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Referate
und Studienfahrtmaterialien
Antonia
Beirith und Helena Scheibel
Stadtgeographie
von Budapest
Budapest:
die Dame mit der Donau
zwischen den Brüsten,
die Schichttorte aus Zeit,
das Manhattan der Puszta.
Peter Esterhazy
Alte
Siedlungskerne
Schon um l0 v.Chr.
fanden die Römer bei ihrem Vordringen nach Nordosten eine Siedlung und
gründeten die Kolonie Aquincum an der Stelle der heutigen Buda in der Nähe
einer noch älteren Siedlung. Das römische Legionslager erhielt 124 n.Chr.
Stadtrecht und nach 184 Residenz der Statthalter der Provinz Pannonia inferior
war. Die Römer errichteten entlang der Donau Befestigungen und Straßen. Auch
auf der Pester Donauseite wurden Wachttürme errichtet. Die Römerstadt zählte in
ihrer Blüte im 2.Jahrhundert rund 20 bis 30 000 Einwohner.
376 n.Chr. fielen
die Wandalen ein und eroberten Aquincum. Für die nächsten 500 Jahre siedelten
Slawen, Awaren und andere Völker an der Stelle der heutigen Buda und Pest. In
der zweiten Hälfte des 9.Jahrhunderts nahmen die Magyaren diese Siedlungen ein.
1241 wurden Buda und Pest von den Mongolen zerstört. Der Schock des
Mongoleneinfalls führte überall im Lande zum Bau von Befestigungen, so ließ
König Bela IV. 1247 auf dem Burgberg in Buda die erste königliche Burg
errichten, die seit der Mitte des 14.Jahrhunderts als ständige Residenz
fungierte. Mit der Verleihung des Stapelrechts 1347 und einer 1395 gegründeten
Universität entwickelte sich Buda zur bedeutendsten Stadt Ungarns. Das
linksufrige Pest stieg zu einer bedeutenden Handelsstadt auf.
Während der
türkischen Invasion Ungarns wurde Pest 1526 und Buda 1514 eingenommen. Von da
an bis zur endgültigen Vertreibung der Türken im Jahre 1686 standen Buda und
Pest mit einem Großteil des Landes unter der Herrschaft der Türken. Für sie war
Ungarn eine unwirtliche, weit von ihrem Heimatland entfernte Provinz, an deren
Ausbeutung sie ausschließlich interessiert waren.
Die Abwanderung der
deutschen und ungarischen Stadtbewohner führte zum Verfall und der Verödung;
Serben und Juden wanderten ein. Auch nach der Befreiung von der
Türkenherrschaft 1686 blieb Preßburg Hauptstadt. Nach der Befreiung unter
österreichischer Führung waren beide Städte fast vollständig zerstört. Erst im
18.Jahrhundert begann ein wirtschaftlicher und kultureller Aufschwung, vor
allem aufgrund einer günstigen Lage an der Donau. Das Wiederaufleben der
ungarischen Nation, das sogenannte Reformzeitalter Ungarns begann nach 1825. Es
mündete in der ungarischen Revolution von 1848. Während des
Unabhängigkeitskrieges wurden Buda und Pest von den Österreichern besetzt.
Beide Städte litten unter dem Beschluss.
Keine zwanzig Jahre
später entschieden sich der Kaiser und die Kaiserin von Österreich, durch ihr
Kabinett dem Ungarn einen Kompromiss, den sogenannten Ausgleich von 1867,
anzubieten. Durch ihn erhielt Ungarn einen namhaften Teil der Privilegien, die
die Führer des Aufstandes 1848 gefordert haben, und eine nahezu vollständige
Unabhängigkeit.
Vereinigung von Buda
und Pest
Damit begann der
dynamische Aufstieg von Buda und Pest, seinen Bevölkerung ebenso wie des
Wohlstands und der Größe. 1867 lag die Bevölkerung unter 270000, 25 Jahre
später hatten sie sich mehr als verdoppelt. Die offizielle Vereinigung von Buda
und Pest fang 1873 statt. Bis dahin waren es drei Städte gewesen. Grund dafür
war nicht nur die breite, trennende Donau. Es gab auch deutliche Unterschiede
in der Bevölkerung, die zu Meinungsverschiedenheiten und gelegentlich auch zu
Animositäten und kleinen Feindschaften führten. Buda und in gewisser Weise auch
Obuda waren weitgehend deutschsprachig, konservativ, katholisch und standen
loyal zu den Habsburgern. Die Einwohner hatten in der 1848er Revolution vom
Nationalismus und dem radikalen Enthusiasmus Pests wenig wissen wollen. In Pest
mit seinen noch ungepflasterten Straßen hatte die Revolution begonnen,
umgekehrt misstrauten die linken Radikalen Pests die Leuten von Buda. Im Jahre 1916 erlebte Budapest die
letzte Königskrönung, als Karl IV. von Habsburg den Thron bestieg. Nach dem
Kriege blieb Budapest Hauptstadt des jetzigen unabhängigen Ungarn, und in der
Zeit zwischen den beiden Weltkriegen entstanden Villenviertel und
Gartenvorstädte. Als im März 1944 das auf der deutschen Seite kämpfende Ungarn
mit den Sowjets einen Sonderfrieden schloss, wurde Budapest von deutschen
Truppen besetzt und nahezu zerstört.
Das Kriegsende sah
für Budapest trostlos aus. Es gab kaum ein Gebäude, das nicht beschädigt war.
Gleich nach Abschluss der Kämpfe aber ging man an den Wiederaufbau. 1950 wurden
die Randgebiete mit der Hauptstadt vereinigt, die Wohngebiete saniert und neue
Wohnviertel geschaffen.
Weitaus wichtiger
als die sich veränderten Großverhältnisse war der rapide Rückgang der
vorherrschenden deutschen Sprache im Gegensatz zu den meisten Teilen Osteuropas
und auch bestimmter Teile Ungarns, wo die Deutschen auf ihrer manchmal stolzen
und gelegentlich arroganten Separierung von der sie ungebundenen Bevölkerung
bestanden, ließen sie in Budapest eine Eingliederung und allmähliche
Verschmelzung mit der magyarischen Mehrheit zu. Sie wurden Teil einer sprachlichen,
kulturellen und sogar politischen Gemeinschaft Ungarns.
Heute ist Budapest
die einzige große Stadt an der Donau, durch die der majestätische Fluss mitten
hindurch fließt. Budapest ist das Kultur- und Wirtschaftszentrum des Landes.
Über 2,1
Millionenmetropole wurde und wird viel geschrieben. Häufig wird sie ,~Perle des
Ostens" oder auch das "Paris des Ostens" genannt.
Das Stadtbild lebt
von seinen Gegensätzen. Auf der hügeligen Budaer Seite schlummert das
stimmungsvolle Altstadtviertel mit schmalen, gepflasterten Gassen und
prachtvollen Barockhäusern. Auf der anderen Seite der Donau pulsiert das
geschäftige Pest, ein quirliges Handelszentrum mit buntem Straßenleben,
Prachtboulevards und stolzen Jugendstilfassaden. Pest erscheint wie der Kopf
Ungarns. Schließlich ist es Sitz der Verwaltung und der politischen Führung des
Landes sowie der traditionell wichtigste Geschäftsplatz.
Wirtschaft
Budapest ist das
Kultur- und Wirtschaftszentrum Ungarns. Hier konzentriert sich rund ein Drittel
der ungarischen Industrie. Die wenigen Industriewerken der Stadt wurden während
des Krieges fast vollständig zerstört. Die ungarische Regierung verkündete eine
Reihe langfristiger Pläne zur Wirtschaftsentwicklung. Der Hauptakzent dieser Pläne
lag auf der Industrialisierung der Stadt und des Landes. Die
Konsumgüterindustrie und der Dienstleistungssektor wurden vernachlässigt, und
die Regierung setzte ihre Gelder zum Aufbau der Schwerindustrie ein. Seit den
sechziger Jahren wurde mehr Wert auf die Produktion von Konsumgüter gelegt.
Nach den ersten freien Wahlen 1990 erfolgte schrittweise die Umstellung von der
Planwirtschaft zu den Prinzipien der freien Marktwirtschaft. Dadurch öffnete
sich Budapest und auch Ungarn stärker den Tourismus, der sich schnell zu einem
wichtigen Wirtschaftszweig entwickelte.
Das Land verfügt
über einige Bauxit-, Kohle-, Erdöl-, Erdgas-, Mangan-, Uran- und
Eisennerzvorkommen. Vor allem der Fischfang ist ein wichtiger Wirtschaftszweig.
Ein Großteil der
Landwirtschaftsprodukte wird zur Weiterverarbeitung bzw. zum Export mit der
Bahn oder dem Schiff in die Stadt transportiert. Wichtigste Waren sind dabei
Getreide, Wein, Tabak, Hanf, Wolle, Wachs und Tierhäute. Bedeutende
Industriezweige sind Eisen- und Stahlherstellung, Maschinen- und Fahrzeugbau,
chemische Industrie sowie Nahrungsmittelindustrie. Genauso führend ist die
Textil- und Bekleidungsindustrie ( Budapest ist ein Modezentrum ), sowie
Papierindustrie. In Budapest sind fast alle Buchverlage des Landes ansässig, und
es erscheinen hier alle überregionale Tageszeitungen Ungarns.
Zu den wichtigen
Exportprodukten Budapests zählen Maschinen, Transportausrüstungen, Kleidung und
chemische Produkte.
Zuständig für die
Befriedigung der spontanen, flüchtigen Wünsche ist in erster Linie die private
Schattenwirtschaft, die sich seit ihrer Legalisierung Ende der siebziger Jahre
in allen Ecken und Winkel der Hauptstadt breit macht. Hinter winzigen Schaufenstern
und auf den Tischen der fliegenden Händler liegen die Schätze und
Herrlichkeiten für den Massengeschmack bereit: wahllos zusammengewürfelte
Westprodukte, die trotz überhöhter Preise ihre Abnehmer finden. Fliegende
Händler gibt es nur draußen oder in eigens für sie hergerichteten Zonen, in
denen einfache Tische stehen. Meist sind es Bauern und Kleingärtner, die
täglich oder für mehrere Tage den langen Weg nach Budapest unternehmen, um den
Städtern selbstgezogenes Gemüse oder Federvieh zu verkaufen. Sie arbeiten
oftmals nicht mehr in der LPG, sondern wirtschaften auf eigene Rechnung, um
ihre Rente aufzubessern.
Die prüde Moral des
Sozialismus ist unter der Dynamik der wirtschaftlichen Liberalisierung längst
in Stücke gegangen.
Die Bildung der
Agglomeration Budapests steht im Zusammenhang mit den strukturellen Wandlungen.
Ein starkes Bevölkerungswachstum verband sich mit einer zunehmenden Mobilität
und führte in bestimmten Gebieten zu außerordentlichen
Bevölkerungskonzentrationen. Aber auch Industriegebiete ganz anderer Struktur
zeichnen sich durch eine besondere Verdichtung aus. Die Agglomeration begann
sich auszudehnen.
Ein axiales Wachstum
in das Umland ist dabei vorgegeben durch radial vom Stadtkern in das
Außengebiet führende Verkehrslinien. Besonders entlang der Eisenbahnstrecken
und der wichtigen Verbindungsstraßen ist das Siedlungswachstum im Stand stets
bedeutender stärker als in den nicht von solchen Strecken berührten Gebieten
(z.B. Csepel). An erster Stelle steht auf der Negativseite ganz eindeutig die
Flächenknappheit. Während sich die Anzahl der Häuser verdoppelte, vervierfachte
sich im gleichen Zeitraum die durchschnittliche Anzahl ihrer Stockwerke. Neben
der Restaurierungen der Innenstadt legte man besonderen Wert auf die Errichtung
großer Plattenbauviertel an der städtischen Peripherie, freilich ohne dadurch
das Wohnungsproblem auch nur annährend in den Griff zu bekommen.
In den
Nachkriegsjahren begann ein mühseliger Wideraufbau der geschlagenen Stadt.
Paläste und Theater, Kirche und Wohnhäuser, Industriehallen und Brücken mussten
oftmals von Grund auf neu geschaffen werden. 1950 kamen die Randgebiete zur
Hauptstadt dazu, wodurch das Lebensniveau der früher stark benachteiligten
Arbeitssiedlungen schrittweise angehoben wurde. Wo sich vormals, wie auf der
Industrieinsel Csepel oder im legendären Arbeiterbezirk Angyalföld, ärmliche
Proletarierbehausungen duckten, entstanden vielstöckige Wohnsiedlungen, und
brachliegendes Land wurde mit industriell vorgefertigten Hochhäusern
zugestellt.
Die Fabrik- und
Arbeiterviertel, die zum Teil frühere Vororte waren und erst 1950 an Budapest
angeschlossen wurden, umziehen das alte Zentrum von Pest wie ein industrieller
Gürtel. Das berühmteste Industriegebiet ist die Arbeiterinsel Csepel im Süden,
deren Name seit Jahrzehnten Assoziationen an Elend, Gestank und revolutionäre
Gesinnung hervorruft. Der nördliche Teil von Csepel ist ein Zentrum der
ungarischen Schwerindustrie, ein grauer Stadtteil mit glühenden Hochöfen und
schachtelartigen Neubauten, die an die Stelle der Slums und Armenviertel in
dieser Gegend getreten sind. Die Wohnblocks gelten als Errungenschaft des
Sozialismus, der die hegemoniale Klasse zum Schweigen gebracht hat. Ansonsten
herrscht hier kein Stil, kein Ornament, nur die soziale Misere.
Im hügeligen,
baumbestandenen Bezirk von Budapest, westlich der Margaretheninsel, haben sich
von jeher die Reichen und Mächtigen Ungarns angesiedelt. Einst lieferten die
Hügel von Buda der Stadt an der Donau nur Steine, Lehm und Holz zum Hausbau,
und an ihren Hängen wurde Wein angebaut. Dann entstanden seit Anfang des 19.
Jahrhunderts die ersten Villenviertel im Grünen: der Rosenhügel (Rozsadomb),
der Schwabenberg (heute Freiheitsberg: Szabadsaghegy) und die Nobelgegend
Pasaret (Pascha-Wiese), die ihren Namen der Türkenzeit verdankt. Durch die
Villenviertel ungarischen Hauptstadt zu schlendern, ist ein besonderes
Vergnügen. Hier töffeln keine stinkenden Trabants durch die Strassen, sondern
höchstens mal ein lautloser Mercedes oder ein schnittiger BMW. Hier riecht die
Luft süß und weich nach blühenden Gärten und frisch gemähten Rasen.
Allerdings drohen
die ungarischen Wirtschaftsreformen, auch dieser Idylle ein Ende zu setzen.
Seitdem der Wohnraum auf dem freuen Markt nach Belieben hin und her geschachert
werden kann, sind Immobilien zur besten Geldanlage geworden. Die ehrwürdigen
Villen erzielen Höchstpreise, in den Domänen der alten Führungsschichten machen
sich die zwielichtigen Männer aus der zweiten Ökonomie breit, die die Tausend
Forint-Scheine bündelweise nach Hause tragen. Um die Nachfrage zu befriedigen,
sind zu den alten Villen längst neue Häuser hinzugekommen. Auf der Rückseite
des Rosenhügels, im Viertel zwischen Kapy utca und Törökvesz ut, ziehen
Bauarbeiter in ungewohnter Schnelligkeit Mehrfamilienhäuser mit
Luxusappartements in die Höhe, die im gesamten Ostblock ihresgleichen suchen.
Staunender Neid ist
die Reaktion vieler Ungarn auf die Paläste der neuen Millionäre und eine tiefe
innere Empörung über die Ungerechtigkeiten des Wirtschaftssystems.
Michael Müller Verlag,
"Ungarn"
Reise Know-
How, "Ungarn", Handbuch
Birkhäuserverlag, Helmut Wollmann,
"Systemwandel und Städtebau in Mittel und Osteuropa"
Klett, "Fundamente",
Geographisches Grundbuch für die Sekundarstufe II
Budapest Falk
- Plan
Bilder: Belser Verlag,
"Ungarn"
Inhalt
Stadtgeschichte
Alte
Siedlungskerne
Vereinigung von Buda und
Pest
Wirtschaft
Freie
Marktwirtschaft
Moderne
Agglomerationsentwicklung und Agglomerationsprobleme
Bedeutung des
Wirtschaftsraumes Budapest:
Von der
Arbeiterinsel Csepel zu den Budaer Villenviertel
Quellen
Arbeitsschwerpunkt Ungarn. Studienfahrten und Aufsätze
Programm
der Studienfahrt nach Ungarn 2000
Referate und Studienfahrtmaterialien
Dokument Information
Der
Abschlussbericht der Ungarnfahrt vom 09.10.2000 bis zum 17.10.2000 wurde
veröffentlicht als Publikation der
Schriftenreihe des UNESCO-Club für die UNESCO-Schule am Maschsee,
Bismarckschule Hannover, e.V., Heft 7 - Aus organisatorischen Gründen
wurde nur eine kopierte Erstfassung herausgegeben und schulintern und im
UNESCO-Club verbreitet. Der
vorliegende Text wurden veröffentlicht im Internet am 17.11.2011 auf
URL
http://www.unesco-club-hannover.de/Ungarn/Ungarn_2000/H2000_Budapest.htm
revidiert und übernommen auf voigt-bismarckschule.de am 10.10.2012
Kontakt: Gerhard Voigt OStR i.R. (seit 2009). Potsdamer Str. 20, 30952
Ronnenberg / Region Hannover
Bismarckschule.Voigt@gmx.de .
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