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Reisen – Überlegungen und
Reflexionen
Reisen waren ein Mittelpunkt meiner persönlichen wie
beruflichen Existenz, vor allem nach meiner Berufswahl als Geograph und
dem Beginn meines Geographiestudiums an der Universität Hannover 1966.
Doch begann die Faszination schon viel früher…
Meine Kindheit verlief in dieser Hinsicht anders als
es heute bei unserer Kinder- und Jugendgeneration üblich geworden ist.
Reisen waren etwas Besonderes und bedurften einiger Planung und einiges
Aufwandes. Vor allem wenn man in einer – heute würde man es wohl so
bezeichnen: – „Großfamilie“ aufgewachsen ist mit drei jüngeren
Geschwistern und einem Vater, der als Lehrer an einer Privatschule doch
recht wenig verdiente, sowie einer Mutter, die als Hausfrau sich um die
Familie kümmerte (kümmern musste?).
Da waren es zunächst Ferienreisen zu den Großeltern,
vor allem nach Wiesbaden, was mir noch lange gefühlsmäßig als Heimatstadt
vorkam, bis das endgültig mit dem Tod meiner Oma 1989 abbrach – seither
habe ich dann Wiesbaden nicht mehr wieder gesehen. (Ich wollte es wohl in
meiner Erinnerung unverändert behalten!)
Im Laufe der Jugend kamen noch weitere
Verwandtenbesuche dazu, so nach Bremen zu meinem Patenonkel – Bruder
meines Vaters – und zu den Großeltern väterlicherseits. Aber auch nach
Dresden, wo der älteste Bruder meines Vaters als Pastor der
Christengemeinschaft lebte. Doch zu der Zeit entwickelte ich eine sehr
distanzierte Haltung zu Dresden und der DDR; angefangen von den
Grenzkontrollen im Zug an der innerdeutschen Grenze bis hin zu den
dominierenden Propaganda-Plakaten und Transparenten, eintönigen
Plattenbauten bis hin in das Stadtzentrum – und dann die durchgehend
ablehnende Haltung meiner Verwandten… Erst nach 1990 habe ich dann unter
veränderten Bedingungen Dresden wieder besucht, z.T. mit Schülerinnen und
Schülern meiner Schule, und konnte die Restaurierungsbemühungen verfolgen:
Frauenkirche, Schloss, Altstadt, Grünes Gewölbe. Erst da wurde mir die
kulturhistorische Bedeutung dieser Stadt richtig bewußt – aber das war
dann schon zum Ende meiner Dienst- und Reisezeit hin.
Als Jugendlicher war es für mich ein erstes großes
Erlebnis, mit meinen Eltern zwei Mal nach Amsterdam fahren zu können, wo
ein holländischer Kollege aus der Waldorfschul-Bewegung uns während seiner
eigenen Urlaubszeit sein kleines Haus in der Reijnier Vinkeleskade am
Noorder Amstel Kanal zur Verfügung gestellt hatte. Hier hatte ich mehrere
bestimmende Erlebnisse und Entdeckungen. Mein Interesse an der Seefahrt –
wohl dadurch hervorgerufen, dass mein Großvater Marineoffizier gewesen war
und mein Vater deshalb in Wilhelmshaven aufgewachsen war – wurde bestärkt
durch die Entdeckung des
Nederlands Scheepvaartmuseum Amsterdam, das sich damals noch in einem
Altbau an der Ecke der Cornelis Schuytstraat zur De Lairessestraat direkt
um die Ecke von unserer Wohnung befand. Tag für Tag ging ich ins Museum,
um die Schiffsmodelle und alten Landkarten anzuschauen und mich im
Skizzieren der Schiffstypen zu üben.
Auf unserer zweiten Amsterdamfahrt, wenige Jahre
später, ging zwar das Interesse an der Schifffahrt nicht verloren, doch es
kam die Begeisterung für die moderne Malerei hinzu, die ich – ausgestattet
mit einer Monatskarte – im
Stedelijk Museum Amsterdam mit seiner aktuellen und faszinierenden
Ausstellung bewundern konnte. Hier waren zunächst einmal die
Konstruktivisten wie Kasimir Sewerinowitsch Malewitsch (* 1879greg.
in Kiew; † 15. Mai 1935 in Leningrad), Theo van Doesburg (* 1883 in
Utrecht; † 7. März 1931 in Davos) und Piet Mondrian (* 1872 in
Amersfoort, Niederlande; † 1. Februar 1944 in New York City, USA) und
viele andere Zeitgenossen der klassischen Moderne. Seither besuche ich bei
jedem Aufenthalt in Amsterdam diese immer wieder aktuelle und
faszinierende Sammlung, zu der später dann noch das Van-Gogh-Museum
hinzugekommen ist. Das
Rijksmuseum Amsterdam ist zwar das wohl von der Öffentlichkeit als
bedeutendste Museum der Niederlande eingeschätzte Haus mit seiner Sammlung
von Rembrandt und den anderen alten Holländern, hat mich aber nicht
in dem Maße angezogen wie das städtische Museum für moderne Kunst.
Sonst nahm ich natürlich an den Klassenfahrten meiner
Schule teil, die mich – mit Zielorten irgendwo in Niedersachsen – nicht
sonderlich beeindruckten, mit ihren großen Schlafsälen in den
Jugendherbergen und den primitiven Sanitäreinrichtungen auch eher
abschreckten, da ich schon damals im privaten Bereich eher sensibel und
pingelig war… In der elften Klasse folgte dann die „standardmäßige
Berlin-Fahrt zur Ertüchtigung unseres „Teilungsbewusstseins“. Das
Pflichtprogramm war zäh und wenig motivierend. Interessanter war es für
mich, hier zum ersten Mal mit dem Flugzeug zu fliegen. Ob ich schon zu
diesem Zeitpunkt die beiden für mich interessantesten Punkte in Berlin
kennen gelernt habe, weiß ich nicht mehr. Das islamische und
Völkerkundemuseum – damals im Rahmen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz
in
Dahlem, wobei die islamischen Sammlungen später wieder in das
Pergamonmuseum zurückgekehrt sind – und im Osten auf der Museumsinsel das
Pergamonmuseum waren für mich lange Zeit die einzigen Attraktionen in
dieser mich nicht allzu sehr ansprechenden Stadt. Auf jeden Fall waren es
wichtige Besuchspunkte in der Zeit, als ich dann als Lehrer selbst mit
Klassen nach Berlin gefahren bin, von einigen anderen Gelegenheiten
abgesehen. Das Pergamonmuseum wurde dann noch spannender, als ich durch
mehrere
Türkeireisen Pergamon (türkisch Bergama) kennen lernte, so dass beide
Orte wie die Puzzelteile eines großen Gesamtbildes erschienen.
Eine letzte Reise in meiner Schulzeit sollte hier
aber doch noch erwähnt werden: Die Klassenfahrt in der 13. Klasse nach
Italien. Hauptzielpunkt war Florenz. Von dort sind wir aber auf der
Rückfahrt mit dem Bus über
San Giminiano nach Pisa und dann nach
Livorno gefahren, um dann von Genua aus mit dem Zug die Heimfahrt
anzutreten. Florenz hat mich dabei durch seine mittelalterlichen Bauten,
seine Renaissancekultur und seine Museum sehr beeindruckt – die private
Seite der Klassenfahrt ist mir darüber hinaus eher aus dem Gedächtnis
gewichen, – so dass ich mit erstem selbst verdienten Geld von der
Straßenbahn Hannover im Jahr 1964 eine Solofahrt nach Firenze
unternahm. Die Erlebnisse beider Italienreisen waren so beeindruckend,
dass ich vorhabe, auch darüber ein eigenes biographisches Kapitel zu
verfassen. Bisher findet sich auf dieser Internet-Seite nur ein
Italien-Fototagebuch.
Doch die Zeit, in denen aufwändige Reisen in den
Mittelpunkt meiner Lebensplanung rückten, begann mit dem
Geographiestudium, einmal ganz abgesehen von dem hereinschnüffeln in die
Geländearbeit bei fünf Tagesexkursionen im ersten Semester in die
Naturlandschaft rund um Hannover unter der Leitung von
Dr. Achenbach, der mit seiner Fachkompetenz und seiner
Begeisterungsfähigkeit auch für eher alltägliche geographische
Erkenntnisse eine überaus passende Einführung in das Geographiestudium
vermitteln konnte. Viele dieser Exkursionen konnte ich dann später in
meinen Geographieunterricht in der Bismarckschule einbauen, so zum
Benther Berg oder zur Porta Westfalica.
Das erste größere Reiseangebot erfolgte für die Zeit
unmittelbar nach dem ersten Semester, als Dr. Achenbach eine freiwillige
große Exkursion nach Ungarn anbot. Dieses Reiseziel war damals, 1966 noch
etwas ungewöhnlich. Der „Eiserne Vorhang“ wurde noch sehr real empfunden
und der Ungarische Volksaufstand 1956 lag auch noch nicht weit zurück, so
dass die Erwartungen eher noch etwas gemischt waren und sich an den
Erfahrungen in der DDR orientierten. Dr. Achenbach fand einen Ko-Finanzier
in der „Deutschen Jugend des Ostens“ – nach meinem Geschmack eine eher
bedenkliche Kooperation – mit der zunächst ein länderkundlich-politisches
Einführungsseminar im „Europahaus“ in Wien vereinbart war.
Interessanterweise waren die Vorträge wenig indoktrinierend und thematisch
ergiebig, besonders durch einen Vortrag von
György Sebestyén (* 30. 10. 1930, Budapest (Ungarn), † 6. 6. 1990,
Wien), der die intimen Kenntnisse des bekannten Schriftstellers über die
ungarische Geschichte und den
Volksaufstand, an dem er selbst beteiligt gewesen war, vermitteln
konnte. In Budapest erfuhren wir nachfolgend einiges über die
wirtschaftsgeographische Situation der Stadt und des Landes und fuhren
dann mit einem gemieteten Reisebus (Különleges utazás) weiter nach
Miskolc. Mit dem dortigen Geographischen Institut hatte unser
hannoversches Institut soeben eine Kooperationsvereinbarung getroffen, so
dass wir fachlich und organisatorisch von der Technischen Hochschule
Miskolc betreut wurden. Ein Besuch im dortigen Stahlkombinat wurde dann
aber doch nicht möglich wegen der strikten Geheimhaltungsvorschriften des
Staates.
Ungarn wurde für mich dann aber ein über die Jahre
hin sich erstreckendes regelmäßiges Reiseziel. Zunächst fand eine
Familienreise mit meinen beiden noch recht kleinen Töchtern statt, bei dem
Wien, Budapest und eine Eisenbahnrundfahrt über Szolnok, Debrecen und
Miskolc mit Hotelübernachtungen im Vordergrund stand. Über diese Reise
wird an anderer Stelle noch zu berichten sein. Meine mehrfachen
Studienfahrten mit Schülerinnen und Schüler der Bismarckschule Hannover
werden bei den Reiseseiten im nachfolgenden Index noch genauer beschrieben
werden. Besonders interessant wurde es für mich, dass ich Zusammenhang mit
diesen Studienfahrten Prof. Zoltan Antal von der EÖTVÖS Universität in
Budapest kennen lernen konnte, der die letzten Fahrten für uns Vorbereitet
und begleitet hatte und von dem ich sehr viel über Ungarn und vor allem
seine wirtschaftsgeographische Entwicklung lernen konnte. Leider ist er
Anfang des Jahres 2011 verstorben.
Nach dem Beginn meines Dienstes als Lehrer an der
Bismarckschule Hannover entwickelten sich einige pädagogische und
didaktische Prämissen und Grundsatzentscheidungen, die nicht immer mit dem
„Mainstream“ der gymnasialen Pädagogik übereinstimmten:
-
Geographie bedarf der unmittelbaren
Begegnung mit den geographischen Sachverhalten „im Gelände“ auf
Exkursionen und Studienfahrten.
-
Die gesellschaftswissenschaftlichen Fächer
Gemeinschaftskunde (später „Politik“) und Geschichte sollen im engen
Zusammenhang miteinander und mit dem raumwissenschaftlichen Fach
Erdkunde stehen und ebenso teilhaben an der praktischen Geländearbeit.
-
Diese Grundsatzentscheidungen erfordern neue
didaktische Zugänge zur unterrichtlichen Arbeit, die vor allem mit dem
Schlagwort der „Projektarbeit“ bezeichnet werden können.
-
Der integrative Ansatz ermöglicht
es, fächerübergreifende Projekte zu starten, an denen auch mehrere
Kolleginnen und Kollegen beteiligt werden können.
So kam bei mir der Gedanke auf, auch außerhalb der
eigentlichen Unterrichtszeit Studienfahrten anzubieten und zwar in der
Zeit der Sommerferien mit einer jeweils überschaubaren und motivierten
Schülergruppe. Zunächst einmal träumte ich von einem Vierjahresrhythmus
solcher „großen Exkursionen“, was sich dann leider nicht realisieren ließ,
vor allem, da zunehmend familiäre Probleme dazu kamen, auch wenn ich bei
meinen letzten beiden Reisen meine Familie mitgenommen hatte. So fanden
während meiner Dienstzeit vier „große Studienfahrten“ in den Sommerferien
statt:
-
1974 die große
Fahrt in den Iran mit zwei VW-Bussen, die uns bis zum Persischen
Golf führte, aber unter keinem besonders guten Stern stand, da wir etwa
zur Hälfte der Zeit einen Bus wegen Getriebeschadens aufgeben und
zollamtlich verschrotten mussten, was für die eine Hälfte der Teilnehmer
eine Rückfahrt mit Linienbussen von Tehran aus bedeutete.
-
1981 Fahrt in den Maghreb mit zwei
VW-Bussen und zwölf Teilnehmerinnen und Teilnehmern, mit Hinfahrt über
Spanien mach Marokko. Von dort weiter nach Algerien und einem Abstecher
nach Tunesien. Rückfahrt mit der „Liberté“ von Algier nach Marseilles.
Auch hier hatten wir einige kritische Momente, als wir bei Oujda in
Marokko an einer Salmonellenvergiftung erkrankten und unsere Fahrt
dennoch nicht weiter unterbrechen konnten.
-
1984 Fahrt mit Schülern zum
Nordkap: Schweden, Finnland, Norwegen mit zwei VW-Bussen in den
Sommerferien. Die Fahrt dauerte nur vier Wochen und wurde mit zwei
Leihwagen durchgeführt.
-
1987 Fahrt mit Schülern
in den Orient: Mit vier VW-Bussen durch Jugoslawien, Türkei, Syrien,
Jordanien, Ägypten bis Israel. Dies war die Fahrt mit der größten
Gruppe, mit zwanzig Teilnehmerinnen und Teilnehmern, unter denen sich
auch zwei Kollegen befanden. Obwohl die Fahrt recht ertragreich war,
zeigte es sich, dass die Größe der Reisegruppe immer wieder zu Problemen
in der Koordination führte.
1987 war auch in weltpolitischer Hinsicht ein
Schlüsseljahr. Die Ereignisse – Beginn des Jugoslawienkonfliktes, Erste
Intifada in Israel – verhinderten eine Neuauflage der verschiedenen
Orientreisen. Die Krisen wuchsen seither ständig und auch heute sind die
Entwicklungsziele in der Arabischen Welt und in Iran nicht klar erkennbar
und hindern Schülerreisen. Die Reise in den Iran wurde zu einer
Abschiedsreise, da mit der Islamischen Revolution 1979/80 reine
touristische Reisen zu riskant erschienen.
So konzentrierte ich mich auf zwei weitere
Studienfahrtschwerpunkte, die besonders gut in das Profil einer
UNESCO-Projekt-Schule wie der Bismarckschule Hannover hineinpassten:
-
Die große Studienfahrt in der
Kursstufe, bei der wir vor allem Polen und Ungarn als erfolgreiche
Reiseziele kennen lernten – immer auch in Kooperation mit meinem
geschätzten Kollegen Lothar Nettelmann – und bei denen wir uns
fruchtbare Kontakte zu Universitätsdozenten in beiden Ländern
erschließen konnten. Aber auch eine Reise nach St. Petersburg konnte
durchgeführt werden. Zu den Reiseberichten finden sich Angaben in dem
nachfolgenden Index.
-
Die Entwicklung unserer
Schulpartnerschaft mit der İstanbul Lisesi in der Türkei. Dieses Thema
ist im Index ausführlich dokumentiert, sowohl was die grundsätzlichen
Überlegungen zur Schulpartnerschaft angeht – wobei wir die parallele
Schulpartnerschaft mit dem V. Lyzeum in Pozńan, die von Lothar
Nettelmann betreut wurde, nicht vergessen dürfen – als auch in Bezug auf
die Reiseberichte die von 1985 bis ins Jahr 2005 reichen. Leider ist
diese Partnerschaft, vor allem wegen einiger personeller Wechsel in
beiden Schulen, immer weiter eingeschlafen und heute wohl beendet.
In beiden Fällen wurde die Realisierung aber immer
schwieriger, vor allem, da sie auf unausgesprochene Vorbehalte und
Widerstände durch unseren neuen Schulleiter stießen, der seine
Vorstellungen von einer „guten Schule“ auf plangerechte Durchführung des
üblichen Fachunterrichtes konzentrierte, auch wenn er der didaktischen
Qualität hohe Ansprüche anlegte. So mussten bei der Schulpartnerschaft
zunehmend Ferienzeiten genutzt werden und die Genehmigungsverfahren wurden
immer komplizierter und anspruchsvoller und orientierten sich zunehmend an
den rigiden und wenig flexiblen Vorgaben unseres Dezernenten, wo der alte
Schulleiter noch versucht hatte, der Schule selbst möglichst große
Spielräume für pädagogisch anspruchsvolle Projekte frei zu halten. Mehrere
Türkei-Fahrt-Planungen zwischen 1996 und 2005 konnten aus verschiedenen
Gründen nicht realisiert werden, wenn auch teilweise nicht unmittelbar
verursacht von unserer Schulleitung – wenn auch ohne helfende
Unterstützung von dieser Seite.
Die großen Studienfahrten in der Kursstufe wurden
auch immer weiter organisatorisch in Zwangsjacken gesteckt, indem die
Bindung an jeweils eine Leistungskursleiste unabhängig von der
pädagogischen Konzeption der betreffenden Fächer festgeschrieben wurde und
ein fester Studienfahrttermin durch Konferenzbeschlüsse vorgegeben wurde,
wobei auf die terminlichen Angebote aus den Zielländern keine Rücksicht
mehr genommen werden konnte. Besonders frustrierend war es, dass in
gewerkschaftlichen Auseinandersetzungen mit dem Dienstherrn mehrfach
Studienfahrten zur Manöveriermasse im Sinne eines „Studienfahrtboykotts“
erklärt wurden. Dabei wurde übersehen, dass Studienfahrten für die
Schulverwaltung und die Schulleitungen eher hinderliche Ereignisse waren
und dass – unterstützt gerade durch den Philologenverband, der dadurch das
Streikverbot für Beamte ersetzen wollte – viele mittelbar Betroffene
eigentlich recht zufrieden waren mit der Aussicht auf die Streichung von
Studienfahrten. Einige „Aktivisten“ auf diesem Feld an unserer Schule
weigerten sich dann auch ausdrücklich, den Boykottaufrufen zu folgen und
verhinderten, dass Konferenzbeschlüsse dazu gefasst wurden mit dem Hinweis
auf die Rechtswidrigkeit solcher Beschlüsse.
So kommen wir anschließend zur letzten Form von
Reisen mit Schülerinnen und Schülern der Bismarckschule Hannover:
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Studienfahrten in der 11. Klasse.
Diese waren vor der organisatorischen Umgestaltung des Gymnasiums auf
das Abitur nach 12 Jahren übliche Angebote, deren inhaltliche Füllung
den Klassenlehrern oblag. Auch als ich noch kein Klassenlehrer war, bat
mich der eine oder andere Kollege als Fachlehrer für Erdkunde darum,
diese Fahrten zu organisieren. In Zukunft plane ich, auch für diese
Fahrten einen eigenen Bericht zu schreiben. Zunächst fanden Reisen nach
Emden statt, teilweise mit Werftbesichtigungen bei Meyer in Papenburg
bzw. bei den Thyssen Nordseewerken in Emden. Eine besonderes „Leckerli“
für die Schülerinnen und Schüler war dann das folgende Angebot einer
Busfahrt nach Amsterdam übers Wochenende, das nicht mehr zum
eigentlichen Studienfahrtzeitraum gehörte und „unter der Hand“ geplant
und durchgeführt wurde. – Später kamen, nach 1990, neue Reiseziele hinzu
und zwar zu den Hafenstädten an der Ostseeküste: Wismar und Stralsund.
Von Stralsund aus konnte dann auch wieder eine anschließende
Wochenendergänzung mit einer Fahrt nach Polen, nach Stettin (Szczecin)
stattfinden. Mit diesen halblegalen Zusatzangeboten stand ich an unserer
Schule aber allein da, und es endete schon vor der Gymnasialreform durch
neue Konferenzbeschlüsse, die Studienfahrten in der 11. Klasse nicht
mehr vorsahen – und konsequenterweise hat mich der Schulleiter auch
nicht mehr als Klassenlehrer eingesetzt.
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Daneben organisierte ich eine Vielzahl von
Wochenendexkursionen, wie z.B. nach Bremen und Bremerhaven mit Hafen-
und Werftbesichtigungen. In Bremen standen dann mehrfach
Informations-Veranstaltungen beim Bremer Ausschuss für
Wirtschaftsforschung (BAW) auf dem Programm. Durch den Hafen führte
uns mehrfach Herr Rieck, stellvertretender Hafenkapitän und
verantwortlich für die Industriehäfen und die Neustädter Häfen. Durch
Vermittlung auf persönlicher Ebene wurde uns auch einmal ein Besuch im
Container-Terminal „Wilhelm Kaisen“ ermöglicht. – Hier bin ich
besonders stolz darauf, immer hochrangige Referenten und
Gesprächspartner ansprechen zu können, was natürlich bei unseren
Bittschreiben an die jeweils vorgesetzten Behörden einige hochtrabende
Formulierungen über Unterrichtszusammenhänge und Motivation meiner
Schülerinnen und Schüler voraussetzte. – Auf diesem Wege haben wir auch
Besuche in Wilhelmshaven – mit Gesprächen über den Tiefwasserhafen und
die ökologischen Probleme von Kraftwerk, Ölraffinerie und Tanklager,
sowie mit Besuchen bei der Bundesmarine – organisieren können.
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Nur einen Tag brauchten wir für eine Vielzahl von
kleineren Besichtigungen und Projektveranstaltungen. Die jahrelange
Bauzeit der U-Bahn Hannover wurde von uns genutzt, über das
U-Bahn-Bauamt Baustellenbesichtigungen zu organisieren. Mit Herrn Dr.
Hacker, leitendem Bauingenieur, konnte ich im Laufe der Zeit eigentlich
jeden Bauabschnitt in unterschiedlichem Baufortschritt – offener Schacht
oder Tunnel in der Fertigstellungsphase – mit ,einen Schülerinnen und
Schülern besichtigen, mit der jeweils sehr informativen Einführung über
Planung, Realisierung und Problemen des U-Bahn-Baus.
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In der 11. Klasse fand in den ersten Jahren – bis
die Hindernisse zu groß wurden – naturgeographische Geländebegehungen
statt, meistens zum Benther Berg, wo die geologische Geschichte des
hannoverschen Raumes seit der Trias aufgeschlossen ist und wo eine
intensive Beschäftigung mit der Salztektonik stattfinden konnte. Darüber
hinaus kommen dann die kulturgeographischen Inwertsetzungs-Prozesse in
der Umgebung der Großstadt ins Spiel. Diese Exkursion orientiert sich an
den Erfahrungen mit einer entsprechenden
Exkursion in meinem ersten Studiensemester mit Dr. Achenbach. (Vgl.
auch "Benther Berg" in diesem Bericht.)
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Mit verschiedenen Klassen unternahm
ich auch Tagesexkursionen nach Bremen, wo das Überseemuseum sowohl mit
seiner permanenten Ausstellung wie auch mit seinen Sonderausstellungen
im Mittelpunkt stand. Das fand vor allem mit 10. Klassen statt. Der
Vorteil war, die preiswerte Niedersachsen-Card der Bahn nutzen zu
können. Mit einer 10. Klasse bin ich auch nach Hamburg gefahren zu einer
Hafenrundfahrt. Mit einem Oberstufenkurs fand dann auch eine
Hamburg-Exkursion zum Thema Schiffbau und Werftindustrie statt,
verbunden mit einem Besuch in der Redaktion des Spiegels.
Nicht alle der vielfältigen Projekt und Exkursionen
können hier aufgeführt werden. So bleiben auch die Erfahrungen einer
Studienfahrt mit einer 10. Klasse an den Bodensee nach Überlingen ohne
weitere Vertiefung. Projekte, die im und neben dem Unterricht liefen
müssen an anderer Stelle dargestellt werden, so zwei umfangreiche
Kartierungen von Laatzen, die intensive Projektberichte hervorgebracht
haben, die auch von der Stadtverwaltung begrüßt und ausgewertet worden
sind. Auch in Teilen Hannovers fanden Stadtteilkartierungen statt. Dies
schließt an die Anfänge meiner Arbeit als Studienreferendar an der
Bismarckschule Hannover an, in der ich als zweite Staatsexamensarbeit eine
Befragung durch meine Schüler der 12. Klasse durchführen ließ zum Thema
„Soziale Ungleichheit“: VOIGT, Gerhard, 1972: Problematisierung und
Differenzierung des Begriffs „Soziale Ungleichheit“ durch empirische
Erhebungen in Hannover. Ein Unterrichtsversuch zum Einsatz empirischer
Methoden der Sozialforschung im Gemeinschaftskundeunterricht der
Oberstufe. Pädagogische Prüfungsarbeit am Staatlichen Studienseminar
Hannover I, Dr. G. MEYER / Dr. HEIDEMANN. (Als Typoskript vervielfältigt.)
So viel zu den allgemeinen Überlegungen zum Thema
„Reisen“, mit dem Résumé, dass Exkursionen und Studienfahrten in einer
nachhaltigen Didaktik nicht als „zusätzliche Angebote“ gewertet werden
sollten, sonder zum Kernbestand der Fachdidaktik zu zählen sind. Das wird
leider in der heutigen „Mainstream-Pädagogik“ vergessen und verdrängt und
begründet so meine tiefen Vorbehalte gegen die heutige Form von Schule…
Gerhard Voigt, Ronnenberg, 23.08.2011
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