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Redaktionelle Anmerkung:

   
   

 

     
   

Gerhard Voigt, Hg.

Berichte von der Ungarn-Studienfahrt vom 22. Mai bis zum 31. Mai 1997

mit dem Politik-Leistungskurs und Erdkunde-Grundkurs der Klassenstufe 13 der Bismarckschule Hannover (Kursleiter: Gerhard Voigt, Jutta Halstenberg)

Berichte der Studienfahrt-Teilnehmerinnen und Teilnehmer für die Veröffentlichung in der Schriftenreihe des UNESCO-Clubs für die UNESCO-Schule am Maschsee, Bismarckschule Hannover, e.V.

Perspektivwechsel

Eindrücke im heutigen Ungarn

Bericht von einer Studienfahrt
mit Schülerinnen und Schüler der Bismarckschule Hannover
nach Budapest, Südungarn und Transdanubien

21. bis 31. Mai 1997

I. Konzeption und Vorbereitung der Studienfahrt

1. Studienfahrten und UNESCO-Programme

Wenn man von den Aktivitäten der UNESCO-Projekt-Schule Bismarckschule spricht, denkt man zu allererst an die langjährigen und erfolgreichen Schulpartnerschaften z.B. mit Poznan in Polen oder mit der Istanbul Lisesi, die beide schon mehr als zehn Jahre laufen und an denen sich im Laufe der Jahre mehrere hundert Schülerinnen und Schüler und z.T. auch ihre Familien in der einen oder anderen Form auch als Gastgeber für unsere Gäste aus Polen oder der Türkei beteiligt haben, wobei viele neue Kenntnisse und Eindrücke gewonnen, Freundschaften geschlossen und erste wichtige Schritte zum „Interkulturellen Lernen“ getan werden konnten. Man denkt auch an Spezialitäten wie die regelmäßige Teilnahme – in englischer Sprache! – am „The Hague International Model United Nations“ und viele internationale Kontakte und Begegnungen ermöglichte, und schließlich die „Dritte-Welt-Arbeit“ mit der Bolivien-Patenschaft und dem „Dritte-Welt-(Eine-Welt-) Laden“, in die Herr Wehking viel Arbeit und Engagement investiert hat und der den Kaffeekonsum (auf der Grundlage des „fairen Handels“) in der Schule anregt! Damit ist sicher schon ein unverwechselbares Profil für unsere Schule angelegt, von dem Schülerinnen und Schüler unabhängig von ihrer sozialen und kulturellen Herkunft intensiv profitieren können.

UNESCO-Arbeit soll aber auch Auswirkungen auf die übrigen Bereich der Schule und auf die Unterrichtsinhalte und -formen haben. Das ist eine ständige Aufgabe, über die im Kollegium wie mit Schülerschaft und Elternschaft immer wieder neu beraten und beschlossen werden muß. Hier soll nur ein zentrales Element dieser pädagogischen Konzeption des „Outdoor“-Lernens oder auch „strukturierten Erfahrungslernens“ – wie man es etwas hochtrabender fachlich-pädagogisch bezeichnen könnte – hervorgehoben werden: die Durchführung von Studienfahrten als integralem fachlichen wie pädagogischen Bestandteil des Oberstufenunterrichts, meist angebunden an die Leistungsfächer, z.T. aber auch mit fachlich gemischten Gruppen, was interdisziplinäres, phantasievolleres Lernen und Denken übt.

Je nach Fach stehen zunächst einmal Fachlernziele – Fremdsprachenkompetenz im Alltag, länderkundliche Eindrücke, ökologische Realitäten und Probleme, gesellschaftlicher Wandel und ökonomische Transformationsprozesse – im Vordergrund. In einer Studienfahrt kann aber gelernt werden, daß sich die Realität nicht nach fachlichen Systematiken strukturiert, sondern daß die einzelnen Probleme im konkret erfahrbaren Realitätszusammenhang stehen. Dies ist sonst in der Schule nur verbal zu vermitteln, kaum aber je hautnah zu erfahren. Daher sind Studienfahrten ein wichtiges Korrektiv zur oft beklagten „Kopflastigkeit“ schulischen Lernens, zur drohenden „Fachidiotie“ oder zum „Verlust der Realität“, wenn diese nur noch aus Medien, nicht aber in der – fremden – Gesellschaft selbst gesehen, erfahren und gelernt wird. Dies ist auch die wichtigste Voraussetzung dafür, nationale Stereotypen überwinden zu lernen und positive menschliche Ansätze für das „Interkulturelle Lernen“ zu finden. Studienfahrten sind somit ein zentraler Teil unseres „Profils“ als UNESCO-Projekt-Schule!

2. Zur Zielsetzung der Ungarnfahrt

Die Studienfahrt ist eingebunden in das von der Bismarckschule Hannover getragene Konzept, im Rahmen der organisatorischen Möglichkeiten den Schülern der Kursstufe eine an ihre Leistungskurse pädagogisch angebundene Studienfahrt anzubieten. Dazu wird ein gemeinsamer Studienfahrttermin ausgewiesen. Das Fach Gemeinschaftskunde gehört dabei zu denjenigen Fächern, aus denen heraus sich besonders tragfähige und in den Unterricht zu integrierende Studienfahrten entwickeln lassen. Es liegt dabei nahe, eine personelle und fachliche Erweiterung der Reisekonzeption dadurch zu erreichen, daß Kurse verwandter Fächer, in diesem Falle Gemeinschaftskunde und Geographie (Erdkunde), eine solche Studienfahrt gemeinsam durchführen und mit ihren jeweiligen fachspezifischen Schwerpunkten versehen. Da Erdkunde in der Bismarckschule Hannover nicht als Leistungsfach angeboten wurde, kommen zum Gemeinschaftskunde-Leistungskurs zwei Erdkunde-Grundkurse hinzu.

Bei einer Studienfahrt im Integrationsfach Gemeinschaftskunde liegt es nahe, die interdisziplinären historischen, politischen und wirtschaftsgeographischen Fachaspekte in den Mittelpunkt der inhaltlichen Planung zu stellen und das Programm vor allem auf die Erkenntnis komplexer gesellschaftlicher Probleme und Transformationen hin zu auszurichten. Das legt eine Zielwahl nahe, in der aktuelle politische und historische Determinanten offensichtlich verflochten und nur in überfachlicher Perspektive zu verstehen sind. Unter diesem Gesichtspunkt ist Ungarn, wie der mehrfache Besuch dieses Landes und mehrere Studienfahrten nach Budapest erwiesen haben, besonders geeignet, nicht zuletzt wegen seiner geographischen Überschaubarkeit und der historischen Sonderrolle, die dieses Land und dieses Volk immer wieder gespielt hat und die eine herauslösende Betrachtung besonders fruchtbar macht. Durch diese Abgrenzbarkeit der Thematik liegt ein modellhaftes Arbeiten nahe. Eine Ungarn-Studienfahrt bietet daher dem Schüler mehr als andere Ziele im geschichtlich-gemeinschaftskundlichen Arbeitsfeld die Chance eigenständiger Erkundungen und Informationsauswertungen. Der rezeptiv-touristische Aspekt einer Studienfahrt soll daher auf das für die sozialintegrativen Lernziele der Studienfahrt notwendige Maß eingegrenzt bleiben.

In Ungarn selbst lassen sich historische Anschauung und historischer Gesprächsstoff gewinnen, die sich in dieser eindrucksvollen Form und Konzentration in der Materialarbeit in der Schule nicht zusammentragen lassen. Der Bogen reicht von den sorgfältig ausgegrabenen Resten der Römerstadt Aquincum – die schon das Leitthema der Rand- und Grenzlage anklingen läßt – über die Dokumente der Landnahmezeit und der ersten staatlichen Organisation der Magyaren in der pannonischen Tiefebene, über die andauernden Kriege und Konflikte – Türken, Habsburger, Siebenbürger sind dabei leitende Begriffe – über die aus ungarischer Sicht sich ganz anders darstellende Zeit der Freiheitskämpfe gegen Habsburg, die Zeit der Herausbildung einer modernen Nationalidentität mit Rákóczi, Kossuth, Batthyány, Petöfi und Széchenyi bis zur „Ausgleich“ und der Zeit der k.-u.-k.-Doppelmonarchie, deren Probleme und inneren Spannungen, aber auch deren kulturelle Prägungskraft zu den Wurzeln der Entwicklungen und Katastrophen des 20. Jh. gehören. Über das Konzept der „Politischen Kultur“ und ihrer Bedeutung für die Krisenlösungspotentiale einer Gesellschaft gewinnt diese historische Perspektive aktuelle politische und sozialpsychologische Bedeutung. Dieser gesellschaftlich-zeitgeschichtliche Themenbereich wird dann, auch während der Studienfahrt, abgeschlossen und abgerundet durch die aktuellen Informationen über die heutige ökonomische und politische Situation, deren Perspektiven auch aus unserer Sicht faszinierend sind.

Pädagogisch umgesetzt werden die genannten Themenbereiche, wie das vorher skizzierte Programm deutlich macht, durch abwechslungsreiche und damit für den Schüler gut zu verarbeitende Vermittlungsformen wie Besichtigungen, Vorträge, Museumsbesuche und Gespräche im kleineren Kreise.

3. Warum also...

Ungarn...

... ist nicht nur ein beliebtes und touristisch gut erschlossenes Reiseland, sondern ein Land, das gerade wegen seiner geringen Größe vielfältige geographische, landschaftliche, politische, gesellschaftliche und kulturelle Aspekte und Sehenswürdigkeiten nebeneinander anzubieten hat, die eine abwechslungsreiche und auch fachlich ertragreiche Studienfahrt ermöglichen.

... ist von uns mit Schülergruppen der Oberstufe in den letzten Jahren in Studienfahrten der Fächer Gemeinschaftskunde und Erdkunde, z.T. in Begleitung anderer Kurse, sechs mal bereist worden; jedesmal mit Erfolg und mit unvergeßlichen Erlebnissen für die Teilnehmer.

... bietet durch die vielen Kontakte, die wir in den letzten zwanzig Jahren haben knüpfen können – auch über die schulische Arbeit hinaus – gerade auch fachliche Informationsmöglichkeiten durch unsere Kontakte mit Wissenschaftlern der Eötvös Loránd Universität und zu landwirtschaftlichen und industriellen Betrieben wie zu anderen Stellen.

... liegt geographisch im Schnittpunkt der verschiedenen geographischen Großräume – Balkan-Karparten-Raum, Mittelmeergebiet, Mitteleuropa, Alpenraum, kontinentales Osteuropa – und verbindet klimatische, landschaftlich, vegetationsgeographisch und geologisch-orogenetisch Aspekte dieser Räume, deren Überschneidung eine besonders interessante geographische Analyse ermöglicht.

... zeigt historisch und kulturell mehr als andere Staaten Europas die Besonderheiten der Ethnogenese – des Entstehens und der Wanderung der Völker (Landnahme der Magyaren, Integration nach Europa...) –, der Gesellschaftsbildung – Zivilisationsprozesse, soziale Differenzierung, Entwicklung der Herrschaftsverhältnisse –, der Staatenbildung und der Konfliktgenese im Schnittpunkt der Hegemonialauseinandersetzungen zwischen dem Habsburgerreich, dem Osmanischen Reich und dem Zarenreich.

... ist zeitgeschichtlich besonders hervorgehoben durch die wechselvolle Staatsgeschichte nach dem Ersten Weltkrieg, die Räterepublik, die ständische Diktatur Horthys, die deutsche Besetzung im Zweiten Weltkrieg, die Herrschaft des Stalinismus und, nach dem Volksaufstand von 1956, die Entwicklung des »Reformkommunismus« unter Kádár und schließlich die schnelle und international durch die Öffnung der Grenzen nach Westen spektakuläre Abkehr vom Kommunismus und der bewußten Annahme des westeuropäischen Wirtschafts- und Demokratiemodells; für die deutsche Entwicklung 1989/90 waren die ungarische Ereignisse ausschlaggebend und maßstabsetzend.

... bietet politisch und sozioökonomisch ein Modell für die Probleme und Chancen der Systemtransformation, für die besondere Situation in den Ländern der europäischen Semiperipherie und für die Möglichkeiten einer auch institutionellen Integration nach Mittel- und Westeuropa durch den angestrebten Beitritt zur EU und zur NATO – vergleichbar mit Polen und  Tschechien –. Gleichzeitig bleibt Ungarn aber Brückenland nach Südosteuropa mit seinen Konfliktherden und sozialen und politischen Risikogebieten auf dem Balkan und in der Türkei. Sowohl die ökonomischen, die politischen wie die verkehrs-infrastrukturellen Entwicklungsperspektiven lassen die bewußte Inwertsetzung dieser Brückenfunktion als existentielle Chance für Ungarn erscheinen.

4. Art der Vorbereitung und Planung im Unterricht

Die Themen der Studienfahrt nach Ungarn sind Bestandteil der thematischen Unterrichtskonzeption im Fach Gemeinschaftskunde. Dabei ist jedoch Rücksicht darauf zu nehmen, daß nicht alle Schüler des Kurses an dieser Studienfahrt teilnehmen können, da nach dem Studienfahrtmodell der Bismarckschule Hannover in manchen Fällen eine Entscheidung zwischen den Studienfahrtangeboten der beiden Leistungsfächer vom Schüler getroffen werden muß. Daher ist die thematische Arbeit der Studienfahrt vor allem mit den Begriffen Erweiterung und Vertiefung zu kennzeichnen. Durch die gemeinsame thematische Vorarbeit im Kurs wie durch die geplante intensive Aufarbeitung der Ergebnisse im Anschluß an die Studienfahrt – es ist vorgesehen, während der Reise thematische Protokolle und Tagesübersichten zu fertigen, die am Ende in einem veröffentlichungsfähigen schriftlichen Abschlußbericht vorliegen sollen – werden die sich herauskristallisierenden fachlichen Erkenntnisse zum gemeinsamen Unterrichtsstoff.

Die Planung im Gemeinschaftskundekurs wird vor allem die gesellschaftliche Entwicklung im Nachkriegsungarn und das Verhältnis von sozialen Problemen und Herrschaftslegitimation – mit übertragbaren, verallgemeinernden Einsichten – in den Mittelpunkt der Arbeit stellen, ausgehend von den ökonomischen Problemstellungen, die im ersten Semester behandelt wurden, und den soziologischen Einsichten zum Thema „Soziale Ungleichheit“, die das zweite Semester thematisch bestimmen.

5. Zur Organisation der Studienfahrt

28 Schülerinnen und Schüler aus dem Gemeinschaftskunde-Leistungskurs 216 und den Erdkunde-Grundkursen 223 und 224 haben an der Studienfahrt nach Ungarn teilgenommen. Die Leitung: übernahmen OStR Voigt und OStR’ Halstenberg.

Die Unterbringung in Budapest erfolgte im Studentenwohnheim der Universität Budapest, vermittelt durch Herrn Prof. Antal vom Lehrstuhl für Wirtschaftsgeographie der Eötvös-Loránd-Universität (ELTE) Budapest. Während der mehrtägigen Exkursion nach Südungarn erfolgt die Unterbringung in einem Touristhotel in einer Jugendherberge der Landwirtschaftlichen AG Bóly und in Holzhäusern auf dem Campingplatz von Keszthely.

Die Gesamtkosten beliefen sich nach der Endabrechnung auf unter 600,-- DM pro Teilnehmerin und Teilnehmer für Busfahrt mit eigenem Bus der Firma Albert Grund, Lehrte, Übernachtungen in Vier- und Mehrbettzimmern, die in Qualität für den Preis durchaus akzeptabel waren, Halbpension, d.h. Frühstück und einer warmen Mahlzeit pro Tag, sowie den Kosten für das gesamte Programm.

Zu Dank sind wir vor allem verpflichtet Herrn Prof. Antal von der ELTE, der uns seit Jahren freundschaftlich verbunden ist und uns nicht nur die organisatorischen Vorbereitungen in Ungarn abgenommen und das inhaltliche fachliche Programm vorbereitet hat, sondern wieder bereit war, uns auf der gesamten Reise zu begleiten und uns tagtäglich mit seiner Hilfe und seiner fachlichen Kompetenz zur Verfügung stand. Das Honorar, das wir ihm zum Ausgleich seiner Aufwendungen zahlten, steht in keinem Verhältnis zu dem Engagement, das er für uns aufgebracht hat. Danke!

Gleicherweise Dank auch an Frau Cravero, die uns als Kollegin von Prof. Antal als Wirtschaftsgeographin, Bibliothekarin und ausgebildeter Dolmetscherin für alle sprachlichen Probleme und Übersetzungsaufgaben wieder einmal während der ganzen Reise als »überqualifizierter« Reisebegleiterin zur Hilfe kam.

Doch wäre die Reise sicher nicht so gut gelaufen, wenn uns nicht als Busfahrer Herr Ernst Sowa, mit dem ich schon mehrfach Reisen in Deutschland wie nach Polen machen durfte, mit seiner Kompetenz, Sicherheit und menschlichen Hilfsbereitschaft zur Seite gestanden hätte. Ihm also im Namen der ganzen Reisegruppe noch einmal ein ganz besonderer Dank.

Daß wir den vielen Gesprächspartnern, Referenten und Freunden in geselligeren Runden in Ungarn ebenso danken, ohne daß wir sie hier alle namentlich aufführen könnten, steht für uns außer Frage. Der fachliche Gehalt dieser Studienfahrt ermutigt, Studienfahrten auch weiterhin als wichtige und unverzichtbare Bestandteile des schulischen und fachlichen Curriculums zu begreifen und für den Erhalt dieses wichtigen Bestandteils der pädagogischen Arbeit nicht nur – aber in besonderem Maße – an einer UNESCO-Projekt-Schule einzutreten.

Doch sollte schließlich auch noch der persönliche Erlebniswert dieser Studienfahrt an einem kleinen exemplarischen Beispiel berichtend deutlich gemacht werden, das auch mir als Leiter der Studienfahrt und langjährigem Kenner Ungarns aus vielen schulischen und privaten Reisen in dieses Land neu und interessant war und den integrativen Charakter der fachlichen Studienfahrtarbeit in besonderem Maße verdeutlichen kann.

6. Fürstengut – Staatsgut – Landwirtschaftliche AG

Ein Besuch in Bóly in Südungarn

Noch steht das alte fürstliche Jagdhaus mit Rittersaal, mächtigen Jagdtrophäen unter alten Tannen am Rande eine riesigen Jagdreviers in den Dráva-Auewäldern, wo heute wieder zahlungskräftige ausländische Jagdfreunde auf Pirsch gehen auf Rotwild, Fasan oder Niederwild.

Auch das Gestüt ist in bester Form: edle Vollblut, Hannoveraner, für den internationalen Sportpferdemarkt werden hier gezüchtet und aufgezogen. Ebenso Kreuzungen mit der gesunden Rasse der Hannoveraner und den temperamentvollen ungarischen Pusztapferden. Ein Gestüt der Sieger!

Was hat sich nun seit den Zeiten der Grafen Batthyány und ihrer fürstlichen Nachfahren auf diesem alten Magnatengut eigentlich geändert? Vieles! Und das ist auch der Anlaß unseres Besuches hier in Südungarn in der Region Pécs/Fünfkirchen. Die deutsche Minderheit der »Donauschwaben« und »Donauhessen« ist in der Umgebung von (»Deutsch/Német«-) Bóly noch und wieder sehr lebendig, wie ein gemütlicher Abend als Gäste im »Kulturhaus« des  Nachbarortes Nagynyárád, in dem die große Mehrheit der Bewohner deutscher Abstammung ist, zeigte.

Doch diese Minderheit hat wie ganz Ungarn schwere Zeiten seit dem Weltkrieg durchmachen müssen, Verfolgung und Vertreibung in der Zeit des Stalinismus, mehrfacher Verlust alles Hab’ und Gutes, Ausgrenzung und Armut. Doch die Heimatliebe zu dieser südungarischen Region ließ viele vertriebene Einwohner nach dem Krieg unter schwersten Bedingungen – und illegal – wieder aus dem Verbannungsort in der Sowjetischen Besatzungszone in der Umgebung von Chemnitz 1948 nach Bóly zurückkehren, im Winter, zu Fuß...

Die fürstlichen Güter waren enteignet und verstaatlicht, das Staatsgut Bóly wurde zu einem agroindustriellen Musterkomplex umgestaltet. Die kleine, private Landwirtschaft, auch der Donauschwaben, konnte erst mit den Reformen seit 1956, die überall im Lande zu einem ungeahnten Aufschwung der Landwirtschaft führten, neu erblühen.

Heute ist das Staatsgut in der Rechtsform der AG privatisiert und investiert intensiv in agrotechnische Innovationen, um als Saatzucht- und Tierzuchtbetrieb auf den sich globalisierenden Märkten zu behaupten und sich auf einen Beitritt des Landes zur EU vorzubereiten. Das ist erstaunlich gut gelungen. Ein guter Teil der Produktion geht ins Ausland, sogar mit Spezialprodukten – Erbsen! – nach Japan und auch in die USA. Ob die Bóly AG aber schließlich gegen die amerikanischen Megakonzerne wird bestehen können, wird vor allem daran liegen, ob hochqualifizierte und spezialisierte Produkte jenseits der billigen Massenware auf dem Markt durchgesetzt werden können. Daß daneben die Traditionssektoren Jagd und Gestüt, die das »fürstliche Erbe« kennzeichnen, gepflegt werden, ist nicht nur Nostalgie, sondern ein immer interessanteres kleines Marktsegment mit guter Rendite!

Ein besonderes Merkmal der ungarischen Landwirtschaftspolitik ist, darin international vorbildlich, die starke Konzentration auch auf den Naturschutzgedanken und die Erkenntnis, daß die vielen in Ungarn noch heimischen alten Haustierrassen ein unschätzbares Genreservoir für die Zukunft der Tierzucht darstellen, das sorgfältig gepflegt werden muß. Neben den Artenschutzprogrammen in den Nationalparks z.B. in der Bugac-Puszta, die wir am Tage zuvor besucht hatten, trägt auch die Tierzucht in Bóly diesem Gedanken Rechnung.

Diese vielfältige Verflechtung der Probleme, Globalisierung und Artenschutz, sozioökonomische Transformation und betriebliche Innovation, Minderheiten und Grenzprobleme, Peripherisierungsprozesse und EU-Perspektiven, können an einem konkreten Ort und Beispiel wie in Bóly gesehen und erfahren und besser als in jeder schulischen Theoriediskussion verstanden werden. Das ist ein zentrales Motiv für das Angebot fachlich vorbereiteter und interdisziplinär durchgeführter Studienfahrten, ein Stück modernisierter Unterricht... Es wäre nur zu wünschen, daß auch die Schülerinnen und Schüler diese Chancen deutlicher wahrnehmen und zielgerichteter nutzen würden und als Vergleichsmaßsstab nicht die anspruchslose Urlaubsreise, sondern die in der heutigen Zeit härter werdenden Qualifikationsanforderungen in Schule, Studium und Beruf anlegen würden!

II. Das Programm in Ungarn: 21./22.5.97

Programmentwurf der Ungarn-Studienfahrt

Tag

Uhrzeit

Programmvorschlag

22. Mai:

Ankunft

Quartier im Studentenheim. Adresse: (Budaörsi út) Dayka Gábór út 4.

Mittagessen: an Ort und Stelle

23. Mai:

07.30

Frühstück

08.00

Abfahrt mit dem Bus

09.00 - 11.00

Besichtigung der Kupferhütte und -verarbeitungsfabrik in Csepel

nachmittags:

Stadtrundfahrt (Pest) mit dem Bus

24. Mai:

08.00

Frühstück

09.00 - 13.00

Museumsbesuche (nach Vereinbarung)

nachmittags:

Stadtrundfahrt (Buda) mit dem Bus

25. Mai:

08.00

Frühstück

08.30

Busfahrt nach Esztergom und Donauknie

Rückfahrt eventuell mit dem Schiff oder mit dem Bus über Tata – Tatabánya (Urmensch-Siedlung – 250.000 Jahre alt! – usw.)

26. Mai:

07.30

Frühstück

08.00

Abfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln

09.00

Verwaltung von Budapest. Information Stadtplanung – Stadtsanierung

11.30 - 12.30

Vortrag an dem Gellértberg über das Programm der nächsten Tage und über Budapest

nachmittags:

Gellértbad, Museum usw. [nach Vereinbarung]

27. Mai:

07.00

Frühstück

07.30

Abfahrt nach Kecskemét

09.00

Vortrag an der Hochschule für Gartenbau über die Landwirtschaft des Komitats Bács-Kiskun

10.30

Stadtrundgang, Erklärung über Geschichte, Wirtschaft und Industrie von Kecskemét, Besuch des Kodály-Instituts (Musikhochschule)

12.00 - 13.00

Mittagessen an der Hochschule für Gartenbau

14.15 - 16.15

Bugac, Nationalpark. (Vortrag, Wanderung)

21.00

Quartier in (Deutsch-) Boly. Essen unterwegs (Baja?)

28. Mai:

07.30

Frühstück

08.30 - 11.30

Vortrag und Betriebsbesichtigung in der Landwirtschaftlichen Aktiengesellschaft von Boly. (Mittagessen in der AG?)

12.30

Abfahrt nach Pécs. Stadtrundfahrt.

18.30

Treffen mit den Vertretern der deutschsprachigen Einwohnern in Nagynyárád bis 21.30; Abendessen

Quartier in (Deutsch-) Boly

29. Mai:

07.30

Frühstück

08.00

Abfahrt nach Villány, Beremend, Szigetvár, Kaposvár

14.00

Vortrag über das Komitat Somogy im Büro der Komitatsverwaltung von Somogy (in Kaposvár)

15.30

Stadtrundgang

17.00

Abfahrt nach Keszthely. Quartier Campingplatz (in Holzhäusern)

30. Mai:

07.30

Frühstück

08.10

Abfahrt nach Fenékpuszta

09.10

Besichtigung im Forschungsinstitut von Klein-Plattensee (Vortrag, Anlagen)

13.00

Besichtigung des Schlosses von Festetich (Keszthely) und Bad im See von Héviz (der größte und tiefste Thermalsee von Europa), Quartier Campingplatz Keszthely (in Holzhäusern)

31. Mai:

Besichtigung des Tapolca-Beckens (von 370-420 m hohen Basaltkegeln umgeben) und des Karstbauxitgebietes

Rückfahrt über Sopron, Wiener Neustadt, Wien und Passau nach Hannover

Programm zusammengestellt vom Kursleiter nach dem vorbereiteten Vorschlag von Prof. Antal Zoltán, Budapest vom 20.04.97

7. Hinfahrt und Ankunft in Budapest

Am Abend machten wir unsere erste Bekanntschaft mit Herrn Antal, unserem Referenten, der ein angesehener Professor in Ungarn ist und mit Frau Cravero, der Dolmetscherin, die aber auch durch eigenes Wissen zu glänzen wußte.

Herr Voigt begrüßte die beiden, führte eine kurze Besprechung des Programms für den nächsten Tag ein und vergab Fahrkarten für die öffentlichen Verkehrsmittel.

Herr Prof. Antal begann danach uns vom Csepel Metallwerk zu berichten. Dieses Werk wurde am 12.12.1892 gegründet, im 9. Bezirk Budapests. Es war ein ganz kleines Werk, das sich auf die Produktion von Munition spezialisiert hatte. Kurz darauf gab es einen Defekt, der in einer Explosion endete und mehreren Menschen das Leben kostete. Somit mußte das Werk auf die Csepel-Inseln umziehen. Hier wurden aus Abfällen Messing und andere Legierungen hergestellt. Zu dieser Zeit entwickelte sich das Metallwerk zur größten Munitionsfabrik, im 50 Millionen Einwohnern zählenden Land. Um 1904 lieferte man sogar Waffenteile an Japan.

Nach dem verlorenen 1. Weltkrieg wurde Ungarn verkleinert, das Land verlor Gebiete an Rumänien, Jugoslawien, die Tschechei und an die Slowakei. 1920 mußte man einen Vertrag abschließen, der weitere Aufrüstung verbat.

Somit wurde die Produktion auf zivile Produkte umgestellt. Man übernahm das Verfahren von Mannesmann das ermöglichte Stahlröhren ohne Schweiznähte herzustellen. Auch führte man das Elektrolyse-Verfahren ein, weil es ermöglichte qualitativ besseres Grundmaterial für Messinghülsen zu produzieren.

Im 2. Weltkrieg entwickelte man sich zur Flugzeugmotorenfabrik. Obwohl das Werk und die Hallen im Sand versteckt waren, wurden sie von den amerikanischen Bombern zerstört. Damit gab es nach dem Krieg nur noch die Gießerei und das Stahlwerk, in die hohe Investitionen gesteckt wurden und man sie somit modernisierte. Es wurde ein eigenes Elektrizitätswerk mit Kraftwerk, ein eigener Hafen und noch eine Eisenbahnlinie gebaut.

Nach dem politischen Veränderungen 1989-90 wurden die Hochöfen abgestellt; damit gab es kein Stahlwerk mehr und auch keine Eisenproduktion. Der Staat verkaufte die Lagerhallen und Betriebe zum Teil an Japan und Großbritannien. Leider fanden sich für viele Betriebe auch gar keine Käufer. Heute gibt es noch 230 Kleinbetriebe. Somit hatte die Privatisierung begonnen.

8. Csepel Metallwerk, 23.5.97

Am nächsten Tag den 23.5.97 wurden wir nach dem Frühstück von Frau Halstenberg und Herrn Voigt begrüßt. Desweiteren wurden wir von unseren Referenten Herrn Prof. Antal und Frau Cravero begrüßt.

Während der Fahrt durch die Stadt zu unserem heutigen Besichtigungspunkt den Csepel Metallwerken, gab uns der Professor einen kleinen Einblick in wirtschaftliche Geschichte von Budapest. 1860 war Ungarn die wichtigste Mühlenstadt Europas. Das lag daran, daß auch die für diesen Zeitpunkt weit entwickelte Landwirtschaft und die dadurch erzeugten Güter (z.B. Weizen, Korn und andere Nutzpflanzen) weiterverarbeitet werden mußten.

Im gleichen Zeitraum wurde das Donauufer von Menschen erhöht um Budapest besser zu schützen. Überschwemmungen waren damals häufig, denn die Donau gabelt sich und bildet die Csepel Insel. Dort stauten sich im Winter die Eisschollen und auch das Wasser konnte nicht mehr abfließen. Auch heute ist noch zu sehen welche Schäden das über die Ufer getretene Wasser angerichtet hat. So sind Häuser aus der Zeit abgesackt, weil das Hochwasser ihr Fundament unterspült hat. Auch findet man Risse im Fundament. Das ganze Donauufer wurde erhöht und deshalb sieht es so aus als wären ältere Häuser im Boden vergraben.

Bei der Fahrt zum Betrieb konnte man die schnell gebauten Plattenbauten sehen, die nötig waren um die Landbevölkerung aufzunehmen die immer mehr nach Budapest strebte. Heute bilden diese Hochhäuser einen sozialen Brennpunkt, weil viele Bewohner arbeitslos sind. Es ist eine wichtige Aufgabe diese Problem zu lösen.

Als wir am Betrieb angekommen waren, wurden wir begrüßt und in einen Konferenzraum gebeten. Dort hörten wir einen Vortrag über den Betrieb. Vor der Wende war der Betrieb ein riesiger maroder Staatsbetrieb, der nach 1989 zerstückelt wurde und man versucht einzelne Betriebsteile zu verkaufen und modernisieren. Der Gewinn wurde in den letzten zehn Jahren gesteigert, obwohl etwa 1800 Arbeiter entlassen wurden. Dies wurde möglich, weil die verbliebenen 1500 Arbeiter wesentlich produktiver arbeiten.

Danach wurde eine Werbemappe verteilt die auf Deutsch die Produkte der Betriebes präsentierte. Es wird sehr detailliert geschildert, wie Bronze und andere Metalle hergestellt werden.

Der Referent des Betriebes erwähnte noch was sie alles herstellen, dies sind unter anderem Buntmetalle und Halbfertigwaren. Der Betrieb war einmal einer der größten Buntmetallproduzenten der Welt.

Nach dem Vortrag gingen wir in eine Werkshalle wo Kupferkabel hergestellt werden. Dort wurden uns sie größten Abnehmer genannt das sind vor allem die USA und die ehemaligen Ostblockstaaten.

Wir sahen die Produktion von Kupferdrähten. Zu Beginn wird ein dünner Kupferdraht durch eine Kupferschmelze gezogen; dabei lagern sich Kupferschichten an. Um diese in ihrer Kristallstruktur zu homogenisieren wird der Draht mehrmals gepreßt. Danach wird er geschält und damit die Oxidschicht abgezogen. Das Restprodukt wird wieder verwendet.

Damit das Kupfer nicht verschmutzt und während der Anlagerung oxidiert, muß der ganze Prozeß in einem von Sauerstoff freien Schutzgas stattfinden und ständig durch diese Gase gekühlt werden.

Wir verließen die Halle und kamen in eine größere wo Kupferwände hergestellt werden. Auch hier wurde deutlich wie wenig auf Arbeiterschutz geachtet wird, denn niemand trug ausreichenden Schutz für das sehr heiße Kupfer. Auch trug niemand in der Halle davor Ohrschutz, obwohl die Maschine sehr laut war.

Uns wurde wieder sehr genau der Produktionsweg beschreiben. So ist es bei Kupfer sehr wichtig wie die Kristalle angeordnet sind, denn dies bestimmt die Qualität. Die Anordnung der Kristalle werden durch die Platten bestimmt durch die das flüssige Kupfer gepreßt wird. Da sie sich nach 8 Wochen abnutzen, müssen sie ausgetauscht werden. Nur dazu wird der ansonsten kontinuierliche Produktionsprozeß unterbrochen.

Danach verließen wir den Betrieb und wir hatten am Nachmittag Freizeit.

Christoph Möbus, Holger Nickel, Moritz Otte

CSEPEL MÜVEK FÉMMÜ BUDAPEST  Gegründet 1892

Am 12. Dezember 1892 pachteten Berthold und Manfréd Weiss für 15 Jahre ein 290.000 m² grosses Gebiet im Bezirk Csepel und gründen ein Werk zur Herstellung von Patronenhülsen für Waffen, welches sich aber hauptsächlich mit der Regenerierung und erneuten Montage von Patronenhülsen beschäftigt, und zwar zuerst unter den Namen „Berthold und Manfréd Weiss, Erstes Ungarisches Konserven- und Erzwarenwerk“ und dann später als „Manfréd Weiss, Stahl- und Metallwerke AG“. Dieser Datum ist mit dem Beginn der Geschichte der Csepel Müvek Fémmü – bzw. deren Rechtsvorgänger – verbunden.

Das von ihnen zuerst nur gepachtete Gebiet wurde im Jahre 1895 von ihnen aufgekauft und in den Jahren 1899 und 1907 wurden zwecks Erweiterung des Werkes weitere Gebiete dazugekauft.

In den Jahren 1895-96 bauen sie die Metallgiesserei und das Walzwerk auf und damit entsteht die erste ungarische Basis der Buntmetall-Metallurgie. In der Metallgiesserei werden in drei Schmelzöfen (mit je 4 Stck. Graphittiegeln) Messing in einer Qualität ähnlich CuZn 30 und in kleineren Mengen auch andere Legierungen (Zinnbronze, Blei-Antimon, Zinn-Blei) produziert.

Laut den Angaben in den Giessereitagebüchern wurden täglich 2 bis 3 Chargen gegossen und zwar mit einem Gewicht zwischen 15 und 80 kg. Die Einlage (Charge) bestand zu 30-70% aus Abfällen (größtenteils aus Patronenhülsen) der übrige Teil aus Buntmetall. Die Chargen wurden auf das Gramm genau eingewogen, was auf eine strenge Einhaltung der Fertigungsvorschriften folgern lässt.

Im Jahre 1897 war auch schon die Metallbandwalzerei mit 2 Walzgestellen in Betrieb, dieser Betriebsteil wurde schon in den Jahren 1899-1900 um weitere zwei Walzstrassen erweitert. Damit kam in Csepel die Basis der vertikalen Fertigung zustande, was der Kriegsmaterialproduktion einen grossen Aufschwung gab. Von dieser Zeit an wurde das zur Patronenhülsenfertigung benötigte Messingband in den Metallwerken hergestellt, aber ausserdem auch Handelsartikel.

Im Jahre 1904 wurde mit der Messingdrahtproduktion begonnen, welche zum grössten Teil für den Export arbeitete. Im Jahre 1907 existierte schon ein selbständiger Raffineriebetrieb. In diesem Jahr wendete der damalige Direktor der Metallwerke Ericksen – als erster auf der Welt – die später nach ihm benannte Tiefziehfähigkeits-Prüfung an, welche aus den Metallwerk ausgehend auf der ganzen Welt verbreitet wurde.

Im Jahre 1910 wird der neue Rohr- und Stangenziehbetrieb in Betrieb genommen, welcher die weitere Entwicklung der Metallverarbeitung ermöglichte. Im Jahre 1911 wurde die 1000 Tonnen Horizontalpresse zum Warmpressen von Stangen in Betrieb gesetzt.

Im Jahre 1913 wurde die Mannesmann-Rohrwalzstrasse in Betrieb gesetzt, auf welcher während des 1. Weltkrieges ausschliesslich nur Granaten gefertigt wurden. Von 1920 bis zu ihrem Abbau im Jahre 1964 wurde sie zur Rohrherstellung verwendet.

Im Jahre 1915 wurde auch ein Elektrolyse-Betrieb erbaut, da ja zu den im Tiefziehverfahren hergestellten Messinghülsen ein Grundmaterial mit höherer Qualität benötigt wurde.

Während des Ersten Weltkrieges entstand in den Metallwerken eine bedeutende Buntmetallurgiebasis, welche sich – die Aluminiummetallurgie und die Aufarbeitung abgerechnet – bis 1957 kaum verändert hat. Wenn sich die Anlagen auch nicht veränderten, so wurde doch die Produktionsstruktur und die Zusammensetzung der Produkte den Bedürfnissen der friedlichen Produktion angepasst.

In Csepel gab es im 1. Vierteljahr des Jahres 1920 nur ca. 1500 Beschäftigte, aber davon gehörten ca. 250-300 Personen zu den Arbeitern der Metallwerke.

Die technische Entwicklung und die Erweiterung der Csepel-Werke machten auch die Entwicklung eines Handelsnetzes nötig. Deshalb wurde von der Weiss Manfred Metallwerk AG eine Grosshandelsorganisation aufgebaut (Ferroglobus, Termoglobus). Im Verlaufe dessen gründen sie im Jahre 1927 den Metalloglobus, welcher den Buntmetallhandel besorgt und bis zum heutigen Tage eines der grössten ungarischen, sich (auch) mit dem Buntmetallhandel beschäftigendes Unternehmen ist. Im Jahre 1927 wurde in den Hüttenbetrieben die 60-Stunden-Woche aufgehoben und die 48 Stunden Woche eingeführt.

Anfang der Dreissiger Jahre begann die Herstellung von Aluminium-Halbzeugen, es wurde Aluminiumblech und gezogenes Profil gefertigt. Zu dieser Zeit waren die Csepeler Metallwerke die grössten des Land es, und sogar eines der bedeutendsten Metallwerke Mitteleuropas. Der inländische Markt erwies sich als zu eng, so wurde der Export immer bedeutender. Infolge der Tätigkeit der Metallwerke überstieg der Export der Buntmetall-Halbzeuge (Indien, Türkei, Griechenland, Ägypten, Italien) den Import.

Im Jahre 1931 bedeutete die Herstellung der zur Elektrifizierung der Eisenbahnverbindung zwischen Budapest und Hegyeshalom benötigten Kupfer-Arbeitsleitung eine grosse Aufgabe für die Metallwerke.

Die Leichtmetall-Formgiesserei begann im Jahre 1933-34 mit dem Guss von Einzelteilen für die Flugzeug- und Autoindustrie, sowie von Kurbelgehäusen.

Die Produktion der Metallwerke machte im Jahre 1937 14 Millionen Pengö aus, was zum damaligen Wechselkurs einer Summe von 3,5 Millionen USD entsprach. Davon betrug der Wert des Exportes 1 Million Pengö. Laut einer verbliebenen technologischen Aufstellung stellten die Metallwerke zu dieser Zeit 46 verschiedene Schwermetallegierungen her,

Während des II. Weltkrieges waren folgende Betriebe in den Metallwerken in Betrieb: Messinggiesserei, Rollkupfer- und Messingwalzwerk, Edelstahlwalzwerk, Rohrziehbetrieb, Stangenziehbetrieb, Drahtziehbetrieb, Kupferraffinerie, Kupferelektrolyse, 3500 Tonnen Presse. Mit der deutschen Besetzung Ungarns änderte sich gleichzeitig auch die Lage der „Manfréd Weiss Stahl- und Metallwerk AG“. Die im weiten Sinne definierte Weiss-Familie reiste ins neutrale Ausland.

Während des Krieges erlitten die Metallwerke schwere Schäden. Während den Angriffen am 3. IV. 1944. und 27. Vl. 1944. bekamen die Spindelzieh-, Stangenzieh-, Rotkupferwalz- und Bandwalzbetriebe Bombentreffer.

Produktion der Metallwerke in den Jahren 1936-1944

Jahresproduktion in Tonnen

 

Schwarz­metall

Leichtmetall

Eisen

Insgesamt

 

Cu

Al

Fe

 

1936

10.773

1.109

7.184

19.066

1937

10.876

913

8.091

19.880

1938

15.114

1.261

8.841

25.216

1939

keine Daten

1940

17.415

3.043

10.249

30.707

1941

4.030

3.029

10.822

17.881

1942

4.103

2.746

11.509

18.358

1943

4.297

3.787

10.619

18.703

1944

3.240

4.098

6.129

13.467

Im Jahre 1945 steigerte sich die Produktion, überstieg aber im April nur um weniges 50% der durchschnittlichen monatlichen Produktion des Jahres 1938.

Im Jahre 1946 betrug die Belegschaftszahl und die Kapazität (in Tonnen) der einzelnen Betriebe der Metallwerke:

 

Personen

Schwermetall

Leichtmetall

Eisen

Messing- und Aluminiumwalzstrasse

250

200

350

Rotkupferwalzstrasse

125

90

50

Bandwalzstrasse

130

40

120

Edelstahl

35

35

Drahtziehbetrieb

85

40

23

42

Am 1. Dezember 1946 wurden auf eine Verordnung des Ministerpräsidenten die vier grössten, für Wiedergutmachungen arbeitenden Werke, unter diesem auch Csepel in staatliche Verwaltung genommen, und zwar so lange, bis die Wiedergutmachung beendet wurde. Die Produktion der Metallwerke steigerte sich laufend, aber auch im September 1947 erreichte sie noch nicht das Produktionsniveau von 1938, was teils auf den Mangel an Rohmaterial und teils auf das Fehlen von Devisen zurückzuführen ist.

Wenn auch das Produktionsvolumen hinter dem des Jahres 1938 zurückblieb konnte das Metallwerk zu dieser Zeit den grössten Teil des Buntmetall- und Leichtmetall-Halbzeugbedarfes des Landes befriedigen.

Im März 1940 gelangte das Werk in staatliches Eigentum. In den folgenden Jahren nach dem 11. Weltkrieg wurden ca. bis 1949 die Kriegsbeschädigungen an den Betrieben des Unternehmens behoben. In diesem Zeitraum und in den darauffolgenden Jahren sank infolge der allgemeinen Buntmetall-Sparmassnahmen der Bedarf an Halbzeugen und da die vorhandenen Anlagen den verringerten Bedarf – obwohl unwirtschaftlich – sichern konnten, wurde das Unternehmen nicht entwickelt. Im Ergebnis dessen wurden zwischenzeitlich ein grosser Teil der Betriebe der Metallwerke unmodern und sogar veralten.

In den Jahren 1958-1959 wurde an der Stelle der veralteten Kupferwalzstrasse eine neue Eisenwalzstrasse erbaut und es wurde mit den Produktionsversuchen von arbeitsintensiven nachrichtentechnischen Legierungen.

Wegen dem erhöhtem Bedarf war in den Jahren nach 1959 die inländische Halbzeugfertigungskapazität nicht mehr ausreichend. Deshalb nahm sich die im Jahre 1961 begonnene neue Etappe der Unternehmensentwicklung zum Ziel, dass sie mit der Modernisierung der Metallwerke, mit der Qualität ihrer Produkte und mit der Wirtschaftlichkeit ihrer Produktion das Weltniveau erreichen will, und dabei soll sie auch den inländischen Bedarf an Halbzeugen mit gewöhnlich kleinem Positionsgewicht befriedigen. In diesem Rahmen wurde ein neuer Kupferelektrolisierungsbetrieb erbaut, und der zweite Drehtrommel-Kupferraffinerieofen in Betrieb gesetzt.

Zum Erfolg der Produktentwicklungsarbeiten trug im grossen Masse bei, dass mit der Schaffung eines Versuchsbetriebes das Unternehmen eine von der täglichen Produktion unabhängige Möglichkeit geschaffen hatte.

Verlauf der Produktion der Metallwerke in den Jahren zwischen 1949 und 1966

27 444 t von 1944 = 100 %

1949

100,0%

 

1954

140,9%

 

1959

147,9%

 

1964

219,0%

1950

121,1%

 

1955

155,0%

 

1960

156,4%

 

1965

255,2%

1951

130,4%

 

1956

136,7%

 

1961

174,6%

 

1966

292,6%

1952

160,4%

 

1957

141,0%

 

1962

175,4%

 

 

1953

169,6%

 

1958

136,7%

 

1963

192,9%

 

 

Wenn wir auch die Abmessungsauswahl berücksichtigen, so hat das Metallwerk im Jahre 1965 mehr als 53.000 Produkte mit abweichenden Zusammensetzungen und Abmessungen hergestellt. Neben einer solchen Produktzusammensetzung wurde eine Profilbereinigung unumgänglich, deren grundlegendes Ziel war, dass sich das Metallwerk mit grösserer Energie mit der Entwicklung der Buntmetallmetallurgie beschäftigen konnte.

Zwischen 1960 und 1966 wurde im Metallwerk die moderne Wärmebehandlung mit Schutzgas verwirklicht, es wurde ein gesonderter Wärmebehandlungsbetrieb mit Wasserstoff geschaffen. Es wurden mit Schutzgas betriebene EBNER Helmöfen und EBNER Überzug-Dekarbonisierungsöfen erbaut. Neben den mit Schutzgas betriebenen Wärmebehandlungsöfen wird im Bandwalzwerk das aus sowjetischer Produktion stammende reversierbare „Quarto“ Walzgerüst mit der dazugehörigen halbautomatischen Blankbeizanlage, das 12 zylindrische „Sendzimir“ Gerüst und das zum Walzen von dünnen Bändern geeignete 20zylindrische „Rohn“ Gerüst in Betrieb gesetzt.

Im Jahre 1967 wird der Bau der Feinmetallurgie-Giesserei beendet und die OFHC-Anlage angefahren.

Die Inbetriebsetzung der mit ständigem Schutzgas arbeitenden Kupfer-, Giessereianlage ermöglichte die Produktion von hochreinem und hochleitfähigen Kupfer in OFHC-Oualität.

Im Jahre 1968 begannen die Schmelzöfen vom Typ ILK und die vertikalen, ständig arbeitenden Giessereimaschinen mit der Produktion.

In dem neuen Rohr- und Stangenziehbetrieb und auf den dazugehörigen vertikal angeordneten neuen 630 Tonnen und 2000 Tonnen Horizontalpressen erreicht die Rohr- und Stangenfertigung ein modernes Niveau.

Es wurde eine „Schumag“ und eine 20 Tonnen „Kieserling“ Stangenzieh-, eine 12,5 Tonnen und eine 20 Tonnen „Kieserling“ automatische 3-Strang-Rohrziehmaschine installiert.

Im Jahre 1967 beginnt die Dynamoband-Produktion und in den folgenden Jahren steigert sich die Produktion auf das Mehrfache, ab 1970 steigert sich sogar der Export bedeutend.

Es kam auch die Entwicklung der Leichtmetall-Formguss-Produktion an die Reihe, weiche die Technologie der Kurbelgehäuse modernisierte und die Kapazität steigerte. Als neues Produkt erscheint der Motorblock, dessen Export im Jahre 1967 begann.

Während im Jahre 1965 nur 14% der Produktionsmenge im Ausland vertrieben wird, war das Verhältnis im Jahre 1970 auf 25% gestiegen. Im Rahmen der Entwicklung der Metallbandfertigung im Jahre 1973 begann in der Metallgiesserei die mit waagerechtem ständigem Guss kristallisierte Bandstreifenproduktion und zwar mit der Inbetriebnahme einer deutschen Einstrang-Giessereimaschine, auf die im Jahre 1975 eine gleiche, aber Zweistrang-Maschine folgte.

Im Jahre 1974 wurde der neue Blankbeizbetrieb des Metallwerkes fertiggestellt und ein moderner neuer Werkzeugbetrieb errichtet, welcher die Fertigung, Wartung bzw. Entwicklung der speziellen Fertigungs- und Verbrauchsmittel des Unternehmens vereint. Es wurde die neue Schwermetall-Bandfertigungshalle (Betriebshalle Nr. IV) erbaut, welche mit hochgenauen „Fröhling“ duo und quarto – reversierbaren – Walzengerüsten und „EBNER“ Überzug-Wärmebehandlungsanlagen bestückt wurde. Der Zweck war den Import des inländischen Bandbedarfes abzulösen.

Im Jahre 1979 tritt das Walzengerüst vom Typ Waterbury Farrel Sendzimir in die Fertigung ein, und ein neues „Fröhling-quarto“ Walzengerüst wird installiert, ausserdem wird die neue Wärmebehandlungshalle fertiggestellt und der Vakuum-Betrieb beginnt zu arbeiten.

Der DFMC-Betrieb wird fertiggestellt und damit wird die Produktion des bisher in den grössten Mengen gefertigten Produktes – der mit veralteter, herkömmlicher Technologie (Guss, Walzen) und niedriger Produktivität hergestellte – Kupfer-Walzdrahtes eingestellt, und an seine Stelle tritt der, höhere Anforderungen befriedigende DFMC-Draht, ein Produkt des laut der durch die amerikanische Firma General Elektrik entwickelten „dip forming“ Technologie arbeitenden Betriebes.

Mit der Modernisierung der Buntmetallband-Herstellung bürgert sich die Produktion von Präzisionsbändern aus Kupferlegierungen und Neusilber sowie die Produktion von Bändern in einer stabilisierten Stoffstruktur und mit dünnen Abmessungen. In der Erzeugnisgruppe der kalt gewalzten Stahlbänder spielt neben den herkömmlichen Handelsmaterialien die Fertigung der auf jedem Markt vorteilhaft absetzbaren elektrotechnischen Stahlbänder eine immer grössere Rolle.

In der in Morfungierenden Werkseinheit wurde ein neuer Elektrodenbetrieb erbaut und zwar wurde auf einer schwedischen Lizenz (ESAB) mit der Produktion von 12 verschiedenen Handschweisselektroden und Schweisspulver vom Typ PANFLUX begonnen. Nach dieser Entwicklung wurde das Csepeler Elektrodenfertigende Werk aufgelöst, welches mit einer veralteten Technologie arbeitete und weiches weder den Mengenbedarf noch den Qualitätsbedarf der inländischen Verbraucher befriedigen konnte.

Mit Wirkung vom 1. Juli 1983 löste die Regierung den Trust der Csepeler Eisen- und Metallwerke auf. Die Metallwerke fungierten ab 1. Juli 1983 unter den Namen Csepel Müvek Fémmü mit völliger Selbständigkeit weiter, nur unter Aufsicht der Staatsverwaltung. Ab 1. Juli 1985 übernimmt der Rat des Unternehmens die Aufsicht, die staatliche Eigentumsform blieb weiterhin bestehen.

Bis zum 1. Januar 1983 vertrat das aus vier Niederlassungen bestehende Unternehmen praktisch selbst den Zweig der Schwermetallmetallurgie in der Volkswirtschaft, danach machten sich aber innerhalb kurzer Zeit zwei Niederlassungen selbstständig.

Die Praxis der bisherigen Entwicklungsarbeit hatte bewiesen, die Herstellung von modernisierten Produkten nicht ohne eine Forschungs-, Produkt- und Technologieentwicklungstätigkeit denkbar ist, welche immer eng in Verbindung mit den Bedürfnissen, den Produktionsmöglichkeiten und der Qualität steht.

Deshalb wurde ein im Rahmen des Unternehmens fungierendes Institut ins Leben gerufen, weiches in der Lage ist die gesamte Entwicklungskette eines neuen Produktes, beginnend von der Forschung bis zur Herstellung des Produktes zu erfassen.

Beginnend von der zweiten Hälfte der 80-iger Jahre ermöglichte das Regulierungssystem der staatlichen Wirtschaft nicht mehr die Durchführung von grösseren Investitionen, die knappen finanziellen Quellen verwendete das Unternehmen hauptsächlich dazu um auf dem gleichen Niveau zu bleiben bzw. war es gezwungen diese für Umweltschutzinvestitionen zu verbrauchen,

Der neue Kupferraffinierbetrieb der Metallwerke wurde im Jahre 1986 in Betrieb besetzt. Die wichtigsten Anlagen des Betriebes: Schachtschmelz- und Oxydierungsflammöfen, reduzierender Flammenofen, Giesstrasse, Absaug- und Staubabscheide-System.

Das vom Umweltschutz-Standpunkt gesehene sehr wichtige Staubabscheide-System wurde von der westdeutschen Firma Intensiv Filter geliefert.

In dem neuen Betrieb werden die entstehenden Rauchgase jeder metallurgischen Phase durch ein Absaugsystem auf die Staubabscheider gebracht, wo der Staub zuerst in einem Vorabscheiderkühler und dann in Sackfiltern so abgeschieden wird, dass max. ein Wert von 50 mg/ml in den Luftraum gelangt, weicher auch den strengsten Umweltschutzvorschriften entspricht. Gleichzeitig damit wurde die alte Kupferraffinerie, welche mit Drehtrommelöfen betrieben wurde und wegen dem Fehlen einer Staubabscheider-Anlage mit einer sehr hohen Luftverschmutzung arbeitete, abgerissen. Eine ähnliche Anlage haben wir in Oktober 1991 auch in der zum Schmelzen des Messings und zum Giessen dienenden Giesserei eingebaut.

Im Jahre 1991 wurde der zur Werkseinheit Mór gehörende Elektrodenbetrieb, gemeinsam mit der schwedischen ESAB-Gruppe unter den Namen „ESAB-Csepel Schweissmaterialherstellungs GmbH“ zu einer GmbH mit gemischten Eigentumsverhältnissen umgebildet, und schied somit aus der unmittelbaren Csepeler Führung aus.

Anfang des Jahres 1992 wurde wegen der ständig sinkenden Nachfrage der sehr gelobte Aluminiumbetrieb aufgelöst und damit schied ein fast 60-jähriges Fertigungsprofil aus der Produktstruktur aus.

Produktionsverlauf und Belegschaft

Zwischen 1967 und 1991

 

Produktion in Tonnen

Belegschaft Personen

Produktion auf 1 Person

 

 

 

Tonne/Pers.

1967

78.893

3.883

20,3

1968

80.812

3.878

20,8

1969

87.311

4.001

218

1970

92.650

3.884

23,9

1971

106.468

4.166

25,6

1972

96.577

3.881

24,9

1973

106.147

3.722

28,5

1974

106.203

3.643

29,2

1975

102.843

3.513

29,3

1976

129.895

4.355

29,8

1977

129.431

4.244

30,5

1978

120.618

4.083

29,5

1979

101.601

3.861

26,3

1980

112.281

3.611

31,1

1981

117.590

3.407

34,5

1982

116.483

3.319

35,1

1983

109.016

2.888

37,7

1984

106.957

2.467

43,4

1985

115.251

2.424

47,5

1986

117.149

2.429

48,2

1987

121.654

2.259

53,9

1988

123.699

2.149

57,6

1989

113.212

2.120

53,4

1990

84.911

1.944

43,6

1991

53.807

1.789

30,1

Zum hundertsten Jubiläum der Csepel Müvek Fémmü produzieren folgende Betriebe noch:

Kupfermetallurgie Werkseinheit:

Kupferraffinerie und Elektrolyse-Betrieb (durch Feuer und Elektrolyse verfeinertes Kupfer)

Vakuum-Giesserei (Barren aus besonderen Kupferlegierungen, Nickel und Nickellegierungen)

DPMC-Betrieb (dipforming-Draht aus Kupfer und mit Silber legierten Kupfer)

Walzwerk-Werkseinheit:

Metallgiesserei

(gegossene Bänder aus Kupfer und Kupferlegierungen Metallbandwalzwerk (kaltgewalzte gewalzte Bänder aus Kupfer und Kupferlegierungen) Feinbandwalzwerk

(unlegierte Stahlbänder, mit Silizium legierte Dynamobänder)

Ziehwerk-Werkseinheit:

Feinmetallurgie Giesserei (Barren aus Kupfer und Kupferlegierungen)

Pressenbetrieb (gepresste Stangen und Rohre aus Kupfer und Kupferlegierungen)

Rohr- und Stangenziehbetrieb (gezogene Stangen und Rohre aus Kupfer und Kupferlegierungen)

Draht-Ziehbetrieb (Draht aus Kupfer und Messing)

Werkseinheit Mór:

(gezogene Stangen und Rohre aus Kupfer und Kupferlegierungen).

Quelle: Informationsmappe der CSEPEL MÜVEK FÉMMÜ BUDAPEST

9. Die Geschichte von Budapest und Besuche im Museum, 24.5.97

Am Anfang dieses Tages stand das Ungarische Nationalmuseum auf unserem Programm. Professor Antal erläuterte uns einige geschichtliche Faktoren in der Entstehung Budapests.

Die Ungarische Hauptstadt besteht aus drei Teilen – Buda, Obuda und Pest. Im Volksmund wird Budapest auch „Die Stadt der Bäder“ genannt. Dies liegt daran, daß es an der Donau eine Reihe von warmen und kalten Quellen gibt, an denen Thermal-Badeanlagen gebaut worden sind.

Ein geographischer Grund für das Entstehen der Siedlung Pest ist die Donau. Vor ca. 2000 Jahren wurde die erste Siedlung an der engsten Stelle der Donau gegründet, wo dann auch die Römer ihre Festungen errichtet hatten, damit die Ostvölker nicht über die Donau gelangen konnten.

Das slawische Wort „Pest“ bedeutet Höhle. Die Siedler aus dem Süden orientierten sich an diesen Höhlen. Sie dienten als Erkennungszeichen und Richtungsweiser für die auf der Donau fahrenden Boote. In den dreißiger und vierziger Jahren des 20. Jahrhunderts dienten diese Höhlen als Übernachtungsmöglichkeit für Bettler und Obdachlose.

Mit der Zeit erkannte man, daß es in den Budapester Bergen ein enormes Kalksteinvorkommen gab. Dieses wurde zum Bau von Häusern genutzt. Der Vorteil des Kalks lag darin, daß er sehr weich ist und sich deshalb gut verarbeiten läßt.

Das damalige Budapest kristallisierte sich mit der Zeit als eine Handelsstadt heraus. Die Handelsstraßen der Römer wurden genutzt und finden sogar heute noch Verwendung. Eine der wichtigsten führte vom Mittelgebirge direkt nach Budapest. Als Rohstoffe wurden Holz, Kalk und weitere Minenprodukte transportiert.

Die ersten Häuser wurden wegen der Angst vor den Mongolen auf dem Burgberg gebaut. Budapest wurde nach dem Mongolen-Einbruch durch König Adalbert IV zur Hauptstadt erklärt (vorher war es Esztergom). Nach dem Krieg gegen die Mongolen wurde der Bau der 1. Stadtmauer angeordnet. Diese Mauer verlief vom Calvin-Platz bis zur Freiheitskirche. Einige Reste sind heute noch vorhanden und zu besichtigen.

In der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts dehnten sich die Siedlungen wegen des „verbauten“ Stadtzentrums in die Peripherien aus. Deshalb wurde auch die Akademie der Wissenschaft außerhalb der Stadtmauern erbaut.

Nach diesem Vortrag von Professor Antal begaben wir uns in das Innere des Museums. Die folgenden Informationen entnahmen wir den Hinweistafeln im Museum.

Stefan I wurde vom Papst zum ersten ungarischen König gekrönt. Ungarn wurde zwischen 1521 und 1526 in drei Teile geteilt. Ein Teil gehörte zum Habsburger Reich, ein weiterer zum Osmanischen und der kleinste Teil war der Freistaat Siebenbürgen.

Nachdem die Osmanen zweimal vergebens versucht hatten Wien einzunehmen um einen optimalen Stützpunkt zur weiteren Eroberung Mitteleuropas zu erlangen folgte im Jahre 1593 der 15jährige Krieg. Dieser veränderte die Machtverhältnisse in Ungarn radikal. Durch den Tod des osmanischen Heerführers gelang es den Habsburgern die nun desolate osmanische Armee nach Süden zu vertreiben.

Gegen Mittag teilten wir uns in 4 kleine Gruppen auf, um ein jeweils anderes Museum zu besuchen.

Protokollanten: René Hänschen, Adam Sajda, Matthias Klar. Endfassung: Matthias Klar

10. Das Naturwissenschaftliche Museum in Budapest

Nachdem wir heute gemeinsam das Ungarische Nationalmuseum besichtigt haben, teilen wir uns in 4 kleine Gruppen auf, um verschiedene andere Museen zu besuchen. Prof. Antal ging mit 4 meiner Mitschüler und mir in das Naturwissenschaftliche Museum.

Die ökologisch historische Ausstellung mit dem Titel „Mensch und Natur in Ungarn“ ist in einem modernen Neubau untergebracht und sehr professionell und interessant gestaltet. Sie zeigt fast alles von geologischen über siedlungsgeschichtliche bis hin zu modernen Aspekten der Naturwissenschaft in Ungarn. Zu bewundern sind nachgestellte Jagd- und Lebensszenen mit ausgestopften Tieren und nachgebildeten Person. Funde von Skeletten, Teilskeletten und mumifizierten Menschen und Tieren sind in Glasvitrinen ausgestellt. Auch moderne Aspekte wie Energiegewinnung und Umweltschutz werden gezeigt. Sehr interessant ist auch der Bereich, in dem die Arbeit der Archäologen vermittelt wird. Zum Beispiel kann man in einer Glasvitrine nachvollziehen wie diese das Gesicht eines Urmenschen unter Vorlage eines ausgegrabenen Schädels rekonstruieren.

Durch die vielen Informationen, die wir durch die Tafeln im Museum und Prof. Antal erhielten, wurde dieser Museumsbesuch zu einem sehr interessanten und informativen Erlebnis.

Matthias Klar

11. Das Museum der Schönen Künste am Heldenplatz

Angelegt wurde die Sammlung Alter Kunst von der Magnatenfamilie der Ezterházy, zu deren Besitz andere Sammlungen und Schätze aus Fürstenhand in diese heute staatliche Galerie hinzukamen. Das Museum der Schönen Künste gehört zu dem beeindruckenden architektonischen Ensemble des Hösök tér, des Heldenplatzes, in dessen Zentrum, flankiert von der Ausstellungshalle und eben dem Museum das Halbrund der Galerie der Bronze-Helden die Siegessäule und das Grabmal des Unbekannten Soldaten umgeben, hinter denen sich das Stadtwäldchen mit »Tivoli«, Schlittschuhbahn und dem Ausstellungsgelände der Milleniarfeier und Ungarischen Nationalausstellung gegen Ende des vergangenen Jahrhunderts erstreckt.

Die Gemäldesammlung zeigt einen beeindruckenden Querschnitt wichtiger europäischer Kunst, mit Schwerpunkten in der der italienischen Renaissance und dem Manierismus, in der flämischen Barockmalerei und in der spanischen Kunst des Spätbarock.

Eine Gruppe unter der Leitung von Frau Halstenberg und Herrn Voigt vertiefte sich in diese große Sammlung, ohne mehr als einen ersten Eindruck und Überblick gewinnen zu können.

Hervorgehoben werden sollte hier nur der Saal mit Meisterwerken von El Greco, die den Betrachter durch ihre Intensität überaus stark in Bann ziehen. Eine halbe Stunde der Versenkung vor diesen Werken, vor allem einem Selbstportrait und einer großen Szene Christi im Garten Gethsemane wühlte schwer zu beschreibende Gefühle auf, die für mich – notwendigerweise – den Abschluß des Tages und der Aufnahmefähigkeit bedeuteten.

12. Das Verkehrsmuseum

Das Verkehrsmuseum ist für allte historisch interessierte »Technikfans« bei einem Budapestbesuch ein »Muß«. Modelle, Pläne und Dokumente aus der ungarischen Seeschiffahrt (ja die gab und gibt es mit Heimathäfen im Schwarzen Meer: in der Tradition der Habsburgerzeit, als Triest zum ungarischen Teilstaat gehörte), aus der Luftfahrt, dem Eisenbahnwesen und dem ÖPNV. Eine Modelleisenbahn lockt dann auch den Spieltrieb.

Interessant ist die hier dokumentierte Bedeutung und Aktualität der technisch-infrastrukturellen Visionen und Anstöße des Reformers Graf Széchenyi in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts, der. z.B. schon den Bau des Rhein-Main-Donau-Kanals angeregt hatte – und überdies u.a. Initiator des Eisenbahnwesens in Ungarn und der Balaton-Dampfschiffahrt war.

13. Aquincum, Szentendre, Donauknie und Esztergom, 25.5.97

Am 25.05.1997 auf der Studienfahrt in Ungarn gab Herr Voigt als Motto für den Tagesausflug ans Donauknie die „Königstour“ aus. Aufgrund eines Diebstahls im Studentenwohnheim konnten wir erst verspätet in Richtung Szentendre aufbrechen.

Auf ein Weg nach Szentendre kamen wir jedoch noch an der römischen Militärstadt von Aquincum, einer erst kürzlich bei Straßenbauarbeiten teilweise ausgegrabenen Ruinenstadt in Obuda, vorbei, wo wir die Grundmauern des Amphitheaters sehen konnten.

Herr Voigt machte darauf aufmerksam, daß für alte römische Städte dieser Art Amphitheater typische städtische Einrichtungen waren, wie auch Forum, Thermen, Bäder und Markthallen, in denen sich das öffentliche Leben abspielte. Das Militärlager von Aquincum lag einige Kilometer südlich in Richtung des heutigen Budapest von der dazu gehörigen Bürgerstadt Aquincum entfernt und wurde von dort aus mit einer zwanzig Kilometer Wasserleitung, einem Aquädukt, mit frischem Trinkwasser versorgt. Daher kommt auch der Name dieser römischen Kolonial- und Grenzstadt: Aquincum hat eine keltische Sprachwurzel und bedeutet etwa ›Am frischen Wasser‹.

In früher römischer Zeit erfüllte das Amphitheater einen religiösen Zweck in der Tradition des antiken griechischen Theaters, wohingegen es später in der Zeit des römischen Imperiums vor allem als Vergnügungs- und Unterhaltungszentrum Schauplatz für Tragödien, Tier- und Gladiatorenkämpfe diente. Dies geschah jedoch erst, als sich eine gewisse verweltlichte Unterhaltungskultur entwickelt hatte.

Die Gladiatoren waren gut ausgebildete Kämpfer, welche durch Siege in der Arena viele Privilegien erhalten konnten. Es war also ein großer Anreiz für sie gegeben, allerdings mußten sie sich auch mit den Gefahren leben, welche das Gladiatorendasein in sich barg. Ein Kampf war nämlich erst beendet, wenn einer der beiden Kontrahenten tot in der Arena lag oder wenn der Unterlegene wegen seiner Tapferkeit vom anwesenden Militärkommandanten oder dem Vertreter der zivilen Obrigkeit begnadigt wurde. Das anzuzeigen, diente die bekannte Geste des aufwärts oder, als Urteil für den Todesstoß, abwärts gerichteten Daumens.

Auch konnten wir dann einen kurzen Blick auf die Ausgrabungsstätte der Bürgerstadt Aquincum werfen, deren ausgegrabenen Grundmauern gut erhalten waren, da sie vor Witterungseinflüssen gut geschützt waren. Die Ruinenstadt war leider nicht vollständig ausgegraben, da große Teile der Stadt durch die Erschließung des Umlands von Budapest bereits überbaut waren.

Budapests Umland zeichnet sich durch eine ausgeprägte und intensive Landwirtschaft aus. Diese nutzt nördlich von Budapest mit seinen mesozoischen Kalkvorkommen der Budaer Berge die Fruchtbarkeit des hier anstehenden Tiefengesteins. Die umliegenden Berge bestehen teilweise auch aus vulkanischem Gestein, das bis zum Donauknie anzutreffen ist.

Nach dem kleinen Exkurs in die römische Vergangenheit fuhren wir weiter nach Szentendre.

Szentendre, nördlicher Nachbarort von Budapest, entstand im 14. Jahrhundert, als Ungarn von den Türken besetzt wurde und sich aus diesem Grund die aus der umkämpften Region um Belgrad fliehenden Serben in diesem Ort an der Donau, nördlich des Herrschaftsgebietes der Osmanen, ansiedelten. Aber auch griechische, ungarische und deutschstämmige Flüchtlinge und Migranten fanden hier am sicheren und religiös toleranten Ort zusammen, der zudem noch eine gute Ausgangsposition für den Donauhandel bot. Folglich gab es in Szentendre viele unterschiedliche religiöse Konfessionen, die jeweils ihre eigenen Kirchen errichteten, welche auch heute noch größtenteils noch erhalten sind: der römisch-katholische Dom, die serbisch-orthodoxe ›Belgrad-Kathedrale‹, die griechisch-orthodoxe Kirche am Marktplatz, und viele andere mehr, meist im typischen ungarischen Barockstil errichtet und innen reich geschmückt und ausgebaut.

Außer den Serben, siedelten sich auch noch Ungarn und Bulgaren in der ganzen Region nördlich von Budapest an. Somit trafen hier sowohl kulturelle als auch verschiedene sprachliche Einflüsse aufeinander.

Die Stadt war und ist in einem hohen Maße ökonomisch und siedlungsstrukturell von Budapest abhängig, da viele Einwohner als Pendler in die Hauptstadt fuhren, um zu arbeiten. Das wird ermöglicht auch durch die HÉV Vorortbahn, die vom Donauufer bei der Budapester Margarethenbrücke über Aquincum nach Szentendre führt.

Eine geringfügige Veränderung dieser Tatsache gab es erst zu Anfang dieses Jahrhunderts, als sich Industrie in Szentendre ansiedelte und somit neue Arbeitsplätze geschaffen wurden. Somit konnte die zwar immer noch große Bedeutung Budapests etwas relativiert werden. Im Laufe der aktuellen ökonomischen Transformationsprozesse wächst die überwältigende Dominanz Budapests über seine Nachbarorte jedoch wieder.

Durch die unterschiedliche kulturellen Einflüsse durch Serben, Griechen, Bulgaren und Türken bildeten sich für lange Zeit selbständige Wohnsiedlungen, in denen jede Kultur für sich selbst, von äußeren Einflüssen unberührt, existieren konnte. Jede Siedlung wurde nach den jeweiligen Baugewohnheiten gestaltet, wodurch die heute immer noch zu erkennenden unterschiedlichen Eindrücke entstanden.

Aufgrund der großen serbischen Einwohnerzahl, die Serben stellten bis zum letzten Jahrhundert mit Abstand die meisten Einwohner, stand die Stadt unter der Führung eines serbischen Bischofs. Die serbische Bischofskirche, welche im barocken Stil gestaltet wurde, besichtigten wir ebenfalls. Ende der 60er Jahre mußte der serbische Bischof sein Amt aufgrund der politischen Veränderungen in Ungarn jedoch niederlegen. Heute können die Religionsgemeinschaften wieder von politischer Pression unberührt existieren, doch die sich wie überall in Europa verweltlichende Gesellschaft reduziert den öffentlichen Einfluß der Religionen maßgeblich.

Seit der Jahrhundertwende entwickelte sich die Stadt zu einem der bedeutendsten künstlerischen Zentren Ungarns. Durch die daraus resultierenden Ausstellungen kam es seit 1970 zu einem Aufschwung des Fremdenverkehrs, was als Folge zu einem erweiterten Angebot an Geschäften und Arbeitsplätzen führte.

Nach dem Besuch Szentendres fuhren wir weiter nach Esztergom. Auf dem Weg dorthin fuhren wir an der Donau entlang und bemerkten viele kleine Wochenendhäuser sowie einige an einem Berg gelegene Zementfabriken.

Zur Zeit des zweiten Weltkrieges gab es in dieser Region größtenteils Bauern, welche Wein und Erdbeeren für die Herstellung von Sekt anbauten, da sich der Anbau von zum Verkauf bestimmten Gütern wie Kartoffeln nicht rentierte. In dieser Zeit kam zwei mal pro Woche ein Donauschiff vorbei, worauf sie ihre Waren laden konnten und von welchem sie Lebensmittel erwerben konnten, da ihre Felder nicht groß genug waren, um die eigene Familie zu ernähren.

Danach kamen wir am Donauknie an. Der Name entstand, da die Donau an dieser Stelle von Westen nach Osten fließt und zwischendurch einen Bogen nach Süden macht.

Diese Stelle der Donau ist jedoch auch geographisch sehr interessant, da die Donau schon vorhanden war, als die umliegenden Gebirge begannen, sich zu heben. Dieses Anheben der aus vulkanischem Gestein bestehenden Berge vollzog sich langsam, so daß dieser tiefe Einschnitt als antezedenter Talverlauf entstehen konnte.

In der heutigen Zeit stellt die Donau an dieser Stelle aber ein Problem für die moderne Schiffahrt dar.

Da sich an diesem Punkt eine aus hartem Gestein bestehende Schwelle im Flußtal in der Donau befindet, ist sie bei Niedrigwasser sehr flach und es somit zeitweise unmöglich, sie im Abschnitt des Donauknies mit einem Schiff zu passieren. So entstehen bei Niedrigwasser immer wieder Staus, welche sich gegebenenfalls über eine Strecke von 7-8 km erstrecken können, da ein Schlepper 2-3 m Wasser unter seinem Kiel benötigt, um gefahrlos fahren zu können.

Eine andere Folge dieser Schwelle am Donauknie mit einem Höhenunterschied von ca. 40 cm auf eine Strecke von einem Kilometer ist, daß die Donau dort schneller als sonst fließt. Deshalb werden Schlamm und Steine aus dem Boden gespült und flußabwärts getragen, wo sie sich wieder absetzen, wenn die Fließgeschwindigkeit sich verringert. Die Steine und der Schlamm sind der Grund dafür, daß sich das Flußbett absenkt und weiter flußabwärts wieder ansteigt, was den Charakter der Schwelle und ihre Ausdehnung im Flußverlauf vergrößert. Dadurch steigt der normale Wasserstand der Donau im Bereich des Donauknies bis zu 3 m höher als stromabwärts, was bei Hochwasser eine Überschwemmungsgefahr mit sich bringt.

Aus diesem Grund wurden zum Schutz der umliegenden Siedlungen Dämme gebaut, außerdem wird die schiffbare Strecke jetzt täglich ausgemessen, um zu verhindern, daß die Schiffe bei Niedrigwasser auf Grund laufen. Das Risiko ist zwar geringer, doch sicher ist es noch immer nicht, das Donauknie zu passieren.

Als am Anfang dieses Jahrhunderts die Bahnstrecke Budapest – Wien gebaut wurde war es sicherer die Waren per Zug zu verfrachten. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Donau zum Grenzfluß zwischen Ungarn und der Slowakei. Dies barg auch das Problem der Festlegung der Staatsgrenze im Fluß in sich und erschwerte die Flußregulierung.

So entschied die Internationale Donaukommission nach dem 2. Weltkrieg, daß jedes Land seinen Teil der Donau zu überprüfen hätte. Es wurde außerdem beschlossen, einen einheitlichen, europäischen Wasserweg als internationale Wasserstraße zu schaffen, was bedeutete, daß einige Donausiedlungen beim Ausbau dieses Wasserwegs überschwemmt werden mußten.

Zum Bau des Dammes sollte ursprünglich der Wasserspiegel der Donau um 6 % gesenkt werden und vulkanisches Gestein aus dem Donaubett gesprengt werden. Diese Arbeite wurden aber eingestellt, da in der Slowakei mit dem Bau eines Kraftwerks begonnen wurde. So konnte das Wasser erst gestaut und dann zum Kraftwerk umgeleitet werden, was bedeutete, daß der Wasserspiegel der Donau gesenkt wurde.

Danach sprachen wir über die dezentrale Verwaltungsordnung im alten Ungarn. Diese kam zustande, da der jeweilige Herrscher immer zwischen seinen wichtigen Festungen (Esztergom, Buda, Visegrád) umherreiste. In der hoch auf dem Berg über dem Donauknie gelegenen Burg Visegrád, die in den letzten Jahren sorgfältig rekonstruiert werden konnte, wurde im Mittelalter die Stefanskrone, die wir einen Tag zuvor im Nationalmuseum in Budapest besichtigen konnten, aufbewahrt.

Der bedeutendste Herrscher der Renaissance in Ungarn war Matthias Corvinus (der Rabe), der sein prunkvolles Schloß am Fuße des Burgbergs von Visegrád im italienischen Stil der Renaissance errichten ließ, welches keinen Verteidigungszwecken sondern nur höfischen Repräsentationszwecken diente und in ganz Europa Aufsehen. Unter seiner Herrschaft wuchs Ungarn für kurze Zeit zu einer kulturellen Größe in Europa.

Zum Abschluß dieses Tagesausflugs besichtigten wir die Kathedralbasilika von Esztergom, der zentralen katholischen Bischofskirche in Ungarn, von wo aus im Mittelalter die Christianisierung in der Zeit von Szent István, des heiligen Stephan I., des ersten Königs der Ungarn, ausging und wo sich die eine Hauptstadt des ungarischen Reiches befand. Die riesige Basilika mit zentraler Kuppel und zwei mächtigen Türmen, ist im 19. Jahrhundert im klassizistischen Stil an der Stelle der in den Türkenkriegen schwer beschädigten Vorgängerkathedrale errichtet worden. Kommt man mit dem Schiff auf der Donau aus Richtung Wien, markiert diese Basilika hoch über der Donau gelegen den Beginn des Taleinschnittes, der zum Donauknie führt, und demonstriert sinnfällig – ganz nebenbei – den Souveränitätsanspruch Ungarns gegenüber Österreich und den Machtanspruch der katholischen Kirche.

Auf dem Kathedralberg befand sich neben den Verwaltungsgebäuden des Bistums und der Diöszesanverwaltung auch die alte Burg von Esztergom, welche während der Türkenzeit zerschossen wurde und von der nur noch einige wenige Mauerreste am Berghang zu sehen sind. An dieser Stelle an der Grenze zur Slowakei gibt es seit Zerstörung der Donaubrücke von Esztergom im Zweiten Weltkrieg in einem großen Umkreis außer einer ständig verkehrenden Fähre keine Verkehrsanbindung zur Slowakei, was die ökonomischen Integrationsperspektiven und den zusammenwachsenden europäischen Verkehr natürlich außerordentlich behindert.

Christian Dresel, André Fischer, Karsten Habermehl

14. Johannes Hunyadi, Matthias Corvinus und die Türkenkriege

Als Ludwig der I. im 14. Jahrhundert König von Ungarn wurde und die reiche Erbschaft seines Vaters Karl des II. übernahm, hatte er genügend Mittel, um seine angestrebte Großmachtspolitik zu verwirklichen. Er erweiterte sein Herrschaftsgebiet auf Italien und Südosteuropa, und die neu eroberten Gebiete dienten als Pufferzone zum jungen osmanischen Reich, mit dem Ungarn schon damals vereinzelte militärische Zusammenstöße hatte. Ungarn und Siebenbürgen erlebten während Ludwigs Regierungszeit eine kulturelle Blütezeit.

Die Bedrohung durch die Osmanen wurde jedoch erst unter seinem Schwiegersohn Sigismund akut. Der ungarische Thron diente dem gebürtigen Luxemburger jedoch lediglich als eine Art Sprungbrett zu Westeuropa. Sigismund erweiterte seinen Machtbereich durch Kriegszüge, wurde König von Böhmen, der Lombardei und Deutschland und schließlich gewann er 1433 (vier Jahre vor seinem Tod) auch die Kaiserwürde hinzu. Trotz der Gefahr der anrückenden Osmanen vernachlässigte er die Fürsten auf dem Balkan.

Unter seinen Gefolgsleuten hatte bald Johannes Hunyadi eine überragende Stellung. Er begann seine Laufbahn als Hofpage am Hof Sigismunds und stieg bereits nach wenigen Jahren zum größten Grundherren des Reiches auf, wurde Herrscher Siebenbürgens und erfolgreicher Feldherr. Mann vermutet, daß er ein Sohn Sigismunds gewesen ist, was auch seine Loyalität zum König erklären würde, während die anderen Adligen nicht bereit waren, ihre Interessen dem Reich unterzuordnen. Schon damals gab es Konflikte unter Ungarns Adligen, da manche die außenpolitischen Prioritäten Ungarns im Westen Europas und andere wie Hunyadi in Südosteuropa sahen.

Als großer Feldherr fügte Johannes Hunyadi den Türken schwere Niederlagen zu. Er war unter wechselnden schwachen Königen fester Fels des Staatslebens. 1456 starb Hunyadi nachdem er Sultan Murad vor Belgrad geschlagen hatte. Damals wurde von Zeitgenossen angenommen, die Osmanen hätten nicht die Möglichkeit weiter nach Ungarn einzudringen.

Sein Sohn Matthias Corvinus ließ sich zwei Jahre nach dem Tod seines Vaters von den im Reichstag versammelten Adligen zum König wählen. Er förderte Kunst, Literatur, schaffte Ungarns erstes ständiges Söldnerheer, führte Kriegszüge gegen Böhmen und Österreich, beschränkte sich jedoch gegenüber den Türken auf Verteidigung.

Matthias hinterließ keine rechtmäßigen männlichen Erben. Nach seinem Tod verschwand die Machtstellung Ungarns über Europa über Nacht dahin.

Zwei schwache, unfähige Könige folgten ihm auf den Thron bis die Türken ins Land einbrachen.

Doch noch vor dem Einfall der Türken ereignete sich ein weiteres geschichtliches Ereignis in Ungarn. Nach dem Tod Matthias Corvinus begannen die Grundherren, ihren Untergebenen immer neue Lasten aufzubinden und sie immer mehr auszubeuten.

Zu dieser Zeit rief der ungarische Kardinal Thomas Bakócz zu einem Feldzug auf, um Jerusalem von den Türken zu befreien. Etwa 100.000 Bauern schlossen

sich ihm an, weniger aus religiösem Eifer sondern um dem Elend und der Unzufriedenheit ihres alltags zu entfliehen. Der Kardinal erkannte dies und verfügte kurzerhand die Auflösung des Kreuzfahrerheeres. Die bewaffneten Männer gingen jedoch nicht auseinander, sondern griffen die ihrer Ansicht gottlosen Grundherren an. Aus dem Kreuzzug wurde Ungarns größter Bauernaufstand.

Währenddessen war seit dem Ende des 15. Jahrhunderts der ungarische Königshof arm geworden. Trotzdem wuchs in der Bevölkerung das Interesse an Kunst, Literatur und Religion, doch inmitten des geistigen Aufstiegs verfiel der Staat und man bereitete sich nicht auf die drohenden militärischen Zusammenstöße mit dem osmanischen Reich vor.

So war es 1526 bei Mohács für die Türken ein leichtes einen vollständigen Sieg zu erreichen. Nach seinem Sieg zog sich der Sultan zunächst aus Ungarn zurück und Österreichs König Ferdinand von Habsburg erhob unter Berufung auf Erbverträge den Anspruch auf Ungarns Thron.

Ihm stellte sich Johannes Zápolya entgegen, der seit er den anfangs sehr erfolgreichen Bauernaufstand niedergeworfen hatte, als Führer der ungarischen Adelsmehrheit galt. Noch Ende 1526 ließen sich beide (im Abstand von einem Monat) zum ungarischen König wählen.

Da Ferdinand als König von Österreich ein größeres Heer unterstand, mußte Zápolya nach Polen fliehen. Der türkische Sultan, der nicht zulassen konnte, daß der Habsburger seine Macht in Ungarn stärkte, verbündete sich mit Zápolya und zog mit seinem Heer 1529 nach Wien, um die Stadt zu erobern. Der Versuch des Sultans scheiterte und letztlich war keinem Gegenspieler ein entscheidender Sieg möglich.

Als Johannes Zápolya 15 Jahre später starb rückte der Sultan erneut in Ungarn ein, um auf Berufung des alten Bündnisses den einjährigen Sohn Zápolyas vor den Habsburgern zu schützen. Der Sultan eroberte neben der Hauptstadt Buda die ganze Landesmitte.

Dieser Vorstoß der Osmanen gab den Anstoß zur Dreiteilung Ungarns: das durch Randgebiete vergrößerte Siebenbürgen wurde Johann Sigismund (Johannes Zápolyas Sohn) als selbständiges Fürstentum übergeben. Österreich erhielt den schmalen Gebietsstreifen Im Westen und Norden Ungarns, während die Osmanen den größten Teil des Landes (Mittel- und Südungarn) für sich beanspruchten.

Das Fürstentum Siebenbürgen wurde zum Werkzeug der politischen Ziele der Osmanen und wurde vor allem zur Schwächung Österreichs benutzt. In Siebenbürgen erlebte die ungarische Kultur eine neue Blüte, während in den habsburgisch und türkisch besetzten Landesteilen das geistige und kulturelle ungarische Leben nahezu ausgelöscht war. Es hätte im ungarischen Interesse gelegen, wenn Siebenbürgen und der österreichische Teil Ungarns vereint worden wären. In der Tat bemühten sich beide Seiten um möglichst enge Zusammenarbeit, jedoch wurde dies von den Osmanen verhindert, die immer bemüht waren die Spannungen zu steigern und Gegensätze zu verschärfen, um so die österreichische Position zu schwächen.

Die Ungarn im habsburgischen Teil des Landes waren überzeugt, daß die Befreiung von den Osmanen ausschließlich über Wien gelingen würde, jedoch kümmerten sich die Habsburger viel eher um den Westen Europas und vernachlässigten Ungarn.

Diese Politik änderte sich erst nachdem die Türken 1683 erneut Wien belagert hatten und erfolgreich zurückgeschlagen worden waren. Die Ungarn waren jedoch nicht sehr erfreut über die Siege Österreichs, da sie nun eine absolutistische Herrschaft erwartete die sie ebenfalls nicht wünschten.

Es gab Proteste und Verschwörungen, die aber frühzeitig verraten wurden. Die Verantwortlichen wurden getötet, gefangen genommen und enteignet, mit der zeit begann man Ungarn wie Feindesland zu behandeln. Diese Proteste gegen die habsburgische Politik setzten sich weit nach der Befreiung Ungarns vom osmanischen Reich fort.

150 Jahre unter osmanischer Herrschaft waren nicht spurlos an Ungarn vorbeigegangen: die staatliche, wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung war zurückgeworfen worden und konnte bis ins 19 Jahrhundert nicht vollständig aufgeholt werden.

Katarina Domić / Vesna Plavśić

15. Besuch im Stadtplanungsamt von Budapest, 26.5.97

Der Wochenbeginn am Montag, 26. Mai begann mit einem sehr intensiven Informationsprogramm über die Stadt Budapest. Wir fuhren mit der Straßenbahn zum Kálvin tér und trafen dort auf Prof. Antal und Frau Cravero, mit denen wir zum riesigen Gebäudekomplex des innerstädtischen Rathauses gingen. Dort wurden wir in der Stadtplanungsabteilung von einem sehr qualifizierten Stadtplaner als Referenten empfangen. Doch bis wir das Dienstzimmer gefunden hatten, mußten wir noch durch viele Gänge und Etagen irren – vielleicht hat hier auch Kafka einmal gearbeitet? Der Vortrag wurde auf Ungarisch gehalten und von Frau Cravero mit Unterstützung von Herrn Prof. Antal übersetzt. Am Ende war noch Zeit für einige Fragen, die sich vor allem auf die politischen und ökonomischen Rahmenbedingungen und Strukturänderungen und ihre Auswirkungen auf die Möglichkeiten der Stadtentwicklung und Stadtsanierung bezogen. Dabei wurde auch erwähnt, daß das Planungskonzept in Kürze publiziert werden soll – mit den entsprechenden Karten und Daten – und auch in  einer deutschen Zusammenfassung erscheinen soll.

Der Ausbau der Infrastruktur und die zukünftige Stadtentwicklung

Die Schwerpunkte der heutigen, von der wirtschaftlichen Situation beeinträchtigten Stadtplanung liegt bei der Aufstellung und Realisierung eines Infrastrukturplans. Die Stadt Budapest umfaßt 525.000 km2, 1.900.000 Einwohner wohnen in der Hauptstadt Ungarns, die ein Agglomerationsraum von 2.800.000 Einwohnern in 77 Siedlungen umgibt.

Die Bedeutung des Umlandes, der conurbation, ergibt sich aus der engen Verflechtung von Innenstadt und Agglomeration. Da die Pendlerströme immer mehr zunehmen wurde die Infrastruktur der öffentlichen Verkehrslinien ausgedehnt. Andererseits kommen 70% des Trinkwassers für den Agglomerationsraum aus den städtischen Wasserwerken auf der Szentendrei Sziget, teilweise auch von der Csepel-Insel und aus Újpest (‚Neu-Pest‘ auf der linken nördlichen Donauseite).

Ein großes Problem für die Agglomeration ist die Müllentsorgung: 1/3 des Mülls in Budapest wird verbrannt. Im Süden sind zentrale Deponien geplant, was aber eine Maßnahmen für etwa die nächsten 30 Jahre ist.

In der Hauptstadt findet seit ca. 15 Jahren ein tiefgreifender ökonomischer Wandel statt. Auffällig dafür ist die Verminderung der Zahl der Industriebeschäftigten von 400.000 im Jahre 1982 auf 130.000 in 1997. Der Handel nimmt zu, etwas weniger sonstige Dienstleistungen, aber eine starke Erweiterung des Finanzsektors (Banken, Versicherungen). Die Struktur des Handels ändert sich, da sich die Realeinkommen der Bevölkerung vermindern. An die Stelle des dezentralen Kleinhandels tritt der Ausbau der kostengünstigeren und gleichzeitig umsatzstärkeren Großhandelsketten; wie in den westeuropäischen Ländern geht der Trend zum „Erlebniseinkauf“. Zehn dieser Einkaufszentren sind schon fertig, drei sind im Bau und 19 in Planung; in der Agglomeration finden sich noch mehr.

Für die Stadtplanung wichtig ist die Beobachtung der Änderungen der Verkaufsgewohnheiten und des Verkehrs; es findet eine Konzentration auf die Verkehrsknotenpunkte statt. Das zieht wohl Regulierungsbedarf nach sich: die bisherige Planungseffizienz ist vielleicht nicht groß genug. Ziel muß die Anpassung und Anbindung der infrastrukturellen Versorgung und der Verkehrsbedienung an die Struktur der Hauptstadt sein.

Zur städteplanerischen Gliederung der Agglomeration Budapest

  1. Der innere Kern der Stadt (Belváros) ist Finanzzentrum, und hat die höchste Konzentration des Handels, der Gaststätten und Hotels, weist die größte Verkehrskonzentration auf: Das Verkehrsnetz des ganzen Landes konzentriert sich auf die Hauptstadt, was heute für das Leben in der Stadt und die Perspektiven der Stadtentwicklung eine große Belastung ist.

  2. Traditionell ist Budapest – zunächst auf der pester Seite – in Ringstruktur angelegt und gewachsen.

  • Die Innenstadt wird umgrenzt vom »Kleiner Ring«, der die Grenze der Stadtausdehnung in der Mitte des letzten Jahrhunderts nachzeichnet und aus der Offenlassung der alten Befestigungsanlagen entstanden ist.

  • Der »Große Ring« entstand in der Stadterweiterungsphase in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts, als sich die vorher unabhängigen Städte Buda, Pest und Óbuda zu Budapest verbanden und als die Vorbereitungen zur Milleniarfeier der »Landnahme« mit der großen Ungarischen Nationalausstellung im »Stadtwäldchen beim Heldenplatz der Stadtentwicklung eine neue Dynamik verliehen. Mit der »kleinen Unterpflasterbahn« (Métro 1) unter der Andrássy út wurde die erste elektrische U-Bahn auf dem europäischen Kontinent als ›Franz-Josef-Unterpflasterbahn‹ eingeweiht.[i]

  • In den letzten beiden Jahrzehnten mußte dann eine weiterer äußerer Ring mit Straßenbahn- und Bus-Ringlinien und Verküpfungspunkten zu den neuen Metro-Linien und der neuen Endstation der verlängerten Metrolinie 1 am Mexikó tér weitgehend aus schon vorhandenen Straßenzügen zusammengefügt werden. Dieser Hungaria-Ring steht nun vor der Vollendung.

  • Von der Csepel-Insel mit einer neuen Donaubrücke ausgehend soll der Bau des Schnellstraßenringes »M Null-Ring« eine erste wirkliche autobahnähnliche Umgehungsstraße anbieten. Teilstücke existiert bisher aber erst auf der Csepel-Insel im Süden der Stadt. Dieser Ring soll den Verkehr aus der Umgebung der Stadt von der Innenstadt abziehen. Dreiviertel des Verkehrsaufkommens der Agglomeration gehen jedoch von der Stadt aus.

  • Notwendig ist auch der Baue eines nächsten Ringes, der eine weiträumige Umfahrung der Stadt für den Transitverkehr auf Autobahnen ermöglicht. Doch dies sind noch Planungen für die Zukunft.

  1. Die Regelung des Verkehrs in der Innenstadt wird mit der Entwicklung des Massenverkehrs immer dringlicher: Neben der Einrichtung neuer Fußgängerzonen und Verkehrseinschränkungen im Innenstadtbereich, soll eine neue Metrolinie den Verkehr vom Kelenföldi pu (›pályaudvar‹ = Bahnhof) in Süd-Buda zum Umsteigepunkt Keleti pu (Ostbahnhof) mit der Beförderungs-Kapazität einer Donaubrücke aufnehmen.

  2. Es gibt in Budapest gravierende ökologische Probleme. Die Grundsstückspekulation um die Jahrhundertwende hatte eine hohe bauliche Verdichtung zur Folge. Der Bauzustand ist jedoch seit langem sehr schlecht – die Instandhaltung, welche bauhistorisch sehr hoch wäre, wurde vernachlässigt. Es kam die Frage nach den finanziellen Mitteln für die notwendige Sanierung auf. Seit dem politischen Wechsel wurden viele Wohnungen privatisiert oder verkauft. Nicht immer sind die neuen Besitzer aber finanziell in der Lage, die Bausubstanz angemessen zu sanieren. Daher treten in den günstigen Stadtlagen immer mehr gewerbliche Gebäudenutzungen und die Verdrängung der Wohnbevölkerung auf, während die ökonomisch uninteressanten städtischen Randlagen weiter verfallen und direkt Verslumungstendenzen zu beobachten sind.

  3. Zwischen den verschiedenen Stadtbezirken fand ein sozioökonomischer Segregationsprozeß statt, das heißt, die Reichen siedelten aus der Innenstatt zum Budaer Hügel. Die Nachmieter, welche oft viel ärmer sind, haben keine Mittel zur Erhaltung und Sanierung der Häuser. Für den Rat der Stadt gibt es drei Varianten zur Erhaltung: die direkte Unterstützung, die Gründung privatrechtlicher Baugesellschaften mit staatlicher Hilfe, und die planvolle Sanierung der Häuser der Innenstadt. Städtischerseits fehlt es aber durchweg an Geld für die notwendigen städtebaulichen Maßnahmen.

  4. Die Innenstadt wird seit langer Zeit schon von Handel und Finanz gesucht – der zentraler Teil der Innenstadt ist deswegen auch reich und ertragsstark – eine echte metropolitan area.

  5. Die Übergangszone zwischen Innenstadt und Außenbezirken ist von dem Wirtschaftswandel am stärksten betroffen. Große Industriebetriebe, die hier seit dem letzten Jahrhundert ihre traditionellen Standorte haben[ii], müssen sich verändern, in ihnen müssen Funktionsänderungen stattfinden. Entwicklungsprobleme wurden nicht gelöst – es entstand eine differenzierte Problemlage. Es ist eine schnelle Entwicklung im Südosten am „Westlichen Tor“ zu beobachten, wo die Autobahn 1 und 7 zusammenlaufen. Dort sind auch Unternehmensansiedlungen zu finden, doch fehlt hier die eigentlich anschließende »äußere Zone«. Alle Unternehmen in dieser Zone benutzen den Autobahnanschluß; dieser ist daher heute übermäßig belastet. Die neue Hauptstraße mit der neuen Donauquerung führt zu einer Entlastung der alten Csepelbrücke wie der alten Innenstadtbrücken, was den Verkehr flüssiger macht und den Verkehrslärm in den anliegenden Wohngebieten mindert, was ebenfalls zu einer Entlastung der Anwohner führte. Dadurch entstand aber auch eine neue Situation: Die Bevölkerung verhinderte eine direkte Verbindung der Brücke mit der Autobahn. So wurde das politische Interesse der Bürger geweckt, was zu einem politischen Interessenkampf führte. Der Verkehr fließt auf mehreren Brücken und Straßen. Langfristig wurde der Verkehr auf ein Netz von Straßen und Brücken verteilt, was durch Einbindung der Industrie auf der Csepelinsel zu einem Wachstum dergleichen führte.

  6. Im Norden in Nordbuda bzw. in Nordpest existiert ein gut entwickeltes Straßennetz. In letzter Zeit erfolgte die Modernisierung der Ausfallstraßen Szentendrei út sowie ebenfalls der Váci út, was natürlich auch zu einem höheren Verkehrsaufkommen auf denselben führte, andere Verbindungen aber entlasten konnte. Verkehrsentwicklungsmaßnahmen wurden vor allem im mittleren und im östlichen Teil vorgenommen. Ebenfalls wurde ein zweites logistisches Zentrum für den Güterumschlag im Südwesten aufgebaut. Das führte jedoch zu einer Steigerung des internen Stadtverkehrs und des Verkehrs auf den existierenden Teilstücken des mit »M0-Ringes«. Hier liegt auch das genannte »Zentrum des kombinierten Umschlags (LKW, Bahn)« das eigentlich den Ausbau des Autobahnringes der Strecke der »A0« von Südosten her mit Verknüpfung zu A1 und A7 verlangt, der jedoch aus finanziellen Gründen noch nicht konzipiert werden konnte.

  7. Im Zentralbereich führten die Planungsbeschlüsse schneller zur Einigung als im Norden. Dennoch wird eventuell im Norden die geplante neue Autobahnbrücke im Zuge des »A0-Ringes« eher fertiggestellt als ihr Pendent im Süden. Größere ökonomische und städtebauliche Entwicklungen sind ohnehin im Norden zu erwarten. Budapest wartet mit steigendem Nord-Süd-Verkehr auf den existierenden Innenstadtringen sehnsüchtig darauf, daß dieser Umgehungsstraßenring fertig gestellt wird.

  8. Die äußeren Bereiche unterliegen seit 60 Jahren den Einflüssen der Agglomerationen Budapest. Doch der dörfliche Charakter ging verloren während der erwartete Fortschritt ausblieb. Nachteile sind immer noch große Infrastrukturprobleme.

  9. Ein Besonderes Problem vor allem auch des Agglomerationsraumes sind die unzureichenden, völlig überalterten und in einigen Bereichen noch fehlenden Abwasserkanalsysteme; nur 25% der Abwässer der Region Budapest werden vollständig biologisch gereinigt; ansonsten erfolgt der unzureichend oder überhaupt nicht geklärte Abfluß in die Donau. Der Rat hat hier grundlegende Änderungen beschlossen. In Nord-Buda und Süd-Pest wird von den dortigen Klärwerken ausgehend eine Abwasserkanalitions-Erweiterungen vorgenommen. Alles Wasser muß entsorgt werden. Das Fehlen einer hinreichenden Abwasserentsorgung ist ein Hindernis der Entwicklung der Hauptstadt und – durch die sekundäre Grundwasserverschmutzung wie durch die Verunreinigung der Donau – ein schweres Umweltproblem. Aber noch fehlt in Teilbereichen der Stadt der Hauptanschluß und der Ausbau von notwendigen Drucksammlern. Die Planungsperspektive für die Abwasser muß aber bis zur endgültigen Fertigstellung einen Planungsrahmen bis zum Jahr 2100 setzen. Die Zentrale Anlage wird eine Durchsatzkapazität von 600.000 m3 haben. Als flankierende ökonomische Maßnahmen wird die stufenweise Erhöhung der Trink- und Industriewasserpreise durchgesetzt, die zu geringerem Verbrauch führt und damit auch zu geringeren Abwassermengen. Die politische Kontroverse mit der prekären sozialen Lage großer Teile der Stadtbevölkerung und dem notwendigen Ziel der Wirtschaft- und Standortförderung ist damit aber auch vorgezeichnet. Es bestehen Planungsprobleme bei der Koordination unter den lokalen Räten.

  10. Das Verkehrssystem der Agglomeration hat gravierende Mängel. Z.B. ist bisher der äußerer Bereich der Stadt schlecht angebunden und erschlossen; dies wird sich mit dem Ausbau des »M0-Ringes« verbessern. Es ist notwendig, nähere und direktere Verbindungswege zwischen den Gewerbestandorten in den Randgebieten und sowohl der Innenstadt wie den Umgehungs- und Transitstraßen, die sich ja z.Zt. erst in der Planung befinden, auszubauen. Bei einer generellen Strukturverbesserung ist auch die Niederlassung von neuen Betrieben erwünscht. Neue Arbeitsplätze sind zu schaffen. Notwendige Maßnahmen sind eine aktive staatliche Industrieförderungspolitik, deren Realisierung aber oft an den mangelnden finanziellen Möglichkeiten der Stadt scheitert. Der Bau von besseren Wohnquartieren, bzw. die Sanierung der vorhandenen Bausubstanz muß Hand in Hand gehen mit der Förderung der Schaffung von neuen Arbeitsplätzen. Leider stehen beide Ziele und Maßnahmenpakete oft in unlösbarer Konkurrenz um die knappen finanziellen Ressourcen.

  11. Die westliche Gebirgslandschaft der Budaer Berge ist eine Region eigener Prägung. Für die Agglomeration sind die Wälder der Budaer Berge ein wichtiges Naherholungsgebiet. Daneben findet sich hier am Stadtrand ein reiches Wohngebiet mit großem Sozialprestige. Daher ist ein Zustrom der Gutsituierten in die westlichen Hügelgebiete auch über die Stadtgrenze heraus zu beobachten. Aber auch Privatfirmen, Banken, Geldinstitute und diplomatische Vertretungen haben hier ihre Residenzen, Gästehäuser und Direktorenvillen gebaut. Die Wälder der Agglomeration sind geschützt. Vor allem der Grundwasser- und Klimaschutz ist für die Situation der ganzen Stadt notwendig und wird durch das ungebremste Wachstum der Agglomeration stark beeinträchtigt. Notwendig ist die Verlangsamung und Steuerung dieses Zuzugs. Ein allgemeiner Plan in dieser Richtung ist beschlossen worden. Doch stehen hier die Planungskompetenzen der auf eigene Steuereinnahmen bedachten, heute relativ autonomen Bezirke in Konkurrenz mit den die Gesamtagglomeration betreffenden politischen und planerischen Zielsetzungen der Planungsbehörden der Stadt und der Komitate. Die auf der Pester Seite dominierende hierarchische Struktur von Hauptzentrum, Nebenzentren und Unterzentren fehlt am westlichen Stadtrand weitgehend. In den Budaer Bergen finden sich kaum zentrale Funktionen. Bei einer  Strukturplanung stellt sich das Problem der Versorgung der neu zugezogenen Bevölkerung auch über die Stadtgrenze hinaus. Neue Arbeitsplätze sind erwünscht, aber schwer durchzusetzen. Dominierend bleibt das Hineindrängen von Handel und Finanzwirtschaft.

  12. Ein weiteres Gebiet eigener Prägung ist die Nord-Süd-Verkehrsachse am Donauufer. Für das Stadtbild ist gerade das Aussehen dieser Uferregionen sehr wichtig (»Rakpart«). Der innerstädtischer Teil der Uferbebauung ist in den letzten Jahren erneuert worden. Doch auch der nördlich und südlich anschließende Rest ist für die Stadt von große Bedeutung. Die Innenstadt soll direkt an die Donau anschließen und nicht durch Hauptverkehrsstraßen abgetrennt werden. Auch in der Übergangszone am Donauufer sind große Industriegebiete vorhanden. Sie sind häßlich und entsprechen nicht den Planungsvorstellungen. Auf dem Gebiet der abgesagten Weltausstellung wird zur Zeit eine Universitätsstadt errichtet. Im 19. Bezirk entstehen neue Handelszentren. Diese funktionale Entwicklung dauert schon mehrere Jahrzehnte an.

Zusammenfassung

Die Hauptstadt bzw. die hauptstädtische Bevölkerung besitzt einen Entwicklungsanspruch für ihre Stadt und ihren Lebensraum. Folgende Punkte sind dabei zu berücksichtigen:

  • Der Stadtumbau ist eine Aufgabe für die heutige Regierung, umfaßt aber gleichermaßen langfristige Probleme, mit denen sich kommende Generationen befassen müssen.

  • Die heutigen ökonomische Möglichkeiten sind beschränkt; oft ist die Aufrechterhaltung der bestehenden Funktionen die einzige verbleibende Möglichkeit.

  • Auch in einer privatwirtschaftlich organisierten Gesellschaft muß die Stadt bzw. der Staat die Instandsetzung anregen und fördern und darf das nicht alleine den »Marktgesetzen« überlassen.

  • Voraussetzung jeder städtebaulichen Erneuerung ist die fruchtbare Entwicklung der Infrastruktur, die Entlastung der Agglomerationsräume vom Durchgangsverkehr, der Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel und die infrastrukturelle Integration der unterschiedlichen Stadtregionen und Bezirke.

  • Die Renovierung der Innenstadt ist eine langfristige wirtschaftliche Aufgabe, die sich nicht nur auf den Ausbau des hochwertigen Einzelhandels in den Fußgängerzonen beschränken darf, sondern die ausgewogene Förderung aller zentralen Funktionen und ihre infrastrukturelle Verknüpfung ermöglichen muß.

  • Ein bedrohliches, gravierendes Problem sind die Mängel der Wasserreinigung, aus denen sich im nächsten Jahrhundert, wenn nicht schnell Abhilfe geschaffen wird, katastrophale Folgen für die Umwelt wie für die Trinkwasserversorgung vorhersagen lassen.

  • Der Ausbau des mittleren und äußeren Rings wird etwa zwei Generationen lang dauern.

In der Stadtentwicklung existieren ins Auge fallende sichtbare und vielleicht auch spektakuläre Veränderungen, wie der Bau von Donaubrücken, Autobahnen oder Fußgängerzonen, daneben aber auch weniger sichtbare Abschnitte der Verbesserung der Infrastruktur, der Ver- und Entsorgung, die für das Leben der Stadt gleichwohl von existentieller Bedeutung sind. Als wichtigste Aufgabe des Amtes gilt die Weiterentwicklung der Stadt. Nach Möglichkeit soll die Planung die Richtung der wirtschaftlichen Entwicklung voraussehen und möglichst auch versuchen im Sinne einer vernünftigen Stadtentwicklung zu steuern!

Eine Besonderheit der zentralen Planung ist entsprechend der politischen Lage nach der politischen ›Wende‹ die zunehmende Autonomie der Stadtbezirksbeschlüsse und der Bedeutungsverlust der zentralen Planung; die Bezirksräte erstellen parallele Pläne; zwar existiert eine Vorschrift zur Anpassung an den zentralen Plan, doch entstehen hier Situationen der Planungskonkurrenz und die Notwendigkeit des politischen bargainig.

Der heute noch formal gültige Flächennutzungsplan und die darauf aufbauenden detaillierten Pläne für die Region stammen von 1986; sie werden heute von den Agglomerationsräten und den Bezirksräten abgelehnt. Seit 1996 existieren neue Regeln für die Regionalentwicklung.

Die Durchsetzung des Regierungsbeschlusses gilt aber nur für die Stadt selbst, die nicht für die Infrastruktur zuständig ist. So sind z.B. in der liberalisierten Wirtschaftsordnung Handelsansiedlung nicht zu kontrollieren. Dazu ist die Kompetenz der Bezirksräte bzw. Agglomerationsräte gegenüber der städtischen Planung stark gewachsen. Die Hauptstadt als einheitlicher Lebens- und Wirtschaftsraum fordert eine stärkere Regulierung und sollte als »außerordentliches Gebiet« zentraler Funktion und Bedeutung definiert und mit stärkerer koordinierender Planungskompetenz ausgestattet werden.

Auch die Situation der Finanzierungsmöglichkeiten der Stadtentwicklung ist problematisch. Eigene Einnahmen der Stadt stammen aus den lokalen Steuern, die jedoch nur ca. 1/3 der zentralen Steuern ausmachen und nicht ausreichen, sowie aus Abgaben der Industrie und Gebühren für Ver- und Entsorgungsleistungen. Dennoch ist die Stadt auf ›außerordentliche Einnahmen‹ wie Immobilienverkäufe und Privatisierungen angewiesen. Dabei war früher das Wohnungswesen Aufgabe der Stadt; heute ist diese Aufgabe auf die Bezirks- und Kreisräte übertragen worden, die ihren Wohnungsbesitz möglichst schnell zu verkaufen suchen. Vor drei Jahren wurde das Dezentralisierungsgesetz in diesem Punkt noch einmal geändert. Jetzt fallen 50 % der Einnahmen aus Wohnungsprivatisierungen an einen zentralen Fonds für Neubau- und Sanierungsprogramme. Doch wird dieses Gesetz z.T. von den Bezirksräten boykottiert, die die Einnahmen selbst verwalten wollen.

 Aus finanziellen Gründen liegt die Umsetzung des Privatisierungsprogrammes in Budapest um etwa vier Jahre zurück. Langfristige Finanzierungskonzeptionen und der Kreditrahmen, mit dem die Stadtplanung rechnen kann, sind von der wirtschaftlichen Entwicklung Ungarns abhängig und daher auch in den Rahmen der europäischen ökonomischen Situation zu stellen. Die Stadtverwaltung plant dabei auch eine öffentliche Anleihe zu machen, bei der Wertpapiere der Bevölkerung der Stadt angeboten werden sollen.

Die Aufteilung der Ausgaben der Stadtentwicklung sehen folgendermaßen aus:

  • Anteil der Verkehrsinvestitionen, Autobahnbau, Ringsstraßen etc.

35 %

  • Entwicklung der Ver- und Entsorgung, Abwasserentsorgung

10 - 15 %

  • Erhalt und Sanierung der vorhandenen Investitionen, Wohnbebauung, Métro etc.

ca. 50 %

[i]       Um die Priorität streitet sich Budapest mit Istanbul, wo kurz vorher der ›Tünel‹, eine ›Zweistationen-Untergrund-Standseilbahn‹ zum Galata-Berg gebaut wurde. Kurz darauf baute auch Budapest zum Burgberg eine halboffene Zahnrad-Standseilbahn, die erst kürzlich wieder, völlig restauriert, dem Publikumsverkehr zurückgegeben werden konnte. Auch die Metrolinie 1 ist kürzlich wieder technisch und baulich in Stand gesetzt worden, wobei die Stationen ihr traditionelles Jugendstilambiente zurück bekamen. Ein technisch hoch interessanter Wagen der Budapester Metro-Linie 1 aus der ersten Bauserie steht heute im Straßenbahnmuseum in Sehnde-Wehmingen. Weitere Wagen und Dokumente zur Baugeschichte sind in dem kleinen U-Bahn-Museum in Budapest unter dem Déak tér mit Eingang von der Metro-Paserelle aus zu bewundern.

[ii]       Dieses Phänomen ist ganz allgemein in der Stadtgeographie bekannt und Kennzeichnet die Phase der rapiden Stadterweiterung während des Industrialisierungsprozesses. In Hannover, um einen Vergleich zu ziehen, sind das z.B. Industriestandorte wie Conti/Werderstraße, Conti/Königsworther Platz (jetzt UNI Hannover), Südbahnhof, DB-Ausbesserungswerk, heute offengelassenen Gewerbeflächen zwischen Aegi und Südstadt und viele andere mehr. Die Strukturprobleme sind immer die gleichen.

16. Alföld: Kecskemét, Bugac-Puszta, Südungarn, 27.5.97

Programmüberblick:

07.00 Uhr: Frühstück,

07:30 Uhr: Abfahrt nach Kecskemét

09:00 Uhr: Vortrag an der Hochschule für Gartenbau über die Landwirtschaft des Komitats Bacs-Kiskun

10:30 Uhr: Stadtrundgang, Erklärung über Geschichte, Wirtschaft und Industrie von Kecskemét

12:00-13:00 Uhr: Mittagessen an der Hochschule für Gartenbau

14:15-16:15 Uhr: Bugac-Puszta, Nationalpark (Vortrag, Wanderung)

21:00 Uhr: Quartier in (Deutsch-) Bóly

Die Landwirtschaft im Komitat Bacs-Kiskun

Am 27.5.97 machen wir uns auf den Weg in die Hochschule für Gartenbau von Kecskemét, in der wir uns einen Vortrag über die Landwirtschaft des Komitats Bacs-Kiskun anhören werden. Schon auf der Hinfahrt gibt Herr Voigt uns wichtige Informationen, die das Thema umreißen.

Kecskemét ist ein zentraler Ort der dortigen Landwirtschaft. Der Landschaftswandel ist ein Charakteristikum der Gegend. Er ist durch bestimmte naturgeographische Grundlagen bedingt. Im Tertiär war das Kapartenbecken vom Meer eingenommen. Die verbliebenen Oberreste bilden heute die Donau. Das ursprünglich Flußbett mit den zugehörigen Überschwemmungsgebieten verlagerte sich durch starke Hebungsprozesse immer weiter nach Westen, im Osten blieb ein Sandrücken zurück, dessen Oberfläche trocken und locker ist. Daß die tektonischen Bewegungen auch heute noch stattfinden, zeigt die Tatsache, daß die Ungarische Tiefebene am Rand eines Erdbebengebietes liegt, das sich entlang der transdanubischen wie der nördlichen ungarischen Mittelgebirge erstreckt und noch in den großen Komplex der alpinen Faltung einzuordnen ist. Die Vielzahl vulkanischer Gebirgsformen und der Reichtum an Thermalquellen in Ungarn bestätigen diese Beobachtung.

Regenwasser sickert schnell ein und kann nicht vom Boden gehalten werden. Als Grundwasserstrom fließt es dann in Richtung zum Donautal und tritt am Fuße des Sandrückens in Quellen und Sumpftöpfen wieder an die Oberfläche. Im unteren Teil zur Donau hin befindet sich daher ein sumpfgefährdetes Gebiet, daß nur durch die Einrichtung von Nebenkanälen für die Landwirtschaft nutzbar gemacht werden konnte, heute aber durch sein heiß-feuchtes Klima in der Gegend von Kalocsa zum Zentrum des Paprikaanbaus wurde.

Auf dem Sandrücken können aufgrund der extremen abiotischen Faktoren nur anspruchslose Nutzpflanzen angebaut werden.

Während Ende des letzten Jahrhunderts noch bevorzugt Weinanbau – ermöglicht durch robuste Traubenarten, die in der Mitte des 19. Jahrhunderts von schweizer Önologen eingeführt und kultiviert worden sind: woran der Ortsname Helvécia südwestlich von Kecskemét erinnert – betrieben wurde, herrscht nun mehr die Spezialkultur der Aprikose vor. Diese kann die hohe Sonneneinstrahlung optimal nutzen und ist trockenresistent. So wird der arme Boden also bestmöglich genutzt, was einen wesentlichen Faktor für die Wettbewerbsfähigkeit von Kecskemét darstellt.

Kecskemét selbst hat eher Dorfcharakter und wurde früher, schon mit rund 100.000 Einwohnern, das »größte Dorf Ungarns« genannt. Ursache war die Fluchtmigration der ursprünglich zerstreut siedelnden landwirtschaftlichen Bevölkerung und der Hirten der Ungarischen Tiefebene aus dem Krisengebiet der Türkenkriege in die »Schutzsiedlung« Kecskemét.

Die vielen verstreuten Einzelgehöfte sind dann erst später wieder, zunächst als anspruchslose Sommerunterkünfte für die Hirten bzw. die Erntearbeiter entstanden, prägen heute aber das Siedlungsbild des Alföld. Eine neue Dorfkultur ist seither nicht wieder entstanden. Es herrschen die sogenannten Streusiedlungen vor.

Vom 17. Jahrhundert bis zum Zweiten Weltkrieg existierten nebeneinander Großgrundbesitz der Magnatenfamilien und ärmlicher bäuerlicher Streubesitz. Dies erleichterte bei der Einführung sozialistischer Eigentumsverhältnisse in der Ungarischen Volksrepublik – im Gegensatz zum bäuerlich-dörflich geprägten Polen – die Organisation einmal in großen Staatsgütern und andererseits in Cooperativen, die nun tatsächlich ein ökonomischer Fortschritt gegenüber der vorherigen landwirtschaftlichen Struktur waren.

Seit der politisch-ökonomischen Transformation seit Beginn der Neunziger Jahre folgt auf diese Eigentumsordnung die Privatisierung, in der Eimern noch die strukturelle Zweiteilung festzustellen ist, einmal in Landwirtschaftliche Aktiengesellschaften, wie wir eine in Bóly kennenlernen werden, und andererseits in weiterhin auf freiwilliger Vertragsbasis existierende Produktions- und Absatzgenossenschaften neben einer Minderheit bäuerlicher Privatbetriebe.

In der Stadt Kecskemét gibt es außer im Ortszentrum noch wenige Neubaugebiete oder industrielles Gewerbe. Es herrscht der ländliche Stil der einstöckigen Häuser vor. Nach und nach jedoch wird der traditionelle landwirtschaftliche Typ der Stadt verdrängt. Besonders deutlich wird das anhand der Erhöhung der Tankstellenanzahl, die die rasante private und gewerbliche Motorisierung belegt. Heute hat Kecskemét ungefähr 120.000 Einwohner.

Christiane Schöl

Stadtrundgang Kecskemét

Das etwa 90 km von Budapest entfernte Kecskemét hat etwa 100.000 Einwohner und ist eine Komitatsstadt zwischen Donau und Theiß. Kecskemét liegt in einer sanften Hügellandschaft und entwickelte sich aus einer Ansiedlung die im 14. Jahrhundert das Stadtrecht erhielt. Sie wurde in der 150 Jahre dauernden Türkenherrschaft nicht zerstört, da sie unter dem Schutz des Sultans stand. Bis zur Türkenzeit gab es um Kecskemét herum zahlreiche Dörfer, nach der Eroberung durch die Türken flüchteten die Bauern jedoch in die größeren Orte, wie z.B. Kecskemét, was ein weiterer Grund für die Erweiterung der Stadt ist.

Im Zentrum der Stadt gibt es zwei große Plätze, den Szabadsag tér und den Kossuth tér. Sie bilden zusammen mit dem kleineren Kalvin tér den Mittelpunkt der Stadt. Nahe  des Szabadsag térs steht die alte Synagoge der Stadt, die nach den Plänen von János Zitterbarth mit Perserkuppelturm von 1864-1871 im maurisch-romantischen Stil erbaut wurde. Da der jüdische Anteil der Bevölkerung seit dem 2. Weltkrieg nur noch sehr gering ist wird die Synagoge heute als Kulturzentrum genutzt.

Etwas weiter ist ein weiteres der schönsten Gebäude der Stadt zu bewundern: Die 1983 renovierte Cifrapalota, der verzierte Palast. Er ist ein hervorragendes Beispiel für den von der Wiener Sezession übernommenen ungarischen Jugendstil. Die Ungarn reicherten ihn aber durch zusätzliche Bauelemente an. In dem Palast sind Grafik- und Gemäldesammlungen untergebracht.

Der Kossuth tér mit dem Kossuth-Denkmal schließt sich an den Szabad tér an. Er wird durch das Rathaus geprägt.

Kecskemét steht in dem Ruf, die Stadt der Glocken zu sein. Glocken und Glockenspiele sind vielfach aus Aluminium, einem Material, das preiswerter als Bronze und leichter zu transportieren und außerdem von großer Klangschönheit ist. Diese Entdeckung wurde von den Ungarn gemacht.

Das zumindest in einzelnen Teilen älteste Gebäude des Kossuth tér ist die Szent-Miklós-Kirche gegenüber dem Rathaus. Sie stand dort schon Ende des 13. Jahrhunderts, wurde dann aber im 18. Jahrhundert im barocken Stil umgebaut.

Das städtische Opernhaus ist nach dem Dichter József Katona benannt, der 1791 in Kecskemét geboren wurde. Die Dreifaltigkeitssäule vor dem Theater ist ein Dankeszeichen der Bürger, die 1739 die tragische Pestepidemie überstanden hatten. Das Zoltán-Kodály-Institut bewahrt den Namen des neben Béla Bartók wohl bedeutendsten Wegbereiters der modernen ungarischen Musik. Kodály kam hier 1882 zur Welt.

Der Ausbau der Infrastruktur in Kecskemét erfolgte in diesem Jahrhundert.

Bekannt ist Kecskemét unter anderem für seine Geflügelzucht, seine Tiefkühlkost und natürlich seine Spirituosen, insbesondere den Aprikosen›saft‹, welchen auch wir beim Mittagessen an der Hochschule für Gartenbau serviert bekamen.

Nationalpark Bugac-Puszta

Nach dem Mittagessen fuhren wir los zum Bugac-Nationalpark, wo wir um 14:15 Uhr erwartet wurden. Dort mußten wir zuerst einmal etwa einen Kilometer laufen, um ein Museum im Nationalpark zu erreichen, da es hier nicht gestattet ist mit dem Auto zu fahren. Der Nationalpark Bugac ist eine Art konservierte Vegetationsform der Puszta, eine geschützte Genbank aller Pflanzen und Tiere.

Der Nationalpark wurde am 1.1.1975 gegründet, seine Größe beträgt hier 5000 ha, insgesamt 11.700 ha und liegt in der Hügellandschaft der Bugac-Puszta.

Die Tier- und Pflanzenwelt ist hier sehr abwechslungsreich, es gibt z.B. Dammhirsche, Kaninchen, Fasane, einen Fuchs, giftige Vipern und sogar einen Wolf, der wahrscheinlich aus dem jugoslawischen Krieg in den Nationalpark geflüchtet ist, er ist vor allem im Frühjahr zu sehen. Weiterhin gibt es Schafe, Rinder und Mangaliza-Schweine, die zum Genlabor gehören und cholesterinfreies Schmalz geben.

Die Pflanzen im Naturpark sind stark geschützt. Die Urpflanzen des Gebiets waren eigentlich Eichen, sie wurden aber abgehackt und an ihrer Stelle wurden Akazien und verschiedene Fichtenarten gepflanzt, da diese schnell wachsen.

Der Wacholder der hier wächst ist etwa 150 Jahre alt, ebenso die Pappeln. Es gibt hier auch viele Unterpflanzen und etliche ausgetrocknete Teiche, sowie Sodateiche und Sümpfe. Das Grundwasserniveau ist um 3m gefallen.

Auf den verschiedenen Hügeln gibt es unterschiedliche Sandarten; durch den Wind aus Nord-Ost-Richtung werden die Sandhügel in Bewegung gesetzt, so daß Flugsand entsteht. Heute darf hier nicht mehr geweidet werden.

Im Museum des Nationalparks werden uns Gegenstände vor allem von früheren Hirten gezeigt: Kleidungsstücke, Kesselhaltereisen, Kesseluntersetzer, Eisenknöpfe des Schäferstabes, Hufeisen zum Viehbrand, Kuhglocken, Rasiermesserbehälter, Hundehalsbänder zum Schutz der Hunde vor Wolfsbissen, etc...

Nach diesem Vortrag im Museum machen wir eine Wanderung durch das „Genlabor“, was Besuchern normalerweise nicht ohne weiteres gewährt wird. Hier werden uns verschiedene seltene geschützte Pflanzen gezeigt, die hier zu ihrer Erhaltung gezüchtet werden.

Christine Goronczy und Kathleen Pohlmann

17. Landwirtschaft in Südungarn: Bóly, 28.05.97

Agro-AG Bóly

Die Agro-AG in Bóly umfaßt 14.000 ha Ackerland sowie 4.000 ha der Puszta ähnliches Gebiet.

Weiterhin gehören zu ihr Waldgebiete und ein Holzbearbeitungsbetrieb zur Fertigstellung von Eichenholzprodukten.

Nach der Entschädigungsregelung von 1991, nach der unter dem Kommunismus enteignete, oder in speziellen Fällen geschädigte Personen eine Wiedergutmachung in Form von Land zur Selbstbewirtschaftung erhalten, hat die Produktionsgenossenschaft über 380 ha Land verloren.  Die Anspruchsinhaber auf  diese Wiedergutmachung bekommen je 20 Goldkronen Wert Land vom Staat. Eigentlich trifft diese Regelung die Agro-AG kaum, da sie aus einem einheitlichen Magnatengut zunächst als Staatsgut, dann als privatisierte Aktiengesellschaft entstanden sind. Die ehemalige Besitzerfamilie lebt heute im Ausland und hat keine rechtlichen Rückgabeansprüche, obwohl sie den persönliche Kontakt zu Bóly wieder aufgenommen hat.

Eine andere Regelung des Privatisierungsgesetzes macht jedoch potentielle Probleme. Ehemalige Eigentümer, die nicht mehr an ihrem Familiensitz zum Zeitpunkt der Enteignung wohnen, bekommen nicht das konkrete ehemalige Land zurück, sondern Eigentumsgutscheine (»Wertpapiere«), die sich am Vorkriegseinheitswert des Landes (»Goldkronenwert«) orientieren, dessen aktueller Wert dann neu festgelegt bzw. bei der Landvergabe nach Marktwert eingesetzt werden kann.

Ohne auf die rechtlichen Einzelheiten einzugehen, ist hier nur die Regelung wichtig, daß an Orten, wo viele »Wertpapierbesitzer« wohnen und ihre Ansprüche geltend machen, die vorhanden Flächen aufgelöster Cooperativen aber nicht ausreichen, auch die Staatsgüter mit herangezogen werden können, die dann entsprechend Flächen nach dem »Goldkronenwert« an Anspruchsinhaber abtreten müssen.

Laut Aussage eines Vertreters der Agro-AG trifft diese Regelung die AG schmerzlich, da eine Goldkrone Land z.B. 18 kg Weizenertrag bringt und sowieso schon viel Land durch die Tatsache verloren geht, daß alleine Hybridmais schon 300 m Isolationsstreifen benötigt um effizient und geschützt von Fremdeinwirkungen zu gedeihen.

Ein Teil des Problems wird dadurch gelöst, daß die Agro-AG als Pächter fungiert wobei sie versucht die Pachtunkosten durch Verhandlungsgeschick möglichst klein zu halten.

Da die Ertragslage der Agro-AG gut ist, entstehen damit dennoch Pachtsummen, die höher sein können als der potentielle Ertrag dieser Flächen in privaten bäuerlichen Besitz. Daher hat die überwiegende Zahl der Anspruchsberechtigten das Pachtangebot der AG jeweils für eine Dauer von fünf Jahren akzeptiert.

Das Gestüt von Bóly 

Danach sind wir mit dem Kurs zum zur Agro-AG Bóly gehörenden Gestüt gegangen. Dort wurden wir von Herrn Schmidt, einem älteren, ca. Mitte 70 Jahre alten, deutschstämmigen, quickfidelen Mann empfangen, der uns  dann auf dem Gestüt herumgeführt hat. In den 50er Jahren gab es in Bóly noch 500 Hengste, im Gegensatz zu heute wo nur noch insgesamt 130 Pferde für den Betrieb zur Verfügung stehen.

Das Gestüt spezialisiert sich auf die Kreuzung von Hannoveranern und ungarischen Stuten. Bei dieser Kreuzung können die negativen Eigenschaften ungarischer Stuten (Unruhe) durch die der Hannoveraner (Ausgeglichenheit, Schönheit, Gutmütigkeit) minimiert werden und neue qualitativ hochwertige Pferde, vor allem in den Westen, verkauft werden.  In jedem Jahr werden ungefähr 20-21 neue Fohlen geboren.

Die Tiere werden ca. 20-25 Jahre alt, von denen die ersten zehn als das Idealalter für sportliche Leistungen angesehen werden.  Die Pferde müssen täglich bewegt werden, da schon nach einem Tag ohne Bewegung Hirnblutungen auftreten können.

Ein Hauptproblem des Gestüts ist die Finanzierung von Zuchttieren. Für den Erwerb eines Pferdes aus dem Raum Hannover müssen 5.000.000 Mio. Forint, umgerechnet 50.000 DM, gezahlt werden.

Für ein Gestüt im sich im Umbruch befindenden Ungarn ist so ein Betrag eine sehr bedeutende Summe.

Das Gestüt ist weiterhin bekannt für seine Turnierpferde die im ungarischen Raum schon so manchen Turniersieg erreicht haben.

Das Gestüt beschäftigt 25 Personen, die v.a. als Handwerker, Sattler und Wagner arbeiten.

Weiterhin gibt es 6(!) Tierärzte die den vielen ansteckenden Pferdekrankheiten Einhalt gebieten wollen.

Die Geschichte der Deutschen in Bóly 

Danach führte uns Herr Schmidt in das landwirtschaftliche Museum von Bóly und erzählte einiges über die Geschichte des Ortes. Das Museum wurde 1983 eingerichtet und vom Kombinat bezahlt. Heute fehlen ihm junge Leute die es weiterführen können.

Die Bevölkerung Bólys bestand vor dem zweiten Weltkrieg zu 100% aus Deutschen.

Am 25.11.1946 begann die Zwangsaussiedlung nach Österreich und ins Schwabenland.

Nachdem die Russen einmarschiert waren wurden die Frauen zwischen 17 und 40 Jahren nach Rußland verschleppt wo auch unser Referent fünf Jahre in harter Gefangenschaft verbracht hat.

Am 18. Juli 1956 mußten die restlichen 570 deutschen nach Bayern und Ulm, sowie 57 weitere nach Zwickau.

Alle Deutschen wurden zu 100% enteignet und deren Besitztümer von aus der Tschechei stammenden Ungarn übernommen und, wie der Referent es bewertete, heruntergewirtschaftet.

Die Rehabilitation und Entschädigung der enteigneten Personen erfolgt, laut Schmidt, nur schleppend, da die Verteilung der Felder oft unklar ist und sich im Laufe der Zeit überlagernde Besitzrechte am selben Grundstück haben aufbauen können.

Michael Mertes

Pécs / Fünfkirchen

Pécs gehört zu den alten Kulturstädten Ungarns. Schon zur Römerzeit befand sich hier eine Siedlung und Auseinandersetzung des Imperiums mit seinen östlichen ›wilden‹ Nachbarn, Kelten und Germanen, bestimmte die Geschichte zwischen der Adria und dem südlichen Balaton. Sehr früh begann daher hier auch die Christianisierung und in der Folge auch die Konfrontation der Einflußbereiche der römischen katholischen Kirche und von Byzanz.

Daß in dieser Region die Heiligen Cyrill und Method in Predigten in den slawischen Sprachen christliche Mission betrieben und dabei gleichzeitig in Konflikt mit dem Anspruch des Papstes, die Liturgie allein in Latein zu lesen, gerieten, thematisierten wir in den nächsten Tagen bei unserem Besuch am Klein-Balaton, wo heute noch eine Cyrill-und-Method-Gedenkstätte auf diese historisch wichtige und interessante Episode hinweist.

Im neunten Jahrhundert fand dann die ›Landnahme‹ der Magyaren unter König Árpád statt. Unter dem später heilig gesprochenen König Stephan I. (István, Szent István) traten die Ungarn zum römischen Katholizismus über und König Stephan ließ sich vom Papst mit der Stephanskrone krönen.

Die heutige Stephanskrone ist nicht das Original der Zeit von Szent István, sondern etwa zwei bis drei Jahrhunderte älter; seither verbindet sich aber mit der Stephanskrone, die heute nach vielen Irrungen und Wirrungen im Nationalmuseum in Budapest aufbewahrt und ausgestellt wird, der Unabhängigkeitsanspruch Ungarns und symbolisiert die eigene ungarische Identität.Die erste christliche Kirche Ungarns wurde von König István I. an der Stelle des heutigen Doms in Pécs errichtet. Der Dom mit seinen vier markanten rechteckigen Ecktürmen ist heute ein Wahrzeichen der Stadt Pécs.

Die Region von Pécs ist ein Raum, in dem im Laufe der Geschichte viele Völker durchgezogen und aufeinander gestoßen sind. Noch heute siedeln neben den Ungarn hier eine slawische und eine deutsche Minderheit. So wundert es nicht, daß das Ortsschild Pécs heute wieder dreisprachig ist – im Laufe des 20. Jahrhunderts hat auch hier der unselige Nationalismus zu Unterdrückung, Verfolgung und Vertreibung von Minderheiten geführt, wie schon im letzten Abschnitt angedeutet wurde – und die slowenischen, kroatischen und deutschen Minderheiten seit kurzem wieder eigene Minderheitenrechte genießen und eigene Kultureinrichtungen unterhalten.

Unser Aufenthalt in Pécs fand leider unter Zeitdruck statt, da der informative Besuch in der landwirtschaftlichen Aktiengesellschaft von Bóly recht viel Zeit in Anspruch genommen hatte und schließlich noch eine Einladung der deutschen Minderheit von Nagynyárád auf uns wartete.

Zunächst verschafften wir uns bei unangenehm regnerischen und stürmischen Wetter vom Fernsehturm einen ersten Überblick auf die Stadt. Prof. Antal berichtete über die Wandlungen des Industrieraumes Pécs, der seine Bedeutung in den letzten Jahrzehnten vor allem durch den Kohletagebau und eine Uranmine erhielt. Doch ist deren ökonomische Bedeutung heute nicht mehr ausreichend und Pécs wird zunehmend zu einem ökonomischen Krisengebiet.

Vom Busparkplatz am Rande der Innenstadt erhielten wie dann einen schönen Blick auf den Dom und die ›fünf Kirchen‹, die heute auch durch Hochhäuser wenig stilvolle Konkurrenz erhalten. Nur ein kurzer Stadtrundgang war vorgesehen, um dann nach Nagynyárád weiter zu fahren. Doch die ›Privatführung‹ von Prof. Antal für die Begleitpersonen der Gruppe dehnte sich dank der Begeisterungsfähigkeit und der unermüdlichen Erklärungsgabe unseres Freundes so aus, daß die Schülerinnen und Schüler schon recht ungeduldig am Bus auf unsere Weiterfahrt warteten. Ein kurzer Stop an unserem Jugendhotel in Bóly diente der Erfrischung nach einem arbeitsamen Tag; dann fuhren wir in das kleine Nachbardorf Nagynyárád.

Ein Abend in Nagynyárád

Die deutsche Minderheit der »Donauschwaben« und »Donauhessen« ist in der Umgebung von (»Deutsch/Német«-) Bóly noch und wieder sehr lebendig, wie ein gemütlicher Abend als Gäste im »Kulturhaus« des  Nachbarortes Nagynyárád, in dem die große Mehrheit der Bewohner deutscher Abstammung ist, zeigte.

Eigentlich sollte es ein nachmittägliches Dorffest sein, doch hatte sich unsere Ankunft so verzögert, daß die Kinder, die ein Begrüßungslied singen sollten, schon nach Hause gegangen waren und wir ein exellentes ungarisches Essen im Dorfgemeinschaftshaus – mit selbst gekelterten Weinen des Ortes – zu Gesprächen und Unterhaltungen mit den erwachsenen Dorfbewohnern ausnutzen konnten.

Sehr viele Erzählungen erklärten uns dann noch viel anschaulicher die heutige Lebenssituation im ländlichen Ungarn und die Probleme der deutschen Minderheit, die hier am Ort verwurzelt ist und sich als deutschstämmige Ungarn verstehen – trotz vielfältiger Beziehungen zu verschiedenen deutschen Orten. Mehrfach in der Geschichte verlor die Minderheit wegen politischer Verfolgung all ihr Hab und Gut und hat sich ihre Existenz durch Fleiß und Zähigkeit neu aufbauen müssen, so daß die ungarischen Nachbarn schon spotteten: „Werft ihr einen Schwaben nackt in die Luft, kommt er angezogen wieder runter!“

18. Südungarn: Das Grenzgebiet zu Jugoslawien und Kroatien, 29.05.97

Weinbau in mediterranem Klima: Villány 

Auf dem Weg von Bóly bis Villány finden wir nur kleine Dörfer. Die Ursache dafür ist der schlechte Boden und daher keine Agrarmöglichkeiten. Größe und Struktur des Landbesitzes ist sehr unterschiedlich, in Abhängigkeit von den Eigentumsverhältnissen.

Als Vegetation gibt es hier viele Eichen, später Akazien. Die Eichen stellen einen Wertstoff dar, der von meist staatlichen Forstbetrieben mit eigenen Sägewerken für den Export benutzt wird.

Villány liegt am Hügelzug aus Kalkstein, der die Grundlage für die hiesige Landschaft ist. Die Stadt ist sehr für den Weinanbau bekannt. Es wird hauptsächlich an der Südhanglage des Hügelzuges angebaut, weil diese Seite die meiste Sonne abbekommt. Verschiedene Sorten von Wein sind durch unterschiedlichen Boden bedingt. Das Gebiet trägt einen mediterranen Charakter, ist reicher und ökonomisch bedeutender als die kleinen Dörfer.

In diesem Gebiet gibt es ebenfalls deutsche Bevölkerung. Die Minderheiten werden hier respektiert und deshalb gibt es zweisprachige Schilder und Wegweiser. Die deutsche Bevölkerung hat aber kein Nationalgefühl mehr, diese Minderheiten fühlen sich als Ungarn.

Der Süden von Ungarn ist ein Beispiel für das reibungslose Zusammenleben verschiedener Minderheiten. Zu den größeren Konzentrationen von deutschen Siedlungen kommen noch serbo-kroatische dazu. An der Süd-West Grenze machen sich die Minderheiten besonders bemerkbar, wie eigentlich an jeder grenze jedes Landes. Im Osten gibt es wiederum weniger Minderheiten, weil das Gebiet von Ungarn im Osten früher größer war.

An den südlichen Ausläufern der Villány-Hügel befindet sich ein Skulpturenpark, das internationale Steinmetzkunstmuseum in einem alten, aufgelassenen Steinbruch. Künstler fertigen hier gelegentlich im Rahmen eines Sommer-Wettbewerbs und zu Übungszwecken Skulpturen verschiedenster Stilrichtungen an, die sie dann in diesem Freiluftmuseum stehen lassen. Diese Werke sind aus dem dort anstehenden kristallisierten (metamorphen) Kalkstein gehauen, der wie Marmor aussieht.

Beremed ist der südlichste Punkt von Ungarn, nur 2 km von der jugoslawischen bzw. heute kroatischen Grenze entfernt; hier entlang der Dráva ist Siedlungsgebiet von Kroaten. Es gibt hier aber keinen Grenzübergang.

Angebaut werden hier Getreide und Gemüse, aber die Gegend ist arm wegen des schlechten Bodens. Die einzige Ausnahme der Landwirtschaft ist eine große Zementfabrik. Orte, die wirtschaftlich über die Grenzen der Landwirtschaft hinausgehen (Industrie) sind besser dran, als rein Land- wirtschaftliche Gebiete. Hier in Süden herrscht eine bäuerliche Struktur des Raumes.

Wir durchfahren Siklós, wo eine rekonstruierte Burg auf einem malerischen Hügel von der Kette von Befestigungen aus der Türkenzeit und ihren kriegerischen Ereignissen zeugt. In habsburgischer Zeit wurde sie nach dem Aufstand von 1848 gesprengt, später aber wiederaufgebaut und heute als touristisch historische Gedenkstätte gepflegt.

Die historisch berühmte kleine Stadt Szigetvár ist heute industriell repräsentiert durch eine Konservenfabrik, die Erbsen verarbeitet, eine Schuhfabrik und eine sehr schöne Innenstadt.

Auch hier gab es eine große Festung, größer noch als in Siklós, sie wurde aber nicht aufgebaut, man kann nur noch die Grundmauern sehen.

„Da wir die Zeitfolge unterbrochen haben und zum 16. Jahrhundert zurückgekehrt sind, sei noch vermerkt, daß eine der tragischsten Episoden der ungarischen Geschichte mit dem Jahr 1566 verbunden ist. Ihr Held stammt aus der kroatisch-ungarischen Familie Zrínyi, die gewaltige, sich von Transdanubien bis zur Adria erstreckende Latifundien besaß. Es war der Feldherr Miklós Zrínyi, der nicht mit seinem Urenkel, dem gleichnamigen Dichter, verwechselt werden sollte, der ebenfalls ein vorzüglicher Soldat war und neben Gedichten auch großartige militärtheoretische Werke schrieb.

Miklós  Zrínyi, der Feldherr, hatte sich in der durch Sümpfe geschätzten Burg Szigetvár verschanzt. Vom 6. August bis zum 8. September leistete er dem Ansturm der Heere Süleymans des Prächtigen, der bei Mohács gesiegt hatte und nun gegen Wien zog, tapfer Widerstand. Gegen Ende der Belagerung der Burg starb der Sultan im Feldlager, doch die Kommandeure verschwiegen dies dem Heer und ordneten die Erstürmung an. Angeblich wurde der tote Sultan im offenen Zelt auf den Thron gesetzt, um ihn den Kriegern zu zeigen. In der aussichtslos gewordenen Lage sprengte Miklós  Zrínyi mit der verbliebenen kleinen Schar aus der Burg ohne jede Hoffnung, den Belagerungsring zu durchbrechen. Sie fielen bis zum letzten Mann. Doch das geschwächte türkische Heer vermochte nicht bis nach Wien vorzudringen. Eine bedeutende österreichische Streitmacht, die in der Nähe von Raab Gewehr bei Fuß gestanden war, zog wie nach gut verrichteter Sache ab.

Vielleicht verdient gerade dieser Pyrrhussieg, unter vielen Taten im Festungskampf hervorgehoben zu werden. Freilich könnte man die heldenmütige Verteidigung von Erlau im Jahr 1552 erwähnen, als Burghauptmann István Dobó mit 2.000 Mann und den Einwohnern von Stadt und Umgebung das 15.000 köpfige Türkenheer vertrieb. Was soll man aber dann zur zweiten Belagerung Erlaus im Jahr 1596 sagen, als die Türken einen leichten Sie davontrugen?“ (Islván Lázár: Kleine Geschichte Ungarns. Budapest 1990 (3. Aufl.), S. 112-113.)

Miklós Zrínyi ist ein Nationalheld der Ungarn, ein tragischer Held, wie es der »Mythos des Ungarntums« will, und nach ihm wurden viele Schulen und andere Anstalten benannt.

Die Zeit des Miklós Zrínyi begleitet uns weiter. Im Laufe der Fahrt trifft man auf Dörfer mit Namen osmanischer Herkunft, die folglich auf die türkische Besatzung hinweisen.

Um 13:00 kommen wir dann zur fachlich wichtigsten Station des Tages, der Provinzhauptstadt des Komitats Somogy megye, Kaposvár. Der Aufenthalt beginnt mit einer halbe Stunde Freizeit zum Bummeln durch die Innenstadt.

Dann hören wir einen Vortrag im Komitatshaus durch einen leitenden Planer und Abteilungsleiter in der Komitatsverwaltung über das Komitat Somogy.

Das Komitat erstreckt sich von Balaton bis in den Süden des Landes. Die gemeinsame Planungsregion Südwestungarn besteht aus Somogy und drei weiteren Komitaten, Zala, Barany und Tolna. Die Größe von wurde Nach dem Vertrag von Trianon 1918, als sich das Staatsgebiet Ungarns auf ein Drittel verkleinerte, mußte auch Somogy Gebiete an Barany und das neu  gebildete  Jugoslawien abtreten.

Demographische Daten des Komitats:

Komitatsgröße:  636.000 km², 6,5 % der Landesgröße

Bevölkerung:  340.000 Menschen, d.i. 3,3 % der Landesbevölkerung

Bevölkerungsdichte:  56 Personen pro 1 km²

Es ist das Komitat mit der geringsten Bevölkerungsdichte. Die Bevölkerungszahl vermindert sich ständig, in den vergangenen 15 Jahren wurde eine Verminderung von 15.000 Menschen beobachtet. In der Zukunft wird eine weitere Steigung bis zu 22.000 erwartet. Diese Erscheinung wird durch die Nachteile des Komitats, die später erläutert werden sollen, bedingt. Dazu fehlen Zentren und Bildungsmöglichkeiten. Es gibt keine Universität oder Hochschule, sowie keine technischen Hochschulen. Die einzigen sind die landesanerkannten pädagogische und ärztliche Hochschule, aber Pécs zieht die Jugend mehr an, und die Jugendlichen kommen nicht mehr zurück.

Es gibt Streitigkeiten, welche Stadt den Titel Hauptstadt des Komitats tragen soll: Siófok oder Kaposvár. Siófok am Balaton ist die wichtigste und größte Stadt von Somogy, Kaposvár ist aber der Verwaltungssitz. So wurde Siófok zur »Sommerhauptstadt« – wegen der vielen Touristen am Balaton – erklärt.

Es gibt zwei Kategorien der Regionalisierung in Ungarn: Funktionale Regionen, die sich ökonomisch und planerisch im Interesse einer gemeinsamen Entwicklung zusammenschließen, und statistische Regionen, die sich an den Verwaltungsgrenzen einteilen. Es ist eine Streitfrage im Volk: Zu wem soll das Komitat gehören, soll es Mitglied einer Planungsregion Südungarn, die vor allem aus strukturschwachen Peripheriegebieten besteht, oder in der Plattensee-Region werden, die ihre Hoffnung auf eine Dynamische Entwicklung von Tourismus und Verkehr setzt? Die Hoffnung ist jedesmal, finanzielle Unterstützung durch den Staat oder durch internationale Organisationen zu bekommen.

Im vergangenen Jahr entstand eine Initiative, eine Regelung der Raumentwicklung zu schaffen. Sie soll von der Regierung unterstützt werden, und verpflichtet sich, dem Komitat zu helfen. Leider gibt es noch zu wenig Erfahrung mit Institutionen solcher Art, jedoch geht es voran, weil zum Teil die binnenländische Konkurrenz, von der Regierung Geld zu bekommen, sehr groß ist. Somogy ist ein Musterkomitat. Dort wurde ein Modell über die Regelung zuerst entwickelt. Die Vorbereitungen wurden früher getroffen, als in den anderen Komitaten.

Vorteile des Komitats :

  • günstige geographische Lage

  • das Zentrum ist gut entwickelt, hat 72 000 Einwohner, hat eine gute Lage, so daß die Industrie nicht übertrieben ist, mit einem landwirtschaftlichen Profil

  • Koordinierungsfähigkeit

  • Bindung von Siedlern des Komitats

  • Das Komitat hat Abgesandte (meistens Fachleute aus dem Ausland), die sich bemühen dem Komitat zu helfen. Es ist im Interesse des Komitats, das zur Verfügung stehende Land rationaler zu nutzen. Im Zusammenhang mit der EU ist es vorteilhaft, Wälder anzupflanzen, die Weidenbewirtschaftung wird aber nicht überall begrüßt.

Nachteile des Komitats:

  • schlechte Produktionsfähigkeit

  • wenig Einkommen pro Person

  • Mangel an Investitionen aus dem Ausland

  • keine günstigen natürlichen Gegebenheiten

  • der Verkehr stellt ein Problem dar

Wegen des Mangels an Wegen wird im Gebiet wenig investiert oder gegründet. Im Vergleich: Die Reise von Brüssel nach Buda dauert mit einem Flugzeug etwa 1 Std. 50 Min., von Buda bis zum Komitat aber 3 Std. mit einem Fahrzeug. In diesen Jahr wird Slowenien und Kroatien eine Autobahn vom Meer bis an die Landesgrenze bauen. Es bleibt dann die Aufgabe, diese Autobahn bis zu Siófok zu erweitern, es sind dann 5 Std. Fahrt von Buda bis zum Meer.

Die nächste Vorstellung wäre, eine Autobahn über die Tiefebene und dann nach Westen zu bauen, sowie eine Autobahn von Siófok nach Pécs. Aufgrund des Vertrages von Trianon hat das Komitat viele Beziehungen (Wege) verloren. Die Donau bleibt eine gute Transportmöglichkeit.

Das Komitat Somogy besitzt viele potentiellen Möglichkeiten zur Verbesserung. In Tosvár gibt es einen Militärflughafen einer US-Base. Es soll bald mit dem Verteidigungsminister verhandelt werden, daß der Flughafen für zivile Zwecke benutzt werden darf. Die Erreichbarkeit nimmt zu (z.B. von Balaton), und Fremdenverkehr stellt einen Vorteil für das Komitat dar.

Die Entwicklung der Landwirtschaft ist eine große Chance für Somogy. Die Natur des Komitats ist praktisch unberührt, aufgrund der geringfügigen Industrialisierung. Man kann noch viele seltene Tiere und Pflanzen im Original sehen. Es wird der Wander-, Wasser- und Fahrradtourismus unterstützt. Die Bevölkerung ist gegenüber den Naturschutzgebieten sehr tolerant. In nächster Zeit soll der Müll aus den Naturschutzgebieten entsorgt werden.

Im Vergleich zu den anderen Komitaten steht Somogy wirtschaftlich an der 11. Stelle (aus insgesamt 19), also praktisch in der Mitte. Man hofft, man wird nach oben klettern. Mehrere Arbeitskommissionen sorgen für die Verbesserung der Verkehrslage.

Es gibt zwei Richtungen in der Bauindustrie: Sand und Kies, sonst Bearbeitung von landwirtschaftlichen Produkten. Es wird eine dritte Richtung vorgeschlagen, nämlich Umweltindustrie (Biowirtschaft), aber dies wurde noch nicht näher durchdacht.

Große sozialistische Betriebe soll es nicht mehr geben, die die da waren, haben sich zerteilt. Es ist eine Optimierung der Holzprodukteherstellung geplant, Bearbeitung vom rohen Holz bis zum fertigen Produkt.

Tarek Attia, Stefan Bahr, Andre Fedorchenko

19. Naturschutz am Kis-Balaton, 30.05.97

I.

An diesem Freitag Morgen sind wir um 7.00 Uhr aufgestanden und haben um 7.30  Uhr gefrühstückt. Gegen 8.30  sind wir zum Forschungsinstitut vom ›Klein-Balaton‹ (Kis-Balaton) in Fenékpuszta südlich von Keszthely, um uns dort einen Vortrag über die Naturgeschichte des Balatons und über das Naturschutzgebiet Kis-Balaton anzuhören.

Vor dem Forschungsinstitut erzählte uns Professor Antal etwas über die Geschichte der Wasserregulierung des Flusses Zala, der hier in den Balaton mündet. Im 19. Jahrhundert mündete der Fluß nicht direkt in den Balaton, sondern führte in weiten Schleifen durch ein Sumpfgebiet, in welchem die mitgeführten Sedimente abgelagert wurden.

Vor dem See gab es eine Reihe von Senken, die als eine Art Filter wirkten, und in denen sich der Schlamm größtenteils absetzte. Nur geringe Mengen Sedimente erreichten den Balaton.

Bei Ausgrabungen in der Umgebung des Sees fand man Reste ehemaliger Schutzwälle und Deiche aus der Römerzeit, die erkennen lassen, daß früher der Balaton eine größere Ausdehnung hatte und insbesondere höhere und unregelmäßigere Wasserstände vorkamen. Diese Hochwassergefährdung und die Versumpfungen durch die regelmäßigen Überschwemmungen, die auch einen Verlust an landwirtschaftlich nutzbarem Land bedeuteten und die bis ins 19. Jahrhundert andauerten, waren Anlaß einer Reihe von Regulierungsmaßnahmen vor allem am wichtigsten Zufluß des Balaton, der Zala.

Im vergangen Jahrhundert haben die Grundeigner des Mündungsgebietes der Zala den Verlauf des Flusses drastisch verändert. Die begradigte und kanalisierte Zala mündete nun direkt in den Balaton, so daß das Sumpfgebiet weitgehend trocken gelegt werden konnte. Durch diese Maßnahme versprach man sich gutes Ackerland; die ›lästigen‹ Moore sind ausgetrocknet und es entstanden große Weidegebiete.

In den hundert Jahren nach diesem Eingriff in den Wasserhaushalt wurde aber sichtbar, daß sich nun der ganze Schlick, das gesamte mitgeführte Sediment in der Bucht von Keszthely im Balaton selbst absetzte, da die natürlichen Filter fehlten. Der Balaton verschmutzte. Man versuchte den Schlamm mit Baggern zu beseitigen, um wenigstens die Schiffahrtsverbindungen frei zu halten. Der Wett der Bucht von Keszthely als Kur- und Fremdenverkehrsort war ernsthaft gefährdet. Ebenso drohte dem Balaton eine ökologische Katastrophe, eventuell sogar langfristig eine völlige Verschlickung.

Nachdem man sich nach dem Zweiten Weltkrieg zunehmend der gravierenden negativen Folgen der Regulierung der Zala bewußt wurde, versuchte man nun den Fluß wieder in sein ursprüngliches Bett zurück zu bringen. Doch mußte das durch eine planmäßige Umgestaltung des gesamten Gebietes des Kis-Balaton begleitet werden. Der Flußverlauf wurde so gelegt, daß er in großen, gegenläufigen Schleifen mit minimalem Gefälle durch eine Reihe von flachen Seen, Becken und Schilfsümpfen geführt wurde, in denen sich Schlick und Schlamm absetzen und Verunreinigungen wie z.B. erhöhte Nitrat- und Phosphatwerte aus der Landwirtschaft biologisch abbauen können. Dieses wissenschaftlich genaustens kontrollierte Konzept der Renaturisierung und der biologischen Wasserreinigung ist in dieser Form weltweit einmalig und wird von Naturschützern und Wasserbauingenieuren aus aller Welt besucht. Im ebenfalls sumpfreichen und von Wasserverunreinigungen bedrohten Florida (USA) wird derzeit ein ähnliches, wenn auch kleiner dimensioniertes Projekt in Angriff genommen, das sich an den ungarischen Erfahrungen orientiert.

Nach diesem kurzen Einleitungsvortrag haben wir uns im Forschungsinstitut des Naturschutzgebietes einen Film über Geschichte und Gegenwart des Naturschutzgebietes angeschaut, in dem auch die reichhaltige Vogelwelt vorgestellt wurde.

Im Naturschutzgebiet Kis-Balaton in Mitteltransdanubien westlich der Donau befindet sich eine in Europa einmalige Naturlandschaft, deren individuelle Charakteristik als Feuchtbiotop vor allem durch die vielen seltenen Wasservögel und Sumpfpflanzen gekennzeichnet ist. Die Besonderheiten und der Artenreichtum reichen aber über das eigentliche Naturschutzgebiet hinaus und zeichnen das weitgehend unter Landschaftsschutz gestellte Gebiet um den Balaton herum aus.

Am Balaton, vor allem aber auch im Naturschutzgebiet Kis-Balaton wachsen dreizehn der in Europa bekannten achtundvierzig Orchideenarten; genauso wachsen hier Süßgras, Vergißmeinnicht, Wasserlegerich, Schwanenblume und Blutweide. Es gibt verschiedene Arten von Fröschen, Schnecken und Libellen. Die Jagd auf Wasservögel ist im Naturschutzgebiet und am Balaton strikt verboten, genauso wie im gesamten Balatongebiet die Jagd auf Wildschweine und Füchse. Die seltenen Vögel halten sich hier als im Sommer als Zugvögel auf und brüten und ziehen ihre Junge hier auf und bereichern damit die reichhaltige Einheimische Vogelwelt.

Nach der großen Überschwemmung im Jahre 1985 versumpften wieder etliche Gebiete um den Balaton; Schilf breitete sich wieder aus, welcher Nahrung, Lebensraum und Schutz für die dort ansässigen Lebewesen, vor allem aber auch für die Vogelwelt bieten konnte.

Dies bedeutete einen Umkehr der Entwicklung. In der älteren Siedlungsgeschichte des Seegebietes sank bis zum 18. Jahrhundert der Wasserspiegel des Balaton kontinuierlich um etwa drei Meter; er schien langfristig auszutrocknen. Zunächst bedeutete das eine Ausdehnung der Sumpf- und Schilfgebiete auf kosten der offenen Wasserflächen. Im 19. Jahrhundert begannen dann die schon erwähnten wasserwirtschaftlichen Regulierungsmaßnahmen, die das hydrologische Gleichgewicht noch stärker beeinträchtigten und sehr unregelmäßige, von der jeweiligen mittelfristigen Wettersituation abhängige Wasserstände bewirkten. Außerdem sank die Wasserqualität.

Das Gebiet zog ab 1922 die ersten Naturschützer an, die 1944 das Forschungsinstitut für Naturschutz gegründet haben. Jedes Jahr nach der Schneeschmelze kontrollieren die Naturschützer die Wasserqualität; genau zu der Zeit, wenn die Fische zu laichen beginnen und die Wasservögel anfangen, ihre Nester zu bauen.

Um die Flora und Fauna dieses einzigartigen Gebietes zu schützen, fing man dann 1961 mit dem Bau der Renaturisierungsmaßnahmen im Gebiet der Zala-Mündung im Naturschutzgebiet Kis-Balaton an. Seither dürfen an der Natur interessierte Besucher dieses Gebiet nur noch mit besonderer Genehmigung und in  Begleitung durch einen Mitarbeiter der Naturschutzbehörde betreten.

Unsere Gruppe hatte durch Herrn Prof. Antal eine solche Genehmigung erhalten und konnte daher unter fachkundiger Leitung das Naturschutzgebiet besichtigen, wobei die technischen und baulichen Maßnahmen der Renaturisierung der Zala und das Konzept der natürlichen Wasserreinigung des Flusses vorgestellt und erläutert wurde.

Helena Holm

II

Im Jahre 1826 wurden die tiefgreifenden Änderungen am Flußverlauf der Zala eingeführt. Im gleichen Jahr wurden auch die Hochwasserschutz- und Regulierungsmaßnahmen vom Komitat Zala durchgeführt.

Die Becken der zwei Teile des Balaton – Balaton und Kis-Balaton (Klein-Balaton) – sind morphologisch getrennt und nur über eine Schwelle hinweg für das Wasser verbunden. Die Zala floß früher erst in den Kis-Balaton, nach der Regulierung wurde sie direkt in das Becken von Keszthely in den Balaton geleitet.

In den Jahren 1834 bis 1837 war eine Dürreperiode, in das Wasserniveau des Balaton sank. Nach dieser Dürre kam es dann zu einer katastrophalen Überschwemmungsperiode, in der der Wasserspiegel des Balaton wieder stark stieg. Das war der Anlaß, bei Siófok am südlichen Balaton in der Mitte des letzten Jahrhunderts den kleinen Bach Sió zum Siókanal auszubauen und eine regulierte Verbindung zum Einzugsbereich der Donau herzustellen. Seither kann der Wasserstand des Balaton reguliert werden. Der Siókanal kann 15 km³ Wasser pro Sekunde aus dem Balaton abführen und den Wasserstand um zwei Meter absenken. Gleichzeitig wurde im Gebiet des Balaton auf Initiative von Graf István Széchenyi hin, der auch die Balaton-Dampfschiffahrt gegründet hatte, die Eisenbahn gebaut. Eine internationale Strecke führt seither vom Balaton auch über Kroatien an die Adria.

Die Zala wurde im Laufe der Regulierungsmaßnahmen seit dem 19. Jahrhundert kanalisiert. Ihr bislang mehr als zwei Kilometer breites Sumpfgebiet wurde auf einen Auebereich von achtzig Metern reduziert, der Verlauf begradigt, der Fluß eingedeicht und als etwa zwei Kilometer langer Kanal in den Balaton geleitet, wobei dann auch eine Brücke die verkehrsmäßige Erschließung ermöglichte.

Im Winter bedeckt eine dreißig bis vierzig Zentimeter dicke Eisschicht den See. Am Ende des Winters, Anfang Frühling, wird das Eis aufgebrochen und die Schollen werden vom Wind auf das Land gedrückt, wo es mächtige Eiswälle bildet. Sogar Straßen und Eisenbahnlinien sind schon durch dieses Eis beschädigt worden!

Das alles waren bis jetzt die wichtigsten Probleme für den Balaton und den Fluß Zala im Kis-Balaton. Folgende Maßnahmen wurden dann im 20. Jahrhundert vorgenommen.

1922 wird mit der Regulierung der Zala der Klein-Balaton in zwei Teile geteilt. Trocken fallen jetzt die Gebiete, auf denen bislang die Zala noch Sedimente auf das Land gelagert hatte.

1927 wurden die letzten Regulierungsarbeiten, die man am Balaton machen mußte, fertig. Seither ist auch der Wasserstand des großen Balaton festgelegt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg begann eine stärkere Industrialisierung des Balatongebietes. Die Initiative ging vor allem vom Komitat Zala aus, das seinen Sitz in Zalaegerszeg hat. Damit ergaben sich zwei gravierende Probleme: die fehlenden Wasserleitungen und die fehlende Kanalisation. Die notwendigen Wasserwerke und Klärwerke wurden jedoch nicht gebaut, was einerseits zu Trinkwasserknappheit, andererseits zu einer starken Verunreinigung des Grundwassers und des Balatons führte.

Seit Ende der 50er Jahre stieg in der Landwirtschaft der Verbrauch an Kunstdüngern. Seither stieg die Belastung des Grundwassers wie der Oberflächenwässer, vor allem also auch der Zala, mit Nitraten und Phosphaten, die zu einer ökologisch bedenklichen Überdüngung und Eutrophierung des Kis-Balatons wie der großen Balatons führte. In den Balaton wurden ca. 500 t Phosphat im Jahr eingeleitet.

Seit 1962 vermehrten sich dann die Algen im Balaton in katastrophaler Weise. Dieses Algenwachstum wird durch den überhöhten Phosphatgehalt des Wassers bedingt. Vor allem auch an den Badestränden und vor den Campingplätzen, wo viele Touristen ihren Urlaub verbringen, wurden tonnenweise Algen angeschwemmt. Die gleichen Probleme fanden sich dann auch am Klein-Balaton. Das war dann der Anstoß, das natürliche Filtersystem des Kis-Balaton wieder zu rekonstruieren.

Bevor wir uns dann die heutigen Renaturisierungsmaßnahmen im Naturschutzgebiet Kis-Balaton anschauten, konnten wir noch einen kleinen Blick in die Geschichte werfen.

Seit der Mensch in diesem Raum siedelte, mußte er sich mit den natürlichen Probleme des Balaton auseinandersetzen. Bei Zalavár (= ›Zalaburg‹) finden sich alte Siedlungsreste, so auf einem Hügel, der vor den damaligen Hochwässern schützen sollte, die Reste einer römischen Basilika (Récéskúti Bazilika romja). Das Eindringen in diese Sumpfgebiete war schwer. Die Siedler befestigten die Wege mit haltbaren Holzstücken (Pflöcken, Balken), die aber vom Wasser bedeckt waren und von Ortsfremden nicht gefunden werden konnten.

Mehrere kleine Hügel und Inseln waren durch solche Moorwege verbunden. Die Römer legten auf der Récésinsel (Récéssziget) eine große Festung an, die als Arsenal und Schutzburg diente, aber in einer Feuersbrunst vernichtet wurde.

Nach dem Abzug der Römer aus Pannonien und Transdanubien zur Völkerwanderungszeit kam das Gebiet unter die Herrschaft slawischer Fürsten. Das Gebiet wurde slawisch besiedelt, ehe im zehnten Jahrhundert mit der Landnahme die Magyaren das Ungarische Reich gründeten.

Kozel, der Sohn des ersten slawischen Fürsten, übernahm nach dem Tod seines Vaters die Herrschaft und trat mit seinen Untertan zum Christentum über. Er baute hier seine erste kleine Kirche. Hierher kamen die Heiligen Cyrill und Method, um die Heilige Messe in bulgarischer Sprache zu lesen. Sie waren auf dem Weg nach Rom zum Papst, mit dem sie in Streit um die Sprache der Liturgie standen. Der Weg vom Balkan führte sie durch Ungarn, was damals nicht der einzige Weg, aber weniger gefährlich als andere Wege gewesen ist. In Rom angekommen, mußten sie dem Papst versprochen, zukünftig die Heilige Messe wieder in lateinischer Sprache zu lesen. Cyrill ist in Rom gestorben, während Method in das Gebiet der späteren Tschechoslowakei zurückkehrte, wo ihn der Salzburger Erzbischof gefangen nahm. In der Gefangenschaft ist er gestorben. Das Denkmal an den Besuch von Cyrill und Method steht heute an der Stelle dieser ersten christlichen Kirche (Cirill-Metód-Emlékmü).

Nach der Landnahme durch die Ungarn und die Christianisierung durch den Heiligen Stephan, König István I., erneuerte er die Kirche. Daran erinnert das zweite Denkmal an diesem Ort, auf dem auf einer Tafel steht: „Zur heldenhaften Erinnerung an die Errichtung des ersten Zentrums vom ersten König, Stephan I., stellt das Komitat Zala diese Tafel auf.“

Das Denkmal wurde 1985 errichtet und nach Abschluß weiterer historischer und archäologischer Untersuchungen, an denen auch die ELTE Budapest beteiligt war, 1996 vom Komitat Zala erneuert. Im Laufe der Untersuchungen wurden römische Steine und die Reste eines alten Bauernhauses gefunden.

Es folgen nun einige Erläuterungen zum Zalaprojekt:

  • Das Wasser der Zala wurde bisher noch nicht gereinigt. Viele gefährliche Stoffe sind durch die menschliche Nutzung hereingekommen. So kommt das Wasser in das Gebiet des Kis-Balaton.

  • Nach Durchfließen des Renaturierungsgebietes am Südende ist das Wasser sehr viel sauberer.

  • Die getrennten Teile des Kis-Balaton sind wieder verbunden worden.

  • Das Wasser kommt von Norden aus dem Hügelgebiet von Kemenesalja und Kemeneshát nördlich von Zalaegerszeg und aus der Region um Héviz und fließt zunächst nach Süden durch die ersten Becken des Kis-Balaton-Projektes, um dann umgelenkt wieder nach Norden zum Balaton durch den zweiten Teil der Wasserreinigungsbecken, das eigentliche Schilfgebiet, zu fließen.

  • Damit ist der erste, nördliche Teil, der Grobreinigung und Sedimentation des noch belasteten Wassers, der zweite Teil, der noch nicht fertig gestellt ist, der zweiten biologischen Stufe des schon sehr viel saubereren Wassers vorbehalten.

Im Sommer, wenn sich die Temperatur erhöht, kommen die Algen an die Oberfläche, die etwa 40% des Phosphatgehalts aufnehmen. Sie werden in den ersten Becken zurückgehalten. Auch Mückenlarven nehmen phosphathaltige organische Substanz auf, Fische ernähren sich von diesen Mückenlarven und bauen mit dem Phosphat ihr Grätengerüst auf, so daß dieser Schadstoff in einen natürlichen biologischen Kreislauf der Nahrungskette aufgenommen und für das Wasser unschädlich gemacht werden kann. Die Fische werden im Balaton gefangen und dienen als schmackhafte und gesunde Nahrung für den Menschen.

Der Weg des Wassers von der rechte, nördlichen, zur linken, südlichen, Seite dauert etwa dreißig Tage. Die Reservebecken, die parallel zum Fluß angeordnet sind, dienen als Rückhaltebecken für besonders stark verschmutze Zuflüsse (Öl, Chemikalien, Mikroorganismen).

Die Becken der ersten Stufe wurden 1981 bis 1985 gebaut und später mehrfach erneuert. Es entstanden zwei Sedimentationsbecken. Insgesamt sind 16 km² von insgesamt geplanten 50 km² fertig gestellt. Der ›große‹ Balaton hat 600 km². Im Ausbau ist jetzt die zweite Stufe mit weiteren Becken und einem großen Schilfgebiet, das bis an die Mündung in den Balaton heranreicht und das Zentrum des eigentlichen Naturschutzgebietes ist.

Dieses System kann ungefähr 100 Jahre lang funktionieren, bis es zusedimentiert ist. Dann müßten die Becken ausgebaggert und der Schlamm in tiefer gelegene Senken verbracht werden.

Von der ehesten Stufe geht das Wasser durch ein Schleusensystem in das Gebiet der zweiten Stufe, in der die biologische Reinigung erfolgt. Hier finden die schon teilweise erläuterten biologischen Kreisläufe statt, in denen durch Mikroorganismen Schadstoffe, Phosphate und Nitrate, gebunden und ausgefällt werden.

Das Wasser hat an der Schleuse eine dunkelbraune Färbung, da die Zala durch Moorgebiete und über Torfablagerungen – z.T. aus Gebieten, in denen sich in vorgeschichtlicher Zeit später ausgetrocknete Buchten des Balaton befanden – fließt, wobei verschiedene Huminstoffe freigesetzt und gelöst werden. Diese Huminstoffe werden durch die Sonneneinstrahlung zersetzt, womit eine natürliche Reinigung des Wassers im ganzen Balatongebiet stattfindet.

Auf der Wasseroberfläche finden sich auch Insekten, die die Oberflächenspannung des Wassers nutzen, um auf ihr zu laufen. Diese Tierarten, zu denen auch die Wasserspinnen gehören, sind ein untrüglicher Indikator dafür, daß sich keine die Oberflächenspannung vermindernde Waschmittelrückstände und Detergentien im Wasser mehr befinden: sie würden sonst im Wasser einsinken und ertrinken. Da diese Tierchen hier trotz Schaumbildung an der Schleuse zu finden waren, kann daraus geschlossen werden, daß diese Schäume andere, biologische Ursachen haben, die ökologisch nicht mehr bedenklich sind.

Katarina Domić

III.

Der zweite der beiden Reinigungsvorgänge vollzieht sich auf einem 2200 ha großem Gebiet, das etwa einen Meter überschwemmt wurde und für die biologische Reinigung der Zala, bevor sie in den Balaton mündet, verantwortlich ist.

Während im ersten Becken noch Algen für die Reinigung des Wassers verantwortlich waren, übernehmen diese Aufgabe jetzt Schilfrohr und andere Wasserpflanzen „höherer Stufe“,  wie unser Reiseleiter sie bezeichnete, die in großer Anzahl auf der ganzen Fläche anzutreffen sind.

Um die Reinigung und somit auch die Wasserqualität noch weiter zu verbessern, hat man vor einigen Jahren den Versuch unternommen, 120t einer (im Gegensatz zu einheimischen Fischsorten) algenfressenden Fischart aus Südostasien in das Becken einzuführen. Im Wasser befindliche Bakterien konterkarierten dieses Vorhaben jedoch, da diese südostasiatischen Fische nicht immun gegen sie waren. Es ist allgemein ungünstig, ortsfremde Arten in einen neuen Lebensraum einzusetzen, da diese nicht die selbe Resistenz aufweisen wie einheimische Tiere.

Aufgrund der in der Vergangenheit begangenen Fehler beobachtet und untersucht das Limnologische Institut für Seenkunde den Balaton, um für die Zukunft Erkenntnisse zu sammeln und den notwendigen Umgang mit dem Naturschutzgebiet Balaton sicher zu stellen.

Wie in dem Film über den Balaton erwähnt sind neben vielen seltenen Pflanzenarten in dem Naturschutzgebiet auch zahlreiche vom Aussterben bedrohte Vogelarten anzutreffen.

Kormorane (die Kolonie besteht aus etwa 2500 Paaren), Purpur-, Grau- und Silberreiher z.B. sind von Mitte April bis Ende September am Balaton anzutreffen. Der biologische Rhythmus erstaunt die Forscher jedes Jahr ums neue, wenn die Zugvögel exakt 2 Tage nach der Schneeschmelze zum Balaton zurückkehren. 

Die Schilfbestände müssen in den Wintermonaten aufgelockert werden, damit neuer Schilf besser nachwachsen kann, doch ansonsten wird der Schilf nicht weiter wirtschaftlich genutzt. Unser Reiseführer informierte uns auch darüber, daß der Schilf eine empfindliche Pflanze ist, so daß z.B das Wasser beim Bau des zweiten Reinigungsbeckens sehr langsam eingelassen werden mußte, damit sich der Schilf Zentimeter für Zentimeter an die neuen Bedingungen gewöhnt und in gleicher Geschwindigkeit mit dem steigenden Wasserstand nachwachsen kann. Diese Methode wird übrigens in Südostasien beim Anbau des sogenannten »Treibreis« angewandt. Sobald die normalen Wachstumsparameter erreicht sind, d.h wenn das Ansteigen des Wassers und das Wachstum der Pflanze synchron sind, ist der Schilf eine sehr widerstandsfähige Pflanze.

Unser Führer schloß seinen Vortrag mit den Worten, daß das wissenschaftlich geplante System zum Schutz und zur Erhaltung des Balaton mit großem Erfolg funktioniert.

Wir fuhren anschließend zurück zum Forschungsinstitut von Klein-Plattensee bei Fenékpuszta, um den Führer abzusetzen und daraufhin weiter nach Keszthely.

Keszthely

Dort machten wir von 13h-14h eine Essenspause und besichtigten danach das Schloß der Magnatenfamilie Festetics in Keszthely. Professor Antal erzählte uns, daß die Fürsten von Festetics in Keszthely die erste ungarische landwirtschaftliche Akademie gegründet hatten, das Georgikon, in der Agrarfachleute für alle Landesteile ausgebildet wurden und die in ganz Ungarn hoch geschätzt war.

Zu dieser Zeit förderte die Aristokratie, d.h. Adlige und Magnaten (adlige Großgrundbesitzer) in besonderem Maße Ungarns Kultur.

István Széchenyi z.B. spendete 1837 sein Jahreseinkommen unter anderem für die Akademie der Wissenschaften auf der Pester Seite der Hauptstadt. Heute enthält das Gebäude das Präsidium für akademische Prüfungen und es werden in ihm Vorträge abgehalten. Széchenyi vollbrachte noch viele ähnliche Taten, für die seine Familie in ganz Ungarn geehrt wurde.

Ähnlich selbstlos traten auch die Fürsten von Festetics in Keszthely für die ungarische Entwicklung und Freiheit ein. Ihre Hinterlassenschaft wurde aber im 20. Jahrhundert sehr beeinträchtigt.

Aus dem Schloß selbst wurden während des 2. Weltkrieges fast alle wertvollen Schätze und Möbel verschleppt oder von den ungarischen Soldaten und der Bevölkerung verkauft, da es im Krieg keine anderen Einkommensquellen gab.

Mit Hilfe alter Fotos konnte man jedoch nach dem Krieg viele Möbel nachbauen und so ersetzen.

Lediglich im Gebäudeflügel mit der Bibliothek, der als einziges von den deutschen Besatzungstruppen im Zweiten Weltkrieg verschont wurde, sind noch die originalen Möbel und Bücher zu finden. Ein deutscher Offizier, der im Zivilberuf russisch und französisch unterrichtender Lehrer war, erkannte den historischen und kulturellen Wert der Bibliothek. Er ließ den Gebäudeflügel zumauern und hängte ein Schild an den einzigen verbliebenen Aufgang mit der Aufschrift: „Seuche“. So blieb die Bibliothek als großes kulturelles Erbe der Nachwelt erhalten.

Héviz 

Nach diesen Vortrag konnten wir das Schloß weiter selbständig besichtigen, bis wir dann um etwa 17 Uhr zum See von Héviz fuhren. Dort konnten wir dann wahlweise das Thermalbad, das übrigens das größte und tiefste in Europa ist, besuchen oder die Stadt besichtigen um Postkarten und die letzten Souveniers zu kaufen oder um einfach nur ungarische Spezialitäten zu essen.

Nach etwa einer Stunde fuhren wir mit dem Bus zurück zum Campingplatz, haben zu Abend gegessen und bekamen für den Rest des Tages Freizeit.

Vesna Plavśić

20. Keszthely – Szépkicátó – Bauxitabbaustätte – Rückfahrt nach Hannover, 30.05.97

Vorwort:

In der Nacht zum 31.05. übernachteten wir auf einem Campingplatz in Keszthely, welcher direkt am Balaton gelegen war. Der Campingplatz wurde von einer Straße sowie einer Bahnlinie nach Norden abgegrenzt. Der große, ebene und überwiegend schattige Wiesenplatz blieb trotz der zahlreichen Gebäude übersichtlich. Asphaltstraßen unterteilten die Platzsektionen in einem sinnvollen Rahmen. Der Strand hatte eine Länge von etwa 100 Metern. Durch Kioske und Restaurants aller Art war unsere Versorgung gesichert.

Keszthely: Diese Stadt liegt am nördlichen Balatonufer und gehört dem Komitat Zala an. Mit 22.500 Einwohnern ist sie die größte Gemeinde am Balaton und ebenfalls ein traditionelles Ferienzentrum an der Westseite des Sees mit Strandbad, Hotels und zahlreichen Freizeitmöglichkeiten. György Festetics richtete hier die erste Agrarhochschule Europas, das ›Georgikon‹ (heute: Agraruniversität) ein, die Keszthelys Bedeutung als Kultur- und Bildungsstadt begründete.

Nachdem Keszthely im Mittelalter einen Knotenpunkt wichtiger Handelswege darstellte. Die Gemeinde wurde von den Türken eingenommen und von habsburgischen Truppen erobert, nachdem man den Rákóczi-Aufstand unterstützt hatte. Seit 1739 befand sich die Gemeinde im Besitz der Fürstenfamilie Festetics, die ausgedehnte Latifundien in der Umgebung besaß und die Stadt zum Mittelpunkt ihrer kulturellen Aktivitäten machte. Keszthelys Entwicklung zum Badeort vollzog sich seit der Mitte des 19. Jahrhunderts.

In Keszthely gibt es verschiedene Sehenswürdigkeiten, in der Hauptsache ist jedoch das Schloß Festetics sehenswert, welches auch am Vortag von uns besichtigt wurde. Andere Sehenswürdigkeiten sind das Meiereimuseum, das ehemalige Franziskanerkloster, das Balaton-Museum, das ›Georgikon‹ sowie der Helikon-Park.

Der Tag im allgemeinen:

Dieser Sonnabend war der letzte Tag unseres Aufenthaltes in Ungarn. Die geologischen, kulturellen und wirtschaftlichen Besonderheiten bzw. Bedeutungen sowie der Bauxitabbau der Region um den Balaton bildeten den thematischen Schwerpunkt dieses Tages.

Nach dem reichhaltigen Frühstück um 07.30 Uhr und der Begrüßung durch Herrn Voigt und Frau Halstenberg wurde der Abfahrtstermin vom Campingplatz in Richtung Deutschland für 09.00 Uhr festgelegt. Den Schülern blieb somit noch ausreichend Zeit, um die letzten Sachen in den Koffern zu verstauen und um sich mit Verpflegung für die lange Fahrt einzudecken.

Nach der pünktlichen Abfahrt wurde von Herrn Voigt der Programmablauf des Tages erläutert. Der erste Etappenpunkt des Tages stellte die Besichtigung des Hafens und des Ufers von Keszthely direkt am Balatonufer dar. Nach kurzer Fahrt wurde dieser Ort um etwa 09.35 Uhr erreicht. Am vorderen Ende eines Bootsanlegers wurde von Herrn Professor Antal sowie der Übersetzerin Frau Cravero ein Vortrag über die Naturgeographische Situation am nördlichen Balatonufer gehalten. In „windiger Atmosphäre“ wurden uns erste Einblicke in dieses vielfältige Themengebiet gegeben:

Balaton – Bedeutung, Besonderheiten und Allgemeines:

Herr Prof. Antal begann seine Erläuterungen mit einer kurzen Charakteristik des Balatons. Das Hauptmerkmal sei seine langgestreckte Form und seine geringe Tiefe (3-4 m). Er ist der größte Binnensee Mitteleuropas. und erstreckt sich zwischen dem Transdanubischen Hügelland und dem Bákonywald etwa 95 bis 190 Kilometern südwestlich der Landeshauptstadt Budapest; mit einer Fläche von etwa 600 Quadratkilometern ist der Balaton mit seinem Umland eine der bedeutendsten Ferienregionen Ungarns. Der Professor begründete diese Beliebtheit des Balatons mit der natürlichen Schönheit, den Möglichkeiten für Wassersport, der touristischen Infrastruktur sowie den Sehenswürdigkeiten im Hinterland. Das „Ungarische Meer“ ziehe jährlich mehr als 600.000 Urlauber aus dem In- und Ausland an.

Der Balaton ist, wie die meisten Seen Ungarns, geologisch gesehen ein sehr junger See. Er entstand am Ende des Pleistozäns vor rund 20.000 – 22.000 Jahren durch tektonische Absenkungs- und Hebungsvorgänge, womit der Beweis von dem Zusammenhang zwischen der geologischen Struktur und der Gestalt der  Erdoberfläche (Geomorphologie) erbracht sei. Langsam lief der See damals voll.

Die Zuflußsituation am Balaton stellt etwas Besonderes dar. Hauptsächlich wird der Fluß von der Zala und verschiedenen Quellen gespeist; diese Quellen sind hauptsächlich Karstquellen im Raum Tapolca, welche in Kalkhöhlen vorkommen. Das Wasser fließt aus diesen Quellen unter- und oberirdisch in den See. Die Fließmenge ist abhängig von der Regenfülle, dementsprechend ist das Höhenniveau des Sees bzw. die Wassermenge abhängig von der Wetterlage.

Trinkwasservorkommen im nördlichen Großraum des Balaton seien, laut Herrn Antal, ein enorm wichtiger Schatz Ungarns im Hinblick auf die Zukunft.

Die Wasserhöhe des Balaton lasse sich durch den Sió-Kanal in einer exzellenten Art und Weise lösen; selbst Umweltkatastrophen könnte so reguliert werden.

Das Grundwasser im Raum Balaton kann sich stets selber regenerieren.

Der 77 km lange und bis zu 14 km breite See war früher von der Oberfläche her größer. Das verhältnismäßig flache Gewässer 2 die tiefste Stelle beträgt nur 12 m, ist in seiner Bestehenszeit bereits zweimal ausgetrocknet, was auch auf die geringe Wassermenge von etwa 2 Milliarden Kubikmeter Wasser zurückzuführen ist. Viele Buchten um den See sind heute trockengefallen – es ist ein Restmoor mit Torf entstanden. Unter dem Balaton sind mehrere Meter Torf zu finden, daher auch der Name „Balaton“, welcher sich von dem slawischen Wort „blatno“ für Sumpf oder Moor abgeleitet hat.

Der Binnensee besteht aus mehreren einzelnen Becken. An der schmalsten Stelle beträgt die Breite nur einen Kilometer. Das ist bei der Halbinsel Tihany mit der Abtei Tihany, einem der wichtigsten Kulturdenkmäler aus dem Mittelalter, in dem die ältesten Schriftdenkmäler in ungarischer Sprache aus dem Mittelalter aufbewahrt werden.

Westlich und östlich dieser Stelle wechselt die Wassertiefe häufig und regelmäßig – doch warum? Bei Wind wird Wasser durch diese Enge geschoben, das Wasser hat natürlich Erosionskraft. Wie bei einer Düse vergrößert sich in der See-Enge die Fließgeschwindigkeit und vertieft den Seeboden, der hier folglich mit ca. elf Metern seine tiefste Stelle erreicht. Während  die Wasserhöhe auf der einen Seeseite sinkt,  steigt sie parallel dazu auf der anderen Seite.  Dieses Phänomen ist sehr charakteristisch für die Morphologie des Seebeckens des Balaton. Das Phänomen der Vertiefung eines Fahrwassers durch den ›Düseneffekt‹ findet sich auch in der Einfahrt zum Jadebusen beim Tiefwasserhafen von Wilhelmshaven, hier aber bewirkt durch die regelmäßigen Tideströme.

Die geringe Tiefe des Gewässers ist trügerisch. Man kann zwar vor allem an der Südseite sogar mit Kindern sehr weit ins den See hineingehen, jedoch haben sich durch gefährliche Strömungen und Böen immer wieder Todesfälle im Balaton ereignet. Folglich gibt es staatliche Sturmwarnungen.

Infrastrukturell ist der Balaton sehr weit entwickelt. Durch viele Straßen (E 96, Autobahn von Budapest her) ist der Balaton gut mit dem Auto zu erreichen. Bahnlinien sowie Busverbindungen sorgen für gute Verkehrsverbindungen. Auf dem See befindet sich ein Autofährensystem mit über 15 Anlaufhäfen. Die Dampfschiffahrtsgesellschaft auf dem Balaton war sogar schon zehn Jahre früher gegründet worden als die staatliche Eisenbahn Ungarns – übrigens  beides auf Initiative von Graf István Széchenyi hin, des großen Reformers und Industrialisierers Ungarns im 19. Jahrhundert.

Das Klima am See ist angenehm, die Durchschnittstemperatur in den Sommermonaten beträgt über 24° C. Die relative Luftfeuchtigkeit liegt bei 70 bis 75 %. Die Wassertemperatur steigt bereits im Mal auf 15° C und erreicht im Sommer etwa 20° C. In den äußerst flachen Gewässerteilen werden sogar manchmal Temperaturen von 27° C erreicht. Im Winter lädt der See zum Schlittschuhlaufen ein.

Die Weiterfahrt:

Nach diesen Erläuterungen ging es mit dem Bus um etwa 10.45 Uhr weiter. In Szépkicátó, einem kleinen Ort am Balaton, wurde ein kurzer Photohalt eingelegt. Man hat von dort einen wunderschönen Ausblick auf die einzelnen Becken des Balaton sowie das Umland. Herr Prof. Antal erklärte kurz den Bestand an Weinbergen in der Region und deutete anhand des schönen Fichtengeruchs auf die intakte Natur hin. Um 11.05 Uhr ging es weiter.

Nach etwa zweistündiger Fahrt durch wenig besiedeltes Gebiet wurde um etwa 13.00 Uhr eine ehemalige Bauxitabbaustätte besucht:

Bauxit: Dieser Stoff ist ein erdiges Sedimentgestein von weißer bis rötlicher Färbung aus verunreinigten Aluminiumhydroxiden. Es ist der wichtigste Rohstoff für die Aluminiumgewinnung. Bauxite entstehen durch Verwitterung tonerdereicher Gesteine in tropischem Klima; dabei wird Kieselsäure gelöst und abgeführt, die Aluminium- und Eisenoxide werden zugleich angereichert, dieser Silikat- oder Lateritbauxit ist wegen seines hohen Anteils an Siliciumdioxid und Eisenoxid wirtschaftlich nur schwer zu verwerten.

Desweiteren entstehen Bauxite als lockerer Rückstand kohlesäurebedingter Auswaschung von Kalken in Höhlen und Schlotten. Dieser Kalk- und Karstbauxit hat wegen seines geringen Kieselsäuregehalts große wirtschaftliche Bedeutung. Aus Kalkbauxit bestehen alle wichtigen Bauxitlagerstätten der Erde, zum Beispiel in Jamaika, Guyana, Surinam, Australien, Frankreich (Provence), Kroatien und Ungarn.

Der Professor berichtete an der rötlichen Grube über die Verwaltung und den Abbau des Bauxits. Das Bauxit wurde durch Zufall in der Region gefunden. Im Jahre 1926 wurden die ersten größeren Vorkommen entdeckt. Heutzutage wurde der Abbau jedoch gestoppt – erstens aufgrund der Rentabilität und zweitens aufgrund der Umweltgefahren. Da der Sumpf immer überwässert ist bildet sich Art Drainage in den Balaton. Der Kalk wird unterschwemmt – er bricht herunter. Die Folge ist, daß das Wasser sich nur noch nach unten voranarbeiten kann.

Der letzte Etappenabschnitt:

Nach der Abfahrt von der Grube um etwa 14.00 Uhr wartete man allgemein auf das Mittagessen, welches auch kurze Zeit später eingenommen wurde. Die Qualität ließ jedoch zu wünschen übrig. Um 16.00 Uhr ging es dann gen Heimat. zuvor wurde sich übrigens noch von unseren ungarischen Begleitern Herrn Professor Antal und Frau Cravero unter großem Beifall getrennt. Sie fuhren mit der Bahn zurück nach Budapest. Nach einer ruhigen Fahrt wurde am nächsten Morgen um 06.30 Uhr Hannover erreicht. Die Studienfahrt war beendet ...

Thorsten Milzner, Patrick Gewohn

Teilnehmer der Studienfahrt nach Ungarn

 Autoren der Tagesberichte

Nr.

Name

Vorname

Reisebericht / Protokoll vgl. Seite

OStR

Voigt

Gerhard

Herausgabe, Einleitungstexte, Textüberarbeitung

OStR'

Halstenberg

Jutta

Redaktion

1.

Attia

Tarek

S. 34 - 37 (Südungarn: Das Grenzgebiet zu Jugoslawien und Kroatien, 29.5.)

2.

Bahr

Stephan

S. 34 - 37 (Südungarn: Das Grenzgebiet zu Jugoslawien und Kroatien, 29.5.)

3.

Balasa

Endré

beteiligt an S. 22 ff. (Stadtplanungsamt, 26.5.)

4.

Domic

Katarina

S. 20 - 21 (Johannes Hunyadi, Matthias Corvinus und die Türkenkriege, zum 25.5.)

S. 39 - 42 (Naturschutz am Kis-Balaton, II., 30.5.)

5.

Dresel

Christian

S. 17 - 20 (Aquincum, Szentendre, Donauknie und Esztergom, 25.5.)

6.

Fedorchenko

Andre

S. 34 - 37 (Südungarn: Das Grenzgebiet zu Jugoslawien und Kroatien, 29.5.)

7.

Fischer

André

S. 17 - 20 (Aquincum, Szentendre, Donauknie und Esztergom, 25.5.)

8.

Gewohn

Patrick

S. 44 - 46 (Keszthely – Szépkicátó – Bauxitabbaustätte – Rückfahrt nach Hannover, 30.5.)

9.

Goronczy

Christine

S. 29 - 30 (Stadtrundgang Kecskemét, Nationalpark Bugac-Puszta, 27.5.)

10.

Habermehl

Karsten

S. 17 - 20 (Aquincum, Szentendre, Donauknie und Esztergom, 25.5.)

11.

Hänschen

René

S. 15 (Geschichte von Budapest, 24.5.)

12.

Hergert

Andreas

13.

Holm

Helena

S. 38 - 39 (Naturschutz am Kis-Balaton, I., 30.5.)
Endredaktion

14.

Horst

Jeremi

15.

Klar

Matthias

S. 15 - 16 (Geschichte von Budapest, Das Naturwissenschaftliche Museum, 24.5.)
Endredaktion

16.

Mahnecke

Alisa

17.

Mertes

Michael

S. 31 - 32 (Agro-AG Bóly, Das Gestüt von Bóly, Die Geschichte der Deutschen in Bóly, 28.5.)

18.

Milzner

Thorsten

S. 44 - 46 (Keszthely – Szépkicátó – Bauxitabbaustätte – Rückfahrt nach Hannover, 30.5.)

19.

Möbus

Christoph

S. 9 - 10 (Csepel, 23.5.)

20.

Nickel

Holger

S. 9 - 10 (Csepel, 23.5.)

21.

Otte

Jan Moritz

S. 9 - 10 (Csepel, 23.5.)

22.

Plavsic

Vesna

S. 20 - 21 (Johannes Hunyadi, Matthias Corvinus und die Türkenkriege, zum 25.5.)

S. 42 - 43 (Naturschutz am Kis-Balaton, III., Keszthely, Héviz, 30.5.)

23.

Pohlmann

Kathleen

S. 29 - 30 (Stadtrundgang Kecskemét, Nationalpark Bugac-Puszta, 27.5.)

24.

Rupar

Larisa

beteiligt an S. 22 ff. (Stadtplanungsamt, 26.5.)

25.

Sajda

Adam

S. 15 (Geschichte von Budapest, 24.5.)

26.

Schöl

Christiane

S. 28 - 29 (Die Landwirtschaft im Komitat Bacs-Kiskun, 27.5.)

27.

Zillekens

Eva

Die Seitenzahlen beziehen sich auf die Print-Edition in der Schriftenreihe des UNESCO-Clubs.

Inhaltsverzeichnis

I. Konzeption und Vorbereitung der Studienfahrt

  1. Studienfahrten und UNESCO-Programme

  2. Zur Zielsetzung der Ungarnfahrt

  3. Warum also...

  4. Art der Vorbereitung und Planung im Unterricht

  5. Zur Organisation der Studienfahrt

  6. Fürstengut – Staatsgut – Landwirtschaftliche AG: 
    Ein Besuch in Bóly in  Südungarn

II. Das Programm in Ungarn

  1. Hinfahrt und Ankunft in Budapest

  2. Csepel Metallwerk

  3. Die Geschichte von Budapest und Besuche im Museum

  4. Das Naturwissenschaftliche Museum in Budapest

  5. Das Museum der Schönen Künste am Heldenplatz

  6. Das Verkehrsmuseum

  7. Aquincum, Szentendre, Donauknie und Esztergom

  8. Johannes Hunyadi, Matthias Corvinus und die Türkenkriege

  9. Besuch im Stadtplanungsamt von Budapest:
    Der Ausbau der Infrastruktur und die zukünftige
    Stadtentwicklung
    Zur städteplanerischen Gliederung der Agglomeration Budapest
    Zusammenfassung

  10. Alföld: Kecskemét, Bugac-Puszta, Südungarn
    Programmüberblick
    Die Landwirtschaft im Komitat Bacs-Kiskun
    Stadtrundgang Kecskemét
    Nationalpark Bugac-Puszta

  11. Landwirtschaft in Südungarn: Bóly
    Agro-AG Bóly
    Das Gestüt von Bóly
    Die Geschichte der Deutschen in Bóly
    Pécs / Fünfkirchen
    Ein Abend in Nagynyárád

  12. Südungarn: Das Grenzgebiet zu Jugoslawien und Kroatien
    Weinbau in mediterranem Klima: Villány

  13. Naturschutz am Kis-Balaton
    Keszthely
    Héviz

  14. Keszthely – Szépkicátó – Bauxitabbaustätte – Rückfahrt nach Hannover
    Der Tag im allgemeinen
    Balaton – Bedeutung, Besonderheiten und Allgemeines
    Die Weiterfahrt
    Der letzte Etappenabschnitt

Teilnehmer der Studienfahrt nach Ungarn

Autoren der Tagesberichte

Impressum

Urhebervermerk: Bismarckschule Hannover. An der Bismarckschule 5. D 30173 Hannover.

Quelle/Impressum der Print-Veröffentlichung: Schriftenreihe des UNESCO-Club für die UNESCO-Schule am Maschsee,
Bismarckschule Hannover, e.V.,

Heft 8

ISSN 0945-1536

Voigt, Gerhard (Hrsg.):

Perspektivwechsel – Eindrücke im heutigen Ungarn. Bericht von einer Studienfahrt mit Schülerinnen und Schüler der Bismarckschule Hannover nach Budapest, Südungarn und Transdanubien 21. bis 31. Mai 1997. / Herausgegeben von Gerhard Voigt

Hannover: UNESCO-Club für die UNESCO-Schule am Maschsee, Bismarckschule Hannover, e.V. [An der Bismarckschule 5, D 30173 Hannover], 1997 (Schriftenreihe des UNESCO-Club für die UNESCO-Schule am Maschsee, Bismarckschule Hannover, e.V., Heft 8)

ISBN 3-930307-07-3

Wiedergegeben mit freundlicher Genehmigung des Vorstandes des UNESCO-Clubs

Veröffentlicht im Internet im April 2002 unter http:\\www.unesco-club-bismarckschule.de.  (URL gelöscht 2011)

Vergleiche auch: http:\\www.Bismarckschule.de.

Kontakt: "Gerhard Voigt" <Bismarckschule.Voigt@gmx.de>.

Urheberrechte vorbehalten.

V/02/Voigt

   
   

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Gerhard Voigt, OStR i.R. - Kontakt vgl. Impressum (vgl. Seitennavigation)

bismarckschule.voigt@gmx.de

Bearbeitungsstand:04.2002 / 08.2002.

Letzte Bearbeitung: 06.07.2011

   
   

 

     
   

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Texte aus der der Verbandszeitschrift »politik unterricht aktuell« unter www.pu-aktuell.de
Info über die Verbandstätigkeit unter: http://www.politiklehrerverband.org