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Kritische Gedanken zu dem
was wir feiern

Grüße an meine Freunde
Zu Sylvester 2009:
die Sitte, zu einem bestimmten Zeitpunkt seinen Knall
rauszulassen fußt auf zwei Grundlagen: 1.) mit Schreckensgestalten und
Mumpitz und viel Lärm die "wilden Reiter" der Tage nach Weihnachten
(früher nach der Wintersonnenwende - ist ein vorchristlicher Brauch) zu
vertreiben (die Angst der Menschen vor der Dunkelheit war noch sehr groß!)
und 2.) als kulturellere Tansfer chinesischer Neujahrssitten (das Datum
war aber ein anderes): Schwarzpulver und Raketen zu zünden (auch heute
noch gibt es in China zu diesem Zeitpunkt enorm viele Unfälle mit Toten!).
- Das Datum ist durch die vielen Kalenderreformen aber tatsächlich recht
willkürlich für einen Jahresanfang. In vielen Teilen der Welt ist der
Frühlingsanfang, 21. März ("Now ruz") der Jahresbeginn, was astronomisch
etwas mehr Sinn macht - aber die Geschichte unseres Kalenders kann ich
hier nicht ausführlich darstellen. Dass der Tag Silvester heißt, ist
Zufall, da der hl. Silvester von der Kirche diesen Tag als "Namenstag"
zugewiesen bekam ohne jeglichen Zusammenhang mit einem Jahreswechsel.
Ich glaube nicht an die "Wilden Reiter" und brauche
mit sinnlosem Knallen auch keine bösen Geister zu vertreiben - aber ich
wünsche euch allen richtig fröhliche Feiern (ohne Unfälle oder Koma!) und
ein sehr erfolgreiches Neues Jahr.
Euer Gerhard Voigt
Ein großer Lacherfolg:
Über die
Suche nach der Arche Noah
20.10.89
Welch Geistes Kind sind diese fundamentalistischen
Bibelgläubigen, die unbeirrt am Berg Ararat nach der Arche suchen?
Unmittelbar vor dem Aufbruch zu einer eigenen Reise in die Türkei reizt
mich dieser Artikel doch dazu, den Unfug einmal ernst zu nehmen und an
einige, bei Archäologen und Orientalisten unstrittige Sachverhalte zu
erinnern (damit nicht ein neuer Noah-Massentourismus diese großartige
Landschaft „überschwemmt“):
Der Ararat an der nordöstlichen Grenze der Türkei
hat mit dem biblischen Berg Ararat, der in den alten Schriften zwar
ähnlich lautet, aber erst in einer später unverstandenen
Textüberlieferung dem nun nur noch bekannten Ararat sprachlich
angeglichen wurde, nichts zu tun. Der biblische Ort, der nicht mehr
widerspruchsfrei zu lokalisieren ist, liegt im Zweistromland und ist
sicherlich einer der Hügelzüge, die auch bei katastrophalen
Überschwemmungen trocken blieb. Der türkische Berg Ararat hat seinen
Namen von dem altorientalischen Reich Urartu, das in anderem zeitlichen
Kontext zwar auch im alten Testament erwähnt wird, niemals aber in der
Namensform Ararat.
Und im Übrigen: muß Bibelglauben auch bedeuten, den
Sintfluttext so zu verstehen, daß es auf einmal auf der Erde Wassermassen
gab, die die Erdoberfläche in einer Mächtigkeit von 5000 m überdeckten
und dann wieder spurlos verschwanden?
An solchen Absurditäten sollte auch echte
Gläubigkeit nicht hängen (vor allem, da die Originalüberlieferungen
etwas ganz anderes meinen). Die Sintflutüberlieferung, von ihrem viel
bedeutsameren ethischen Aussagewert einmal angesehen, bezieht ihren
Realitätsgehalt aus einer oder mehreren katastrophalen Überflutungen,
die das Zweistromland tatsächlich kannte. Daß andererseits am türkischen
Ararat Artefakte zu finden sind, ist bei einem so alten Kulturland nicht
verwunderlich - eher, wenn man nichts derartiges fände. Was aber immer
gefunden wird: die „Arche Noah“ kann es nicht sein.
Quelle: Leserbrief Frankfurter Rundschau - Noah
Ararat 891020
Glosse:
Die Drei Heiligen Könige |