kathedrale „Sagrada Família“„Sagrada Família“ Portal. „Sagrada Família“ Modell„Sagrada Família“ Ausstellungsraum.)

»Die Sagrada Família (vollständige katalanische Bezeichnung: Temple Expiatori de la Sagrada Família; Deutsch Sühnekirche der Heiligen Familie) ist eine römisch-katholische Basilika in Barcelona. Der Bau der von Antoni Gaudí im neukatalanischen Stil entworfenen Kirche ist bis heute unvollendet. Er wurde 1882 begonnen und soll nach jüngsten Prognosen 2026 abgeschlossen sein. Im Jahr 2005 nahm die UNESCO die Geburtsfassade, die Apsisfassade und die Krypta der Sagrada Família als Erweiterung des Weltkulturerbedenkmals Arbeiten von Antoni Gaudí in ihre Liste des Weltkulturerbes auf. Am 7. November 2010 weihte Papst Benedikt XVI. die Kirche und erhob sie zugleich zur päpstlichen Basilica minor. Das Gotteshaus liegt nördlich der Altstadt im Stadtteil Eixample. In diesem schachbrettartig angelegten Viertel nimmt sie zusammen mit der Baustelle einen ganzen, 17.822,25 Quadratmeter großen Straßenblock ein. Dieser grenzt im Süden an die Carrer de Mallorca, im Norden an die Carrer de Provença, im Westen an die Carrer de Sardenya und im Osten an die Carrer de Marina. « [Wikipedia.] (Foto Barcelona, Blick von der „Sagrada Família“ auf die Stadt.)

Es ist ein äußerst beeindruckender Bau, ein Jahrhundertwerk. Die Haupthalle steht zum Zeitpunkt unseres Besuches noch überhaupt nicht, aber die Türme sind schon heute ein Wahrzeichen Barcelonas. Wir haben noch gut zwei Stunden bei diesem Bauwerk verbracht – in zwei Gruppen, denn die Wagen lassen wir nicht mehr unbeaufsichtigt stehen.

Aber die Fahrt aus Barcelona heraus zur Küstenstraße in Richtung Tarragona gestaltete sich überraschend dramatisch. In Martorell in der Comarca Baix Llobregat der autonomen Region Katalonien kamen wir auf die falsche Autobahnabzweigung, die als Nationalstraße ins Landesinnere führt. Die erste Ausfahrt war durch einen „endlosen“ Stau hoffnungslos blockiert, so dass wir zunächst einfach weiter fuhren. Wir stellten fest, dass einmal im Binnenland keine Campingplätze existierten und dass zum anderen die nächste Verbindung zur Küste zusätzliche siebzig Kilometer ausmachte. Trotzdem erreichten wir hier kurz vor Mitternacht die Küstenstraße und waren um 23:55 Uhr auf einem Campingplatz. Sascha war zwar nicht ganz einverstanden und wäre lieber die Nacht durchgefahren, doch das konnte ich aus Sicherheitsgründen nicht zulassen. Schon die mehrfache Passfahrt auf Nebenstraßen war nicht unbedenklich, doch da Joachim und Regina routinierte Fahrer sind, war dieses Risiko nicht allzu groß. Wir übernachteten auf dem Camping El Cantaro Español in Villanueva y Geltru (Barcelona).

Di., 07.07.1981. Problemloser „Langstreckentag“ auf der Autopista von Tarragona bis kurz vor Alicante. Übernachtung auf dem Campingplatz Muchavista am Playa de San Juan in Campello (Alicante).

Mi., 08.07.1981. Den Vormittag verbrachten wir in Alicante auf der Suche nach einer Schiffspassage nach Algerien – eine der von uns ins Auge gefassten Möglichkeiten, nach Nordafrika zu gelangen. Doch die Autofähre nach Oran wurde schon vor fünf Monaten eingestellt; in einem weiteren Reisebüro erfuhren wir, dass zwischen Spanien und Algerien jeder regelmäßige Verkehr eingestellt worden ist – ja, die „große Politik“!

Nach dieser Enttäuschung fand erste einmal eine ausgiebige Diskussion über unsere weiteren Pläne statt. Wir entschlossen uns, doch weiter nach Marokko zu fahren. Aber vorher stand dann noch der Besuch der Alhambra in Granada auf dem Programm. Wir fuhren dann auf erstaunlich gut ausgebauten Straßen in Richtung Granada durch die Huerta-Landschaften, die eine immer größere Bedeutung für die Fruchtbaumkulturen, insbesondere die Orangenproduktion, von Spanien gewonnen hatten. „Huerta“ kommt vom lateinischen hortus (= Garten). Auf der ganzen Strecke fuhren wir durch diese terrassierten, bewässerten Fruchtbaumkulturen in ihrer schönsten, andalusischen Form. In Granada erreichten wir dann einen Campingplatz und konnten die grandiose Glacis-Landschaft von Guadix bewundern, einer Stadt in der fruchtbaren Hochebene im Nordosten der Provinz Granada in 915 m Höhe am Ufer des Río Guadix gelegen. Der Ort ist vor allem bekannt für seine Höhlenviertel: In das weiche Kalktuff- und Lössgestein sind ca. 2000 Wohnhöhlen gegraben, in denen je nach Quelle 4000 bis 10.000 Menschen leben (nach Wikipedia). (Foto Südspanien.)

Do., 09.07.1081. Vormittags fand dann die ausgiebige Besichtigung der Alhambra und des Generalife statt.

(Fotos Granada, Alhambra. Granada, Alhambra-2. Granada, Alhambra-3.)

Die Alhambra (»Die Herkunft des Wortes Alhambra ist strittig. So ist unklar, ob der Name vom Namen eines der Baumeister oder vom arabischen qasr al-hamra' / ‏قصر الحمراء ‎ / qaṣr al-ḥamrāʾ /‚Die Rote (Festung)‘, zurückzuführen auf die rötliche Färbung der Außenmauern, herrührt« Wikipedia) ist eines der imposantesten arabisch-muslimischen Gebäude auf europäischem Boden. Granada war neben Cordoba das Zentrum des arabisch-islamischen Kalifats und später Emirats auf der spanischen Halbinsel, in dem sich eine hohe Kultur, die dem christlichen Westen zivilisatorisch weit überlegen war, herausbildete.[1] Aber nach siebenhundert Jahren ging diese islamische Welt unter den Angriffen der „katholischen Könige“ Kastiliens zugrunde. Muhammad XII. Abu Abdallah (Boabdil) war der letzte islamisch-berberische Emir von Granada und wurde 1491 im Rahmen der Reconquista von der kastilischen Königin Isabella von Kastilien besiegt. Dieses Ereignis thematisiert der Roman „Das Mauren letzter Seufzer“ von Salman Rushdie.[2] Über das Motiv des „letzten Seufzers“, bevor er sich, auf dem Turm der Alhambra stehend, der christlichen Übermacht geschlagen gibt, schreibt der Roman: »Suspiro, ergo sum. Ich seufze, daher bin ich [...] Am Anfang und gegen das Ende zu war und ist die Lunge: göttliche Inspiration, Babys erster Schrei, Sprache als geformte Luft, Stakkatostöße des Lachens, erhabene Weisen des Gesangs, glückliches Stöhnen des Liebenden, unglückliches Klagen des Liebenden, Krächzen des alten Weibes, Pesthauch der Krankheit, ersterbendes Flüstern, und danach die luftlose, lautlose Leere.« (Seite 82)

Heute ist die Alhambra eines der meist besuchten touristischen Ziele in Spanien; lange Schlangen stauen sich trotz erwarteter Voranmeldung vor den Eingangstoren. Wir hatten noch Glück, ohne viele Verzögerungen in den Palast eintreten zu können. Der Gang durch die Gärten und Höfe lässt das Gefühl für die Zeit zurücktreten und versetzt den Besucher in einen Rausch von Schönheit und Kontemplation, den auch die stilbrüchige christliche Kirche, die die Spanier nach der Eroberung in den Palast eingebaut hatten, nicht wirklich stören kann. Auf dem Hof werden wir von Roma-Frauen in Volkstracht angesprochen, die uns erst eine Rose verehrten und uns dann die Zukunft aus der Hand lesen wollten: Mir wurde viel Glück in der Liebe vorausgesagt – doch als ich dafür nicht auch noch zahlen wollte, wurde mir die Rose wieder abgenommen und die Wahrsage verwandelte sich in bittere Flüche. Aber in der Erinnerung an die Alhambra blieben die schönen Träume zurück, in denen ich Herr des Schlosses wurde, das mir und meinen Ansprüchen an Lebenskultur und Wohnumwelt so angemessen erschien… Der Generalife ist ein weiterer Höhepunkt jedes Besuchs in Granada. Der Sommerpalast der Nasriden-Sultane in der Nähe der Alhambra liegt in einer wunderschönen Garten- und Parklandschaft, die zu den Schmuckstücken des arabischen Erbes in Spanien gehört und von der UNESCO zum „Weltkulturerbe“ benannt wurde.

Abschied von Spanien mit Schrecken – und Überfahrt nach Ceuta

Wir fuhren anschließend weiter bis Torremolinos an der Costa del Sol, um auf dem Camping „Calazul“ zu übernachten. Auf der Küstenstraße haben wir die „Qual der Wahl“, um einen passenden Campingplatz zu finden. Auf der linken, dem Meer zugewandten Seite reihen sich einige „schicke“ Plätze, die sichtlich überlaufen sind und Zeltplätze unter Bäumen anbieten – zu recht hohen Preisen. Auf der rechten, Land-Seite finden wir einen größeren Campingplatz, der noch viel Platz bot zu erschwinglichen Preisen. Doch unsere Wahl war, wie wir am nächsten Morgen sehen, nicht besonders glücklich…

Fr., 10.07.1981. Morgens auf dem Campingplatz der große Schrecken: Unser Zelt ist am Kopfende (unmittelbar über meinem Kopf während ich schlief) aufgeschlitzt worden. Noch jetzt befällt mich ein Grauen, wenn ich daran denke, dass ein äußerst scharfes Messer dicht über meinem Kopf tätig war – was wäre gewesen, wenn ich aufgewacht wäre? … Gestohlen wurden – aus der Ritze zwischen unseren Luftmatratzen – meine Medikamententasche mit Portemonnaie und Schlüsseln, sowie mein schwarzes Jackett mit meiner Brieftasche und allen Dokumenten. (Foto Einbruch in ein Zelt.)

Zuerst sah es so aus, als ob die Reise abgebrochen werden müsste. Wir sagten dem Platzwart Bescheid und ließen die Polizei kommen. Zwischendurch gab es noch etwas Ärger, weil Joachim ohne Anmeldung sein kleines Zelt zusätzlich aufgebaut hatte – das war schlicht Gedankenlosigkeit! Einige gute Ausreden – Wind und ein kaputtes großes Zelt – mussten gefunden werden. Beim Warten auf die Polizei machten wir dann seltsame Entdeckungen: Unter Joachims kleinem Zelt fanden sich beim Abbau alle Medikamente und Dokumente und sogar die Eurocheques wieder, die der Täter dort beiseitegeschoben hatte. Etwas abseits wurde dann auch das Münzgeld wiedergefunden. Es fehlten schließlich nur noch ca. 70 DM in Peseten und France, sowie mein Jackett und mein goldener Ehering, der bei den Medikamenten lag. Nach der Reise habe ich dann in Hannover ein Duplikat davon anfertigen lassen – schade war es aber doch aus emotionalen Gründen. Etwas merkwürdig war die Aussage des Platzwartes, dass in der Nähe unserer Zelte ein Wohnwagen mit Interpol-Polizisten gestanden hätte; er verdächtigte unterschwellig wohl unsere Reiseteilnehmer, selbst hinter dem Diebstahl gestanden zu haben (was den Verlust des Jacketts erstaunlich machen würde).

Der Vormittag geht aber doch noch drauf, ein Protokoll bei der Guardia Civil aufsetzen zu lassen. Der Sohn des Campingplatzbetreibers begleitete uns als Übersetzer aus dem Französischen, in der Hans-Jürgen die Aussage vortrug. Bevor die Guardia Civil um neun Uhr öffnete, tranken wir zu dritt noch einen Morgenkaffee, bei dem wir uns über unsere weitere Reiseplanung unterhielten. Die Anzeige bei der Guardia Civil blieb natürlich genauso erfolglos wie die Aussage bei der Gendarmerie in Barcelona.

Anschließend machten wir uns auf den Weg auf der Küstenstraße nach Algeciras, von wo wir die Überfahrt nach Afrika starten wollten. Die Küstenlandschaft war beeindruckend; weiter im Gebirge sahen wir aber auch die Rauchwolken von Waldbränden, die bei dem heißen und trockenen Wetter immer wieder auftreten.

Marokko von Spanien aus betrachtet [Fotograf: Cubanito. Wikipedia].

In Algeciras nahmen wir dann eine Fähre nach Ceuta. Diese spanische Enklave in Marokko ist völkerrechtlich umstritten – wie auf der anderen Seite die britische Enklave Gibraltar in Spanien. Die Bergspitze von Gibraltar konnten wir von Bord des Schiffes aus gut sehen. Zu der Zeit, als wir dort waren, gab es noch keine Straßenverbindung von Spanien nach Gibraltar; die völkerrechtliche Situation war völlig umstritten, so dass wir auch keine Überfahrt von Gibraltar aus nehmen konnten, die uns eventuell direkt nach Tanger geführt hätte. (Fotos Algeciras, Hafen, Auffahrt auf die Afrika-Fähre.)

Zu Ceuta schreibt Wikipedia: »Ceuta [ˈθewta] (arabisch ‏ سبتة‎, DMG Sabta) ist eine spanische Stadt an der nordafrikanischen Küste der Straße von Gibraltar. Die auf einer Halbinsel gelegene Exklave ist ein 18,5 Quadratkilometer großes Gebiet, das durch eine Landgrenze mit Marokko verbunden ist und 21 Kilometer von der Iberischen Halbinsel entfernt liegt. Ceuta war seit dem 15. Jahrhundert zunächst in portugiesischem und später in spanischem Besitz; auch nach der Unabhängigkeit Marokkos 1956 blieben Ceuta und das ebenfalls in Nordafrika gelegene Melilla spanisch. Von marokkanischer Seite wird der Gebietsanspruch auf die beiden Städte grundsätzlich betont, konkrete Schritte zu dessen Durchsetzung werden aber nicht unternommen. Seit 1995 verfügen Ceuta und Melilla über den Status einer „autonomen Stadt“ (ciudad autónoma), der ihnen einige der Befugnisse der autonomen Gemeinschaften verleiht. Ceuta ist integraler Bestandteil des spanischen Staates, der Europäischen Union und der NATO, verfügt aber über einige Sonderrechte. Insbesondere gehört es gemäß Artikel 3 Absatz 1 Zollkodex nicht zum Zollgebiet der Europäischen Union. (2011).« … »Ein Militäraufstand nationalistischer Kräfte am 17. Juli 1936 in Melilla griff noch am selben Tag auf die ebenfalls in Spanisch-Marokko gelegenen Städte Tetuan und Ceuta über. Franco traf am 18. Juli mit einem Privatflugzeug aus Teneriffa kommend in Marokko ein und übernahm das Kommando über das Afrikaheer. Die Revolte griff sofort auf das Mutterland über, jedoch nicht auf die Großstädte, so dass die Erhebung der antirepublikanischen Streitkräfte zum lang andauernden Spanischen Bürgerkrieg führte. «

Die Überfahrt dauerte nicht lange. Wir konnten uns auf dem Vorderdeck sonnen und das Näherrücken des afrikanischen Kontinents bewundern. (Fotos Blick von der Fähre auf Gibraltar, Auf der Fähre: "Donna lasziva", Blick von der Fähre nach Ceuta, Hafen von Ceuta (span. Enklave).)

Das Ausschiffen ging flott vonstatten, da hier keine Grenz- und Zollkontrollen stattfanden. Diese folgten dann erst an der Grenze zu Marokko, wo wir kurz danach eintrafen. (Foto Abfahrt von der Fähre im Hafen von Ceuta.)

Eine kleine Sorge, die der Weltpolitik geschuldet war, hatten wir doch. Marokko und Algerien befanden sich offiziell im Kriegszustand. Dabei ist eine Kuriosität bemerkenswert. Marokko erklärte Algerien den Krieg. Es ging offiziell um die Herrschaft über die „Spanische Sahara“ – mit ihren großen Phosphatvorkommen –, bei der die Unabhängigkeitsbewegung der Sahrauis einen unabhängigen Staat fordert und dabei von Algerien unterstützt wird. Wikipedia erläutert das – in der Fassung von 2011 – folgendermaßen:

»Die Westsahara (spanisch Sahara Occidental) ist ein Territorium an der Atlantikküste Nordwestafrikas, das nach dem Abzug der ehemaligen Kolonialmacht Spanien von Marokko beansprucht und größtenteils annektiert wurde. Marokko betrachtet das in vorkolonialer Zeit in einem losen Abhängigkeitsverhältnis zu ihm stehende Gebiet als Teil seines Territoriums. Die bereits zu spanischen Kolonialzeiten entstandene, ursprünglich kommunistisch orientierte „Befreiungsfront“ der Sahrauis (der Bevölkerung der Westsahara), die Frente Polisario, kämpft für einen unabhängigen Staat, die Demokratische Arabische Republik Sahara, auf dem gesamten Territorium von Westsahara. Seit dem Waffenstillstand von 1991 kontrolliert die Frente Polisario einen Streifen im Osten der Westsahara. «

Doch dürfte der eigentliche Grund für die marokkanische Kriegserklärung die Spekulation auf die Eroberung der Bergbaugebiete um Bechar (Béchar oder Colomb-Bechar) im Grenzgebiet zu Marokko liegen, auf die Marokko Ansprüche angemeldet hatte. Marokko glaubte, so kurz nach dem Algerienkrieg, militärische Trümpfe ausspielen zu können. Doch es kam anders: Algerien wies die Kriegserklärung zurück und bestand darauf, sich nicht im Kriegszustand zu befinden – und Marokko wagte keinen einseitigen Angriff, sicher auch aus weltpolitischen Befürchtungen, aber auch in der richtigen Einschätzung der militärischen Stärke Algeriens.

Wir planen daher, bei unserem bevorstehendem Besuch in Rabat die deutsche Botschaft aufzusuchen, um uns aktuelle Informationen über die Risiken eines Grenzübertritts nach Algerien zu beschaffen – wir hatten uns dafür auch schriftlich angemeldet.

Doch zurück zum Grenzübertritt. Wir waren etwas unsicher, als wir unsere beiden Wagen am Rande der Zufahrt zum Grenzposten parkten, um in das Büro zur Abfertigung und Kontrolle zu gehen. Dabei wurden wir von einem Araber – in französischer Sprache – angesprochen, der uns anbot, die Abfertigung für uns zu übernehmen – gegen eine kleine Gebühr. Wir waren zwar etwas misstrauisch bei der in einem blau-grauen traditionellen Burnus gekleideten Person, die um unsere Pässe bat, aber in Anbetracht dessen, dass wir algerische Visa eingestempelt bekommen hatten, gingen wir das Risiko ein. Durch die Tür beobachteten wir dann die Abfertigung – vermutlich indem ein Teil unserer „Gebühr“ als Bestechung an den Beamten weiter gegeben worden war – und sahen ein promptes Abstempeln unserer Dokumente. Es war also alles nach Plan gelaufen und auch die Zollabfertigung war nur noch eine pro forma Sache. Aber der Blick in  unsere Pässe offenbarte uns eine kleine Boshaftigkeit: Die Einreisestempel waren durchweg quer über die algerischen Visa gestempelt (die wohl für die Grenzbeamten aus politischen Gründen „unsichtbar“ waren). Daher die neue Befürchtung: Wie würde die algerische Grenzkontrolle reagieren? (Zur Route vgl. Karte Nordmarokko.)

Dann waren wir in Marokko. (Foto Hinter der Grenze von Ceuta.) Durch das Hügelland des Küstenatlas fuhren wir auf durchschnittlich ausgebauten Straßen in Richtung Tanger. Die Landschaft war grün und idyllisch und wurde von einer Reihe von Dörfern durchsetzt. (Fotos Hügelland des Küstenatlas, erste Rast. Blick auf Gibraltar. Hügelland des Küstenatlas, Talbrücke. Hügelland des Küstenatlas, Wälder. Hügelland des Küstenatlas, Kulturlandschaft. Hügelland des Küstenatlas, Straße von Gibraltar. Hügelland des Küstenatlas, Streusiedlung. Hügelland des Küstenatlas, Trockenhang. Sonnenuntergang am Atlantik. Sonnenuntergang am Atlantik.)

Erst dicht vor Tanger kamen wir in dichter besiedelte Gebiete mit zunehmend städtischem Verkehr. Die Stadt Tanger beeindruckte uns zunächst nicht allzu sehr, da wir erst mit Einbruch der Dunkelheit eintrafen und uns den Weg zum Campingplatz, dessen Adresse wir schon vorher erkundet hatten, suchen mussten. Der Campingplatz mitten im dicht besiedelten städtischen Gebiet war idyllisch angelegt in Art eines dichten Parks mit vielen Bäumen und Gebüsch-Hecken, umgeben von einer Mauer zur Straße hin. Hier erfrischten wir uns, bauten unsere Zelte auf und begaben uns zur Nachtruhe.

Doch für mich war der „Tag der Schrecken“ noch nicht vorbei, zu sehr hatten mich die Ereignisse des Tages aufgewühlt und nervös gemacht. Die Nacht wurde bei  mir bestimmt durch Albträume und erschreckende Empfindungen im Halbschlaf. So bildete ich mir schließlich ein, dass das Zelt in immer größerer Geschwindigkeit voran fuhr und die Bremse versagte, die ich mit dem rechten Fuß immer energischer trat. Dabei versuchte ich mich festzuhalten und habe wohl ohne es zu merken mit der Hand meine Nachbarin geschlagen, die mich ganz entsetzt aufweckte und bei mir auf völlige Orientierungslosigkeit stieß. Aber nachdem ich wach war – und mich entschuldigt hatte – bemerkte ich, dass meine Albträume und Unruhe auch einen äußeren Auslöser gehabt haben konnten. Auf der nachtdunklen Straße vor dem Campingplatz war entsetzlicher Lärm und lautes Geschrei zu hören und die blauen Blinklichter der Polizei leuchteten bis in unser Zelt. Es hatte wohl einen Unfall gegeben…

Der weitere Verlauf der Nacht war für mich unruhig und nicht richtig erholsam. Relativ früh standen wir auf zum Frühstück und zur Weiterfahrt.

Marokkos Norden: Von Tanger nach Rabat

Sa., 11.07.1981. Zunächst machten wir eine kleine Stadtrundfahrt durch Tanger und rekapitulierten die wechselvolle Geschichte der Stadt, die lange Zeit noch europäische Kolonie war. »Gegründet wurde Tanger im 5. Jahrhundert v. Chr. von Karthagern. Später geriet die Siedlung Tingis unter römische (siehe auch: Mauretania Tingitana) bzw. byzantinische Herrschaft, bevor sie 702 von den Arabern erobert wurde. 1471 hielten die Portugiesen Einzug, denen 1580 die Spanier und 1661 die Briten folgten – Katharina von Braganza brachte es als Mitgift in die Ehe mit Charles II. ein. Doch schon kurz darauf, 1684, wurde Tanger an Marokko unter den Alawiden übergeben. … 1912 verlor Marokko seine Unabhängigkeit und wurde faktisch zwischen Frankreich und Spanien geteilt, wobei letzteres gleich ganz Nordmarokko und einen Teil der Atlantikküste im Süden besetzte. Der Status von Tanger blieb ungeklärt. 1923 wurde die Stadt und ein kleines Gebiet um sie herum zur Internationalen Zone von Tanger erklärt und von acht Mächten verwaltet (Frankreich, Spanien, Großbritannien, Niederlande, Belgien, Portugal, Schweden und seit 1928 Italien). Der Hafen von Tanger war zollfrei, der Schmuggel wurde zum einträglichen Geschäft. … Am 29. Oktober 1956 jedoch traten die Protokolle von Tanger in Kraft, die die Stadt mit dem wenige Monate zuvor wieder unabhängig gewordenen Staat Marokko wiedervereinigten und ihre Freizügigkeit beendeten. 1956 begann auch der Exodus der bis zu 40.000 Juden oder Hebräer, wie sie sich nannten, aus Tanger. « [Wikipedia.][3]

Neben einem Blick in die Altstadt, die Kasba mit ihren Souks, sahen wir die Großen Moschee (Jemaa Kebira), (Foto Tanger, Große Moschee) die unter Moulay Ismail im 17. Jh. gebaut wurde. In einem eigenen Bezirk liegt die Königsresidenz bzw. der Sitz des Sultans (Dar el Makhzen) im Kasbahbereich, im Norden der Medina. Der Sultanspalast wurde während der Zeit Moulay Ismails im maurischen Stil erbaut und im frühen 19. Jahrhundert erweitert. Schon von weitem erkennbar ist das achteckige Minarett der Palastmoschee. Aber es blieb uns nicht mehr viel Zeit, so dass wir durch das Palastviertel nur durchfahren und die prachtvollen Fassaden, Tore und Blicke in die Gärten bewundern können. (Foto Tanger, Straßenszene.)

Wir besuchen dann noch die Höhlen des Herkules, die sich nur fünf Kilometer vom wunderschönen Kap Espartel und zwanzig Kilometer von Tanger befinden. Diese Höhlen sind ein Produkt des Wellengangs des Meeres und haben eine reiche Mythologie: Es wird erzählt, dass diese Höhlen der Aufenthaltsort von Herkules waren, als er Europa von Afrika trennte. Es ist schon beeindruckend in tiefe Löcher im Felsen zu blicken, auf derem Grund die Meeresbrandung rauscht. Diese Klippen ragen weit in das Meer hinaus und lassen einen vorsichtig gehen, um nicht abzugleiten und viele Meter tief in die Brandung zu stürzen. Die mythische Bedeutung hat sicher ihre Parallelen zu den „Säulen des Herkules“, die einer verbreiteten Meinung nach bei Gibraltar zu suchen sind. Das Wappen von Spanien wird im Übrigen von den beiden Säulen des Herkules eingerahmt. (Vier Fotos Atlantikküste, Grotten des Herkules.)

Wir fahren dann weiter durch die Küstenebene in Richtung Süden nach Rabat, der Hauptstadt von Marokko. (Foto Küstenstraße, Verkaufsstand. Küstenstraße, Kinder. Küstenstraße, Trockenlandschaft.)

In Ksar-el-Kebir können wir in der Kürze der Zeit noch einen geschichtsträchtigen Ort ansehen.

»Ksar-el-Kebir (arabisch ‏القصر الكبير‎, DMG al-Qaṣr al-Kabīr, Spanisch: Alcazarquivir, portugiesisch: Alcácer-Quibir) ist eine Stadt in der Provinz Larache in der Region Tanger-Tétouan im Norden von Marokko. … 720 wird der Ort als Karawanserei, Ketama Souk der Routen Al Andalus und Fez, erwähnt. Im 12. Jahrhundert wurde die Stadt unter der Herrschaft der Almohaden mit Stadtmauern befestigt. Ksar-el-Kebir bedeutete „große Festung“. 1492 flohen Muslime und Juden vor der Reconquista der Spanier aus Al-Andalus teilweise nach dem damaligen Alcazarquivir und brachten ihre Kulturen mit. 1578 versuchten die Portugiesen, Marokko zu christianisieren. Die Mission scheiterte an Truppen unter Abu Marwan Abd al-Malik in der Schlacht von Alcazarquivir. Mulai Ismail ließ die Stadtmauern abtragen, nachdem ihn der örtliche Fürst verärgert hatte. Über Alcazarquivir herrschte die Familie Samia Rachidi.

Alcazarquivir Postkarte von 1900

Von 1911 bis 1956 gehörte Ksar-el-Kebir zum Protektorat Spanisch-Marokko. Ksar-el-Kebir war Garnisonsstadt des spanischen Besatzungsheers. Seit dem Abzug der spanischen Besatzer hat sich die Stadt als regionaler Marktplatz der landwirtschaftlich genutzten Umgebung des Loukkos-Gharb-Tales mit Markt am Sonntag entwickelt. Die Stadt liegt etwa halbwegs zwischen Larache an der Atlantikküste und Ouezzane, an der Bahnlinie Rabat–Fès–Tanger, etwa 32 km von Larache, etwa 160 km von Rabat, etwa 110 km von Tanger, etwa 178 km von Ceuta entfernt, 25 Meter über dem Meeresspiegel umgeben von Hügeln, im Tal des Flusses Loukkos, einem der ertragreichsten landwirtschaftlichen Gebiete Marokkos. Zwischen Ksar-el-Kebir und Ouezzane wird der Fluss Loukkos, der im Wad Majazin fließt, im Dahr al Khir gestaut.« [Wikipedia]

Auf unserer Weiterfahrt haben wir noch eine amüsante Begegnung. Auf der Straße, bei einem kurzen Halt sprach uns ein Einheimischer an, der mit ein paar Rindern unterwegs war. Wir kamen ins Klönen und er fragte uns aus nach unserem Woher und Wohin. Dabei sprach Ahmed, wie er sich vorstellte, mich als den „Papa“ meiner jugendlichen Mitreisenden an. Überraschend kam dann sein Vorschlag, ihm doch Regina zu verkaufen, gegen eine oder mehrere Kühe. Nun, sie war davon nicht ganz begeistert aber wir übrigen spekulierten doch schon einmal, wie wir die Kühe nach Hannover zurück bringen könnten und was wohl die Eltern von Regina dazu sagen würden, wenn wir ihnen statt ihrer Tochter eine Kuh mitbringen würden…

Obwohl aus dem Handel also nichts wurde, lud uns unser Freund zu einem kleinen Besuch bei Ihm zu Hause ein. Er hatte eine kleine Hütte in der Nähe, in der wir uns dann auf Sitzkissen platzierten. Er bewirtete uns mit Pfefferminztee in den kleinen arabischen Teegläsern. Aber am Ende kam doch noch sein Hintergedanke für die Einladung zum Vorschein: der Verkauf von kleinen Teppichen und kunsthandwerklichen Gegenständen. Viel ist er wohl nicht bei uns losgeworden; wir vertrösteten ihn auf einen späteren Zeitpunkt, wenn wir auf dem gleichen Wege zurückkommen würden (was natürlich nur eine Ausrede war). Nur Michael Rietzel „tauschte“ irgendetwas von unseren Vorräten gegen einen berberischen Umhang, den er in der Folge dann stolz trug. (Foto Küstenstraße, Besuch bei Ahmed.)

Wir übernachteten auf der Küstenebene vor Rabat, etwas außer Sichtweite der Straße und geschützt von einigen Büschen und Bäumen. Vor den Toren Rabats erblicken wir in der Bucht einen Hafen für kleine Fischerboote und einen Altkleider-Souk, den wir am nächsten Tag noch durchstöbern werden. (Foto Rabat, Boote in der Bucht. Rabat, Boote in der Bucht (2). Rabat, Altkleidersouk vor der Mauer.)

Casablanca und Rabat

So., 12.07.1981. Heute war Joachims Geburtstag und er bestimmte unser heutiges Programm. Sein Wunsch war es, einmal nach Casablanca zu kommen, um nach „Rick’s Café“ – aus dem Film „Casablanca“ mit den Hauptdarstellern Humphrey Bogart und insbesondere Ingrid Bergman, die man heute vor allem mit ihren Rollen in Casablanca verbindet, obwohl beide zu den erfolgreichsten Schauspielern ihrer Generation gehörten und davor und danach in zahlreichen großen Produktionen mitwirkten. Das American Film Institute wählte Casablanca 2002 zum besten US-Liebesfilm aller Zeiten und 2007 zum drittbesten US-Film aller Zeiten – zu suchen (der Film wurde übrigens in Hollywood gedreht!).

Die Straße von Rabat nach Casablanca ist autobahnähnlich ausgebaut, so dass wir sehr schnell unser Ziel erreichten. Doch mussten wir unsere Besichtigung vor allem in der Phantasie durchführen. Die Stadt selbst – gerade am Beginn einer extensiven Bauphase, in der sich der folgende wirtschaftliche Boom des Landes schon abzeichnete – war alles andere als traditionell und romantisch. Schmutzige und verwahrloste Ecken waren immer noch allzu häufig. Auf ihnen standen dann einige abgemagerte Pferde und Esel, die die noch immer häufigen Karren durch die Stadt zogen. Zum Hafen zog es uns nicht, der war wie alle anderen Industrie- und Gewerbegebiete. Auch die heutige Große Moschee, die Hassan II. bauen ließ und die zu den größten Moscheebauten der Welt zählt (2010), war noch nicht einmal in Planung. (Sieben Fotos von Casablanca.)

Ein traditionelleres Marokko hätten wir erfahren können, wenn wir weiter nach Marrakesch gefahren wären. Doch der Süden des Landes stand – auch aus Zeitgründen – nun einmal nicht auf unserem Programm. Damit kehrten wir recht bald wieder in Richtung Norden und Rabat zurück, um wieder an der Küstenstraße unsere Zelte aufzuschlagen. Abends saßen wir noch gemütlich vor unseren Zelten und feierten Joachims Geburtstag. (Fotos Bei Rabat, Camping am Strand.)

Mo., 13.07.1981. Das morgendliche Wecken nahm kuriose Züge an. Wir wachten auf, da wir vor unseren Zelten grunzende und tierische brüllende Stimmen hörten und dunkle Schatten vor unseren Zelten auftauchen. Vorsichtig den Reißverschluss beim Zelteingang geöffnet: der neugierige Kopf eines Rindes schaute herein. (Fotos Bei Rabat, Camping am Strand, Wecken.) Es dauerte dann doch einige Zeit, bis sich das Tier, erstaunt durch unser Auftauchen, zurückzog und uns das Verlassen des Zeltes ermöglichte. Dann sahen wir im Überblick, dass wir mit unseren Zelten mitten in einer Rinderherde standen, die ein kleiner Junge, sicher kaum älter als neun Jahre, heran getrieben hatte, wohl aus eigener Neugier, was wir dort mit unseren Zelten zu suchen hatten. Mit gestikulierender Sprache „unterhielten“ wir uns mit ihm, der richtig amüsiert über unser Auftauchen aus den Zelten war. Und schließlich machte er uns, indem er uns eine leere Wasserflasche hinhielt, darauf aufmerksam, dass er Durst hatte. Wir füllten seine Flasche mit Wasser aus unseren Vorräten und ernteten viel Dankbarkeit bei ihm. In der Zwischenzeit war noch eine ganze Gruppe Kinder dazu gekommen, die um uns herum standen und uns beobachteten. (Foto  Bei Rabat, Camping am Strand, Kinder.)

Vor den Toren der Altstadt von Rabat zur Seeseite hin befindet sich ein großer Suq aus provisorischen Hütten und Verkaufstischen, der äußerlich eher den Eindruck eines großen Flohmarktes macht und als Kunden die Ärmsten der Armen anspricht mit „Second Hand“-Waren, Kleidung, Schuhen, Tuchen und Haushaltsgeräten. Es ist nicht der eigentliche Suq oder Bazar in der Altstadt, der auch heute noch eine wirtschaftliche, aber auch touristische Funktion hat. Hier auf dem Vorstadt-Souq, der eine erstaunlich große Fläche einnimmt, schlendern wir durch die Verkaufsstände und dachten uns, dass wir hier eventuell auch mein schwarzes Jackett wieder finden könnten, das uns in Spanien gestohlen worden war… (Foto Rabat, Altkleidersouk vor der Mauer.)

Die Fahrt durch das Stadttor in der noch vorhandenen Mauer um die Altstadt macht uns aufmerksam auf die Bedeutung des Stadtnamens „Rabat“, der klassisch-arabisch eigentlich „‏رباط‎, DMG ribāṭ ‚Festung‘ heißt. Wikipedia schildert die Funktion des Ribat wie folgt:

»Ribat … ist die arabische Bezeichnung für Grenzbefestigungen an der Grenze des islamischen Gebietes (Dar al-Islam) zur Durchführung des kriegerischen Dschihad in den ersten Jahrhunderten der islamischen Expansion. Der Ribat ist der Ort, wo die Muslime ihre Reittiere versammelt und festgebunden (rabaṭa) hatten; seine Entstehung ging somit auf die religiöse Pflicht des Dschihad, auf die militärische Ausbreitung des islamischen Gebietes und dessen Verteidigung zurück. Diese militärischen Festungen boten auch den Bewohnern der gefährdeten Gebiete weitgehenden Schutz. Das Bauen einer Festung, oder die Erweiterung eines bestehenden Ribats galt als frommes Werk. Sie entstanden entlang der Demarkationslinie zu den nichtislamischen (meist christlichen) Gebieten (Dar al-Harb): Im islamischen Osten nannte man sie thagr (Pl. thugūr), im islamischen Westen und in al-Andalus hießen sie Festung (hisn) oder Kastell (qasr).[4] Die Bewohner der Festungen waren nicht nur kampfbereite Soldaten, sondern auch Gelehrte, die sich der moralischen Unterstützung der Kämpfer widmeten.«

Dass der Ribat mehr war als eine militärische Befestigungsanlage, sondern ein Zentrum der Verteidigung des Islam auch in kultureller und bildungsmäßiger Hinsicht, zeigt sich auch daran, dass sich um den Ribat Städte und kulturelle Zentren herausbildeten – wie z.B. Rabat, aber auch Monastir und Sousse in Tunesien, die wir im weiteren Verlauf unserer Reise noch besichtigen werden. Ausführlicher beschäftigt sich Sigrid Hunke[5] mit diesem Phänomen und der engen Beziehung des im Ribat angesiedelten arabischen Rittertums mit der Herausbildung der Ritterkultur im europäischen Mittelalter. Spuren dieser orientalischen Einflüsse zeigen sich in den frühen mittelalterlichen Ritterepen, vor allem im Parzival-Epos. Die Kultureinflüsse sind unübersehbar. Das zeigt sich schon in der Geschichte unserer Saiteninstrumente. Erste Vorläufer der Violine stammen aus dem spanisch-maurischen Raum im 8. Jahrhundert. Als weiterer Vorläufer ist das Rebec und die Fidel (bis ins 16. Jahrhundert gespielt) zu nennen.[6] Aber auch die Gitarre hat maurische Wurzeln. Der Name Gitarre wurde aus dem Spanischen („guitarra“) entlehnt und geht über Arabisch „qīṯāra“ letztlich auf das altgriechische Wort „κιθάρα“ (Kithara) zurück. Jedoch gehört dieses Instrument wie die Lyra zu den Leiern der griechischen Antike und ist eher ein Vorläufer der Zither oder des Psalters. Gemeinhin wurde das Instrument auch als al-Oud (arab.عود:„das Holz“) bezeichnet woraus sich das mittelalterliche Wort „Laute“ ableitet. Zumindest lässt sich auch über die Wortgeschichte darauf schließen, dass es die Mauren waren, die vor dem 10. Jahrhundert den Oud, der zu dieser Zeit auch noch Barbat genannt wurde, nach Spanien brachten.[7]

Aber auch die Musiktradition selbst steht in enger Beziehung zum maurisch-arabischen Erbe, wobei die angebliche Musikfeindlichkeit des Islam nur in Teilbereichen eine Rolle spielte und sich dennoch eine reiche Musiktradition im Orient entwickelte. Besonders auffällig ist dies in der Geschichte des mittelalterlichen „Minnegesangs“, in der der Ritter einer idealisierten, unnahbaren Frau musikalische und dichterische Würdigungen darbot, um sie zur Gnade der Aufmerksamkeit zu überzeugen. Die Minnesänger waren in der Ritterzeit sehr bedeutungsvoll. Der Minnegesang breitete sich über Nordfrankreich, Norddeutschland und über Italien aus. Minnesänger sind Sänger, die von Burg zu Burg reisen und dort für Abwechslung sorgen. Meist singen sie Verse zum Thema „ Minne“, also alles was mit Liebe und Gefühl zu tun hat. Jeder Minnesänger verfasste seinen Text selbst und trug ihn mit einer Geige oder Fiedel vor. Dieser Gesang war die Kultur der Ritter.[8]

„Du bist Min? Ich bin Din;

Des solst du Gewis sin;

Du bist besdozzen

In Minen Herzen;

Verlorn ist das Slüzzelin;

Du muost immer drinne sin!“

Zur gleichen Zeit entwickelte sich im andalusischen Bereich eine spezifische „Minnelyrik“, die ebenfalls die „keusche, unerfüllte Liebe“ verherrlichte.[9] Im islamischen Osten entwickelte sich eine persische Liebeslyrik, die mit Hafez[10] ihren Höhepunkt erreichte:

Ich küsse ihre Lippen, und

genussvoll schlürf’ den Wein ich,

das Wasser hab’ des Lebens ich

bei diesem Tun gefunden … (Ghasele 402)

Die Liebe entstand, und sie setzte

in Flammen die ganze Welt. (Ghasele 138)

Niemals stirbt der, dem zum Leben

erwachte das Herz durch die Liebe! (Ghasele 11)

Die arabisch-europäischen Beziehungen im Mittelalter sind eng, enger als es das allgemeine europäische Wissen wahrhaben will. Das Thema wurde im andauernden Machtkampf um Einfluss und Dominanz verdrängt. Einige Aspekte davon habe ich in einem Vortrag ausgeführt, den ich dann im Internet publiziert habe: „Worin unterscheiden sich Kulturen: kulturelle Dimensionen im Vergleich.“[11]

Bei unserer kurzen Besichtigung von Rabat durchqueren wir nicht nur die Altstadt mit ihren Souks, sondern fahren auch durch das "Königsviertel" und sehen den Palast von Hassan II. (Fotos Rabat, Tor zum Königsviertel. Rabat, Palast.)

Doch weiter zu unserer Reise. In Rabat besichtigen wir die Chellah, die uns sehr beeindruckte. In der Chellah, gleich außerhalb der Stadtmauer Rabats, geht es eigentlich darum, die Grabstätte der Meriniden-Sultane zu besichtigen. Auf einem Hügel gelegen und von einer Mauer aus dem 14. Jahrhundert umschlossen, wird Chellah heute als heiliger Ort verehrt, weil sich hier Marabuts an den Quellen auf dem Areal reinigten. Außerdem gibt es hier eine bedeutende Nekropole aus dem 13. und 14. Jahrhundert und Überreste einer römischen Siedlung zu sehen. (Fotos Rabat, Merinidisches Portal der Chellah. Chellah.)

 Rabat: Chellah[12]

Beeindruckend sind die üppigen Gärten, in denen die römischen und mittelalterlichen Ruinen fast verborgen sind. Auf den Türmen und auf den höheren Bäumen findet sich eine Vielzahl von Storchennestern. (Foto Rabat, Chellah, Blumenbeet.)

Aber noch ein Pflichttermin steht auf dem Programm: Wir müssen in der deutschen Botschaft vorsprechen, in der ich

mich ja schriftlich angemeldet hatte, um einen Informationstermin zu erhalten. Dies ging auch problemlos – meine Anmeldung wurde gleich gefunden – und wir wurden für den nächsten Vormittag bestellt.

Den Rest des Tages verbrachten wir dann mit einer Stadtrundfahrt und einem Bummel durch die Altstadt und die alten Suqs. Und dann noch eine Nacht im Zelt im Freien.

Di., 14.07.1981. Dies war der Tag der Botschaft. Wir treffen pünktlich ein in der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland. 7, Zankat Madnine. B.P. 235. 10.000 Rabat. Zunächst klären wir die aktuellen Fragen – nachdem wir uns vorgestellt und unsere Reisepläne erläutert hatten –, insbesondere nach den Möglichkeiten des Grenzübergangs nach Algerien. Wir wurden dabei beruhigt, indem uns gesagt wurde, dass Europäer kaum mit Schwierigkeiten zu rechnen hätten – die ohnehin nur von marokkanischer Seite zu befürchten und die durch die politische und ökonomischen Abhängigkeit Marokkos von Europa nicht zu erwarten waren – und dass der Grenzübergang letztlich nur für Marokkaner und Algerier gesperrt war, was für die Betroffenen dennoch recht hart war, da im Grenzgebiet viele Familien durch die Staatsgrenze geteilt wurden. Dennoch gab der Konsulatsbeamte uns eine Notfalltelefonnummer, mit dem wir eine Botschaftsstelle direkt erreichen könnten. Er sagte auch, dass in den wenigen Fällen, in denen es tatsächlich Schwierigkeiten gegeben hatte, die deutsche Seite unmittelbar beim König interveniert hatte – mit durchschlagendem Erfolg.

Interessant war dann das nachfolgende Informationsgespräch über die Arbeit der entwicklungspolitischen Abteilung der Botschaft. Es wurden interessante Einzelheiten zu der Vielzahl von Projekten gemacht, die mit deutscher Hilfe durchgeführt werden. Schwerpunkt ist neben der allgemeinen Wirtschafts- und Handelsförderung mit deutschen Firmen vor allem die Unterstützung von Entwicklungsprojekten im Bereich der Landwirtschaft – vor allem der Ausbau von Bewässerungsvorhaben im Küstenbereich im Westen – und für die Infrastrukturentwicklung. Die Daten, die uns dabei mitgeteilt wurden, habe ich – mit Stand 1981 – auf einem extra Blatt zusammengestellt.

Schwierigkeiten ergeben sich doch immer wieder durch das ausgesprochene Unabhängigkeitsbewusstsein lokaler Autoritäten und Stammesführer, wobei jedes Projekt auf allen Ebenen erst einmal ausführlich diskutiert und beworben werden muss – wobei „bewerben“ oft auch „bestechen“ heißt – und erst dann umzusetzen ist, wenn alle Ebenen der lokalen Hierarchien ihre – oft nur marginalen – Veränderungsbeiträge hinzugefügt haben, so dass sie in ihrer Klientel als Urheber erscheinen können und sich aus der Durchsetzung des Projektes Vorteile und Autoritätsgewinne versprechen können.

Auf der Straße der Königsstädte nach Osten

Mittags konnten wir dann unsere Fahrt durch Marokko fortsetzen. (Fotos Weg nach Meknés, Dorf. Weg nach Meknés, Trockenlandschaft. Weg nach Meknés, Straßenszene. Weg nach Meknés, Waldlandschaft. Weg nach Meknés, Pferdekarren.) Wir gelangen jetzt in das kulturelle und geschichtliche Zentrum des Landes mit den vier Städten Meknès, Moulay Idriss, Fès und Oujda. Zwei davon gehören zu den berühmten „Königsstädten“, die zeitweise Herrschaftssitz Marokkos gewesen sind:

Fès: Hauptstadt der Idrisiden (807–926), Meriniden (1248–1465) und Alawiden (1666–1672 und 1727–1912)

Marrakesch: Hauptstadt der Almoraviden (1070–1147), Almohaden (1147–1269) und Saadier (1554–1659)

Meknès: Hauptstadt der Alawiden (1672–1727)

Rabat: Hauptstadt der Alawiden (seit 1912) Zunächst erreichten wir Meknès mit seinen gewaltigen Mauern und Stadttoren.

Nur Marrakesch haben wir bei unserer Marokkofahrt nicht besucht – wir sprachen davon schon weiter oben. Moulay Idriss ist die „heilige Stadt“, in der der Gründer der Idrisiden-Dynastie, die als Gründer Marokkos gelten, Idriss I begraben liegt.

»Meknès ist eine der vier Königsstädte Marokkos und hat ca. 500.000 Einwohner. Aus zwei Stadtkernen bestehend, die voneinander durch den Fluß Boufekrane getrennt sind, erhebt sich Meknès auf einer Hochebene 550 m über dem Meer. Es liegt in einem der landwirtschaftlich reichsten Gebiete mit einem gesunden, milden Klima während des ganzen Jahres. Meknès ist wichtiges Handels- und Handwerkszentrum. Meknès ist vor allem auch bekannt wegen seiner Weine, die durchaus die Qualität guter französischer Landweine erreichen. Die bekanntesten Marken sind Ksar Guerrouane und Les Trois Domaines.

Meknès verdankt seinen Namen dem Stamm der Meknassa, die vom Osten her kommend sich zu Anfang des 10. Jh. an den Ufern des Flusses niederließen. Die almoravidische Festung Tagrart, die Youssef Ben Tachfine 1063 erbauen ließ, bildet den Mittelpunkt der Stadt. Die Almohaden als Nachfolger der Almoraviden, richteten ein Wasserversorgungsnetz ein. Unter den Meriniden wurde die Stadt beträchtlich vergrößert, aber erst unter dem Alouitenherrscher Moulay Ismail (1672- 1727) erlebte Meknès seine Blütezeit. Moulay Ismail ließ mit Hilfe von 30.000 Sklaven Gärten, Stadtmauern von 40 km Länge und Paläste von gewaltigen Ausmaßen bauen. So fanden in den riesigen Stallungen 12.000 Pferde Platz, und die Getreidespeicher hatten die Dimensionen einer Kathedrale. Im ganzen Land ließ er 76 Festungen bauen und vertrieb mit seiner 150.000 Mann starken Armee die Engländer aus Tanger und die Spanier aus Larache und Mehdia. Selbst die Türken konnte er im Osten des Reiches aufhalten. Nach dem Tod Moulay Ismails verlegten seine Nachfolger die Königsresidenz nach Fes. Während der Kämpfe um die Nachfolge wurden die Paläste von Meknès zerstört. Das Erdbeben von 1755 trug zur weiteren Verwüstung der Stadt bei. Erst nach 1912 bekam Meknès wieder eine entscheidende Bedeutung, als es zu einem der wichtigsten landwirtschaftlichen Zentren Marokkos wurde.«[13]

Die Stadtbesichtigung erfolgt zu Fuß, da die Fahrzeuge vor dem Stadttor stehen bleiben mussten. Ein „Fremdenführer“ bot seine Dienste an und führte uns durch die beeindruckenden Altstadtstraßen. Aber wie immer – seit unseren trüben Erfahrungen in Spanien – blieb eine kleine „Wachmannschaft“ bei den Bussen zurück. Sehr lange konnten wir unseren Rundgang nicht ausdehnen, da es langsam schon Abend wurde und wir weiterfahren mussten, um uns einen Campingplatz zu suchen. (Fotos Meknés, Stadttor. Meknés, Moscheehof. Meknés, Moschee. Meknés, Moschee, Säulenhalle.)

Auf der Strecke in Richtung Moulay Idriss fand sich dann auf einer Anhöhe unter dichten Bäumen ein guter Platz, der gegen Einsicht von der Straße her geschützt war. Hier verbrachten wir eine erholsame Nacht.

Mi., 15.07.1981. An diesem Tag haben wir weniger „Strecke“ geschafft, als wir ursprünglich geplant hatten, da wir eine sehr lohnende Führung durch einen Studenten durch die „Heilige Stadt“ Moulay Idriss – in welcher der Begründer der ersten marokkanischen Dynastie, der Idrisiden, begraben liegt – und durch die römischen Ausgrabungen von Volubilis genießen konnten. (Fotos Moulay Idris, Lage am Hang. Moulay Idris, Souk. Moulay Idris, Ruinen.)  Morgens warfen wir einen ersten Blick von der Höhe auf Moulay Idriss mit seinen türkisfarbenen Moscheedächern, deren Betreten für Touristen nicht gestattet ist. (Fotos Moulay Idris, Überblick über die Grabmoschee. Moulay Idris, Runder Turm.) Im Vordergrund befand sich aber eine Quelle, an der Frauen ihre Wäsche wuschen und Ziegen sich Erfrischung gönnten. (Foto Moulay Idris, Wasserstelle, Wäsche.)

Moulay Idris (arabisch ‏مولاي إدريس زرهون‎) ist eine Stadt in Marokko mit 11.200 Einwohnern (Stand: 2005) und liegt 27 km nördlich von Meknès. Sie gehört zur Provinz Meknès in der Region Meknès-Tafilalet. Wenige Kilometer entfernt befinden sich die Reste der antiken Stadt Volubilis. Die Stadt wurde im Jahr 788 von Idris I. gegründet. Es befindet sich dort auch sein Mausoleum, das in einer Zāwiya[14] erbaut wurde.[15]

»Die Idrisiden (789-974): Schon bald nach der Ermordung des Kalifen Ali ilm Abi Talib, der mit Mohammeds Tochter Fatima verheiratet war, entstand die religiöse Bewegung „Schiat Ali“ (= Partei Alis). Ihre Anhänger, die Schiiten, bestritten die Rechtmässigkeit der Kalifen, die nicht aus Alis Ehe mit Fatima abstammten. Sie lehnten also auch die neuen Kalifen der Abbasidendynastie ab, die ihren Stammbaum auf Abbas, einen Onkel des Propheten, zurückführten. Im Jahre 786 bereitete der abbasidische Kalif Harun ar-Raschid den Schiiten in der Schlacht von Fakh bei Mekka ein furchtbares Massaker. Einer der wenigen Schiiten, denen zu entkommen gelang, war Idris Ibn Abdallah. Er flüchtete nach Marokko, wo ihm der Berberstamm der Aouraba (Auriba) Unterschlupf gewährte. Die überhöhten Tributforderungen der Abbasiden trieben die freiheitsbewussten Berber den schiitischen Ideen zu. Der Stamm wählte Idris, einen Nachkommen Alis und Fatimas, zum Oberhaupt. Moulay ldris residierte im Stammeshauptort Oualila, dem antiken Volubilis, und schloss innerhalb weniger Jahre mehrere Berberstämme zu einem kleinen, vom Kalifat aber unabhängigen Reich zusammen. 789 gründete er Fès, das sich zu einem der bedeutendsten Kulturzentren des Islams entwickeln sollte. 791 liess ihn Harun ar-Raschid durch einen seiner Abgesandten vergiften. Unter Idris II., der erst zwei Monate nach der Ermordung seines Vaters zur Welt kam und als Elfjähriger die Herrschaft übernahm, erreichte die marokkanische Dynastie der ldrisiden ihre Blütezeit. Das kleine Reich war zwar nicht das einzige in Marokko - daneben bestanden u. a. das Reich der Berghouata an der Atlantikküste und das Reich von Sijilmassa im Tafilalt -, doch es war zweifellos das bedeutendste; seine kulturellen Ausstrahlungen erfassen den ganzen Nordwesten Afrikas. Heute wird es als Keimzelle des Königreichs Marokko angesehen. Nach dem Tode von Idris II. begann das Reich unter schwachen Herrschern zu zerfallen.«[16]

Volubilis ist eine der am besten erhaltenen römischen Siedlungen und wurde von der UNESCO zur Liste des Weltkulturerbes hinzugefügt. (Drei Fotos Volubilis.)

 Volubilis [Wikipedia]

Zu schaffen macht uns die Hitze!

Abends kommen wir nach Fèz, fahren aber nach kurzem Einkauf – Lebensmittel und Motoröl (welches wir im Preis sogar noch herunter gehandelt haben) – weiter von der Hauptstraße auf Nebenstraßen. Ein erster Versuch, einen Campingplatz zu finden, war dramatisch. Unser „Kasten“ blieb mit einem Rad hoch in der Luft im Einfahrtsgraben zu einem Seitenweg stecken. Mit etwas Schwung und einem Sprung schafften wir es dann doch; auch der Bus hüpfte bedenklich. Der Platz sagte uns aber nicht zu, da hier von Hunden abgenagte Eselgerippe herum liegen. Wir fahren weiter und müssen bei der anderen Ausfahrt noch einmal bedenklich „springen“. Die „Bullys“ sind doch recht stabile Wagen! Wir fahren weiter ins Gebirge und finden seitab an einem Waldrand – am Viehauftrieb in die „montagne“ – einen geeigneten Platz. (Fotos Suche nach einem Campingplatz. Abschreckung: Eselgerippe. Weitersuche angesagt.)

Do., 16.07.1981. Vormittags besichtigen wir Fèz in zwei Gruppen. Während der „Kasten“ zur Neustadt zur Bank und Post fährt, besichtigt der „Bus“ die Altstadt, Fèz el Bali, mit einem Fremdenführer. Nachdem wir von unseren Geschäften zurück sind gehen wir mit dem gleichen Führer los, der wegen des Ramadans schon etwas demotiviert erschein – Hunger und Durst machen ihm zu schaffen. Zuletzt führte er uns zu einem Laden eines Verwandten, der uns unbedingt Teppiche und Kunsthandwerk verkaufen wollte. Beide waren sehr enttäuscht, in uns keine Kunden gefunden zu haben.[17]

»Fès oder Fez (arabisch ‏فاس‎) ist die drittgrößte Stadt Marokkos mit knapp über einer Million Einwohnern. Sie ist die älteste der vier Königsstädte des Landes (Fèz, Marrakesch, Meknés, Rabat) und galt nach der Begründung der Qarawiyin-Universität als geistiges Zentrum der Region. Auf föderaler Ebene fungiert Fes als Hauptstadt der Region Fèz-Boulemane, das eine von 16 Regionen Marokkos repräsentiert.« [Wikipedia.] (Foto Fèz, Überblick über die Stadt.)

Bei der Besichtigung sehen wir in der Altstadt die Medresse, die Moschee und das Viertel der Ledergerber, das einen infernalischen Gestank verbreitet. Halbnackte, braun gebrannt Männer turnen auf den Rändern der riesigen tönernen Gerbbottiche herum, in den sie Ziegenhäute eintunken und unterrühren, wobei die Flüssigkeit nahezu bis zum Kochen erhitzt wird. Hier entsteht Marocain Leder (Französisch Maroquin), hergestellt aus Ziegenfell, rot gefärbt (traditionell mit Sumac), auf der Narbenseite gegerbt und dann von Hand gemustert. Daraus werden kunsthandwerkliche Gegenstände wie Taschen, Gürtel etc. gefertigt; besonders feines Leder dient aber auch – versehen mit Goldprägung – zu Einband von besonders wertvollen Büchern. Die Verwendung von Marocain in Frankreich und Europa allgemein setzte sich seit dem sechzehnten Jahrhundert durch. Das französische „Marocco“ ist eine Imitation aus Schafleder und wird auch als „Saffian“ bezeichnet. (Fotos Fèz, Lederfärberei. Fèz, Schmiede und Punzerei.)

 

Arbeiter in Gerberei und Färberei (Fes, Marokko), 2006, Quelle: privat (anonymous; permission given) [Wikipedia].

Die Altstadt, (Fèz el Bali/el Medina el Qadima), besteht aus dem Stadtteil um die Qarawiyin-Moschee bzw. ‑Universität, die nach ihrer Gründung im Jahre 859 das Zentrum des öffentlichen Lebens darstellte. Sie wird von der Stadtmauer eingeschlossen.[18] Hier lebte die ursprüngliche arabische Bevölkerung aus der Eroberungszeit. Im neueren Stadtviertel Fes el Jedid, das auf die Dynastie der Meriniden (1244–1465) zurück geht, siedelten sich nach der Vertreibung aus Spanien vor allem die „Andalusier“ an, die später die kulturelle Bedeutung und die gesellschaftliche Elite der Stadt prägten. Diese doppelte Altstadt, zu der Anfang des 20. Jahrhunderts noch ein französisch geprägtes Viertel hinzugekommen ist, wurde 1981 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. (Fotos Fèz, Altstadt Souk. Fèz, Randviertel. Fèz, Altstadtgasse. Fèz, Packpferd in der Altstadtgasse.)

Das liegt auch daran, dass die alten Stadtstrukturen der arabisch-islamischen Stadt hier in Fèz besonders gut erhalten sind. Im Auftrag der UNESCO hat der Schweitzer Städtebauer, Kulturhistoriker und Architekt Stefano Bianca wesentliche Untersuchungen vorgenommen und die Ergebnisse publiziert. Das waren wichtige Argumente für die UNESCO, die hervorragende Bedeutung dieser Stadt zu würdigen.[19]

Altstadt von Fez von Norden gesehen [Wikipedia]

»… Von ähnlicher Bedeutung ist die marokkanische Stadt Fez mit ihrer berühmten Universität. Sie ist die kulturelle Hochburg des islamischen Westens. Von hieraus ist der Islam bis nach Guinea, Kamerun und das übrige Westafrika gelangt. Die Architektur und die Farben von Fez zeigen deutlich, wer die Gründer waren: aus Spanien vertriebene Muslime, die man hier nach wie vor Andalusier nennt.«[20]

Die Moscheehöfe und Medressen zeichnen sich durch tiefblaue Fayencen mit üppigen Arabesken Mustern und Schriftbändern in arabischer Schmuckschrift. Die Dächer sind grün bzw. türkisgrün eingedeckt und beherrschen so das Stadtbild aus der Vogelperspektive. Wir besuchen den Hof der Kairaouine-Moschee und die Attarine-Medresse. Eine Medresse oder Medersa ist eine mit der Moschee verbundene Islam-Hochschule, die es in allen islamischen Zentren gibt und die die Keimzelle der arabisch-islamischen Bildung sind, die gerade über den Maghreb und Andalusien einen großen kulturellen Einfluss auf das mittelalterliche Europa genommen haben. (Foto Fèz, Moschee.)

Der Rundgang durch die Altstadt, das Gerberviertel und die engen Bazar-Gassen, Suqs, wurde zu einem Kampf gegen die drückende Mittagshitze. Zu Abschluss werden uns in einer Teppich-Cooperative die unterschiedlichen marokkanischen Teppichtypen vorgestellt (unser Fremdenführer muss ja irgendwo seine Provisionen herbekommen). In einer Punzerei erstehen wir als Souvenirs noch künstlerisch verzierte Messingteller. Ich lasse für meine Frau Jutta eine Widmung eingravieren. Mittags geht es dann weiter auf unserer Fahrt nach Osten.

Am späteren Mittag machen wir auch heute wieder eine Siesta unter Bäumen in der Nähe einer kleinen Ortschaft.

Vergiftung und Grenze

Abends kommen wir in die Steppe und suchen uns einen Platz, der etwas von ein paar größeren Büschen geschützt ist. (Fotos Weiterfahrt in Richtung Oujda. Sonnenuntergang.)

Nach langem Warten gibt es Essen, doch stellt es sich noch am Abend heraus, dass es uns nicht bekommt. Durchfall und Erbrechen sind die ersten Symptome in dieser unruhigen Nacht, die wohl von der Dose „Schweinefleisch-Klößchen in eigenem Saft aus der Bundeswehrverpflegung, die uns ein Teilnehmer von seinem Vater, der bei der Versorgung der BW tätig ist, zur Verfügung gestellt wurden… Wie wäre es Rommel und dem Afrika-Corps im Zweiten Weltkrieg ergangen, wenn sie diese Dosenverpflegung gehabt hätten? Wäre dann der Afrika-Feldzug früher zu Ende gewesen?

Fr., 17.07.1981. Der Tag war dramatisch und krisenhaft. Die in der Nacht einsetzenden Magen-Darm-Beschwerden verschärfen sich kritisch. Nur Regina als Vegetarierin bleibt von ihnen verschont. Zuerst bricht Joachim – am Morgen noch munter – in Oujda, unserer nächsten Station, zusammen. Wir müssen den Ohnmächtigen auf der Rückbank schnell in ärztliche Behandlung bringen. Mit Hilfe eines voraus fahrenden Krankenwagens bringen wir ihn in die Ambulanz des städtischen Krankenhauses, wo er sofort zur Untersuchung – in einem kühleren Kellerraum – gebracht wird. Der Arzt stellt eine Fleischvergiftung, genauer gesagt: eine Salmonellenvergiftung fest, deren Symptome in dieser Region durchaus geläufig waren. Die Diagnose konnte ohne weiteres auf uns andere übertragen werden, so dass uns der Arzt ein Rezept mit Klinikpackungen ausschrieb und uns genaue Einnahme-Anweisungen mit auf den Weg gab.

Aber erst um halb vier öffnete die Apotheke in der Innenstadt von Oujda. In der Zwischenzeit fahren regelmäßig einige von uns mit jeweils einem Wagen aus der Stadt heraus, um uns auf freiem Feld hinter Büschen zu „entleeren“. Auch ich habe starken Durchfall, bin aber noch recht munter.

Bei der Wartezeit vor der Apotheke kommen wir scheint’s noch in eine kritische Situation: Ein Mann schleicht sich von hinten an unseren Wagen ran, bückt sich und versucht wohl, etwas an der Unterseite zu befestigen. Aber wir entdecken ihn rechtzeitig und er entfernt sich auffällig schnell die Straße hinunter. Interessant war unsere Beobachtung, dass auf der anderen Seite der Straße ein Streifenpolizist die Szene begutachtete. Wir vermuten, dass damit und dem Anbringen eines Päckchen Rauschgiftes eine kleine Erpressung geplant war, die wir gerade noch rechtzeitig verhindern konnten.

Nachdem wir nun in der Apotheke vier große Packungen unserer Medikamente erhalten haben – übrigens zu einem so niedrigen Preis, dass wir sie über die Reisekrankenversicherung eines einzigen Teilnehmers in Deutschland erstattet bekamen – geht es weiter in Richtung auf die nahe algerische Grenze zu. Doch haben wir keine Kraft mehr, den Grenzübertritt noch an diesem Tag zu unternehmen.

Nach einiger Zeit treffen wir bei einer Tankstelle ein. Der Tankwart genehmigt uns die Übernachtung auf dem daneben liegenden Parkplatz. Dass der massive Zaun, der das Tankstellengelände abgrenzt, schon Teil der marokkanischen Grenzbefestigung war, entdecken wir erst am nächsten Tag, als wir bei der Ausfahrt aus der Tankstelle das „Douane“-Schild am Straßenrand sehen, das uns am letzten Abend nicht aufgefallen war.

Bei der Einfahrt in die Tankstelle verschlimmert sich der Zustand von Joachim wieder und beim Auslegen der Luftmatratzen – an den Aufbau von Zelten war hier nicht zu denken – erlitt Hans-Jürgen einen Hitzekollaps: Es wurde dringend Zeit, in einen kühleren Raum zu kommen und die Medikamente einzunehmen.

Wir erzählen dem Tankwart unser Krankheits-Missgeschick und er ließ uns in einen kühlen Waschraum gehen, in dem wir unsere fiebrigen Stirnen abkühlen konnten. Mit kühl-nassen Handtüchern umwickeln wir unsere Waden, um die Fiebertemperatur zu senken: mit gutem Erfolg. Ich nehme dann einen wassergefüllten Becher und einen großen Esslöffel und gehe nun mit den Medikamenten die Reihe der ermattet auf der Wand-Bank sitzenden Reiseteilnehmer entlang und verteilte die Portionen: ein Medikament gegen die krampfartigen Zustände, ein Medikament zum Auskleiden der gereizten Magenschleimhäute, ein Medikament gegen den Durchfall und Wasserverlust und ein Antibiotikum gegen die Salmonellen… wenn ich mich noch richtig erinnere.

Einige bleiben über Nacht in dem Waschraum, in der Nähe der Toiletten. Einige legen sich auf den Parkplatz unter freiem Himmel auf unsere Luftmatratzen. Das Medikamenten-Ritual wird noch wiederholt, dann aber lässt unsere große Müdigkeit uns auch das überstehen. (Fotos Krankenlager an der algerischen Grenze. Medikamentversorgung...)

Mitten in der Nacht wachen wir noch einmal von Musik und Gesprächen im Hof der Tankstelle auf: Nach Sonnenuntergang endet das Fastengebot des Ramadan. Zu dem Festmahl werden wir auch eingeladen, doch nur einige fühlen sich wieder so frisch, etwas essen zu können… Aber insgesamt ist es eine erfreuliche und gastfreundliche Atmosphäre, in die wir hier gekommen sind und die uns die Krankheitskrise schnell überwinden hilft.

Am Abend stoßen auf dem Parkplatz noch zwei Holländer auf Motorrädern hinzu, die aus Algerien gekommen waren. Der Grenzübergang scheint also tatsächlich für Europäer offen zu sein.

Sa., 18.07.1981. Der Morgen war deprimierend. Die meisten noch bleich, fiebrig und völlig desmotiviert. Als es auf dem Parkplatz, auf dem wir campierten, heiß wird, hilft nur noch der Aufbruch. Für Übernachtung und Hilfe brauchen wir nicht zu zahlen! Die Gastfreundschaft ist überwältigend.

An der Grenze haben wir keine Probleme. Zügig und höflich werden wir abgefertigt, wenn auch mit der üblichen Bürokratie. Die Algerier sind ausgesprochen freundlich – und „übersehen“ demonstrativ die marokkanischen Einreisestempel über ihren algerischen Visa. Nur die kurzen Hosen eines Teilnehmers wurden moniert – aber da schnell lange Hosen übergezogen wurden, ist das auch kein Problem.

Kleine Erlebnisse am Rande: Bei der Gepäckkontrolle werden bei einem unserer Mitreisenden Hefte des „Playboy“ entdeckt und konfisziert (und dann in greifbarer Nähe unter dem Tisch des Grenzbeamten verstaut). Und die Kollegen scharten sich um den Beamten, um einen „intensiven“ Blick auf die eingezogene Zeitschrift zu werfen. War am Anfang die Stimmung bezüglich unserer von Marokko „überstempelten“ Visa etwas angespannt, wurden wir nun zügig und freundlich durchgewinkt.

Zur algerischen Mittelmeerküste

Die Weiterfahrt nach Algerien erleichtert uns beträchtlich und zumindest die Stimmung in unserem „Kasten“ hebt sich zusehends. Joachim ist noch recht geschwächt, aber Jürgen und ich fahren den Wagen. In einem Gehölz machen wir Siesta und lassen die Mittagshitze vorüber gehen.

Die Weiterfahrt führt uns zur Grande Sebkha d’Oran, einer periodisch als Salzsee mit Wasser gefüllten Senke auf den Hochflächen südlich der Hafenstadt Oran, deren Bändigung und Abdichtung ein ungelöstes Problem seit über achtzig Jahren ist, wobei auch die Zwangsarbeit von Gefangenen keine Lösung war.

Auf Nebenstraßen fahren wir zur Corniche Oranaise und schließlich nach Aïn El Turk, vor Jahrhunderten Sitz von türkischen Janitscharen.

Aïn El Turk (wörtlich: „Brunnen der Türken“) ist die Hauptstadt des Aïn El Turk -Bezirkes etwa fünfzehn Kilometer westlich von Oran. Es ist heuteein bedeutender Badeort. Vor Jahrhunderten war Ain el Turck ein Strandebene namens El Eurfa. Im Laufe der Jahrhunderte hat sich die Bevölkerung von El Eurfa Ebene (später als Aïn El Turk bekannt) deutlich erhöht. Es gab eine nomadische Bevölkerung, die mit ihren Herden im Sinne der Transhumanz wanderten zwischen den Ebenen von El Eurfa, Boutlelis und Messreghinn, außer in einigen Sonderfällen gelangten sie nicht über die Sebkha im Süden und dem Wald Madagh im Westen. Diese nomadischen Stämme lebten zusammen und handelten mit sesshaften Stämmen, die Landwirtschaft und Imkerei um Aïn El Turk herum betrieben. Diese sesshaften Stämme verkauften ihre Produkte in Mers el-Kebir und Oran, auch verkauften sie ihre Produkte an die Nomadenstämme, aber die meiste Zeit tauschten sie ihre Produkte mit Schafen, Fleisch und Wolle.[21]

Die ganze Strecke ist voller aufregender Ausblicke auf Täler, Felsen und schließlich das Mittelmeer. In Aïn El Turk haben wir zunächst Schwierigkeiten, den Campingplatz, der in unserem Reiseführer empfohlen wurde, zu finden. Eine letzte Enttäuschung: gegen acht Uhr abends fällt das Wasser aus, Duschen gibt es nun nicht mehr und die Toiletten werden sehr unhygienisch. Erst am nächsten Morgen gegen zehn Uhr kommt wieder etwas Wasser. Eine Preisminderung lässt sich trotzdem nicht aushandeln. Wenigstens haben wir dabei eine ruhige Übernachtung auf einem ansonsten idyllischen Platz. (Foto Algerien: Hinter der Grenze.)

So., 19.07.1981. Am Morgen lassen wir die Kranken ausschlafen. Besonders „Arthur“ und Berthold leiden noch furchtbar, weil sie etwas Fieber haben (aber im Laufe des Tages fahren sie doch auch wieder Auto). Der „Bus“ fährt zum Einkaufen: Brot, Melonen, Oldenburgische Markenbutter(!!!) und Aprikosen.

Das Aufstehen, Essen und Zelte Abbauen dauert so bis in den Mittag hinein, denn wegen des Wassermangels wollen wir nicht wie ursprünglich geplant am Ort bleiben. Dabei herrscht eine etwas gereizte Stimmung – die Krankheit wirkt noch nach.

So erreichen wir auch nicht mehr den Campingplatz von Larhat sondern übernachten im Maquis oberhalb der Küste bei El Marsa an der Küstenstraße. Die Strecke ist beeindruckend. Steilküsten und gewagte Straßen am Berghang, die in schmalen Brücken über die Wadis geführt werden, die hier bei der Einmündung ins Meer besonders schroff und tief eingeschnitten sind, werden durchfahren. Eine dieser Brücken war zerstört und nur in einer Notumgehung, die weit in das Gebirgstal hinein reichte, passierbar.

Vorher fahren wir durch das Kriegsmarinegebiet von Mers-el-Kébir und an  der Hafenfront von Oran vorbei, ohne uns dieser Stadt weiter zu widmen. Mers el Kebir hat eine bedeutende militärgeschichtliche Bedeutung, die in Wikipedia wie folgt dargestellt wird: »Mers-el-Kébir (früher: Mazalquivir) ist eine Hafenstadt an der Nordwestküste Algeriens, nahe der Großstadt Oran mit etwa 18.000 Einwohnern. Bekannt geworden ist der Name durch die ersten Kriegshandlungen zwischen Engländern und Franzosen seit der Schlacht bei Waterloo 1815: Im Juli 1940 – trotz der eigentlich bestehenden Allianz zwischen Briten und Franzosen – griff die britische Royal Navy die in Mers-el-Kébir vor Anker liegenden Schiffe der französischen Marine an, um deren mögliche Auslieferung – da Teile der militärischen und politischen Führung Frankreichs im Vichy-Regime mit den Deutschen kollaborierten – an das Deutsche Reich zu verhindern (Operation Catapult). Vorher hatte sich der französische Befehlshaber geweigert, die Schiffe an die Briten zu übergeben. Militärisch war die Operation, bei der rund 1300 französische Seeleute ums Leben kamen, nur teilweise ein Erfolg. Zwar konnten zwei Schiffe versenkt werden, doch entkam die restliche Flotte in Richtung der südfranzösischen Häfen. Dort versenkte sie sich befehlsgemäß mit dem Einmarsch der Deutschen im Jahr 1942.«

Oran erleben wir als „viel verbauter Beton“ – aber als Hafenkulisse wenig beeindruckend oder interessant. Auf dem Weg nach Mostaganem fahren wir zum Tanken weiter ins Landesinnere. Da die hier weiterführende Straße gesperrt war, verfahren wir uns völlig und sind sehr irritiert, erst einmal in Richtung Oran zurück fahren zu müssen.

Viele große Rebflächen und einige Mustergüter sind am Weg zu sehen. Hier ist ein späterer Einschub sinnvoll: Die langen Jahre des Bürgerkrieges und des islamistischen Terrors in Algerien haben vor allem in den neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts die Ansätze einer modernen landwirtschaftlichen Entwicklung – die als „kolonialistisch“ bezeichnet wurde – unterbrochen und vor allem den Weinanbau – aus vorgeblich religiösen Gründen – zum Erliegen gebracht. Vorher war vor allem im westlichen Küstengebiet eine hohe Weinbaukultur anzutreffen; die Rot- und Rosé-Weine aus dem Côteaux de Mascara waren als Qualitätsweine für den Export führend. Dabei spielten vor allem die Weinsorten Cinsault, Carignan, Grenache und Cabernet Sauvignon eine zentrale Rolle. In anderen Anbaugebieten wurden auch Massenweine hergestellt, die aber als Landweine eine gute Qualität hatten und in großer Menge nach Südfrankreich als Verschnittweine exportiert wurden. Doch sind diese Zeiten wohl endgültig vorbei.

Wir erreichen Arzew. Arzew bzw. Arzeu (أرزيو‎) liegt als Hafenstadt etwa 35 km von Oran entfernt. In Arzew finden wir einen Erdölhafen und Raffinerien in einer großen industriellen Erschließungszone. Große Wohnblockbebauungen kennzeichnen die Ortsentwicklung.

Auf der Strecke hinter Mostaganem werden wir etwas aufgehalten durch einen kleinen Kabelbrand im Motorraum des „Kastens“, der jedoch keine bleibenden Schäden verursacht.

Einige Überlegungen zum Reiseziel Algerien

»Algerien war, wie schon angedeutet, zu diesem Zeitpunkt für wissenschaftliche Arbeiten – ohne ausdrückliche und damit kontrollierte und gegängelte Beauftragung durch den algerischen Staat – noch ein sehr problematischer und unsicherer Raum, wenn auch nicht so gefährlich wie einige Jahrzehnte später in der Zeit der islamistischen Aufstände und des Bürgerkrieges, in der Reisen nicht durchführt werden konnten. Der Algerienkrieg seit 1951 zwischen der Kolonialmacht Frankreich und den aufständischen Algerien, die sich in der FLN organisiert hatten und zuletzt eine Exilregierung in Tunis gründeten, war erst 1962 mit dem Vertrag von Évian zu Ende gegangen. Eine detaillierte umfangreiche Darstellung dieser Zeit findet sich in der Studie von Elsenhans, die leider zur Zeit meines ersten Kontakts mit Algerien noch nicht vorlag und mir sonst gute Dienste für das Verständnis dieses Landes hätte vermitteln können. Ebenfalls erst später konnte ich mich dann in weitere Fachliteratur und die grundlegenden Arbeiten und Quellen von Fanon oder Memmi vertiefen.

Die innere Situation in Algerien war in diesen Jahren durchaus instabil und zum Teil auch chaotisch, was in den 80er und 90er Jahren dann in die islamistischen Aufstände und Terrorakte mündete. Kurz vorher konnte ich jedoch im Sommer 1981 noch einmal ein Wiedersehen mit diesem faszinierenden Land erleben, indem ich mit einer Schülergruppe der Bismarckschule Hannover eine Ferienreise mit zwei VW-Bussen durch den Maghreb (Marokko, Algerien und Tunesien mit einer Hinreise über Frankreich und Spanien und einer Rückreise mit Fährüberfahrt von Algier nach Marseilles) unternahm, von der vielleicht einmal an anderer Stelle zu berichten sein wird.

1964 wurde die Regierung von Ben Bella, die ehemalige Exilregierung aus Tunis, die 1962 in Evian den Friedensvertrag abgeschlossen hatte, durch einen Militärputsch durch General Boumedienne abgelöst, der die Befreiungstruppen der FLN, die im Lande selbst aus dem Untergrund heraus gekämpft hatten, repräsentierte. Diese „Alten Kämpfer“ (Mudjahedin) besetzten damit die Schlüsselstellungen im Staat, kamen aber mangels politischer und ökonomischer Kompetenz über Revolutionsromantik und militärisches Zeremoniell kaum hinaus. Mit diesem Staatsapparat hatten wir dann auch mehrfach unangenehme Erfahrungen machen können.

Die Zeit des ökonomischen Niedergangs und der politischen Krise und Zerfalls führte zu grundlegenden gesellschaftlichen Konflikten, vor allem als eine junge Generation sich nicht mehr in die Nostalgie der „Alten Kämpfer“ einfinden wollte und bei einem extremen Zuwachs der Bevölkerungszahl durch einen hohen Geburtenüberschuss sich jeder sinnvollen persönlichen Zukunftsperspektive beraubt sah.

Auch wenn wir schon bei dieser frühen Reise auf deprimierende Erfahrungen in diesem Land stießen, die die spätere Entwicklung zum islamistischen Aufstand der Jugend erkennbar machen konnten, dauerte es doch noch Jahrzehnte bis zum offensichtlichen Zusammenbruch der Macht und Autorität des Militärregimes, das keine Konsequenzen aus dem Versagen der politischen Herrschaft gezogen hatte.

So konnte auch der Tourismus bis in die Mitte der achtziger Jahre hinein noch nahezu ungefährdet wachsen, wie ich es mit einer Reise mit Schülern der Bismarckschule im Sommer 1981 in eindrucksvoller Weise realisieren konnte, auf der wir viele Orte besuchten, die ich 1967 erstmals mit Dr. Achenbach besucht hatte und kennen lernen – und das heißt in diesem faszinierenden Land auch: lieben lernen – durfte. Darüber hinaus hatten wir dann in einer West-Ost-Reise durch den Maghreb auch die Nachbarländer Marokko und Tunesien besucht und sind auch noch weiter in Richtung El Oued in die Wüste hinein gefahren.

In beiden Reisen waren die persönlichen Eindrücke weit gespannt: von deprimierenden Zeugnissen des zurück liegenden Algerienkrieges – durch Napalm verbrannte Waldskelette, Reste von Flugzeugwracks in Bergschluchten und verwaisten Wehrtürmen und Militärposten mit oft noch deutlichen Kampfspuren und Einschusslöchern – bis auf der anderen Seite zu erstaunlichem politischen Interesse und sogar kritisch fundiertem Zukunftsoptimismus, der sich auch in Gesprächen mit uns Ausländern äußerte. Das Land war durch die Erfahrungen im Befreiungskrieg zunächst wirklich zu einer Nation im Sinne einer Überlebenseinheit zusammengewachsen und in einer breiten Basis politisiert und an der Gestaltung der gemeinsamen Zukunft interessiert. Tragischer Weise wurde dieses Kapital für eine positive Entwicklung durch Machtgier, Korruption und Inkompetenz der herrschenden Militärelite restlos verspielt, was eine grundsätzliche Skepsis gegenüber dem politischen Wirken von Militärs nur noch plausibler erscheinen lässt.« Quelle: Gerhard Voigt, Das erste Studienjahr. Studienbeginn und Vorbereitung der Algerienreise 1967 des Geographischen Instituts der Technischen Hochschule Hannover mit Dr. Achenbach als Anlass zur Reflexion über vierzig Jahre Geographie.

Vereinfachte Reiseroute durch Algerien und Tunesien 1981

An der Küste nach Algier

Mo., 20.07.1981. Die Küstenstraße ist sehr zeitaufwendig, eng und kurvenreich. Viele Brücken sind von einer zurück liegenden Unwetterkatastrophe zerstört und nur Notbrücken machen die Übergänge passierbar. Aber an einigen Stellen haben großzügigere Ausbaumaßnahmen schon begonnen. Überall in Algerien spürt man, bei aller Armut und allen sozialen Problemen, den Willen, Missstände zu beseitigen und das Land zu entwickeln. Das unterscheidet den Gesamteindruck deutlich von Marokko, dessen in Bewegungslosigkeit verharrende Monarchie von Hassan II wir in unseren Gesprächen in der Botschaft in Rabat vorgestellt bekommen hatten. (Fotos Mittelmeerküste, Felsensporn. Mittelmeerküste, Küstenvegetation. Mittelmeerküste, zerstörte Talbrücke. Mittelmeerküste, Abendstimmung.)

Was wir damals, 1981, noch nicht wissen konnten, war, dass das Land einige Jahre später in den Abgrund eines Bürgerkrieges fiel, aus dem heraus eine korrupte militärische Führungsschicht aus „alten Kämpfern“ des Algerienkrieges keinen Ausweg weisen konnte. Die Perspektivlosigkeit der prozentuell wegen der hohen Geburtenrate übermächtig werdenden Jugend führte diese in einen islamistisch etikettierten Terrorismus, der auch die Verbindungen zum Ausland weitgehend unterbrach, seien diese nun ökonomisch oder kulturell motiviert gewesen. Wie Algerien die derzeitige Aufbruchphase des „Arabischen Frühlings“ 2011/2012 überstehen wird, ist noch nicht abzusehen. Damals jedoch erschienen uns die Zukunftsperspektiven des Landes positiv…

Bis Ténès [22] blieben wir auf der Nationalstraße N 11. In Ténès gibt es nichts zu tanken – wir vermuten eine Folge des Chaos im Ramadan – und so fahren wir auf Hinweis aus der Tankstelle auf der Strecke nach al-Asnām ins Landesinnere. In Bouzghaia [23], das eher einen dörflichen Charakter aufweist, gibt es eine große Tankstelle, die von einem Algerier geleitet wird, der in der DDR gewesen war und gut Deutsch spricht und sich über unseren Besuch riesig freute.

In al-Asnām kurz darauf sehen wir die fürchterlichen Zerstörungen der nur wenig zurück liegenden Erdbebenkatastrophe. »Die Römer gründeten sie als Siedlung namens Castellum Tingitanum. 1843 entdeckten die Franzosen sie und machten sie zu einem militärischen Außenposten namens Orléansville. Ein Erdbeben zerstörte die Stadt 1954. Zehn Jahre später, 1964, wurde sie im Zuge der Unabhängigkeit Algeriens in El Asnam umbenannt. Etwa 5.000 Menschen starben 1980 bei einem erneuten Erdbeben mit der Stärke 7.3 auf der Richterskala. Ein Jahr danach benannte man die Stadt um in Ech Cheliff, um die Assoziation mit der Naturkatastrophe zu vermeiden. Es starben beim Erdbeben 1980 20.000 Menschen; jedenfalls behaupten dies mehrere Internetquellen, z. B. http://www.geographixx.de/naturkatastrophen/liste.asp?land=Algerien. El Asnam wurde bei dem Erdbeben 1980 fast komplett zerstört und an anderer Stelle, unweit des alten Stadtzentrums neu wieder aufgebaut.«[24]

An den Zerstörungen lassen sich die physikalischen Prozesse des Bebens ablesen und zwar hier in al-Asnām vor allem, dass das Beben vor allem Lateralbewegungen der Erdkruste aufwies, die ein Maximum an Zerstörung bei Gebäuden hervorrufen, denen sie die Fundamente wegschieben. Tragisch das Zerstörungsbild des mehrstöckigen, in Plattenbauweise errichteten Krankenhauses von al-Asnām, das einen T-förmigen Grundriss aufwies. Der „lange Balken“ lag quer zu den Lateralbewegungen und war vollständig eingestürzt – die Stockwerkdecken lagen wie Tortenschichten aufeinander; man mag sich nicht vorstellen, was in den wenigen Sekunden des Bebens mit den Menschen in diesen Etagen geschah, die einfach eingequetscht worden sind – während der „kurze Balken“ mit den Wellen schwingen konnte und fast unzerstört geblieben ist.

Neben der grauenhaften Zerstörung sehen wir aber auch den ungebrochenen Willen zum Wiederaufbau. Ganze Stadtviertel recht solider Fertigteilhäuser sind um das Erdbebengebiet herum entstanden. Wir lassen den Ort des Schreckens hinter uns und fahren weiter auf der Hauptstraße in Richtung Blida, da wir Algier an diesem Tag nicht mehr erreichen können. Leider wechseln die Banken hier kein Geld. Von dem letzten Rest unserer algerischen Barschaft lassen wir uns dann noch unsere Campinggas-Flaschen auffüllen.

Von dem erwarteten Campingplatz bei Sidi Ferrouch an der Küste ist nichts mehr zu finden, so dass wir wieder in einem kleinen Wald bei einem Vorort von Algier im Freien kampieren. (Foto Mittelmeerküste, Morgens beim Camping.)

Di., 21.07.1981. In al-Dschazā'ir – besser bekannt als Algier oder Alger, haben wir erst ein kleines Problem. Als wir auf der Hauptstraße von der Landseite her in die Stadt hereinfahren und in der komplizierten Streckenführung zur Innenstadt einige Male abbiegen mussten, entdecken wir plötzlich, dass unser zweiter Wagen verschollen ist. Einige Zeit Warten am Straßenrand nützt nichts. Er bleibt verloren. Dann überlegen wir uns, was die anderen wohl tun würden, wenn sie uns verloren haben; und wir kommen zu dem Schluss, dass es wohl das Vernünftigste wäre, auf der Einfahrtsstraße wieder zurück zu fahren bis zu einem Platz, wo wir uns noch im Blick hatten. Wir tun nun dasselbe – und finden nach einigen Kilometern den Wagen auf einem Parkplatz: und sind um die Erkenntnis reicher, dass beide Wagen vernünftig handeln, denn eine Suche in der Millionenstadt Algier wäre dann doch wohl aussichtslos gewesen… So fahren wir nun wieder in die Stadt ganz eng „auf Sicht“ und verlieren uns nicht noch einmal.

Zunächst einige Informationen zur Hauptstadt Algeriens. »Algier (arabisch ‏مدينة الجزائر‎, Madīnat al-Dschazā'ir, algerisches Arabisch und Berber: ‏دزاير‎, Dzayer [dzæˈjer], französisch Alger) ist die Hauptstadt Algeriens. Sie ist die größte Stadt und Namensgeber des Landes, Industriestadt, Verkehrsknotenpunkt und Kulturzentrum mit Universitäten, zahlreichen Instituten, Galerien und Museen.

Im städtischen Siedlungsgebiet der Kernstadt (hohe Bebauungsdichte und geschlossene Ortsform) leben 2,2 Millionen Menschen. Die Provinz Algier mit insgesamt 57 Gemeinden hat 3,5 Millionen Einwohner (2008). In den letzten Jahrzehnten hat sich ein größerer Vorortgürtel um die Stadt gebildet. In der Metropolregion, die weit über die Grenzen der Provinz hinausreicht, leben 6,3 Millionen Menschen (2008). Algier heißt neben der Provinz eigentlich nur die Gemeinde (etwa 150.000 Einwohner), die das Stadtzentrum umfasst.

Das Bild der älteren Viertel von Algier wird von der Kasbah, einer Burg aus dem 16. Jahrhundert, der Großen Moschee aus dem 11. Jahrhundert und der 1660 errichteten Moschee sowie von Bauten aus der französischen Kolonialzeit (1830-1962) geprägt. 1992 wurde die Altstadt (ebenfalls Kasbah genannt) von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.« [Wikipedia].[25]

Zunächst fahren wir dann zur Banque Central d’Algérie, Geld zu wechseln. Danach müssen wir uns um unsere spätere Rückfahrt kümmern, für die wir den spätest möglichen Ferienzeitpunkt vorgesehen haben. Bei der Reederei, mit der wir in Kontakt standen, sagt man uns aber, dass eine Rückfahrt nur fünf Tage früher möglich wäre. Einigen Reiseteilnehmern wäre das durchaus Recht – es machten sich hier erste Ermüdungserscheinungen bemerkbar –. Aber von den Übrigen gibt es vehemente Proteste. Daher werden wir übermorgen einen weiteren Versuch bei einer anderen Reederei unternehmen.

Joachim und ich waren dann bei der Deutschen Botschaft und sprachen mit dem stellvertretenden Pressesprecher, der 1961 Bismarckschüler in Hannover gewesen war. Er verspricht uns, sich um weitere Gesprächsmöglichkeiten in der Botschaft zu kümmern.

Beim Hauptpostamt ist noch keine Post aus Hannover als „poste restante“ eingetroffen. Wir machen dann noch eine gemeinsame Fahrt an der Hafenfront entlang und fahren dann auf der Küstenstraße wieder nach Weste. Anstelle des weiter entfernten Platzes von Larhat finden wir schon bei Tipasa einen geeigneten Campingplatz direkt am Strand. Die antiken Fundstätten von Tipasa sind von der UNESCO der Liste des Weltkulturerbes hinzugefügt worden. »An der Küste des Mittelmeers ungefähr 70 Kilometer westlich von Algier liegt die archäologische Fundstätte Tipasa. Aus dem ursprünglich phönizischen Handelshafen entwickelte sich eine bedeutende punische Stadt, die im 1. Jahrhundert römische Kolonie wurde und zu einem der wichtigsten strategischen Zentren der römischen Eroberung Mauretaniens avancierte. Im Jahr 430 bemächtigten sich die arianischen Vandalen der Stadt, was zur Flucht der bislang hier ansässigen Christen nach Spanien oder zu ihrer Verfolgung durch die Häretiker führte. Nach der byzantinischen Machtübernahme im 6. Jahrhundert verlor Tipasa immer mehr an Bedeutung und verfiel allmählich. Aus der Römerzeit sind die Reste eines Forums, des Amphitheaters, von Villen, Bädern und einer Garumküche erhalten, in der diese würzige Fischsoße produziert wurde. Direkt am Meer stehen die frühchristliche neunschiffige Große Basilika mit schönen Mosaikfußböden sowie Überreste des Kbor er Roumia, des königlichen Mausoleums von Mauretanien.«[26]

Uns bleibt leider keine Zeit, uns mit diesem archäologischen Schatz näher zu beschäftigen.

Mi., 22.07.1981. Wie wir es dringend benötigen, schalten wir einen Ruhe- und Regenerationstag auf dem Campingplatz von Tipasa ein – Ruhe, viel Ruhe! Abends fahren wir in kleiner Besetzung zum Einkaufen nach Tipasa und bewundern dabei des Numidierfürsten und römischen Statthalters Jubas II.[27] und seiner Gemahlin Cleopatra. (Foto Tombeau de la Crietiene, Tipaza.)

Tombeau de la Crietiene, Tipaza, Algérie. 6. September 2005. Quelle: World66.com, Bac Pidc-Alger [Wikipedia].

Do., 23.07.1981. Morgens fahren wir von Tipasa aus wieder nach Algier hinein. Ein Anruf bestätigt uns einen Termin um 12 Uhr in der Botschaft. Vorher machen wir aber noch die notwendigen Einkäufe und machen einen erneuten Buchungsversuch für die Rückfahrt, wofür aber die Zeit schließlich zu knapp wurde. Aber für eine Stadtbesichtigung reichte die Zeit vor dem Botschaftsgespräch noch. (Fotos Algier. Ausfallstraße. Algier. Hafenfront. Algier. Jachthafen. Algier. Güterumschlag. Algier. Innenstadt. Algier. Ältere Außenviertel, Kasbah. Algier. Kasbah, Treppenaufgang. Algier. Kasbah, Hauptstraße. Algier. Kasbah, steile Gasse. Algier. Kasbah, Durchgang. Algier. Kasbah, Haupttreppe.)

Das Gespräch mit dem Entwicklungshilfe- und Wirtschaftsreferenten in der Botschaft, Herrn Jürgens, war interessant und freimütig und brachte uns einige aktuelle Daten zur Situation in Algerien, wobei uns insbesondere der Kontrast zur marokkanischen Situation ins Auge fällt.

1981 hatte Algerien 20 Mio. Einwohner (2008: 32 Mio.), davon 2 Millionen in Algier (2008: 2,2 Mio., Provinz Algier mit insgesamt 57 Gemeinden 3,5 Millionen Einwohner).

Die Einwohnerdichte lag bei 7,3 Ew. pro km² (2008: 13,8 Einwohner pro km²), wovon 96 % auf ca. 16 % der Fläche leben. Etwa 350.000 Personen ziehen pro Jahr vom Land in die Stadt (Landflucht). Die Entwicklung der Bevölkerungszahl bestätigt seit 1981 die strukturelle Krise des Landes: Die Landbevölkerung nimmt langsamer zu als die Bevölkerung der städtischen Agglomerationen. Dabei findet eine demographische Verschiebung statt, indem die junge und produktive Bevölkerung in die Städte abwandert, um dort aber ebenso von Arbeitslosigkeit und Armut eingeholt zu werden, vor allem da der Bildungsstandard der Binnenmigranten mangelhaft ist und das einzige Bildungsangebot oft die islamistische Gruppe darstellt mit dem Slogan „der Koran ist die Lösung!).

Die Wirtschaft wird von der Rohstoffproduktion dominiert. Zwar sind eine Milliarde Erdölvorkommen in leichter, schwefelarmer Qualität ein Glücksfall für die Staatseinnahmen. 1981 gingen ca. 50 % der Erdölexporte in die USA, 15 % in die Bundesrepublik Deutschland. Dazu kommen 3.000 Mrd. Kubikmeter Erdgas, womit Algerien zu diesem Zeitpunkt an der 5. Stelle im weltweiten Vergleich steht. Die Exporte bringen 13 Mrd. US$ Einnahmen, davon 1 Mrd. aus dem Verkauf von Erdgas. Das sind ≈98 % der Gesamtausfuhren. 66 % des Staatshaushaltes beruhen auf Erdöleinnahmen. Wie geht die Entwicklung seit 1981 weiter? »Begünstigt wurde die gesamtwirtschaftliche Entwicklung seit 2003 von kräftig steigenden Öl- und Gaspreisen. Sie sorgten dafür, dass sich die Exporterlöse von 2003 bis 2007 auf rund 60 Mrd. US-Dollar verdoppelten. Der Überschuss in der Leistungsbilanz erhöhte sich auf knapp ein Viertel des Bruttoinlandsprodukts, wozu auch die Überweisungen von im Ausland beschäftigten Algeriern beitrugen. Dank der stark gestiegenen staatlichen Einnahmen aus dem Öl- und Gassektor hatte Algerien auch hohe Überschüsse im Staatshaushalt vorzuweisen. Sie fließen zum Teil als Ersparnisse in den so genannten „Einnahmen-Regulierungs-Fonds“ (FRR). Mittel aus diesem Fonds wurden auch zur Tilgung algerischer Auslandsschulden verwendet, die von rund 58 % des Bruttoinlandsprodukts im Jahr 1999 auf rund 2,5 % des Bruttoinlandsprodukts im Jahr 2009 abgebaut wurden.« [Wikipedia]

Die Außenhandelsbeziehungen zur Bundesrepublik Deutschland betragen 1981 2,5 Mrd. DM Ausfuhren und 4,5 Mrd. DM Einfuhren. Die Entwicklungshilfeprogramme der Bundesrepublik Deutschland in Algerien haben 1981 ein Volumen von insgesamt 20 Mio. DM, wovon ein Schwerpunkt auf dem Ausbau von Staudämmen und insgesamt der Wasserwirtschaft liegt.

Nach dem Besuch in der Botschaft unternehmen wir noch einen Rundgang durch die Kasbah – eine eindrucksvolle, enge, fast unheimlich wirkende Altstadt am Steilhang mit vielen Treppen und Durchgängen, die sich aber langsam schon auf einen wachsenden Tourismus einstellt – und durch Moscheen und an der Hafenfront entlang, die in einmaliger Form durch eine steile Mauer gekennzeichnet ist, die die untere Straße – mit den hier entlang geführten Eisenbahngleisen – von der oberen Promenade vor den prächtigen weißen Häusern mit Hafenblick trennt, und durch zwei gegenläufige Auffahrten und – dazwischen – durch einen großen Personenaufzug überwunden werden kann. Hier war ich vierzehn Jahre zuvor auf meiner Algerienreise mit Dr. Achenbach angekommen und wieder abgefahren. Das weckt doch einige Erinnerungen!

Erst am späten Nachmittag ging es dann wieder aus der Stadt heraus über die Küstenautobahn in Richtung Osten und dann durch El Harrach und El Arba auf der RN 8 hinauf zu unserem ersten größeren Pass. Die Fahrt über den Col des Deux Bassains war landschaftlich beeindruckend. (Fotos Auf der Straße nach Bou Saada. Hügelketten bei Bou Saada. Sonnenuntergang bei Bou Saada.)

Zur Übernachtung suchten wir uns einen Platz an einer Nebenstraße hinter Toblat.

Fr., 24.07.1981. Auf der Hauptstraße geht es durch Sour El-Ghozlane, einer kabylische Kleinstadt am Rande der Kabylei, und über den Col de Dirah. Hier findet ein bemerkenswerter Landschaftswandel statt, der den Charakter des Gebirgszuges als Wetterscheide bestätigt. Wir kommen am nördlichen Hang aus mediterranem Laubwald hinter dem Pass in eine Gebirgsmaccie und weiter in die Steppenlandschaften der Hochflächen. In Bou Saada kommen wir an den Rand des Hodna-Beckens und damit in ein Sandgebiet um einen großen Chott, also eine Salztonsteppe. Die Oase Bou Saada – übersetzt „Vater des Friedens bzw. des Glücks“ – ist eine Pilgerstadt, in der Pilger zu den Heiligen Stätten des Islam bei ihrem anstrengenden Weg durch die Steppen und Wüsten Ruhe und Erholung finden. Bou Saada ist damit eine typische Hochflächen-Kleinstadt mit einem großen, gut gepflegten Palmgarten.

Eine Erinnerung kommt mir an meine Algerienreise vor vierzehn Jahren. Bei Biskra hatten wir damals die Gelegenheit eine „Feria“ – d. h. ein Volksfest – zu besuchen, bei der Kamelrennen durchgeführt wurden und vor allem eine Volksmusikgruppe aus Bou Saada aufspielte. Damals wurde uns gesagt, dass Bou Saada berühmt sei für ihre gute und eingängige Volksmusik, die von einer ganzen Reihe von Gruppen vorgetragen würden.

In Bou Saada kommen wir an den Rand des Hodna-Beckens und damit durch ein Sandgebiet. Wir beobachten das Aufziehen eines Sandsturms. Den Aufenthalt in Bou Saada nutzen wir zum Einkauf, doch war dieser an einem Freitag etwas mühsam. Trinkwasser in Flaschen gibt es nur gegen Herausgabe von Leergut einzeln – wir müssen also sofort die Flaschen austrinken. Schwieriger wird der Versuch, Campinggas zum Nachfüllen unserer Flaschen zu erhalten. Es war völlig ausverkauft und man sagte uns, dass die Gasfabrik „in die Luft geflogen“ sei – wohl ein Defekt bei der üblichen Schlamperei im Ramadan. Mal sehen, wieweit wir mit unseren Resten kommen. Dies wurde noch viel aktueller und brisanter auf unserer Rückreise von Tunesien nach Algier.[28] (Fotos Bou Saada. Bou Saada. Ortsbild. Bou Saada. Eselreiter.)

Beim Nähern an die Zab-Oasen hinter den Mts. de Ziban kommt schwere, schwüle Hitze auf, sogar einige Regentropfen sind in der Luft. Abends auf einem eigentlich guten Platz zum Campen an einem Oued abseits der Straße will es nicht abkühlen. Im Zelt ist es unerträglich heiß. Ich setze mich bis nach Mitternacht ins Freie. Aber auch später wird es nichts mit dem Schlaf, bis einige ihre Luftmatratzen ins Freie legen. Doch die Nacht war dadurch viel zu kurz.

Von Biskra in die Wüste

Sa., 25.07.1981. Ein durch Schlafmangel unangenehm müder Tag, an dem die schwüle Hitze weiter geht. Ich vertrage diesen Zustand der Hitze nicht mehr, auch der Kreislauf macht nicht mehr richtig mit. Etwas hilft ein angefeuchtetes Handtuch, das um die Stirn gebunden wird. (Foto Weiterfahrt Richtung Biskra.)

In Biskra müssen wir lange an der Tankstelle warten, da Stromausfall war und das Benzin mit der Handpumpe in den Tank gefördert werden musste. Wir fahren dann hinaus an den Ortsrand unter Bäume und machen eine stundenlange Siesta. »Die Mittagshitze von über 40° C im Schatten ist Grund genug für eine Rast. Wir packen unsere Bastmatten aus und legen uns in den Schatten der hohen Dattelpalmen der Oase. Um uns herum nur Ruhe, die Geschäftigkeit des Morgens ist vergessen, nur das Summen von Mücken und anderen Insekten, das Rascheln der Käfer im trockenen Laub am Boden, die Ameisen, die in langen Zügen auf ihren immer gleichen Wegen Zweigstückchen, Blattfragmente und anderes zu ihren Bauten im Boden bringen, wecken immer wieder unsere Aufmerksamkeit; es sind die in der feuchteren Oasenluft immer wieder zu beobachtenden Begleiter des Wüstenreisenden, mit Skepsis und auch einer gewissen Furcht vor Stichen, Bissen und Infektionen beobachtet...

Doch die Trägheit und Müdigkeit siegt, und wir verfallen in eine bleierne Mittagsruhe zwischen Schlaf und Wachen. Gegen die Hitze kann ab und zu ein angefeuchtetes Handtuch, über die Stirn gelegt oder als Turban um den Kopf geschlungen, helfen.

»Ein dumpf brummendes Fahrgeräusch, das die Ruhe auf allen Straßen plötzlich unterbricht, lässt uns die Augen wieder öffnen. In eine dichte Staubwolke gehüllt nähert sich ein übergroßer LKW aus dem Fernverkehr. Doch etwas Unerwartetes geschieht. Das Fahrzeug bleibt nicht auf der Straße sondern lenkt in einer scharfen Kurve zwischen die Palmen, gerade auf uns zu, was uns doch augenblicklich einiges Unbehagen verursacht. Dicht neben uns kommt der LKW zum Stehen und die Fahrertür öffnet sich. Der ‚Trucker‘, der nun aussteigt und zu uns herüber kommt, scheint kaum achtzehn Jahre alt zu sein, klein, zierliche Figur und völlig verschwitzt: sicherlich nicht das, was wir uns von einem Fernfahrer durch die Wüste vorgestellt hatten...

Was wir noch weniger erwartet hatten: er spricht uns auf Deutsch an. Nach den üblichen höflichen Begrüßungen hockt er sich zu uns und beginnt zu erzählen. Von der Straße aus hat er unsere zwei weißen VW-Busse gesehen und gleich vermutet, dass wir deutsche Touristen seien. Schon lange hätte er keine Gelegenheit mehr gehabt, sich in deutscher Sprache zu unterhalten, was er sehr vermisst hätte.

Woher er diese Sprachkenntnisse habe? Nein, nicht aus der Schule. Als Kind wohnte er mit seinen Eltern in der Stadt gerade neben einer deutschen Familie, die – wenn ich es richtig erinnere – als Techniker oder Ingenieure in Algerien tätig waren. Einfach so, im Spiel mit den deutschen Kindern, hat er sich einige deutsche Sprachkenntnisse angeeignet. Es ist überraschend, dass er jetzt, Jahre danach, noch eine flüssige Unterhaltung in dieser Fremdsprache führen konnte.

Solchen nahezu natürlichen Fremdsprachenerwerb aus der täglichen Praxis heraus können wir in unserem schulischen Fremdsprachenunterricht nicht vermitteln. Was aber noch denkenswerter zu sein scheint, ist, dass gerade dieser alltägliche Spracherwerb nicht die Freude am Sprachenlernen vermindert sondern, im Gegenteil, Spaß am Sprechen, sich miteinander in der Fremdsprache zu unterhalten, vermittelt.

Die Freude unseres ‚Truckers‘, wieder eine deutsche Unterhaltung führen zu können, war ganz spontan und unmittelbar empfunden. Was machen wir in unserem Schulsystem falsch, dass jahrelanger Sprachunterricht bei vielen Schülerinnen und Schülern die Freude am Sprachenlernen vergällt und letztlich sogar die Fähigkeit, sich Sprachen anzueignen mindert? Ich denke, dass diese kontraproduktive Funktion des Schulunterrichts nicht nur in den fremdsprachlichen Fächern, sondern in eigentlich jedem ‚wichtigen‘ (und das heißt: versetzungs- und abschlusswichtigen) Fach zu beobachten ist.

Dies bestätigt die ‚klassische‘ pessimistische Bestandsaufnahme von Ivan Illich, der als Konsequenz daraus die »Entschulung der Gesellschaft« fordert. Die tiefe strukturelle ‚Krankheit‘ unseres Schulwesens lässt eine solche radikale Therapie doch mindestens diskussionswürdig erscheinen. Leider sind ja nicht nur die Ansätze von Illich, sondern auch die Rezeptionsversuche durch von Hentig wieder beinahe gänzlich aus der bildungspolitischen Diskussion verschwunden.

Aber gerade, wenn es um geeignete Lernsituationen für das Interkulturelle Lernen geht, sollte unser Blick sehr deutlich auf die tatsächlichen Folgen des Schulunterrichts gerichtet werden: auf den tatsächlichen Abbau von sozialer Kompetenz, auf die Demotivation, die Schule ihren eigenen Anliegen gegenüber fördert, auf die kommunikativen Mängel und die psychischen Blockierungen, die durch die Schule selbst aufgebaut werden. Vor dem Erfolg Interkulturellen Lernens steht die Notwendigkeit, unser Schulsystem einer kritischen Revision zu unterziehen.

Unsere Begegnung in Biskra vermittelte uns darüber hinaus aber noch andere Einblicke in die gesellschaftlichen Lebensbedingungen in Algerien. Der ‚Trucker‘ ist ein ‚moderner‘ Beruf, der nicht nur in seiner ökonomischen Funktion dem ‚modernen Sektor‘ – über die Problematik dieser Begrifflichkeit muss an anderer Stelle Grundsätzliches ausgesagt werden – zugeordnet ist, sondern in der Struktur der Tätigkeit an der Maschine und im Straßenverkehr, im Transsaharaverkehr auch grenzüberschreitende internationale Erfahrungen vermittelnd, das Bewusstsein der Arbeiter prägt. Doch kann dieser Beruf auch an die Traditionen der Weltoffenheit der traditionellen Karawanenführer anknüpfen. Dass das keine Spekulation ist, zeigt sich daran, dass ein wesentlicher Teil des Transsaharaverkehrs in den Händen der Spediteure aus dem M‘Zab, der „Fünf-Oasen-Stadt“ der Ibaditen um Ghardaia und Beni Isguen in der zentralen Sahara liegt, die früher wichtige Karawanenhalter gewesen sind.

Durch diese Überlegungen wird deutlich, wie vielschichtig zivilisatorische Veränderungen ablaufen und dass antagonistische Gesellschaftsvorstellungen von ‚traditionellen‘ und ‚modernen‘ Entwicklungsstufen nicht taugen. Die ‚Modernität‘ der angeblich ‚traditionellen Lebensformen‘ sollte deutlicher erkannt und betont werden. Es lag im kolonialen Interesse und es liegt weiterhin im Interesse der ökonomisch herrschenden Industrieländer, diesen postulierten ‚Modernisierungsgegensatz‘ zu betonen oder gar erst im Sinne einer self-fulfilling prophecy zu erzeugen (vgl. die Analysen über den Orientalismus von Said ).

Dennoch ist festzuhalten, dass der soziale Status von einzelnen Berufen in Ländern mit unterschiedlichen sozioökonomischen Strukturen und Problemlagen recht unterschiedlich eingeschätzt wird. Während bei uns in Deutschland Angehörige des Verkehrsgewerbes – LKW-Fahrer, Bus- und Taxifahrer, Straßenbahnfahrer etc. – als überwiegend „ungelernte Arbeiter“ recht weit unten auf der sozialen Ansehensskala stehen, ist ihr Ansehen in den ärmeren Ländern des „Südens“ sehr viel höher, ihrer gesellschaftlichen und ökonomischen Bedeutung entsprechend. Dieses Ansehen setzt sich jedoch nicht gleichermaßen in Einkommens- und Aufstiegschancen um, auch nicht in akzeptablen Arbeitsbedingungen.

Unser algerischer ‚Trucker‘ war darauf angewiesen, nahezu ununterbrochen im ‚Ein-Mann-Verkehr‘ die große Saharatour zu fahren, Woche für Woche, Monat für Monat, bei unerträglicher Hitze, ohne funktionierende Klimaanlage... Das Gehalt betrug im Monat umgerechnet einige hundert Mark. Wie lange ein Mensch diese Arbeit gesundheitlich durchstehen kann, darüber sind nur Spekulationen möglich. Eine funktionierende Alterssicherung gibt es in Algerien nicht; diese Aufgabe muss, wenn vorhanden, die Familie übernehmen, wie auch jeder Arbeiter für eine ganze Reihe von Personen in seiner Familie finanziell verantwortlich ist. Dennoch betraf die einzige Klage die fast unerträgliche Hitze – und dagegen können wir alle nichts tun...« (Aus: Gerhard Voigt, Die Wahl des Studienfaches Geographie. Die Bestimmung des Geographen: Der Weg durch Wüsten und Kontinente.)

Nach der Mittagspause fährt dann unser kleiner „Trucker“ mit seinem Mercedes-Sattelschlepper weiter in Richtung Biskra und wir machen uns auf den Weg in die entgegengesetzte Richtung. Die heiße Strecke in die Rhir-Oasen halte ich nur unter feuchten Tüchern aus.

Über die Rhir-Oasen und ihre geographisch-geologischen Rätsel schreibt der klassische Afrika-Forscher Gerhard Rohlfs: »Nach Desor ist die Ued-Rhir-Depression eine Auswaschung; wie dieselbe entstanden, wagt er vor der Hand nicht zu erklären. Wenn wir indess sehen, wie der Rhein den Bodensee, die Rhone den Leman-See, und verschiedene andere Flüsse Seen haben auswaschen und durchfliessen können, so ist die Annahme wohl erlaubt, dass der Ued-Rhir und der Schott-mel-Rhir einst Durchgangsseen des Irharhar gewesen ist. Durch Duveyriers Untersuchungen und durch Buderba's Reisen ist es vollkommen festgestellt, dass der Irharbar in den Ued-Rhir einmündet. Bei anderen topographischen und klimatischen Verhältnissen hat vielleicht früher der Irharhar bedeutende und immer fliessende Wasser geschwemmt, und die Rhir-Erosion wäre gewissermassen der „Bodensee“ dieses Flusses gewesen. Alle Einsenkungen zeigen entweder Sand oder Thonboden, und oft sind sie die wahren Heime des Dünensandes.

Es wäre vielleicht natürlicher, nachdem wir die Areg Djebel-, Hammada-, Sserir- und Djof-Formationen der Sahara beschrieben haben, daran die Uadi-, Irharhar- und Sebcha-Läufe und Becken zu knüpfen; indess darf man das Bindeglied beider, die Oase, nicht unerwähnt lassen. Denn die Oase kann nur da sein, wo die Bodenbeschaffenheit im Verein mit dem Wasser dieses ermöglicht.

Aber auch überall da, wo Wasser ist, und wäre dieses selbst brakischer Natur, sehen wir, dass Grün hervorsprosst, dass Pflanzen gedeihen: es bilden sich Oasen. Barth schon betont es, dass selbst der anscheinend unfruchtbarste Sand bei Benässung sogleich ein reiches Pflanzenleben erzeugt.

Die Entstehungs- und Existenzbedingung einer Oase ist verschieden, so dass man danach auch verschiedene Arten von Oasen hat. Zuerst kann man nämlich unterscheiden zwischen Oasen, die oberflächlich fliessende, natürliche, oder unterirdisch fliessende, natürliche Bewässerung erhalten. Dahin gehören z.B. die Oase des Ued Draa, deren ganze Vegetation durch den oberflächlich fliessenden Draa bewässert wird, das obere Tafilet, das aus dem Sis seine Oasenbildung bekommt. Zu den zweiten Oasen, die durch unterirdisch fliessendes Wasser erzeugt werden, gehören z.B. Tafilet, d.h. nur das eigentliche Tafilet südlich von Ertib, der grösste Theil der nördlichen Oasengruppe von Tuat, und viele andere kleinere, südlich vom Atlas.«[29]

In der völlig trockenen Wüste mit Sandflächen und vorherrschend Salzton- und Gipsflächen finden sich – entlang der Straße – aufgereiht wie eine Perlenkette kleine Oasen und Palmgärten, die verständlich machen, dass die Rhir-Oasen wesentlich zum Dattelexport Algeriens beitragen mit Früchten einer besonders guten Qualität. Doch von einem Fluss ist nichts zu sehen, nur in kleinen Senken entdecken wir, versteckt von dichtem Schilf, kleine grün leuchtende Seen oder besser Tümpel, die Kennzeichen dafür sind, dass dieser „Fluss“ unterirdisch fließt – ebenso wie der Oued in „El Oued“, wohin wir am nächsten Tage gelangen werden.

In der ansonsten kaum bewohnten Palmoase von Djamâa – rechter Hand von der Straße findet sich wieder ein schilfbedeckter grüner Teich – „rettet“ uns eine Tankstelle mit einem klimatisierten Raum in einem Container, in den uns der Tankwart freundlich einlädt. Kostenlos erhalten wir gekühltes Trinkwasser und Eiswürfel, die wir uns im Hemd am Rücken herunterrutschen lassen können. Das stützt nun meinen Kreislauf und ich kann doch noch etwas von dieser Oasen-Gruppe, die Achenbach gut beschreibt[30], mitbekommen.

Weiter geht es nach Touggourt. »Touggourt (arabisch ‏تقرت‎, DMG Tuqurt; Berber, Einfahrt oder Gatter) ist eine Kleinstadt in der Provinz Ouargla im Nordosten von Algerien. Touggourt hatte in früherer Vergangenheit Bedeutung als Knotenpunkt im Transsaharahandel. Außerdem war die Stadt Hauptsitz der Ouled Djellab-Dynastie. Vor der Kolonialisierung durch die Franzosen im 19. Jahrhundert herrschten seit dem 15. Jahrhundert in der Oase deren Stammesführer.« [Wikipedia].

Nach einigen Einkäufen lassen wir uns in einem traditionellen Lokal nieder und genießen verschiedene Kuskus-Gerichte – mit Fleisch und gesüßt. Couscous, Cous Cous oder Kuskus (von Suksu bei den Berbern und ‏كسكسي‎, DMG Kuskusī, bei den Arabern) ist ein Grundnahrungsmittel der nordafrikanischen Küche. Er wird aus befeuchtetem und zu Kügelchen zerriebenem Grieß von Weizen (Hartweizengrieß), Gerste oder Hirse hergestellt. Couscous wird zum Garen nicht gekocht, sondern über kochendem Wasser oder einem kochenden Gericht gedämpft.[31] So endet dieser heiße Tag doch noch versöhnlich und angenehm.

Anschließend fahren wir etwas hinaus in die Wüste zum Übernachten. Doch die harte Oberfläche der Gipstone macht das Aufstellen der Zelte unmöglich, so dass wir auf unseren Luftmatratzen unter freiem Himmel nächtigen und ein dunkles Firmament mit einer Unzahl von Sternen bewundern können. Auch die Milchstraße ist hier zu sehen, ebenso wie verschiedene Sternbilder gut zu erkennen sind. (Foto Übernachtung bei Touggourt.)

So., 26.07.1981. Morgens besichtigen wir unter sachkundiger Führung die Sehenswürdigkeiten von Touggourt. Interessant sind die Altstadtstraßen im Nachbarort Tamellaht aus Lehmziegelhäusern, in deren Zentrum sich der Marabout, eine großartige Kuppelmoschee aus dem 13. Jahrhundert befindet, die ebenfalls aus Lehmziegeln gebaut ist – mit eindrucksvollen Stuck-Schnitt-Ornamenten und durch arabeske Mustern im Mauerwerk geziert, die teilweise Koran-Zitate in kufischer Schrift beinhalten – und deren Statik Verwunderung einfordert. (Fotos Tamellaht, Straßenszene. Tamellaht, Straßenbögen. Tamellaht, Gang durch die Straßen. Tamellaht, Ziegelmoschee (Grabmoschee). Tamellaht, Ziegelmoschee, Kuppel.)

In Temacine besichtigen wir den sudanesischen Moscheeturm, den wir besteigen können und der uns einen großartigen Überblick über die Oasengruppe und die Königsgräber und Moscheen der Ouled Djellab-Dynastie gibt. Die Oasenbesichtigung bietet uns mehr Sehenswürdigkeiten und geschichtlichen Aufschluss, als wir es vorher vermutet oder erwartet hatten. (Fotos Bei Temacine. Blick auf den Ort. Temacine bei Touggourt. Temacine, Blick auf den Ort. Temacine, Lehmhäuser. Temacine, Gasse.) Nach der Besichtigung der Altstadt und nach einer Mittagssiesta unter Palmen geht es weiter in den Souf.

Auf dieser Fahrt erleben wir zum ersten Mal so richtig die Macht des Sandes, denn wir befinden uns am Rande des östlichen Großen Erg. Immer wieder wird der Sand der Wanderdünen auf die Straße geweht und versperrt die Durchfahrt. (Fotos Auf dem Weg nach El Oued. Oase im Dünengebiet von El Oued. Dünengebiet von El Oued, Dattel-Fruchtstand.)

Die Stadt El-Oued in der Oasengruppe des Souf mit ca. 900 000 Einwohnern in der Region liegt ca. 700 km südlich von Algier entfernt, 100 km von der tunesischen Grenze und etwa 200 km von Biskra und 90 km von Touggourt entfernt. Die Oasengruppe hat einen ganz eigenen Charakter, da sie mitten in einem Wanderdünenfeld des Östlichen Großen Erg liegt. Die Palmanpflanzungen liegen mitten im Sand in schalenförmigen Vertiefungen, die von den Dünen durch kleine Hecken und geflochtene Bänder aus Reisig geschützt werden. Von einiger Entfernung sieht man dann über den Sand nur vereinzelt Palmwipfel empor ragen. Doch auch hier sorgt ein unterirdischer Fluss für eine reiche Dattelernte höchster Qualität. Aber bis an den Ortsrand schieben sich die Wanderdünen heran und verschütten teilweise die Lehmziegelhäuser in ihrer typischen Bauweise mit Tonnendächern. (Fotos El Oued, Hauptstraße. El Oued, Moschee. El Oued, Straßenszene. El Oued, Auf die Düne am Rande der Stadt. El Oued, Blick auf die Stadt. El Oued, Siedlungsbild.)

Es ist verwunderlich, wie in dieser trostlosen Sandlandschaft Menschen die unterirdischen Wasservorräte gefunden haben und für die Oasenwirtschaft nutzbar machten. Die Geschichte geht auf eine heterodoxe islamische Gruppe aus der Anfangszeit der arabischen Eroberung Nordafrikas zurück, die Ibaditen[32], die teilweise vor der Verfolgung in den Westen flohen. Ihre erste Niederlassung fanden sie auf der tunesischen Insel Djerba, von wo sie aber – zumindest teilweise – wieder vertrieben wurden. Sie flohen dann in die unwirtliche Wüste des Souf, wo sie ihre detektivische Fähigkeit entwickelten, aus kleinen Anzeichen in der Tier- und Pflanzenwelt auch zwischen den Dünen unterirdische Wasservorkommen aufzuspüren. So entstand die blühende Oasengruppe um El Oued, deren Name schließlich „der Fluss“ bedeutet, obwohl zwischen den Dünen nirgends ein Oued zu erblicken ist. Doch Phasen einer neuerlichen Verfolgung ließen die Ibaditen noch weiter ins Zentrum der Sahara ziehen, wo sie als Mozabiten die Oasengruppe des M’Zab[33] um Ghardaia gründeten, tausend Kilometer von den nächsten besiedelten Gegenden entfernt. Ihre Identität sicherten sie in Beni Isguen, der heiligen Stadt der Mozabiten, in die – zumindest über Nacht – auch heute kein fremder kommen darf, während sich Ghardaia zu einem Touristenzentrum entwickelt hat – und zu einem Zentrum des Trans-Sahara-Fernverkehrs und des Anbaus von hochwertigen Südfrüchten und Frühgemüse.

Zurück nach El Oued. Die Ortschaft ist durch ihre besondere Architektur bemerkenswert – und so geht hier der Sand der umliegenden Dünen in die sandfarbenen Lehmziegelmauern der meist nur eingeschossigen Wohngebäude über, deren Tonnengewölbe dem Blick über die Stadt von den höheren Dünen am Stadtrand aus einen einmaligen Charakter verleihen.

Zur Übernachtung fahren wir dann aus der Stadt hinaus, aber kommen wegen der einbrechenden Dunkelheit nicht mehr aus dem Dünengebiet heraus. Als es dunkel wurde wollten wir etwas ganz besonderes erleben. Wir stellten unsere Fahrzeuge zwischen zwei Sandverwehungen am Straßenrand auf – direkt neben einem Dünenfeld. Oben auf der Düne legten wir dann unsere Bastmatten bzw. Luftmatratzen aus und legten uns unter freiem Himmel Schlafen. Der Nachthimmel in diesen trockenen Wüstengebieten ist immer wieder überwältigend in seiner Klarheit und seinem Sternenreichtum. Die ersten Stunden genossen wir dann einen himmlisch ruhigen Schlaf. Dann aber beginnt der kühle immer stärker werdende Nachtwind und der Sand setzt sich in Bewegung und sandet uns völlig ein. Im Schlaf liegen Ohren und Gesichter plötzlich im Sand, die Unterlagen verschwinden im Treibsand – und, nachdem wir dann aufgewacht und aufgestanden sind, ist ein Schuh tatsächlich völlig verschwunden. Gegen fünf Uhr morgens verziehen wir uns dann sandig und frierend in unsere Busse zu einem sitzenden „Nach-Schlaf“ bis zum bald folgenden Morgengrauen.

Aber damit kommen wieder ältere Erinnerungen aus dem Dunkeln empor an die Algerienreise mit Dr. Achenbach vor vierzehn Jahren. So sollen hier einige Eindrücke noch einmal eingefügt werden.[34]

Und morgen Abend,

und wenn der Nachtwind weht,

kommt unser General geritten…

General geritten…

Der bringt uns Rakı,

der bringt uns, aj ho Bogami he –

der bringt uns tausend Golddukaten

tausend goldene Dukaten.[35]

Der Nachtwind ist eine Erfahrung, die sehr real erlebt wird und zu den Eindrücken jedes Aufenthalts in den Gebirgen der Wüsten und Steppen gehört. Der Nachtwind weht von den kühleren Bergen die Hänge und Täler herunter, wenn die Sonne untergegangen ist und die aufsteigenden Winde über den erhitzten Steppen nachlassen. Der Nachtwind bringt die ersehnte Abkühlung und lädt ein, zusammen zu sitzen und die einbrechende Nacht zu genießen. Auch erst zu dieser Zeit kommt dann auch der Hunger nach kräftigerem Essen, Schaschlik, Döner, frischem Lammbraten, Kuskus aber natürlich zu einem guten Schluck Wasser und Rakı…

Aber der Nachtwind kann auch zu einem kalten Sturm werden. Ich selbst habe das auf unserer ersten Algerienreise mit Dr. Achenbach erlebt. Von der saharischen Vorgebirgsebene aus sind wir eines Nachmittags, uns an Fahrspuren und dann eher provisorisch in den steilen Hang herein gefräste Straßen und Pisten im Tal des Oued Mestaoua nördlich von Djemina (18. März  1967) haltend, in das südliche Aurés-Gebirge hineingefahren, um Landschaftsformen, Vegetationsstufen und Siedlungen zu kartieren, wie es unser wissenschaftlicher Auftrag war. Die Fahrt war durch die mäßigen Straßenverhältnisse behindert, steile Passagen und lockere Geröllbänder erzwangen ein vorsichtiges Vorankommen. So wurden wir dann am Hang von der hier im Gebirge sehr schnell, fast plötzlich einbrechenden Dunkelheit überrascht und wurden gezwungen, einen Übernachtungsplatz für unseren VW-Bus zu finden. Geeignet erschien uns ein Verbreiterung der Straße in einer Kurve, die durch eine großen Felsblock etwas abgeschirmt war – in der Dunkelheit war dann unser Wagen kaum zu sehen und, wenn auch mit geringer Wahrscheinlichkeit konnte ja auch nachts ein „Camion“ die Strecke herunter kommen. Doch machten wir uns klar, dass der Wagen so stand, dass der Ausstieg zur Straßenseite hin ging und dass auf der anderen Seite der Steilabfall in das rund hundert Meter tiefere Tal drohte, falls wir in der Dunkelheit einmal unseren Wagen verlassen mussten. Wir bauten dann unser Nachtquartier im Wagen wie jeden Tag auf, zogen an allen Seiten die Vorhänge zu und waren – zufrieden nach einem leckeren Abendessen am Campingtisch beim Campingkocher und mit einem Glas algerischem Rosé-Wein aus Mascara – sehr bald eingeschlafen. Doch weckte uns etwa um Mitternacht ein anschwellendes Brausen und Sausen, durch die Ritzen im Wagen fühlten wir kühle Luft hineindringen und der Wagen kam immer mehr ins Schwingen und Schlingern, obwohl er gut und sicher festgebremst war und auf einer ganz ebenen Stelle stand. Doch der Sturm wurde immer stärker und dann vermeinten wir, dass der Wagen sich langsam in Bewegung setzte und zentimeterweise in Richtung auf den Talabhang rutschte. Das war nun tatsächlich nicht ganz unmöglich, da der Untergrund aus lockerem Schotter bestand. So stiegen wir dann doch besorgt aus und fanden unsere Befürchtungen bestätigt. Nun galt es, schwere und kantige Steinblöcke zu sammeln und auf allen Seiten vor und hinter den Rädern zu verkeilen. Das gelang und dann war der Nachtsturm nur noch eine erfreuliche Abkühlung von der Tageshitze, in der wir dem nächsten glühheißen Sonnentag entgegenschliefen…

Mo., 27.07.1981. Etwas müde, aber nach der kühlenden Nacht gekräftigt, haben wir heute ein großes Fahrprogramm zu bewältigen. Zwischendurch einige Erlebnisse. Das Fahren wird durch die Sandverwehungen auf der Straße erheblich behindert. Einmal sind wir auch stecken geblieben und mussten uns erst mühsam mit Schaufeln und Schieben aus dem Sand befreien. Ein Kombi eines Algeriers war von uns nicht in Gang zu kriegen trotz eines umfangreichen Reparaturversuchs durch Sascha. (Fotos Dünengebiet von El Oued. Sandrosen. Auf der Düne. Sandverwehung. Im Sand stecken geblieben. Warnung vor dem Sand.)

Eine weitere Sanddurchfahrt hielt uns auf, aber wir kamen durch. Teilweise führten Notwege abseits der Straße um Dünenverwehungen herum. Auf einem dieser Umwege war dann ein algerischer Lieferwagen, ein „Camion“ – mit Schafen hinten drin –, von der Straßenböschung herunter gerutscht. Die drei Insassen bekamen ihn nicht wieder flott. Dabei passierte ein kleiner Unfall, bei dem eine Frau sich an der Hand verletzt hatte. Wir konnten zunächst mit etwas Verbandszeug und dann mit tatkräftiger Hilfe beim Befreien ihres Fahrzeuges mitmachen und haben den Wagen tatsächlich flott bekommen. Es herrschte große Dankbarkeit.

Nach langer Fahrt durch menschenleere Steppen kamen wir wieder zum Gebirgsrand der Nemenchas bei Negrine –einer kleinen Oase am südöstlichen Fuß des Nemencha-Gebirges. – Dies sind Gebiete, die ich von meiner ersten Fahrt nach Algerien her kenne. (Fotos Kamele in der Steppe bei Negrine. Notunterkünfte für Nomaden.)

Tebessa wird nur ein kleiner, nicht allzu beeindruckender Zwischenaufenthalt. Die Stadtmauer und das römische Tor von „Theveste“ – einer Siedlung, die bis auf römische Zeiten zurück geht und im Frühchristentum Bistumssitz war – werden besichtigt. Tanken und Wassernachfüllen geschieht wie üblich und ist Anlass für ein Gespräch mit dem Tankwart über die Situation in Algerien.

Aus Tebessa heraus geht es dann – wohlversorgt Mit neuem Mineralwasser und Schokolade zur tunesischen Grenze. Die Abfertigung in Bou Chebkha ist etwas langwierig, aber auf beiden Seiten korrekt und konziliant. Wir klären dabei die Gültigkeit unserer Visa für eine zweite Einreise nach Algerien. Im Gespräch über die Zollformalitäten wird mir eine algerische Zigarette angeboten, die ich dann – obwohl Nichtraucher – aus Höflichkeit rauche.

Leider können wir an der tunesischen Grenze kein Geld umtauschen. Das geschieht dann erst in einer größeren Siedlung am nächsten Tag. Kurz hinter der Grenze kampieren wir in einem lichten Wald nahe der Straße. Es folgt ein kühler Abend für unsere Verhältnisse.

In Tunesien

Di., 28.07.1981. Morgens wurden uns vor den Augen von Berthold zwei Töpfe vor einem kleinen Jungen geklaut, der dann aber uneinholbar auch vor der Verfolgung von Sascha verschwand. In rascher Fahrt geht es nach Sbeitla. Die Straßen sind recht gut, so dass wir ein gutes Pensum erledigen. Mangels tunesischer Dinare können wir das römische Ruinenfeld von Sbeitla nur durch den Zaun bewundern. Zur Geschichte Sbeitlas schreibt die Website „Tunesische Impressionen“ (www.tunesieninformationen.de Paul Sippel): »Sufetula scheint eine späte Gründung zu sein, wahrscheinlich unter Kaiser Vespasian (69 - 79). Sie war zuerst Municipale, später dann Kolonie. Ab dem 3. Jahrhundert sind dort christliche Bischöfe bezeugt, was auf ein christliches Zentrum schließen lässt. Danach wurde Sufetula eine byzantinische Festung. Davon zeugen byzantinische Forts, eine Kirche, Winterthermen, der Antoninus-Pius-Bogen, das Kapitol, die Basilika und vieles mehr. Dann wird der Name dieser Stadt nicht mehr erwähnt bis zum Ende der byzantinischen Epoche, als gegen 660 der byzantinische Heerführer Patrick Gregor sie zur Hauptstadt eines vom Karthager Exarchat unabhängigen Imperiums ernennt. Allerdings nur für kurze Zeit, denn Gregor wird besiegt und von den Arabern getötet. Die Stadt Sufetula wird zerstört und gerät in Vergessenheit.« (Foto Sbeitla.)

Hier in Tunesien werden die Straßenverkäufer und Schnorrer wieder aufdringlicher, wenn auch längst nicht so unangenehm wie in Marokko. Ist dies ein Indikator für die sozialen Verhältnisse in einem Land oder eher für die Häufigkeit der Touristenkontakte und der sozialen Divergenz der Touristen zur einheimischen Bevölkerung?

In Kairouan wie vorher schon in Sbeitla zeigt es sich, dass die Banken nur wenige Stunden am frühen Vormittag geöffnet sind – eine Folge des Ramadan. So bleibt uns nach einigem Durchfragen nur noch, in einem Hotel vorerst 200 DM einzutauschen. Damit können dann die Lebensmittel für den Abend eingekauft werden. Der zweite Bus mosert schon die ganze Zeit. Viel Einsicht haben die Jungens nicht, sehen sie doch, dass wir kein Geld haben…

Ein Rundgang durch die Medina – mit Kauf eines neuen Topfes – und die Fahrt zur Großen Moschee, der Kasbah und den „Bassins der Aghlabiden“ vervollständigen unser Programm. (Fotos Kairouan oder Qairawān (arabisch ‏القيروان‎, DMG al-Qairawān), ist eine Stadt in Tunesien mit etwa 120.000 Einwohnern. Bis zum 11. Jahrhundert war die Stadt ein wichtiges Zentrum der islamischen Gelehrsamkeit in Nordafrika (Ifriqiya), von dem aus Einflüsse bis auf die Iberische Halbinsel nachzuweisen sind. Zeitweise stand Kairouan in erbitterter Konkurrenz um Macht und Einfluss mit Kairo, aber auch mit Cordoba. – Die „Bassins der Aghlabiden“ werden datiert auf den Beginn der zweiten Hälfte des neunten Jahrhunderts und befindet sich außerhalb der Mauern der Medina von Kairouan. Sie gelten als die wichtigsten hydraulischen Werke in der Geschichte der muslimischen Welt. Gebaut, um 860 - 862, während der Herrschaft des Aghlabiden Aboul Ibrahim (856 - 863), sie sind nur ein Teil der fünfzehn Teiche, die die Stadt mit Wasser versorgen. Das Ausmaß und die Genialität dieser Leistung hat schon immer die Bewunderung der Reisenden gewonnen und ließ Kairouan als „Stadt der Wasserteiche“ gelten.[36] (Fotos Kairouan. Straßenszene, Souk. Kairouan. Straßenszene. Kairouan. Große Moschee. Kairouan. Ladenzeile. Kairouan. Teppichhändler.)

Anschließend fahren wir in Richtung Sousse und kommen hinter einem Acker und einer Opuntien-Hecke unter. Auf der Fahrt hierher nutzen wir noch die Gunst der Stunde. Abseits der Ortschaften treffen wir auf einen verlassenen, reichlich demolierten VW-Transporter im Straßengraben. Schnell bauen wir die vordere Dreiecksscheibe aus und nutzen sie als Ersatzteil für unsere in Barcelona eingeschlagene Scheibe, die wir zwischenzeitlich nur mit einem Stück Plastikfolie abgedeckt hatten. (Fotos Hinter Kairouan. Abendstimmung. Wrack-Fledderei. Campen hinter Opuntien.)

Die Opuntien locken zum Verzehr. Aus diesen Früchten kann man auch eine schmackhafte rote Marmelade herstellen. Ansonsten schützen uns die Dornpflanzen vor unliebsamen Eindringlingen und von Blicken von der Straße her.

Mi., 29.07.1981. Heute übernimmt der andere Bus die „Führung“ und sieht, dass das Klima dadurch auch nicht besser wird. In Sousse besichtigen wir die große Moschee und den Ribat. Über die Bedeutung des Ribat haben wir schon weiter oben berichtet (am Mo., 13.07., in Rabat). Um die Wagen nicht unbeaufsichtigt zu lassen, machen wir unser Besichtigungsprogramm wieder in zwei Schichten.

»Sousse [suːs] (arabisch ‏سوسة‎ Sūsa) ist eine Hafenstadt am Mittelmeer und zugleich die viertgrößte Stadt in Tunesien. Der Name ist berberischen Ursprungs; entsprechende Parallelen finden sich in Libyen. Im Süden Marokkos wird eine ganze Region als bilād al-sūs bezeichnet. Die Stadt Sousse liegt rund 130 Kilometer südlich der tunesischen Hauptstadt Tunis im Süden des Golf von Hammamet am Mittelmeer. Die Stadt hat 173.047 Einwohner, mit ihrem weiteren Umland 432.171 (Zensus 2004). Sie ist Hauptstadt des Gouvernorats Sousse / wilāyat Sousse / ‏ ولاية سوسة‎ / wilāyat sūsa (Zensus 2004: 544.413 Einwohner) und Metropole des tunesischen Sahel. … Sousse wurde im 9. Jahrhundert v. Chr. von den Phöniziern als Handelsstützpunkt mit dem Namen „Hadrumetum“ gegründet und ist seitdem besiedelt. Im 3. Punischen Krieg entging Hadrumetum der Zerstörung durch die Römer, weil es sich rechtzeitig von Karthago losgesagt hatte. Unter der römischen Herrschaft erlebte die Stadt bis ins 3. Jahrhundert eine wirtschaftliche Blütezeit. Repressionen wegen der Teilnahme am Gordianus-Aufstand von 238 führten zum allmählichen Niedergang. Im 5. Jahrhundert folgte die Herrschaft der Vandalen und die Umbenennung in „Hunerikopolis“ (nach König Hunerich). Nach der byzantinischen Rückeroberung durch Belisar im 6. Jahrhundert wurde die Stadt in „Justinianopolis“ (nach Kaiser Justinian I.) umbenannt. Im 7. Jahrhundert erfolgte die arabische Eroberung der Stadt durch ʿUqba ibn Nāfiʿ. Erst um 800 wurde sie von den Aghlabiden unter dem eingangs genannten Namen Sūsa neu gegründet und erlebte einen raschen Aufstieg als Hafen von Kairouan und Ausgangsbasis für die arabische Eroberung Siziliens. Während der Zeit der Aghlabiden entstanden der Ribat im Jahr 821, die Festung (Kasbah) 844 und die Hauptmoschee 851. Im 12. Jahrhundert wurde Sousse von den Normannen besetzt. Während der türkischen Herrschaft war es wie andere Hafenstädte ein Stützpunkt der Korsaren, die von den maghrebinischen Barbareskenstaaten aus operierten. Dies hatte Angriffe der Spanier, Franzosen und Venezianer zur Folge, die zum allmählichen Niedergang der Stadt führten. Der Wiederaufstieg erfolgte erst in der französischen Kolonialzeit ab 1881 mit dem Bau der Neustadt und des Hafens, der vor allem der Ausfuhr von Phosphat diente. Sousses stetiger Aufstieg wurde nur vom Zweiten Weltkrieg vorübergehend unterbrochen. Jahrhundert wurde Sousse von den Normannen besetzt.« [Wikipedia.]

Den Aufenthalt in Sousse nutzen wir auch zu Einkäufen in den Souks. Für meine Töchter Carmen und Natascha kaufe ich Ledertaschen. Aber insbesondere sind die historischen Gebäude den Besuch in der Stadt wert. Die Altstadt ist sehenswert und der Ribat als Turmfestung beeindruckend. Von dem Turm haben wir einen guten Überblick über die ganze Stadt und blicken auch auf den Hafen und das Mittelmeer. (Fotos Sousse. Strandpromenade. Sousse. Stadtbild. Sousse. Eintritt zur großen Moschee. Sousse. Straßenszene.)

Nachmittags fahren wir weiter nach Monastir zum größten Ribat Tunesiens. Die Lage des Ortes ist idyllisch und als Geburtsort von Präsident Habib Bourguiba[37] – sein Präsidentenpalast liegt in voller Pracht an der Straße – wird viel für die Rekonstruktion und die touristische Erschließung des Ortes getan. (Foto Monastir.)

Die Altstadt hat eine sehenswerte Mauer, aber wenig alte Bausubstanz in der Medina. Etwas irritierend ist der Bourguiba-Personenkult mit Fahnen und Präsidentenbildern auf allen Straßen und einer extra für Bourguiba gebauten Moschee.

In einem Supermarkt konnten wir unsere Essensvorräte ergänzen. Am Abend fahren wir dann wieder durch Sousse in Richtung Tunis. (Foto Weg nach Tunis.) Wir kampieren auf einem Acker zwischen den Küstensalzwiesen und einem Weingarten. Abends machen dann einige Teilnehmer des anderen Busses noch weinselige Extratouren, was zu einer Verstimmung am nächsten Tag führt.

Do., 30.07.1981. Von unserem Übernachtungsplatz aus fahren wir direkt nach Tunis. Hier teilt sich die Gruppe. Einige machen eine Stadtbesichtigung; Hans-Jürgen, Joachim und ich fahren zur Deutschen Botschaft und treffen dort – wir waren ja schriftlich angemeldet – Herrn Hauptmann an, mit dem ich korrespondiert hatte. Etwas schwierig ist der Termindruck, aber kann uns für morgen, acht Uhr, noch einen Gesprächstermin arrangieren.

Dann fuhren wir – wieder im Taxi, das hier sehr billig ist – in die Innenstadt zur PTT. Hier versuche ich vergeblich, Hannover telefonisch zu erreichen, aber schon die Vorwahl 0049 in die Bundesrepublik Deutschland ist und bleibt besetzt. Nach einigem Suchen wieder ein Taxi – zurück zu den Wagen. (Fotos Tunis. Stadttor. Tunis. Altstadt. Tunis. Straßenszene. Tunis. Blick in die Altstadt. Tunis. Verkaufsstand. Tunis. Metallpunzerei. Tunis. Souk. Tunis. Moschee.)

Nachmittags fahren wir nach Karthago, wo wir zunächst eine Rekreationspause. Karthago liegt nordwestlich der City von Tunis an der Strecke von La Goulette und La Marsa. La Goulette ist Teil des Handelshafens von Tunis [vor allem Massengüterumschlag - Erze, Phosphate, Oliven] und beherbergt ein Großkraftwerk, Industrieansiedlungen und Fischerei. La Goulette ist 10 km von der Hauptstadt Tunis entfernt und mit ihr über einen Damm durch die Lagune von Tunis verbunden. La Marsa, am Ende der Halbinsel am Mittelmeer gelegen, gilt als besonders idyllisches Wohngebiet für die reichere Bevölkerung von Tunis.

Dann besichtigen wir das größte Ausgrabungsgebiet von Karthago direkt am Strand, die Thermen des Antonius Pius aus der Römerzeit. Die weiteren archäologischen Überreste – das Theater, Amphitheater und Basilika – sind weniger beeindruckend, zeugen aber von der historischen Bedeutung der Stadt.

»Karthago (latein Carthago, altgr. Καρχηδών, -όνος, Karchēdōn; aus dem phönizischen קרת חדשת Qart-Hadašt ,neue Stadt‘) war eine Großstadt in Nordafrika nahe dem heutigen Tunis in Tunesien. In der Antike war Karthago Hauptstadt der gleichnamigen See- und Handelsmacht. Die Einwohner Karthagos wurden von den Römern als Punier (abgeleitet von Phönizier) bezeichnet. Nach der Zerstörung Karthagos durch die Römer ging das karthagische Reich im 2. Jahrhundert v. Chr. im römischen Imperium auf. Heute ist Karthago (franz. Carthage, arabisch ‏قرطاج‎ Qartādsch, DMG Qarṭāǧ) ein Vorort von Tunis. Das archäologische Ausgrabungsgelände von Karthago wurde 1979 in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen und ist eine touristische Attraktion.« [Wikipedia.]

Wir machen uns auf die Suche nach dem alten Hafen von Karthago, war dieser doch das Zentrum der antiken See- und Handelsmacht. Die schließlich gefundenen Becken der punischen Häfen verwundern vor allem dadurch, dass sie einen Maßstab von der Kleinheit der antiken Schiffe abgeben. Es ist nur ein kleiner Weg, das ausgegrabene Becken zu umrunden. Die Einfahrt war einfach durch eine Kette zu versperren und damit vor Eroberungen von Seeseite ger zu sichern. Man braucht etwas Phantasie, sich in den heutigen ebenen Ruinenfeldern das antike Treiben und Handeln der Punier, ihrer Seeleute und Soldaten und ihrer Handelstreibenden vorzustellen. (Fotos Tunis / Carthago: Plan. Carthago. Überblick, zur Bucht von Tunis. Carthago. Römische Ruinen. Carthago. Hippodrom. Carthago. Unterirdische Gänge. Carthago. Brunnen: Treibstoff-Fass von der Reichswehr (Rommel, 2. WK))

Gegenüber der Bucht von Tunis beginnt auch die ins Mittelmeer herausragende Halbinsel Cap Bon, über die Hermann Achenbach – mit dem ich 1967 meine erste Algerien-Reise unternommen hatte – seine Dissertation angefertigt hatte.[38]

Abends fahren wir – es wird schon dunkel – in Richtung Bizerte und finden einen Platz in einer Obstbaumplantage, wo wir mit Genehmigung des Besitzers kampieren. Abends führen wir noch einige Gespräche über gruppeninterne Konflikte.

Der Abend wird etwas gestört durch streunende und bellende Hunde.

Fr., 31.07.1981. Morgens gegen acht Uhr waren wir schon über eine halbe Stunde vor der Deutschen Botschaft: auf dem direkten Weg fanden wir das Haus wieder. Eineinhalb Stunden Gespräch mit Herrn Hauptmann geben einige Einblicke in die Arbeit der Deutschen in Tunesien; ansonsten ist unser Gesprächspartner ein Original, ein beamteter Konsul in Reinkultur.

Er berichtet uns vor allem über die wirtschaftspolitischen Projekte Tunesiens. Eine besondere Bedeutung hat die Entwicklung der Textilindustrie. Im Norden des Landes wurden dafür eigens Industrieansiedlungen errichtet, die als Zollausland deklariert wurden. Das bedeutete, dass italienische und französische Textilfabriken Auftragsfertigungen organisieren, bei denen alle Materialen und alle Maschinen importiert werden und im Besitz der ausländischen Firmen bleiben. Die fertige Ware wird sofort reexportiert, so dass Tunesien materiell keine Vorteile von dieser Produktion hat und nur die – weiblichen – Arbeitskräfte stellt. Tunesien verdient an diesem Projekt nur mit einer geringen Firmensteuer und mit der Verminderung der Arbeitslosenzahlen. Brutal ist dabei die Praxis, dass Verschnittreste aus der Produktion zollamtlich vernichtet werden, um zu verhindern, dass die Arbeiterinnen auch nur die geringsten Stoffreste aus dem Zollauslandsgebiet herausbringen – auch wenn dies eine wichtige soziale Erleichterung sein könnte. Der Warenverkehr wird zum größten Teil mit dem neuen Tunesischen Fährschiff „Habib“ mit den Zielorten Marseilles und Genua abgewickelt.

Nach dem Botschaftsbesuch schlenderten Joachim, Jürgen, Hans-Jürgen und ich noch durch die Medina von Tunis.

Um zwölf Uhr erfolgt dann der Aufbruch zu einem Restaurantessen in der Innenstadt.. Der Besitzer des Lokals ist ein Tunesier, der in Berlin von einer deutschen Mutter geboren wurde und entsprechend fließend Deutsch spricht – und ein ungebrochenes Mitteilungsbedürfnis über seine jetzige Heimatstadt Tunis an den Tag bringt. Wir essen „luxuriös“ ein Filét Grillét mit Tomatensalat, Pommes Frites und zum Nachtisch Schokoladencreme. Dazu trinken wir Kaffee und Mineralwasser und als Krönung Haute Mornag Wein.

Aber anschließend drängte die Zeit und wir verließen Tunis auf der Straße in Richtung El Kef. Nach der Fahrt über Medjez el Bab und Teboursouk kommen wir zu den römischen Ausgrabungen von Dougga und besichtigen sie in der Abendsonne.

 Dougga. Historisches Photo.

»Dougga (Dougga Nouvelle; arabisch ‏دقة‎, DMG Duqa) ist ein Ort im tunesischen Gouvernement Beja. Er liegt 520 bis 600m über dem Meeresspiegel. Das arabische Dougga ist die direkte Nachfolgesiedlung der numidisch-römischen Stadt Thugga. Bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts lag das moderne Dorf im Gebiet der antiken Stadt. Im Rahmen der archäologischen Ausgrabungen wurden die Einwohner Douggas dann aber schrittweise in das Tal des Oued Khalled umgesiedelt, wo einige Kilometer südlich der antiken Stadt an der Straße nach Le Kef eine neue Siedlung entstand.

Das heutige Dougga ist vor allem durch die Ruinen der antiken Stadt Thugga, die schon im 4. Jahrhundert v. Chr. von den Numidern gegründet wurde, bekannt. In einer schönen Landschaft aus Wiesen und Olivenhainen am Rande der Monts Teboursouk gelegen befindet sich in der Nähe der antiken Stadt auch die heute noch genutzte Quelle Aïn Mizeh. Der Ort besitzt eine Moschee, ein Hamam, zwei Cafés, einige kleine Läden und eine Sanitätsstation.

Seit 1997 ist ein 25 Hektar großes Gelände mit Ruinen von Thugga zum Weltkulturerbe erklärt. Das römische Theater bot in einem Halbrund 2.500 Sitzplätze. Vom Platz der Windrose geht es zum Markt, zum Kapitol und den Thermen. Gut erhalten ist der Triumphbogen des Severus Alexander. Ruinen einer Kirche geben Zeugnis von der frühen Verbreitung des Christentums.« [Wikipedia.]

Dougga liegt an einem Berghang und hat daher eine unregelmäßigere Straßenstruktur als die klassischen römischen Kolonialstädte, deren Musterbeispiel Timgad (Thamugadi) in Algerien nördlich des Aurés ist. Interessant sind die Spuren in den Straßen, die in Wagenbreite in den Stein gehauen sind – für reine Abnutzungserscheinungen sind sie zu regelmäßig und zu tief – und die die Wagen wie auf Schienen in Spur hielten. Das mag besonders bei den Wegeführungen am Hang wichtig gewesen sein, wo ein bespannter Wagen doch leicht aus der Spur gerät und in der Menschenmenge großen Schaden anrichten kann. Was uns nicht ganz klar wurde, ist das Problem der Begegnung von Wagen auf der gleichen Straße. Ob es hier schon Einbahnstraßenregelungen gegeben hat? (Fotos Dougga, Tempel. Dougga, Amphitheater. Dougga, Bühne des Theaters. Dougga in der Abendsonne.)

Zum Grenzübergang nach Algerien bei Souk Ahras.

Sa., 1.8.1991. Ein langer Fahr- und Arbeitstag! Zunächst sind wir von unserem Zeltplatz bei Dougga auf einer langen Gebirgspiste entlang gefahren. Obwohl uns durchaus nicht klar war, ob diese Piste auch durchgängig befahrbar war (Michelin gibt sie als z.T. nur mit Geländewagen befahrbar an), erreichen wir nach etwa zwanzig Kilometern wieder einen asphaltierten Streckenabschnitt, der uns zur Route Nationale nach El Kef führt.

El Kef – nur durch seine Lage am Hang unter dem Kef, dem „steilen Felsabbruch“, bemerkenswert – diente uns zum Einkaufen und zu einer finanziellen Zwischenabrechnung. Wir scheinen mit unserer Kalkulation bislang richtig zu liegen.

Anschließend mit einem kleinen Umweg über Jendouba zum Grenzübergang an der Route Nationale nach Algerien in Richtung Souk Ahras. »Jendouba (arabisch ‏جندوبة‎ Ǧandūba, DMG Dschandūba), bis 1966 Souk El Arba, ist eine Stadt im Nordwesten Tunesiens. Sie liegt etwa 150 Kilometer westlich von Tunis und 50 Kilometer von der algerischen Grenze entfernt und hat rund 45.000 Einwohner. Die Stadt liegt in einer der fruchtbarsten Regionen Tunesiens, dem Tal Medjerda, und ist Hauptstadt des gleichnamigen Gouvernorats Jendouba.«[39] Die Medjerda-Ebene wurde im Rahmen der Nordafrika-Arbeit des Geographischen Instituts der (damals) Technischen Universität Hannover (heute Leibniz Universität) von Günther Stuckmann bearbeitet mit dem interessanten und mit vielen Karten ausgestatteten Band der Geographischen Gesellschaft Hannover: Hydrogeographische Untersuchungen im Bereich der mittleren Medjerda und ihre Bedeutung für den Landschaftshaushalt in Nordtunesien. 1968.

Der Grenzübergang nach Algerien war ein Witz: Die Leute sind – nach Ende des Ramadan – aufgekratzt und überkandidelt. Nur Flachsereien und Späße haben sie im Sinn. Dennoch erfolgt in Algerien eine Gepäckkontrolle. Der Grenzübergang dauerte damit so fast zweieinhalb Stunden. Aber alles geht so in Ordnung.

Die Strecke nach Souk Ahras ist schwieriger als gedacht, da sie ständig Hangserpentinen folgt und mehrere Gebirgspässe überquert. So kommen wir erst bei einbrechender Dämmerung in den Ort. Einkaufen kostet uns zudem noch viel Zeit. Wir verzichten – auch aus Geldmangel – auf ein warmes Abendessen und kaufen für die Gruppe einen Imbiss aus Eiern, Oliven etc. in Brot. (Fotos Grenzregion. Pistenfahrt. Grenzregion, Nomadenunterkunft. Grenzregion. Schwierige Piste. Grenzregion. Blick über die Gebirgslandschaft. Route in Ost-Algerien.)

»Souq Ahras (auch Souk Ahras oder Souk-Ahras; arabisch ‏سوق أهراس‎, DMG Sūq Ahrās) ist eine Stadt im Nordosten Algeriens mit heute knapp 150.000 Einwohnern. Sie ist Hauptstadt der gleichnamigen Provinz und liegt in der nordafrikanischen Landschaft Numidien. Unter punischer und später römischer Herrschaft war ihr Name Tagaste (auch Thagaste). Plinius der Ältere, ein römischer Gelehrter aus dem 1. Jahrhundert und das Itinerarium Antonini erwähnen Tagaste, allerdings ist kaum etwas über die Geschichte der Stadt bekannt. Bekannt ist die Stadt Tagaste dadurch, dass der von der katholischen Kirche heilig gesprochene Kirchenlehrer und Philosoph Augustinus von Hippo dort geboren wurde. Thagaste ist heute ein Titularbistum der römisch-katholischen Kirche.« [Wikipedia.]

Die Campingplatzsuche gestaltet sich schwierig und war mit einigen Irrfahrten verbunden. An der Straße nach Oued Cheham, einem Ort im Regierungsbezirk Guelma mit etwa 13.000 Einwohnern, der Zentrum einer florierenden Weidewirtschaft für Rinder und Schafe ist, finden wir dann nahe der Straße einen geeigneten, abgeernteten Acker. Die Nacht wird etwas stürmisch, so dass das große Zelt einmal zusammenbricht.

So., 2.8.1981. Zweiter Tag des Festes zum Ramadan-Ende. Auf allen Straßen Trubel. Einkaufsmöglichkeiten gibt es jedoch kaum. Zunächst fahren wir die Provinzstraße weiter durch das Gebirge, bis wir vor Guelma wieder auf die Route National stoßen. Guelma ist eine kleine Universitätsstadt, die historisch eine traurige Berühmtheit errungen hat. Guelma und die benachbarten Orte Sétif und Kherrata waren am 8. Mai 1945 Schauplatz der Massaker von Guelma, Sétif und Kharata mit 45.000 erschossenen oder hingerichteten Algeriern, begangen von den kolonialen französischen Militärs als Antwort auf Forderungen nach einer Beendigung der Kolonialherrschaft Frankreichs in Algerien. Wir kommen darauf noch einmal zurück bei unserer Durchquerung von Sétif am Mi., 5.8.1981.

Wir merken zusehends, dass unser Reiseprogramm immer dichter gedrängt wird und die Reiseabschnitte immer länger werden, denn die Zeit bis zu unserer Rückreise wir immer kürzer. So begeben wir uns von Guelma aus zu einem kurzen Abstecher nach Constantine, der Hauptstadt des dritten Departements in der französischen Kolonialzeit und Ort des Beginns des Algerienkrieges.

Vor Constantine in Oued Zénati, 40 km westlich von Guelma und 70 km vor Constantine, einem Ort mit vorwiegend landwirtschaftlicher Nutzung, aber nur sehr geringen industriellen Ansätzen,[40] versorgen wir uns mit Lebensmitteln in einem pieksauberen kleinen Laden, wo wir auch ein gutes Wassersofteis – und diejenigen, die es mögen ein Joghurteis – essen. Nur Brot finden wir heute nicht, die Krise der Bäckereien durch die gestörte Gasversorgung, von der wir schon berichtet haben, scheint noch nicht überwunden zu sein. Aber in Constantine erhalten wir dann doch ein paar Brötchen.

Über Constantine habe ich im Bericht über meine Algerien-Forschungsreise mit Dr. Achenbach 1967 schon einiges berichtet, was hier nicht wiederholt zu werden braucht.[41] Wie wir uns ja ohnehin bei diesem Streckenabschnitt wieder auf den Spuren meiner ersten Nordafrikareise befinden. Aber beeindruckend war auch diesmal der Anblick der tiefen Schlucht, die die Stadt durchschneidet und von mehreren Brücken überquert wird, darunter die gewagte, schmale und schwankende Fußgängerbrücke, die „Teufelsbrücke“. Hier in Constantine machen wir dann einen etwas längeren Aufenthalt, fahren über die Brücken über die mehr als 100 m tiefe Schlucht des Flusses Rhumel und fahren ganz nach oben zum Aussichtspunkt, um uns einen Überblick über die großartige Lage dieser Stadt zu verschaffen. (Fotos Constantine. Auto-Hängebrücke. Constantine. Rhumel-Schlucht. Constantine. Rhumel-Schlucht, Talboden. Constantine. Rhumel-Schlucht, Innenstadtbrücke. Constantine. Häuser über der Rhumel-Schlucht.)

Dann fahren wir in die Innenstadt zum Einkaufen. Ich schreibe noch einige Postkarten, die wir dann morgen in Batna einstecken wollen. So fahren wir dann am Spätnachmittag auf der Route Nationale in Richtung Batna. In Ain M’lila[42], einem ansprechend properen Ort, finden wir ebenfalls trotz ausgiebigem Suchen kein Brot, so dass wir wieder auf Kümmerrationen gesetzt werden. (Foto Getreideanbau auf den Hochflächen.)

In der Nähe der Eisenbahnstrecke finden wir einen passablen Nachtplatz im freien Gelände – einer Steppenlandschaft mit einem Wadi vor einem imposanten Kef.

Die Südaurés-Tour

Mo., 3.8.1981. Wir sind jetzt in „meinem“ alten Gelände von 1967 und machen die Tour durch den Südaurés – was viele Erinnerungen und nostalgische Emotionen weckt. Nach dem Aufstehen begeben wir uns auf die direkte Fahrt nach Batna, dem zentralen Ort unserer Forschungsreise 1967.

»Batna (arabisch ‏باتنة‎, DMG Bātna) ist eine Stadt im Nordosten Algeriens mit etwa 292.943 Einwohnern (Stand 2008). Sie liegt in der gleichnamigen Provinz Batna, deren Hauptstadt sie ist. Rund 40 Kilometer östlich liegen die von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannten Ruinen von Timgad. Die Stadt verfügt über eine Universität (Université de Batna).« [Wikipedia.]

Batna Moschee

Die Stadt ist ein idealer Ort zum Einkaufen und unsere Vorräte aufzufüllen. Aber es gibt ein Problem: Campinggas ist nicht zu erhalten, auch nicht bei den dafür vorgesehenen Spezialgeschäften. Wie wir später sehen werden, gilt das auch in den anderen Städten Algeriens. Uns wurde berichtet, dass die Fabrik, die für private Zwecke Gas herstellt und abfüllt durch einen Schaden ihren Betrieb eingestellt hat – man vermutete Schlendrian und Unachtsamkeit während des Ramadan. Vielleicht davon abhängig ist unsere Erfahrung der letzten Tage, dass Brot nicht zu erhalten ist: die Bäcker backen fast überall mit Gasöfen, die mit Gasflaschen versorgt werden. So haben wir erhebliche Versorgungsprobleme. Schon auf der Hinfahrt wurden wir mit diesen Gasproblemen kurz konfrontiert, was uns zunächst aber keine großen Sorgen bereitete. In Batna kamen wir nur dadurch an ein paar frische Baguetten, weil uns ein Lebensmittelhändler, der unsere Verzweiflung spürte, von seinem Privatkontingent einige abgab.

Die anschließende Fahrt nach Biskra versetzte mich vierzehn Jahre zurück: dies war die „Heimatroute“ zwischen Batna und Biskra während unserer Kartierungen im Aurés. Beeindruckend ist diese Landschaft. Auch die Gruppe fotografiert mehr als ursprünglich geplant. Besonders berührt die großartige Durchfahrt durch die Schlucht von El Kantara mit der kleinen Brücke über den Fluss. In der Schlucht von El Kantara machten wir – wiederum – Mittag, einige badeten in dem kleinen See unter der alten Brücke.  Die eigentliche Oase mit dem Palmgarten liegt südlich von dem Durchbruch. (Fotos El Kantara, Talabschnitt. El Kantara, Durchbruch von Norden. El Kantara, Oase mit Palmengarten.)

In Biskra dann ein halber Tag „Versorgungstrouble“ – kein Gas, kein Brot, Wasser erst nach einiger Zeit. Dafür aber frische Mineralwasserflaschen und Speiseeis. Gegen Ende des Tages essen wir dann noch scharf gewürzte Grillwürste in Brot. (Fotos Biskra. Passantin. Biskra, Straßenszene.)

In der Dunkelheit finden wir dann noch freies Gelände bei Ain Naga hinter Sidi Okba zum Campen und trinken zum versöhnenden Abschluss noch etwas algerischen Rosé. Noch einige Informationen zu den besuchten Orten: Ain Naga ist eine Stadt in der Provinz Biskra und hatte beim Census von 1998 10.054 Einwohner. Die etwas größere Oase Sidi Okba hat einen berühmten Namensgeber, was auch auf ihr hohes Alter hinweist. Sidi Okba [Oqba Ibn Nafi Ibn Al Fihri oder Oqba Naafi (عقبة بن نافع)] wurde 622 geboren und starb 683. Im Auftrage des Kalifen gelang Okba die dauerhaften Besetzung des Fezzan und der Provinz Ifriqya mit deren Regierung er 663 beauftragt wurde. Im Jahr 670 u.Z. wurde er vom Kalif der Umayyaden in Damaskus Muʿāwiya I. als Befehlshaber der aller muslimischen Armeen zur Eroberung des westlichen Nordafrikas, des Maghreb, eingesetzt. Anschließend gründete er sein Macht- und Regierungszentrum in Kairouan, wo noch heute die Sidi-Okba-Moschee an ihn erinnert. Mit Unterstützung von Berbern führte er Kriegszüge bis nach Tanger. Er starb während einer Niederlage gegen die von Berberstämmen geführten Aufstände. Sein Grab befindet sich im Zentrum der Stadt Sidi Okba bei Biskra in Algerien.

Di., 4.8.1981. Die Oasengruppe um Biskra und Sidi Okba herum liefert noch interessante Eindrücke in die Landschaft wie in die Oasenkultur. (Fotos Biskra-Oasengruppe. Spinne. Biskra-Oasengruppe. Polygoner Trockenboden. Biskra-Oasengruppe. Alter Ziehbrunnen.)

Dieser Tag führt uns dann von der Oasengruppe um Biskra um den Aurés herum bis auf die Hochflächen von Khenchela. Die Straße von West nach Ost am Rande der Sahara bietet immer wieder überraschende Einblicke in das Gelände. Links erhebt sich in wechselndem Abstand der Abhang des Aurés-Gebirges, aus dem immer wieder Trockenflüsse, Oueds, austreten, die – oft mit gewagten Durchfahrten – die Straße queren und sich auf der rechten Seite in der horizontweiten Ebene der Schotterflächen, Salztonflächen und Sandgebieten der Sahara verlieren. (Foto Piste vor dem Gebirge.) Ein besonders beeindruckender Oued ist der Oued el Zribet, der mehrere Meter eingetieft in einem kastenförmigen Taleinschnitt sich nach Süden erstreckt. Auf dem Hochufer finden sich Siedlung und Palmgarten der Stadt Zribet el Oued, die hier zentrale Funktionen innehat. Im Oued selbst findet sich eine edaphische Vegetationsverdichtung mit niedrigen Sträuchern, Büschen und Grasflächen, durchsetzt von Artemisia als bestandbildender Steppenpflanze und Tamarisken als typischer Vegetation für Sandgebiete. (Foto Piste vor dem Gebirge.)

Diese Vegetation weist auf einen höheren Grundwasserspiegel hin, der wohl jährlich gespeist wird von den winterlichen Regenfällen im Gebirge und zeitweise der Schneeschmelze auf den höheren Gipfeln im Frühjahr. Damit wird der kilometerbreite Flussboden, der den größten Teil des Jahres trocken fällt, zum bevorzugten Weidegebiet für die Schaf- und Ziegenherden vor allem auch der Nomaden und Halbnomaden dieses Gebietes. Dies macht aber auch den alten Erfahrungssatz verständlich, dass in der Wüste mehr Menschen ertrinken als verdursten: kommt doch im Winter oder Frühling die Wasserflut aus dem Gebirge – die gué – plötzlich und oft über Nacht in einer mehrere Meter hohen Flutwelle und schwemmt Zelte und Herden fort…

Auf unserer Algerienreise 1967 stießen wir mit unserem VW-Bus etwas weiter östlich vor dem Hang der Nemenchas auf einen breiten Oued, in dem eine Gué kürzlich die in Beton gegossene Straßendurchfahrt in einem Stück gedreht hatte, so dass sie in Flussrichtung in der Mitte des Oueds lag. Den Hang herunter führten provisorische Abfahrt-Spuren, die sich im Sand des Flusstales auffächerten. Wir versuchten dieser Spur zu folgen, fanden aber zu unserem Schrecken, dass es sich wohl um Spuren von Trucks oder Geländewagen handelte, denen unser Bus nicht gewachsen war. So blieben wir im Sand stecken und konnten uns auch nicht mit Schaufeln und Matten befreien. Zudem kam dann noch ein stundenlanger Sandsturm auf… Wie wir wieder heraus kamen lese man im Abschnitt Im Sand stecken geblieben in unserem damaligen Reisebericht.

Auf diesem Streckenabschnitt bietet sich die Chance, die Grundzüge der Geomorphologie der (semi-)ariden Gebiete am konkreten Beispiel zu erkunden, wie es die wissenschaftliche Aufgabe meiner ersten Algerienreise 1967 für das Geographische Institut der Technischen Universität Hannover mit Dr. Achenbach gewesen war. In den Abschnitten Südaurés und Sahara finden sich dazu Erläuterungen vom ersten Reisebericht. Auffällig sind vor allem die steilen „Kef“-Bildungen am Gebirgsrand, die steilwandigen kastenförmigen und oft sehr breiten Taleinschnitte der Oueds im weicheren Material des Gebirgsvorlandes und die Staffelung der Vorlandaufschüttungen, den „Glacis“, vor den Gebirgsrändern und auch noch in den Taleinschnitten bis ins Gebirge hinein, an denen sich die Klimaphasen in aufschüttungsaktive Feuchtzeiten (Pluviale, die Zeitlich unseren europäischen Eiszeiten entsprechen) und in die Tiefenerosion fördernde trockenere  (und damit heißere) Zeiträume unterscheiden lassen.

Bei der Weiterfahrt kamen wir dann an eine der pittoreskesten Oasen, Khanga Sidi Nadji, die sich im Austrittsbereich des Oued el Arab am Osthang des Aurés bis in die Schluchten am Gebirgsrand hinein erstreckt. Der Oued el Arab trennt den Aurés im Westen von den Nemenchas im Osten und verbindet die Hochflächen um Khenchela mit dem Sahara-Vorland, wobei er ein tiefes Talsystem bildet, das mit Fahrzeugen nicht zu durchqueren ist.

Daher suchten wir uns auch einen anderen befahrbaren Weg über Djellal und Beni Barbar, um nah Khenchela zu gelangen. Dennoch sind auch hier noch die Pisten abenteuerlich und ziehen einen Weg durch die tief eingegrabenen Schluchten der Nemenche-Berge, die, im Gegensatz zum aufgefalteten Aurés, dicke, fast waagrecht lagernde Kalkschichten aufweisen, die ideal sind, um stufenweise Kefs und Steilhangtreppen zu bilden. (Fotos Nemenchas. Taloase. Nemenchas. Erosionslandschaft. Nemenchas. Taleinschnitt. Nemenchas. Fotohalt der Busse. Nemenchas. Beni Barbar. Nemenchas. Taleinschnitt bei Beni Barbar. Nemenchas. Gebirgsvegetation.)

Auf dem Weg dahin in einem in Serpentinen den Talhang entlang führenden Straßenabschnitt – besser wäre hier der Ausdruck „Piste“ – konnten wir dann ein Gruppenfoto machen, das unser etwas verwegenes Erscheinungsbild nach der langen Reise durch Wüsten und Steppen zeigte:

Am Nachmittag kamen wir dann nach Khenchela, das auch 1967 unser Ziel war bei einer abenteuerlichen Fahrt auf dem Schotterbett des Oued el Arab aufwärts – eigentlich für einen VW-Bus eine unmögliche Strecke, die wir uns diesmal daher auch gespart haben. Khenchela, früher auch Mascula (Arabisch خنشلة) ist die Hauptstadt der Provinz Khenchela (Wilaya), im Nord-Osten Algeriens nördlich des Aurés Gebirges in 1200 m Höhe. Die Stadt wird hauptsächlich vom Berberstamm der Chaouia[43] bewohnt.

Beim Einkaufen in der Stadtmitte blieb ich als Wache zurück bei den beiden Bussen und war bald von einer Schar Kindern und Jugendlicher umringt. Ich beging den Fehler, an der offenen Seitentür zu sitzen, was ein Jugendlicher ausnutzte, um mit einem schnellen Griff eine Kamera von der Rückbank zu stehlen.

Nach der Rückkehr der Gruppe verständigten wir die Polizei, die nicht nur ein Protokoll aufnahm, sondern sofort mit der „Befragung“ der „üblichen Verdächtigen“ begann und uns schockierte mit ihrem brutalen Vorgehen, das aber sichtlich erfolglos blieb. (Foto Khenchela am Abend.)

Von Khenchela zurück nach Algier

Mi., 5.8.1981. Morgens ging es noch einmal verabredungsgemäß zur Polizei, um das Protokoll abzuschließen. Übrigens – die Kamera tauschte doch wieder auf und wurde dem Besitzer, als wir schon lange wieder in Hannover waren, zugestellt. Durch die mehrfache Zeitverzögerung wird unser Terminplan dann doch zu eng für die eigentlich geplante Rundreise durch den inneren Aurés, der uns überwältigende Landschaftsbilder hätte bieten können, von denen ich in Erinnerung an meine erste Algerienreise noch schwärmte. Wir beschließen, jetzt direkt nach Algier zu fahren, um unsere Passagekarten noch vor Montag abholen zu können.

In Batna verpflegen wir uns noch und fahren über den Col de Telmet in Richtung Merouana. Wir befinden uns hier im nördlichen Ausläufer des Aurés bzw. der Belezma-Berge. Dieses Gebiet ist berühmt für seine fruchtbare Landwirtschaft und die Viehzucht vor allem von Schafen und Ziegen. Es ist der nördliche Teil des Lebensraumes des Berberstammes der Chaouia[44], der sich weit in die großen Talsysteme des Aurés mit seinen Oasenlandschaften hineinzieht. Die Chaouia sind zum größten Teil sesshaft, aber ein Teil des Stammes betreibt die Viehzucht in Transhumanz, d.h. in jahreszeitlich festgelegter Wechselweidewirtschaft.

Merouana in der Region Chaoui (in arabischer Sprache: مروانة) ist eine Gemeinde der Provinz Batna in der Region Aurés und liegt etwa 40 km nordwestlich von Batna. Merouana gilt als die „Perle der Belezma“ und ist die Hauptstadt der Belezma-Region. Die Stadt hat eine bewegte Geschichte. Nachdem sie in der Osmanischen Zeit nach Aufständen wüst gefallen war wurde sie im Jahre 1909 durch die Europäer neu gegründet und war ein militärischer Stützpunkt. Mehrere Aufstände richteten sich in der Region – nach mündlicher Überlieferung zum Teil mit Hilfe benachbarter Stämme – gegen die Kolonialherrschaft, besonders die Revolution des Ali Musa 1916 in den M‘stawa-Bergen. Während der Krieg in Algerien 1954 und am Vorabend der November-Massaker wurden mehrere Angriffe, etwa 30 Operationen, in der Region Aurés verübt einschließlich Merouana.

Weiter zu unserer Fahrt durch diese geschichtsträchtige Region. Die von der Landschaft her sehenswerte Auffahrt befindet sich teilweise im Ausbau und ist nur mit Mühe zu befahren. Als wir über den Pass waren, stellte sich heraus, dass der Pass sogar gesperrt und unbefahrbar war: Route barrée. Mit einem Umweg weiter über die Hochflächen der Chotts. Eine weiträumige, monotone Landschaft. An einem der Chotts machen wir noch Fotoaufnahmen.

Wir kommen durch Sétif und übernachten dann in einem kleinen Waldstück hinter der Ortschaft.

»Sétif (arabisch ‏سطيف‎, DMG Saṭīf, auch Stif) ist eine mittelgroße Universitätsstadt im nordöstlichen Algerien. Sie liegt 300 km östlich der Hauptstadt Algier und ist Hauptort der gleichnamigen Provinz… Sétif und die benachbarten Orte Guelma und Kherrata waren am 8. Mai 1945 Schauplatz der Massaker von Sétif mit einer nur schwer anzugebenden Anzahl erschossener und hingerichteter Algerier – Schätzungen schwanken zwischen 2000 und 45.000 –, die den in Milizen organisierten Kolonisten und französischen Militärs in Antwort auf Forderungen nach einer Beendigung der Kolonialherrschaft Frankreichs in Algerien zum Opfer fielen. In heutiger Geschichtsschreibung wird in den Massakern der Ausgangspunkt für den 1954 beginnenden Algerienkrieg gesehen.« [Wikipedia.]

Do., 6.8.1981. Der kleine Wald hinter Sétif war tatsächlich nur ein vereinzeltes Landschaftsstück. Sofort geht es wieder auf die kahlen Hochflächen hinaus. Erst am Biban-Atlas mit dem Eintritt in die Kabylei am nördlichen Rand der Hochflächen wird die Landschaft interessanter. Von Hammām el Biban aus fahren wir nach einer Mittagspause bei drückend-schwülem Wetter über den Pass durch den Nationalpark Djurdjura in Richtung Tizi Ouzou. Das Djurdjura-Gebirge ist für den algerischen Tell-Atlas eine Besonderheit, da er mit Graten und anderen morphologischen Besonderheiten als einziger Teil alpinen Charakter trägt. Nach neuerer geomorphologischer Definition weist der alpine Formenschatz auf glaziale Formungsprozesse zumindest in der letzten Eiszeit hin. So ist dies ein Indiz dafür, dass dieser höchste Teil des Tell-Atlas nicht nur „Pluviale“[45], Feuchtzeiten, sondern Vereisungen in Glazialen durchgemacht hat.

Die Djurdjura-Kette mit Berberdörfern (Wikipedia GNU Free Documentation License).

Auf der Passhöhe nehmen wir einen Anhalter mit, der uns leider völlig in die Irre und von unserem eigentlichen Ziel weg führt – um zu seinem Heimatort zu gelangen, wie wir dann merken – so dass wir nicht auf dem direkten Weg iun die Kabylei und ihre Hauptstadt Tizi Ouzou gelangen, sondern durch die Bergnester quer zum zweiten Pass geführt werden. Das Benzin wurde auch schon knapp. Und eine Tüte von Birnen, die wir uns besorgten, war von Raupen oder Maden zerfressenes Obst, das wir schnell wieder ausspuckten. (Fotos Tellatlas. Rast. Tellatlas, Gebirgspiste. Tellatlas, Wasserstelle. Tellatlas, Rinderherde.)

Wir kamen dann nach Ain el Hammām und versuchten uns zu versorgen. Aber hier gab es keine Tankstelle – aber Brot und andere Lebensmittel. Unser Anhalter stieg hier aus – mit freundlichsten Dankeswünschen und Segnungen! Ain El Hammām (Arabisch عين الحمام, früher Michelet) ist eine Ortschaft im Bezirk Tizi Ouzou in der Kabylei, etwa 45 km südöstlich von Tizi Ouzou und 95 km nordöstlich von Bouira gelegen.

Einige Kilometer weiter führte uns eine Seitenstraße zu einem Aussichtspunkt, auf dem wir noch die unkenntlich gemachten Reste eines französischen Denkmals erkennen können. Hier – mit Rundblick über die Kabylei – steht schon ein Campingbus mit einigen Wiener Touristen.

Abends hatten wir dann noch Besuch von zwei Algerien, die uns ihre Leidensgeschichte – psychische Erkrankung – erzählten. Aber wir verbrachten unsere Nacht am Rande dieses Aussichtspunktes.

Fr., 7.8.1981. Morgens fahren wir von unserem „Aussichtspunkt“ hinter Ain el Hammām weiter durch die Kabylei auf der Route National durch endlose Serpentinen und Hangkurven. Die Berglage („Akropolislage“) der Kabylendörfer wird hier augenfällig. Oft auf langgestreckten Gebirgsspornen auf dem Kamm gelegen, mit dem umgebenden Gestein fast eine Einheit bildend, sind diese Dörfer selten durch Straßen und meist nur durch Eselspfade am Hang zu erreichen. Es ist eine typische Schutzlage – einmal gegen die Naturgewalten, vor allem die kräftigen, wilden Fluten in den als Torrenten ausgebildeten Tälern, und auch gegenüber feindlicher Eroberung, der die Kabylen über viele Jahrhunderte immer wieder ausgesetzt waren.

»Die Kabylei (kabylisch Tamurt n Iqbayliyen, arabisch ‏منطقة القبائل‎, DMG Minṭaqat al-Qabāʾil ‚Gegend der Volksstämme‘) ist die Region in Algerien, in der die Mehrheit der Bevölkerung der Kabylen die Berbersprache Kabylisch spricht. Es sind aber auch die Namen Tamurt Idurar (Land der Berge) oder Tamurt Leqbayel (Land der Kabylen) gebräuchlich, vor allem in der dort lebenden Bevölkerung. Zentren der Kabylei sind die küstennahen Städte Tizi Ouzou und Bejaia östlich  von Algier« [Wikipedia].

Während der arabisch-islamischen Eroberung im siebten Jahrhundert seit der Regierungszeit des Kalifen Muʿāwiya entbrannte ein Machtkampf zwischen den arabischen Eroberern und der berberischen Bevölkerung.[46]

In einem Textzitat über das maurische Spanien[47] wir deutlich, dass die Rivalität zwischen Arabern und Berbern – obwohl beide dem muslimischen Glauben angehörten – sich bis in die eroberten Gebiete auf der spanischen Halbinsel fortsetzten. Die späteren Dynastien in Al-Andalus wie im Maghreb – Almoraviden  und Almohaden (1088–1232) und später Nasriden (1237–1492) – waren größtenteils berberischer Abstammung.

»In der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts dominieren die Stammesunterschiede – und dieser Umstand wird noch lange andauern und sich noch durch den Zuzug aus Syrien und Nordafrika verstärken. Im Südosten hatten die Araber eine starke Stellung; ihr Reichtum, ihr Zusammenhalt, ihr Überlegenheitsgefühl bereiteten dem Emir häufig nicht geringe Schwierigkeiten. Von wenigen Tausend zum Zeitpunkt der Eroberung wuchs ihre Anzahl mit den Syrern Abd ar Rahmans sowie über eheliche Verbindungen mit Frauen der einheimischen Bevölkerung. Die Berber jedoch waren viel gefährlicher, weil sie in einem unablässigen Strom einwanderten. Zahlreich unter ihnen waren die marokkanischen Berber; sie ließen sich vornehmlich, wie sie es aus ihrem Ursprungsland gewohnt waren, in den Gebirgsregionen nieder und betätigten sich in alter Weise als Ackerbauer und Viehzüchter. Mit innerem Zusammenhalt und einem starken Unabhängigkeitswillen ausgestattet, sollte es einige Zeit dauern, bis sie sich assimiliert hatten. Auch stellten sie das am schwierigsten zu beherrschende Bevölkerungselement dar«[48]

Die Reconquista und damit der Verlust der iberischen Halbinsel für den arabisch-islamischen Herrschaftsbereich und später in zwei Phasen die Machtexpansion des Osmanischen Reiches und dann die kolonialen Eroberungen der europäischen Staaten beendeten die Einflussmöglichkeiten der berberischen Stämme. Im antikolonialen Kampf vor allem gegen die französische Kolonialmacht[49], von dem schon mehrfach in diesem Reisebericht die Rede war, spielte die Berber z.B. bei den Kämpfen in der Kabylei und im Aurés eine große Rolle, doch die Führungsebene bestand aus städtischen Arabern. Nach den Verträgen von Évian – die Verträge von Évian (französisch Les accords d’Évian) wurden am 18. März 1962 in Évian-les-Bains unterzeichnet. Unterzeichner waren Frankreich und die algerische Front de Libération Nationale (FLN) – bildete sich der unabhängige Staat Algerien, in dem das Militär – zunächst unter Ben Bella, der die kämpfenden Truppen der FLN im Lande repräsentierte, dann unter Houari Boumedienne von der Exilregierung der FLN in Tunis – den beherrschenden politischen Einfluß erhielt. Die „alten Kämpfer“ (,,El Moudiahid“) repräsentierten die arabische Führungsklasse mit allen Privilegien, die sich von der übrigen, vor allem der ländlichen Bevölkerung und den nicht-arabischsprachigen Gruppen abschottete. Es führte immer wieder zu Unruhen und zu – oft brutal niedergeschlagenem – politische Protest vor allem der Kabylen, die sich von der ökonomischen Entwicklung und politischen Teilhabe am neuen Staat ausgeschlossen sahen.

»Die Kabylei ist eine der Regionen, in der sich ein Großteil der Bevölkerung gegen den islamischen Fundamentalismus stellt. In den letzten Jahren ist es vielfach zu Übertritten zum Christentum gekommen. Die Kabylei zählt zu den ärmsten Gebieten in Algerien. Der Boden ist steinig und meist sehr trocken und die bäuerliche Arbeit wenig ertragreich, jedoch gibt es kaum wirtschaftliche Alternativen. Hier drängt sich die Bevölkerung mit der höchsten Dichte im ganzen Land. Die Arbeitslosigkeit ist erdrückend, und die Regierung ändert daran wenig. Die meisten, die eine bessere Zukunft wollen, wandern hauptsächlich nach Europa (meist Frankreich) oder nach Kanada aus.« [Wikipedia].

Panorama von Tizi Ouzou (Wikipedia GNU Free Documentation License).

Wir fahren dann in das städtische Zentrum der Kabylei nach Tizi Ouzou, ohne uns dort länger aufzuhalten. In Larbaâ Nath Irathen – in der Kabylei, einer Stadt in der Provinz Tizi Ouzou, in französischer Zeit als „Fort National“ bekannt (mit 28.000 Einwohnern 2001) – erhalten wir – endlich! – Benzin! Es wurde auch höchste Zeit.

Die Fahrt auf der Route Nationale von Tizi Ouzou nach Algier ist im Prinzip problemlos, wenn uns nicht ein aus unserer Sicht völlig unmotivierter Stau eine Stunde lang aufgehalten hätte. In Algier trafen wir dann auf Feiertagsruhe: SNCM (Société Nationale Maritime Corse Méditerranée) und Post sind geschlossen. Etwas einzukaufen gelingt uns noch, aber dann geht es raus aus der Stadt. (Fotos Algier, Hafenfront. Küste westlich von Algier.)

Die Gruppe beschließt in der Hoffnung auf Badevergnügen eine Fahrt weiter an der Küste entlang zu Camping- und Bademöglichkeiten bei Sidi Ferrouch[50] – an dem trostlos-verlassenen Sandstrand einer unfertigen Ferienkolonie. Und siehe da: Freitags ein enormer Andrang, so viele Autos, dass kaum noch ein Parkplatz zu finden ist – Pro Wagen kostet es einen Eintritt von 10 DA.

Abends aber verliert sich die Menschenmenge und das Gebiet ist einsam wie ehr und je. Da es sehr spät geworden ist, bleibt uns nichts anderes übrig, als hier zu übernachten. Einige gehen an den Strand und machen ein Lagerfeuer. Ein paar junge Algerier stoßen dazu und die Unterhaltung geht bis tief in die Nacht. Auch der Rest der Gruppe findet keine Ruhe, da es hier Unmengen von Fliegen und Stechmücken gibt. Auch Saschas Antimückenspray verleiht nur bis gegen drei Uhr nachts eine gewisse Ruhe. Später ziehe ich zu Hans-Jürgen in den Bus um.

Sa., 8.8.1981. Morgens ein sehr langsames Aufstehen – nach dem Abend und der Nacht! Die Summe der Schlafdefizite ist erheblich. Einzige Hoffnung: Nie wieder Sidi Ferrouch. Diejenigen, die am Abend am Strandfeuer noch Gespräche geführt haben, sind da natürlich anderer Meinung. Meine Magenschmerzen haben sich auch nicht gebessert.

Gegen halb elf sind wir dann in Algier. Joachim tauscht noch einmal 180,- DM in algerische Dinar ein, was mit algerisch-bürokratischen Schwierigkeiten verbunden ist, da der Schalterbeamte bis zu einer Anweisung des Direktors seinen Schalter geschlossen hielt. (Fotos Algier, Hafenfront. Küste westlich von Algier.)

Jürgen, Hans-Jürgen und ich gehen zum Büro der SNCM, die eigentlichen Schifffahrtskarten zu holen, da wir bisher nur die Bestätigung der Buchung in der Hand hielten. Dort gibt zu unserer großen Verwunderung die Anweisung, zur algerischen CNAN [heute: Compagnie de Navigation Algerie Ferries] zu gehen.

Ich gehe derweil zur Hauptpost und hole liebe Briefe von zuhause ab (poste restante). Gottseidank ist dort alles in Ordnung und mir fällt ein Stein vom Herzen.

Bei der CNAN haben Hans-Jürgen und Jürgen jedoch Schwierigkeiten. Menschenmassen belagern das Reisebüro und nur durch Nebeneingang und Intervention beim Direktor wird der zuständige Sachbearbeiter gefunden: Zwischen 16 und 17 Uhr zum Abholen kommen!

Die lange Zwischenzeit wird mit Essengehen und Einkaufen und „Dösen“ herumgebracht. Dann um 16 Uhr: Beginn eines zweistündigen Schlangestehens für Hans-Jürgen; aber dann haben wir die Papiere.

Aber es folgt eine neue Schwierigkeit: Die Lenkung des Busses macht Probleme; Langsamfahrt ist angesagt. So fahren wir langsam nach Tipasa. Überraschung: Der Campingplatz ist nahezu überfüllt; nur mit Suchen finden wir noch einen Platz für die beiden letzten Nächte in Algerien.

»Tipasa (arabisch ‏ولاية تيبازة‎, Tibaza, früher Tefessedt, chenoua: Basar) ist eine Stadt an der algerischen Küste mit 8.049 Einwohnern (Stand 1. Januar 2007). Sie ist Hauptstadt der gleichnamigen Provinz und liegt rund 50 Kilometer westlich von Algier. Die moderne Stadt, gegründet 1857, ist hauptsächlich wegen ihrer schönen Lage und sandigen Küste bekannt… Tipasa wurde von den Phöniziern gegründet und von den Römern unter Kaiser Claudius zur römischen Militärkolonie, später wurde sie zum municipium. Die Stadt war wirtschaftlich von beträchtlicher Bedeutung. Das Christentum wurde bereits früh eingeführt und im 3. Jahrhundert war Tipasa Bischofssitz. Die meisten Bewohner waren jedoch weiterhin keine Christen, bis - nach der Legende - im 4. Jahrhundert St. Salsa, ein christliches Mädchen, den Kopf ihres Schlangen-Idols ins Meer warf, worauf die wütende Bevölkerung sie steinigte. Ihr Körper, auf wundersame Weise vom Meer zurückgegeben, wurde auf dem Hügel über dem Hafen in einer kleinen Kapelle, die später durch die Basilika ersetzt wurde, begraben. 484 schickte der Vandalenkönig Hunerich einen arianischen Bischof nach Tipasa; darauf floh ein großer Teil der Bewohner nach Spanien, viele der Verbleibenden wurden grausam verfolgt. Danach verschwindet die Stadt aus der Geschichte, und die später vorherrschenden Araber scheinen sich hier nicht angesiedelt zu haben. 1857 wurde die moderne Stadt Tipasa gegründet« [Wikipedia].

So., 9.8.1981. Erholungstag auf dem Campingplatz von Tipasa. Zu berichten gibt es hier eigentlich nichts. (Fotos Auf dem Campingplatz Tipasa. Auf dem Campingplatz Tipasa. Packen.)

Die Rückfahrt

Mo., 10.08.1981. Am nächsten Tag geht es zum Hafen. Die „Liberté“ ist unser Schiff, auf das wir nach längerer Abfertigung fahren können. Mittags hatten wir Kaffee in Algier getrunken, ehe wir um Viertel vor eins zur Zollabfertigung im Hafen erscheinen. Diese dauert bis 15:15 Uhr; gegen 15:50 folgt dann das Ablegen der Liberté.

 Liberté. Foto: Rosanvallon / SNCM 1998

Liberté
Ferry liner
Built by ‘Chantiers Dubigeon-Normandie’ in Nantes
Delivered in June 1980
Launched by : Mme Jacqueline FRANCOIS PONCET
Length : 164 m
Width : 21,90 m
Power : 23400 HP
Gross tonnage : 13511 tons
Speed : 21,5 knots
Passenger capacity : 1600 people
Garage capacity : 500 cars
http://www.frenchlines.com/histoire/histoire_sncm_navires_en.php

Nach der Abfahrt können wir noch den letzten Blick auf den Hafen von Algier werfen und einen Rundblick auf das Mittelmeer genießen. Dann verbringen wir die Nacht an Bord. Die enge Kabine ist mir zeitweise zu eng und stickig, so dass ich mich im Laufe der Nacht auf den Gang begab und auf der Treppe sitzend ein halbes Nickerchen absolvierte. In der Dunkelheit war natürlich auch auf dem Meer nichts weiter zu sehen. (Fotos Zollabfertigung in Algier. Die »Liberté«. »Liberté«: An der Reling. »Liberté«: Blick zurück. »Liberté«: Mittelmeer.)

Mittags Land in Sicht. Wir kommen in Marseilles an und gehen etwa 13:40 von Bord. (Fotos »Liberté«: Einfahrt nach Marseilles. »Liberté«: Ausborden.)  Die Pass- und Zollabfertigung ist hier weniger umständlich, so dass wir bald den Rückweg beginnen können.. Hier ist wiederum nicht viel zu berichten, da wir auf den Hauptstraßen und Autobahnen bleiben und am Abend Lyon (21:15) durchqueren. Die Nacht geht in Wechselschicht von Fahren - und einer Pause gegen 1:20) - und während der Fahrt Schlafen in Nordfrankreich vorüber, so dass wir am frühen Morgen die Europabrücke bei Kehl überqueren (5:05) und auf der rechtsrheinischen Seite auf der Autobahnraststätte Mahlberg um 6:45 eine längere Pause einlegen können mit Erfrischung und Frühstück. Als wir 9:10 Bruchsal auf der Autobahn queren, hält uns auf unserer Heimfahrt nichts mehr auf.

Im Laufe des Tages kommen wir dann in unserer Heimat an und erreichen in Laatzen der Parkplatz des "Leine Einkaufszentrums", unserem vereinbarten Treffpunkt, um 17:40. Dort werden wir von den Familien stürmisch begrüßt. (Fotos Zurück in Hannover / Laatzen. Begrüßung in Laatzen.)

Es war eine ereignisreiche, aber auch anstrengende Fahrt, auf der wir viel sehen und lernen konnten und die uns allen in fester Erinnerung bleiben wird.

Erinnerungen von Gerhard Voigt, Mai 2012

Anmerkungen

[1]    Clot, André, 2010: Das maurische Spanien. 800 Jahre islamische Hochkultur in Al Andalus. Aus dem Französischen von Harald Ehrhardt. Mannheim (Patmos Verlag / Albatros Verlag. Originalausgabe 2002 Patmos Verlag / Artemis & Winkler, Düsseldorf und Zürich. – Frz.: L’Espagne musulmane. VIIIe-XVe siècle. 1999 Libraire Académique Perrin.)

[2]    Rushdie, Salman, 1996: Des Mauren letzter Seufzer (Roman). Übersetzung: Gisela Stege. Kindler Verlag, Reinbek. Rowohlt. Taschenbuch, Reinbek 2006. – Originalausgabe: The Moor's Last Sigh. Verlag Jonathan Cape, London 1995

[3]    Hackensberger, Alfred, 2008: Geschützt, verdrängt, geduldet. Jüdisches Leben in islamischen Ländern – eine gefährdete Tradition. 25. Februar 2008. NZZonline. Neue Zürcher Zeitung AG.

[4]    Halm, Heinz, 1992: Nachrichten zu Bauten der Aġlabiden und Fatimiden in Libyen und Tunesien. In: Die Welt des Orients (WdO) 23, S. 129–157, hier S. 130.

[5]    Hunke, Sigrid, 1965: Allahs Sonne über dem Abendland. Unser arabisches Erbe. Frankfurt/M. (Fischer Taschenbuch Verlag 643). – Hunke, Siegrid, 1976: Kamele auf dem Kaisermantel. Deutsch-arabische Begegnungen seit Karl dem Großen. Frankfurt am Main (Fischer Taschenbuch Verlag).

[6]   Vgl. Wikipedia: Violine.

[7]   Vgl. Wikipedia: Gitarre.

[8]   Nach http://www.kidsnet.at/Sachunterricht/minne.htm

[9]   Vgl. Hunke, a.a.O. -

[10]  »Hafes (* um 1320 in Schiraz, Iran; † um 1389 ebenda; persische Aussprache: Hāfez, arabische Aussprache: Hāfiz ) ist einer der bekanntesten persischen Dichter. Andere Schreibweisen: Hafis, Hafiz. Sein voller Name Ḫāǧe Šams ad-Dīn Moḥammad Ḥāfeẓ-e Šīrāzī (auch: Muḥammad Šams ad-Dīn) (persisch ‏خواجه شمس‌الدین محمد حافظ شیرازی‎) beinhaltet auch den Namen seiner Geburtsstadt Schiraz. Da Hafes schon im Kindesalter den gesamten Koran auswendig gelernt hatte, erhielt er den Ehrennamen „Hafes“ (jener der den Koran auswendig kann). Auch er selbst verwendete in seinen Gedichten fast ausschließlich den Namen Hafes.« [Wikipedia: Hafes.]

[13]  http://www.marokko.net/info/staedte/html/meknes.html

[14]  »Eine Tekke (osmanisch ‏تكيه‎ tekke, tekye; bosnisch tekija; albanisch teqe; arabisch ‏زاوية‎ zāwiya; persisch ‏درگاه‎ dargāh bzw. ‏خانگاه‎ chānegāh, aus letzterem auch transkribiert Khanqah, Khaniqah oder Khanqa; pl. die Tekken) ist ein Zentrum einer Sufi-Bruderschaft (Derwisch-Orden, bzw. tariqa) und bedeutet so viel wie „Rückzugsort“, „Schutz“ und „Asyl“. Seltener ist von einem Konvent die Rede, denn man kann eine Tekke nicht mit der christlichen Vorstellung eines Klosters vergleichen.« [Wikipedia.]

[15]  Nach Wikipedia.

[16]  http://www.maghrib.ch/kultur/57-geschichte/306-die-idrisiden-789-974

[17]  Der Ramadan beginnt am Freitag, 03.07.1981 (1.9.1401 H) bis 2.8.1981 `(30.9.1401 H) Īdu l-Fiṭr / Ramazan Bayramı

[18]  Ausführungen nach Wikipedia.

[19]  Stefano Bianca: [Dr. sc. Techn., Dipl. Arch. ETH] geb. 1941 in Lissabon. Direktor an der Aga Khan Kulturstiftung in Genf (Aga Khan Trust for Culture). – Arbeitsschwerpunkte: seit 1992 verantwortlich für die Restaurierungs- und Stadterhaltungsprojekte der Stiftung in Pakistan, Ägypten, Zanzibar, Bosnien, Syrien und Uzbekistan; von 1975-1992 freischaffender Architekt und Urbanist, Leitung von mehreren Stadterhaltungs- und Stadterneuerungsprojekten in Fes, Aleppo, Baghdad, Medina, Riyadh und Sana´a; außer der praktischen Berufstätigkeit Forschungsprojekte zur islamischen Architektur, Lehrtätigkeit und Vorlesungen, u. a. an der ETH Zürich und am MIT in Cambridge. 1972: Silbermedaille der ETH für außergewöhnliche Dissertation, British Airways ‘Tourism for Tomorrow’ Global Award 2000 für Projekte in Hunza (Pakistan).
Bianca, Stefano, 1975: Architektur und Lebensform im islamischen Stadtwesen. Zürich, Verlag für Architektur Artemis. - Bianca, Stefano, 2001: Hofhaus und Paradiesgarten. Sonderausgabe. Architektur und Lebensformen in der islamischen Welt. München,  C.H.Beck.

[20]  Khalid Durân, Devlet, 1982: Das ist mein Islam. Wir rufen – Gott antwortet. Hamburg. E. B. Verlag Rissen.

[21]  Kompiliert nach Wikipedia: Aïn El Turk (englisch).

[23]  Bouzghaia (Chlef) 22.590 Einw. [2008], +1.11%/Jahr [1998 → 2008]. 139 km² = 162,5 Einw./km² [http://www.citypopulation.de/php/algeria-admin_d.php?adm2id=0231 ]

[24]  nach Wikipedia [Ech Cheliff]. Ergänzung: » Ech Cheliff (auch Ech-Cheliff, El-Asnam, El Asnam, früher frz. Orléansville; arabisch ‏الشلف‎ asch-Schalif, DMG aš-Šalif oder ‏الأصنام‎ al-Asnām, DMG al-Aṣnām) ist eine Stadt im Norden Algeriens mit etwa 235.000 (2005) Einwohnern. Sie liegt in der Provinz Chlef, deren Hauptstadt sie ist. Die Universitätsstadt bildet das Zentrum einer reichen Region, in der intensiv Landwirtschaft betrieben wird.«

[25]  Eine interessante Nebenbemerkung: »Schlacht um Algier (Originaltitel: La Battiglia di Algeri) ist ein Film des italienischen Regisseurs und Journalisten Gillo Pontecorvo. Der 1966 gedrehte Schwarzweißfilm thematisiert eine Episode des algerischen Unabhängigkeitskrieges gegen Frankreich der Jahre 1954 bis 1962. Als Schlacht von Algier gelten die Ereignisse zwischen Januar und Oktober 1957, als die französische Armee und die algerisch-nationalistische Rebellenorganisation FLN in der Hauptstadt Algier aufeinander trafen. In seiner realistischen Darstellung steht der Film in der Tradition des italienischen Neorealismus«  [Wikipedia].

[27]  »Juba II. (* ca. 50 v. Chr; † 23 n. Chr.) war König von Mauretanien von 25 v. Chr bis 23 n. Chr. Juba wurde als Sohn des Königs Juba I. von Numidien geboren. Nach der Niederlage seines Vaters in der Schlacht bei Thapsus (46 v. Chr.) gegen Gaius Iulius Caesar wuchs er in Rom auf, wo er eine gute Erziehung erhielt. Er wurde von Augustus, nach Verleihung des römischen Bürgerrechts, als Herrscher im Königreich Mauretanien eingesetzt (25 v. Chr.). Hier förderte Juba, der hochgebildet war, die hellenistische Kultur durch die Gründung von Städten.« [Wikipedia]

[28]  Zu den Gasproblemen.

[29]  Neue Beiträge zur Entdeckung und Erforschung Africa's von Gerhard Rohlfs. Cassel. Verlag von Theodor Fischer. 1881

[30]  Hermann Achenbach, 1979: Klimagebundene Risikostufen der Ertragsbildung und räumliche Standortdifferenzierung der Landwirtschaft im Maghreb. Erdkunde, Bd. 33, H. 4 (Dec., 1979), pp. 275-281. und andere Fundstellen. – Vgl. auch: Konrad Schliephake, 1972: Die ländliche Wasserversorgung in Nordafrika. Probleme und  Zukunft der landwirtschaftlichen Bewässerung. Africa Spectrum, Vol. 7, No. 2, 1972

[31]   nach Wikipedia.

[32]  »Die Ibaditen (arabisch ‏الإباضية‎, DMG al-ibāḍīya) sind der einzig übrig gebliebene Zweig der Charidschiten, einer frühen Glaubensrichtung des Islams, und folgen einer eigenen, von Dschabir ibn Zaid gegründeten Rechtsschule (madhhab). Einer ihrer Führer war Abdallah ibn Ibad, der auch als Namensgeber diente. Die meisten Ibaditen leben heute im Oman. Der Oman ist das einzige Land, in dem sie, mit 75%, die Mehrheit der Bevölkerung bilden. Außerdem gibt es noch kleinere Gemeinschaften in Nord- und Westafrika, die Djerba-Ibaditen in Tunesien, die Djebel-Nafusa-Ibaditen und Zuwara-Ibaditen in Libyen und die Sansibar-Ibaditen in Tansania.« [Wikipedia.]

[33]  Der M’Zab oder Mzab, (Tumzabt Aghlan, Arabic: مزاب‎), ist eine Region in der nördlichen Sahara in der Provinz Ghardaia mit etwa 360,000 Einwohnern (2005).  1982 wurde Ghardaia in die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO aufgenommen.

[35]  Dornen und Steine wurde von Jooschen Engelke und Tejo (= Walter Scherf) verfasst[6], die für viele Lieder, die in der Faktur auf – oft ausländische – Volksliedtraditionen zurückgreifen, hier auf einen montenegrinischen Text. Aus: Weiße Straßen, Lieder der Großfahrt (Walter Scherf, Heinz Schwarz), Junge Welt Opladen 1951. Hier (leicht modifiziert, wie wir es gesungen haben) zitiert nach „Der Turn“, Dritter Teil, hg. Konrad Schilling. Voggenreiter Verlag, Bad Godesberg 31957; Nr. 209.

[36]  kompiliert aus „Wikipedia“.

[37]  Habib Bourguiba (arabisch ‏الحبيب بورقيبة‎ al-Ḥabīb Bū Ruqaiba, Tunesisch-Arabisch Ḥabīb Būrgība); (* 3. August 1903 in Monastir; † 6. April 2000 ebenda) war zwischen 1957 und 1987 der erste Präsident der Tunesischen Republik. – 1987 wurde Bourguiba „aus Altersgründen“ von Zine el-Abidine Ben Ali abgesetzt und unter Hausarrest gestellt. Ben Ali verlor dann 2011 seinen Posten, den er mit diktatorischer Gewalt ausgeübt hatte, im so genannten „arabischen Frühling“ in einer weitgehend friedlichen Revolution.

[38]  Hermann Achenbach: Die Halbinsel Cap Bon. Hannover 1963. Jahrbücher der Geographischen Gesellschaft Hannover.

[39]   Wikipedia. 25.04.2012.

[40]   Im Jahr 2010 zählte Oued Zenati 55.000 Einwohner.

[42]  Ain M'lila (icht anyidh anyidh in Chaoui , عين مليلة in Arabisch ), ist ein Kommune im Regierungsbezirk Oum-El-Bouaghi und befindet sich 43 km südlich von Constantine, 70 km nordöstlich von Batna, mit 190 000 Einwohnern (2010). [Wikipedia.]

[43]  Der Begriff bezeichnet eigentlich eine Sprachfamilie in der großen Gruppe der Berbersprachen. Vgl. dazu den Wikipedia-Eintrag http://de.wikipedia.org/wiki/Berber und in Französisch: http://fr.wikipedia.org/wiki/Chaouis  .

[44]  Vergleiche dazu die Geländebeschreibung im Reisebericht von 1967: Weiterfahrt in den Zentralaurés von Norden

[45]   Pluvialzeit: von E. Hull (1884) geprägter Begriff für niederschlagsreiche Zeiten im meditarranenen bis tropischen Bereich während des Pleistozäns. Die früher vorgenommene Parallelisierung mit kaltklimatischen Phasen der höheren Breiten ist aufgrund neuerer Datierungen nicht allgemein gültig, da die Pluviale teilweise mit warmen, teilweise mit kalten Perioden korrelieren. Die zwischen den Pluvialen liegenden Klimaperioden werden als Interfluviale bezeichnet. 

[46]   Literaturhinweis vgl. Fußnote 1. – Auch das Kalifat wurde im Zusammenhang mit Sidi Okba von uns schon erwähnt.

[47]   »Als Mauren (abgeleitet von der röm. Provinz Mauretanien bzw. dem Königreich Mauretanien, wiederum abgeleitet vom Griechischen mauros bzw. amauros, „dunkel“; metaphorisch: „dunkelhäutig“) werden all jene in Nordafrika als Nomaden lebenden Berberstämme verstanden, die im 7. Jahrhundert von den Arabern islamisiert wurden und diese bei ihrer Eroberung der Iberischen Halbinsel als kämpfende Truppe unterstützten. Doch damit ist keine homogene Volksgruppe gemeint. Die Truppen, die als erste auf das europäische Festland vordrangen, bestanden nur zur Minderheit aus Arabern. Der größte Teil der Truppen bestand aus Berbern, die aus dem Atlas-Gebirge im heutigen Marokko kamen« [Wikipedia].

[48]   Literatur, Quelle vgl. Fußnote 1., S. 49 f.

[49]  Vgl. dazu die ausführliche Darstellung in Elsenhans, Hartmut, 1972: Frankreichs Algerienkrieg 1954-1962. Entkolonisierungsversuch einer kapitalistischen Metropole. Zum Zusammenbruch der Kolonialreiche. München (Carl Hanser).

[50]  Sidi Ferrouch ist der kolonialzeitlich Name der heutigen Stadt Sidi Fredj, einer Küstenstadt in der Provinz Algier. Die Halbinsel Staouéli war der Landungsort der Franzosen bei der Invasion in Algier 1830.

Tagebuch:

Freitag, 03.07.1981: Abfahrt und Fahrt bis Nordfrankreich

Samstag, 04.07.1981: Frankreich – Nancy, Lyon

Sonntag, 05.07.1981: Rhônetal und Fahrt über die spanische Grenze bis zur Costa brava

Montag, 06.07.1981: Barcelona

Dienstag, 07.07.1981: Küstenstraße von Tarragona bis Alicante

Mittwoch, 08.07.1981: Fahrt nach Granada

Donnerstag, 09.07.1981: Alhambra und Generalife

Freitag, 10.07.1981: Costa del Sol, Camping „Calazul“: Zelteinbruch. Schiffspassage nach Ceuta. Tanger

Samstag, 11.07.1981: Tanger, „Höhlen des Herkules“, Ksar el Kebir

Sonntag, 12.07.1981: Casablanca

Montag, 13.07.1981: Rabat

Dienstag, 14.07.1981: Deutsche Botschaft in Rabat. Fahrt nach Meknès

Mittwoch, 15.07.1981: Moulay Idris. Volubilis

Donnerstag, 16.07.1981: Fez

Freitag, 17.07.1981: Lebensmittelvergiftung. Oujda

Samstag, 18.07.1981: Grenzübergang nach Algerien. Aïn El Turk

Sonntag, 19.07.1981: Oran. Mers-el-Kébir

Montag, 20.07.1981: Küstenstrecke. Erdbebengebiet von al-Asnām

Dienstag, 21.07.1981: Algier

Mittwoch, 22.07.1981: Campingplatz Tipasa

Donnerstag, 23.07.1981: Algier: Besuch in der Deutschen Botschaft

Freitag, 24.07.1981: Bou Saada

Samstag, 25.07.1981: Von Biskra zu den Rhir-Oasen

Sonntag, 26.07.1981: Touggourt, El Oued

Montag, 27.07.1981: Grenzübergang nach Tunesien in Bou Chebkha

Dienstag, 28.07.1981: Sbeitla und Kairouan

Mittwoch, 29.07.1981: Sousse

Donnerstag, 30.07.1981: Tunis, Karthago

Freitag, 31.07.1981: Deutsche Botschaft in Tunis. Dougga

Samstag, 01.08.1981: El Kef. Grenzübergang nach Algerien bei Souk Ahras

Sonntag, 02.08.1981: Constantine

Montag, 03.08.1981: Batna. Biskra

Dienstag, 04.08.1981: Zribet el Oued. Khanga Sidi Nadji. Djellal. Khenchela

Mittwoch, 05.08.1981: Batna. Merouana. Sétif

Donnerstag, 06.08.1981: Kabylei. Djurdjura-Gebirge

Freitag, 07.08.1981: Über Algier nach Sidi Ferrouch

Samstag, 08.08.1981: Algier. Passage gebucht. Übernachtung in Tipasa

Sonntag, 09.08.1981: Tipasa – Anschließend Rückfahrt von Algier aus

Inhalt

Nordafrikafahrt: Tagebuch

Sommer 1981

Der Plan

Hinfahrt durch Frankreich und Spanien

Abschied von Spanien mit Schrecken – und Überfahrt nach Ceuta

Marokkos Norden: Von Tanger nach Rabat

Casablanca und Rabat

Auf der Straße der Königsstädte nach Osten

Vergiftung und Grenze

Zur algerischen Mittelmeerküste

Einige Überlegungen zum Reiseziel Algerien

An der Küste nach Algier

Von Biskra in die Wüste

In Tunesien

Zum Grenzübergang nach Algerien bei Souk Ahras

Die Südaurés-Tour

Von Khenchela zurück nach Algier

Die Rückfahrt

Tagebuch 

Dokument Information

Nach dem Reisetagebuch von Gerhard Voigt 1981 umgeschrieben und ergänzt. Mit Bildern versehen unter beigefügtem Fotoalbum mit Fotos des Reiseteilnehmers Jürgen Asche Mai 2012.

Weitere Berichte siehe in den Notizen zu einer Autobiographie: Notizen und Skizzen zu einer Autobiographie: Die Wahl des Studienfaches Geographie
Die Bestimmung des Geographen: Der Weg durch Wüsten und Kontinente
Studienbeginn und Vorbereitung der Algerienreise 1967 des Geographischen Instituts der Technischen Hochschule Hannover mit Dr. Achenbach als Anlass zur Reflexion über vierzig Jahre Geographie
Fotoalbum Nordafrika (Vorläufiges Album 1967/1981)
Notizen und Skizzen zu einer Autobiographie: Die Algerienreise 1967
Teilnahme an einer Forschungsreise nach Algerien mit dem Dozenten Dr. Achenbach im Auftrag des Geographischen Instituts der Technischen Universität Hannover.
Fotogalerie Nordafrikafahrt. I.: Hinfahrt durch Frankreich und Spanien (1981. Fotos Jürgen Asche)
Fotogalerie Nordafrikafahrt. II.: Marokko (1981. Fotos Jürgen Asche)
Fotogalerie Nordafrikafahrt. III.: Algerien (1981. Fotos Jürgen Asche)
Fotogalerie Nordafrikafahrt. IV.: Tunesien, Algerien, Rückfahrt (1981. Fotos Jürgen Asche)

   
   

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Gerhard Voigt, OStR i.R. - Kontakt vgl. Impressum

bismarckschule.voigt@gmx.de

Bearbeitungsstand: 1981

Letzte Bearbeitung: 08.05.2012

   
   

 

     
   

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Web-Fassung: 31.01.2006 / rev. 13.05.2012- Verantwortlich: Gerhard Voigt <bismarckschule.voigt@gmx.de>
Texte aus der der Verbandszeitschrift »politik unterricht aktuell« unter www.pu-aktuell.de
Info über die Verbandstätigkeit unter: http://www.politiklehrerverband.org