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Nordafrikareise 1981
mit Schülerinnen und Schülern der Bismarckschule
Hannover
»Ich liebe Algerien – ich habe es deutlich zu spüren
bekommen.«
Gabriel García Márquez
»Wir werden die Demokratie noch eine ganze Weile
lernen müssen. Das fängt an beim Respekt für die Meinung anderer. Eine
Demokratie braucht auch Parteien, die wirklich demokratisch funktionieren,
anders als die Parteien, die wir heute haben. Als algerischer Bürger würde
ich sagen, dass Ruhe einkehren muss, Frieden ist dringend nötig, wenn auch
schwierig. Denn ohne Gerechtigkeit wird es keinen Frieden geben.
Realistisch gesehen haben wir aber keine unabhängige Justiz in Algerien.
Deshalb wird jedes Urteil jeweils nur von einer Seite akzeptiert werden
und nicht von der anderen. Eine unabhängige Justiz ist in weiter Ferne.
Trotzdem müssen wir anfangen mit dem Frieden und sehen, wie man nach und
nach auch Gerechtigkeit herstellen kann. Wir dürfen nicht länger warten.«
Aus einem Interview mit Hamid Skif – algerischer Schriftsteller – im
Deutschlandradio Kultur am 22.11.2005.
Meine erste prägende Begegnung mit Nordafrika während
der Forschungsreise des Geographischen Instituts der Universität Hannover
mit Dr. Achenbach 1967 liegt zum Zeitpunkt, von dem hier berichtet werden
soll, nun bald vierzehn Jahre zurück – aber die Sehnsucht nach einer neuen
Begegnung mit dieser faszinierenden Region bleibt unvermindert bestehen.
Sehr zu meinem Kummer wurde dann die Fahrt mit Schülerinnen und Schülern
der Bismarckschule Hannover 1981 in den Maghreb, von der der nachfolgende
Reisebericht handelt, bis heute, im Jahr 2012, meine letzte Begegnung mit
Nordafrika, auch wenn Gedanken und Erinnerungen daran mich nie verlassen
haben. In den letzten beiden Jahren wurde diese Beschäftigung mit dem
arabisch en Kulturraum wieder neu belebt durch die Ereignisse in
Nordafrika, dem „Arabischen Frühling“ mit all seinen Hoffnungen und
Risiken, von denen Hamid Skif in dem vorangestellten Motto
berichtet. Aber drehen wir doch die Zeit um etwa dreißig Jahre zurück und
erinnern uns an den Beginn der 80er-Jahre.
In der zweiten Jahreshälfte 1980 kam in
Oberstufenkursen der Schule das Gespräch wieder einmal auf meine
bisherigen Auslandsfahrten nach Algerien – mit der Universität –, nach
Iran – für mein Staatsexamen – und noch einmal nach Iran kurz nach Beginn
meiner Lehrertätigkeit an der Bismarckschule mit Schülern der Oberstufe.
Das Thema Nordafrika wurde dann auch im Erdkunde- und
Gemeinschaftskundeunterricht angesprochen und kristallisierte sich nach
und nach zum Plan, wieder eine Reise mit Schülerinnen und Schülern in den
Maghreb anzubieten.
Schon bald fand sich eine Gruppe von neun Schülern
und einer Schülerin zusammen, die ernsthaft an die Vorbereitungen gingen.
Vieles blieb aber noch lange unklar, bis hin zur geplanten Route, da wir
kaum sichere Auskünfte über Schifffahrtsrouten nach Nordafrika auftreiben
konnten. Schnell war klar, dass die Verbbindung von Marseille nach Algier
zwar möglich, doch von den Terminen her ungünstig war. Wir nahmen sie dann
aber auf unserer Rückfahrt. Von Séte in Südfrankreich und von Alicante in
Spanien waren – so wurde es uns dann auch an Ort und Stelle bestätigt –
die Schiffsverbindungen nach Algerien eingestellt. So planten wir die
Überfahrt von Algeciras nach Marokko. Dies hatte sich nachher auch als
günstig bewährt. (Foto
Reiseroute.)
Dann ging es um die Fahrzeuge (H H-987. H X-3076). Wir erwarben
unheimlich billige alte VW-Busse, d.h. das eine Fahrzeug war zunächst ein
geschlossener Kastenwagen, der von Bekannten mit Fenstern versehen wurde.
Dass diese eigentlich für VW-Busse gar nicht zugelassen waren, bemerkte
die Zulassungsstelle dann nicht. Aber der Lärm war zu hoch – das Fahrzeug
war zunächst als LKW zugelassen. Mit einem Auskleben mit Teppichfliesen
wurde das Problem behoben und von der Zulassungsstelle mit etwas Bedenken
akzeptiert. Auf ein extra Lärmgutachten verzichtete man in Hinblick auf
unseren Plan, dass wir mit Beginn der Reise ja nach einem Tag schon
Deutschland verlassen würden.
Mit dem neuen Jahr wurden dann auch die offiziellen
Fragen akut: Beschaffung der Visa für Algerien, Kalkulation der erwarteten
Kosten und Zusammenlegen der Gelder. Alles haben wir dann auch zu unserer
Zufriedenheit erledigt. In mehreren Gruppentreffen, z.T. in der Schule,
zum anderen Teil bei mir zu Hause wurde dann auch die inhaltliche
Vorbereitung intensiviert, indem Informationen über die zu besuchenden
Orte gesammelt, touristische Highlights erkundet und möglich alternative
Routen diskutiert wurden, denn die zur Verfügung stehende Zeit war –
gebunden an die Ferientermine – doch äußerst knapp bemessen.
Doch konnten wir dann schließlich doch ziemlich das
Maximum erreichen, was wir geplant hatten: die Durchquerung des Maghrebs
in West – Ost – Richtung und die Rückkehr von Tunesien nach Algier mit der
Schiffspassage auf der Liberté nach Marseilles.
Fr., 03.07.1981.
Abfahrt morgens gegen acht Uhr in Laatzen. (Foto
Abfahrt) Auf der
Autobahn Richtung Köln-Aachen. Keine Probleme, nur „zieht“ der Wagen nicht
zufrieden stellend an Steigungen. Ich fahre im „Kastenwagen“ mit Joachim
Dallwig, Jürgen Asche, Ulf Riechers und Hans-Jürgen Arndt; die übrigen
Teilnehmer – Michael Rietzel, Sascha Eicke, Regina Dudek, Bernd
Lange-Cordes, Klaus Papmeyer und Berthold Bürger – fahren im „Bus“.
Mehrfache Rast und Fahrerwechsel. Fahrt durch Belgien und Luxemburg auf
Nationalstraßen. (Foto Luxemburg.) Die Durchquerung von Luxemburg
gestaltet sich durch kilometerlange Staus schwieriger und zeitraubender
als eingeplant, so dass wir an diesem Tag nur bis Nancy kamen. Camping im
Südwesten der Stadt. (Foto
Stau, Foto Campingplatz).
Sa., 04.07.1981.
Morgens in Nancy Tanken, auf dem Campingplatz Einkaufen von Campinggas
(unsere Flaschen waren merkwürdigerweise leer!) und Brot. Auf der
Weiterfahrt Schwierigkeiten mit der Kuppelung beim Kastenwagen. Durch
Verstellen des Kuppelungszuges durch Sascha konnte der Schaden behoben
werden. (Foto Reparatur,
Reparatur unter dem Wagen.)
Das war etwas schwierig, da wir den Wagen auf einer
Waldlichtung bei Thionville mit Baumstämmen notdürftig aufbocken mussten,
damit Sascha von der Unterseite an den Kuppelungszug heran kommen konnte.
Aber dann ging es flott weiter. Von Dijon nach Lyon
fuhren wir auf der Autobahn. Die Campingplätze um Lyon waren uns zu teuer,
so dass wir trotz der vorgerückten Zeit gegen halb sieben noch etwas
weiter fuhren bis kurz vor Tain-l’Hermitage.
»Tain-l’Hermitage, vor 1920 Tain, ist eine
französische Stadt mit 5883 Einwohnern (Stand 1. Januar 2009) im
Département Drôme (Region Rhône-Alpes), etwa 80 Kilometer südlich von Lyon
an der Rhône gelegen. Der Fluss wird hier von der berühmten Brücke
Passerelle Marc Seguin überspannt, die Tain-l’Hermitage mit dem
gegenüberliegenden Tournon-sur-Rhône verbindet. Große Bedeutung hat der
Weinbau – die Stadt schmückt sich mit dem Namen des berühmten Weinberges
Hermitage. Tain-l’Hermitage ist Sitz einer Winzergenossenschaft und
mehrerer großer Handelshäuser. Neben dem Hermitage werden auch
Crozes-Hermitage und Saint-Joseph erzeugt. Jährliche Weinmesse im Monat
Februar. Zentrum des Obstanbaus im Rhônetal. Schokoladenindustrie (Valrhona).
Tain-l’Hermitage liegt an der Autobahn A7 zwischen Lyon und Marseille mit
einer eigenen Ausfahrt und an der Nationalstraße RN7. Der Ort verfügt über
einen Bahnhof an der Bahnstrecke Paris–Marseille sowie eine Anlegestelle
der Passagierschifffahrt.« [Wikipedia.]
Wir verbrachten eine ungestörte Nacht auf einem
ruhigen, abgelegenen Campingplatz.
So., 05.07.1981.
Morgens in der Frühe frisches Brot, Butter und Konfitüre. Dann – da der
Sonntagsverkehr minimal ist – auf der Route Nationale nach Süden. Wir
sehen die typischen Rhônetal-Landschaften mit viel Weinbau. Bezeichnend
sind die die Windschutzhecken gegen den „Mistral“, einem kalten, oft
starken Fallwind (Nordföhn) aus nordwestlicher Richtung, der sich im
unteren Rhônetal (und darüber hinaus) bemerkbar macht. Bei Orange fahren
wir dann auf kleineren Nebenstraßen durch ein landschaftlich reizvolles
Gebiet nach Nîmes und dann auf der Route National über Béziers und
Perpignan in Richtung spanische Grenze.
An der Grenze kamen wir in ein gehöriges Gewitter mit
Regenschauern, die wir vor dem Campen noch durchqueren mussten. (Foto
Weiterfahrt im Regen an der
spanischen Grenze.) Über Gerona ging es an die Costa Brava, wo der
Camping-Rummel schon Touristen-Ghettos schafft. Die Costa Brava
(Katalanisch und Spanisch für „wilde Küste“) ist der nordöstlichste
Küstenstreifen an der spanischen Mittelmeerküste in der autonomen Region
Katalonien. (Foto Arenys de
Mar (bei Gerona).) Im Camping „Dorada“ in Malgrat de Mar, einer
katalanische Stadt in der Provinz Barcelona im Nordosten Spaniens. Sie
liegt in der Comarca Maresme. Zwar sind Campingplätze in Spanien viel zu
teuer, aber das „wilde“ Campen – sei es auch mit einem Nickerchen auf dem
Parkplatz – ist strikt untersagt und wird von der Guardia Civil
(Gendarmerie oder „Bürgergarde“) streng überwacht. An einem der nächsten
Tage machten wir abends auf einem LKW-Parkplatz kurze Rast und wurden
sofort von der Polizei angesprochen, die uns beobachte, bis wir weiter
fuhren zum nächsten Campingplatz an der Küste.
Mo., 06.07.1981.
Nach Barcelona fuhren wir über die Küstenstrecke, nachdem wir auf dem
Campingplatz kein Frühstück bekommen konnten und dies in Barcelona
nachholen wollten. Auf der Küstenstraße kamen wir jedoch in einen langen
Stau, so dass wir erst gegen zwölf Uhr in Barcelona ankamen. Am
Hauptpostamt haben wir Filme zum Entwickeln und Grußpostkarten
eingesteckt. (Fotos
Barcelona. Café-Szene.
Barcelona, Altstadt.)
Dann ging es in Gruppen auf Streifzüge durch die
Stadt, die eigentlich einen längeren Aufenthalt lohnen würde. Ich war im
Catalunya-Park und auf der Hafenpromenade. Wir besorgten uns Brot und
andere Lebensmittel.
Doch dann entdeckten wir die unangenehme Überraschung
des Tages. Bei unserem Kastenwagen war das linke vordere Dreiecksfenster
eingeschlagen und der Wagen aufgebrochen, obwohl wir ihn auf der
Uferpromenade genau gegenüber einem bewachten Polizeirevier geparkt
hatten. Neben anderem war meine Fototasche mit der Spiegelreflexkamera und
mein Cassetten Rekorder gestohlen worden. Das brachte den ganzen Zeitplan
durcheinander: Zuerst zur Polizei, die sich als unzuständig erklärte; dann
zum deutschen Konsulat, wo uns schon der Pförtner einen Zettel mit
Übersetzungen für die Diebstahlsanzeige überreichte – wir waren
schließlich nicht die Einzigen und Ersten… (Foto
Barcelona. Einbruch in
unseren Wagen.)
Schließlich ging es zum Kommissariat, wo die Anzeige
aufgenommen und sofort in einen schon prall vollen Ordner im Regal
abgeheftet wurde. Das etwas unternommen würde, war nicht zu erwarten. Das
war um achtzehn Uhr, so dass der halbe Tag verloren war.
Doch ließen wir es uns nicht nehmen, doch noch wie
geplant die Antonio-Gaudi-Kathedrale „Sagrada Família“ zu besuchen.
Dieser bis heute noch nicht fertig gestellte Sakralbau ist das Hauptwerk
des katalanischen Architekten Antonio Gaudi. Antoni Gaudí i Cornet
(* 25. Juni 1852 in Reus, möglicherweise in Riudoms; † 10. Juni 1926 in
Barcelona), war ein katalanischer Architekt und herausragender Vertreter
des Modernisme Català. (Fotos
Barcelona. Antonio-Gaudi-Kathedrale „Sagrada Família“.
„Sagrada Família“ Portal.
„Sagrada Família“ Modell.
„Sagrada Família“
Ausstellungsraum.)
»Die Sagrada Família (vollständige katalanische
Bezeichnung: Temple Expiatori de la Sagrada Família; Deutsch
Sühnekirche der Heiligen Familie) ist eine römisch-katholische
Basilika in Barcelona. Der Bau der von Antoni Gaudí im neukatalanischen
Stil entworfenen Kirche ist bis heute unvollendet. Er wurde 1882 begonnen
und soll nach jüngsten Prognosen 2026 abgeschlossen sein. Im Jahr 2005
nahm die UNESCO die Geburtsfassade, die Apsisfassade und die Krypta der
Sagrada Família als Erweiterung des Weltkulturerbedenkmals Arbeiten von
Antoni Gaudí in ihre Liste des Weltkulturerbes auf. Am 7. November 2010
weihte Papst Benedikt XVI. die Kirche und erhob sie zugleich zur
päpstlichen Basilica minor. Das Gotteshaus liegt nördlich der Altstadt im
Stadtteil Eixample. In diesem schachbrettartig angelegten Viertel nimmt
sie zusammen mit der Baustelle einen ganzen, 17.822,25 Quadratmeter großen
Straßenblock ein. Dieser grenzt im Süden an die Carrer de Mallorca, im
Norden an die Carrer de Provença, im Westen an die Carrer de Sardenya und
im Osten an die Carrer de Marina. « [Wikipedia.] (Foto
Barcelona, Blick von der
„Sagrada Família“ auf die Stadt.)
Es ist ein äußerst beeindruckender Bau, ein
Jahrhundertwerk. Die Haupthalle steht zum Zeitpunkt unseres Besuches noch
überhaupt nicht, aber die Türme sind schon heute ein Wahrzeichen
Barcelonas. Wir haben noch gut zwei Stunden bei diesem Bauwerk verbracht –
in zwei Gruppen, denn die Wagen lassen wir nicht mehr unbeaufsichtigt
stehen.
Aber die Fahrt aus Barcelona heraus zur Küstenstraße
in Richtung Tarragona gestaltete sich überraschend dramatisch. In
Martorell in der Comarca Baix Llobregat der autonomen Region Katalonien
kamen wir auf die falsche Autobahnabzweigung, die als Nationalstraße ins
Landesinnere führt. Die erste Ausfahrt war durch einen „endlosen“ Stau
hoffnungslos blockiert, so dass wir zunächst einfach weiter fuhren. Wir
stellten fest, dass einmal im Binnenland keine Campingplätze existierten
und dass zum anderen die nächste Verbindung zur Küste zusätzliche siebzig
Kilometer ausmachte. Trotzdem erreichten wir hier kurz vor Mitternacht die
Küstenstraße und waren um 23:55 Uhr auf einem Campingplatz. Sascha war
zwar nicht ganz einverstanden und wäre lieber die Nacht durchgefahren,
doch das konnte ich aus Sicherheitsgründen nicht zulassen. Schon die
mehrfache Passfahrt auf Nebenstraßen war nicht unbedenklich, doch da
Joachim und Regina routinierte Fahrer sind, war dieses Risiko nicht allzu
groß. Wir übernachteten auf dem Camping El Cantaro Español in Villanueva y
Geltru (Barcelona).
Di., 07.07.1981.
Problemloser „Langstreckentag“ auf der Autopista von Tarragona bis kurz
vor Alicante. Übernachtung auf dem Campingplatz Muchavista am Playa de San
Juan in Campello (Alicante).
Mi., 08.07.1981.
Den Vormittag verbrachten wir in Alicante auf der Suche nach einer
Schiffspassage nach Algerien – eine der von uns ins Auge gefassten
Möglichkeiten, nach Nordafrika zu gelangen. Doch die Autofähre nach Oran
wurde schon vor fünf Monaten eingestellt; in einem weiteren Reisebüro
erfuhren wir, dass zwischen Spanien und Algerien jeder regelmäßige Verkehr
eingestellt worden ist – ja, die „große Politik“!
Nach dieser Enttäuschung fand erste einmal eine
ausgiebige Diskussion über unsere weiteren Pläne statt. Wir entschlossen
uns, doch weiter nach Marokko zu fahren. Aber vorher stand dann noch der
Besuch der Alhambra in Granada auf dem Programm. Wir fuhren dann auf
erstaunlich gut ausgebauten Straßen in Richtung Granada durch die
Huerta-Landschaften, die eine immer größere Bedeutung für die
Fruchtbaumkulturen, insbesondere die Orangenproduktion, von Spanien
gewonnen hatten. „Huerta“ kommt vom lateinischen hortus (= Garten).
Auf der ganzen Strecke fuhren wir durch diese terrassierten, bewässerten
Fruchtbaumkulturen in ihrer schönsten, andalusischen Form. In Granada
erreichten wir dann einen Campingplatz und konnten die grandiose
Glacis-Landschaft von Guadix bewundern, einer Stadt in der fruchtbaren
Hochebene im Nordosten der Provinz Granada in 915 m Höhe am Ufer des Río
Guadix gelegen. Der Ort ist vor allem bekannt für seine Höhlenviertel: In
das weiche Kalktuff- und Lössgestein sind ca. 2000 Wohnhöhlen gegraben, in
denen je nach Quelle 4000 bis 10.000 Menschen leben (nach Wikipedia).
(Foto Südspanien.)
Do., 09.07.1081.
Vormittags fand dann die ausgiebige Besichtigung der Alhambra und
des Generalife statt.
(Fotos
Granada, Alhambra.
Granada, Alhambra-2.
Granada, Alhambra-3.)
Die Alhambra (»Die Herkunft des Wortes Alhambra ist
strittig. So ist unklar, ob der Name vom Namen eines der Baumeister oder
vom arabischen qasr al-hamra' / قصر الحمراء / qaṣr al-ḥamrāʾ /‚Die Rote
(Festung)‘, zurückzuführen auf die rötliche Färbung der Außenmauern,
herrührt« Wikipedia) ist eines der imposantesten
arabisch-muslimischen Gebäude auf europäischem Boden. Granada war neben
Cordoba das Zentrum des arabisch-islamischen Kalifats und später Emirats
auf der spanischen Halbinsel, in dem sich eine hohe Kultur, die dem
christlichen Westen zivilisatorisch weit überlegen war, herausbildete.
Aber nach siebenhundert Jahren ging diese islamische Welt unter den
Angriffen der „katholischen Könige“ Kastiliens zugrunde. Muhammad XII.
Abu Abdallah (Boabdil) war der letzte islamisch-berberische Emir von
Granada und wurde 1491 im Rahmen der Reconquista von der kastilischen
Königin Isabella von Kastilien besiegt. Dieses Ereignis thematisiert der
Roman „Das Mauren letzter Seufzer“ von Salman Rushdie.
Über das Motiv des „letzten Seufzers“, bevor er sich, auf dem Turm der
Alhambra stehend, der christlichen Übermacht geschlagen gibt, schreibt der
Roman: »Suspiro, ergo sum. Ich seufze, daher bin ich [...] Am Anfang und
gegen das Ende zu war und ist die Lunge: göttliche Inspiration, Babys
erster Schrei, Sprache als geformte Luft, Stakkatostöße des Lachens,
erhabene Weisen des Gesangs, glückliches Stöhnen des Liebenden,
unglückliches Klagen des Liebenden, Krächzen des alten Weibes, Pesthauch
der Krankheit, ersterbendes Flüstern, und danach die luftlose, lautlose
Leere.« (Seite 82)
Heute ist die Alhambra eines der meist besuchten
touristischen Ziele in Spanien; lange Schlangen stauen sich trotz
erwarteter Voranmeldung vor den Eingangstoren. Wir hatten noch Glück, ohne
viele Verzögerungen in den Palast eintreten zu können. Der Gang durch die
Gärten und Höfe lässt das Gefühl für die Zeit zurücktreten und versetzt
den Besucher in einen Rausch von Schönheit und Kontemplation, den auch die
stilbrüchige christliche Kirche, die die Spanier nach der Eroberung in den
Palast eingebaut hatten, nicht wirklich stören kann. Auf dem Hof werden
wir von Roma-Frauen in Volkstracht angesprochen, die uns erst eine Rose
verehrten und uns dann die Zukunft aus der Hand lesen wollten: Mir wurde
viel Glück in der Liebe vorausgesagt – doch als ich dafür nicht auch noch
zahlen wollte, wurde mir die Rose wieder abgenommen und die Wahrsage
verwandelte sich in bittere Flüche. Aber in der Erinnerung an die Alhambra
blieben die schönen Träume zurück, in denen ich Herr des Schlosses wurde,
das mir und meinen Ansprüchen an Lebenskultur und Wohnumwelt so angemessen
erschien… Der Generalife ist ein weiterer Höhepunkt jedes Besuchs in
Granada. Der Sommerpalast der Nasriden-Sultane in der Nähe der Alhambra
liegt in einer wunderschönen Garten- und Parklandschaft, die zu den
Schmuckstücken des arabischen Erbes in Spanien gehört und von der UNESCO
zum „Weltkulturerbe“ benannt wurde.
Wir fuhren anschließend weiter bis Torremolinos an
der Costa del Sol, um auf dem Camping „Calazul“ zu übernachten. Auf der
Küstenstraße haben wir die „Qual der Wahl“, um einen passenden
Campingplatz zu finden. Auf der linken, dem Meer zugewandten Seite reihen
sich einige „schicke“ Plätze, die sichtlich überlaufen sind und Zeltplätze
unter Bäumen anbieten – zu recht hohen Preisen. Auf der rechten,
Land-Seite finden wir einen größeren Campingplatz, der noch viel Platz bot
zu erschwinglichen Preisen. Doch unsere Wahl war, wie wir am nächsten
Morgen sehen, nicht besonders glücklich…
Fr., 10.07.1981.
Morgens auf dem Campingplatz der große Schrecken: Unser Zelt ist am
Kopfende (unmittelbar über meinem Kopf während ich schlief) aufgeschlitzt
worden. Noch jetzt befällt mich ein Grauen, wenn ich daran denke, dass ein
äußerst scharfes Messer dicht über meinem Kopf tätig war – was wäre
gewesen, wenn ich aufgewacht wäre? … Gestohlen wurden – aus der Ritze
zwischen unseren Luftmatratzen – meine Medikamententasche mit Portemonnaie
und Schlüsseln, sowie mein schwarzes Jackett mit meiner Brieftasche und
allen Dokumenten. (Foto Einbruch in ein Zelt.)
Zuerst sah es so aus, als ob die Reise abgebrochen
werden müsste. Wir sagten dem Platzwart Bescheid und ließen die Polizei
kommen. Zwischendurch gab es noch etwas Ärger, weil Joachim ohne Anmeldung
sein kleines Zelt zusätzlich aufgebaut hatte – das war schlicht
Gedankenlosigkeit! Einige gute Ausreden – Wind und ein kaputtes großes
Zelt – mussten gefunden werden. Beim Warten auf die Polizei machten wir
dann seltsame Entdeckungen: Unter Joachims kleinem Zelt fanden sich beim
Abbau alle Medikamente und Dokumente und sogar die Eurocheques wieder, die
der Täter dort beiseitegeschoben hatte. Etwas abseits wurde dann auch das
Münzgeld wiedergefunden. Es fehlten schließlich nur noch ca. 70 DM in
Peseten und France, sowie mein Jackett und mein goldener Ehering, der bei
den Medikamenten lag. Nach der Reise habe ich dann in Hannover ein
Duplikat davon anfertigen lassen – schade war es aber doch aus emotionalen
Gründen. Etwas merkwürdig war die Aussage des Platzwartes, dass in der
Nähe unserer Zelte ein Wohnwagen mit Interpol-Polizisten gestanden hätte;
er verdächtigte unterschwellig wohl unsere Reiseteilnehmer, selbst hinter
dem Diebstahl gestanden zu haben (was den Verlust des Jacketts erstaunlich
machen würde).
Der Vormittag geht aber doch noch drauf, ein
Protokoll bei der Guardia Civil aufsetzen zu lassen. Der Sohn des
Campingplatzbetreibers begleitete uns als Übersetzer aus dem
Französischen, in der Hans-Jürgen die Aussage vortrug. Bevor die Guardia
Civil um neun Uhr öffnete, tranken wir zu dritt noch einen Morgenkaffee,
bei dem wir uns über unsere weitere Reiseplanung unterhielten. Die Anzeige
bei der Guardia Civil blieb natürlich genauso erfolglos wie die Aussage
bei der Gendarmerie in Barcelona.
Anschließend machten wir uns auf den Weg auf der
Küstenstraße nach Algeciras, von wo wir die Überfahrt nach Afrika starten
wollten. Die Küstenlandschaft war beeindruckend; weiter im Gebirge sahen
wir aber auch die Rauchwolken von Waldbränden, die bei dem heißen und
trockenen Wetter immer wieder auftreten.

Marokko von Spanien aus betrachtet [Fotograf:
Cubanito. Wikipedia].
In Algeciras nahmen wir dann eine Fähre nach Ceuta.
Diese spanische Enklave in Marokko ist völkerrechtlich umstritten – wie
auf der anderen Seite die britische Enklave Gibraltar in Spanien. Die
Bergspitze von Gibraltar konnten wir von Bord des Schiffes aus gut sehen.
Zu der Zeit, als wir dort waren, gab es noch keine Straßenverbindung von
Spanien nach Gibraltar; die völkerrechtliche Situation war völlig
umstritten, so dass wir auch keine Überfahrt von Gibraltar aus nehmen
konnten, die uns eventuell direkt nach Tanger geführt hätte. (Fotos
Algeciras, Hafen,
Auffahrt auf die
Afrika-Fähre.)
Zu Ceuta schreibt Wikipedia: »Ceuta [ˈθewta]
(arabisch سبتة, DMG Sabta) ist eine spanische Stadt an der
nordafrikanischen Küste der Straße von Gibraltar. Die auf einer Halbinsel
gelegene Exklave ist ein 18,5 Quadratkilometer großes Gebiet, das durch
eine Landgrenze mit Marokko verbunden ist und 21 Kilometer von der
Iberischen Halbinsel entfernt liegt. Ceuta war seit dem 15. Jahrhundert
zunächst in portugiesischem und später in spanischem Besitz; auch nach der
Unabhängigkeit Marokkos 1956 blieben Ceuta und das ebenfalls in Nordafrika
gelegene Melilla spanisch. Von marokkanischer Seite wird der
Gebietsanspruch auf die beiden Städte grundsätzlich betont, konkrete
Schritte zu dessen Durchsetzung werden aber nicht unternommen. Seit 1995
verfügen Ceuta und Melilla über den Status einer „autonomen Stadt“ (ciudad
autónoma), der ihnen einige der Befugnisse der autonomen Gemeinschaften
verleiht. Ceuta ist integraler Bestandteil des spanischen Staates, der
Europäischen Union und der NATO, verfügt aber über einige Sonderrechte.
Insbesondere gehört es gemäß Artikel 3 Absatz 1 Zollkodex nicht zum
Zollgebiet der Europäischen Union. (2011).« … »Ein Militäraufstand
nationalistischer Kräfte am 17. Juli 1936 in Melilla griff noch am selben
Tag auf die ebenfalls in Spanisch-Marokko gelegenen Städte Tetuan und
Ceuta über. Franco traf am 18. Juli mit einem Privatflugzeug aus Teneriffa
kommend in Marokko ein und übernahm das Kommando über das Afrikaheer. Die
Revolte griff sofort auf das Mutterland über, jedoch nicht auf die
Großstädte, so dass die Erhebung der antirepublikanischen Streitkräfte zum
lang andauernden Spanischen Bürgerkrieg führte. «
Die Überfahrt dauerte nicht lange. Wir konnten uns
auf dem Vorderdeck sonnen und das Näherrücken des afrikanischen Kontinents
bewundern. (Fotos Blick von der Fähre auf Gibraltar,
Auf der Fähre: "Donna lasziva",
Blick von der Fähre nach Ceuta,
Hafen von Ceuta (span. Enklave).)
Das Ausschiffen ging flott vonstatten, da hier keine
Grenz- und Zollkontrollen stattfanden. Diese folgten dann erst an der
Grenze zu Marokko, wo wir kurz danach eintrafen. (Foto
Abfahrt von der Fähre im Hafen von Ceuta.)
Eine kleine Sorge, die der Weltpolitik geschuldet
war, hatten wir doch. Marokko und Algerien befanden sich offiziell im
Kriegszustand. Dabei ist eine Kuriosität bemerkenswert. Marokko erklärte
Algerien den Krieg. Es ging offiziell um die Herrschaft über die
„Spanische Sahara“ – mit ihren großen Phosphatvorkommen –, bei der die
Unabhängigkeitsbewegung der Sahrauis einen unabhängigen Staat fordert und
dabei von Algerien unterstützt wird. Wikipedia erläutert das – in
der Fassung von 2011 – folgendermaßen:
»Die Westsahara (spanisch Sahara Occidental) ist ein
Territorium an der Atlantikküste Nordwestafrikas, das nach dem Abzug der
ehemaligen Kolonialmacht Spanien von Marokko beansprucht und größtenteils
annektiert wurde. Marokko betrachtet das in vorkolonialer Zeit in einem
losen Abhängigkeitsverhältnis zu ihm stehende Gebiet als Teil seines
Territoriums. Die bereits zu spanischen Kolonialzeiten entstandene,
ursprünglich kommunistisch orientierte „Befreiungsfront“ der Sahrauis (der
Bevölkerung der Westsahara), die Frente Polisario, kämpft für einen
unabhängigen Staat, die Demokratische Arabische Republik Sahara, auf dem
gesamten Territorium von Westsahara. Seit dem Waffenstillstand von 1991
kontrolliert die Frente Polisario einen Streifen im Osten der Westsahara.
«
Doch dürfte der eigentliche Grund für die
marokkanische Kriegserklärung die Spekulation auf die Eroberung der
Bergbaugebiete um Bechar (Béchar oder Colomb-Bechar) im Grenzgebiet zu
Marokko liegen, auf die Marokko Ansprüche angemeldet hatte. Marokko
glaubte, so kurz nach dem Algerienkrieg, militärische Trümpfe ausspielen
zu können. Doch es kam anders: Algerien wies die Kriegserklärung zurück
und bestand darauf, sich nicht im Kriegszustand zu befinden – und Marokko
wagte keinen einseitigen Angriff, sicher auch aus weltpolitischen
Befürchtungen, aber auch in der richtigen Einschätzung der militärischen
Stärke Algeriens.
Wir planen daher, bei unserem bevorstehendem Besuch
in Rabat die deutsche Botschaft aufzusuchen, um uns aktuelle Informationen
über die Risiken eines Grenzübertritts nach Algerien zu beschaffen – wir
hatten uns dafür auch schriftlich angemeldet.
Doch zurück zum Grenzübertritt. Wir waren etwas
unsicher, als wir unsere beiden Wagen am Rande der Zufahrt zum Grenzposten
parkten, um in das Büro zur Abfertigung und Kontrolle zu gehen. Dabei
wurden wir von einem Araber – in französischer Sprache – angesprochen, der
uns anbot, die Abfertigung für uns zu übernehmen – gegen eine kleine
Gebühr. Wir waren zwar etwas misstrauisch bei der in einem blau-grauen
traditionellen Burnus gekleideten Person, die um unsere Pässe bat, aber in
Anbetracht dessen, dass wir algerische Visa eingestempelt bekommen hatten,
gingen wir das Risiko ein. Durch die Tür beobachteten wir dann die
Abfertigung – vermutlich indem ein Teil unserer „Gebühr“ als Bestechung an
den Beamten weiter gegeben worden war – und sahen ein promptes Abstempeln
unserer Dokumente. Es war also alles nach Plan gelaufen und auch die
Zollabfertigung war nur noch eine pro forma Sache. Aber der Blick in
unsere Pässe offenbarte uns eine kleine Boshaftigkeit: Die Einreisestempel
waren durchweg quer über die algerischen Visa gestempelt (die wohl für die
Grenzbeamten aus politischen Gründen „unsichtbar“ waren). Daher die neue
Befürchtung: Wie würde die algerische Grenzkontrolle reagieren? (Zur Route
vgl. Karte Nordmarokko.)
Dann waren wir in Marokko. (Foto
Hinter der Grenze von Ceuta.)
Durch das Hügelland des Küstenatlas fuhren wir auf durchschnittlich
ausgebauten Straßen in Richtung Tanger. Die Landschaft war grün und
idyllisch und wurde von einer Reihe von Dörfern durchsetzt. (Fotos
Hügelland des Küstenatlas,
erste Rast. Blick auf
Gibraltar. Hügelland des
Küstenatlas, Talbrücke.
Hügelland des Küstenatlas, Wälder.
Hügelland des Küstenatlas,
Kulturlandschaft. Hügelland
des Küstenatlas, Straße von Gibraltar.
Hügelland des Küstenatlas,
Streusiedlung. Hügelland
des Küstenatlas, Trockenhang.
Sonnenuntergang am Atlantik.
Sonnenuntergang am Atlantik.)
Erst dicht vor Tanger kamen wir in dichter besiedelte
Gebiete mit zunehmend städtischem Verkehr. Die Stadt Tanger beeindruckte
uns zunächst nicht allzu sehr, da wir erst mit Einbruch der Dunkelheit
eintrafen und uns den Weg zum Campingplatz, dessen Adresse wir schon
vorher erkundet hatten, suchen mussten. Der Campingplatz mitten im dicht
besiedelten städtischen Gebiet war idyllisch angelegt in Art eines dichten
Parks mit vielen Bäumen und Gebüsch-Hecken, umgeben von einer Mauer zur
Straße hin. Hier erfrischten wir uns, bauten unsere Zelte auf und begaben
uns zur Nachtruhe.
Doch für mich war der „Tag der Schrecken“ noch nicht
vorbei, zu sehr hatten mich die Ereignisse des Tages aufgewühlt und nervös
gemacht. Die Nacht wurde bei mir bestimmt durch Albträume und
erschreckende Empfindungen im Halbschlaf. So bildete ich mir schließlich
ein, dass das Zelt in immer größerer Geschwindigkeit voran fuhr und die
Bremse versagte, die ich mit dem rechten Fuß immer energischer trat. Dabei
versuchte ich mich festzuhalten und habe wohl ohne es zu merken mit der
Hand meine Nachbarin geschlagen, die mich ganz entsetzt aufweckte und bei
mir auf völlige Orientierungslosigkeit stieß. Aber nachdem ich wach war –
und mich entschuldigt hatte – bemerkte ich, dass meine Albträume und
Unruhe auch einen äußeren Auslöser gehabt haben konnten. Auf der
nachtdunklen Straße vor dem Campingplatz war entsetzlicher Lärm und lautes
Geschrei zu hören und die blauen Blinklichter der Polizei leuchteten bis
in unser Zelt. Es hatte wohl einen Unfall gegeben…
Der weitere Verlauf der Nacht war für mich unruhig
und nicht richtig erholsam. Relativ früh standen wir auf zum Frühstück und
zur Weiterfahrt.
Sa., 11.07.1981.
Zunächst machten wir eine kleine Stadtrundfahrt durch Tanger und
rekapitulierten die wechselvolle Geschichte der Stadt, die lange Zeit noch
europäische Kolonie war. »Gegründet wurde Tanger im 5. Jahrhundert v. Chr.
von Karthagern. Später geriet die Siedlung Tingis unter römische (siehe
auch: Mauretania Tingitana) bzw. byzantinische Herrschaft, bevor sie 702
von den Arabern erobert wurde. 1471 hielten die Portugiesen Einzug, denen
1580 die Spanier und 1661 die Briten folgten – Katharina von Braganza
brachte es als Mitgift in die Ehe mit Charles II. ein. Doch schon kurz
darauf, 1684, wurde Tanger an Marokko unter den Alawiden übergeben. … 1912
verlor Marokko seine Unabhängigkeit und wurde faktisch zwischen Frankreich
und Spanien geteilt, wobei letzteres gleich ganz Nordmarokko und einen
Teil der Atlantikküste im Süden besetzte. Der Status von Tanger blieb
ungeklärt. 1923 wurde die Stadt und ein kleines Gebiet um sie herum zur
Internationalen Zone von Tanger erklärt und von acht Mächten verwaltet
(Frankreich, Spanien, Großbritannien, Niederlande, Belgien, Portugal,
Schweden und seit 1928 Italien). Der Hafen von Tanger war zollfrei, der
Schmuggel wurde zum einträglichen Geschäft. … Am 29. Oktober 1956 jedoch
traten die Protokolle von Tanger in Kraft, die die Stadt mit dem wenige
Monate zuvor wieder unabhängig gewordenen Staat Marokko wiedervereinigten
und ihre Freizügigkeit beendeten. 1956 begann auch der Exodus der bis zu
40.000 Juden oder Hebräer, wie sie sich nannten, aus Tanger. «
[Wikipedia.]
Neben einem Blick in die Altstadt, die Kasba mit
ihren Souks, sahen wir die Großen Moschee (Jemaa Kebira), (Foto
Tanger, Große Moschee) die unter Moulay
Ismail im 17. Jh. gebaut wurde. In einem eigenen Bezirk liegt die
Königsresidenz bzw. der Sitz des Sultans (Dar el Makhzen) im Kasbahbereich,
im Norden der Medina. Der Sultanspalast wurde während der Zeit Moulay
Ismails im maurischen Stil erbaut und im frühen 19. Jahrhundert erweitert.
Schon von weitem erkennbar ist das achteckige Minarett der Palastmoschee.
Aber es blieb uns nicht mehr viel Zeit, so dass wir durch das
Palastviertel nur durchfahren und die prachtvollen Fassaden, Tore und
Blicke in die Gärten bewundern können. (Foto
Tanger, Straßenszene.)
Wir besuchen dann noch die Höhlen des Herkules,
die sich nur fünf Kilometer vom wunderschönen Kap Espartel und zwanzig
Kilometer von Tanger befinden. Diese Höhlen sind ein Produkt des
Wellengangs des Meeres und haben eine reiche Mythologie: Es wird erzählt,
dass diese Höhlen der Aufenthaltsort von Herkules waren, als er Europa von
Afrika trennte. Es ist schon beeindruckend in tiefe Löcher im Felsen zu
blicken, auf derem Grund die Meeresbrandung rauscht. Diese Klippen ragen
weit in das Meer hinaus und lassen einen vorsichtig gehen, um nicht
abzugleiten und viele Meter tief in die Brandung zu stürzen. Die mythische
Bedeutung hat sicher ihre Parallelen zu den „Säulen des Herkules“, die
einer verbreiteten Meinung nach bei Gibraltar zu suchen sind. Das Wappen
von Spanien wird im Übrigen von den beiden Säulen des Herkules eingerahmt.
(Vier Fotos Atlantikküste,
Grotten des Herkules.)
Wir fahren dann weiter durch die Küstenebene in
Richtung Süden nach Rabat, der Hauptstadt von Marokko. (Foto
Küstenstraße, Verkaufsstand.
Küstenstraße, Kinder.
Küstenstraße, Trockenlandschaft.)
In Ksar-el-Kebir
können wir in der Kürze der Zeit noch einen geschichtsträchtigen Ort
ansehen.
»Ksar-el-Kebir (arabisch القصر الكبير, DMG
al-Qaṣr
al-Kabīr, Spanisch: Alcazarquivir, portugiesisch: Alcácer-Quibir) ist eine
Stadt in der Provinz Larache in der Region Tanger-Tétouan im Norden von
Marokko. … 720 wird der Ort als Karawanserei, Ketama Souk der
Routen Al Andalus und Fez, erwähnt. Im 12. Jahrhundert wurde die Stadt
unter der Herrschaft der Almohaden mit Stadtmauern befestigt.
Ksar-el-Kebir bedeutete „große Festung“. 1492 flohen Muslime und Juden
vor der Reconquista der Spanier aus Al-Andalus teilweise nach dem
damaligen Alcazarquivir und brachten ihre Kulturen mit. 1578 versuchten
die Portugiesen, Marokko zu christianisieren. Die Mission scheiterte an
Truppen unter Abu Marwan Abd al-Malik in der Schlacht von Alcazarquivir.
Mulai Ismail ließ die Stadtmauern abtragen, nachdem ihn der örtliche Fürst
verärgert hatte. Über Alcazarquivir herrschte die Familie Samia Rachidi.

Alcazarquivir Postkarte von 1900
Von 1911 bis 1956 gehörte Ksar-el-Kebir zum
Protektorat Spanisch-Marokko. Ksar-el-Kebir war Garnisonsstadt des
spanischen Besatzungsheers. Seit dem Abzug der spanischen Besatzer hat
sich die Stadt als regionaler Marktplatz der landwirtschaftlich genutzten
Umgebung des Loukkos-Gharb-Tales mit Markt am Sonntag entwickelt. Die
Stadt liegt etwa halbwegs zwischen Larache an der Atlantikküste und
Ouezzane, an der Bahnlinie Rabat–Fès–Tanger, etwa 32 km von Larache, etwa
160 km von Rabat, etwa 110 km von Tanger, etwa 178 km von Ceuta entfernt,
25 Meter über dem Meeresspiegel umgeben von Hügeln, im Tal des Flusses
Loukkos, einem der ertragreichsten landwirtschaftlichen Gebiete Marokkos.
Zwischen Ksar-el-Kebir und Ouezzane wird der Fluss Loukkos, der im Wad
Majazin fließt, im Dahr al Khir gestaut.« [Wikipedia]
Auf unserer Weiterfahrt haben wir noch eine amüsante
Begegnung. Auf der Straße, bei einem kurzen Halt sprach uns ein
Einheimischer an, der mit ein paar Rindern unterwegs war. Wir kamen ins
Klönen und er fragte uns aus nach unserem Woher und Wohin. Dabei sprach
Ahmed, wie er sich vorstellte, mich als den „Papa“ meiner jugendlichen
Mitreisenden an. Überraschend kam dann sein Vorschlag, ihm doch Regina zu
verkaufen, gegen eine oder mehrere Kühe. Nun, sie war davon nicht ganz
begeistert aber wir übrigen spekulierten doch schon einmal, wie wir die
Kühe nach Hannover zurück bringen könnten und was wohl die Eltern von
Regina dazu sagen würden, wenn wir ihnen statt ihrer Tochter eine Kuh
mitbringen würden…
Obwohl aus dem Handel also nichts wurde, lud uns
unser Freund zu einem kleinen Besuch bei Ihm zu Hause ein. Er hatte eine
kleine Hütte in der Nähe, in der wir uns dann auf Sitzkissen platzierten.
Er bewirtete uns mit Pfefferminztee in den kleinen arabischen Teegläsern.
Aber am Ende kam doch noch sein Hintergedanke für die Einladung zum
Vorschein: der Verkauf von kleinen Teppichen und kunsthandwerklichen
Gegenständen. Viel ist er wohl nicht bei uns losgeworden; wir vertrösteten
ihn auf einen späteren Zeitpunkt, wenn wir auf dem gleichen Wege
zurückkommen würden (was natürlich nur eine Ausrede war). Nur Michael
Rietzel „tauschte“ irgendetwas von unseren Vorräten gegen einen
berberischen Umhang, den er in der Folge dann stolz trug. (Foto
Küstenstraße, Besuch bei Ahmed.)
Wir übernachteten auf der Küstenebene vor Rabat,
etwas außer Sichtweite der Straße und geschützt von einigen Büschen und
Bäumen. Vor den Toren Rabats erblicken wir in der Bucht einen Hafen für
kleine Fischerboote und einen Altkleider-Souk, den wir am nächsten Tag
noch durchstöbern werden. (Foto
Rabat, Boote in der Bucht.
Rabat, Boote in der Bucht (2).
Rabat, Altkleidersouk vor der
Mauer.)
So., 12.07.1981.
Heute war Joachims Geburtstag und er bestimmte unser heutiges Programm.
Sein Wunsch war es, einmal nach Casablanca zu kommen, um nach „Rick’s
Café“ – aus dem Film „Casablanca“ mit den Hauptdarstellern Humphrey Bogart
und insbesondere Ingrid Bergman, die man heute vor allem mit ihren Rollen
in Casablanca verbindet, obwohl beide zu den erfolgreichsten Schauspielern
ihrer Generation gehörten und davor und danach in zahlreichen großen
Produktionen mitwirkten. Das American Film Institute wählte Casablanca
2002 zum besten US-Liebesfilm aller Zeiten und 2007 zum drittbesten
US-Film aller Zeiten – zu suchen (der Film wurde übrigens in Hollywood
gedreht!).
Die Straße von Rabat nach Casablanca ist
autobahnähnlich ausgebaut, so dass wir sehr schnell unser Ziel erreichten.
Doch mussten wir unsere Besichtigung vor allem in der Phantasie
durchführen. Die Stadt selbst – gerade am Beginn einer extensiven
Bauphase, in der sich der folgende wirtschaftliche Boom des Landes schon
abzeichnete – war alles andere als traditionell und romantisch. Schmutzige
und verwahrloste Ecken waren immer noch allzu häufig. Auf ihnen standen
dann einige abgemagerte Pferde und Esel, die die noch immer häufigen
Karren durch die Stadt zogen. Zum Hafen zog es uns nicht, der war wie alle
anderen Industrie- und Gewerbegebiete. Auch die heutige Große Moschee, die
Hassan II. bauen ließ und die zu den größten Moscheebauten der Welt zählt
(2010), war noch nicht einmal in Planung. (Sieben
Fotos von Casablanca.)
Ein traditionelleres Marokko hätten wir erfahren
können, wenn wir weiter nach Marrakesch gefahren wären. Doch der Süden des
Landes stand – auch aus Zeitgründen – nun einmal nicht auf unserem
Programm. Damit kehrten wir recht bald wieder in Richtung Norden und Rabat
zurück, um wieder an der Küstenstraße unsere Zelte aufzuschlagen. Abends
saßen wir noch gemütlich vor unseren Zelten und feierten Joachims
Geburtstag. (Fotos Bei Rabat, Camping am Strand.)
Mo., 13.07.1981.
Das morgendliche Wecken nahm kuriose Züge an. Wir wachten auf, da wir vor
unseren Zelten grunzende und tierische brüllende Stimmen hörten und dunkle
Schatten vor unseren Zelten auftauchen. Vorsichtig den Reißverschluss beim
Zelteingang geöffnet: der neugierige Kopf eines Rindes schaute herein.
(Fotos Bei Rabat, Camping am Strand, Wecken.)
Es dauerte dann doch einige Zeit, bis sich das Tier, erstaunt durch unser
Auftauchen, zurückzog und uns das Verlassen des Zeltes ermöglichte. Dann
sahen wir im Überblick, dass wir mit unseren Zelten mitten in einer
Rinderherde standen, die ein kleiner Junge, sicher kaum älter als neun
Jahre, heran getrieben hatte, wohl aus eigener Neugier, was wir dort mit
unseren Zelten zu suchen hatten. Mit gestikulierender Sprache
„unterhielten“ wir uns mit ihm, der richtig amüsiert über unser Auftauchen
aus den Zelten war. Und schließlich machte er uns, indem er uns eine leere
Wasserflasche hinhielt, darauf aufmerksam, dass er Durst hatte. Wir
füllten seine Flasche mit Wasser aus unseren Vorräten und ernteten viel
Dankbarkeit bei ihm. In der Zwischenzeit war noch eine ganze Gruppe Kinder
dazu gekommen, die um uns herum standen und uns beobachteten. (Foto
Bei Rabat, Camping am Strand, Kinder.)
Vor den Toren der Altstadt von Rabat zur Seeseite hin
befindet sich ein großer Suq aus provisorischen Hütten und
Verkaufstischen, der äußerlich eher den Eindruck eines großen Flohmarktes
macht und als Kunden die Ärmsten der Armen anspricht mit „Second Hand“-Waren, Kleidung, Schuhen, Tuchen und Haushaltsgeräten. Es ist nicht
der eigentliche Suq oder Bazar in der Altstadt, der auch heute noch eine
wirtschaftliche, aber auch touristische Funktion hat. Hier auf dem Vorstadt-Souq, der eine erstaunlich große Fläche einnimmt, schlendern wir
durch die Verkaufsstände und dachten uns, dass wir hier eventuell auch
mein schwarzes Jackett wieder finden könnten, das uns in Spanien gestohlen
worden war… (Foto Rabat, Altkleidersouk vor der Mauer.)
Die Fahrt durch das Stadttor in der noch vorhandenen
Mauer um die Altstadt macht uns aufmerksam auf die Bedeutung des
Stadtnamens „Rabat“, der klassisch-arabisch eigentlich „رباط, DMG
ribāṭ
‚Festung‘ heißt. Wikipedia schildert die Funktion des Ribat wie folgt:
»Ribat … ist die arabische Bezeichnung für
Grenzbefestigungen an der Grenze des islamischen Gebietes (Dar al-Islam)
zur Durchführung des kriegerischen Dschihad in den ersten Jahrhunderten
der islamischen Expansion. Der Ribat ist der Ort, wo die Muslime ihre
Reittiere versammelt und festgebunden (rabaṭa) hatten; seine Entstehung
ging somit auf die religiöse Pflicht des Dschihad, auf die militärische
Ausbreitung des islamischen Gebietes und dessen Verteidigung zurück. Diese
militärischen Festungen boten auch den Bewohnern der gefährdeten Gebiete
weitgehenden Schutz. Das Bauen einer Festung, oder die Erweiterung eines
bestehenden Ribats galt als frommes Werk. Sie entstanden entlang der
Demarkationslinie zu den nichtislamischen (meist christlichen) Gebieten
(Dar al-Harb): Im islamischen Osten nannte man sie thagr (Pl. thugūr), im
islamischen Westen und in al-Andalus hießen sie Festung (hisn) oder
Kastell (qasr).
Die Bewohner der Festungen waren nicht nur kampfbereite Soldaten, sondern
auch Gelehrte, die sich der moralischen Unterstützung der Kämpfer
widmeten.«
Dass der Ribat mehr war als eine militärische
Befestigungsanlage, sondern ein Zentrum der Verteidigung des Islam auch in
kultureller und bildungsmäßiger Hinsicht, zeigt sich auch daran, dass sich
um den Ribat Städte und kulturelle Zentren herausbildeten – wie z.B.
Rabat, aber auch Monastir und Sousse in Tunesien, die
wir im weiteren Verlauf unserer Reise noch besichtigen werden.
Ausführlicher beschäftigt sich Sigrid Hunke
mit diesem Phänomen und der engen Beziehung des im Ribat angesiedelten
arabischen Rittertums mit der Herausbildung der Ritterkultur im
europäischen Mittelalter. Spuren dieser orientalischen Einflüsse zeigen
sich in den frühen mittelalterlichen Ritterepen, vor allem im
Parzival-Epos. Die Kultureinflüsse sind unübersehbar. Das zeigt sich schon
in der Geschichte unserer Saiteninstrumente. Erste Vorläufer der
Violine stammen aus dem spanisch-maurischen Raum im 8. Jahrhundert.
Als weiterer Vorläufer ist das Rebec und die Fidel (bis ins
16. Jahrhundert gespielt) zu nennen.
Aber auch die Gitarre hat maurische Wurzeln. Der Name Gitarre wurde
aus dem Spanischen („guitarra“) entlehnt und geht über Arabisch „qīṯāra“
letztlich auf das altgriechische Wort „κιθάρα“ (Kithara) zurück.
Jedoch gehört dieses Instrument wie die Lyra zu den Leiern der
griechischen Antike und ist eher ein Vorläufer der Zither oder des
Psalters. Gemeinhin wurde das Instrument auch als al-Oud (arab.عود:„das
Holz“) bezeichnet woraus sich das mittelalterliche Wort „Laute“
ableitet. Zumindest lässt sich auch über die Wortgeschichte darauf
schließen, dass es die Mauren waren, die vor dem 10. Jahrhundert den Oud,
der zu dieser Zeit auch noch Barbat genannt wurde, nach Spanien brachten.
Aber auch die Musiktradition selbst steht in enger
Beziehung zum maurisch-arabischen Erbe, wobei die angebliche
Musikfeindlichkeit des Islam nur in Teilbereichen eine Rolle spielte und
sich dennoch eine reiche Musiktradition im Orient entwickelte. Besonders
auffällig ist dies in der Geschichte des mittelalterlichen „Minnegesangs“,
in der der Ritter einer idealisierten, unnahbaren Frau musikalische und
dichterische Würdigungen darbot, um sie zur Gnade der Aufmerksamkeit zu
überzeugen. Die Minnesänger waren in der Ritterzeit sehr bedeutungsvoll.
Der Minnegesang breitete sich über Nordfrankreich, Norddeutschland und
über Italien aus. Minnesänger sind Sänger, die von Burg zu Burg reisen und
dort für Abwechslung sorgen. Meist singen sie Verse zum Thema „ Minne“,
also alles was mit Liebe und Gefühl zu tun hat. Jeder Minnesänger
verfasste seinen Text selbst und trug ihn mit einer Geige oder Fiedel vor.
Dieser Gesang war die Kultur der Ritter.
„Du
bist Min? Ich bin Din;
Des
solst du Gewis sin;
Du
bist besdozzen
In
Minen Herzen;
Verlorn ist das Slüzzelin;
Du
muost immer drinne sin!“
Zur gleichen Zeit entwickelte sich im andalusischen
Bereich eine spezifische „Minnelyrik“, die ebenfalls die „keusche,
unerfüllte Liebe“ verherrlichte.
Im islamischen Osten entwickelte sich eine persische Liebeslyrik, die mit
Hafez
ihren Höhepunkt erreichte:
Ich
küsse ihre Lippen, und
genussvoll schlürf’ den Wein ich,
das
Wasser hab’ des Lebens ich
bei
diesem Tun gefunden … (Ghasele 402)
Die
Liebe entstand, und sie setzte
in
Flammen die ganze Welt. (Ghasele 138)
Niemals stirbt der, dem zum Leben
erwachte das Herz durch die Liebe! (Ghasele 11)
Die arabisch-europäischen Beziehungen im Mittelalter
sind eng, enger als es das allgemeine europäische Wissen wahrhaben will.
Das Thema wurde im andauernden Machtkampf um Einfluss und Dominanz
verdrängt. Einige Aspekte davon habe ich in einem Vortrag ausgeführt, den
ich dann im Internet publiziert habe: „Worin unterscheiden sich Kulturen:
kulturelle Dimensionen im Vergleich.“
Bei unserer kurzen
Besichtigung von Rabat durchqueren wir nicht nur die Altstadt mit ihren
Souks, sondern fahren auch durch das "Königsviertel" und sehen den Palast
von Hassan II. (Fotos
Rabat, Tor zum Königsviertel.
Rabat, Palast.)
Doch weiter zu unserer Reise. In Rabat besichtigen
wir die Chellah, die uns sehr beeindruckte. In der Chellah, gleich
außerhalb der Stadtmauer Rabats, geht es eigentlich darum, die Grabstätte
der Meriniden-Sultane zu besichtigen. Auf einem Hügel gelegen und von
einer Mauer aus dem 14. Jahrhundert umschlossen, wird Chellah heute als
heiliger Ort verehrt, weil sich hier Marabuts an den Quellen auf dem Areal
reinigten. Außerdem gibt es hier eine bedeutende Nekropole aus dem 13. und
14. Jahrhundert und Überreste einer römischen Siedlung zu sehen. (Fotos
Rabat,
Merinidisches Portal der Chellah.
Chellah.)
Rabat:
Chellah
Beeindruckend sind die üppigen Gärten, in denen die
römischen und mittelalterlichen Ruinen fast verborgen sind. Auf den Türmen
und auf den höheren Bäumen findet sich eine Vielzahl von Storchennestern.
(Foto Rabat, Chellah,
Blumenbeet.)
Aber noch ein Pflichttermin steht auf dem Programm:
Wir müssen in der deutschen Botschaft vorsprechen, in der ich
mich ja schriftlich angemeldet hatte, um einen
Informationstermin zu erhalten. Dies ging auch problemlos – meine
Anmeldung wurde gleich gefunden – und wir wurden für den nächsten
Vormittag bestellt.
Den Rest des Tages verbrachten wir dann mit einer
Stadtrundfahrt und einem Bummel durch die Altstadt und die alten Suqs. Und
dann noch eine Nacht im Zelt im Freien.
Di., 14.07.1981. Dies war
der Tag der Botschaft. Wir treffen pünktlich ein in der Botschaft der
Bundesrepublik Deutschland. 7, Zankat Madnine. B.P. 235. 10.000 Rabat.
Zunächst klären wir die aktuellen Fragen – nachdem wir uns vorgestellt und
unsere Reisepläne erläutert hatten –, insbesondere nach den Möglichkeiten
des Grenzübergangs nach Algerien. Wir wurden dabei beruhigt, indem uns
gesagt wurde, dass Europäer kaum mit Schwierigkeiten zu rechnen hätten –
die ohnehin nur von marokkanischer Seite zu befürchten und die durch die
politische und ökonomischen Abhängigkeit Marokkos von Europa nicht zu
erwarten waren – und dass der Grenzübergang letztlich nur für Marokkaner
und Algerier gesperrt war, was für die Betroffenen dennoch recht hart war,
da im Grenzgebiet viele Familien durch die Staatsgrenze geteilt wurden.
Dennoch gab der Konsulatsbeamte uns eine Notfalltelefonnummer, mit dem wir
eine Botschaftsstelle direkt erreichen könnten. Er sagte auch, dass in den
wenigen Fällen, in denen es tatsächlich Schwierigkeiten gegeben hatte, die
deutsche Seite unmittelbar beim König interveniert hatte – mit
durchschlagendem Erfolg.
Interessant war dann das nachfolgende
Informationsgespräch über die Arbeit der entwicklungspolitischen Abteilung
der Botschaft. Es wurden interessante Einzelheiten zu der Vielzahl von
Projekten gemacht, die mit deutscher Hilfe durchgeführt werden.
Schwerpunkt ist neben der allgemeinen Wirtschafts- und Handelsförderung
mit deutschen Firmen vor allem die Unterstützung von Entwicklungsprojekten
im Bereich der Landwirtschaft – vor allem der Ausbau von
Bewässerungsvorhaben im Küstenbereich im Westen – und für die
Infrastrukturentwicklung. Die Daten, die uns dabei mitgeteilt wurden, habe
ich – mit Stand 1981 – auf einem extra Blatt zusammengestellt.
Schwierigkeiten ergeben sich doch immer wieder durch
das ausgesprochene Unabhängigkeitsbewusstsein lokaler Autoritäten und
Stammesführer, wobei jedes Projekt auf allen Ebenen erst einmal
ausführlich diskutiert und beworben werden muss – wobei „bewerben“ oft
auch „bestechen“ heißt – und erst dann umzusetzen ist, wenn alle Ebenen
der lokalen Hierarchien ihre – oft nur marginalen – Veränderungsbeiträge
hinzugefügt haben, so dass sie in ihrer Klientel als Urheber erscheinen
können und sich aus der Durchsetzung des Projektes Vorteile und
Autoritätsgewinne versprechen können.
Mittags konnten wir dann unsere Fahrt durch Marokko
fortsetzen. (Fotos Weg nach Meknés, Dorf.
Weg nach Meknés, Trockenlandschaft.
Weg nach Meknés, Straßenszene.
Weg nach Meknés, Waldlandschaft.
Weg nach Meknés, Pferdekarren.)
Wir gelangen jetzt in das kulturelle und geschichtliche Zentrum des Landes
mit den vier Städten Meknès, Moulay Idriss, Fès und
Oujda. Zwei davon gehören zu den berühmten „Königsstädten“, die zeitweise
Herrschaftssitz Marokkos gewesen sind:
Fès:
Hauptstadt der Idrisiden (807–926), Meriniden (1248–1465) und Alawiden
(1666–1672 und 1727–1912)
Marrakesch: Hauptstadt der Almoraviden (1070–1147), Almohaden
(1147–1269) und Saadier (1554–1659)
Meknès:
Hauptstadt der Alawiden (1672–1727)
Rabat: Hauptstadt der Alawiden (seit 1912) Zunächst erreichten wir
Meknès mit seinen gewaltigen Mauern und Stadttoren.
Nur
Marrakesch haben wir bei unserer Marokkofahrt nicht besucht – wir sprachen
davon schon weiter oben. Moulay Idriss ist die „heilige Stadt“, in
der der Gründer der Idrisiden-Dynastie, die als Gründer Marokkos gelten,
Idriss I begraben liegt.
»Meknès ist eine der vier Königsstädte Marokkos und
hat ca. 500.000 Einwohner. Aus zwei Stadtkernen bestehend, die voneinander
durch den Fluß Boufekrane getrennt sind, erhebt sich Meknès auf einer
Hochebene 550 m über dem Meer. Es liegt in einem der landwirtschaftlich
reichsten Gebiete mit einem gesunden, milden Klima während des ganzen
Jahres. Meknès ist wichtiges Handels- und Handwerkszentrum. Meknès ist vor
allem auch bekannt wegen seiner Weine, die durchaus die Qualität guter
französischer Landweine erreichen. Die bekanntesten Marken sind Ksar
Guerrouane und Les Trois Domaines.
Meknès verdankt seinen Namen dem Stamm der Meknassa,
die vom Osten her kommend sich zu Anfang des 10. Jh. an den Ufern des
Flusses niederließen. Die almoravidische Festung Tagrart, die Youssef Ben
Tachfine 1063 erbauen ließ, bildet den Mittelpunkt der Stadt. Die
Almohaden als Nachfolger der Almoraviden, richteten ein
Wasserversorgungsnetz ein. Unter den Meriniden wurde die Stadt
beträchtlich vergrößert, aber erst unter dem Alouitenherrscher Moulay
Ismail (1672- 1727) erlebte Meknès seine Blütezeit. Moulay Ismail ließ mit
Hilfe von 30.000 Sklaven Gärten, Stadtmauern von 40 km Länge und Paläste
von gewaltigen Ausmaßen bauen. So fanden in den riesigen Stallungen 12.000
Pferde Platz, und die Getreidespeicher hatten die Dimensionen einer
Kathedrale. Im ganzen Land ließ er 76 Festungen bauen und vertrieb mit
seiner 150.000 Mann starken Armee die Engländer aus Tanger und die Spanier
aus Larache und Mehdia. Selbst die Türken konnte er im Osten des Reiches
aufhalten. Nach dem Tod Moulay Ismails verlegten seine Nachfolger die
Königsresidenz nach Fes. Während der Kämpfe um die Nachfolge wurden die
Paläste von Meknès zerstört. Das Erdbeben von 1755 trug zur weiteren
Verwüstung der Stadt bei. Erst nach 1912 bekam Meknès wieder eine
entscheidende Bedeutung, als es zu einem der wichtigsten
landwirtschaftlichen Zentren Marokkos wurde.«
Die Stadtbesichtigung erfolgt zu Fuß, da die
Fahrzeuge vor dem Stadttor stehen bleiben mussten. Ein „Fremdenführer“ bot
seine Dienste an und führte uns durch die beeindruckenden Altstadtstraßen.
Aber wie immer – seit unseren trüben Erfahrungen in Spanien – blieb eine
kleine „Wachmannschaft“ bei den Bussen zurück. Sehr lange konnten wir
unseren Rundgang nicht ausdehnen, da es langsam schon Abend wurde und wir
weiterfahren mussten, um uns einen Campingplatz zu suchen. (Fotos
Meknés, Stadttor.
Meknés, Moscheehof.
Meknés, Moschee.
Meknés, Moschee, Säulenhalle.)
Auf der Strecke in Richtung Moulay Idriss fand sich
dann auf einer Anhöhe unter dichten Bäumen ein guter Platz, der gegen
Einsicht von der Straße her geschützt war. Hier verbrachten wir eine
erholsame Nacht.
Mi., 15.07.1981. An diesem
Tag haben wir weniger „Strecke“ geschafft, als wir ursprünglich geplant
hatten, da wir eine sehr lohnende Führung durch einen Studenten durch die
„Heilige Stadt“ Moulay Idriss – in welcher der Begründer der ersten
marokkanischen Dynastie, der Idrisiden, begraben liegt – und durch die
römischen Ausgrabungen von Volubilis genießen konnten. (Fotos
Moulay Idris, Lage am Hang.
Moulay Idris, Souk.
Moulay Idris, Ruinen.) Morgens warfen wir einen
ersten Blick von der Höhe auf Moulay Idriss mit seinen türkisfarbenen
Moscheedächern, deren Betreten für Touristen nicht gestattet ist. (Fotos
Moulay Idris, Überblick über die Grabmoschee.
Moulay Idris, Runder Turm.) Im Vordergrund befand sich aber eine Quelle, an der Frauen
ihre Wäsche wuschen und Ziegen sich Erfrischung gönnten. (Foto
Moulay Idris, Wasserstelle, Wäsche.)
Moulay Idris (arabisch مولاي إدريس زرهون) ist eine
Stadt in Marokko mit 11.200 Einwohnern (Stand: 2005) und liegt 27 km
nördlich von Meknès. Sie gehört zur Provinz Meknès in der Region
Meknès-Tafilalet. Wenige Kilometer entfernt befinden sich die Reste der
antiken Stadt Volubilis. Die Stadt wurde im Jahr 788 von Idris I.
gegründet. Es befindet sich dort auch sein Mausoleum, das in einer Zāwiya
erbaut wurde.
»Die Idrisiden (789-974): Schon bald nach der
Ermordung des Kalifen Ali ilm Abi Talib, der mit Mohammeds Tochter Fatima
verheiratet war, entstand die religiöse Bewegung „Schiat Ali“ (= Partei
Alis). Ihre Anhänger, die Schiiten, bestritten die Rechtmässigkeit der
Kalifen, die nicht aus Alis Ehe mit Fatima abstammten. Sie lehnten also
auch die neuen Kalifen der Abbasidendynastie ab, die ihren Stammbaum auf
Abbas, einen Onkel des Propheten, zurückführten. Im Jahre 786 bereitete
der abbasidische Kalif Harun ar-Raschid den Schiiten in der Schlacht von
Fakh bei Mekka ein furchtbares Massaker. Einer der wenigen Schiiten, denen
zu entkommen gelang, war Idris Ibn Abdallah. Er flüchtete nach Marokko, wo
ihm der Berberstamm der Aouraba (Auriba) Unterschlupf gewährte. Die
überhöhten Tributforderungen der Abbasiden trieben die freiheitsbewussten
Berber den schiitischen Ideen zu. Der Stamm wählte Idris, einen Nachkommen
Alis und Fatimas, zum Oberhaupt. Moulay ldris residierte im
Stammeshauptort Oualila, dem antiken Volubilis, und schloss innerhalb
weniger Jahre mehrere Berberstämme zu einem kleinen, vom Kalifat aber
unabhängigen Reich zusammen. 789 gründete er Fès, das sich zu einem der
bedeutendsten Kulturzentren des Islams entwickeln sollte. 791 liess ihn
Harun ar-Raschid durch einen seiner Abgesandten vergiften. Unter Idris
II., der erst zwei Monate nach der Ermordung seines Vaters zur Welt kam
und als Elfjähriger die Herrschaft übernahm, erreichte die marokkanische
Dynastie der ldrisiden ihre Blütezeit. Das kleine Reich war zwar nicht das
einzige in Marokko - daneben bestanden u. a. das Reich der Berghouata an
der Atlantikküste und das Reich von Sijilmassa im Tafilalt -, doch es war
zweifellos das bedeutendste; seine kulturellen Ausstrahlungen erfassen den
ganzen Nordwesten Afrikas. Heute wird es als Keimzelle des Königreichs
Marokko angesehen. Nach dem Tode von Idris II. begann das Reich unter
schwachen Herrschern zu zerfallen.«
Volubilis ist eine der am besten erhaltenen römischen
Siedlungen und wurde von der UNESCO zur Liste des Weltkulturerbes
hinzugefügt. (Drei Fotos Volubilis.)
Volubilis
[Wikipedia]
Zu schaffen macht uns die Hitze!
Abends kommen wir nach Fèz, fahren aber nach kurzem
Einkauf – Lebensmittel und Motoröl (welches wir im Preis sogar noch
herunter gehandelt haben) – weiter von der Hauptstraße auf Nebenstraßen.
Ein erster Versuch, einen Campingplatz zu finden, war dramatisch. Unser
„Kasten“ blieb mit einem Rad hoch in der Luft im Einfahrtsgraben zu einem
Seitenweg stecken. Mit etwas Schwung und einem Sprung schafften wir es
dann doch; auch der Bus hüpfte bedenklich. Der Platz sagte uns aber nicht
zu, da hier von Hunden abgenagte Eselgerippe herum liegen. Wir fahren
weiter und müssen bei der anderen Ausfahrt noch einmal bedenklich
„springen“. Die „Bullys“ sind doch recht stabile Wagen! Wir fahren weiter
ins Gebirge und finden seitab an einem Waldrand – am Viehauftrieb in die „montagne“
– einen geeigneten Platz. (Fotos
Suche nach einem Campingplatz.
Abschreckung: Eselgerippe.
Weitersuche angesagt.)
Do., 16.07.1981.
Vormittags besichtigen wir Fèz in zwei Gruppen. Während der „Kasten“ zur
Neustadt zur Bank und Post fährt, besichtigt der „Bus“ die Altstadt, Fèz
el Bali, mit einem Fremdenführer. Nachdem wir von unseren Geschäften
zurück sind gehen wir mit dem gleichen Führer los, der wegen des Ramadans
schon etwas demotiviert erschein – Hunger und Durst machen ihm zu
schaffen. Zuletzt führte er uns zu einem Laden eines Verwandten, der uns
unbedingt Teppiche und Kunsthandwerk verkaufen wollte. Beide waren sehr
enttäuscht, in uns keine Kunden gefunden zu haben.
»Fès oder Fez (arabisch فاس) ist die drittgrößte
Stadt Marokkos mit knapp über einer Million Einwohnern. Sie ist die
älteste der vier Königsstädte des Landes (Fèz, Marrakesch, Meknés, Rabat)
und galt nach der Begründung der Qarawiyin-Universität als geistiges
Zentrum der Region. Auf föderaler Ebene fungiert Fes als Hauptstadt der
Region Fèz-Boulemane, das eine von 16 Regionen Marokkos repräsentiert.«
[Wikipedia.] (Foto Fèz,
Überblick über die Stadt.)
Bei der Besichtigung sehen wir in der Altstadt die
Medresse, die Moschee und das Viertel der Ledergerber, das einen
infernalischen Gestank verbreitet. Halbnackte, braun gebrannt Männer
turnen auf den Rändern der riesigen tönernen Gerbbottiche herum, in den
sie Ziegenhäute eintunken und unterrühren, wobei die Flüssigkeit nahezu
bis zum Kochen erhitzt wird. Hier entsteht Marocain Leder (Französisch
Maroquin), hergestellt aus Ziegenfell, rot gefärbt (traditionell mit Sumac),
auf der Narbenseite gegerbt und dann von Hand gemustert. Daraus werden
kunsthandwerkliche Gegenstände wie Taschen, Gürtel etc. gefertigt;
besonders feines Leder dient aber auch – versehen mit Goldprägung – zu
Einband von besonders wertvollen Büchern. Die Verwendung von Marocain in
Frankreich und Europa allgemein setzte sich seit dem sechzehnten
Jahrhundert durch. Das französische „Marocco“ ist eine Imitation aus
Schafleder und wird auch als „Saffian“ bezeichnet. (Fotos Fèz, Lederfärberei.
Fèz, Schmiede und Punzerei.)
Arbeiter in Gerberei und Färberei (Fes, Marokko),
2006, Quelle: privat (anonymous; permission given) [Wikipedia].
Die Altstadt, (Fèz el Bali/el Medina el Qadima),
besteht aus dem Stadtteil um die Qarawiyin-Moschee bzw. ‑Universität, die
nach ihrer Gründung im Jahre 859 das Zentrum des öffentlichen Lebens
darstellte. Sie wird von der Stadtmauer eingeschlossen.
Hier lebte die ursprüngliche arabische Bevölkerung aus der Eroberungszeit.
Im neueren Stadtviertel Fes el Jedid, das auf die Dynastie der Meriniden
(1244–1465) zurück geht, siedelten sich nach der Vertreibung aus Spanien
vor allem die „Andalusier“ an, die später die kulturelle Bedeutung und die
gesellschaftliche Elite der Stadt prägten. Diese doppelte Altstadt, zu der
Anfang des 20. Jahrhunderts noch ein französisch geprägtes Viertel
hinzugekommen ist, wurde 1981 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.
(Fotos Fèz, Altstadt Souk.
Fèz, Randviertel.
Fèz, Altstadtgasse.
Fèz, Packpferd in der Altstadtgasse.)
Das liegt auch daran, dass die alten Stadtstrukturen
der arabisch-islamischen Stadt hier in Fèz besonders gut erhalten sind. Im
Auftrag der UNESCO hat der Schweitzer Städtebauer, Kulturhistoriker und
Architekt Stefano Bianca wesentliche Untersuchungen vorgenommen und die
Ergebnisse publiziert. Das waren wichtige Argumente für die UNESCO, die
hervorragende Bedeutung dieser Stadt zu würdigen.

Altstadt von Fez von Norden gesehen [Wikipedia]
»… Von ähnlicher Bedeutung ist die marokkanische
Stadt Fez mit ihrer berühmten Universität. Sie ist die kulturelle Hochburg
des islamischen Westens. Von hieraus ist der Islam bis nach Guinea,
Kamerun und das übrige Westafrika gelangt. Die Architektur und die Farben
von Fez zeigen deutlich, wer die Gründer waren: aus Spanien vertriebene
Muslime, die man hier nach wie vor Andalusier nennt.«
Die Moscheehöfe und Medressen zeichnen sich durch
tiefblaue Fayencen mit üppigen Arabesken Mustern und Schriftbändern in
arabischer Schmuckschrift. Die Dächer sind grün bzw. türkisgrün eingedeckt
und beherrschen so das Stadtbild aus der Vogelperspektive. Wir besuchen
den Hof der Kairaouine-Moschee und die Attarine-Medresse. Eine Medresse
oder Medersa ist eine mit der Moschee verbundene Islam-Hochschule, die es
in allen islamischen Zentren gibt und die die Keimzelle der
arabisch-islamischen Bildung sind, die gerade über den Maghreb und
Andalusien einen großen kulturellen Einfluss auf das mittelalterliche
Europa genommen haben. (Foto Fèz, Moschee.)
Der Rundgang durch die Altstadt, das Gerberviertel
und die engen Bazar-Gassen, Suqs, wurde zu einem Kampf gegen die drückende
Mittagshitze. Zu Abschluss werden uns in einer Teppich-Cooperative die
unterschiedlichen marokkanischen Teppichtypen vorgestellt (unser
Fremdenführer muss ja irgendwo seine Provisionen herbekommen). In einer
Punzerei erstehen wir als Souvenirs noch künstlerisch verzierte
Messingteller. Ich lasse für meine Frau Jutta eine Widmung eingravieren.
Mittags geht es dann weiter auf unserer Fahrt nach Osten.
Am späteren Mittag machen wir auch heute wieder eine
Siesta unter Bäumen in der Nähe einer kleinen Ortschaft.
Abends kommen wir in die Steppe und suchen uns einen
Platz, der etwas von ein paar größeren Büschen geschützt ist. (Fotos
Weiterfahrt in Richtung Oujda.
Sonnenuntergang.)
Nach langem
Warten gibt es Essen, doch stellt es sich noch am Abend heraus, dass es
uns nicht bekommt. Durchfall und Erbrechen sind die ersten Symptome in
dieser unruhigen Nacht, die wohl von der Dose „Schweinefleisch-Klößchen in
eigenem Saft aus der Bundeswehrverpflegung, die uns ein Teilnehmer von
seinem Vater, der bei der Versorgung der BW tätig ist, zur Verfügung
gestellt wurden… Wie wäre es Rommel und dem Afrika-Corps im Zweiten
Weltkrieg ergangen, wenn sie diese Dosenverpflegung gehabt hätten? Wäre
dann der Afrika-Feldzug früher zu Ende gewesen?
Fr., 17.07.1981. Der Tag
war dramatisch und krisenhaft. Die in der Nacht einsetzenden
Magen-Darm-Beschwerden verschärfen sich kritisch. Nur Regina als
Vegetarierin bleibt von ihnen verschont. Zuerst bricht Joachim – am Morgen
noch munter – in Oujda, unserer nächsten Station, zusammen. Wir müssen den
Ohnmächtigen auf der Rückbank schnell in ärztliche Behandlung bringen. Mit
Hilfe eines voraus fahrenden Krankenwagens bringen wir ihn in die Ambulanz
des städtischen Krankenhauses, wo er sofort zur Untersuchung – in einem
kühleren Kellerraum – gebracht wird. Der Arzt stellt eine
Fleischvergiftung, genauer gesagt: eine Salmonellenvergiftung fest, deren
Symptome in dieser Region durchaus geläufig waren. Die Diagnose konnte
ohne weiteres auf uns andere übertragen werden, so dass uns der Arzt ein
Rezept mit Klinikpackungen ausschrieb und uns genaue Einnahme-Anweisungen
mit auf den Weg gab.
Aber erst um halb vier öffnete die Apotheke in der
Innenstadt von Oujda. In der Zwischenzeit fahren regelmäßig einige von uns
mit jeweils einem Wagen aus der Stadt heraus, um uns auf freiem Feld
hinter Büschen zu „entleeren“. Auch ich habe starken Durchfall, bin aber
noch recht munter.
Bei der Wartezeit vor der Apotheke kommen wir
scheint’s noch in eine kritische Situation: Ein Mann schleicht sich von
hinten an unseren Wagen ran, bückt sich und versucht wohl, etwas an der
Unterseite zu befestigen. Aber wir entdecken ihn rechtzeitig und er
entfernt sich auffällig schnell die Straße hinunter. Interessant war
unsere Beobachtung, dass auf der anderen Seite der Straße ein
Streifenpolizist die Szene begutachtete. Wir vermuten, dass damit und dem
Anbringen eines Päckchen Rauschgiftes eine kleine Erpressung geplant war,
die wir gerade noch rechtzeitig verhindern konnten.
Nachdem wir nun in der Apotheke vier große Packungen
unserer Medikamente erhalten haben – übrigens zu einem so niedrigen Preis,
dass wir sie über die Reisekrankenversicherung eines einzigen Teilnehmers
in Deutschland erstattet bekamen – geht es weiter in Richtung auf die nahe
algerische Grenze zu. Doch haben wir keine Kraft mehr, den Grenzübertritt
noch an diesem Tag zu unternehmen.
Nach einiger Zeit treffen wir bei einer Tankstelle
ein. Der Tankwart genehmigt uns die Übernachtung auf dem daneben liegenden
Parkplatz. Dass der massive Zaun, der das Tankstellengelände abgrenzt,
schon Teil der marokkanischen Grenzbefestigung war, entdecken wir erst am
nächsten Tag, als wir bei der Ausfahrt aus der Tankstelle das „Douane“-Schild
am Straßenrand sehen, das uns am letzten Abend nicht aufgefallen war.
Bei der Einfahrt in die Tankstelle verschlimmert sich
der Zustand von Joachim wieder und beim Auslegen der Luftmatratzen – an
den Aufbau von Zelten war hier nicht zu denken – erlitt Hans-Jürgen einen
Hitzekollaps: Es wurde dringend Zeit, in einen kühleren Raum zu kommen und
die Medikamente einzunehmen.
Wir erzählen dem Tankwart unser
Krankheits-Missgeschick und er ließ uns in einen kühlen Waschraum gehen,
in dem wir unsere fiebrigen Stirnen abkühlen konnten. Mit kühl-nassen
Handtüchern umwickeln wir unsere Waden, um die Fiebertemperatur zu senken:
mit gutem Erfolg. Ich nehme dann einen wassergefüllten Becher und einen
großen Esslöffel und gehe nun mit den Medikamenten die Reihe der ermattet
auf der Wand-Bank sitzenden Reiseteilnehmer entlang und verteilte die
Portionen: ein Medikament gegen die krampfartigen Zustände, ein Medikament
zum Auskleiden der gereizten Magenschleimhäute, ein Medikament gegen den
Durchfall und Wasserverlust und ein Antibiotikum gegen die Salmonellen…
wenn ich mich noch richtig erinnere.
Einige bleiben über Nacht in dem Waschraum, in der
Nähe der Toiletten. Einige legen sich auf den Parkplatz unter freiem
Himmel auf unsere Luftmatratzen. Das Medikamenten-Ritual wird noch
wiederholt, dann aber lässt unsere große Müdigkeit uns auch das
überstehen. (Fotos Krankenlager an der algerischen Grenze.
Medikamentversorgung...)
Mitten in der Nacht wachen wir noch einmal von Musik
und Gesprächen im Hof der Tankstelle auf: Nach Sonnenuntergang endet das
Fastengebot des Ramadan. Zu dem Festmahl werden wir auch eingeladen, doch
nur einige fühlen sich wieder so frisch, etwas essen zu können… Aber
insgesamt ist es eine erfreuliche und gastfreundliche Atmosphäre, in die
wir hier gekommen sind und die uns die Krankheitskrise schnell überwinden
hilft.
Am Abend stoßen auf dem Parkplatz noch zwei Holländer
auf Motorrädern hinzu, die aus Algerien gekommen waren. Der Grenzübergang
scheint also tatsächlich für Europäer offen zu sein.
Sa., 18.07.1981.
Der Morgen war deprimierend. Die meisten noch bleich, fiebrig und völlig
desmotiviert. Als es auf dem Parkplatz, auf dem wir campierten, heiß wird,
hilft nur noch der Aufbruch. Für Übernachtung und Hilfe brauchen wir nicht
zu zahlen! Die Gastfreundschaft ist überwältigend.
An der Grenze haben wir keine Probleme. Zügig und
höflich werden wir abgefertigt, wenn auch mit der üblichen Bürokratie. Die
Algerier sind ausgesprochen freundlich – und „übersehen“ demonstrativ die
marokkanischen Einreisestempel über ihren algerischen Visa. Nur die kurzen
Hosen eines Teilnehmers wurden moniert – aber da schnell lange Hosen
übergezogen wurden, ist das auch kein Problem.
Kleine Erlebnisse am Rande: Bei der Gepäckkontrolle
werden bei einem unserer Mitreisenden Hefte des „Playboy“ entdeckt und
konfisziert (und dann in greifbarer Nähe unter dem Tisch des Grenzbeamten
verstaut). Und die Kollegen scharten sich um den Beamten, um einen
„intensiven“ Blick auf die eingezogene Zeitschrift zu werfen. War am
Anfang die Stimmung bezüglich unserer von Marokko „überstempelten“ Visa
etwas angespannt, wurden wir nun zügig und freundlich durchgewinkt.
Zur algerischen Mittelmeerküste
Die Weiterfahrt nach Algerien erleichtert uns
beträchtlich und zumindest die Stimmung in unserem „Kasten“ hebt sich
zusehends. Joachim ist noch recht geschwächt, aber Jürgen und ich fahren
den Wagen. In einem Gehölz machen wir Siesta und lassen die Mittagshitze
vorüber gehen.
Die Weiterfahrt führt uns zur Grande Sebkha d’Oran,
einer periodisch als Salzsee mit Wasser gefüllten Senke auf den
Hochflächen südlich der Hafenstadt Oran, deren Bändigung und Abdichtung
ein ungelöstes Problem seit über achtzig Jahren ist, wobei auch die
Zwangsarbeit von Gefangenen keine Lösung war.
Auf Nebenstraßen fahren wir zur Corniche Oranaise und
schließlich nach Aïn El Turk, vor Jahrhunderten Sitz von türkischen
Janitscharen.
Aïn El Turk (wörtlich: „Brunnen der Türken“) ist die
Hauptstadt des Aïn El Turk -Bezirkes etwa fünfzehn Kilometer westlich von
Oran. Es ist heuteein bedeutender Badeort. Vor Jahrhunderten war Ain el
Turck ein Strandebene namens El Eurfa. Im Laufe der Jahrhunderte hat sich
die Bevölkerung von El Eurfa Ebene (später als Aïn El Turk bekannt)
deutlich erhöht. Es gab eine nomadische Bevölkerung, die mit ihren Herden
im Sinne der Transhumanz wanderten zwischen den Ebenen von El Eurfa,
Boutlelis und Messreghinn, außer in einigen Sonderfällen gelangten sie
nicht über die Sebkha im Süden und dem Wald Madagh im Westen. Diese
nomadischen Stämme lebten zusammen und handelten mit sesshaften Stämmen,
die Landwirtschaft und Imkerei um Aïn El Turk herum betrieben. Diese
sesshaften Stämme verkauften ihre Produkte in Mers el-Kebir und Oran, auch
verkauften sie ihre Produkte an die Nomadenstämme, aber die meiste Zeit
tauschten sie ihre Produkte mit Schafen, Fleisch und Wolle.
Die ganze Strecke ist voller aufregender Ausblicke
auf Täler, Felsen und schließlich das Mittelmeer. In Aïn El Turk haben wir
zunächst Schwierigkeiten, den Campingplatz, der in unserem Reiseführer
empfohlen wurde, zu finden. Eine letzte Enttäuschung: gegen acht Uhr
abends fällt das Wasser aus, Duschen gibt es nun nicht mehr und die
Toiletten werden sehr unhygienisch. Erst am nächsten Morgen gegen zehn Uhr
kommt wieder etwas Wasser. Eine Preisminderung lässt sich trotzdem nicht
aushandeln. Wenigstens haben wir dabei eine ruhige Übernachtung auf einem
ansonsten idyllischen Platz. (Foto
Algerien: Hinter der Grenze.)
So., 19.07.1981. Am
Morgen lassen wir die Kranken ausschlafen. Besonders „Arthur“ und Berthold
leiden noch furchtbar, weil sie etwas Fieber haben (aber im Laufe des
Tages fahren sie doch auch wieder Auto). Der „Bus“ fährt zum Einkaufen:
Brot, Melonen, Oldenburgische Markenbutter(!!!) und Aprikosen.
Das Aufstehen, Essen und Zelte Abbauen dauert so bis
in den Mittag hinein, denn wegen des Wassermangels wollen wir nicht wie
ursprünglich geplant am Ort bleiben. Dabei herrscht eine etwas gereizte
Stimmung – die Krankheit wirkt noch nach.
So erreichen wir auch nicht mehr den Campingplatz von
Larhat sondern übernachten im Maquis oberhalb der Küste bei El Marsa an
der Küstenstraße. Die Strecke ist beeindruckend. Steilküsten und gewagte
Straßen am Berghang, die in schmalen Brücken über die Wadis geführt
werden, die hier bei der Einmündung ins Meer besonders schroff und tief
eingeschnitten sind, werden durchfahren. Eine dieser Brücken war zerstört
und nur in einer Notumgehung, die weit in das Gebirgstal hinein reichte,
passierbar.
Vorher fahren wir durch das Kriegsmarinegebiet von
Mers-el-Kébir und an der Hafenfront von Oran vorbei, ohne uns dieser
Stadt weiter zu widmen. Mers el Kebir hat eine bedeutende
militärgeschichtliche Bedeutung, die in Wikipedia wie folgt dargestellt
wird: »Mers-el-Kébir (früher: Mazalquivir) ist eine Hafenstadt an der
Nordwestküste Algeriens, nahe der Großstadt Oran mit etwa 18.000
Einwohnern. Bekannt geworden ist der Name durch die ersten
Kriegshandlungen zwischen Engländern und Franzosen seit der Schlacht bei
Waterloo 1815: Im Juli 1940 – trotz der eigentlich bestehenden Allianz
zwischen Briten und Franzosen – griff die britische Royal Navy die in
Mers-el-Kébir vor Anker liegenden Schiffe der französischen Marine an, um
deren mögliche Auslieferung – da Teile der militärischen und politischen
Führung Frankreichs im Vichy-Regime mit den Deutschen kollaborierten – an
das Deutsche Reich zu verhindern (Operation Catapult). Vorher hatte sich
der französische Befehlshaber geweigert, die Schiffe an die Briten zu
übergeben. Militärisch war die Operation, bei der rund 1300 französische
Seeleute ums Leben kamen, nur teilweise ein Erfolg. Zwar konnten zwei
Schiffe versenkt werden, doch entkam die restliche Flotte in Richtung der
südfranzösischen Häfen. Dort versenkte sie sich befehlsgemäß mit dem
Einmarsch der Deutschen im Jahr 1942.«
Oran erleben wir als „viel verbauter Beton“ – aber
als Hafenkulisse wenig beeindruckend oder interessant. Auf dem Weg nach
Mostaganem fahren wir zum Tanken weiter ins Landesinnere. Da die hier
weiterführende Straße gesperrt war, verfahren wir uns völlig und sind sehr
irritiert, erst einmal in Richtung Oran zurück fahren zu müssen.
Viele große Rebflächen und einige Mustergüter sind am
Weg zu sehen. Hier ist ein späterer Einschub sinnvoll: Die langen Jahre
des Bürgerkrieges und des islamistischen Terrors in Algerien haben vor
allem in den neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts die Ansätze einer
modernen landwirtschaftlichen Entwicklung – die als „kolonialistisch“
bezeichnet wurde – unterbrochen und vor allem den Weinanbau – aus
vorgeblich religiösen Gründen – zum Erliegen gebracht. Vorher war vor
allem im westlichen Küstengebiet eine hohe Weinbaukultur anzutreffen; die
Rot- und Rosé-Weine aus dem Côteaux de Mascara waren als Qualitätsweine
für den Export führend. Dabei spielten vor allem die Weinsorten Cinsault,
Carignan, Grenache und Cabernet Sauvignon eine zentrale Rolle. In anderen
Anbaugebieten wurden auch Massenweine hergestellt, die aber als Landweine
eine gute Qualität hatten und in großer Menge nach Südfrankreich als
Verschnittweine exportiert wurden. Doch sind diese Zeiten wohl endgültig
vorbei.
Wir erreichen Arzew. Arzew bzw. Arzeu (أرزيو) liegt
als Hafenstadt etwa 35 km von Oran entfernt. In Arzew finden wir einen
Erdölhafen und Raffinerien in einer großen industriellen
Erschließungszone. Große Wohnblockbebauungen kennzeichnen die
Ortsentwicklung.
Auf der Strecke hinter Mostaganem werden wir etwas
aufgehalten durch einen kleinen Kabelbrand im Motorraum des „Kastens“, der
jedoch keine bleibenden Schäden verursacht.
»Algerien war, wie schon angedeutet, zu diesem
Zeitpunkt für wissenschaftliche Arbeiten – ohne ausdrückliche und damit
kontrollierte und gegängelte Beauftragung durch den algerischen Staat –
noch ein sehr problematischer und unsicherer Raum, wenn auch nicht so
gefährlich wie einige Jahrzehnte später in der Zeit der islamistischen
Aufstände und des Bürgerkrieges, in der Reisen nicht durchführt werden
konnten. Der Algerienkrieg seit 1951 zwischen der Kolonialmacht Frankreich
und den aufständischen Algerien, die sich in der FLN organisiert hatten
und zuletzt eine Exilregierung in Tunis gründeten, war erst 1962 mit dem
Vertrag von Évian zu Ende gegangen. Eine detaillierte umfangreiche
Darstellung dieser Zeit findet sich in der Studie von Elsenhans, die
leider zur Zeit meines ersten Kontakts mit Algerien noch nicht vorlag und
mir sonst gute Dienste für das Verständnis dieses Landes hätte vermitteln
können. Ebenfalls erst später konnte ich mich dann in weitere
Fachliteratur und die grundlegenden Arbeiten und Quellen von Fanon oder
Memmi vertiefen.
Die innere Situation in Algerien war in diesen Jahren
durchaus instabil und zum Teil auch chaotisch, was in den 80er und 90er
Jahren dann in die islamistischen Aufstände und Terrorakte mündete. Kurz
vorher konnte ich jedoch im Sommer 1981 noch einmal ein Wiedersehen mit
diesem faszinierenden Land erleben, indem ich mit einer Schülergruppe der
Bismarckschule Hannover eine Ferienreise mit zwei VW-Bussen durch den
Maghreb (Marokko, Algerien und Tunesien mit einer Hinreise über Frankreich
und Spanien und einer Rückreise mit Fährüberfahrt von Algier nach
Marseilles) unternahm, von der vielleicht einmal an anderer Stelle zu
berichten sein wird.
1964 wurde die Regierung von Ben Bella, die ehemalige
Exilregierung aus Tunis, die 1962 in Evian den Friedensvertrag
abgeschlossen hatte, durch einen Militärputsch durch General Boumedienne
abgelöst, der die Befreiungstruppen der FLN, die im Lande selbst aus dem
Untergrund heraus gekämpft hatten, repräsentierte. Diese „Alten Kämpfer“ (Mudjahedin)
besetzten damit die Schlüsselstellungen im Staat, kamen aber mangels
politischer und ökonomischer Kompetenz über Revolutionsromantik und
militärisches Zeremoniell kaum hinaus. Mit diesem Staatsapparat hatten wir
dann auch mehrfach unangenehme Erfahrungen machen können.
Die Zeit des ökonomischen Niedergangs und der
politischen Krise und Zerfalls führte zu grundlegenden gesellschaftlichen
Konflikten, vor allem als eine junge Generation sich nicht mehr in die
Nostalgie der „Alten Kämpfer“ einfinden wollte und bei einem extremen
Zuwachs der Bevölkerungszahl durch einen hohen Geburtenüberschuss sich
jeder sinnvollen persönlichen Zukunftsperspektive beraubt sah.
Auch wenn wir schon bei dieser frühen Reise auf
deprimierende Erfahrungen in diesem Land stießen, die die spätere
Entwicklung zum islamistischen Aufstand der Jugend erkennbar machen
konnten, dauerte es doch noch Jahrzehnte bis zum offensichtlichen
Zusammenbruch der Macht und Autorität des Militärregimes, das keine
Konsequenzen aus dem Versagen der politischen Herrschaft gezogen hatte.
So konnte auch der Tourismus bis in die Mitte der
achtziger Jahre hinein noch nahezu ungefährdet wachsen, wie ich es mit
einer Reise mit Schülern der Bismarckschule im Sommer 1981 in
eindrucksvoller Weise realisieren konnte, auf der wir viele Orte
besuchten, die ich 1967 erstmals mit Dr. Achenbach besucht hatte und
kennen lernen – und das heißt in diesem faszinierenden Land auch: lieben
lernen – durfte. Darüber hinaus hatten wir dann in einer West-Ost-Reise
durch den Maghreb auch die Nachbarländer Marokko und Tunesien besucht und
sind auch noch weiter in Richtung El Oued in die Wüste hinein gefahren.
In beiden Reisen waren die persönlichen Eindrücke
weit gespannt: von deprimierenden Zeugnissen des zurück liegenden
Algerienkrieges – durch Napalm verbrannte Waldskelette, Reste von
Flugzeugwracks in Bergschluchten und verwaisten Wehrtürmen und
Militärposten mit oft noch deutlichen Kampfspuren und Einschusslöchern –
bis auf der anderen Seite zu erstaunlichem politischen Interesse und sogar
kritisch fundiertem Zukunftsoptimismus, der sich auch in Gesprächen mit
uns Ausländern äußerte. Das Land war durch die Erfahrungen im
Befreiungskrieg zunächst wirklich zu einer Nation im Sinne einer
Überlebenseinheit zusammengewachsen und in einer breiten Basis politisiert
und an der Gestaltung der gemeinsamen Zukunft interessiert. Tragischer
Weise wurde dieses Kapital für eine positive Entwicklung durch Machtgier,
Korruption und Inkompetenz der herrschenden Militärelite restlos
verspielt, was eine grundsätzliche Skepsis gegenüber dem politischen
Wirken von Militärs nur noch plausibler erscheinen lässt.« Quelle:
Gerhard Voigt,
Das erste Studienjahr. Studienbeginn und Vorbereitung der
Algerienreise 1967 des Geographischen Instituts der Technischen Hochschule
Hannover mit Dr. Achenbach als Anlass zur Reflexion über vierzig Jahre
Geographie.

Vereinfachte Reiseroute durch Algerien und
Tunesien 1981
Mo., 20.07.1981.
Die Küstenstraße ist sehr zeitaufwendig, eng und kurvenreich. Viele
Brücken sind von einer zurück liegenden Unwetterkatastrophe zerstört und
nur Notbrücken machen die Übergänge passierbar. Aber an einigen Stellen
haben großzügigere Ausbaumaßnahmen schon begonnen. Überall in Algerien
spürt man, bei aller Armut und allen sozialen Problemen, den Willen,
Missstände zu beseitigen und das Land zu entwickeln. Das unterscheidet den
Gesamteindruck deutlich von Marokko, dessen in Bewegungslosigkeit
verharrende Monarchie von Hassan II wir in unseren Gesprächen in der
Botschaft in Rabat vorgestellt bekommen hatten. (Fotos
Mittelmeerküste, Felsensporn.
Mittelmeerküste,
Küstenvegetation.
Mittelmeerküste, zerstörte Talbrücke.
Mittelmeerküste, Abendstimmung.)
Was wir damals, 1981, noch nicht wissen konnten, war,
dass das Land einige Jahre später in den Abgrund eines Bürgerkrieges fiel,
aus dem heraus eine korrupte militärische Führungsschicht aus „alten
Kämpfern“ des Algerienkrieges keinen Ausweg weisen konnte. Die
Perspektivlosigkeit der prozentuell wegen der hohen Geburtenrate
übermächtig werdenden Jugend führte diese in einen islamistisch
etikettierten Terrorismus, der auch die Verbindungen zum Ausland
weitgehend unterbrach, seien diese nun ökonomisch oder kulturell motiviert
gewesen. Wie Algerien die derzeitige Aufbruchphase des „Arabischen
Frühlings“ 2011/2012 überstehen wird, ist noch nicht abzusehen. Damals
jedoch erschienen uns die Zukunftsperspektiven des Landes positiv…
Bis Ténès
blieben wir auf der Nationalstraße N 11. In Ténès gibt es nichts zu tanken
– wir vermuten eine Folge des Chaos im Ramadan – und so fahren wir auf
Hinweis aus der Tankstelle auf der Strecke nach al-Asnām ins Landesinnere.
In Bouzghaia
,
das eher einen dörflichen Charakter aufweist, gibt es eine große
Tankstelle, die von einem Algerier geleitet wird, der in der DDR gewesen
war und gut Deutsch spricht und sich über unseren Besuch riesig freute.
In al-Asnām kurz darauf sehen wir die fürchterlichen
Zerstörungen der nur wenig zurück liegenden Erdbebenkatastrophe. »Die
Römer gründeten sie als Siedlung namens Castellum Tingitanum. 1843
entdeckten die Franzosen sie und machten sie zu einem militärischen
Außenposten namens Orléansville. Ein Erdbeben zerstörte die Stadt
1954. Zehn Jahre später, 1964, wurde sie im Zuge der Unabhängigkeit
Algeriens in El Asnam umbenannt. Etwa 5.000 Menschen starben 1980
bei einem erneuten Erdbeben mit der Stärke 7.3 auf der Richterskala. Ein
Jahr danach benannte man die Stadt um in Ech Cheliff, um die
Assoziation mit der Naturkatastrophe zu vermeiden. Es starben beim
Erdbeben 1980 20.000 Menschen; jedenfalls behaupten dies mehrere
Internetquellen, z. B.
http://www.geographixx.de/naturkatastrophen/liste.asp?land=Algerien.
El Asnam wurde bei dem Erdbeben 1980 fast komplett zerstört und an anderer
Stelle, unweit des alten Stadtzentrums neu wieder aufgebaut.«
An den Zerstörungen lassen sich die physikalischen
Prozesse des Bebens ablesen und zwar hier in al-Asnām vor allem, dass das
Beben vor allem Lateralbewegungen der Erdkruste aufwies, die ein Maximum
an Zerstörung bei Gebäuden hervorrufen, denen sie die Fundamente
wegschieben. Tragisch das Zerstörungsbild des mehrstöckigen, in
Plattenbauweise errichteten Krankenhauses von al-Asnām, das einen
T-förmigen Grundriss aufwies. Der „lange Balken“ lag quer zu den
Lateralbewegungen und war vollständig eingestürzt – die Stockwerkdecken
lagen wie Tortenschichten aufeinander; man mag sich nicht vorstellen, was
in den wenigen Sekunden des Bebens mit den Menschen in diesen Etagen
geschah, die einfach eingequetscht worden sind – während der „kurze
Balken“ mit den Wellen schwingen konnte und fast unzerstört geblieben ist.
Neben der grauenhaften Zerstörung sehen wir aber auch
den ungebrochenen Willen zum Wiederaufbau. Ganze Stadtviertel recht
solider Fertigteilhäuser sind um das Erdbebengebiet herum entstanden. Wir
lassen den Ort des Schreckens hinter uns und fahren weiter auf der
Hauptstraße in Richtung Blida, da wir Algier an diesem Tag nicht mehr
erreichen können. Leider wechseln die Banken hier kein Geld. Von dem
letzten Rest unserer algerischen Barschaft lassen wir uns dann noch unsere
Campinggas-Flaschen auffüllen.
Von dem erwarteten Campingplatz bei Sidi Ferrouch an
der Küste ist nichts mehr zu finden, so dass wir wieder in einem kleinen
Wald bei einem Vorort von Algier im Freien kampieren. (Foto
Mittelmeerküste, Morgens beim Camping.)
Di., 21.07.1981. In
al-Dschazā'ir – besser bekannt als Algier oder Alger, haben wir
erst ein kleines Problem. Als wir auf der Hauptstraße von der Landseite
her in die Stadt hereinfahren und in der komplizierten Streckenführung zur
Innenstadt einige Male abbiegen mussten, entdecken wir plötzlich, dass
unser zweiter Wagen verschollen ist. Einige Zeit Warten am Straßenrand
nützt nichts. Er bleibt verloren. Dann überlegen wir uns, was die anderen
wohl tun würden, wenn sie uns verloren haben; und wir kommen zu dem
Schluss, dass es wohl das Vernünftigste wäre, auf der Einfahrtsstraße
wieder zurück zu fahren bis zu einem Platz, wo wir uns noch im Blick
hatten. Wir tun nun dasselbe – und finden nach einigen Kilometern den
Wagen auf einem Parkplatz: und sind um die Erkenntnis reicher, dass beide
Wagen vernünftig handeln, denn eine Suche in der Millionenstadt Algier
wäre dann doch wohl aussichtslos gewesen… So fahren wir nun wieder in die
Stadt ganz eng „auf Sicht“ und verlieren uns nicht noch einmal.
Zunächst einige Informationen zur Hauptstadt
Algeriens. »Algier (arabisch مدينة الجزائر, Madīnat al-Dschazā'ir,
algerisches Arabisch und Berber: دزاير, Dzayer [dzæˈjer], französisch
Alger) ist die Hauptstadt Algeriens. Sie ist die größte Stadt und
Namensgeber des Landes, Industriestadt, Verkehrsknotenpunkt und
Kulturzentrum mit Universitäten, zahlreichen Instituten, Galerien und
Museen.
Im städtischen Siedlungsgebiet der Kernstadt (hohe
Bebauungsdichte und geschlossene Ortsform) leben 2,2 Millionen Menschen.
Die Provinz Algier mit insgesamt 57 Gemeinden hat 3,5 Millionen Einwohner
(2008). In den letzten Jahrzehnten hat sich ein größerer Vorortgürtel um
die Stadt gebildet. In der Metropolregion, die weit über die Grenzen der
Provinz hinausreicht, leben 6,3 Millionen Menschen (2008). Algier heißt
neben der Provinz eigentlich nur die Gemeinde (etwa 150.000 Einwohner),
die das Stadtzentrum umfasst.
Das Bild der älteren Viertel von Algier wird von der
Kasbah, einer Burg aus dem 16. Jahrhundert, der Großen Moschee aus dem 11.
Jahrhundert und der 1660 errichteten Moschee sowie von Bauten aus der
französischen Kolonialzeit (1830-1962) geprägt. 1992 wurde die Altstadt
(ebenfalls Kasbah genannt) von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.«
[Wikipedia].
Zunächst fahren wir dann zur Banque Central
d’Algérie, Geld zu wechseln. Danach müssen wir uns um unsere spätere
Rückfahrt kümmern, für die wir den spätest möglichen Ferienzeitpunkt
vorgesehen haben. Bei der Reederei, mit der wir in Kontakt standen, sagt
man uns aber, dass eine Rückfahrt nur fünf Tage früher möglich wäre.
Einigen Reiseteilnehmern wäre das durchaus Recht – es machten sich hier
erste Ermüdungserscheinungen bemerkbar –. Aber von den Übrigen gibt es
vehemente Proteste. Daher werden wir übermorgen einen weiteren Versuch bei
einer anderen Reederei unternehmen.
Joachim und ich waren dann bei der Deutschen
Botschaft und sprachen mit dem stellvertretenden Pressesprecher, der 1961
Bismarckschüler in Hannover gewesen war. Er verspricht uns, sich um
weitere Gesprächsmöglichkeiten in der Botschaft zu kümmern.
Beim Hauptpostamt ist noch keine Post aus Hannover
als „poste restante“ eingetroffen. Wir machen dann noch eine gemeinsame
Fahrt an der Hafenfront entlang und fahren dann auf der Küstenstraße
wieder nach Weste. Anstelle des weiter entfernten Platzes von Larhat
finden wir schon bei Tipasa einen geeigneten Campingplatz direkt am
Strand. Die antiken Fundstätten von Tipasa sind von der UNESCO der Liste
des Weltkulturerbes hinzugefügt worden. »An der Küste des Mittelmeers
ungefähr 70 Kilometer westlich von Algier liegt die archäologische
Fundstätte Tipasa. Aus dem ursprünglich phönizischen Handelshafen
entwickelte sich eine bedeutende punische Stadt, die im 1. Jahrhundert
römische Kolonie wurde und zu einem der wichtigsten strategischen Zentren
der römischen Eroberung Mauretaniens avancierte. Im Jahr 430 bemächtigten
sich die arianischen Vandalen der Stadt, was zur Flucht der bislang hier
ansässigen Christen nach Spanien oder zu ihrer Verfolgung durch die
Häretiker führte. Nach der byzantinischen Machtübernahme im 6. Jahrhundert
verlor Tipasa immer mehr an Bedeutung und verfiel allmählich. Aus der
Römerzeit sind die Reste eines Forums, des Amphitheaters, von Villen,
Bädern und einer Garumküche erhalten, in der diese würzige Fischsoße
produziert wurde. Direkt am Meer stehen die frühchristliche neunschiffige
Große Basilika mit schönen Mosaikfußböden sowie Überreste des Kbor er
Roumia, des königlichen Mausoleums von Mauretanien.«
Uns bleibt leider keine Zeit, uns mit diesem
archäologischen Schatz näher zu beschäftigen.
Mi., 22.07.1981.
Wie wir es dringend benötigen, schalten wir einen Ruhe- und
Regenerationstag auf dem Campingplatz von Tipasa ein – Ruhe, viel Ruhe!
Abends fahren wir in kleiner Besetzung zum Einkaufen nach Tipasa und
bewundern dabei des Numidierfürsten und römischen Statthalters Jubas II.
und seiner Gemahlin Cleopatra. (Foto
Tombeau de la Crietiene, Tipaza.)

Tombeau de la Crietiene, Tipaza,
Algérie. 6. September 2005. Quelle: World66.com, Bac Pidc-Alger
[Wikipedia].
Do., 23.07.1981.
Morgens fahren wir von Tipasa aus wieder nach Algier hinein. Ein Anruf
bestätigt uns einen Termin um 12 Uhr in der Botschaft. Vorher machen wir
aber noch die notwendigen Einkäufe und machen einen erneuten
Buchungsversuch für die Rückfahrt, wofür aber die Zeit schließlich zu
knapp wurde. Aber für eine Stadtbesichtigung reichte die Zeit vor dem
Botschaftsgespräch noch. (Fotos
Algier. Ausfallstraße.
Algier. Hafenfront.
Algier. Jachthafen.
Algier. Güterumschlag.
Algier. Innenstadt.
Algier. Ältere Außenviertel,
Kasbah. Algier. Kasbah,
Treppenaufgang. Algier.
Kasbah, Hauptstraße.
Algier. Kasbah, steile Gasse.
Algier. Kasbah, Durchgang.
Algier. Kasbah, Haupttreppe.)
Das Gespräch mit dem Entwicklungshilfe- und
Wirtschaftsreferenten in der Botschaft, Herrn Jürgens, war interessant und
freimütig und brachte uns einige aktuelle Daten zur Situation in Algerien,
wobei uns insbesondere der Kontrast zur marokkanischen Situation ins Auge
fällt.
1981 hatte Algerien 20 Mio. Einwohner (2008: 32
Mio.), davon 2 Millionen in Algier (2008: 2,2 Mio., Provinz Algier mit
insgesamt 57 Gemeinden 3,5 Millionen Einwohner).
Die Einwohnerdichte lag bei 7,3 Ew. pro km² (2008:
13,8 Einwohner pro km²), wovon 96 % auf ca. 16 % der Fläche leben. Etwa
350.000 Personen ziehen pro Jahr vom Land in die Stadt (Landflucht). Die
Entwicklung der Bevölkerungszahl bestätigt seit 1981 die strukturelle
Krise des Landes: Die Landbevölkerung nimmt langsamer zu als die
Bevölkerung der städtischen Agglomerationen. Dabei findet eine
demographische Verschiebung statt, indem die junge und produktive
Bevölkerung in die Städte abwandert, um dort aber ebenso von
Arbeitslosigkeit und Armut eingeholt zu werden, vor allem da der
Bildungsstandard der Binnenmigranten mangelhaft ist und das einzige
Bildungsangebot oft die islamistische Gruppe darstellt mit dem Slogan „der
Koran ist die Lösung!).
Die Wirtschaft wird von der Rohstoffproduktion
dominiert. Zwar sind eine Milliarde Erdölvorkommen in leichter,
schwefelarmer Qualität ein Glücksfall für die Staatseinnahmen. 1981 gingen
ca. 50 % der Erdölexporte in die USA, 15 % in die Bundesrepublik
Deutschland. Dazu kommen 3.000 Mrd. Kubikmeter Erdgas, womit Algerien zu
diesem Zeitpunkt an der 5. Stelle im weltweiten Vergleich steht. Die
Exporte bringen 13 Mrd. US$ Einnahmen, davon 1 Mrd. aus dem Verkauf von
Erdgas. Das sind ≈98 % der Gesamtausfuhren. 66 % des Staatshaushaltes
beruhen auf Erdöleinnahmen. Wie geht die Entwicklung seit 1981 weiter?
»Begünstigt wurde die gesamtwirtschaftliche Entwicklung seit 2003 von
kräftig steigenden Öl- und Gaspreisen. Sie sorgten dafür, dass sich die
Exporterlöse von 2003 bis 2007 auf rund 60 Mrd. US-Dollar verdoppelten.
Der Überschuss in der Leistungsbilanz erhöhte sich auf knapp ein Viertel
des Bruttoinlandsprodukts, wozu auch die Überweisungen von im Ausland
beschäftigten Algeriern beitrugen. Dank der stark gestiegenen staatlichen
Einnahmen aus dem Öl- und Gassektor hatte Algerien auch hohe Überschüsse
im Staatshaushalt vorzuweisen. Sie fließen zum Teil als Ersparnisse in den
so genannten „Einnahmen-Regulierungs-Fonds“ (FRR). Mittel aus diesem Fonds
wurden auch zur Tilgung algerischer Auslandsschulden verwendet, die von
rund 58 % des Bruttoinlandsprodukts im Jahr 1999 auf rund 2,5 % des
Bruttoinlandsprodukts im Jahr 2009 abgebaut wurden.« [Wikipedia]
Die Außenhandelsbeziehungen zur Bundesrepublik
Deutschland betragen 1981 2,5 Mrd. DM Ausfuhren und 4,5 Mrd. DM Einfuhren.
Die Entwicklungshilfeprogramme der Bundesrepublik Deutschland in Algerien
haben 1981 ein Volumen von insgesamt 20 Mio. DM, wovon ein Schwerpunkt auf
dem Ausbau von Staudämmen und insgesamt der Wasserwirtschaft liegt.
Nach dem Besuch in der Botschaft unternehmen wir noch
einen Rundgang durch die Kasbah – eine eindrucksvolle, enge, fast
unheimlich wirkende Altstadt am Steilhang mit vielen Treppen und
Durchgängen, die sich aber langsam schon auf einen wachsenden Tourismus
einstellt – und durch Moscheen und an der Hafenfront entlang, die in
einmaliger Form durch eine steile Mauer gekennzeichnet ist, die die untere
Straße – mit den hier entlang geführten Eisenbahngleisen – von der oberen
Promenade vor den prächtigen weißen Häusern mit Hafenblick trennt, und
durch zwei gegenläufige Auffahrten und – dazwischen – durch einen großen
Personenaufzug überwunden werden kann. Hier war ich vierzehn Jahre zuvor
auf meiner Algerienreise mit Dr. Achenbach angekommen und wieder
abgefahren. Das weckt doch einige Erinnerungen!
Erst am späten Nachmittag ging es dann wieder aus der
Stadt heraus über die Küstenautobahn in Richtung Osten und dann durch El
Harrach und El Arba auf der RN 8 hinauf zu unserem ersten größeren Pass.
Die Fahrt über den Col des Deux Bassains war landschaftlich beeindruckend.
(Fotos Auf der Straße nach Bou Saada.
Hügelketten bei Bou Saada.
Sonnenuntergang bei Bou Saada.)
Zur Übernachtung suchten wir uns einen Platz an einer
Nebenstraße hinter Toblat.
Fr., 24.07.1981.
Auf der Hauptstraße geht es durch Sour El-Ghozlane, einer kabylische
Kleinstadt am Rande der Kabylei, und über den Col de Dirah. Hier findet
ein bemerkenswerter Landschaftswandel statt, der den Charakter des
Gebirgszuges als Wetterscheide bestätigt. Wir kommen am nördlichen Hang
aus mediterranem Laubwald hinter dem Pass in eine Gebirgsmaccie und weiter
in die Steppenlandschaften der Hochflächen. In Bou Saada kommen wir an den
Rand des Hodna-Beckens und damit in ein Sandgebiet um einen großen Chott,
also eine Salztonsteppe. Die Oase Bou Saada – übersetzt „Vater des
Friedens bzw. des Glücks“ – ist eine Pilgerstadt, in der Pilger zu den
Heiligen Stätten des Islam bei ihrem anstrengenden Weg durch die Steppen
und Wüsten Ruhe und Erholung finden. Bou Saada ist damit eine typische
Hochflächen-Kleinstadt mit einem großen, gut gepflegten Palmgarten.
Eine Erinnerung kommt mir an meine Algerienreise vor
vierzehn Jahren. Bei Biskra hatten wir damals die Gelegenheit eine „Feria“
– d. h. ein Volksfest – zu besuchen, bei der Kamelrennen durchgeführt
wurden und vor allem eine Volksmusikgruppe aus Bou Saada aufspielte.
Damals wurde uns gesagt, dass Bou Saada berühmt sei für ihre gute und
eingängige Volksmusik, die von einer ganzen Reihe von Gruppen vorgetragen
würden.
In Bou Saada kommen wir an den Rand des Hodna-Beckens
und damit durch ein Sandgebiet. Wir beobachten das Aufziehen eines
Sandsturms. Den Aufenthalt in Bou Saada nutzen wir zum Einkauf, doch war
dieser an einem Freitag etwas mühsam. Trinkwasser in Flaschen gibt es nur
gegen Herausgabe von Leergut einzeln – wir müssen also sofort die Flaschen
austrinken. Schwieriger wird der Versuch, Campinggas
zum Nachfüllen unserer Flaschen zu erhalten. Es war völlig ausverkauft und
man sagte uns, dass die
Gasfabrik „in die Luft geflogen“ sei – wohl ein Defekt bei der
üblichen Schlamperei im Ramadan. Mal sehen, wieweit wir mit unseren Resten
kommen. Dies wurde noch viel aktueller und brisanter auf unserer Rückreise
von Tunesien nach Algier.
(Fotos Bou Saada.
Bou Saada. Ortsbild.
Bou Saada.
Eselreiter.)
Beim Nähern an die Zab-Oasen hinter den Mts. de Ziban
kommt schwere, schwüle Hitze auf, sogar einige Regentropfen sind in der
Luft. Abends auf einem eigentlich guten Platz zum Campen an einem Oued
abseits der Straße will es nicht abkühlen. Im Zelt ist es unerträglich
heiß. Ich setze mich bis nach Mitternacht ins Freie. Aber auch später wird
es nichts mit dem Schlaf, bis einige ihre Luftmatratzen ins Freie legen.
Doch die Nacht war dadurch viel zu kurz.
Sa., 25.07.1981.
Ein durch Schlafmangel unangenehm müder Tag, an dem die schwüle Hitze
weiter geht. Ich vertrage diesen Zustand der Hitze nicht mehr, auch der
Kreislauf macht nicht mehr richtig mit. Etwas hilft ein angefeuchtetes
Handtuch, das um die Stirn gebunden wird. (Foto
Weiterfahrt Richtung Biskra.)
In Biskra müssen wir lange an der Tankstelle warten,
da Stromausfall war und das Benzin mit der Handpumpe in den Tank gefördert
werden musste. Wir fahren dann hinaus an den Ortsrand unter Bäume und
machen eine stundenlange Siesta. »Die Mittagshitze von über 40° C im
Schatten ist Grund genug für eine Rast. Wir packen unsere Bastmatten aus
und legen uns in den Schatten der hohen Dattelpalmen der Oase. Um uns
herum nur Ruhe, die Geschäftigkeit des Morgens ist vergessen, nur das
Summen von Mücken und anderen Insekten, das Rascheln der Käfer im
trockenen Laub am Boden, die Ameisen, die in langen Zügen auf ihren immer
gleichen Wegen Zweigstückchen, Blattfragmente und anderes zu ihren Bauten
im Boden bringen, wecken immer wieder unsere Aufmerksamkeit; es sind die
in der feuchteren Oasenluft immer wieder zu beobachtenden Begleiter des
Wüstenreisenden, mit Skepsis und auch einer gewissen Furcht vor Stichen,
Bissen und Infektionen beobachtet...
Doch die Trägheit und Müdigkeit siegt, und wir
verfallen in eine bleierne Mittagsruhe zwischen Schlaf und Wachen. Gegen
die Hitze kann ab und zu ein angefeuchtetes Handtuch, über die Stirn
gelegt oder als Turban um den Kopf geschlungen, helfen.
»Ein dumpf brummendes Fahrgeräusch, das die Ruhe auf
allen Straßen plötzlich unterbricht, lässt uns die Augen wieder öffnen. In
eine dichte Staubwolke gehüllt nähert sich ein übergroßer LKW aus dem
Fernverkehr. Doch etwas Unerwartetes geschieht. Das Fahrzeug bleibt nicht
auf der Straße sondern lenkt in einer scharfen Kurve zwischen die Palmen,
gerade auf uns zu, was uns doch augenblicklich einiges Unbehagen
verursacht. Dicht neben uns kommt der LKW zum Stehen und die Fahrertür
öffnet sich. Der ‚Trucker‘, der nun aussteigt und zu uns herüber kommt,
scheint kaum achtzehn Jahre alt zu sein, klein, zierliche Figur und völlig
verschwitzt: sicherlich nicht das, was wir uns von einem Fernfahrer durch
die Wüste vorgestellt hatten...
Was wir noch weniger erwartet hatten: er spricht uns
auf Deutsch an. Nach den üblichen höflichen Begrüßungen hockt er sich zu
uns und beginnt zu erzählen. Von der Straße aus hat er unsere zwei weißen
VW-Busse gesehen und gleich vermutet, dass wir deutsche Touristen seien.
Schon lange hätte er keine Gelegenheit mehr gehabt, sich in deutscher
Sprache zu unterhalten, was er sehr vermisst hätte.
Woher er diese Sprachkenntnisse habe? Nein, nicht aus
der Schule. Als Kind wohnte er mit seinen Eltern in der Stadt gerade neben
einer deutschen Familie, die – wenn ich es richtig erinnere – als
Techniker oder Ingenieure in Algerien tätig waren. Einfach so, im Spiel
mit den deutschen Kindern, hat er sich einige deutsche Sprachkenntnisse
angeeignet. Es ist überraschend, dass er jetzt, Jahre danach, noch eine
flüssige Unterhaltung in dieser Fremdsprache führen konnte.
Solchen nahezu natürlichen Fremdsprachenerwerb aus
der täglichen Praxis heraus können wir in unserem schulischen
Fremdsprachenunterricht nicht vermitteln. Was aber noch denkenswerter zu
sein scheint, ist, dass gerade dieser alltägliche Spracherwerb nicht die
Freude am Sprachenlernen vermindert sondern, im Gegenteil, Spaß am
Sprechen, sich miteinander in der Fremdsprache zu unterhalten, vermittelt.
Die Freude unseres ‚Truckers‘, wieder eine deutsche
Unterhaltung führen zu können, war ganz spontan und unmittelbar empfunden.
Was machen wir in unserem Schulsystem falsch, dass jahrelanger
Sprachunterricht bei vielen Schülerinnen und Schülern die Freude am
Sprachenlernen vergällt und letztlich sogar die Fähigkeit, sich Sprachen
anzueignen mindert? Ich denke, dass diese kontraproduktive Funktion des
Schulunterrichts nicht nur in den fremdsprachlichen Fächern, sondern in
eigentlich jedem ‚wichtigen‘ (und das heißt: versetzungs- und
abschlusswichtigen) Fach zu beobachten ist.
Dies bestätigt die ‚klassische‘ pessimistische
Bestandsaufnahme von Ivan Illich, der als Konsequenz daraus die
»Entschulung der Gesellschaft« fordert. Die tiefe strukturelle
‚Krankheit‘ unseres Schulwesens lässt eine solche radikale Therapie doch
mindestens diskussionswürdig erscheinen. Leider sind ja nicht nur die
Ansätze von Illich, sondern auch die Rezeptionsversuche durch von
Hentig wieder beinahe gänzlich aus der bildungspolitischen Diskussion
verschwunden.
Aber gerade, wenn es um geeignete Lernsituationen für
das Interkulturelle Lernen geht, sollte unser Blick sehr deutlich auf die
tatsächlichen Folgen des Schulunterrichts gerichtet werden: auf den
tatsächlichen Abbau von sozialer Kompetenz, auf die Demotivation, die
Schule ihren eigenen Anliegen gegenüber fördert, auf die kommunikativen
Mängel und die psychischen Blockierungen, die durch die Schule selbst
aufgebaut werden. Vor dem Erfolg Interkulturellen Lernens steht die
Notwendigkeit, unser Schulsystem einer kritischen Revision zu unterziehen.
Unsere Begegnung in Biskra vermittelte uns darüber
hinaus aber noch andere Einblicke in die gesellschaftlichen
Lebensbedingungen in Algerien. Der ‚Trucker‘ ist ein ‚moderner‘ Beruf, der
nicht nur in seiner ökonomischen Funktion dem ‚modernen Sektor‘ – über die
Problematik dieser Begrifflichkeit muss an anderer Stelle Grundsätzliches
ausgesagt werden – zugeordnet ist, sondern in der Struktur der Tätigkeit
an der Maschine und im Straßenverkehr, im Transsaharaverkehr auch
grenzüberschreitende internationale Erfahrungen vermittelnd, das
Bewusstsein der Arbeiter prägt. Doch kann dieser Beruf auch an die
Traditionen der Weltoffenheit der traditionellen Karawanenführer
anknüpfen. Dass das keine Spekulation ist, zeigt sich daran, dass ein
wesentlicher Teil des Transsaharaverkehrs in den Händen der Spediteure aus
dem M‘Zab, der „Fünf-Oasen-Stadt“ der Ibaditen um Ghardaia und Beni Isguen
in der zentralen Sahara liegt, die früher wichtige Karawanenhalter gewesen
sind.
Durch diese Überlegungen wird deutlich, wie
vielschichtig zivilisatorische Veränderungen ablaufen und dass
antagonistische Gesellschaftsvorstellungen von ‚traditionellen‘ und
‚modernen‘ Entwicklungsstufen nicht taugen. Die ‚Modernität‘ der angeblich
‚traditionellen Lebensformen‘ sollte deutlicher erkannt und betont werden.
Es lag im kolonialen Interesse und es liegt weiterhin im Interesse der
ökonomisch herrschenden Industrieländer, diesen postulierten
‚Modernisierungsgegensatz‘ zu betonen oder gar erst im Sinne einer
self-fulfilling prophecy zu erzeugen (vgl. die Analysen über den
Orientalismus von Said ).
Dennoch ist festzuhalten, dass der soziale Status von
einzelnen Berufen in Ländern mit unterschiedlichen sozioökonomischen
Strukturen und Problemlagen recht unterschiedlich eingeschätzt wird.
Während bei uns in Deutschland Angehörige des Verkehrsgewerbes –
LKW-Fahrer, Bus- und Taxifahrer, Straßenbahnfahrer etc. – als überwiegend
„ungelernte Arbeiter“ recht weit unten auf der sozialen Ansehensskala
stehen, ist ihr Ansehen in den ärmeren Ländern des „Südens“ sehr viel
höher, ihrer gesellschaftlichen und ökonomischen Bedeutung entsprechend.
Dieses Ansehen setzt sich jedoch nicht gleichermaßen in Einkommens- und
Aufstiegschancen um, auch nicht in akzeptablen Arbeitsbedingungen.
Unser algerischer ‚Trucker‘ war darauf angewiesen,
nahezu ununterbrochen im ‚Ein-Mann-Verkehr‘ die große Saharatour zu
fahren, Woche für Woche, Monat für Monat, bei unerträglicher Hitze, ohne
funktionierende Klimaanlage... Das Gehalt betrug im Monat umgerechnet
einige hundert Mark. Wie lange ein Mensch diese Arbeit gesundheitlich
durchstehen kann, darüber sind nur Spekulationen möglich. Eine
funktionierende Alterssicherung gibt es in Algerien nicht; diese Aufgabe
muss, wenn vorhanden, die Familie übernehmen, wie auch jeder Arbeiter für
eine ganze Reihe von Personen in seiner Familie finanziell verantwortlich
ist. Dennoch betraf die einzige Klage die fast unerträgliche Hitze – und
dagegen können wir alle nichts tun...« (Aus: Gerhard Voigt,
Die Wahl des Studienfaches Geographie. Die Bestimmung des Geographen:
Der Weg durch Wüsten und Kontinente.)
Nach der Mittagspause fährt dann unser kleiner
„Trucker“ mit seinem Mercedes-Sattelschlepper weiter in Richtung Biskra
und wir machen uns auf den Weg in die entgegengesetzte Richtung. Die heiße
Strecke in die Rhir-Oasen halte ich nur unter feuchten Tüchern aus.
Über die Rhir-Oasen und ihre
geographisch-geologischen Rätsel schreibt der klassische Afrika-Forscher
Gerhard Rohlfs: »Nach Desor ist die Ued-Rhir-Depression eine Auswaschung;
wie dieselbe entstanden, wagt er vor der Hand nicht zu erklären. Wenn wir
indess sehen, wie der Rhein den Bodensee, die Rhone den Leman-See, und
verschiedene andere Flüsse Seen haben auswaschen und durchfliessen können,
so ist die Annahme wohl erlaubt, dass der Ued-Rhir und der Schott-mel-Rhir
einst Durchgangsseen des Irharhar gewesen ist. Durch Duveyriers
Untersuchungen und durch Buderba's Reisen ist es vollkommen festgestellt,
dass der Irharbar in den Ued-Rhir einmündet. Bei anderen topographischen
und klimatischen Verhältnissen hat vielleicht früher der Irharhar
bedeutende und immer fliessende Wasser geschwemmt, und die Rhir-Erosion
wäre gewissermassen der „Bodensee“ dieses Flusses gewesen. Alle
Einsenkungen zeigen entweder Sand oder Thonboden, und oft sind sie die
wahren Heime des Dünensandes.
Es wäre vielleicht natürlicher, nachdem wir die Areg
Djebel-, Hammada-, Sserir- und Djof-Formationen der Sahara beschrieben
haben, daran die Uadi-, Irharhar- und Sebcha-Läufe und Becken zu knüpfen;
indess darf man das Bindeglied beider, die Oase, nicht unerwähnt lassen.
Denn die Oase kann nur da sein, wo die Bodenbeschaffenheit im Verein mit
dem Wasser dieses ermöglicht.
Aber auch überall da, wo Wasser ist, und wäre dieses
selbst brakischer Natur, sehen wir, dass Grün hervorsprosst, dass Pflanzen
gedeihen: es bilden sich Oasen. Barth schon betont es, dass selbst der
anscheinend unfruchtbarste Sand bei Benässung sogleich ein reiches
Pflanzenleben erzeugt.
Die Entstehungs- und Existenzbedingung einer Oase ist
verschieden, so dass man danach auch verschiedene Arten von Oasen hat.
Zuerst kann man nämlich unterscheiden zwischen Oasen, die oberflächlich
fliessende, natürliche, oder unterirdisch fliessende, natürliche
Bewässerung erhalten. Dahin gehören z.B. die Oase des Ued Draa, deren
ganze Vegetation durch den oberflächlich fliessenden Draa bewässert wird,
das obere Tafilet, das aus dem Sis seine Oasenbildung bekommt. Zu den
zweiten Oasen, die durch unterirdisch fliessendes Wasser erzeugt werden,
gehören z.B. Tafilet, d.h. nur das eigentliche Tafilet südlich von Ertib,
der grösste Theil der nördlichen Oasengruppe von Tuat, und viele andere
kleinere, südlich vom Atlas.«
In der völlig trockenen Wüste mit Sandflächen und
vorherrschend Salzton- und Gipsflächen finden sich – entlang der Straße –
aufgereiht wie eine Perlenkette kleine Oasen und Palmgärten, die
verständlich machen, dass die Rhir-Oasen wesentlich zum Dattelexport
Algeriens beitragen mit Früchten einer besonders guten Qualität. Doch von
einem Fluss ist nichts zu sehen, nur in kleinen Senken entdecken wir,
versteckt von dichtem Schilf, kleine grün leuchtende Seen oder besser
Tümpel, die Kennzeichen dafür sind, dass dieser „Fluss“ unterirdisch
fließt – ebenso wie der Oued in „El Oued“, wohin wir am nächsten Tage
gelangen werden.
In der ansonsten kaum bewohnten Palmoase von
Djamâa – rechter Hand von der Straße findet sich wieder ein
schilfbedeckter grüner Teich – „rettet“ uns eine Tankstelle mit einem
klimatisierten Raum in einem Container, in den uns der Tankwart freundlich
einlädt. Kostenlos erhalten wir gekühltes Trinkwasser und Eiswürfel, die
wir uns im Hemd am Rücken herunterrutschen lassen können. Das stützt nun
meinen Kreislauf und ich kann doch noch etwas von dieser Oasen-Gruppe, die
Achenbach gut beschreibt,
mitbekommen.
Weiter geht es nach Touggourt. »Touggourt
(arabisch تقرت, DMG Tuqurt; Berber, Einfahrt oder Gatter)
ist eine Kleinstadt in der Provinz Ouargla im Nordosten von
Algerien. Touggourt hatte in früherer Vergangenheit Bedeutung als
Knotenpunkt im Transsaharahandel. Außerdem war die Stadt Hauptsitz der
Ouled Djellab-Dynastie. Vor der Kolonialisierung durch die Franzosen im
19. Jahrhundert herrschten seit dem 15. Jahrhundert in der Oase deren
Stammesführer.« [Wikipedia].
Nach einigen Einkäufen lassen wir uns in einem
traditionellen Lokal nieder und genießen verschiedene Kuskus-Gerichte –
mit Fleisch und gesüßt. Couscous, Cous Cous oder Kuskus (von Suksu bei den
Berbern und كسكسي, DMG Kuskusī, bei den Arabern) ist ein
Grundnahrungsmittel der nordafrikanischen Küche. Er wird aus befeuchtetem
und zu Kügelchen zerriebenem Grieß von Weizen (Hartweizengrieß), Gerste
oder Hirse hergestellt. Couscous wird zum Garen nicht gekocht, sondern
über kochendem Wasser oder einem kochenden Gericht gedämpft.
So endet dieser heiße Tag doch noch versöhnlich und angenehm.
Anschließend fahren wir etwas hinaus in die Wüste zum
Übernachten. Doch die harte Oberfläche der Gipstone macht das Aufstellen
der Zelte unmöglich, so dass wir auf unseren Luftmatratzen unter freiem
Himmel nächtigen und ein dunkles Firmament mit einer Unzahl von Sternen
bewundern können. Auch die Milchstraße ist hier zu sehen, ebenso wie
verschiedene Sternbilder gut zu erkennen sind. (Foto
Übernachtung bei Touggourt.)
So., 26.07.1981.
Morgens besichtigen wir unter sachkundiger Führung die Sehenswürdigkeiten
von Touggourt. Interessant sind die Altstadtstraßen im Nachbarort
Tamellaht aus Lehmziegelhäusern, in deren Zentrum sich der
Marabout, eine großartige Kuppelmoschee aus dem 13. Jahrhundert befindet,
die ebenfalls aus Lehmziegeln gebaut ist – mit eindrucksvollen
Stuck-Schnitt-Ornamenten und durch arabeske Mustern im Mauerwerk geziert,
die teilweise Koran-Zitate in kufischer Schrift beinhalten – und deren
Statik Verwunderung einfordert. (Fotos
Tamellaht, Straßenszene.
Tamellaht, Straßenbögen.
Tamellaht, Gang durch die
Straßen. Tamellaht, Ziegelmoschee
(Grabmoschee). Tamellaht, Ziegelmoschee,
Kuppel.)
In Temacine besichtigen wir den
sudanesischen Moscheeturm, den wir besteigen können und der uns einen
großartigen Überblick über die Oasengruppe und die Königsgräber und
Moscheen der Ouled Djellab-Dynastie gibt. Die Oasenbesichtigung bietet uns
mehr Sehenswürdigkeiten und geschichtlichen Aufschluss, als wir es vorher
vermutet oder erwartet hatten. (Fotos
Bei Temacine. Blick auf den Ort.
Temacine bei
Touggourt. Temacine, Blick auf den Ort.
Temacine, Lehmhäuser.
Temacine, Gasse.) Nach der Besichtigung der Altstadt und nach einer
Mittagssiesta unter Palmen geht es weiter in den Souf.
Auf dieser Fahrt erleben wir zum ersten Mal so richtig die Macht des
Sandes, denn wir befinden uns am Rande des östlichen Großen Erg. Immer
wieder wird der Sand der Wanderdünen auf die Straße geweht und versperrt
die Durchfahrt. (Fotos Auf dem Weg nach El Oued.
Oase im Dünengebiet von El Oued.
Dünengebiet von El Oued, Dattel-Fruchtstand.)
Die Stadt
El-Oued in der Oasengruppe des Souf mit ca. 900 000 Einwohnern in der
Region liegt ca. 700 km südlich von Algier entfernt, 100 km von der
tunesischen Grenze und etwa 200 km von Biskra und 90 km von Touggourt
entfernt. Die Oasengruppe hat einen ganz eigenen Charakter, da sie mitten
in einem Wanderdünenfeld des Östlichen Großen Erg liegt. Die
Palmanpflanzungen liegen mitten im Sand in schalenförmigen Vertiefungen,
die von den Dünen durch kleine Hecken und geflochtene Bänder aus Reisig
geschützt werden. Von einiger Entfernung sieht man dann über den Sand nur
vereinzelt Palmwipfel empor ragen. Doch auch hier sorgt ein unterirdischer
Fluss für eine reiche Dattelernte höchster Qualität. Aber bis an den
Ortsrand schieben sich die Wanderdünen heran und verschütten teilweise die
Lehmziegelhäuser in ihrer typischen Bauweise mit Tonnendächern. (Fotos
El Oued, Hauptstraße.
El Oued, Moschee.
El Oued, Straßenszene.
El Oued, Auf die Düne am Rande der Stadt.
El Oued, Blick auf die Stadt.
El Oued, Siedlungsbild.)
Es ist verwunderlich, wie in dieser trostlosen
Sandlandschaft Menschen die unterirdischen Wasservorräte gefunden haben
und für die Oasenwirtschaft nutzbar machten. Die Geschichte geht auf eine
heterodoxe islamische Gruppe aus der Anfangszeit der arabischen Eroberung
Nordafrikas zurück, die Ibaditen,
die teilweise vor der Verfolgung in den Westen flohen. Ihre erste
Niederlassung fanden sie auf der tunesischen Insel Djerba, von wo sie aber
– zumindest teilweise – wieder vertrieben wurden. Sie flohen dann in die
unwirtliche Wüste des Souf, wo sie ihre detektivische Fähigkeit
entwickelten, aus kleinen Anzeichen in der Tier- und Pflanzenwelt auch
zwischen den Dünen unterirdische Wasservorkommen aufzuspüren. So entstand
die blühende Oasengruppe um El Oued, deren Name schließlich „der Fluss“
bedeutet, obwohl zwischen den Dünen nirgends ein Oued zu erblicken ist.
Doch Phasen einer neuerlichen Verfolgung ließen die Ibaditen noch weiter
ins Zentrum der Sahara ziehen, wo sie als Mozabiten die Oasengruppe des
M’Zab
um Ghardaia gründeten, tausend Kilometer von den nächsten
besiedelten Gegenden entfernt. Ihre Identität sicherten sie in Beni
Isguen, der heiligen Stadt der Mozabiten, in die – zumindest über
Nacht – auch heute kein fremder kommen darf, während sich Ghardaia zu
einem Touristenzentrum entwickelt hat – und zu einem Zentrum des
Trans-Sahara-Fernverkehrs und des Anbaus von hochwertigen Südfrüchten und
Frühgemüse.
Zurück nach El Oued. Die Ortschaft ist durch ihre
besondere Architektur bemerkenswert – und so geht hier der Sand der
umliegenden Dünen in die sandfarbenen Lehmziegelmauern der meist nur
eingeschossigen Wohngebäude über, deren Tonnengewölbe dem Blick über die
Stadt von den höheren Dünen am Stadtrand aus einen einmaligen Charakter
verleihen.
Zur Übernachtung fahren wir dann aus der Stadt
hinaus, aber kommen wegen der einbrechenden Dunkelheit nicht mehr aus dem
Dünengebiet heraus. Als es dunkel wurde wollten wir etwas ganz besonderes
erleben. Wir stellten unsere Fahrzeuge zwischen zwei Sandverwehungen am
Straßenrand auf – direkt neben einem Dünenfeld. Oben auf der Düne legten
wir dann unsere Bastmatten bzw. Luftmatratzen aus und legten uns unter
freiem Himmel Schlafen. Der Nachthimmel in diesen trockenen Wüstengebieten
ist immer wieder überwältigend in seiner Klarheit und seinem
Sternenreichtum. Die ersten Stunden genossen wir dann einen himmlisch
ruhigen Schlaf. Dann aber beginnt der kühle immer stärker werdende
Nachtwind und der Sand setzt sich in Bewegung und sandet uns völlig ein.
Im Schlaf liegen Ohren und Gesichter plötzlich im Sand, die Unterlagen
verschwinden im Treibsand – und, nachdem wir dann aufgewacht und
aufgestanden sind, ist ein Schuh tatsächlich völlig verschwunden. Gegen
fünf Uhr morgens verziehen wir uns dann sandig und frierend in unsere
Busse zu einem sitzenden „Nach-Schlaf“ bis zum bald folgenden
Morgengrauen.
Aber damit kommen wieder ältere Erinnerungen aus dem
Dunkeln empor an die Algerienreise mit Dr. Achenbach vor vierzehn Jahren.
So sollen hier einige Eindrücke noch einmal eingefügt werden.
Und
morgen Abend,
und
wenn der Nachtwind weht,
kommt
unser General geritten…
General
geritten…
Der
bringt uns Rakı,
der
bringt uns, aj ho Bogami he –
der
bringt uns tausend Golddukaten
tausend goldene Dukaten.
Der Nachtwind ist eine Erfahrung, die sehr real
erlebt wird und zu den Eindrücken jedes Aufenthalts in den Gebirgen der
Wüsten und Steppen gehört. Der Nachtwind weht von den kühleren Bergen die
Hänge und Täler herunter, wenn die Sonne untergegangen ist und die
aufsteigenden Winde über den erhitzten Steppen nachlassen. Der Nachtwind
bringt die ersehnte Abkühlung und lädt ein, zusammen zu sitzen und die
einbrechende Nacht zu genießen. Auch erst zu dieser Zeit kommt dann auch
der Hunger nach kräftigerem Essen, Schaschlik, Döner, frischem Lammbraten,
Kuskus aber natürlich zu einem guten Schluck Wasser und Rakı…
Aber der Nachtwind kann auch zu einem kalten Sturm
werden. Ich selbst habe das auf unserer ersten Algerienreise mit Dr.
Achenbach erlebt. Von der saharischen Vorgebirgsebene aus sind wir eines
Nachmittags, uns an Fahrspuren und dann eher provisorisch in den steilen
Hang herein gefräste Straßen und Pisten im Tal des Oued Mestaoua nördlich
von Djemina (18. März 1967) haltend, in das südliche Aurés-Gebirge
hineingefahren, um Landschaftsformen, Vegetationsstufen und Siedlungen zu
kartieren, wie es unser wissenschaftlicher Auftrag war. Die Fahrt war
durch die mäßigen Straßenverhältnisse behindert, steile Passagen und
lockere Geröllbänder erzwangen ein vorsichtiges Vorankommen. So wurden wir
dann am Hang von der hier im Gebirge sehr schnell, fast plötzlich
einbrechenden Dunkelheit überrascht und wurden gezwungen, einen
Übernachtungsplatz für unseren VW-Bus zu finden. Geeignet erschien uns ein
Verbreiterung der Straße in einer Kurve, die durch eine großen Felsblock
etwas abgeschirmt war – in der Dunkelheit war dann unser Wagen kaum zu
sehen und, wenn auch mit geringer Wahrscheinlichkeit konnte ja auch nachts
ein „Camion“ die Strecke herunter kommen. Doch machten wir uns klar, dass
der Wagen so stand, dass der Ausstieg zur Straßenseite hin ging und dass
auf der anderen Seite der Steilabfall in das rund hundert Meter tiefere
Tal drohte, falls wir in der Dunkelheit einmal unseren Wagen verlassen
mussten. Wir bauten dann unser Nachtquartier im Wagen wie jeden Tag auf,
zogen an allen Seiten die Vorhänge zu und waren – zufrieden nach einem
leckeren Abendessen am Campingtisch beim Campingkocher und mit einem Glas
algerischem Rosé-Wein aus Mascara – sehr bald eingeschlafen. Doch weckte
uns etwa um Mitternacht ein anschwellendes Brausen und Sausen, durch die
Ritzen im Wagen fühlten wir kühle Luft hineindringen und der Wagen kam
immer mehr ins Schwingen und Schlingern, obwohl er gut und sicher
festgebremst war und auf einer ganz ebenen Stelle stand. Doch der Sturm
wurde immer stärker und dann vermeinten wir, dass der Wagen sich langsam
in Bewegung setzte und zentimeterweise in Richtung auf den Talabhang
rutschte. Das war nun tatsächlich nicht ganz unmöglich, da der Untergrund
aus lockerem Schotter bestand. So stiegen wir dann doch besorgt aus und
fanden unsere Befürchtungen bestätigt. Nun galt es, schwere und kantige
Steinblöcke zu sammeln und auf allen Seiten vor und hinter den Rädern zu
verkeilen. Das gelang und dann war der Nachtsturm nur noch eine
erfreuliche Abkühlung von der Tageshitze, in der wir dem nächsten
glühheißen Sonnentag entgegenschliefen…
Mo., 27.07.1981.
Etwas müde, aber nach der kühlenden Nacht gekräftigt, haben wir heute ein
großes Fahrprogramm zu bewältigen. Zwischendurch einige Erlebnisse. Das
Fahren wird durch die Sandverwehungen auf der Straße erheblich behindert.
Einmal sind wir auch stecken geblieben und mussten uns erst mühsam mit
Schaufeln und Schieben aus dem Sand befreien. Ein Kombi eines Algeriers
war von uns nicht in Gang zu kriegen trotz eines umfangreichen
Reparaturversuchs durch Sascha. (Fotos
Dünengebiet von El Oued.
Sandrosen.
Auf der Düne.
Sandverwehung.
Im Sand stecken geblieben.
Warnung vor dem Sand.)
Eine weitere Sanddurchfahrt hielt uns auf, aber wir
kamen durch. Teilweise führten Notwege abseits der Straße um
Dünenverwehungen herum. Auf einem dieser Umwege war dann ein algerischer
Lieferwagen, ein „Camion“ – mit Schafen hinten drin –, von der
Straßenböschung herunter gerutscht. Die drei Insassen bekamen ihn nicht
wieder flott. Dabei passierte ein kleiner Unfall, bei dem eine Frau sich
an der Hand verletzt hatte. Wir konnten zunächst mit etwas Verbandszeug
und dann mit tatkräftiger Hilfe beim Befreien ihres Fahrzeuges mitmachen
und haben den Wagen tatsächlich flott bekommen. Es herrschte große
Dankbarkeit.
Nach langer Fahrt durch menschenleere Steppen kamen
wir wieder zum Gebirgsrand der Nemenchas bei Negrine –einer kleinen Oase am südöstlichen Fuß des
Nemencha-Gebirges. – Dies sind Gebiete, die ich von meiner ersten Fahrt nach
Algerien her kenne. (Fotos Kamele in der Steppe bei Negrine.
Notunterkünfte für Nomaden.)
Tebessa wird nur ein kleiner, nicht allzu
beeindruckender Zwischenaufenthalt. Die Stadtmauer und das römische Tor
von „Theveste“ – einer Siedlung, die bis auf römische Zeiten zurück geht
und im Frühchristentum Bistumssitz war – werden besichtigt. Tanken und
Wassernachfüllen geschieht wie üblich und ist Anlass für ein Gespräch mit
dem Tankwart über die Situation in Algerien.
Aus Tebessa heraus geht es dann – wohlversorgt Mit
neuem Mineralwasser und Schokolade zur tunesischen Grenze. Die Abfertigung
in Bou Chebkha ist etwas langwierig, aber auf beiden Seiten korrekt und
konziliant. Wir klären dabei die Gültigkeit unserer Visa für eine zweite
Einreise nach Algerien. Im Gespräch über die Zollformalitäten wird mir
eine algerische Zigarette angeboten, die ich dann – obwohl Nichtraucher –
aus Höflichkeit rauche.
Leider können wir an der tunesischen Grenze kein Geld
umtauschen. Das geschieht dann erst in einer größeren Siedlung am nächsten
Tag. Kurz hinter der Grenze kampieren wir in einem lichten Wald nahe der
Straße. Es folgt ein kühler Abend für unsere Verhältnisse.
Di., 28.07.1981. Morgens
wurden uns vor den Augen von Berthold zwei Töpfe vor einem kleinen Jungen
geklaut, der dann aber uneinholbar auch vor der Verfolgung von Sascha
verschwand. In rascher Fahrt geht es nach Sbeitla. Die Straßen sind recht
gut, so dass wir ein gutes Pensum erledigen. Mangels tunesischer Dinare
können wir das römische Ruinenfeld von Sbeitla nur durch den Zaun
bewundern. Zur
Geschichte Sbeitlas schreibt die Website „Tunesische Impressionen“ (www.tunesieninformationen.de
Paul Sippel): »Sufetula scheint eine späte Gründung zu sein,
wahrscheinlich unter Kaiser Vespasian (69 - 79). Sie war zuerst Municipale,
später dann Kolonie. Ab dem 3. Jahrhundert sind dort christliche Bischöfe
bezeugt, was auf ein christliches Zentrum schließen lässt. Danach wurde
Sufetula eine byzantinische Festung. Davon zeugen byzantinische Forts,
eine Kirche, Winterthermen, der Antoninus-Pius-Bogen, das Kapitol, die
Basilika und vieles mehr. Dann wird der Name dieser Stadt nicht mehr
erwähnt bis zum Ende der byzantinischen Epoche, als gegen 660 der
byzantinische Heerführer Patrick Gregor sie zur Hauptstadt eines vom
Karthager Exarchat unabhängigen Imperiums ernennt. Allerdings nur für
kurze Zeit, denn Gregor wird besiegt und von den Arabern getötet. Die
Stadt Sufetula wird zerstört und gerät in Vergessenheit.« (Foto
Sbeitla.)
Hier in Tunesien werden die Straßenverkäufer und
Schnorrer wieder aufdringlicher, wenn auch längst nicht so unangenehm wie
in Marokko. Ist dies ein Indikator für die sozialen Verhältnisse in einem
Land oder eher für die Häufigkeit der Touristenkontakte und der sozialen
Divergenz der Touristen zur einheimischen Bevölkerung?
In Kairouan wie vorher schon in Sbeitla zeigt es
sich, dass die Banken nur wenige Stunden am frühen Vormittag geöffnet sind
– eine Folge des Ramadan. So bleibt uns nach einigem Durchfragen nur noch,
in einem Hotel vorerst 200 DM einzutauschen. Damit können dann die
Lebensmittel für den Abend eingekauft werden. Der zweite Bus mosert schon
die ganze Zeit. Viel Einsicht haben die Jungens nicht, sehen sie doch,
dass wir kein Geld haben…
Ein Rundgang durch die Medina – mit Kauf eines neuen
Topfes – und die Fahrt zur Großen Moschee, der Kasbah und den „Bassins der
Aghlabiden“ vervollständigen unser Programm. (Fotos Kairouan oder Qairawān
(arabisch القيروان, DMG al-Qairawān), ist eine Stadt in Tunesien mit
etwa 120.000 Einwohnern. Bis zum 11. Jahrhundert war die Stadt ein
wichtiges Zentrum der islamischen Gelehrsamkeit in Nordafrika (Ifriqiya),
von dem aus Einflüsse bis auf die Iberische Halbinsel nachzuweisen sind.
Zeitweise stand Kairouan in erbitterter Konkurrenz um Macht und Einfluss
mit Kairo, aber auch mit Cordoba. – Die „Bassins der Aghlabiden“ werden
datiert auf den Beginn der zweiten Hälfte des neunten Jahrhunderts und
befindet sich außerhalb der Mauern der Medina von Kairouan. Sie gelten als
die wichtigsten hydraulischen Werke in der Geschichte der muslimischen
Welt. Gebaut, um 860 - 862, während der Herrschaft des Aghlabiden Aboul
Ibrahim (856 - 863), sie sind nur ein Teil der fünfzehn Teiche, die die
Stadt mit Wasser versorgen. Das Ausmaß und die Genialität dieser Leistung
hat schon immer die Bewunderung der Reisenden gewonnen und ließ Kairouan
als „Stadt der Wasserteiche“ gelten.
(Fotos Kairouan. Straßenszene, Souk.
Kairouan. Straßenszene.
Kairouan. Große Moschee.
Kairouan. Ladenzeile.
Kairouan. Teppichhändler.)
Anschließend fahren wir in Richtung Sousse und kommen
hinter einem Acker und einer Opuntien-Hecke unter. Auf der Fahrt hierher
nutzen wir noch die Gunst der Stunde. Abseits der Ortschaften treffen wir
auf einen verlassenen, reichlich demolierten VW-Transporter im
Straßengraben. Schnell bauen wir die vordere Dreiecksscheibe aus und
nutzen sie als Ersatzteil für unsere in Barcelona eingeschlagene Scheibe,
die wir zwischenzeitlich nur mit einem Stück Plastikfolie abgedeckt
hatten. (Fotos Hinter Kairouan. Abendstimmung.
Wrack-Fledderei.
Campen hinter Opuntien.)
Die Opuntien locken zum Verzehr. Aus diesen Früchten
kann man auch eine schmackhafte rote Marmelade herstellen. Ansonsten
schützen uns die Dornpflanzen vor unliebsamen Eindringlingen und von
Blicken von der Straße her.
Mi., 29.07.1981. Heute
übernimmt der andere Bus die „Führung“ und sieht, dass das Klima dadurch
auch nicht besser wird. In Sousse besichtigen wir die große Moschee und
den Ribat. Über die Bedeutung des Ribat haben wir schon weiter oben
berichtet (am Mo., 13.07., in Rabat). Um die Wagen nicht unbeaufsichtigt
zu lassen, machen wir unser Besichtigungsprogramm wieder in zwei
Schichten.
»Sousse [suːs] (arabisch سوسة Sūsa) ist eine
Hafenstadt am Mittelmeer und zugleich die viertgrößte Stadt in Tunesien.
Der Name ist berberischen Ursprungs; entsprechende Parallelen finden sich
in Libyen. Im Süden Marokkos wird eine ganze Region als bilād al-sūs
bezeichnet. Die Stadt Sousse liegt rund 130 Kilometer südlich der
tunesischen Hauptstadt Tunis im Süden des Golf von Hammamet am Mittelmeer.
Die Stadt hat 173.047 Einwohner, mit ihrem weiteren Umland 432.171 (Zensus
2004). Sie ist Hauptstadt des Gouvernorats Sousse / wilāyat Sousse /
ولاية سوسة / wilāyat sūsa (Zensus 2004: 544.413 Einwohner) und Metropole
des tunesischen Sahel. … Sousse wurde im 9. Jahrhundert v. Chr. von den
Phöniziern als Handelsstützpunkt mit dem Namen „Hadrumetum“ gegründet und
ist seitdem besiedelt. Im 3. Punischen Krieg entging Hadrumetum der
Zerstörung durch die Römer, weil es sich rechtzeitig von Karthago
losgesagt hatte. Unter der römischen Herrschaft erlebte die Stadt bis ins
3. Jahrhundert eine wirtschaftliche Blütezeit. Repressionen wegen der
Teilnahme am Gordianus-Aufstand von 238 führten zum allmählichen
Niedergang. Im 5. Jahrhundert folgte die Herrschaft der Vandalen und die
Umbenennung in „Hunerikopolis“ (nach König Hunerich). Nach der
byzantinischen Rückeroberung durch Belisar im 6. Jahrhundert wurde die
Stadt in „Justinianopolis“ (nach Kaiser Justinian I.) umbenannt. Im 7.
Jahrhundert erfolgte die arabische Eroberung der Stadt durch
ʿUqba ibn
Nāfiʿ. Erst um 800 wurde sie von den Aghlabiden unter dem eingangs
genannten Namen Sūsa neu gegründet und erlebte einen raschen Aufstieg als
Hafen von Kairouan und Ausgangsbasis für die arabische Eroberung
Siziliens. Während der Zeit der Aghlabiden entstanden der Ribat im Jahr
821, die Festung (Kasbah) 844 und die Hauptmoschee 851. Im 12. Jahrhundert
wurde Sousse von den Normannen besetzt. Während der türkischen Herrschaft
war es wie andere Hafenstädte ein Stützpunkt der Korsaren, die von den
maghrebinischen Barbareskenstaaten aus operierten. Dies hatte Angriffe der
Spanier, Franzosen und Venezianer zur Folge, die zum allmählichen
Niedergang der Stadt führten. Der Wiederaufstieg erfolgte erst in der
französischen Kolonialzeit ab 1881 mit dem Bau der Neustadt und des
Hafens, der vor allem der Ausfuhr von Phosphat diente. Sousses stetiger
Aufstieg wurde nur vom Zweiten Weltkrieg vorübergehend unterbrochen.
Jahrhundert wurde Sousse von den Normannen besetzt.« [Wikipedia.]
Den Aufenthalt in Sousse nutzen wir auch zu Einkäufen
in den Souks. Für meine Töchter Carmen und Natascha kaufe ich
Ledertaschen. Aber insbesondere sind die historischen Gebäude den Besuch
in der Stadt wert. Die Altstadt ist sehenswert und der Ribat als
Turmfestung beeindruckend. Von dem Turm haben wir einen guten Überblick
über die ganze Stadt und blicken auch auf den Hafen und das Mittelmeer.
(Fotos Sousse. Strandpromenade.
Sousse. Stadtbild.
Sousse. Eintritt zur großen Moschee.
Sousse. Straßenszene.)
Nachmittags fahren wir weiter nach Monastir zum
größten Ribat Tunesiens. Die Lage des Ortes ist idyllisch und als
Geburtsort von Präsident Habib Bourguiba
– sein Präsidentenpalast liegt in voller Pracht an der Straße – wird viel
für die Rekonstruktion und die touristische Erschließung des Ortes getan.
(Foto Monastir.)
Die Altstadt hat eine sehenswerte Mauer, aber wenig
alte Bausubstanz in der Medina. Etwas irritierend ist der
Bourguiba-Personenkult mit Fahnen und Präsidentenbildern auf allen Straßen
und einer extra für Bourguiba gebauten Moschee.
In einem Supermarkt konnten wir unsere Essensvorräte
ergänzen. Am Abend fahren wir dann wieder durch Sousse in Richtung Tunis.
(Foto Weg nach Tunis.) Wir kampieren auf einem Acker zwischen den Küstensalzwiesen und einem
Weingarten. Abends machen dann einige Teilnehmer des anderen Busses noch
weinselige Extratouren, was zu einer Verstimmung am nächsten Tag führt.
Do., 30.07.1981.
Von unserem Übernachtungsplatz aus fahren wir direkt nach Tunis. Hier
teilt sich die Gruppe. Einige machen eine Stadtbesichtigung; Hans-Jürgen,
Joachim und ich fahren zur Deutschen Botschaft und treffen dort – wir
waren ja schriftlich angemeldet – Herrn Hauptmann an, mit dem ich
korrespondiert hatte. Etwas schwierig ist der Termindruck, aber kann uns
für morgen, acht Uhr, noch einen Gesprächstermin arrangieren.
Dann fuhren wir – wieder im Taxi, das hier sehr
billig ist – in die Innenstadt zur PTT. Hier versuche ich vergeblich,
Hannover telefonisch zu erreichen, aber schon die Vorwahl 0049 in die
Bundesrepublik Deutschland ist und bleibt besetzt. Nach einigem Suchen
wieder ein Taxi – zurück zu den Wagen. (Fotos
Tunis. Stadttor.
Tunis. Altstadt.
Tunis. Straßenszene.
Tunis. Blick in die Altstadt.
Tunis. Verkaufsstand.
Tunis. Metallpunzerei.
Tunis. Souk.
Tunis. Moschee.)
Nachmittags fahren wir nach Karthago, wo wir zunächst
eine Rekreationspause. Karthago liegt nordwestlich der City von Tunis an
der Strecke von La Goulette und La Marsa. La Goulette ist Teil des
Handelshafens von Tunis [vor allem Massengüterumschlag - Erze, Phosphate,
Oliven] und beherbergt ein Großkraftwerk, Industrieansiedlungen und
Fischerei. La Goulette ist 10 km von der Hauptstadt Tunis entfernt und mit
ihr über einen Damm durch die Lagune von Tunis verbunden. La Marsa, am
Ende der Halbinsel am Mittelmeer gelegen, gilt als besonders idyllisches
Wohngebiet für die reichere Bevölkerung von Tunis.
Dann besichtigen wir das größte Ausgrabungsgebiet von
Karthago
direkt am Strand, die Thermen des Antonius Pius aus der Römerzeit. Die
weiteren archäologischen Überreste – das Theater, Amphitheater und
Basilika – sind weniger beeindruckend, zeugen aber von der historischen
Bedeutung der Stadt.
»Karthago (latein Carthago, altgr. Καρχηδών, -όνος,
Karchēdōn; aus dem phönizischen קרת חדשת Qart-Hadašt ,neue Stadt‘) war
eine Großstadt in Nordafrika nahe dem heutigen Tunis in Tunesien. In der
Antike war Karthago Hauptstadt der gleichnamigen See- und Handelsmacht.
Die Einwohner Karthagos wurden von den Römern als Punier (abgeleitet von
Phönizier) bezeichnet. Nach der Zerstörung Karthagos durch die Römer ging
das karthagische Reich im 2. Jahrhundert v. Chr. im römischen Imperium
auf. Heute ist Karthago (franz. Carthage, arabisch قرطاج Qartādsch, DMG
Qarṭāǧ) ein Vorort von Tunis. Das archäologische Ausgrabungsgelände von
Karthago wurde 1979 in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen und ist
eine touristische Attraktion.« [Wikipedia.]
Wir machen uns auf die Suche nach dem alten Hafen von
Karthago, war dieser doch das Zentrum der antiken See- und Handelsmacht.
Die schließlich gefundenen Becken der punischen Häfen verwundern vor allem
dadurch, dass sie einen Maßstab von der Kleinheit der antiken Schiffe
abgeben. Es ist nur ein kleiner Weg, das ausgegrabene Becken zu umrunden.
Die Einfahrt war einfach durch eine Kette zu versperren und damit vor
Eroberungen von Seeseite ger zu sichern. Man braucht etwas Phantasie, sich
in den heutigen ebenen Ruinenfeldern das antike Treiben und Handeln der
Punier, ihrer Seeleute und Soldaten und ihrer Handelstreibenden
vorzustellen. (Fotos Tunis / Carthago: Plan.
Carthago. Überblick, zur Bucht von Tunis.
Carthago. Römische Ruinen.
Carthago. Hippodrom.
Carthago. Unterirdische Gänge.
Carthago. Brunnen: Treibstoff-Fass von der
Reichswehr (Rommel, 2. WK))
Gegenüber der Bucht von Tunis beginnt auch die ins Mittelmeer
herausragende Halbinsel Cap Bon, über die Hermann Achenbach
– mit dem ich 1967 meine erste Algerien-Reise unternommen hatte – seine
Dissertation angefertigt hatte.
Abends fahren wir – es wird schon dunkel – in
Richtung Bizerte und finden einen Platz in einer Obstbaumplantage, wo wir
mit Genehmigung des Besitzers kampieren. Abends führen wir noch einige
Gespräche über gruppeninterne Konflikte.
Der Abend wird etwas gestört durch streunende und
bellende Hunde.
Fr., 31.07.1981.
Morgens gegen acht Uhr waren wir schon über eine halbe Stunde vor der
Deutschen Botschaft: auf dem direkten Weg fanden wir das Haus wieder.
Eineinhalb Stunden Gespräch mit Herrn Hauptmann geben einige Einblicke in
die Arbeit der Deutschen in Tunesien; ansonsten ist unser Gesprächspartner
ein Original, ein beamteter Konsul in Reinkultur.
Er berichtet uns vor allem über die
wirtschaftspolitischen Projekte Tunesiens. Eine besondere Bedeutung hat
die Entwicklung der Textilindustrie. Im Norden des Landes wurden dafür
eigens Industrieansiedlungen errichtet, die als Zollausland deklariert
wurden. Das bedeutete, dass italienische und französische Textilfabriken
Auftragsfertigungen organisieren, bei denen alle Materialen und alle
Maschinen importiert werden und im Besitz der ausländischen Firmen
bleiben. Die fertige Ware wird sofort reexportiert, so dass Tunesien
materiell keine Vorteile von dieser Produktion hat und nur die –
weiblichen – Arbeitskräfte stellt. Tunesien verdient an diesem Projekt nur
mit einer geringen Firmensteuer und mit der Verminderung der
Arbeitslosenzahlen. Brutal ist dabei die Praxis, dass Verschnittreste aus
der Produktion zollamtlich vernichtet werden, um zu verhindern, dass die
Arbeiterinnen auch nur die geringsten Stoffreste aus dem
Zollauslandsgebiet herausbringen – auch wenn dies eine wichtige soziale
Erleichterung sein könnte. Der Warenverkehr wird zum größten Teil mit dem
neuen Tunesischen Fährschiff „Habib“ mit den Zielorten Marseilles und
Genua abgewickelt.
Nach dem Botschaftsbesuch schlenderten Joachim,
Jürgen, Hans-Jürgen und ich noch durch die Medina von Tunis.
Um zwölf Uhr erfolgt dann der Aufbruch zu einem
Restaurantessen in der Innenstadt.. Der Besitzer des Lokals ist ein
Tunesier, der in Berlin von einer deutschen Mutter geboren wurde und
entsprechend fließend Deutsch spricht – und ein ungebrochenes
Mitteilungsbedürfnis über seine jetzige Heimatstadt Tunis an den Tag
bringt. Wir essen „luxuriös“ ein Filét Grillét mit Tomatensalat, Pommes
Frites und zum Nachtisch Schokoladencreme. Dazu trinken wir Kaffee und
Mineralwasser und als Krönung Haute Mornag Wein.
Aber anschließend drängte die Zeit und wir verließen
Tunis auf der Straße in Richtung El Kef. Nach der Fahrt über Medjez el
Bab und Teboursouk kommen wir zu den römischen Ausgrabungen von
Dougga und besichtigen sie in der Abendsonne.
Dougga.
Historisches Photo.
»Dougga (Dougga Nouvelle; arabisch دقة, DMG Duqa)
ist ein Ort im tunesischen Gouvernement Beja. Er liegt 520 bis 600m über
dem Meeresspiegel. Das arabische Dougga ist die direkte Nachfolgesiedlung
der numidisch-römischen Stadt Thugga. Bis in die erste Hälfte des 20.
Jahrhunderts lag das moderne Dorf im Gebiet der antiken Stadt. Im Rahmen
der archäologischen Ausgrabungen wurden die Einwohner Douggas dann aber
schrittweise in das Tal des Oued Khalled umgesiedelt, wo einige Kilometer
südlich der antiken Stadt an der Straße nach Le Kef eine neue Siedlung
entstand.
Das heutige Dougga ist vor allem durch die Ruinen der
antiken Stadt Thugga, die schon im 4. Jahrhundert v. Chr. von den Numidern
gegründet wurde, bekannt. In einer schönen Landschaft aus Wiesen und
Olivenhainen am Rande der Monts Teboursouk gelegen befindet sich in der
Nähe der antiken Stadt auch die heute noch genutzte Quelle Aïn Mizeh. Der
Ort besitzt eine Moschee, ein Hamam, zwei Cafés, einige kleine Läden und
eine Sanitätsstation.
Seit 1997 ist ein 25 Hektar großes Gelände mit Ruinen
von Thugga zum Weltkulturerbe erklärt. Das römische Theater bot in einem
Halbrund 2.500 Sitzplätze. Vom Platz der Windrose geht es zum Markt, zum
Kapitol und den Thermen. Gut erhalten ist der Triumphbogen des Severus
Alexander. Ruinen einer Kirche geben Zeugnis von der frühen Verbreitung
des Christentums.« [Wikipedia.]
Dougga liegt an einem Berghang und hat daher eine
unregelmäßigere Straßenstruktur als die klassischen römischen
Kolonialstädte, deren Musterbeispiel Timgad (Thamugadi) in
Algerien nördlich des Aurés ist. Interessant sind die Spuren in den
Straßen, die in Wagenbreite in den Stein gehauen sind – für reine
Abnutzungserscheinungen sind sie zu regelmäßig und zu tief – und die die
Wagen wie auf Schienen in Spur hielten. Das mag besonders bei den
Wegeführungen am Hang wichtig gewesen sein, wo ein bespannter Wagen doch
leicht aus der Spur gerät und in der Menschenmenge großen Schaden
anrichten kann. Was uns nicht ganz klar wurde, ist das Problem der
Begegnung von Wagen auf der gleichen Straße. Ob es hier schon
Einbahnstraßenregelungen gegeben hat? (Fotos
Dougga, Tempel.
Dougga, Amphitheater.
Dougga, Bühne des Theaters.
Dougga in der Abendsonne.)
Sa., 1.8.1991. Ein
langer Fahr- und Arbeitstag! Zunächst sind wir von unserem Zeltplatz bei
Dougga auf einer langen Gebirgspiste entlang gefahren. Obwohl uns durchaus
nicht klar war, ob diese Piste auch durchgängig befahrbar war (Michelin
gibt sie als z.T. nur mit Geländewagen befahrbar an), erreichen wir nach
etwa zwanzig Kilometern wieder einen asphaltierten Streckenabschnitt, der
uns zur Route Nationale nach El Kef führt.
El Kef – nur durch seine Lage am Hang unter dem Kef,
dem „steilen Felsabbruch“, bemerkenswert – diente uns zum Einkaufen und zu
einer finanziellen Zwischenabrechnung. Wir scheinen mit unserer
Kalkulation bislang richtig zu liegen.
Anschließend mit einem kleinen Umweg über Jendouba
zum Grenzübergang an der Route Nationale nach Algerien in Richtung Souk
Ahras. »Jendouba (arabisch جندوبة
Ǧandūba, DMG Dschandūba), bis 1966
Souk El Arba, ist eine Stadt im Nordwesten Tunesiens. Sie liegt etwa 150
Kilometer westlich von Tunis und 50 Kilometer von der algerischen Grenze
entfernt und hat rund 45.000 Einwohner. Die Stadt liegt in einer der
fruchtbarsten Regionen Tunesiens, dem Tal Medjerda, und ist Hauptstadt des
gleichnamigen Gouvernorats Jendouba.«
Die Medjerda-Ebene wurde im Rahmen der Nordafrika-Arbeit des
Geographischen Instituts der (damals) Technischen Universität Hannover
(heute Leibniz Universität) von Günther Stuckmann bearbeitet mit
dem interessanten und mit vielen Karten ausgestatteten Band der
Geographischen Gesellschaft Hannover: Hydrogeographische Untersuchungen
im Bereich der mittleren Medjerda und ihre Bedeutung für den
Landschaftshaushalt in Nordtunesien. 1968.
Der Grenzübergang nach Algerien war ein Witz: Die
Leute sind – nach Ende des Ramadan – aufgekratzt und überkandidelt. Nur
Flachsereien und Späße haben sie im Sinn. Dennoch erfolgt in Algerien eine
Gepäckkontrolle. Der Grenzübergang dauerte damit so fast zweieinhalb
Stunden. Aber alles geht so in Ordnung.
Die Strecke nach Souk Ahras ist schwieriger als
gedacht, da sie ständig Hangserpentinen folgt und mehrere Gebirgspässe
überquert. So kommen wir erst bei einbrechender Dämmerung in den Ort.
Einkaufen kostet uns zudem noch viel Zeit. Wir verzichten – auch aus
Geldmangel – auf ein warmes Abendessen und kaufen für die Gruppe einen
Imbiss aus Eiern, Oliven etc. in Brot. (Fotos
Grenzregion. Pistenfahrt.
Grenzregion, Nomadenunterkunft.
Grenzregion. Schwierige Piste.
Grenzregion. Blick über die
Gebirgslandschaft. Route
in Ost-Algerien.)
»Souq Ahras (auch Souk Ahras oder Souk-Ahras;
arabisch سوق أهراس, DMG Sūq Ahrās) ist eine Stadt im Nordosten Algeriens
mit heute knapp 150.000 Einwohnern. Sie ist Hauptstadt der gleichnamigen
Provinz und liegt in der nordafrikanischen Landschaft Numidien. Unter
punischer und später römischer Herrschaft war ihr Name Tagaste (auch
Thagaste). Plinius der Ältere, ein römischer Gelehrter aus dem 1.
Jahrhundert und das Itinerarium Antonini erwähnen Tagaste, allerdings ist
kaum etwas über die Geschichte der Stadt bekannt. Bekannt ist die Stadt
Tagaste dadurch, dass der von der katholischen Kirche heilig gesprochene
Kirchenlehrer und Philosoph Augustinus von Hippo dort geboren wurde.
Thagaste ist heute ein Titularbistum der römisch-katholischen Kirche.«
[Wikipedia.]
Die Campingplatzsuche gestaltet sich schwierig und
war mit einigen Irrfahrten verbunden. An der Straße nach Oued Cheham,
einem Ort im Regierungsbezirk Guelma mit etwa 13.000 Einwohnern, der
Zentrum einer florierenden Weidewirtschaft für Rinder und Schafe ist,
finden wir dann nahe der Straße einen geeigneten, abgeernteten Acker. Die
Nacht wird etwas stürmisch, so dass das große Zelt einmal zusammenbricht.
So., 2.8.1981.
Zweiter Tag des Festes zum Ramadan-Ende. Auf allen Straßen Trubel.
Einkaufsmöglichkeiten gibt es jedoch kaum. Zunächst fahren wir die
Provinzstraße weiter durch das Gebirge, bis wir vor Guelma wieder auf die
Route National stoßen. Guelma ist eine kleine Universitätsstadt, die
historisch eine traurige Berühmtheit errungen hat. Guelma und die
benachbarten Orte Sétif und Kherrata waren am 8. Mai 1945 Schauplatz der
Massaker von Guelma, Sétif und Kharata mit 45.000 erschossenen oder
hingerichteten Algeriern, begangen von den kolonialen französischen
Militärs als Antwort auf Forderungen nach einer Beendigung der
Kolonialherrschaft Frankreichs in Algerien. Wir kommen darauf noch einmal
zurück bei unserer Durchquerung von Sétif am
Mi., 5.8.1981.
Wir merken zusehends, dass unser Reiseprogramm immer
dichter gedrängt wird und die Reiseabschnitte immer länger werden, denn
die Zeit bis zu unserer Rückreise wir immer kürzer. So begeben wir uns von
Guelma aus zu einem kurzen Abstecher nach Constantine, der Hauptstadt des
dritten Departements in der französischen Kolonialzeit und Ort des Beginns
des Algerienkrieges.
Vor Constantine in Oued Zénati, 40 km westlich
von Guelma und 70 km vor Constantine, einem Ort mit vorwiegend
landwirtschaftlicher Nutzung, aber nur sehr geringen industriellen
Ansätzen,
versorgen wir uns mit Lebensmitteln in einem pieksauberen kleinen Laden,
wo wir auch ein gutes Wassersofteis – und diejenigen, die es mögen ein
Joghurteis – essen. Nur Brot finden wir heute nicht, die Krise der
Bäckereien durch die gestörte Gasversorgung, von der wir schon berichtet
haben, scheint noch nicht überwunden zu sein. Aber in Constantine erhalten
wir dann doch ein paar Brötchen.
Über Constantine habe ich im Bericht über
meine Algerien-Forschungsreise mit Dr. Achenbach 1967 schon einiges
berichtet, was hier nicht wiederholt zu werden braucht.
Wie wir uns ja ohnehin bei diesem Streckenabschnitt wieder auf den Spuren
meiner ersten Nordafrikareise befinden. Aber beeindruckend war auch
diesmal der Anblick der tiefen Schlucht, die die Stadt durchschneidet und
von mehreren Brücken überquert wird, darunter die gewagte, schmale und
schwankende Fußgängerbrücke, die „Teufelsbrücke“. Hier in Constantine
machen wir dann einen etwas längeren Aufenthalt, fahren über die Brücken
über die mehr als 100 m tiefe Schlucht des Flusses Rhumel und fahren ganz
nach oben zum Aussichtspunkt, um uns einen Überblick über die großartige
Lage dieser Stadt zu verschaffen. (Fotos
Constantine. Auto-Hängebrücke.
Constantine. Rhumel-Schlucht.
Constantine. Rhumel-Schlucht,
Talboden. Constantine. Rhumel-Schlucht,
Innenstadtbrücke.
Constantine. Häuser über der Rhumel-Schlucht.)
Dann fahren wir in die Innenstadt zum Einkaufen. Ich
schreibe noch einige Postkarten, die wir dann morgen in Batna einstecken
wollen. So fahren wir dann am Spätnachmittag auf der Route Nationale in
Richtung Batna. In Ain M’lila,
einem ansprechend properen Ort, finden wir ebenfalls trotz ausgiebigem
Suchen kein Brot, so dass wir wieder auf Kümmerrationen gesetzt werden.
(Foto Getreideanbau auf den
Hochflächen.)
In der Nähe der Eisenbahnstrecke finden wir einen
passablen Nachtplatz im freien Gelände – einer Steppenlandschaft mit einem
Wadi vor einem imposanten Kef.
Mo., 3.8.1981. Wir
sind jetzt in „meinem“ alten Gelände von 1967 und machen die Tour durch
den Südaurés – was viele Erinnerungen und nostalgische Emotionen weckt.
Nach dem Aufstehen begeben wir uns auf die direkte Fahrt nach Batna, dem
zentralen Ort unserer Forschungsreise 1967.
»Batna (arabisch باتنة, DMG Bātna) ist eine Stadt
im Nordosten Algeriens mit etwa 292.943 Einwohnern (Stand 2008). Sie liegt
in der gleichnamigen Provinz Batna, deren Hauptstadt sie ist. Rund 40
Kilometer östlich liegen die von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannten
Ruinen von Timgad. Die Stadt verfügt über eine Universität (Université de
Batna).« [Wikipedia.]

Batna Moschee
Die Stadt ist ein idealer Ort zum Einkaufen und
unsere Vorräte aufzufüllen. Aber es gibt ein Problem: Campinggas ist nicht
zu erhalten, auch nicht bei den dafür vorgesehenen Spezialgeschäften. Wie
wir später sehen werden, gilt das auch in den anderen Städten Algeriens.
Uns wurde berichtet, dass die Fabrik, die für private Zwecke Gas herstellt
und abfüllt durch einen Schaden ihren Betrieb eingestellt hat – man
vermutete Schlendrian und Unachtsamkeit während des Ramadan. Vielleicht
davon abhängig ist unsere Erfahrung der letzten Tage, dass Brot nicht zu
erhalten ist: die Bäcker backen fast überall mit Gasöfen, die mit
Gasflaschen versorgt werden. So haben wir erhebliche Versorgungsprobleme.
Schon auf der Hinfahrt wurden wir mit diesen
Gasproblemen kurz konfrontiert, was uns zunächst aber keine großen
Sorgen bereitete. In Batna kamen wir nur dadurch an ein paar frische
Baguetten, weil uns ein Lebensmittelhändler, der unsere Verzweiflung
spürte, von seinem Privatkontingent einige abgab.
Die anschließende Fahrt nach Biskra versetzte mich
vierzehn Jahre zurück: dies war die „Heimatroute“ zwischen Batna und
Biskra während unserer Kartierungen im Aurés. Beeindruckend ist diese Landschaft. Auch die
Gruppe fotografiert mehr als ursprünglich geplant. Besonders berührt die
großartige Durchfahrt durch die Schlucht von El Kantara mit der kleinen
Brücke über den Fluss. In der Schlucht von El Kantara machten wir –
wiederum – Mittag, einige badeten in dem kleinen See unter der alten
Brücke. Die eigentliche Oase mit dem Palmgarten liegt südlich von
dem Durchbruch. (Fotos El
Kantara, Talabschnitt. El
Kantara, Durchbruch von Norden.
El Kantara, Oase mit
Palmengarten.)
In Biskra dann ein halber Tag „Versorgungstrouble“ –
kein Gas, kein Brot, Wasser erst nach einiger Zeit. Dafür aber frische
Mineralwasserflaschen und Speiseeis. Gegen Ende des Tages essen wir dann
noch scharf gewürzte Grillwürste in Brot. (Fotos
Biskra. Passantin.
Biskra, Straßenszene.)
In der Dunkelheit finden wir dann noch freies Gelände
bei Ain Naga hinter Sidi Okba zum Campen und trinken zum versöhnenden
Abschluss noch etwas algerischen Rosé. Noch einige Informationen zu den
besuchten Orten: Ain Naga ist eine Stadt in der Provinz Biskra und hatte
beim Census von 1998 10.054 Einwohner. Die etwas größere Oase Sidi Okba
hat einen berühmten Namensgeber, was auch auf ihr hohes Alter hinweist.
Sidi Okba [Oqba Ibn Nafi Ibn Al Fihri oder Oqba Naafi (عقبة بن نافع)]
wurde 622 geboren und starb 683. Im Auftrage des Kalifen gelang Okba die
dauerhaften Besetzung des Fezzan und der Provinz Ifriqya mit deren
Regierung er 663 beauftragt wurde. Im Jahr 670 u.Z. wurde er vom Kalif der
Umayyaden in Damaskus
Muʿāwiya I. als Befehlshaber der aller muslimischen Armeen zur
Eroberung des westlichen Nordafrikas, des Maghreb, eingesetzt.
Anschließend gründete er sein Macht- und Regierungszentrum in Kairouan, wo
noch heute die Sidi-Okba-Moschee an ihn erinnert. Mit Unterstützung von
Berbern führte er Kriegszüge bis nach Tanger. Er starb während einer
Niederlage gegen die von Berberstämmen geführten Aufstände. Sein Grab
befindet sich im Zentrum der Stadt Sidi Okba bei Biskra in Algerien.
Di., 4.8.1981. Die
Oasengruppe um Biskra und Sidi Okba herum liefert noch interessante
Eindrücke in die Landschaft wie in die Oasenkultur. (Fotos
Biskra-Oasengruppe. Spinne.
Biskra-Oasengruppe. Polygoner
Trockenboden.
Biskra-Oasengruppe. Alter Ziehbrunnen.)
Dieser Tag führt uns dann von der Oasengruppe um Biskra um den Aurés herum bis
auf die Hochflächen von Khenchela. Die Straße von West nach Ost am Rande
der Sahara bietet immer wieder überraschende Einblicke in das Gelände.
Links erhebt sich in wechselndem Abstand der Abhang des Aurés-Gebirges,
aus dem immer wieder Trockenflüsse, Oueds, austreten, die – oft mit
gewagten Durchfahrten – die Straße queren und sich auf der rechten Seite
in der horizontweiten Ebene der Schotterflächen, Salztonflächen und
Sandgebieten der Sahara verlieren. (Foto Piste vor dem Gebirge.) Ein besonders beeindruckender Oued ist
der Oued el Zribet, der mehrere Meter eingetieft in einem kastenförmigen
Taleinschnitt sich nach Süden erstreckt. Auf dem Hochufer finden sich
Siedlung und Palmgarten der Stadt Zribet el Oued, die hier zentrale
Funktionen innehat. Im Oued selbst findet sich eine edaphische
Vegetationsverdichtung mit niedrigen Sträuchern, Büschen und Grasflächen,
durchsetzt von Artemisia als bestandbildender Steppenpflanze und
Tamarisken als typischer Vegetation für Sandgebiete. (Foto
Piste vor dem Gebirge.)
Diese Vegetation weist auf einen höheren
Grundwasserspiegel hin, der wohl jährlich gespeist wird von den
winterlichen Regenfällen im Gebirge und zeitweise der Schneeschmelze auf
den höheren Gipfeln im Frühjahr. Damit wird der kilometerbreite
Flussboden, der den größten Teil des Jahres trocken fällt, zum bevorzugten
Weidegebiet für die Schaf- und Ziegenherden vor allem auch der Nomaden und
Halbnomaden dieses Gebietes. Dies macht aber auch den alten Erfahrungssatz
verständlich, dass in der Wüste mehr Menschen ertrinken als verdursten:
kommt doch im Winter oder Frühling die Wasserflut aus dem Gebirge – die
gué – plötzlich und oft über Nacht in einer mehrere Meter hohen
Flutwelle und schwemmt Zelte und Herden fort…
Auf unserer Algerienreise 1967 stießen wir mit
unserem VW-Bus etwas weiter östlich vor dem Hang der Nemenchas auf einen
breiten Oued, in dem eine Gué kürzlich die in Beton gegossene
Straßendurchfahrt in einem Stück gedreht hatte, so dass sie in
Flussrichtung in der Mitte des Oueds lag. Den Hang herunter führten
provisorische Abfahrt-Spuren, die sich im Sand des Flusstales
auffächerten. Wir versuchten dieser Spur zu folgen, fanden aber zu unserem
Schrecken, dass es sich wohl um Spuren von Trucks oder Geländewagen
handelte, denen unser Bus nicht gewachsen war. So blieben wir im Sand
stecken und konnten uns auch nicht mit Schaufeln und Matten befreien.
Zudem kam dann noch ein stundenlanger Sandsturm auf… Wie wir wieder heraus
kamen lese man im Abschnitt
Im Sand stecken geblieben in unserem damaligen
Reisebericht.
Auf diesem Streckenabschnitt bietet sich die Chance,
die Grundzüge der Geomorphologie der (semi-)ariden Gebiete am konkreten
Beispiel zu erkunden, wie es die wissenschaftliche Aufgabe meiner ersten
Algerienreise 1967 für das Geographische Institut der Technischen
Universität Hannover mit Dr. Achenbach gewesen war. In den Abschnitten
Südaurés und
Sahara finden sich dazu Erläuterungen vom ersten Reisebericht.
Auffällig sind vor allem die steilen „Kef“-Bildungen am Gebirgsrand, die
steilwandigen kastenförmigen und oft sehr breiten Taleinschnitte der Oueds
im weicheren Material des Gebirgsvorlandes und die Staffelung der
Vorlandaufschüttungen, den „Glacis“, vor den Gebirgsrändern und auch noch
in den Taleinschnitten bis ins Gebirge hinein, an denen sich die
Klimaphasen in aufschüttungsaktive Feuchtzeiten (Pluviale, die Zeitlich
unseren europäischen Eiszeiten entsprechen) und in die Tiefenerosion
fördernde trockenere (und damit heißere) Zeiträume unterscheiden lassen.
Bei der Weiterfahrt kamen wir dann an eine der
pittoreskesten Oasen, Khanga Sidi Nadji, die sich im
Austrittsbereich des Oued el Arab am Osthang des Aurés bis in die
Schluchten am Gebirgsrand hinein erstreckt. Der Oued el Arab trennt den
Aurés im Westen von den Nemenchas im Osten und verbindet die Hochflächen
um Khenchela mit dem Sahara-Vorland, wobei er ein tiefes Talsystem bildet,
das mit Fahrzeugen nicht zu durchqueren ist.
Daher suchten wir uns auch
einen anderen befahrbaren Weg über Djellal und Beni Barbar, um nah
Khenchela zu gelangen. Dennoch sind auch hier noch die Pisten
abenteuerlich und ziehen einen Weg durch die tief eingegrabenen Schluchten
der Nemenche-Berge, die, im Gegensatz zum aufgefalteten Aurés, dicke, fast
waagrecht lagernde Kalkschichten aufweisen, die ideal sind, um stufenweise
Kefs und Steilhangtreppen zu bilden. (Fotos
Nemenchas. Taloase.
Nemenchas. Erosionslandschaft.
Nemenchas. Taleinschnitt.
Nemenchas. Fotohalt der Busse.
Nemenchas. Beni Barbar.
Nemenchas. Taleinschnitt bei
Beni Barbar. Nemenchas.
Gebirgsvegetation.)
Auf dem Weg dahin in einem in Serpentinen den Talhang entlang führenden Straßenabschnitt – besser wäre hier der Ausdruck
„Piste“ – konnten wir dann ein Gruppenfoto machen, das unser etwas
verwegenes Erscheinungsbild nach der langen Reise durch Wüsten und Steppen
zeigte:

Am Nachmittag kamen wir dann nach Khenchela, das auch
1967 unser Ziel war bei einer abenteuerlichen Fahrt auf dem Schotterbett
des Oued el Arab aufwärts – eigentlich für einen VW-Bus eine unmögliche
Strecke, die wir uns diesmal daher auch gespart haben. Khenchela, früher
auch Mascula (Arabisch خنشلة) ist die Hauptstadt der Provinz Khenchela (Wilaya),
im Nord-Osten Algeriens nördlich des Aurés Gebirges in 1200 m Höhe. Die
Stadt wird hauptsächlich vom Berberstamm der Chaouia
bewohnt.
Beim Einkaufen in der Stadtmitte blieb ich als Wache
zurück bei den beiden Bussen und war bald von einer Schar Kindern und
Jugendlicher umringt. Ich beging den Fehler, an der offenen Seitentür zu
sitzen, was ein Jugendlicher ausnutzte, um mit einem schnellen Griff eine
Kamera von der Rückbank zu stehlen.
Nach der Rückkehr der Gruppe verständigten wir die
Polizei, die nicht nur ein Protokoll aufnahm, sondern sofort mit der
„Befragung“ der „üblichen Verdächtigen“ begann und uns schockierte mit
ihrem brutalen Vorgehen, das aber sichtlich erfolglos blieb. (Foto
Khenchela am Abend.)
Mi., 5.8.1981.
Morgens ging es noch einmal verabredungsgemäß zur Polizei, um das
Protokoll abzuschließen. Übrigens – die Kamera tauschte doch wieder auf
und wurde dem Besitzer, als wir schon lange wieder in Hannover waren,
zugestellt. Durch die mehrfache Zeitverzögerung wird unser Terminplan dann
doch zu eng für die eigentlich geplante Rundreise durch den inneren Aurés,
der uns überwältigende Landschaftsbilder hätte bieten können, von denen
ich in Erinnerung an meine erste Algerienreise noch schwärmte. Wir
beschließen, jetzt direkt nach Algier zu fahren, um unsere Passagekarten
noch vor Montag abholen zu können.
In Batna verpflegen wir uns noch und fahren über den
Col de Telmet in Richtung Merouana. Wir befinden uns hier im nördlichen
Ausläufer des Aurés bzw. der Belezma-Berge. Dieses Gebiet ist berühmt für
seine fruchtbare Landwirtschaft und die Viehzucht vor allem von Schafen
und Ziegen. Es ist der nördliche Teil des Lebensraumes des Berberstammes
der Chaouia,
der sich weit in die großen Talsysteme des Aurés mit seinen
Oasenlandschaften hineinzieht. Die Chaouia sind zum größten Teil sesshaft,
aber ein Teil des Stammes betreibt die Viehzucht in Transhumanz, d.h. in
jahreszeitlich festgelegter Wechselweidewirtschaft.
Merouana in der Region Chaoui (in arabischer Sprache:
مروانة) ist eine Gemeinde der Provinz Batna in der Region Aurés und liegt
etwa 40 km nordwestlich von Batna. Merouana gilt als die „Perle der
Belezma“ und ist die Hauptstadt der Belezma-Region. Die Stadt hat eine
bewegte Geschichte. Nachdem sie in der Osmanischen Zeit nach Aufständen
wüst gefallen war wurde sie im Jahre 1909 durch die Europäer neu gegründet
und war ein militärischer Stützpunkt. Mehrere Aufstände richteten sich in
der Region – nach mündlicher Überlieferung zum Teil mit Hilfe benachbarter
Stämme – gegen die Kolonialherrschaft, besonders die Revolution des Ali
Musa 1916 in den M‘stawa-Bergen. Während der Krieg in Algerien 1954 und am
Vorabend der November-Massaker wurden mehrere Angriffe, etwa 30
Operationen, in der Region Aurés verübt einschließlich Merouana.
Weiter zu unserer Fahrt durch diese
geschichtsträchtige Region. Die von der Landschaft her sehenswerte
Auffahrt befindet sich teilweise im Ausbau und ist nur mit Mühe zu
befahren. Als wir über den Pass waren, stellte sich heraus, dass der Pass
sogar gesperrt und unbefahrbar war: Route barrée. Mit einem Umweg
weiter über die Hochflächen der Chotts. Eine weiträumige, monotone
Landschaft. An einem der Chotts machen wir noch Fotoaufnahmen.
Wir kommen durch Sétif und übernachten dann in einem
kleinen Waldstück hinter der Ortschaft.
»Sétif (arabisch سطيف, DMG
Saṭīf, auch Stif) ist
eine mittelgroße Universitätsstadt im nordöstlichen Algerien. Sie liegt
300 km östlich der Hauptstadt Algier und ist Hauptort der gleichnamigen
Provinz… Sétif und die benachbarten Orte Guelma und Kherrata waren am 8.
Mai 1945 Schauplatz der Massaker von Sétif mit einer nur schwer
anzugebenden Anzahl erschossener und hingerichteter Algerier – Schätzungen
schwanken zwischen 2000 und 45.000 –, die den in Milizen organisierten
Kolonisten und französischen Militärs in Antwort auf Forderungen nach
einer Beendigung der Kolonialherrschaft Frankreichs in Algerien zum Opfer
fielen. In heutiger Geschichtsschreibung wird in den Massakern der
Ausgangspunkt für den 1954 beginnenden Algerienkrieg gesehen.«
[Wikipedia.]
Do., 6.8.1981. Der
kleine Wald hinter Sétif war tatsächlich nur ein vereinzeltes
Landschaftsstück. Sofort geht es wieder auf die kahlen Hochflächen hinaus.
Erst am Biban-Atlas mit dem Eintritt in die Kabylei am nördlichen
Rand der Hochflächen wird die Landschaft interessanter. Von
Hammām el Biban aus fahren wir nach einer Mittagspause bei
drückend-schwülem Wetter über den Pass durch den Nationalpark
Djurdjura in Richtung Tizi Ouzou. Das Djurdjura-Gebirge ist
für den algerischen Tell-Atlas eine Besonderheit, da er mit Graten und
anderen morphologischen Besonderheiten als einziger Teil alpinen Charakter
trägt. Nach neuerer geomorphologischer Definition weist der alpine
Formenschatz auf glaziale Formungsprozesse zumindest in der letzten
Eiszeit hin. So ist dies ein Indiz dafür, dass dieser höchste Teil des
Tell-Atlas nicht nur „Pluviale“,
Feuchtzeiten, sondern Vereisungen in „Glazialen“
durchgemacht hat.

Die Djurdjura-Kette mit Berberdörfern (Wikipedia
GNU Free Documentation License).
Auf der Passhöhe nehmen wir einen Anhalter mit, der
uns leider völlig in die Irre und von unserem eigentlichen Ziel weg führt
– um zu seinem Heimatort zu gelangen, wie wir dann merken – so dass wir
nicht auf dem direkten Weg iun die Kabylei und ihre Hauptstadt Tizi Ouzou
gelangen, sondern durch die Bergnester quer zum zweiten Pass geführt
werden. Das Benzin wurde auch schon knapp. Und eine Tüte von Birnen, die
wir uns besorgten, war von Raupen oder Maden zerfressenes Obst, das wir
schnell wieder ausspuckten. (Fotos
Tellatlas. Rast.
Tellatlas, Gebirgspiste.
Tellatlas, Wasserstelle.
Tellatlas, Rinderherde.)
Wir kamen dann nach Ain el Hammām und
versuchten uns zu versorgen. Aber hier gab es keine Tankstelle – aber Brot
und andere Lebensmittel. Unser Anhalter stieg hier aus – mit
freundlichsten Dankeswünschen und Segnungen! Ain El Hammām (Arabisch عين
الحمام, früher Michelet) ist eine Ortschaft im Bezirk Tizi Ouzou in der
Kabylei, etwa 45 km südöstlich von Tizi Ouzou und 95 km nordöstlich von
Bouira gelegen.
Einige Kilometer weiter führte uns eine Seitenstraße
zu einem Aussichtspunkt, auf dem wir noch die unkenntlich gemachten Reste
eines französischen Denkmals erkennen können. Hier – mit Rundblick über
die Kabylei – steht schon ein Campingbus mit einigen Wiener Touristen.
Abends hatten wir dann noch Besuch von zwei Algerien,
die uns ihre Leidensgeschichte – psychische Erkrankung – erzählten. Aber
wir verbrachten unsere Nacht am Rande dieses Aussichtspunktes.
Fr., 7.8.1981.
Morgens fahren wir von unserem „Aussichtspunkt“ hinter Ain el
Hammām weiter durch die Kabylei auf der Route National durch endlose
Serpentinen und Hangkurven. Die Berglage („Akropolislage“) der
Kabylendörfer wird hier augenfällig. Oft auf langgestreckten
Gebirgsspornen auf dem Kamm gelegen, mit dem umgebenden Gestein fast eine
Einheit bildend, sind diese Dörfer selten durch Straßen und meist nur
durch Eselspfade am Hang zu erreichen. Es ist eine typische Schutzlage –
einmal gegen die Naturgewalten, vor allem die kräftigen, wilden Fluten in
den als Torrenten ausgebildeten Tälern, und auch gegenüber feindlicher
Eroberung, der die Kabylen über viele Jahrhunderte immer wieder ausgesetzt
waren.
»Die Kabylei (kabylisch Tamurt n Iqbayliyen,
arabisch منطقة القبائل, DMG
Minṭaqat al-Qabāʾil ‚Gegend der
Volksstämme‘) ist die Region in Algerien, in der die Mehrheit der
Bevölkerung der Kabylen die Berbersprache Kabylisch spricht. Es sind aber
auch die Namen Tamurt Idurar (Land der Berge) oder Tamurt Leqbayel (Land
der Kabylen) gebräuchlich, vor allem in der dort lebenden Bevölkerung.
Zentren der Kabylei sind die küstennahen Städte Tizi Ouzou und Bejaia
östlich von Algier« [Wikipedia].
Während der arabisch-islamischen Eroberung im siebten
Jahrhundert seit der Regierungszeit des Kalifen
Muʿāwiya entbrannte ein Machtkampf zwischen den arabischen Eroberern
und der berberischen Bevölkerung.
In einem Textzitat über das maurische Spanien
wir deutlich, dass die Rivalität zwischen Arabern und Berbern – obwohl
beide dem muslimischen Glauben angehörten – sich bis in die eroberten
Gebiete auf der spanischen Halbinsel fortsetzten. Die späteren Dynastien
in Al-Andalus wie im Maghreb –
Almoraviden und Almohaden (1088–1232) und später Nasriden (1237–1492)
– waren größtenteils berberischer Abstammung.
»In der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts dominieren
die Stammesunterschiede – und dieser Umstand wird noch lange andauern und
sich noch durch den Zuzug aus Syrien und Nordafrika verstärken. Im
Südosten hatten die Araber eine starke Stellung; ihr Reichtum, ihr
Zusammenhalt, ihr Überlegenheitsgefühl bereiteten dem Emir häufig nicht
geringe Schwierigkeiten. Von wenigen Tausend zum Zeitpunkt der Eroberung
wuchs ihre Anzahl mit den Syrern Abd ar Rahmans sowie über eheliche
Verbindungen mit Frauen der einheimischen Bevölkerung. Die Berber jedoch
waren viel gefährlicher, weil sie in einem unablässigen Strom
einwanderten. Zahlreich unter ihnen waren die marokkanischen Berber; sie
ließen sich vornehmlich, wie sie es aus ihrem Ursprungsland gewohnt waren,
in den Gebirgsregionen nieder und betätigten sich in alter Weise als
Ackerbauer und Viehzüchter. Mit innerem Zusammenhalt und einem starken
Unabhängigkeitswillen ausgestattet, sollte es einige Zeit dauern, bis sie
sich assimiliert hatten. Auch stellten sie das am schwierigsten zu
beherrschende Bevölkerungselement dar«
Die
Reconquista und damit der Verlust der iberischen Halbinsel für den
arabisch-islamischen Herrschaftsbereich und später in zwei Phasen die
Machtexpansion des Osmanischen Reiches und dann die kolonialen
Eroberungen der europäischen Staaten beendeten die Einflussmöglichkeiten
der berberischen Stämme. Im antikolonialen Kampf vor allem gegen die
französische Kolonialmacht,
von dem schon mehrfach in diesem Reisebericht die Rede war, spielte die
Berber z.B. bei den Kämpfen in der Kabylei und im Aurés eine große Rolle,
doch die Führungsebene bestand aus städtischen Arabern. Nach den
Verträgen von Évian – die Verträge von Évian (französisch Les
accords d’Évian) wurden am 18. März 1962 in Évian-les-Bains unterzeichnet.
Unterzeichner waren Frankreich und die algerische
Front de Libération Nationale (FLN) – bildete sich der unabhängige
Staat Algerien, in dem das Militär – zunächst unter Ben Bella, der
die kämpfenden Truppen der FLN im Lande repräsentierte, dann unter
Houari Boumedienne von der Exilregierung der FLN in Tunis – den
beherrschenden politischen Einfluß erhielt. Die „alten Kämpfer“ (,,El
Moudiahid“) repräsentierten die arabische Führungsklasse mit allen
Privilegien, die sich von der übrigen, vor allem der ländlichen
Bevölkerung und den nicht-arabischsprachigen Gruppen abschottete. Es
führte immer wieder zu Unruhen und zu – oft brutal niedergeschlagenem –
politische Protest vor allem der Kabylen, die sich von der ökonomischen
Entwicklung und politischen Teilhabe am neuen Staat ausgeschlossen sahen.
»Die Kabylei ist eine der Regionen, in der sich ein
Großteil der Bevölkerung gegen den islamischen Fundamentalismus stellt. In
den letzten Jahren ist es vielfach zu Übertritten zum Christentum
gekommen. Die Kabylei zählt zu den ärmsten Gebieten in Algerien. Der Boden
ist steinig und meist sehr trocken und die bäuerliche Arbeit wenig
ertragreich, jedoch gibt es kaum wirtschaftliche Alternativen. Hier drängt
sich die Bevölkerung mit der höchsten Dichte im ganzen Land. Die
Arbeitslosigkeit ist erdrückend, und die Regierung ändert daran wenig. Die
meisten, die eine bessere Zukunft wollen, wandern hauptsächlich nach
Europa (meist Frankreich) oder nach Kanada aus.«
[Wikipedia].

Panorama von Tizi Ouzou (Wikipedia GNU Free
Documentation License).
Wir fahren dann in das städtische Zentrum der Kabylei
nach Tizi Ouzou, ohne uns dort länger aufzuhalten. In Larbaâ
Nath Irathen – in der Kabylei, einer Stadt in der Provinz Tizi Ouzou,
in französischer Zeit als „Fort National“ bekannt (mit 28.000 Einwohnern
2001) – erhalten wir – endlich! – Benzin! Es wurde auch höchste
Zeit.
Die Fahrt auf der Route Nationale von Tizi Ouzou nach
Algier ist im Prinzip problemlos, wenn uns nicht ein aus unserer Sicht
völlig unmotivierter Stau eine Stunde lang aufgehalten hätte. In Algier
trafen wir dann auf Feiertagsruhe: SNCM (Société Nationale Maritime Corse
Méditerranée) und Post sind geschlossen. Etwas einzukaufen gelingt uns
noch, aber dann geht es raus aus der Stadt. (Fotos
Algier, Hafenfront.
Küste westlich von Algier.)
Die Gruppe beschließt in der Hoffnung auf
Badevergnügen eine Fahrt weiter an der Küste entlang zu Camping- und
Bademöglichkeiten bei Sidi Ferrouch
– an dem trostlos-verlassenen Sandstrand einer unfertigen Ferienkolonie.
Und siehe da: Freitags ein enormer Andrang, so viele Autos, dass kaum noch
ein Parkplatz zu finden ist – Pro Wagen kostet es einen Eintritt von 10
DA.
Abends aber verliert sich die Menschenmenge und das
Gebiet ist einsam wie ehr und je. Da es sehr spät geworden ist, bleibt uns
nichts anderes übrig, als hier zu übernachten. Einige gehen an den Strand
und machen ein Lagerfeuer. Ein paar junge Algerier stoßen dazu und die
Unterhaltung geht bis tief in die Nacht. Auch der Rest der Gruppe findet
keine Ruhe, da es hier Unmengen von Fliegen und Stechmücken gibt. Auch
Saschas Antimückenspray verleiht nur bis gegen drei Uhr nachts eine
gewisse Ruhe. Später ziehe ich zu Hans-Jürgen in den Bus um.
Sa., 8.8.1981.
Morgens ein sehr langsames Aufstehen – nach dem Abend und der Nacht! Die
Summe der Schlafdefizite ist erheblich. Einzige Hoffnung: Nie wieder Sidi
Ferrouch. Diejenigen, die am Abend am Strandfeuer noch Gespräche geführt
haben, sind da natürlich anderer Meinung. Meine Magenschmerzen haben sich
auch nicht gebessert.
Gegen halb elf sind wir dann in Algier. Joachim
tauscht noch einmal 180,- DM in algerische Dinar ein, was mit
algerisch-bürokratischen Schwierigkeiten verbunden ist, da der
Schalterbeamte bis zu einer Anweisung des Direktors seinen Schalter
geschlossen hielt. (Fotos Algier, Hafenfront. Küste westlich von Algier.)
Jürgen, Hans-Jürgen und ich gehen zum Büro der SNCM,
die eigentlichen Schifffahrtskarten zu holen, da wir bisher nur die
Bestätigung der Buchung in der Hand hielten. Dort gibt zu unserer großen
Verwunderung die Anweisung, zur algerischen CNAN [heute: Compagnie de
Navigation Algerie Ferries]
zu gehen.
Ich gehe derweil zur Hauptpost und hole liebe Briefe
von zuhause ab (poste restante). Gottseidank ist dort alles in Ordnung und
mir fällt ein Stein vom Herzen.
Bei der CNAN haben Hans-Jürgen und Jürgen jedoch
Schwierigkeiten. Menschenmassen belagern das Reisebüro und nur durch
Nebeneingang und Intervention beim Direktor wird der zuständige
Sachbearbeiter gefunden: Zwischen 16 und 17 Uhr zum Abholen kommen!
Die lange Zwischenzeit wird mit Essengehen und
Einkaufen und „Dösen“ herumgebracht. Dann um 16 Uhr: Beginn eines
zweistündigen Schlangestehens für Hans-Jürgen; aber dann haben wir die
Papiere.
Aber es folgt eine neue Schwierigkeit: Die Lenkung
des Busses macht Probleme; Langsamfahrt ist angesagt. So fahren wir
langsam nach Tipasa. Überraschung: Der Campingplatz ist nahezu überfüllt;
nur mit Suchen finden wir noch einen Platz für die beiden letzten Nächte
in Algerien.
»Tipasa (arabisch ولاية تيبازة, Tibaza, früher
Tefessedt, chenoua: Basar) ist eine Stadt an der algerischen Küste mit
8.049 Einwohnern (Stand 1. Januar 2007). Sie ist Hauptstadt der
gleichnamigen Provinz und liegt rund 50 Kilometer westlich von Algier. Die
moderne Stadt, gegründet 1857, ist hauptsächlich wegen ihrer schönen Lage
und sandigen Küste bekannt… Tipasa wurde von den Phöniziern gegründet und
von den Römern unter Kaiser Claudius zur römischen Militärkolonie, später
wurde sie zum municipium. Die Stadt war wirtschaftlich von beträchtlicher
Bedeutung. Das Christentum wurde bereits früh eingeführt und im 3.
Jahrhundert war Tipasa Bischofssitz. Die meisten Bewohner waren jedoch
weiterhin keine Christen, bis - nach der Legende - im 4. Jahrhundert St.
Salsa, ein christliches Mädchen, den Kopf ihres Schlangen-Idols ins Meer
warf, worauf die wütende Bevölkerung sie steinigte. Ihr Körper, auf
wundersame Weise vom Meer zurückgegeben, wurde auf dem Hügel über dem
Hafen in einer kleinen Kapelle, die später durch die Basilika ersetzt
wurde, begraben. 484 schickte der Vandalenkönig Hunerich einen arianischen
Bischof nach Tipasa; darauf floh ein großer Teil der Bewohner nach
Spanien, viele der Verbleibenden wurden grausam verfolgt. Danach
verschwindet die Stadt aus der Geschichte, und die später vorherrschenden
Araber scheinen sich hier nicht angesiedelt zu haben. 1857 wurde die
moderne Stadt Tipasa gegründet« [Wikipedia].
So., 9.8.1981. Erholungstag auf
dem Campingplatz von Tipasa. Zu berichten gibt es hier eigentlich nichts.
(Fotos Auf dem Campingplatz
Tipasa. Auf dem
Campingplatz Tipasa. Packen.)
Mo., 10.08.1981. Am nächsten Tag geht es zum Hafen. Die „Liberté“ ist
unser Schiff, auf das wir nach längerer Abfertigung fahren können. Mittags
hatten wir Kaffee in Algier getrunken, ehe wir um Viertel vor eins zur
Zollabfertigung im Hafen erscheinen. Diese dauert bis 15:15 Uhr; gegen
15:50 folgt dann das Ablegen der Liberté.
Liberté.
Foto: Rosanvallon / SNCM 1998
Liberté
Ferry liner
Built by ‘Chantiers Dubigeon-Normandie’ in Nantes
Delivered in June 1980
Launched by : Mme Jacqueline FRANCOIS PONCET
Length : 164 m
Width : 21,90 m
Power : 23400 HP
Gross tonnage : 13511 tons
Speed : 21,5 knots
Passenger capacity : 1600 people
Garage capacity : 500 cars
http://www.frenchlines.com/histoire/histoire_sncm_navires_en.php
Nach der Abfahrt können wir noch den letzten Blick
auf den Hafen von Algier werfen und einen Rundblick auf das Mittelmeer
genießen. Dann verbringen wir die Nacht an Bord. Die enge Kabine
ist mir zeitweise zu eng und stickig, so dass ich mich im Laufe der Nacht
auf den Gang begab und auf der Treppe sitzend ein halbes Nickerchen
absolvierte. In der Dunkelheit war natürlich auch auf dem Meer nichts
weiter zu sehen. (Fotos
Zollabfertigung in Algier.
Die »Liberté«. »Liberté«:
An der Reling. »Liberté«:
Blick zurück. »Liberté«:
Mittelmeer.)
Mittags Land in Sicht. Wir kommen in Marseilles an und gehen
etwa 13:40 von
Bord. (Fotos
»Liberté«: Einfahrt nach
Marseilles.
»Liberté«: Ausborden.)
Die Pass- und Zollabfertigung ist hier weniger umständlich, so dass wir
bald den Rückweg beginnen können.. Hier ist wiederum nicht viel zu
berichten, da wir auf den Hauptstraßen und Autobahnen bleiben und am Abend
Lyon (21:15) durchqueren. Die Nacht geht in Wechselschicht von Fahren -
und einer Pause gegen 1:20) - und während der Fahrt Schlafen in
Nordfrankreich vorüber, so dass wir am frühen Morgen die Europabrücke bei
Kehl überqueren (5:05) und auf der rechtsrheinischen Seite auf der
Autobahnraststätte Mahlberg um 6:45 eine längere Pause einlegen können mit
Erfrischung und Frühstück. Als wir 9:10 Bruchsal auf der Autobahn queren,
hält uns auf unserer Heimfahrt nichts mehr auf.
Im Laufe des Tages kommen wir dann in unserer Heimat
an und erreichen in Laatzen der Parkplatz des "Leine Einkaufszentrums",
unserem vereinbarten Treffpunkt, um 17:40. Dort werden wir von den
Familien stürmisch begrüßt. (Fotos
Zurück in Hannover / Laatzen.
Begrüßung in Laatzen.)
Es war eine ereignisreiche, aber auch anstrengende
Fahrt, auf der wir viel sehen und lernen konnten und die uns allen in
fester Erinnerung bleiben wird.
Erinnerungen von Gerhard Voigt, Mai 2012
Anmerkungen
Clot, André, 2010: Das maurische Spanien. 800 Jahre
islamische Hochkultur in Al Andalus. Aus dem Französischen von
Harald Ehrhardt. Mannheim (Patmos Verlag / Albatros Verlag.
Originalausgabe 2002 Patmos Verlag / Artemis & Winkler, Düsseldorf und
Zürich. – Frz.: L’Espagne musulmane. VIIIe-XVe
siècle. 1999 Libraire Académique Perrin.)
Rushdie, Salman, 1996: Des Mauren letzter Seufzer
(Roman). Übersetzung: Gisela Stege. Kindler Verlag, Reinbek.
Rowohlt. Taschenbuch, Reinbek 2006. –
Originalausgabe: The Moor's Last Sigh. Verlag Jonathan Cape, London
1995
Hackensberger, Alfred, 2008: Geschützt, verdrängt,
geduldet. Jüdisches Leben in islamischen Ländern – eine gefährdete
Tradition. 25. Februar 2008. NZZonline. Neue Zürcher Zeitung AG.
Halm, Heinz, 1992: Nachrichten zu Bauten der Aġlabiden
und Fatimiden in Libyen und Tunesien. In: Die Welt des Orients (WdO)
23, S. 129–157, hier S. 130.
Hunke, Sigrid, 1965: Allahs Sonne über dem Abendland.
Unser arabisches Erbe. Frankfurt/M. (Fischer Taschenbuch Verlag
643). – Hunke, Siegrid, 1976: Kamele auf dem Kaisermantel.
Deutsch-arabische Begegnungen seit Karl dem Großen. Frankfurt am
Main (Fischer Taschenbuch Verlag).
Nach http://www.kidsnet.at/Sachunterricht/minne.htm
»Hafes (* um 1320 in Schiraz, Iran; † um 1389 ebenda;
persische Aussprache: Hāfez, arabische Aussprache: Hāfiz ) ist einer
der bekanntesten persischen Dichter. Andere Schreibweisen: Hafis,
Hafiz. Sein voller Name Ḫāǧe Šams ad-Dīn Moḥammad Ḥāfeẓ-e Šīrāzī (auch:
Muḥammad Šams ad-Dīn) (persisch خواجه شمسالدین محمد حافظ
شیرازی) beinhaltet auch den Namen seiner Geburtsstadt Schiraz. Da
Hafes schon im Kindesalter den gesamten Koran auswendig gelernt hatte,
erhielt er den Ehrennamen „Hafes“ (jener der den Koran auswendig
kann). Auch er selbst verwendete in seinen Gedichten fast
ausschließlich den Namen Hafes.« [Wikipedia: Hafes.]
http://www.marokko.net/info/staedte/html/meknes.html
»Eine Tekke (osmanisch تكيه tekke, tekye; bosnisch tekija;
albanisch teqe; arabisch زاوية zāwiya; persisch درگاه dargāh bzw.
خانگاه chānegāh, aus letzterem auch transkribiert Khanqah, Khaniqah
oder Khanqa; pl. die Tekken) ist ein Zentrum einer Sufi-Bruderschaft
(Derwisch-Orden, bzw. tariqa) und bedeutet so viel wie „Rückzugsort“,
„Schutz“ und „Asyl“. Seltener ist von einem Konvent die Rede, denn man
kann eine Tekke nicht mit der christlichen Vorstellung eines Klosters
vergleichen.« [Wikipedia.]
http://www.maghrib.ch/kultur/57-geschichte/306-die-idrisiden-789-974
Der Ramadan beginnt am Freitag, 03.07.1981 (1.9.1401 H) bis 2.8.1981
`(30.9.1401 H) Īdu l-Fiṭr / Ramazan Bayramı
Ausführungen nach Wikipedia.
Stefano Bianca: [Dr. sc. Techn., Dipl. Arch. ETH] geb. 1941 in
Lissabon. Direktor an der Aga Khan Kulturstiftung in Genf (Aga Khan
Trust for Culture). – Arbeitsschwerpunkte: seit 1992 verantwortlich
für die Restaurierungs- und Stadterhaltungsprojekte der Stiftung in
Pakistan, Ägypten, Zanzibar, Bosnien, Syrien und Uzbekistan; von
1975-1992 freischaffender Architekt und Urbanist, Leitung von mehreren
Stadterhaltungs- und Stadterneuerungsprojekten in Fes, Aleppo,
Baghdad, Medina, Riyadh und Sana´a; außer der praktischen
Berufstätigkeit Forschungsprojekte zur islamischen Architektur,
Lehrtätigkeit und Vorlesungen, u. a. an der ETH Zürich und am MIT in
Cambridge. 1972: Silbermedaille der ETH für außergewöhnliche
Dissertation, British Airways ‘Tourism for Tomorrow’ Global Award 2000
für Projekte in Hunza (Pakistan).
Bianca, Stefano, 1975: Architektur und Lebensform im
islamischen Stadtwesen. Zürich, Verlag für Architektur Artemis. -
Bianca, Stefano, 2001: Hofhaus und Paradiesgarten.
Sonderausgabe. Architektur und Lebensformen in der islamischen Welt.
München, C.H.Beck.
Khalid Durân, Devlet, 1982: Das ist mein Islam. Wir rufen –
Gott antwortet. Hamburg. E. B. Verlag Rissen.
Kompiliert nach Wikipedia: Aïn El Turk (englisch).
Bouzghaia (Chlef) 22.590 Einw. [2008], +1.11%/Jahr [1998 → 2008]. 139
km² = 162,5 Einw./km² [http://www.citypopulation.de/php/algeria-admin_d.php?adm2id=0231
]
nach Wikipedia [Ech Cheliff]. Ergänzung: » Ech Cheliff (auch
Ech-Cheliff, El-Asnam, El Asnam, früher frz. Orléansville; arabisch
الشلف asch-Schalif, DMG aš-Šalif oder الأصنام al-Asnām, DMG
al-Aṣnām) ist eine Stadt im Norden Algeriens mit etwa 235.000 (2005)
Einwohnern. Sie liegt in der Provinz Chlef, deren Hauptstadt sie ist.
Die Universitätsstadt bildet das Zentrum einer reichen Region, in der
intensiv Landwirtschaft betrieben wird.«
Eine interessante Nebenbemerkung: »Schlacht um Algier (Originaltitel:
La Battiglia di Algeri) ist ein Film des italienischen Regisseurs und
Journalisten Gillo Pontecorvo. Der 1966 gedrehte Schwarzweißfilm
thematisiert eine Episode des algerischen Unabhängigkeitskrieges gegen
Frankreich der Jahre 1954 bis 1962. Als Schlacht von Algier gelten die
Ereignisse zwischen Januar und Oktober 1957, als die französische
Armee und die algerisch-nationalistische Rebellenorganisation FLN in
der Hauptstadt Algier aufeinander trafen. In seiner realistischen
Darstellung steht der Film in der Tradition des italienischen
Neorealismus« [Wikipedia].
»Juba II. (* ca. 50 v. Chr; † 23 n. Chr.) war König von Mauretanien
von 25 v. Chr bis 23 n. Chr. Juba wurde als Sohn des Königs Juba I.
von Numidien geboren. Nach der Niederlage seines Vaters in der
Schlacht bei Thapsus (46 v. Chr.) gegen Gaius Iulius Caesar wuchs er
in Rom auf, wo er eine gute Erziehung erhielt. Er wurde von Augustus,
nach Verleihung des römischen Bürgerrechts, als Herrscher im
Königreich Mauretanien eingesetzt (25 v. Chr.). Hier förderte Juba,
der hochgebildet war, die hellenistische Kultur durch die Gründung von
Städten.« [Wikipedia]
Hermann Achenbach, 1979: Klimagebundene Risikostufen der
Ertragsbildung und räumliche Standortdifferenzierung der
Landwirtschaft im Maghreb. Erdkunde, Bd. 33, H. 4 (Dec., 1979),
pp. 275-281. und andere Fundstellen. – Vgl. auch: Konrad
Schliephake, 1972: Die ländliche Wasserversorgung in
Nordafrika. Probleme und Zukunft der landwirtschaftlichen
Bewässerung. Africa Spectrum, Vol. 7, No. 2, 1972
nach Wikipedia.
»Die Ibaditen (arabisch الإباضية, DMG
al-ibāḍīya) sind der einzig
übrig gebliebene Zweig der Charidschiten, einer frühen
Glaubensrichtung des Islams, und folgen einer eigenen, von Dschabir
ibn Zaid gegründeten Rechtsschule (madhhab). Einer ihrer Führer war
Abdallah ibn Ibad, der auch als Namensgeber diente. Die meisten
Ibaditen leben heute im Oman. Der Oman ist das einzige Land, in dem
sie, mit 75%, die Mehrheit der Bevölkerung bilden. Außerdem gibt es
noch kleinere Gemeinschaften in Nord- und Westafrika, die
Djerba-Ibaditen in Tunesien, die Djebel-Nafusa-Ibaditen und
Zuwara-Ibaditen in Libyen und die Sansibar-Ibaditen in Tansania.«
[Wikipedia.]
Der M’Zab oder Mzab, (Tumzabt Aghlan, Arabic: مزاب), ist eine Region
in der nördlichen Sahara in der Provinz Ghardaia mit etwa
360,000 Einwohnern (2005). 1982 wurde Ghardaia in die Liste
des Weltkulturerbes der UNESCO aufgenommen.
Dornen und Steine wurde von Jooschen Engelke und Tejo (=
Walter Scherf) verfasst[6], die für viele Lieder, die in der Faktur
auf – oft ausländische – Volksliedtraditionen zurückgreifen, hier auf
einen montenegrinischen Text. Aus: Weiße Straßen, Lieder der Großfahrt
(Walter Scherf, Heinz Schwarz), Junge Welt Opladen 1951. Hier (leicht
modifiziert, wie wir es gesungen haben) zitiert nach „Der Turn“,
Dritter Teil, hg. Konrad Schilling. Voggenreiter Verlag, Bad Godesberg
31957; Nr. 209.
kompiliert aus „Wikipedia“.
Habib Bourguiba (arabisch الحبيب بورقيبة
al-Ḥabīb Bū Ruqaiba,
Tunesisch-Arabisch Ḥabīb Būrgība); (* 3. August 1903 in Monastir; † 6.
April 2000 ebenda) war zwischen 1957 und 1987 der erste Präsident der
Tunesischen Republik. – 1987 wurde Bourguiba „aus Altersgründen“ von
Zine el-Abidine Ben Ali abgesetzt und unter Hausarrest gestellt. Ben
Ali verlor dann 2011 seinen Posten, den er mit diktatorischer Gewalt
ausgeübt hatte, im so genannten „arabischen Frühling“ in einer
weitgehend friedlichen Revolution.
Hermann Achenbach: Die Halbinsel Cap Bon. Hannover 1963.
Jahrbücher der Geographischen Gesellschaft Hannover.
Im Jahr 2010 zählte Oued Zenati 55.000 Einwohner.
Ain M'lila (icht anyidh anyidh in Chaoui , عين مليلة in Arabisch ),
ist ein Kommune im Regierungsbezirk Oum-El-Bouaghi und befindet sich
43 km südlich von Constantine, 70 km nordöstlich von Batna, mit 190
000 Einwohnern (2010). [Wikipedia.]
Pluvialzeit:
von E. Hull (1884) geprägter Begriff für niederschlagsreiche Zeiten im
meditarranenen bis tropischen Bereich während des Pleistozäns. Die
früher vorgenommene Parallelisierung mit kaltklimatischen Phasen der
höheren Breiten ist aufgrund neuerer Datierungen nicht allgemein
gültig, da die Pluviale teilweise mit warmen, teilweise mit kalten
Perioden korrelieren. Die zwischen den Pluvialen liegenden
Klimaperioden werden als Interfluviale bezeichnet.
Literaturhinweis vgl. Fußnote 1.
– Auch das
Kalifat wurde im Zusammenhang mit Sidi Okba von uns schon erwähnt.
»Als Mauren (abgeleitet von der röm. Provinz Mauretanien bzw. dem
Königreich Mauretanien, wiederum abgeleitet vom Griechischen mauros
bzw. amauros, „dunkel“; metaphorisch: „dunkelhäutig“) werden all jene
in Nordafrika als Nomaden lebenden Berberstämme verstanden, die im 7.
Jahrhundert von den Arabern islamisiert wurden und diese bei ihrer
Eroberung der Iberischen Halbinsel als kämpfende Truppe unterstützten.
Doch damit ist keine homogene Volksgruppe gemeint. Die Truppen, die
als erste auf das europäische Festland vordrangen, bestanden nur zur
Minderheit aus Arabern. Der größte Teil der Truppen bestand aus
Berbern, die aus dem Atlas-Gebirge im heutigen Marokko kamen«
[Wikipedia].
Literatur, Quelle vgl. Fußnote 1.,
S. 49 f.
Vgl. dazu die ausführliche Darstellung in Elsenhans, Hartmut,
1972: Frankreichs Algerienkrieg 1954-1962. Entkolonisierungsversuch
einer kapitalistischen Metropole. Zum Zusammenbruch der Kolonialreiche.
München (Carl Hanser).
Sidi Ferrouch ist der kolonialzeitlich Name der heutigen Stadt Sidi
Fredj, einer Küstenstadt in der Provinz Algier. Die Halbinsel Staouéli
war der Landungsort der Franzosen bei der Invasion in Algier 1830.
Freitag, 03.07.1981: Abfahrt und Fahrt bis Nordfrankreich
Samstag, 04.07.1981: Frankreich – Nancy, Lyon
Sonntag, 05.07.1981: Rhônetal und Fahrt über die spanische Grenze bis
zur Costa brava
Montag, 06.07.1981: Barcelona
Dienstag, 07.07.1981: Küstenstraße von Tarragona bis Alicante
Mittwoch, 08.07.1981: Fahrt nach Granada
Donnerstag, 09.07.1981: Alhambra und Generalife
Freitag, 10.07.1981: Costa del Sol, Camping „Calazul“: Zelteinbruch.
Schiffspassage nach Ceuta. Tanger
Samstag, 11.07.1981: Tanger, „Höhlen des Herkules“, Ksar el Kebir
Sonntag, 12.07.1981: Casablanca
Montag, 13.07.1981: Rabat
Dienstag, 14.07.1981: Deutsche Botschaft in Rabat. Fahrt nach Meknès
Mittwoch, 15.07.1981: Moulay Idris. Volubilis
Donnerstag, 16.07.1981: Fez
Freitag, 17.07.1981: Lebensmittelvergiftung. Oujda
Samstag, 18.07.1981: Grenzübergang nach Algerien. Aïn El Turk
Sonntag, 19.07.1981: Oran. Mers-el-Kébir
Montag, 20.07.1981: Küstenstrecke. Erdbebengebiet von al-Asnām
Dienstag, 21.07.1981: Algier
Mittwoch, 22.07.1981: Campingplatz Tipasa
Donnerstag, 23.07.1981: Algier: Besuch in der Deutschen Botschaft
Freitag, 24.07.1981: Bou Saada
Samstag, 25.07.1981: Von Biskra zu den Rhir-Oasen
Sonntag, 26.07.1981: Touggourt, El Oued
Montag, 27.07.1981: Grenzübergang nach Tunesien in Bou Chebkha
Dienstag, 28.07.1981: Sbeitla und Kairouan
Mittwoch, 29.07.1981: Sousse
Donnerstag, 30.07.1981: Tunis, Karthago
Freitag, 31.07.1981: Deutsche Botschaft in Tunis. Dougga
Samstag, 01.08.1981: El Kef. Grenzübergang nach Algerien bei Souk
Ahras
Sonntag, 02.08.1981: Constantine
Montag, 03.08.1981: Batna. Biskra
Dienstag, 04.08.1981: Zribet el Oued. Khanga Sidi Nadji. Djellal.
Khenchela
Mittwoch, 05.08.1981: Batna. Merouana. Sétif
Donnerstag, 06.08.1981: Kabylei. Djurdjura-Gebirge
Freitag, 07.08.1981: Über Algier nach Sidi Ferrouch
Samstag, 08.08.1981: Algier. Passage gebucht. Übernachtung in Tipasa
Sonntag, 09.08.1981: Tipasa – Anschließend Rückfahrt von Algier aus
Nordafrikafahrt: Tagebuch
Sommer 1981
Der Plan
Hinfahrt durch Frankreich und Spanien
Abschied von Spanien mit Schrecken – und Überfahrt
nach Ceuta
Marokkos Norden: Von Tanger nach Rabat
Casablanca und Rabat
Auf der Straße der Königsstädte nach Osten
Vergiftung und Grenze
Zur algerischen Mittelmeerküste
Einige Überlegungen zum Reiseziel Algerien
An der Küste nach Algier
Von Biskra in die Wüste
In Tunesien
Zum Grenzübergang nach Algerien bei Souk Ahras
Die Südaurés-Tour
Von Khenchela zurück nach Algier
Die Rückfahrt
Tagebuch
Dokument Information
Nach dem Reisetagebuch von Gerhard Voigt 1981
umgeschrieben und ergänzt. Mit Bildern versehen unter beigefügtem
Fotoalbum mit Fotos des Reiseteilnehmers Jürgen Asche Mai 2012.
Weitere Berichte siehe
in den Notizen zu einer Autobiographie: Notizen und
Skizzen zu einer Autobiographie: Die
Wahl des Studienfaches Geographie
Die Bestimmung des
Geographen:
Der Weg durch Wüsten und Kontinente
Studienbeginn und Vorbereitung der Algerienreise 1967 des Geographischen
Instituts der Technischen Hochschule Hannover mit Dr. Achenbach als Anlass
zur Reflexion über vierzig Jahre Geographie
Fotoalbum
Nordafrika
(Vorläufiges Album 1967/1981)
Notizen und Skizzen zu einer Autobiographie: Die
Algerienreise 1967
Teilnahme an einer Forschungsreise nach Algerien mit dem Dozenten Dr.
Achenbach im Auftrag des Geographischen Instituts der Technischen
Universität Hannover.
Fotogalerie Nordafrikafahrt.
I.: Hinfahrt durch Frankreich und Spanien (1981. Fotos Jürgen Asche)
Fotogalerie Nordafrikafahrt. II.:
Marokko (1981. Fotos Jürgen Asche)
Fotogalerie Nordafrikafahrt.
III.: Algerien (1981. Fotos Jürgen Asche)
Fotogalerie Nordafrikafahrt. IV.:
Tunesien, Algerien, Rückfahrt (1981. Fotos Jürgen Asche) |
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