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Gerhard
Voigt
Thesen zu den Möglichkeiten und
Grenzen der Anwendbarkeit geographischer und politologischer
Entwicklungsmodelle zur Analyse der aktuellen Krisen in Osteuropa und in
der Dritten Welt
Folgt einem Vortrag im Rahmen der
internationalen wissenschaftlichen Konferenz
»Aktuelle Fragen der Geographie
in Wissenschaft und Unterricht«
anläßlich des fünfzigsten Jahrestages des Bestehens des
Lehrstuhles für Allgemeine Wirtschaftsgeographie
Die
dramatischen politischen und sozioökonomischen Veränderungen in Ost- und
Südosteuropa sind in dieser Form und in diesem Umfang von den
Gesellschaftswissenschaften nicht voraus gesehen worden. Neben dem Bedürfnis,
die neue Situation angemessen zu erklären, ist gerade die fraglich
gewordene prognostische Kompetenz der Gesellschafts- und
Raumwissenschaften Anlaß zu einer kritischen Überprüfung der zugrunde
liegenden Paradigmen und herrschenden theoretischen Erklärungskonzepte.
Ich möchte hier noch weiter gehen und fordern, wichtige Theorien in
unserem Fachbereich einer erneuten Evaluierung zu unterziehen.
An
dieser Stelle kann noch kein Schritt in diese Richtung getan werden. Es
bleibt nur die Möglichkeit, einige kritische Fragen an einen bestimmten
ausgewählten Theoriekomplex hoher Aktualität und weitreichender Erklärungsansprüche
zu stellen: die gesellschaftswissenschaftlichen und
wirtschaftsgeographischen Entwicklungstheorien.
Zunächst
einmal prägen Verarmungsprozesse, soziale Verelendung, ökonomische
Struktur- und Entwicklungsdefizite, Verschuldung und außenwirtschaftliche
Abhängigkeiten das Bild, das sich die Welt von den in gesellschaftlicher
Transformation stehenden Ländern der ehemaligen sozialistischen
Staatengemeinschaft macht. Es liegt nur nahe, die statistisch zu erhärtenden
Fakten in Parallele zu setzen mit sehr ähnlich erscheinenden Situationen
in der Dritten Welt. Kurz gefaßt, es stellt sich die provozierende Frage,
ob die ehemaligen RGW-Länder Entwicklungsländer sind und ob sie mit
den selben Entwicklungstheorien gefaßt werden können, wie die Länder
der Dritten Welt.
Die
Dynamik der Entwicklungen und die offensichtlich vorhandenen autochthonen
Entwicklungspotentiale in Ungarn, Polen, der CSFR und, wie im politischen
Sektor in den letzten Wochen offensichtlich geworden, wohl auch in Rußland
und den europäischen Randrepubliken der zerfallenden UdSSR, zeigen aber
wohl auch schon einem flüchtigen Beobachter, daß diese Frage nicht
einfach bejaht werden kann, sondern daß qualitativ bedeutsamen
Strukturunterschiede zu berücksichtigen sind, die auch in den
theoretischen Erklärungskonzepten adäquat berücksichtigt werden müssen.
Das in
anderem Zusammenhang geprägte Schlagwort von der „neuen Unübersichtlichkeit“
gilt sicherlich in hohem Maße für den Zustand der gesellschafts- und
raumwissenschaftlichen Globaltheorien. Eine umfassende Theoriebildung, die
unterschiedliche räumlich-gesellschaftliche Entwicklungsprozesse nach
einheitlichen Maßstäben hinreichen erklären könnte, ist nicht in
Sicht, vor allem, wenn man die prognostische Kompetenz, die für eine sinnvolle
Politikberatung notwendig ist, als Kriterium gelten läßt.
Grundlegende
Einsichten und Ansätze
Das
Stichwort Dritte Welt bzw. Entwicklungsländer provoziert eine unübersehbare
Fülle von gedanklichen und fachlichen Querverbindungen, die zunächst nur
wenig zur Erhellung der Problemlage beitragen, wie Günther HILLIGES in
der Frankfurter Rundschau [13.08.91, S.6] formuliert: „Auch wenn das Bemühen
um sprachliche Differenzierung und Prioritätensetzung deutlich wird –
zum Schluß wirken alle Perlen der Argumenmtationskette gleich groß, für
jeden Splitter unserer Gesellschaft findet sich das entsprechende Schlüsselwort“.
Sind damit Entwicklungstheorien inhaltsleere Hohlformen geworden, auf
die getrost verzichtet werden kann?
Einige
Grundbeobachten sind für die Bildung des „Entwicklungsbegriffes“ von
zentraler Bedeutung: die Beobachtung, daß weltweit wirtschaftliches
Wachstum und technische Innovation als anzustrebende ökonomische Ziele
akzeptiert sind und daß diese Ziele wohl notwendigerweise zu einer
globalen sozioökonomischen Egalisierung und einer, aus der sozialen Not
und dem Druck der Verelendung gewachsenen Ökonomisierung der Kulturen führt,
die sich uns als „Verwestlichung“ darstellt. Armut und Abhängigkeit
und der Protest gegen diesen Zustand sind die global vorherrschenden
Charakteristiken des menschlichen Lebens auf unserem krisenbedrohten
Planeten. Willy BRANDT formuliert das in seinem Buch „Der organisierte
Wahnsinn“ [Köln 1985, S.35] provozierend: „Ich zweifle nicht, daß
die Menschheit – mit Einschluß der politischen Führer in Ost und West
und Süd – überleben möchte. Damit ist noch nicht gesagt, daß sie überleben
wird. Frieden ist kein Urzustand, man muß ihn »machen« und sichern.“
So
entsteht aus dem Blick auf die derzeitigen Hegemonialverhältnisse und die
damit verbundenen unterschiedlichen Lebens- und Überlebenschancen der
Menschen schnell das aus europäisch-amerikanischer Sicht geprägte Bild
von einer notwendigen gleichsinnigen Weltentwicklung, an deren Spitze sich
die westliche Kultur, die heute meist mit Kapitalismus und Marktwirtschaft
gleich gesetzt wird, befindet, der die anderen Regionen und Völker mehr
oder weniger schnell nachfolgen. Ein schlüssiges Erklärungskonzept für
die disperaten Entwicklungszustände liefert dieses Bild jedoch nicht,
es legt nur den Gedanken nahe, daß eine interne Verursachung in den zurück
gebliebenen Regionen, sei es durch die mangelnden Naturpotentiale oder
eine „rückständige“ Kultur der Einwohner, wobei sogar rassistische
Vorurteile durchschlagen, dominierend sein wird. Diese eurozentristische
Perspektive verfälscht die Realität jedoch erheblich; dieser naive
Entwicklungsbegriff führt zu falschen Erklärungskonzepten, wie
Geographen und Gesellschaftswissenschaftler wissen, und bewirkt daher
tendenziell eine Perpetuierung der Entwicklungs- und Strukturprobleme und
der globalen Sozialkatastrophen.
Zwei
tiefgreifende Sorgen sollten hier ausgesprochen werden: Welche
menschlichen Opfer will und kann sich eine Gesellschaft zumuten zukünftiger
Entwicklungschancen wegen? Kann die lebenslange Verelendung und Verarmung
goßer Teile eines Volkes als hinnehmbare „Übergangslösung“ auf dem
Weg zu einer auch nur als uneingelöste Versprechung bevorstehenden
besseren Zukunft politisch verantwortet werden, ohne Sozialkonflikte unvorstellbaren
Ausmaßes zu begründen? Und: ist dies nur eine innerstaatliche Gefahr
oder ist es nicht die reale Situation des Verhältnisses zwischen
Industriestaaten und Entwicklungsländern mit der unübersehbaren
Perspektive regionaler oder überregionaler Verteilungskämpfe und
Kriege, vor denen der Golfkrieg Anfang dieses Jahres meiner Meinung nach
ein Teil und nicht der Letzte gewesen ist? Die „neue Weltordnung“ der
USA als militärisch gesicherte ökonomische Welthegemonie?
Entwicklungsvorstellungen
haben immer auch eine politische Bedeutung, oft politische Brisanz. Dies
macht eine Evaluierung nach wissenschaftlichen Maßstäben so schwer. Daß
im Begriff der Entwicklung durch die immanente Zieldimension ein
wissenschaftlich nicht objektivierbarer Wertbegriff enthalten ist, stellt
Entwicklungstheorien an die Nahtstelle analytischer Instrumentarien und
politischer Leitvorstellungen, die aus ihrer gesellschaftlichen Interessengebundenheit
nicht gelöst werden können.
Der
Versuch der geographischen Entwicklungstheorien, diesem gesellschaftlichen
Kontext zu entgehen, führte zu mageren, wenig aussagekräftigen
Theorieansätzen, deren Erklärungspotentiale recht begrenzt erscheinen.
Die Kontroverse zwischen ENGELHARDT und SCHMIDT-WULFFEN in der
„Geographischen Rundschau“ 1978-80 [Kurt ENGELHARDT: Entwicklungsländerprobleme
im Geographieunterricht, Beiheft GR 8 (1978), H. 1, S.98-101; Wulf D.
SCHMIDTWULFFEN: „Theorien der Unterentwicklung“ contra „Enttwicklungsländerprobleme“,
GR 31 (1979), H.4, S.143-150; ENGELHARDT: Entwicklungsländerprobleme im
Unterricht, GR 32 (1980), H.8, S. 369-373] legte das Fundament einer bis
heute nicht abgeschlossenen Debatte innerhalb der geographischen
Fachdidaktik in der Bundesrepublik, die die in den Politikwissenschaften
schon Jahre vorher geführte Auseinandersetzung mit für das Fach
typischer Verspätung nachzeichnet. Einen Überblick über die
„klassischen“ politologischen Theoriekonzepte stellt Claus LEGGEWIE
in einer auch für Schulgeographen praktikabelen Übersicht ebenfalls in
der Geographischen Rundschau 1980 vor [Was heißt „Entwicklung"?
GR 33 (1981), H.11, S.474-482].
Ein
inhaltliches Resumé führt LEGGEWIE ebenso wie SCHMIDT-WULFFEN [z.B. in
seinem Beitrag im Tagungsbericht „Zur Funktion der Politischen Bildung
in Schule und Gesellschaft“, GEW Niedersachsen, Hannover 1979, S.50 ff.
oder in seinem Lexikonbeitrag in „Metzler Handbuch für den
Geographieunterricht“, Stuttgart 1982] zu der Einsicht, daß rein
quantitatin, ohne dabei die spezifischen politischen und
zeitgeschichtlichen Wirkungsfaktoren auch nur am Rande mit erfassen zu können.
Gerade diese politisch-gesellschaftliche Perspektive beweist, daß die
„nackten ökonomischen Daten“ keinen hinreichenden Aufschluß über
die Dynamik einer Entwicklung und die regionalen Entwicklungspotentiale
geben können. Umgekehrt liegt es aber nahe, diese kritische Einschätzung
auch auf die geographischen Entwicklungstheorien in bezug auf die
„Dritte Welt“ anzuwenden und statistisch faszinierende,
politisch-geographisch aber wenig aussagefähige regionale
Modellvorstellungen wie die von Peter BRATZEL und Heribert MÜLLER [Armut
und Reichtum. GR 31 (1979), H. 4, Innenbeilage], die erstmals das
Instrument der Cluster-Analyse systematisch angewandt haben und damit zu
differenzierteren Kategorien als die alte UNO-Einteilung gekommen waren,
als unzureichend abzuweisen.
Paradigmenwandel
und zeitgeschichtliche Realität
Der
angezeigte und notwendige Paradigmenwandel der Fachgeographie, die dabei
zu überwindende Kluft zwischen den Paradigmen der Geographie und ihrer
Didaktik, die Entnationalisierung des paradigmatischen Fachverständnisses
der deutschen Geographie -und insbesondere ihrer Fachdidaktik- ist vor dem
Hintergrund des schnellen und tiefgreifenden Wandels der sozioökonomischen
Realität nicht nur in Mittel- und Osteuropa sondern auch in immer
deutlicher Differenzierung in Ländern der Dritten Welt zu sehen und an
diesem Wandel zu überprüfen.
Der
beengte und statische Zugriff der -hier vor allem: deutschen-
Geographietheorie wurde von Wolfgang SCHRAMKE in seiner
„Paradigmengeschichte der Geographie“ schon 1975 exemplarisch und
polemisch kritisiert [„Zur Paradigmengeschichte der Geographie und ihrer
Didaktik“, Geographische Hochschulmanuskripte, Göttingen 1975]:
„Bereits die Grundlagen der Fachwissenschaft Geographie selbst werden im
Studium als problematisch erfahren. Übersetzt sich dazu die ...
zunehmend Dringlichkeit gewinnende Frage nach dem Verhältnis der
erworbenen Qualifikation zu den Erfordernissen der ... Berufspraxis, ...
in die Frage nach der gesellschaftlichen Legitimation des Fachs, so kann
durchaus die von BARTELS geäußerte Vermutung geteilt werden, der
desolate Zustand der heutigen Geographie sei `eine Erscheinung mangelnder
Integration einer Forschungsdisziplin in das bestehende Sozialsystem ..
und damit ein aktuelles Problem der gesellschaftlichen Gegenwartsanalyse
und -bewältigung‘ (1978, S.XI)“ [ibid. S.3].
Dieser
„desolate Zustand“ des Faches, der weniger die praktisch-empirische
Arbeit betrifft, sondern vor allem die theoretische Fundierung und
Legitimierung, die immanente Distanz zu den relevanten gesellschaftlichen
Prozessen, wird in deutlicher, wenn auch in erster Linie auf die
Fachdidaktik bezogener, Kritik bestätigt von Karlheinz FILIPP
[„Kritische Didaktik der Geographie“, Materialien zur
sozialwissenschaftlichen Forschung, Band 1, Hamburg 1987].
In
dieser Kritik an der Geographie sehen wir eine mögliche Deutung des
Versagens der geographischen Modelle zur Erklärung der
Entwicklungsprobleme der „Dritten Welt“ wie ebenso der auffälligen
Unsicherheit geographischer Ansätze zur Erklärung der
Umwandlungsprozesse in Mittel- und Osteuropa. Es ist in diesem Kontext
notwendig, von dem vagen Ansatz der „Entwicklungsländertheorie“ zu
einer dynamischeren allgemeinen „Entwicklungstheorie“ zu gelangen, die
räumlich-strukturelle Prozesse in ihren sozio-ökonomischen Bedingungsrahmen
integriert. Im geographischen Bereich bietet SCHÄTZL in seiner
Wirtschaftsgeographie bekannte und weitgehend akzeptierte Ansätze, die
jedoch vor allem Teil der volkswirtschaftlichen Analyse bleiben und
weitgehend kongruent zu den schon erwähnten statistisch-quantitativen
Erklärungsmodellen zu sehen sind.
Entwicklungstheorien
im Bereich der Gesellschafts- und Politikwissenschaften gehören zum
Kernbestand dieser Disziplinen. Es ist hier nicht der Ort -über den
allgemeinen Hinweis hinaus- den Stellenwert und die fachgeschichtliche
Bedeutung marxistischer Entwicklungsvorstellungen zu referieren. Dabei
sind Stufenmodelle der gesellschaftlich-ökonomischen Entwicklung in der
Tradition des Marxismus nach heutigem detaillierten Wissen über die
gesellschaftlichen Entwicklungsprozesse nur noch theoriegeschichtlich
interessant. Wie wenig Aufschluß über den realen Entwicklungsverlauf
eine begriffliche Auseinandersetzung über Entwicklungsstufen gibt, zeigt
das „Nachhutgefecht“ zwischen den Sozialgeographen der „Neuen
Linken“ um LENG oder MASSARAT mit der BOBEKschen Stufengliederung, deren
innovativer Kern das Postulat des „Rentenkapitalismus“ für den
Feudalismus oder die „asiatische Produktionsweise“ des Nahen Ostens
war. Keiner dieser Ansätze hat vermocht, die Umwälzungen, Kriege und
gesellschaftlichen Transformationen in Iran oder Irak oder in den Erdölstaaten
der Arabischen Halbinsel, aber auch nicht die gesellschaftliche Anomie des
Libanon zu erklären, geschweige denn auch nur in Ansätzen zu
prognostizieren. Interessant ist dabei eigentlich nur der Versuch einer
begrifflichen Integration gesellschaftlicher Theorieansätze in konkrete
geographisch-länderkundliche Untersuchungen.
Sich
von den Theoremen des klassischen Marxismus abzsetzend, erst recht von
Vorstellungen des Marxismus-Leninismus, wurden diese Entwicklungsmodelle
vor allem in den sechziger Jahren in der Entwicklungsländertheorie
fruchtbar gemacht durch lateinamerikanische Dependencia-Theoretiker wie
FURTADO, GALEANO oder SUNKEL, die in Westeuropa durch SENGHAAS, GALTUNG
und MYRDAL augfgegriffen und weiter verfolgt worden sind. Theoreme der abhängigen
Entwicklung der marginalisierten Peripherien im Neokolonialismus als Erbe
des historischen Imperialismus bzw. im „Peripheren Kapitalismus“ (SENGHAAS)
stehen im Mittelpunkt dieser Globalanalysen. Wenn auch heute der globale
Anspruch und die Vernachlässigung der internen Besonderheiten der
einzelnen Regionen grundsätzlich kritisiert wird, Franz NUSCHELER weist
vor allem auf die Besonderheiten der Südamerikanischen Situation hin,
die das Entwicklungsmodell entscheidend geprägt haben [„Lern- und
Arbeitsbuch Entwicklungspolitik“, Bonn 19913, S.89 ff.], sind einige
Erkenntnisse aus diesem theoretischen Ansatz zu unverzichtbaren
Bestandteilen gesellschaftswissenschaftlicher Entwicklungstheorien
geworden:
-
durch Naturfaktoren und Ressourcen sind Entwicklungunterschiede nicht
hinreichend zu erklären,
-
abhängige sozio-ökonomische Entwicklung führt zu sozialer Desintegration und räumlich-strukturellen
Deformationen,
-
Entwicklungsprozesse sind
politische Prozesse, die in hohem Maße von den internationalen politischen
Rahmenbedingungen abhängig sind.
Dennoch
bleibt festzuhalten, daß die Dependencia-Theorie zu undifferenziert und
in Bezug auf die Erklärung innergesellschaftlicher Machtprozesse defizitär
ist. Dieser Aspekt des Entwicklungsprozesses, der sich als sozialer Wandel
ausdrückt und innergesellschaftliche Machtprozesse involviert, spielt in
der derzeitigen internationalen Situation sowohl in der „Dritten
Welt“ wie in den Ländern Mittel- und Osteuropas eine entscheidende
Rolle. Es ist nicht verwunderlich, das Scheitern der aus der
Dependenzia-Theorie begründeten Entwicklungsstrategie der Abkoppelung
(„Dissoziation“ nach SENGHAAS) festzustellen; die Beispiele Algerien,
China während der „Kulturrevolution“ und das Kambodja der Roten Khmer
beweisen das. Geographisch und gesellschaftswissenschaftlich weniger
ergiebig sind praktische politische Strategien der kulturellen
Abkoppelung, die sich auf das Theorem der kulturellen (teilweise aus
„rassischen“) Identität berufen und die der politischen Rechten
zuzuordnen sind und nur am Rande aus einem rationalen Kulturverständnis
heraus entwickelt werden können, meist aber einen rückwärtsgewandten
Geschichtsmythos zur Herrschaftslegitimation aufbauen. Die langjährigen
Staatsideologien Tansanias, Senegals (die „Négritude“-Bewegung
Senghors) oder Indonesiens unter Sukarno („pandja shila“) gehören
ebenso dazu wie die Funktionalisierungen der Religion in der Islamischen
Republik Iran. Interessant wäre es, der Frage nachzugehen, inwieweit die
demonstrative Rekatholisierung Polens ebenfalls diesem rückwärtsgewandten
Geschichtsmythos entspricht. Wie gesagt, als theoretische Konzepte der
Abkoppelung brauchen diese Phänomene nicht gewertet zu werden; als
spezifische Ausdrucksformen für gesellschaftlichen Wandel und
Legitimationskrisen werden sie jedoch zu auch in unserem Kontext
interessanten Untersuchungsgegenständen.
Nur
unter völlig anderen kapitalistischen Prämissen waren bisher temporäre
Abkoppelungen erfolgreich, die aber eher in der traditionellen Schutzzoll-
und Autarkiepolitik der USA bis zum ersten Weltkrieg zu sehen sind, wie
parallel zu großen technologischen und investiven Anstrengungen die jüngsten
Beispiele Japan, Südkorea oder insgesamt die südostasiatischen „fünf
kleinen Tiger“ vorexerziert haben. Geographische und gesellschaftliche
Entwicklungstheorien gerade diese sehr differenzierten Entwicklungswege
erklären, deren Erfolg von der Fachwissenschaft keineswegs vorausgesehen
wurde.
Für
die Politikberatung für die ehemals sozialistischen Länder sind
theoretische Ansätze höheren Differenzierungsgrades notwendig. Es
liegt dabei nahe, in einem kurzen Exkurs zunächst die neueren
soziologischen Theorien des sozialen Wandels zu streifen auf DAVIES
[1962], LINDNER [1972] oder WISWEDE/KUTSCH [1978] hinzuweisen, die in
die Entwicklungstheorien zu integrieren sind. In diesem theoretischen
Kontext wird vermittelnd zwischen sozialer Krise und Machtverlust bzw.
Machtwechsel der Prozeß der Legitimationskrise gesehen. Legitimationskrisen
entstehen aus der Vielfalt von Dissonanzerfahrungen zwischen Realitätsdeutung
und Realitätswandel, zwischen Wertanspruch und Wertverwirklichung der
Gesellschaft, aber auch zwischen erwarteter innergesellschaftlicher
Zukunfts- und Ordnungssicherheit und Verfall der gesellschaftlichen
Basislegitimität durch den Macht- und Legitimitationsverlust einer
inkompetenten Herrschaft. Erst aus diesem Ansatz heraus lassen sich die
offensichtlichen Diskontinuitäten und Ungleichzeitigkeiten von
Entwicklungsprozessen erklären, für deren Erklärung materielle
geographische und statistisch-quantifizierende Entwicklungsmodelle
ebensowenig ausreichen wie gesellschaftliche Globaltheorien.
Ein
umfassender theoretischer Ansatz in diesem Sinne liegt aber noch nicht
vor. Die Propädeutik wird in Hinblick auf die Dritte Welt geleistet von
Arbeits- und Materialbüchern wie dem schon genannten von NUSCHELER, der
verdienstvollen Untersuchung zur Schuldenkrise von Elmar ALTVATER u.a.
[„Die Armut der Nationen“, Berlin 1987] oder dem „Weißbuch
Afrika“ von Walter MICHLER [Bonn 19912].
Was
bleibt von den Entwicklungstheorien?
Der
kappe Überblick bestätigt den eingangs festgestellten Befund der
„neuen Unübersichtlichkeit“ und der geringen prognostischen Validität
der geographischen und politologisch-gesellschaftswissenschaftlichen
Entwicklungs- wie Entwicklungsländertheorien. Gründe dafür sind:
-
die
traditionelle „Ungleichzeitigkeit“ der geographischen Paradigmatik [SCHRAMKE,
a.a.O.],
-
ihre mangelnde Integration in die wissenschaftliche
und gesellschaftliche Entwicklung [HARD, 1973, S.159],
-
mangelhafter theoretischer Kontext gesellschaftswissenschaftlicher und
raumwissenschaftlicher Konzepte [FILIPP, a.a.O.],
-
Zersplitterung der gesellschafts- und
politikwissenschaftlichen Begriffs- und Theorembildung,
-
eurozentrische Entwicklungsbegriffe,
-
Interessengeleitetheit der entwicklungpolitischen Auftragsforschung.
Statistische
Untersuchungen sind zwar notwendige Datengrundlagen für jede weitere
wissenschaftliche Arbeit und entwickelte mathematische Verfahren wie die
Cluster-Analysen aus umfangreichen Datenbeständen heraus, die durch
EDV-Einsatz heute sehr erleichtert werden, lenken den Blick auf bisher
verdeckte Zusammenhänge und dienen der Prüfung von Hypothesen und
Theoremen, können aber die Arbeit an Theorien der Entwicklung und der räumlichen
und sozialen Dynamik nicht ersetzen. Dazu kommt noch das Problem der
unsicheren und nur partiell vergleichbaren Datenerhebung in den
verschiedenen Ländern, ein Problem, das in den letzten Jahren noch gravierender
geworden ist, seit gegen die notwendige Erhebung detaillierter, z.T. auch
personenbezogener Daten -aus verständlichen politischen Befürchtungen
heraus- in fast allen Industriestaaten wachsender Widerstand aus der Bevölkerung
heraus zu bemerken ist. Für Soziologen und Sozialgeographen wird es immer
schwerer, gesicherte Aussagen über die sich wandelnde sozio-ökonomische
Realität zu machen!
Was
hat ein reflektierter Entwicklungsbegriff heute zu leisten und an
gesellschaftlich-räumlicher Realität aufzunehmen? Dazu einige
Anmerkungen in thesenhafter Form:
-
Entwicklungsprozesse
sind politische Prozesse und Interessenlagen unterworfen.
-
Entwicklungsprozesse
reflektieren und evozieren soziale Konflikte.
Gesetzmäßigkeiten
von Entwicklungsprozessen können nicht eindimensional erklärt werden
sondern umfassen die politisch, sozo-ökonomische und raum..strukturelle
Dimension.
-
Entwicklungsprozesse
umfassen eine Zieldimension und sind damit tendenziell wertbesetzt.
Diese
Wertdimension ist in unserem Argumentationszusammenhang nun nicht mehr mit
einem wissenschaftlichen Erklärungsanspruch vorzutragen, soll aber ganz
bewußt aus der Sicht des Verfassers hier in einigen Entwicklungsziele
kennzeichnenden Thesen vorgetragen werden:
-
Entwicklungsprozesse müssen sich aus der politischen Kultur des
Landes heraus legitimieren lassen.
-
Entwicklungsprozesse stehen im internationalen Kontext und sollen auf Gleichheit der
Entwicklungschancen und Entwicklungsspielräume hinzielen.
-
Entwicklungsprozesse
sollen integrative Funktionen wahrnehmen.
-
Entwicklungsprozesse
sollen die materiellen und sozialen Lebenschancen verbessern und damit der
Ausweitung der individuellen Chancen zur Gestaltung von
Lebensperspektiven im Rahmen der sozial tragenden und legitimierten
Wertordnung dienen.
-
Entwicklungsprozesse
sollen strukturelle Deformationen und regionale Disparitäten abbauen.
Daß
tatsächlich verlaufende Entwicklungsprozesse oftmals anders als durch
diese Forderungen skizziert verlaufen sind und auch weiter verlaufen
werden, ist offensichtlich; das Projekt „neue Weltordnung“ dient nur
zu unverhüllt der Sicherung der Hegemonialpolitik der USA, die europäische
Abschottung -aus Angst um eigene materielle Standards und Privilegien
– führt zu weltweitem Eurozentrismus und verschärft die globalen
Disparitäten, jedoch mit der Chance, daß viele kleinere
Entwicklungspole, wenn auch oft nach europäischem Muster, in Ost- und Südostasien,
mittelfristig auch in Vorderasien und Nordafrika, daneben aber auch in Südamerika,
zu einer Auflösung neuer zentralistischer oder bipolarer Tendenzen
beitragen können.
So
stellt sich zum Abschluß dieses Überblick noch einmal explizit die
Frage, die schon in der Themenformulierung mit enthalten ist: eignen
sich raum- und gesellschaftswissenschaftliche Theorien zur Erklärung von
Entwicklungsprozessen sowohl in der „Dritten Welt“ als auch in Mittel-
und Osteuropa? Die engen Grenzen der Gültigkeit der derzeitigen
Theorieansätze, die nur in sehr beschränkter Auswahl -pars pro toto-
angesprochen werden konnten, wurden schon aufgezeigt. Umgekehrt lautet die
Frage dann, inwieweit die reale Situation in der „Dritten Welt“ auf
der Basis der theoretischen Konzepte überhaupt mit der Krisensituation in
Osteuropäischen Ländern vergleichbar ist.
Die
rein statistisch-quantitative Bestandsaufnahme zeigt durchaus Parallelen,
was Lebensstandard, Versorgung, Produktivität, Unterkapitalisierung, Mängel
der Infrastruktur etc. angeht – wenn auch nicht zu den ärmsten
Entwicklungsländern, den LLDCs, so doch zu den Schwellenländern.
Abweichungen sind mehr oder weniger ausgeprägt im Bereich der
beruflichen Qualifikation, dem Bildungswesen, der gewerblichen Tradition,
der gesellschaftlichen Binnendifferenzierung und Arbeitsteilung
festzuhalten, die Osteuropa strukturell den westlichen Industrieländern
enger angepaßt erscheinen lassen. Die Weltmarktstellung auch während der
„realsozialistischen“ Zeit weist ebenso darauf hin.
Die
strukturellen und räumlichen Disparitäten und Deformationen ergeben ein
differenziertes Bild, das deutliche Unterschiede zwischen Polen und der
CSFR einerseits und den südosteuropäischen Ländern andererseits aufzeigt.
Strukturbrüche sind, wie auch in der „Dritten Welt“, sind Folgen der
Geschichte, in Polen der Geschichte der Grenzverlagerungen, Teilungen und
der Okkupation, die natürliche Zusammenhänge zerstörten und künstliche
externe Verknüpfungen aufzwangen.
In der
Zeit der Naziokkupation und ihrer Völkermordpolitik wurde auch die
polnische Gesellschaftsstruktur partiell zerstört – was in den möglichen
Folgen der kolonialen Penetration des Imperialismus bis zu einem gewissen
Grade vergleichbar ist –, doch verursachte es dieser Geschichtsverlauf
im Gegensatz zu vielen Regionen der „Dritten Welt“ nicht, eine
schichtorientierte soziale Desintegration zu bewirken, in der Teile der
Bevölkerung der Marginalisierung anheim gefallen wären.
In Ungarn, das
sei hier nur am Rande gestreift, zeigt die Geographie bis in die jüngste
Zeit hinein noch die Folgen ungleicher regionaler Entwicklungen in der
Folge der abhängigen ökonomischen Situation unter osmanischer und
habsburgischer Herrschaft. Dependencia-Theoretiker würden hier Parallelen
zur „Dritten Welt“ ziehen und die übermächtige Agglomeration Budapest als
abgesondertes Zentrum ansprechen. Die Realitäten sind sowohl
zeitgeschichtlich wie geographisch komplexer und differenzierter. Es
zeigt sich, dass eine globalisierende Theoriebildung nicht ausreicht, die
Realitäten, noch die Folgen ungleicher regionaler Entwicklungen in der
Folge der abhängigen ökonomischen Situation unter osmanischer und
habsburgischer Herrschaft zu erklären. Dependencia-Theoretiker würden hier
Parallelen zur „Dritten Welt“ ziehen und die übermächtige Agglomeration
Budapest als abgesondertes Zentrum ansprechen. Die Realitäten sind sowohl
zeitgeschichtlich wie geographisch komplexer und differenzierter. Es zeigt
sich, dass eine globalisierende Theoriebildung nicht ausreicht, die
Realitäten adäquat zu interpretieren. Anstelle einer Antwort auf die
Frage, ob die Erklärung der Probleme der „Dritten Welt“ auch auf Osteuropa
anwendbar ist, ob also letztlich in Osteuropa Entwicklungsländerprobleme
vorherrschen, sollte die Frage als inadäquat zurückgewiesen werden und die
Bezeichnungen „Dritte Welt“ oder „Entwicklungsländer“ als politische
Begriffe verstanden werden, die für die Artikulation spezifischer
Entwicklungsinteressen in der internationalen Auseinandersetzung um eine
Erneuerung Europas und sind trotz aller Sozialkonflikte sozial integriert;
in diesem Befund ist jedoch nach Südosten hin eine Grenze zu ziehen. Die
Gefahr besteht wie bei jedem irrational, d.h. meist: nationalistisch,
völkisch oder religiös überhöhten Sozialkonflikt, dass als Resonanz auf
die wachsende Gewaltbereitschaft diese jugoslawische (oder auch
nordirische, libanesische oder sonstige) Form der Konfliktaustragung
Muster für desintegrative Sozialauseinandersetzungen auch in anderen
Teilen Europas werden könnte. Die Folge wäre ein weltweiter Trend zur
gesellschaftlichen Anomie – oder wie es schon Hobbes und Rousseau
thematisiert haben: der Kampf Aller gegen Alle.
Die
sozialpsychologischen Grundlagen der Politischen Kultur
Neben
der politischen, räumlichen und sozialökonomischen Dimension des
Entwicklungsbegriffes ist seine sozialpsychologische Wahrnehmung
entscheidend. Entwicklungsprozesse mit der ihr immanenten Zielperspektive
sind, so wir nicht ein metaphysisches Subjekt der Geschichte einführen
wollen, wahrgenommene und interprierte, sinnbesetzte Realität und Realitätsveränderung.
Sie unterliegen den Gesetzmäßigkeiten der Situations- und Realitätsdefinition
im Rahmen der gesellschaftlich geprägten Wahrnehmungs- und
Interpretationsmuster von Sprache, Tradition, Wertbesetzung und der
innergesellschaftlichen Kommunikation. Sie sind Teil der Politischen
Kultur. Das menschliche, gesellschaftliche Verhalten steht damit in einem
überaus komplexen Spannungsverhältnis von materieller Umwelt und
gesellschaftsbezogener Realitätsdeutung, die erst zusammen
gesellschaftliches Verhalten bestimmen.
Auffällige
Unterschiede der gesellschaftlichen Reaktion auf scheinbar gleiche
Problemlagen spiegel die historische Erfahrug und die gegenwärtige
Sinngebung der Realität und der angestrebten Handlungsziele. Der Entwicklungsbegriff
erhält damit eine sozialpsychologische Dimension, deren Wirksamkeit so
gravierend ist, daß sie auch von der geographischen Theoriebildung nicht
negiert werden darf.
Die
traditionelle Fremdheit der Geographie gegenüber der politischen und
sozialpsychologischen Forschung hat nur zu oft bewirkt, daß fachlich überaus
kompetente Geographen bei der Interpretation gesellschaftlichen Verhaltens,
das im geographischen Kontext nicht zu übersehen ist, auf biologistische,
rassistische oder stereotype Interpretationsmuster verfallen [Vgl. dazu
die Untersuchungen zum „Orientalismus“ bei SAID oder die
Schulbuchanalysen von FOHRBECK u.a.!]. Es ist daher sinnvoll, nach
theoretischen Entwürfen zu sehen, deren Integration in die geographische
Entwicklungs- und Entwicklungsländerforschung zu einer angemesseneren
Realitätsinterpretation und zu einer Verbesserung der Reichweite und Gültigkeit
geographischer und auch traditioneller politologischer Theorien führen
kann. Dazu abschließen nur ein Hinweis, der einer eingehenderen
Diskussion bedürfte.
Die
Französische Linke nach dem Zweiten Weltkrieg fand ausgehen von einem
unorthodoxen Marxismus einen von der deutschen und angelsächsischen
Tradition abweichenden Zugang zur Thematik der „Dritten Welt“, die
sich in einem vom Existenzialismus beeinflußten Arbeiten im Rahmen einer
reflektierten Identifikation bei FANON, in einer kritisch-teilnehmenden
Kulturanthropologie bzw. Ethnographie bei LEIRIS oder den sensibel sich
dem Untersuchungsgegenstand einbeziehenden Strukturalismus von LÉVI-STRAUSS
ausdrücken. Im Gegensatz zur deutschen soziologischen Tradition wurden
die methodischen Bedenken gegen die hier überall zugrunde liegende
„teilnehmende Beobachtung“ [die auch in einigen grundlegenden Arbeiten
der amerikanischen Kulturanthropologie angewandt wurde wie z.B. bei
WHORFE oder MEAD] als nicht unüberwindlich angesehen. Ziel der
Forschungen war ein inhaltliches nachvollziehendes Verständnis
menschlicher Verhaltensweisen, die der Abwehr eurozentrischer
Vorurteilsperspektiven mehr dienen konnte als das rein methodisch-formale
Abweisen des Eurozentrismus in der kritischen Dritte-Welt-Forschung in
Deutschland.
In Prägnanz
und sprachlicher Pointierung überzeugende Beispiele für diesen
„literarischen“ Zugang zur Problematik von Kolonialismus und
Penetration sind die beiden Vorträge von MEMMI über die „Absurdität
des Zustandes des Kolonialismus“ [„Der Kolonisator und der
Kolonisierte. Zwei Portraits“], die schon 1951 viel zum Bewußtwerden
der kolonialen Situation im Maghreb auch bei der französischen Linken
beigetragen haben. Gegen dieses „Verstehen“ gibt es in Deutschland,
philosophisch wohl begründet, erhebliche Einwände, die in der reinen
abstrakten Systemtheorie bei Niklas LUHMAN ihren deutlichsten Ausdruck
findet – bis hin zur völligen Entpolitisierung der politischen
Theorie.
Aus der eigenen praktischen Arbeit in der „Dritt-Welt“-Thematik
heraus und aus den Vermittlungserfahrungen als Lehrer möchte ich selbst
jedoch zum Abschluß die Schlußfolgerung ziehen, daß ohne politische
Dimension, die die Realitätsdeutungen und politischen
Legitimatio~sprozesse mit einbezieht und ohne ein Einbeziehen der teilnehmenden
Beobachtungen einer kritischen politischen Anthropologie die Theoriekrise
in Bezug auf die aktuellen Entwicklungsprobleme nicht überwunden werden
kann.
»Dritte-Welt«
und »Dritte-Welt-Didaktik«
Aich,
Prodosh: Ein Lernbereich „Dritte Welt“ in der politischen Bildung? in:
Schmidt-Sinns, Hg., Methodik des Lernbereichs Dritte Welt, Schriftenreihe
der BZfpB, Band 118, Bonn 1977(1) S. 35-49
Altvater,
Elmar, u.a., Hg.: Die Armut der Nationen. Handbuch zur Schuldenkrise von
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in der Wisschaft und im Unterricht: Zusammenarbeit zwischen Ost und
West“, am Dienstag, 3. Sept. 1991
Inhalt:
Grundlegende
Einsichten und Ansätze
Paradigmenwandel
und zeitgeschichtliche Realität
Was
bleibt von den Entwicklungstheorien?
Die
sozialpsychologischen Grundlagen der Politischen Kultur
»Dritte-Welt«
und »Dritte-Welt-Didaktik«
Ein
Überblick über die verwendete und zitierte Literatur
Impressum
Abdruck
von Gerhard
Voigt:
Thesen
zu
den
Möglichkeiten
und
Grenzen
der
Anwendbarkeit
geographischer
und
politologischer
Entwicklungsmodelle
zur
Analyse
der
aktuellen
Krisen
in
Osteuropa
und
in
der
Dritten
Welt.
Folgt
einem
Vortrag
im
Rahmen
der
internationalen
wissenschaftlichen
Konferenz
»Aktuelle Fragen der Geographie
in
Wissenschaft
und
Unterricht«
anläßlich
des
fünfzigsten
Jahrestages
des
Bestehens
des
Lehrstuhles
für
Allgemeine
Wirtschaftsgeographie
der
Eötvös-Loránd-Universität
von
Budapest.
Oldenburger
Vor-Drucke
Heft
167/92.
Oldenburg
1992.
IX
/02/Voigt
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